Copyright: ZDF / Hendrik Heiden
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Rufmord

Der Fernsehfilm der Woche

Rosalie Thomass spielt eine Lehrerin, die von einem Unbekannten gemobbt wird. Regisseurin Viviane Andereggen inszenierte das Drama nach dem Drehbuch von Claudia Kaufmann und Britta Stöckle. In weiteren Rollen sind Johann von Bülow, Shenja Lacher, Ulrike C. Tscharre, Lilly Forgách, Verena Altenberger und Johanna Gastdorf zu sehen. Der Film wurde 2018 mit dem Bernd Burgemeister Fernsehpreis im Rahmen des Filmfest München ausgezeichnet.

  • ZDF, Montag, 1. April 2019, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Freitag, 29. März 2019, ZDFmediathek

Texte

Stab, Besetzung, Inhalt

Buch       Claudia Kaufmann, Britta Stöckle
Regie      Viviane Andereggen
Kamera       Martin Langer
Schnitt     Constantin von Seld
Ton        Rainer Butschal
Szenenbild      Juliane Friedrich
Kostümbild     Mika Braun, Silke Sommer
Maske      Nadine Scherer, Anna-Laura Peters
Musik     Annette Focks
Produktionsleitung      Katja Timm
Herstellungsleitung        Sabine Wenath-Merki
Produzentinnen         Kirsten Hager, Carmen Stozek
Produktion      hager moss film, München
Redaktion     Anja Helmling-Grob
Länge    ca. 88 Minuten

 

Eine ZDF-Auftragsproduktion der hager moss film in Zusammenarbeit mit ARTE

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Luisa Jobst      Rosalie Thomass
Georg Bär     Johann von Bülow
Finn       Shenja Lacher
Marianne Bär       Ulrike C. Tscharre
Martina Lechner     Lilly Forgách
Kommissarin Baumann    Verena Altenberger
Katharina Weil    Johanna Gastdorf
Kiki     Eli Wasserscheid
Melli        Natalia Rudziewicz
Timo       Franz Pätzold
Brigitte        Katja Lechthaler
Susanne       Angelika Fink
Paul Bär     Nico Marischka
Lilli      Mila Tell
und andere

 

Inhalt

Seit wenigen Monaten arbeitet Luisa Jobst als Lehrerin in Kails. Sie fühlt sich in den bayerischen Ort und in der Schulgemein­schaft gut integriert.

Luisa ist mit dem jungen Schreiner Finn glücklich zusammen, der für sie seine langjährige Freundin verlassen hat. Als aber auf der Homepage der Schule Nacktfotos von ihr auftauchen, merkt Luisa, dass sie sich mit modernen Unterrichtsmethoden und ihrer unkonventionellen Art nicht nur Freunde gemacht hat.

Eine Lawine kommt ins Rollen: Wütende Eltern und aufgebrachte Kollegen hetzen gegen die Lehrerin, und ehe Luisa das ganze Ausmaß erkennt, ist sie Opfer einer Rufmord-Kampagne gewor­den. Sie erstattet Anzeige, doch das Löschen der kompromittie­renden Seiten im Netz genügt nicht, um ihren geschädigten Ruf wieder herzustellen. Luisa sieht sich immer dreister werdenden Gehässigkeiten ausgesetzt. Sie beschließt, selbst herauszufin­den, wer ihr Leben zerstören will.

Die Brüchigkeit von sozialen Beziehungen

Statement von Regisseurin Viviane Andereggen

Was mich an dieser Geschichte von Anfang an interessiert hat, ist die Frage, wie dünn die Firnis der Solidarität in einer Ge­meinschaft ist, wie schnell wir Menschen uns doch von Meinun­gen und Lügen verunsichern lassen und bereit sind, diese zu ak­zeptieren und zu glauben. Der zentrale Konflikt bei "Rufmord" lag für mich in der Brüchigkeit von sozialen Beziehungen. Bei dem Prinzip der Ausgrenzung geht es oft auch darum, seinen eigenen Status in der Gemeinschaft zu festigen und sich als Gruppe stär­ker und mächtiger zu fühlen. Der Film handelt für mich genau von dieser Macht und Ohnmacht. Das sind Themen, mit denen ich mich gerade auch als Jüdin und Enkelin von Shoa-Überlebenden sehr stark beschäftige.

Der Schock sitzt tief und das Misstrauen gerät außer Kontrolle, während Luisa einen einsamen Kampf um ihre Würde führt. Es ist eine Art Hexenjagd, die von Misstrauen, Unsicherheit, Überforde­rung befeuert wird und zu einer schleichenden, dann schlagarti­gen Eskalation führt. Der Zusammenhalt, die Freundschaft, die Solidarität: alles Illusionen. Die Gesellschaft ist keine Konstante, sie wird leicht verrückt. Menschen können aus Unsicherheit, Dummheit, Feigheit heraus ein Leben ruinieren. Statt Unschulds­vermutung gilt plötzlich Schuldvermutung, in dubio contra reum.

Die Vergangenheit enthüllt sich Schritt für Schritt

Statement von Autorin Claudia Kaufmann

Opfer von Cybermobbing gehen oft durch die Hölle und haben keine legale Handhabe, sich gegen die anonyme Denunziation zu wehren. Ich fand es interessant, eine Geschichte zu erzählen, in der die verzweifelte Protagonistin im Kampf um ihre Würde zu ganz außergewöhnlichen Mitteln greift.

Es bot sich an, bei diesem Film das dramaturgische Mittel der zwei Zeitebenen zu wählen, um gleichsam mit den Ermittlern Schritt für Schritt die Vergangenheit zu enthüllen und die Span­nung bis zum Schluss zu halten.

Möglichst authentische Figuren

Statement von Autorin Britta Stöckle

Ein besonders wichtiger Aspekt meiner Arbeit als Drehbuchauto­rin ist es, möglichst authentische Figuren zu kreieren – das ist man einem solchen Stoff schuldig.

Viele von uns sind schon mal auf die eine oder andere Art mit dem Thema "Cybercrime" in Berührung gekommen und dement­sprechend verunsichert – wenn man also während des Films mit den Figuren mitfiebert, führt das dazu, dass man sich von dem Thema noch einmal ganz anders emotional berühren lässt.

"Wie weit geht Luisa, um sich zu verteidigen?"

Statement von Schauspielerin Rosalie Thomass

Luisa, ein aufrechter, integrer Mensch mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, wird in eine ausweglose Situation ge­drängt. Wie reagiert sie im Moment der absoluten Hilflosigkeit? Kann sie sich noch ihren moralischen Vorstellungen entsprechend verhalten? Wie weit wird sie gehen, um sich und ihr Leben zu verteidigen? Diese Frage hat mich sehr interessiert. Luisa wehrt sich vehement gegen die Opferrolle, in die sie durch Cybermob­bing gedrängt wird, und beginnt, allen geliebten Menschen in ih­rem Umfeld zu misstrauen. Auch dieser Aspekt faszinierte mich: dass die unerschrockene und wohlgemute Luisa ihr Vertrauen in ihre Mitmenschen verliert, und wie sie damit umgeht.

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