Sein gutes Recht

Der Fernsehfilm der Woche und Dokumentation

Thekla Carola Wied und Matthias Habich (Foto) spielen die Hauptrollen in dem Fernsehfilm der Woche. Der 90-Minüter beschäftigt sich mit einem gesellschaftlich relevanten Thema: dem Umgang mit Demenz und der oft daraus resultierenden Vormundschaft durch eine richterlich verfügte Betreuung. An die Ausstrahlung schließt sich eine 30-minütige Dokumentation an.

  • ZDF, Montag, 30. März 2015, 20.15 Uhr bzw. 21.45 Uhr

Texte

Vorwort von Redakteurin Gabriele Heuser

"Ich weiß nicht, wie man es besser machen kann, ich weiß nur, dass man es besser machen muss, denn wir alle werden alt, zu alt, um jeden Tag für unser Recht zu kämpfen und zu bestimmen, was einmal mit uns sein wird."

Das ist der letzte Satz, den Leni (Thekla Carola Wied), die langjährige Freundin des demenzkranken, vereinsamten Max (Matthias Habich) in dem bewegenden, hochemotionalen Fernsehfilm "Sein gutes Recht“ bei einer Anhörung der Betroffenen vor Gericht vorbringt.

Wir alle können eines Tages in die Situation kommen wie der vereinsamte Max: Es existieren keine Familienkontakte mehr, und man ist allein, krank und hilflos. Dann bestellt ein Gericht einen Betreuer für eine Vormundschaft, oft einen Rechtsanwalt, und alles scheint geregelt: Arztbesuche, Wohnungsreparaturen, Pflege und so weiter. Doch viele Betreuer sind überlastet; manchmal, wie auch in unserem Film, gibt es unter ihnen "schwarze Schafe". Nicht immer geht es um Betrug, manchmal sind es "nur" mehr oder minder gravierende Nachlässigkeiten oder Fehlentscheidungen, die den hilflosen Kranken mit voller Wucht treffen.

Was kann man tun? Ein System, das Rechtssicherheit für Alle behauptet, aber nicht immer einlöst, ist reparaturbedürftig. Der Nachbar, die Freunde, der Sozialarbeiter, der Neurologe, der Richter, der Betreuer – keiner darf die Verantwortung einfach wegen Überlastung oder Gleichgültigkeit abschieben an die anderen, sonst kommt es schnell zur Krise, zum Eklat.

Darum, und um die Folgen solchen Handelns geht es in "Sein gutes Recht". Weil Max nicht mehr kämpfen kann, kämpft Leni für ihn und muss dafür einiges einstecken. An niemandem geht die "Betreuungsfalle" spurlos vorüber, aber die Falle kann überwunden werden, wenn alle an einem Strang ziehen!

Stab, Besetzung, Inhalt

Montag, 30. März 2015, 20.15 Uhr

Sein gutes Recht

Der Fernsehfilm der Woche

 

BuchMarco Wiersch, Isabel Kleefeld
RegieIsabel Kleefeld
KameraAlexander Fischerkoesen
SchnittRenata Salazar Ivancan
SzenenbildJulian Augustin
KostümbildBrigitte Nierhaus
TonHank Trede
ProduktionZeitsprung Pictures GmbH, Köln
ProduzentMichael Souvignier
RedaktionGabriele Heuser
Länge88 Min.

 

Die Rollen und ihre Darsteller:

Leni SchönwaldThekla Carola Wied
Max BüttnerMatthias Habich
Richterin BurkhardtUlrike Krumbiegel
Anwältin WilhelmyChristina Gabriela Hecke
Anwalt SchillingsGötz Schubert
Altenpfleger SashaNavid Navid
Caroline, BeraterinJohanna Gastdorf
Steffen, Max' SohnMartin Lindow
Gregor, Steffens EhemannThomas Huber
Tanzlehrer RickHanno Friedrich
und andere

 

Inhalt:

Mehr als ein halbes Jahrhundert, nachdem sie in der Tanzstunde frisch verliebt waren, treffen sich Max und Leni zufällig im Park wieder. Beide sind einsam. Leni ist verwitwet, Max zweimal  geschieden. Mit seinem homosexuellen einzigen Sohn hat Max sich überworfen. Leni und Max knüpfen dort an, wo sie damals aufhörten – sie gehen tanzen, lachen und reden. Doch schon der  zweiten Tanzstunde bleibt Max fern. In seiner großen, ein wenig verwahrlosten und unbeheizten Villa trifft Leni auf einen seltsam abwesenden, manchmal verstörten Max. So erfährt sie, dass sich bei ihrem Jugendfreund erste Anzeichen von Altersdemenz zeigen. Und schlimmer noch: Auf Veranlassung von Nachbarn wurde Max per Gerichtsbeschluss unter Betreuung gestellt. Selbst den Heizungsmonteur kann nur der mit der Betreuung beauftragte Anwalt bestellen. Doch der Jurist ist im Urlaub. Max braucht dringend einen Arztbesuch. Die Anwaltskanzlei ist völlig überlastet und hilft nicht weiter.

Die energische Leni nimmt den Kampf gegen die ignorante Kanzlei des Betreuers auf. Es gelingt ihr auch, die zunächst wenig zuvorkommende zuständige Richterin dazu zu bringen, die Notwendigkeit der Betreuung von Max erneut zu prüfen. Denn Max hat lange Phasen, in denen er fit ist. Doch bei dem Prüfungstermin steht Max leider völlig neben sich. Als er eine Panikattacke bekommt und eine Haushaltshilfe versehentlich leicht verletzt, wird er auf Veranlassung seines Betreuers in ein Heim gebracht. Leni erhält dort wegen ihrer kämpferischen Aufmüpfigkeit Hausverbot. Als Leni beobachtet, wie der betreuende Anwalt Max‘ Villa leerräumt, rastet sie aus. Schon besteht die Gefahr, dass die "lästige" Seniorin nun auch unter Betreuung gestellt wird. Der betrügerische Anwalt lässt Leni jedenfalls erst einmal in die Psychiatrie einweisen. Doch Leni bleibt geistesgegenwärtig. Als pensionierte Lehrerin kann sie der zuständigen Richterin vorrechnen, welche Rendite die Kanzlei mit ihren zahlreichen Betreuungsklienten einfährt. Da kommen atemberaubend viele abgerechnete Arbeitsstunden zusammen – da kommt auch die Richterin ins Grübeln.

Die Dokumentation

Montag, 30. März 2015, 21.45 Uhr

Sein gutes Recht – Leben mit Betreuung

Die Dokumentation

Ein Film von Ulrike Brincker und Andrea Klüting

 

KameraSteffen Bohn
RedaktionHilde Buder-Monath, Claudia Ruete
Länge30 Min.

 

Inhalt:

Es kann – früher oder später – jeden treffen. Schon heute sind 1,3 Millionen Menschen in Deutschland auf Betreuung angewiesen, Tendenz steigend.

Die Figur des Max Büttner im Film "Sein gutes Recht" ist erfunden. Aber die Zahl der Menschen, die wie er nach einem erfüllten, selbstbestimmten Leben auf einmal merken, dass sie Ausfallerscheinungen haben, ihren Alltag nicht mehr meistern, wird immer größer in Deutschland. Die Ursachen sind vielfältig: Demenz, psychische und andere Erkrankungen, Sucht. Früher konnte eine solche Lebensuntüchtigkeit zur Entmündigung führen: Der Betroffene verlor das Recht, über alle geschäftlichen und gesundheitlichen Belange seines Lebens selbst zu entscheiden. Heute gibt es das System der Betreuung: Hilfsbedürftigen Menschen wird ein gesetzlicher Betreuer zugewiesen, der sie nur dort unterstützen soll, wo sie wirklich Hilfe benötigen.

Karin Becker ist Berufsbetreuerin. Im Namen ihrer Schützlinge führt sie Auseinandersetzungen mit Angehörigen und Behörden, hilft bei der Entscheidung über die Unterbringung in Heim oder Krankenhaus. Nicht immer findet sie dabei die Zustimmung ihrer Klienten: Manch Betreuter empfindet die Einmischung in sein Leben als bloße Zumutung. Dabei bedeutet Betreuung im Unterschied zur früheren Vormundschaft gerade nicht, dass ein Mensch über einen anderen bestimmt. Peter Winterstein, Vorsitzender des Betreuungsgerichtstages, weist immer wieder darauf hin, dass den Wünschen der betreuten Person soweit wie möglich Rechnung getragen werden soll.

Das geht in der Praxis manchmal schief. Denn Berufsbetreuer kann jeder werden, es gibt keine geschützte Berufsbezeichnung. So kommt es, dass immer wieder schwarze Schafe das Image des Betreuers beschädigen. Und – immer wieder wird über Probleme geklagt: Mangelnde Kontakte zu den Betreuten, unzureichende Kontrolle durch die zuständigen Amtsgerichte, Überforderung, in Einzelfällen sogar Betrug und Unterschlagung werfen Schatten auf ein System, das Würde und weitestgehende Selbstbestimmung gerade bewahren soll. Auch Angehörige können zu Betreuern werden. Doch wer weiß, ob die lieben Kinder, Geschwister oder Enkel die Interessen des Betreuten wichtiger nehmen als die eigenen?

Andrea Klüting und Ulrike Brincker zeigen in ihrem Film Szenen aus dem Alltag von Berufsbetreuern und Schicksale von Betreuten. Anhand von verschiedenen Beispielen werden Licht und Schatten des Betreuungswesens aufgedeckt. Experten erklären, warum durch die dramatische Zunahme der Menschen, die einer Betreuung bedürfen, das System an seine Grenzen gerät. Längst fordern Verbände und Juristen, den Beruf des Betreuers zu professionalisieren. Aber auch ganz einfache Fragen werden beantwortet: Wer entscheidet eigentlich auf welcher Grundlage wann eine Betreuung erforderlich ist? Und wie kann jeder selbst Vorsorge treffen, dass er im Ernstfall von einer kompetenten und vertrauenswürdigen Person begleitet und nicht wie Max Büttner im Film "Sein gutes Recht" zum Opfer eines überforderten oder betrügerischen Betreuers wird?

Statement von Produzent Michael Souvignier

Ich habe mich als Produzent von "Zeitsprung" bei unseren Verfilmungen immer in der Rolle gesehen, außergewöhnliche und auf wahren Ereignissen basierende Geschichten zu erzählen.

Dabei ist uns nicht nur wichtig, die allgemeine Aufmerksamkeit auf brisante Themen und aktuelle Missstände zu lenken; ich möchte auch den Menschen für die Welt und deren Ungerechtigkeiten sensibilisieren. In dieser Tradition steht das Projekt "Sein gutes Recht".

Der Film bezieht sich auf ein Thema, mit dem wir alle früher oder später konfrontiert werden: das Leben im Alter und seine Tücken. Das Alter wartet manchmal noch mit der einen oder anderen Überraschung auf. Doch was passieren kann, wenn skrupellose Menschen, die Hilflosigkeit eines Menschen ausnutzen, wollen wir erzählen und zum Nachdenken anregen.

Was kann man tun, um sich davor zu schützen? Denn Hilfe gibt es immer, man muss sie nur finden und nutzen. Dabei erzählen wir keinen traurigen Film, sondern einen Film über eine alte, wiedergefundene Liebe und dass es sich immer lohnt, für sein Recht zu kämpfen!

Mit unseren beiden großartigen Darstellern Thekla Carola Wied und Matthias Habich und unter der Regie von Isabel Kleefeld ist uns ein wunderbarer und bewegender Film gelungen.

Ich danke dem ZDF für das Vertrauen und die Zusammenarbeit, insbesondere Gabriele Heuser. Danke auch an die Regisseurin Isabel Kleefeld, die das Buch von Marco Wiersch so wunderbar umgesetzt hat.

Interview mit Thekla Carola Wied

Obwohl sich Leni und Max seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen haben, engagiert sich Leni sofort für ihn, als ihr klar wird, dass Max gesundheitliche Schwierigkeiten hat. Was ist ihre Motivation?

Eine lang zurückliegende Zuneigung blüht bei dieser späten Begegnung wieder auf. Dieses starke Gefühl und die ihr eigene Kraft, lässt sie auch in schwierigen Lebenssituationen nicht aufgeben.

Im Film vertritt Leni eine ganz klare Haltung und scheut keine Konflikte, um Max‘ Interessen zu wahren. Welche Bedeutung haben Begriffe wie Zivilcourage und Konfliktbereitschaft für Sie persönlich?

Beides sind Tugenden, mit denen ich als Preußin durch Erziehung und Überzeugung großgeworden bin. Und je älter ich werde, desto weniger gehe ich Konflikten aus dem Weg. Im Gegensatz zum Tanzen bin ich in diesem Punkt perfekt besetzt.

Ohne Leni wäre Max verloren.

Einsamkeit und Krankheit gehören sicher zu den größten Belastungen, die das Alter bereithält. Ich glaube überhaupt: Einsamkeit ist eines der bedrückendsten Probleme in einer alternden Gesellschaft.

Leni und Max nehmen gemeinsam Tanzstunden. Wann haben Sie das letzte Mal mit ihrem Partner eine „flotte Sohle“ aufs Parkett gelegt?

Das weiß ich zufällig genau: Er war vor 20 Jahren in einer Tanzschule in Königstein/Taunus beim Tangotraining für einen Film. Ansonsten sind wir leidenschaftliche Nichttänzer.

Im Film hält Leni ein Schlussplädoyer und erklärt darin sinngemäß, dass das Betreuungssystem verbessert werden muss. Gibt es spontan etwas, das Sie persönlich verbessern würden?

Obwohl unser modernes Leben sicher nicht arm ist an Kontrollinstanzen, scheint es mir doch, dass im Bereich der Pflegschaft die Beauftragten besser überprüft werden sollten.

Interview mit Matthias Habich

Im Film erleben wir Max als liebenswert und hilfsbedürftig, aber mit seinem Sohn hat er wegen dessen Homosexualität gebrochen. Welchen Charakter hat Ihre Figur?

Menschliche Charaktere sind komplex und widersprüchlich. Ich versuche, niemals meinen Rollen einen "Charakterstempel" aufzudrücken. Ich will meine Figuren glaubwürdig gestalten. Punkt. Eine Charaktereinschätzung mag dann eventuell der Zuschauer treffen. Aber eine Charakterbeschreibung wird einem Menschen niemals gerecht werden. Einen Menschen erkennt man an seinen Taten. Die Summe aller seiner Taten lassen dann vielleicht auf den Menschen schließen.

Wie haben Sie sich auf die Rolle des demenzkranken Mannes vorbereitet?

Ich habe es vermieden, mir Filme von Kollegen auszuschauen, die das gleiche Thema behandelten, um nicht "aus zweiter Hand" zu gestalten. Ich habe viele Dokumentarfilme über Demenzkranke angeschaut, Fachbücher gelesen und Erfahrungen aus meinem Bekanntenkreis gesammelt. Ich bin mit der Rolle wochenlang "spazieren gegangen" und habe sie in mir wachsen lassen. Max ist ein vollständiger Mensch und lässt sich nicht auf seine Krankheit reduzieren.

Max gerät in die Mühlen des Systems und steht seinem korrupten Betreuer hilflos gegenüber. Beschleicht Sie das ungute Gefühl, dass solch ein Schicksal jedem von uns passieren kann?

Es kann jedem Menschen passieren, Opfer von Betrügern zu werden. Und wenn man auf die Gefahren hingewiesen wird, was wir mit unserem Film unter anderem versuchen, kann einen das eventuell vor ihnen bewahren. Der Betreuer in unserem Film steht nicht exemplarisch für Anwälte und amtliche Betreuer, er ist ein schwarzes Schaf seines Berufsstandes, aber es gibt in jedem Beruf schwarze Schafe, und vor ihnen muss gewarnt werden. Unser Film bezieht sich auf einen konkreten Fall, der tatsächlich stattgefunden hat.

Wie ist das Verhältnis zwischen Max und Leni aus seiner Perspektive?

Das Verhältnis zwischen Max und Leni ist das gleiche, wie das Verhältnis zwischen Matthias Habich und Thekla Carola Wied. Wir haben uns bei diesem Film kennen gelernt und uns sofort freundschaftlich ineinander "verliebt".

Ohne Leni hätte Max niemanden, der seine Interessen vertritt. Welchen Stellenwert haben Freundschaft und Zivilcourage in Ihrem Leben?

Erstens: Ohne Freundschaft ist alles nix. Zweitens: Ich kann für mich selbst nicht die Hand ins Feuer legen, dass ich in jeder brenzligen Situation Zivilcourage an den Tag legen werden, aber ich hoffe es sehr und werde mich bemühen. Ich glaube, ein paar Mal in meinem Leben habe ich das schon bewiesen.

Was würden Sie sagen, wenn Sie jemand zum Tanzen in die "Senioren“-Disco" einladen würde?

Für alles im Leben gibt es eine Zeit. Die Zeit des Tanzens ist die Jugend. Später steht man dann am Rand und schaut zu. Aber wenn mich eine ältere Dame auffordern würde, gäbe ich ihr keinen Korb. Das wäre schoflig.

Die Interviews führte Karoline van Baars.

Bildhinweise und Impressum

Fotos über ZDF Presse und Information

Telefon: (06131) 70-16100 oder über
pressefoto.zdf.de/presse/seingutesrecht

 

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock

E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2015 ZDF

Impressum

Ansprechpartner

Name: Christian Schäfer-Koch
E-Mail: schaefer-koch.c@zdf.de
Telefon: 06131-70 1 5380