Copyright: ZDF/Bernd Schuller
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Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten

Sechs Filme im Kleinen Fernsehspiel des ZDF

Im August 2021 präsentiert die ZDF-Nachwuchsredaktion Das kleine Fernsehspiel zum neunten Mal die Sommerreihe "Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten". Den Auftakt macht in diesem Jahr der Politthriller "Das Ende der Wahrheit" von Philipp Leinemann, den das ZDF zur Primetime auf dem Fernsehfilm-der-Woche-Sendeplatz ausstrahlt.

  • ZDF, Ab Montag, 16. August 2021, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Alle Filme sind ab Montag, 9. August 2021, abrufbar

Texte

Statement von Burkhard Althoff

"Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten" versammelt dieses Jahr sechs Filme von Regisseurinnen und Regisseuren, die den gestalterischen Freiraum der ZDF-Nachwuchswerkstatt Das kleine Fernsehspiels exzellent genutzt haben, um ein Kino entstehen zu lassen, das eigene und ungewöhnliche Wege geht.

Philipp Leinemann realisierte mit "Das Ende der Wahrheit" einen Politthriller – ein im deutschen Kino seltenes Genre – und gewann für seinen hoch-aktuellen Stoff und seine schonungslose Umsetzung ein hochkarätiges Ensemble, unter anderen Ronald Zehrfeld, Claudia Michelsen und Alexander Fehling. Wir zeigen den Film zum Auftakt der Reihe um 20.15 Uhr zur besten Sendezeit.

"Endzeit", die Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von Autorin Olivia Vieweg, erweitert in der Regie von Carolina Hellsgård das Zombie-Genre um eine augenzwinkernd ökologisch-feministisch Variante. In der Hauptrolle kämpft hier Gro Swantje Kohlhof in der Gegend von Weimar und Jena um ihr Überleben.

Leonie Krippendorffs gleichermaßen kraftvolle und zarte Coming of Age-Geschichte "Kokon" lässt uns mit überraschenden Bildern und Formatwechseln einen heißen, flirrenden Sommer lang in die Gefühlswelt ihrer von Lena Urzendowsky und Jella Haase gespielten Hauptfiguren eintauchen.

In seinem fantasievollen Großstadtmärchen "Cleo" schickt Erik Schmitt als titelgebende Hauptfigur Marleen Lohse auf eine abenteuerlich-humorvolle Reise durch Raum und Zeit – ohne dabei Berlin auch nur ein einziges Mal zu verlassen.

Ziska Riemann macht bei "Get Lucky – Sex verändert alles" einen deutschen Nordsee-Strand zur großen Bühne für Palina Rojinski und eine ganze Reihe von Schauspiel-Newcomer*innen und verleiht dem Genre der Teenie-Sommer-Komödie einen erfrischend unverschämt-aufklärerischen Touch.

Und in seinem Drama "Der Geburtstag" jagt Carlos Morelli Hauptdarsteller Mark Waschke in zeitlos-expressionistischer Schwarz-Weiß-Ästhetik eine Nacht lang durch einen modernen Vater-Sohn-Konflikt.

Alle sechs Filme – zu sehen kompakt innerhalb einer Woche ab 16. August im ZDF-Hauptprogramm und vorab schon ab Montag, 9. August, in der ZDFmediathek – sind auf ihre Weise Wagnisse, tragen entschiedene Handschriften und eröffnen ihrem Publikum ästhetisch, gedanklich und emotional neue Räume. Nach langer Zeit können auch die Kinoräume nun endlich wieder öffnen. Neue Talente fürs Kino sind da – sie weiter zu unterstützen, ist wichtiger denn je.

Burkhard Althoff, Redaktionsleiter Das kleine Fernsehspiel

Die Sendetermine und Titel

Montag, 16. August 2021, 20.15 Uhr
Das Ende der Wahrheit

Montag, 16. August 2021, 0.10 Uhr
Endzeit

Dienstag, 17. August 2021, 23.00 Uhr
Kokon

Mittwoch, 18. August 2021, 23.15 Uhr
Cleo

Donnerstag, 19. August 2021, 23.15 Uhr
Get Lucky

Montag, 23. August 2021, 0.10 Uhr
Der Geburtstag

Alle Filme sind ab Montag, 9. August 2021, in der ZDFmediathek abrufbar. "Get Lucky - Sex verändert alles" steht dort 30 Tage zur Verfügung, alle weiteren Filme 90 Tage lang.

Die Filme der "Shooting Stars"-Reihe stehen in Audiodeskription zur Verfügung.

Das Ende der Wahrheit

Montag, 16. August 2021, 20.15 Uhr

Das Ende der Wahrheit
Politthriller, Deutschland 2021 (TV-Fassung)

Der Fernsehfilm der Woche

Stab

Buch und RegiePhilipp Leinemann
MusikSebastian Fillenberg
Schnitt Max Fey
Kamera Christian Stangassinger
SzenenbildPetra Albert
TonUve Haußig
Kostüme Anna Wübber
Produzenten Philipp Worm, Tobias Walker
ProduktionWalker + Worm Film in Koproduktion mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel, Hellinger/Doll Filmproduktion und Philipp Leinemann und in Zusammenarbeit mit ARTE und Rotor Film, gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern, der Mitteldeutschen Medienförderung, der FFA und dem DFFF
RedaktionJörg Schneider (ZDF), Doris Hepp (ZDF/ARTE) und Andreas Schreitmüller (ARTE)
Länge ca. 91 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Martin BehrensRonald Zehrfeld
Dr. Aline Schilling    Claudia Michelsen
Patrick Lemke  Alexander Fehling
Aurice Köhler Antje Traue
Dr. Joachim Rauhweiler Axel Prahl
Dr. GrünhagenAugust Zirner
Dr. Vossmeier   Walter Kreye 
Lucia WendtlandKatharina Lorenz
Antonia Behrens  Lene Oderich
Mansoud Behzad Alireza Bayram
Hendrik Lohmeier Sebastian Weber
und andere

 

Inhalt

Namhaft besetzter Politthriller über die Verstrickungen der Geheimdienste in den internationalen Waffenhandel.

Martin Behrens ist Experte für Zentralasien beim Bundesnachrichtendienst und glaubt, dass er mit seiner Arbeit einen Beitrag zur Erhaltung der nationalen Sicherheit leistet. Nachdem seine Freundin Aurice, die als Journalistin über Geheimdienste recherchierte, bei einem Terroranschlag ums Leben kommt, gerät Behrens in einen Strudel von Intrigen, Machtmissbrauch und Korruption. Er beginnt, an seiner Arbeit wie auch an seinem Arbeitgeber zu zweifeln.

Regisseur Philipp Leinemann entwirft in "Das Ende der Wahrheit" ein realistisches Szenario, in dem eine westliche Regierung Gefahr läuft, sich durch Millionensummen indirekt oder direkt am Terroraufbau zu beteiligen. Leinemann stellt in "Das Ende der Wahrheit" die Frage nach dem politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnis eines demokratischen Staates. In seinem vielbeachteten Debütfilm "Wir waren Könige" warf er 2014 bereits einen Blick hinter die hochkomplexen Organisations- und Arbeitsweisen einer staatlichen Institution. Für seinen aufwendig produzierten Polit-Thriller "Das Ende der Wahrheit" konnte er ein namhaftes Ensemble gewinnen, zu dem neben Ronald Zehrfeld ("Das schweigende Klassenzimmer", "Der Staat gegen Fritz Bauer") auch Alexander Fehling ("Inglourious Basterds", "Sturm", "Der Hauptmann"), Claudia Michelsen ("Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm"), Axel Prahl ("Gundermann", "Der ganz große Traum"), August Zirner ("Wackersdorf", "Colonia Dignidad") und Antje Traue ("Ballon", "Der Fall Barschel") zählen.

Preise

• Beste männliche Nebenrolle: Alexander Fehling, Deutscher Filmpreis 2019
• Bester Darsteller: Alexander Fehling, Preis der deutschen Filmkritik, Berlin 2020

Festivals

• Eröffnungsfilm Max Ophüls Preis 2019
• LOLA at Berlinale 2019, Kategorie Spielfilm
• Festival de Cine Alemán de Madrid 2019
• 15. Festival des deutschen Films, Ludwigshafen 2019, Rheingold Publikumspreis (nominiert)

Biografie von Philipp Leinemann (Buch und Regie)

Sein Regiestudium an der HFF München beendete Philipp Leinemann mit dem Film "Transit", der auf dem Filmfest München 2010 mit dem Produktionspreis ausgezeichnet wurde. Sein Debütfilm "Wir waren Könige", auch in Koproduktion mit dem Kleinen Fernsehspiel entstanden, wurde von der Presse hochgelobt und hatte ebenfalls auf dem Filmfest München 2014 Premiere und lief 2014 im Kino. Philipp Leinemann führte seitdem Regie bei diversen Fernsehfilmen und der ZDFneo-Serie "Tempel" (2016). Danach schrieb er das Buch und führte Regie für den Politthriller "Das Ende der Wahrheit". Aktuell entwickelt er für Sky eine Serie.

Endzeit

Montag, 16. August 2021, 0.10 Uhr

Endzeit
Horrorfilm, Deutschland 2018

Stab

BuchOlivia Vieweg
RegieCarolina Hellsgård
Musik Franziska Henke
Schnitt Ruth Schönegge, Julia Oehring
Kamera Leah Striker
SzenenbildJenny Rössler
Ton Martin Witte
Kostüm Teresa Grosser
ProduzentinIngelore König
ProducerinClaudia Schröter
ProduktionEine Produktion von grown up films in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE gefördert von MDM, BKM, DFFF
RedaktionChristian Cloos (ZDF), Doris Hepp (ZDF/ARTE) und Birgit Kämper (ARTE)
Länge ca. 82 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

ViviGro Swantje Kohlhof
Eva Maja Lehrer
Gärtnerin Trine Dyrholm
HeimleiterinBarbara Philipp
alter Mann Axel Werner
Isabelle Muriel Wimmer
Renata Amy Schuk
junge Pflegerin Simone Müller
AufseherinUte Wieckhorst
und andere

 

Inhalt

In einem postapokalyptischen Deutschland stranden zwei junge Frauen in einer berauschend schönen, aber lebensgefährlichen Natur und müssen gegen Zombies um ihr Leben kämpfen.

Nach einer Pandemie haben Zombies die Erde überrannt. Dank eines Schutzzaunes scheinen Weimar und Jena die letzten Orte menschlicher Zivilisation zu sein. In Weimar hat sich ein autoritäres Regime gebildet, das gnadenlos mit "unbrauchbaren" oder infizierten Menschen verfährt. Die traumatisierte Vivi flieht aus der Stadt. Auch die schroffe Zombie-Killerin Eva muss Weimar verlassen, nachdem sie am Schutzzaun von einem Untoten infiziert wurde. In Jena, wo geforscht wird, verspricht sie sich Heilung.

Als sich die beiden sehr unterschiedlichen Frauen schutzlos auf freiem Feld wiederfinden, müssen sie wohl oder übel gemeinsam den Kampf gegen die Untoten aufnehmen. Und damit auch gegen die Dämonen der eigenen Vergangenheit: ihre verdrängte Schuld. Ihr Weg führt Vivi und Eva durch eine paradiesische Landschaft, in der aber hinter jedem Baum der Tod lauern kann. In Abwesenheit der Menschen hat sich die Natur die Welt zurückerobert. Auf der Flucht vor einem Zombie trifft Vivi auf "die Gärtnerin", die sich mitten in diesem gefährlichen Paradies eine Oase des Friedens geschaffen hat. Für die Gärtnerin war die Epidemie kein Ende, sondern ein Anfang. Und ein Anfang wird es auch für Vivi und Eva, zwischen denen sich eine Art von Liebe entwickelt – nicht nur zur jeweils anderen, sondern auch zu dieser fantastischen, unglaublichen, neuen Welt, die sie umgibt.

"Endzeit" ist ein feministisches Buddy-Movie und ökologisches Zombie-Märchen zugleich. Seine Frage "Welche Optionen gibt es in einer Welt, in der die Natur zurückschlägt?" ist in Zeiten von Corona besonders brisant geworden. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Comic von Olivia Vieweg, die auch das Drehbuch für den Film schrieb. Dafür wurde sie 2015 mit dem Hauptpreis der Drehbuchwerkstatt München ausgezeichnet. Carolina Hellsgård führt hier bei ihrem zweiten Langfilm Regie. Auch die weiteren kreativen Schlüsselpositionen in "Endzeit" – Kamera, Ausstattung, Maske, Kostüm, Schnitt, Musik, Casting, Produktion und die wichtigsten Schauspielrollen – wurden fast ausschließlich von Frauen besetzt.

Nach der Premiere auf dem Internationalen Filmfestival Toronto wurde der Film weltweit auf Festivals gezeigt, beim Film-Festival Max Ophüls Preis erstmals auch in Deutschland

Interviews

Olivia Vieweg (Drehbuch)

Wie sind Sie zur Idee "Endzeit" gekommen? Was hat Sie inspiriert?

Die Idee kam mir auf der Bahnstrecke zwischen Jena und Weimar. Der Zug blieb plötzlich auf offener Strecke stehen. Ich ließ die Gedanken schweifen und starrte auf den Hügel vor uns, irgendwie kam mir dann das Bild von einer Zombie-Horde in den Sinn, die über den Hügel gerannt kommt. Und die Frage: Was machen wir hier im Zug? Wie geht es weiter? Woher meine Inspirationen kommen, lässt sich schlecht beschreiben, wenn es ein Rezept dafür gäbe, würde ich es vielleicht patentieren lassen.

Die Vorlage zu "Endzeit" ist Ihre Graphic Novel. Welche Herausforderungen gab es bei der Wandlung von Comic zu Drehbuch?

Ich glaube, Comic und Film sind sehr verwandt. Mir ist es nicht schwergefallen, meine Geschichte in Worte, statt in Zeichnungen zu packen. Der Prozess fühlte sich total vertraut an. Die Bilder denke ich im Kopf ja immer mit.

Was reizt Menschen an Zombie-Geschichten? Was fasziniert Sie selbst an Zombies?

Zombies sind eine tolle Projektionsfläche, sie verbildlichen so viele Urängste des Menschen. Den Verlust der eigenen Persönlichkeit, die Angst vor Seuchen, und auch einfach die Angst vor großen Menschenmassen, die wir nicht kontrollieren können. All das spielt in unserer Gesellschaft eine große Rolle. Bei "Endzeit" fand ich die Zombies so passend, weil sie Entscheidungen beschleunigen. Man muss schnell handeln, sonst wird man gefressen. Man kann nicht über alles tausendmal nachdenken.

Wie würden Sie Ihre Protagonistinnen Vivi und Eva beschreiben?

Vivi habe ich immer als schwach und zart gesehen, was aber auch ihre Stärke ist, denn sie ist noch fähig zur Empathie. Eva ist die Kampfmaschine, die sich aber auch ein anderes Leben gewünscht hätte. Sie muss erkennen, dass ihre Gefühlskälte sie in eine Sackgasse führt.

Carolina Hellsgård (Regie)

Was hat Sie an der Geschichte gereizt?

Als ich Olivias Drehbuch las, hat mich das Thema Schuld sehr fasziniert. Als Mensch fühlt man sich oft für bestimmte Dinge schuldig. Es geht um all das Böse, das wir getan haben, und um all das Gute, das wir nicht getan haben. Ein Horrorfilm ist ein tolles Werkzeug, um Charaktere mit ihrem eigenen Leben zu konfrontieren, die eigene Moral zu hinterfragen und die eigenen Dämonen herauszufordern. Wie existiert man als Mensch in dieser Welt, und was ist meine Haltung gegenüber anderen Menschen? Wenn ich mit Chaos und Schwierigkeiten konfrontiert bin, wie reagiere ich? Die inneren Dämonen werden als etwas Äußerliches dargestellt – so wie die Zombies in "Endzeit". Ich komme aus Schweden und bin mit Märchen von Trollen in Wäldern aufgewachsen. Meine Gutenachtgeschichten verbinden sich in direkter Weise mit "Endzeit". "Endzeit" handelt aber nicht nur von Schuld, sondern auch von Emanzipation. Zwei junge Frauen verlassen eine repressive Gesellschaft und ziehen in die Welt; sie gehen in die Natur, in die Freiheit.

Wie würden Sie die Protagonistinnen beschreiben? Was macht ihre Freundschaft aus?

Vivi und Eva sind zwei sehr unterschiedliche Frauen. Vivi leidet unter Horrorvisionen, und Eva ist eine angepasste Soldatin. Diese beiden jungen Frauen kämpfen aber dennoch mit derselben Problematik – sie leiden beide unter extremen Schuldgefühlen. So finden sie auch zueinander. Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten? Die größte Herausforderung war, die unterschiedlichen Komponenten, eine sehr aufwendige Zombie-Maske, das Kostüm und das Szenenbild zu koordinieren, um einen einheitlichen Look zu schaffen. Dafür haben wir sehr viel Energie und Zeit benötigt.

Wie würden Sie den Stil des Filmes beschreiben?

Die Kamerafrau Leah Striker und ich wollten vor allem einen anspruchsvollen und mitreißenden Film machen. "Endzeit" ist eine Mischung aus verschiedenen Genres und deren Konventionen. Der Film besteht sowohl aus Action-Momenten, die genretreu sind, als auch aus ruhigeren, fast lyrischen Momenten, in denen wir uns mit den Charakteren durch die üppige apokalyptische Landschaft bewegen. Wir haben bewusst mit einer nicht realistischen und etwas überhöhten Bildsprache gearbeitet. Hier fließt natürlich auch die Arbeit der Szenenbildnerin Jenny Roesler und der Kostümbildnerin Teresa Grosser mit ein. Zusammen haben wir einen eigenen Look kreiert, den ich als barocken, schon fast romantischen Horrorfilmstil beschreiben würde. Die Filmmusik von Komponistin Franziska Henke unterstreicht das romantische Element des Films. Der Soundtrack ist mitreißend und gleichzeitig melancholisch. Er zeigt uns die Natur als starke, aber auch invasive Kraft.

Wie war die Zusammenarbeit mit Autorin Olivia Vieweg?

Wir haben das Drehbuch anderthalb Jahre lang entwickelt, und es hat mir große Freude gemacht, mit Olivia zusammenzuarbeiten. Sie ist sehr kreativ und vielseitig und hat Vorschläge und Ideen wahnsinnig schnell umgesetzt. Sie hat ein besonderes Talent, Außenseiter zu porträtieren – was genau die Menschen sind, an denen auch ich interessiert bin. Wir haben eine gemeinsame Liebe für Underdogs. Außerdem sind wir beide von der dunklen Seite der Menschheit fasziniert und letztlich auch inspiriert.

Festivals – eine Auswahl

• Toronto International Film Festival, Kanada 2018
• Filmfestival Max Ophüls Preis 2019
• Göteborg Film Festival, Schweden 2019
• Oslo Pix 2019
• Sidney Filmfestival 2019
• Internationales Filmfestival Shanghai 2019
• IFF Edinburgh 2019
• Sao Paulo IFF 2019

Biografien

Carolina Hellsgård (Regie) ist in Stockholm geboren und studierte an der Universität der Künste Berlin und als DAAD-Stipendiatin am California Institute of the Arts. Ihr Debütfilm "Wanja" hatte seine Premiere auf der Berlinale 2015 und lief auf zahlreichen internationalen Filmfestivals. Er gewann den Preis als bester Debütfilm bei den Biberacher Filmfestspielen und den Preis für das beste Drehbuch beim Valletta Filmfestival auf Malta. Hellsgård unterrichtete an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) und war Stipendiatin in der Villa Aurora in Los Angeles. "Endzeit" ist ihre zweite Spielfilm-Regie.

Olivia Vieweg (Drehbuch) wurde 1987 in Jena geboren, lebt und arbeitet in Weimar. Dort studierte sie Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität. Ihr Diplom machte sie mit der Graphic Novel "Endzeit", die 2018 im Carlsen Verlag erschien. Für den Suhrkamp-Verlag adaptierte sie Mark Twains "Huckleberry Finn" als Comic, der von der Zeitung "Die Welt" als bester Comic des Jahres ausgezeichnet wurde. Vieweg ist Absolventin der Drehbuchwerkstatt München und erhielt 2015 für "Endzeit" den Tankred -Dorst-Preis für das beste Drehbuch. Aktuell arbeitet Vieweg an einem Teenager-Tanzfilm und einer Serie.

Kokon

Dienstag, 17. August 2021, 23.00 Uhr

Kokon
Spielfilm, Deutschland 2020

Stab

Buch und RegieLeonie Krippendorff
Musik Maya Postepski
Schnitt Emma Alice Gräf
Kamera Martin Neumeyer
Szenenbild Josefine Lindner
Ton Christoph Walter
KostümeRamona Petersen
Produzent Jost Hering
ProduktionEine Produktion der Jost Hering Filme (Berlin) in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel gefördert vom Kuratorium junger deutscher Film, Medienboard Berlin-Brandenburg und Deutscher Filmförderfonds (DFFF)
Redaktion Jörg Schneider
Längeca. 88 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

NoraLena Urzendowsky
Romy Jella Haase
Jule Lena Klenke
AylinElina Vildanova
VivienneAnja Schneider
Yunus Sert Ogulcan
Tarek Mohamed Issa
und andere

 

Inhalt

Schweiß auf der Stirn, Sonnenbrand auf der Haut und Schmetterlinge im Bauch: Während die Sommerhitze den Kotti in Berlin-Kreuzberg zum Glühen bringt, verliert die 14-jährige Nora ihr Herz an die wilde Romy und wird erwachsen.

Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg zum Erwachsenwerden. Während des Sommers bekommt sie zum ersten Mal ihre Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen. Mit ihr wirkt die Welt plötzlich endlos groß und voller verborgener Schönheit, der Park wird zum Dschungel, das Freibad zum Meer.

Nora lernt, zu sich zu stehen und traut sich, endlich Wege abseits der Clique ihrer älteren Schwester Jule zu gehen. Doch wie kann Nora ihren Blick für all diese Schönheit bewahren, nachdem ihr zum ersten Mal das Herz gebrochen wurde?

In ihrem zweiten preisgekrönten Spielfilm "Kokon" erzählt Regisseurin und Drehbuchautorin Leonie Krippendorff in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age- Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben Newcomerin Lena Urzendowsky begeistern Kinostar Jella Haase ("Fack ju Göhte 1-3"), die bereits in Krippendorffs preisgekröntem Langfilmdebüt "Looping" die Hauptrolle gespielt hat, und Lena Klenke ("How to Sell Drugs Online (Fast)"). Ein Film über wilde Mädchen, die sich von den Körperbildern der allgegenwärtigen sozialen Netzwerke emanzipieren und erst so herausfinden, wer sie sein wollen.

Statement der Regisseurin Leonie Krippendorff

"Ich bin Berlinerin". Heute ruft dieser Satz oft begeisterte Reaktionen hervor, denn aus einer Stadt zu kommen, die zu den momentan spannendsten der Welt zählt, klingt erst mal toll. Dabei war Berlin für mich und meine Freunde nicht immer ein einfacher Ort zum Aufwachsen. Wir alle hatten chaotische familiäre Hintergründe: Lena wuchs in einer Eckbar auf, Zora vorübergehend im Frauenhaus, bei Alis Vater platzte ständig das Konto, und bei Lucas' Mutter im Flugzeug die Silikonbrüste. Trotzdem waren unsere Kindheit und Jugend eine Zeit der absoluten Freiheit.

Nora wächst 20 Jahre später als ich in Kreuzberg auf. Ihre Generation ist nicht vergleichbar mit meiner. Ich kannte als Teenager keine Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, und ich bin froh darüber, weil ich meine Identitätsfindung in der Pubertät schon ohne die permanente mediale Sichtbarkeit schwierig genug fand. Für Noras Generation ist diese Sichtbarkeit längst völlig normal.

Trotzdem scheint die Pubertät etwas Zeitloses zu sein. Nora beschäftigt sich, zwei Generationen nach mir, immer noch mit den gleichen Themen: Wer bin ich, was ist das für eine Welt, wie möchte ich mich in ihr positionieren, und wen will ich lieben?

Die Leerstellen, die diese großen Fragen aufwerfen und die uns oft bis ans Ende unseres Lebens weiter begleiten – denn sie wollen immer wieder neu beantwortet werden –versucht Noras Generation mit Hilfe des Internets zu füllen. Ihre Generation ist die erste, die mit einer digitalen Selbstverständlichkeit aufwuchs, welche im Erwachsenenalter nicht mehr erlernt werden kann. Dieser Fakt schafft eine unsichtbare Lücke zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen, die als Identifikationsfiguren im Alltag nicht mehr infrage kommen.

Noras sich verändernder Körper kann an nichts anderem abgeglichen werden als an der unerreichbaren, künstlichen Perfektion, die in den Medien und sozialen Netzwerken vom Frausein vermittelt wird und der die Mädchen in Noras Alter gerne entsprechen wollen. Doch Nora empfindet kein Bedürfnis, diesem Frauenbild nachzueifern. Erst als Romy in ihr Leben tritt, findet Nora den Weg zu ihrer eigenen Weiblichkeit – und zu ihrer Liebe.

Ich glaube, "Kokon" erzählt eine wichtige Geschichte. Es ist eine Geschichte davon, wie befreiend es ist, medial erschaffene Körperbilder abzustreifen, um sich das erste Mal wirklich zu spüren. Und eine Geschichte von zwei wilden Berliner Mädchen, die sich ihren Weg durch den "Kreuzberger Dschungel" schlagen und den Park zum Wald, das Freibad zum Meer und den Sandkasten zum Strand machen.

Preise

• Publikumspreis "Beliebtester abendfüllender Film", Filmkunstfest MV, Schwerin (als Onlinefestival) 2020, Sektion Kinder- und Jugendfilm
• Bayerische Filmpreise für Leonie Krippendorff (Beste Regie Nachwuchs) und Lena Urzendowsky (Beste Nachwuchsdarstellerin) 2021

Festivals

• Berlinale 2020, Generation 14+, Eröffnungsfilm
• Roze Filmdagen Amsterdam, NL 2020, Eröffnungsfilm
• Guadalajara International Film Festival, Mexico, 2020
• BUFF Malmö Internationales Children and Young People’s Festival, Schweden
• 2020 Prague Internationales Film Fest - Febiofest, Tschechien 2020
• Bayerischer Filmpreis 2021: Leonie Krippendorff: Nachwuchsregiepreis,
Lena Urzendowsky: Nachwuchsfilmpreis als Beste Darstellerin

Biografie von Leonie Krippendorff (Buch und Regie)

Leonie Krippendorff wurde 1985 in Berlin geboren. Von 2009 bis 2016 studierte sie Regie an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Ihr Abschlussfilm "Looping", auch in Koproduktion mit Das kleine Fernsehspiel entstanden, war für zahlreiche nationale und internationale Filmpreise nominiert und wurde mehrfach ausgezeichnet. 2019 war Leonie Krippendorff Jurymitglied bei den Filmfestivals Max Ophüls Preis und Achtung Berlin. Nach "Kokon" übernahm sie Buch und Regie bei der ZDFneo Instant-Fiction-Serie "Loving Her" (2021).

Cleo

Mittwoch, 18. August 2021, 23.15 Uhr

Cleo
Spielfilm, Deutschland 2019

Stab

BuchStefanie Ren, Erik Schmitt
Regie Erik Schmitt
MusikJohannes Repka
Schnitt David J. Rauschning
KameraJohannes Louis
Szenenbild Claudia Steinert, Dominik Leube, Oscar Stiebitz
KostümMelina Scappatura
ProduzentFabian Gasmia
ProducerJohn Pablo Elsner, Julia Golembiowski Katja Lebedjewa, Urte Amelie Fink
Produktion Detailfilm Berlin GmbH in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel, Till Nowak, Fink Film, mit Unterstützung von Medienboard Berlin-Brandenburg, BKM, Film und Medienstiftung NRW, FFA, Nordmedia, Wim Wenders Stiftung und DFFF
Redaktion Jörg Schneider
Längeca. 93 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Cleo Marleen Lohse
Paul Jeremy Mockridge
ZilleMax Mauff
GünniHeiko Pinkowski
Frau Sonnenberg Us Conradi
Franz SassBen Münchow
Erich Sass   Max Befort
Bärbel Anna Böttcher
Cleo als Kind  Gwendolyn Göbel
und andere

 

Inhalt

Eine abenteuerliche Zeitreise und eine Schatzsuche quer durch die deutsche Hauptstadt bis unter die Erde des Teufelsbergs.

Die verträumte Cleo fühlt sich ihrer Heimatstadt Berlin auf besondere Weise verbunden. Ihr größter Wunsch ist es, die Zeit zurückzudrehen – mit Hilfe einer magischen Uhr, die verschollen ist. Die junge Frau hofft, mit der Uhr den frühen Tod ihrer Eltern verhindern zu können. Sie begegnet dem Abenteurer Paul, der auf einem Hausboot lebt und eine Schatzkarte ersteigert hat. Gemeinsam begeben sie sich auf einen aufregenden Trip durch die pulsierende Großstadt. Cleo und Paul treffen nicht nur auf verrückte Typen und urbane Legenden, die beiden kommen sich auch näher. Angekommen im Untergrund Berlins muss sich Cleo die wichtigste aller Fragen stellen: Soll sie die Zeit überhaupt zurückdrehen?

Mit seiner Berliner Antwort auf "Die fabelhafte Welt der Amélie" legt der preisgekrönte Kurzfilmregisseur Erik Schmitt ("Nashorn im Galopp", "Berlin Metanoia") sein fantasievolles Spielfilmdebüt vor. Das mit viel Liebe zum Detail komponierte und visuell überraschende Großstadtmärchen entführt die Zuschauer gemeinsam mit Marleen Lohse auf eine ganz besondere Reise durch die Hauptstadt.

Interview mit Erik Schmitt (Buch und Regie)

Ihre drei Kurzfilme "Nashorn im Galopp", "Forever Over" und "Berlin Metanoia" spielen nicht nur in Berlin, sondern setzten sich auch mit der Stadt auseinander. Auch in Ihrem ersten Langfilm hat Berlin nun eine Hauptrolle. Inwiefern knüpft "Cleo" an die vorangegangenen Kurzfilme an?

Man kann sagen, dass die drei Kurzfilme eine Art Vorübung für den Langfilm waren. Jeder Kurzfilm hat einen bestimmten Aspekt ausgeleuchtet und getestet. "Nashorn im Galopp" war von der visuellen und spielerischen Ebene her sehr wichtig. Und die Idee, dass die Stadt eine Seele hat, wurde hier schon mal thematisiert. Bei "Forever Over" ging es darum, Beziehungen auszuprobieren und das szenische Arbeiten zu vertiefen. Und "Berlin Metanoia" war ein wilder Mix aus verschiedenen, verrückten Einfällen. Der Film entstand parallel zum Drehbuch von "Cleo", und hier ging es ganz konkret darum, Ideen für den Langfilm zu testen. Im ursprünglichen Drehbuch von "Cleo" kam es beispielsweise zu einer Zusammenkunft zwischen "Cleo" und einem echten Bären. Diese Szene haben wir in "Berlin Metanoia" dann ausprobiert und schnell gemerkt, dass es doch ein wenig zu kompliziert ist. Insofern waren die drei Kurzfilme eine sehr wichtige Vorarbeit für den Langfilm.

Das Besondere an Berlin sei die Magie, die Stadt habe eine Seele heißt es im Film. Worin besteht diese Magie – und wie fangen Sie die in "Cleo" ein?

Seitdem ich hier wohne, habe ich immer dieses Gefühl, dass es eine bestimmte Verbindung gibt und die Stadt ganz eigen ist. Berlin hat eine ganz eigene und besondere Geschichte erlebt, und es ging mir darum, einen Film zu machen, den nur diese Stadt erzählen kann. Berlin hat es in den letzten 20 Jahren geschafft, trotz traumatisierenden Erfahrungen in der Vergangenheit – von den Bomben über der Stadt bis hin zum Mauerbau, der unzählige Familien getrennt hat – zum Symbol von Freiheit, Leichtigkeit und Kreativität zu werden. Und so kam die Frage: Wie kann man das auf einen Film übertragen? Auf der einen Seite geht es in "Cleo" um tragische und traumatische Erlebnisse, um eine gewisse Melancholie –und trotzdem ist es teilweise sehr heiter und leicht erzählt. Der Mix ist vielleicht ungewöhnlich, aber er passt zu dieser Stadt am besten.

Gemeinsam mit "Cleo" tauchen wir in die Stadt und ihre Geheimnisse ein. Sie erwecken viele Mythen und urbane Legenden zum Leben. Was war Ihnen dabei wichtig?

Ich habe über Jahre gesammelt, recherchiert und gesucht. Mir war es wichtig, den Zuschauern ein Berlin nahe zu bringen, das sie so vielleicht noch nicht gesehen haben, ein Berlin fernab von Berghain und Brandenburger Tor. Ich wollte eigene Geschichten und Mythen der Stadt erzählen, weil all diese Geschichten Berlin ausmachen. Zum Beispiel die Geschichte der Gebrüder Sass, die so typisch berlinerisch ist und trotzdem relativ unbekannt. Das greife ich im Film entsprechend auf, dort fordern die Brüder ja mehr Bekanntheit für ihre Geschichte. Natürlich springen wir mit "Cleo" auch in die eine oder andere Legende, aber das meiste ist sehr sorgfältig recherchiert und auch komplett wahr. Manche Sachen sind so verrückt und klingen deshalb wie ausgedacht. Zum Beispiel die Geschichte des Teufelsbergs. Welche Stadt hat sowas? Eine Wehrtechnische Universität aus der NS-Zeit, darauf ein Berg aus Trümmern der gesamten Stadt, auf die nach dem Krieg eine Abhöranlage gebaut wurde, die dann selbst zur Ruine wird. Das sind einfach alles Geschichten, die es nur in Berlin gibt.

Marleen Lohse hat bereits in Ihren Kurzfilmen mitgespielt. Stand von Anfang an fest, dass sie "Cleo" sein wird?

Ja, das war von Anfang an sicher, auch wenn die Figur erstmal alles Mögliche war, bis sie zur jetzigen "Cleo" wurde. Marleen hat sogar zusammen mit mir und Folke Renken, der im Film den Historiker spielt, zu Beginn die ersten Ideen des Films entwickelt. Wir haben auch gemeinsam die ersten Schritte in Richtung Drehbuch unternommen. Als es dann drehbuchtechnisch in die Tiefe ging, haben wir aber gemerkt, dass mehr Erfahrung benötigt wird. So kam dann Stefanie Ren als Drehbuchautorin hinzu.

Wie sind Sie bei der Besetzung der anderen Hauptrollen vorgegangen?

Es war eine bunte Mischung. Es gab Rollen, die wie bei Marleen schon von Anfang an feststanden und mit Schauspielern besetzt wurden, die ich schon lange kenne. Aber es gab auch das klassische Casting. Wir haben Schauspieler eingeladen und Konstellationen beobachtet: Wer passt zu wem? Gerade bei der Rolle des Paul haben wir in alle Richtungen geschaut. Jeremy Mockridge war eigentlich für eine Nebenrolle vorgesehen, hat uns dann aber durch seine frische Art alle so überzeugt, dass er schließlich der perfekte Paul war.

Die Musik spielt eine wichtige Rolle in "Cleo". Wie sind Sie an die Auswahl der Songs herangegangen und wie entstand die Idee, Marleen zwei Songs selbst singen zu lassen?

Der Komponist Johannes Repka war schon in der Drehbuchphase involviert, und wir haben sehr früh mit den ersten Überlegungen begonnen. Ich wusste, dass ich mit Marleen eine Schauspielerin habe, die eine tolle Gesangsstimme hat. Sie hat dann zuerst den von Johannes Repka komponierten Titelsong "The Only Thing I Know" aufgenommen. Weil das so gut funktioniert hat, haben wir uns entschieden, die Coverversion von "Wonderful Life" auch von Marleen singen zu lassen.

Festivals – eine Auswahl

Berlinale 2019, Eröffnungsfilm von Generation Kplus
Luxembourg City Film Festival 2019
Zürich Film Festival 2019
Sao Paulo International Film Festival 2019
Melbourne International Film Festival 2019

Biografie von Erik Schmitt (Buch und Regie)

Erik Schmitt wurde 1980 in Mainz geboren und wuchs in Genf in der Schweiz auf. Nach seinem Studium in Kommunikationswissenschaften und englischer Literatur drehte Erik Schmitt seinen ersten Film "Solartaxi" (2011), in dem er dem ersten mit Solarenergie betriebenen Auto folgte, das die Welt umrundete. Mit "Nun sehen Sie Folgendes" (2011) gewann er den Deutschen Kurzfilmpreis. Schmitts Filme wurden auf 300 Festivals (Berlinale, Sao Paulo, Melbourne, Shanghai, Hamptons, BFI usw.) ausgewählt und mit mehr als 100 Preisen ausgezeichnet (Seattle, Palm Springs, Newport, RiverRun, Chicago, Emden usw.). 2018 gründete er mit der Regisseurin Julia von Heinz und dem Regisseur David Falko Wnendt sowie mit dem Produzenten Fabian Gasmia die Produktionsfirma Seven Elephants. Sein Spielfilmdebüt "Cleo" (2019) wurde von Wim Wenders betreut und entstand in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel. Derzeit arbeitet Schmitt mit dem deutschen Schauspieler Matthias Schweighöfer an einem Langspielfilm. Er schreibt außerdem am Science-Fiction-Film "Rebel Girl" sowie an der deutsch-französischen Komödie "Fromage Faux-Pas".

Filmografie – eine Auswahl

2011: "Nun Sehen Sie Folgendes", Kurzfilm
2013: "Nashorn im Galopp", Kurzfilm
2014: "Forever Over", Kurzfilm
2015: "Telekommando", Kurzfilm
2016: "Metanoia", Kurzfilm
2017: "The Santa Maria", Vertikaler Kurzfilm
2019: "Cleo", Spielfilm

Get Lucky – Sex verändert alles

Donnerstag, 19. August 2021, 23.15 Uhr

Get Lucky – Sex verändert alles
Sommerkomödie, Deutschland 2019

Stab

BuchZiska Riemann, O'Neil Sharma, Madeleine Fricke
RegieZiska Riemann
Musik Michael Beckmann, Tom Stöwer
Schnitt Florian Miosge
KameraHannes Hubach
Szenenbild Brigitte Schlögel
TonUrs Krüber
Kostüme Petra Kilian
Produzenten Anatol Nitschke, Peter Rommel, Michael Zechbauer
ProduktionEine Produktion der deutschfilm in Koproduktion mit Rommel Film, MZ Film und ZDF/Das kleine Fernsehspiel, gefördert von der FFHSH, NORDMEDIA, BKM, FFA, DFFF
Redaktion Christian Cloos
Länge ca. 93 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

EllenPalina Rojinski
Aaron Bjarne Meisel
Julia Emma-Katharina Suthe
EmmaLilly Terzic
David Benny Opoku-Arthur
Hannah Luissa Cara Hansen
Mehmet Jascha Baum
Mats Moritz Jahn
Ineke Rieke Seja
NoahRichard Kreutz
Sexshop-VerkäuferinJella Haase
Julias und Emmas Vater Benno Führmann
Waxing Lady Bärbel Schwarz
Donutmann Andreas Frakowiak
und andere

 

Inhalt

Sechs Teenager erleben turbulente Ferien am Meer mit viel Sonne, Strand und ersten Dates. Erotische Sommer-Komödie um Freundschaft, Liebe, Sex und peinliche Fragen.

Zum ersten Mal ohne Eltern im Urlaub, und die Gefühle spielen verrückt. Sechs Teenagerinnen und Teenager erleben turbulente Ferien auf einer Nordseeinsel – mit viel Sonne, Strand und ersten Dates. Sie wohnen bei Ellen, der Tante von Julia und Emma. Im Laufe des Sommers ist Ellen nicht nur als "die coole Tante" gefragt. Als ausgebildete Sexualberaterin antwortet sie auch mal auf Fragen, die Jugendliche ihren Eltern wohl eher nicht stellen würden. Denn einige von ihnen erleben in diesem Urlaub ihre erste Liebe, den ersten Sex und was dabei so alles schieflaufen kann.

"Get Lucky – Sex verändert alles" ist eine erotische Teenie-Sommer-Komödie mit vielen jungen Newcomern. Der Film wurde inspiriert von den "Make Love"-Aufklärungsbüchern von Ann-Marlene Henning und entstand unter ihrer Mitwirkung. Er will ein junges Publikum unterstützen bei der Suche nach einer selbstbestimmten Sexualität.

Regisseurin und Comic-Künstlerin Ziska Riemann machte bereits mit ihrem explosiven Teenage-Drama-Debüt "Lollipop Monster" auf ihr Talent aufmerksam. Nach ihrem zweiten Film "Electric Girl" erzählt sie auch in ihrem dritten Kinofilm "Get Lucky – Sex verändert alles" einfühlsam und unterhaltsam von den Gefühlsnöten Jugendlicher.

Statement von Ziska Riemann (Buch und Regie)

Mit Zwölf glaubte ich, alles über Sex zu wissen. Ich hatte meine Eltern durch den Türspalt beobachtet, hatte Günther Amendts "Sex-Front" aus dem Bücherregal meiner Mutter durchblättert und mit dem Nachbarsjungen im Kletterhäuschen gefummelt. In der Schule wurden wir eindringlich vor Sex gewarnt. Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten wurden neben dem Verlieren der Jungfräulichkeit als Horrorszenarien vorgetragen, und erotische Gefühle waren Grund für Scham und Anstoß. Wie viel einfacher wäre das Erwachsenwerden gewesen, hätten wir über die einfachsten, natürlichsten Dinge Bescheid gewusst: Dass alle beim ersten Mal unsicher sind, dass es kein Jungfernhäutchen gibt, dass masturbieren gesund ist, dass "Nein." ein vollständiger Satz ist, und dass jeder Mensch eine individuelle sexuelle Identität hat... All die Dinge eben, die unsere moderne Sexualpädagogik ausmachen. Wir glaubten, alles über Sex zu wissen, und doch war die Diskrepanz zwischen medialer Bilderflut und erfahrener Wirklichkeit zum Glück eine ziemliche Überraschung! Mit "Get Lucky – Sex verändert alles" habe ich einen Film gemacht, den ich als Teenager gerne gesehen hätte.

Biografie von Ziska Riemann (Regie und Buch)

Ziska Riemann ist Autorin, Regisseurin und Comiczeichnerin. Seit 1991 veröffentlichte sie diverse Comicalben (unter anderem "Future Subjunkies", "Space Bastards", "Starship Eden"), davon vier in Zusammenarbeit mit Gerhard Seyfried. 2004 gründete sie das Plattenlabel MerMer und veröffentlichte neben Alben anderer Künstler ihr Soloalbum "Wo Hier Bitte Geht’s Nach Shambhala?" heraus. Riemann schrieb das Drehbuch zu dem Spielfilm "Die Hunde sind schuld" (Regie: Andreas Prochaska) und dem Kino-Dokumentarfilm "Conny Plank – The Potential of Noise". Ihr Debütfilm "Lollipop Monster" (2011) wurde vielfach ausgezeichnet und entstand bereits zusammen mit der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel. Nach "Electric Girl" (2019) ist "Get Lucky – Sex verändert alles" ihr dritter Kinofilm. An dem Projekt "Meine Wende – Unsere Einheit?" der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel war sie mit dem Animationskurzfilm "Leinen los" beteiligt. Ziska Riemann lebt und arbeitet in Berlin.

Der Geburtstag

Montag, 23. August 2021, 0.10 Uhr

Der Geburtstag
Spielfilm, Deutschland 2020

Stab

Buch und Regie Carlos A. Morelli
Musik Florian Sievers
Schnitt Hannah Schwengel, Lorna Hoefler Steffen
Kamera Friede Clausz
Szenenbild Maria Nickol
Ton
(Sound Design)
Niklas Kammertöns
Kostüme Saskia Richter
Produzenten und Produzentin Jakob D. Weydemann, Jonas Weydemann, Yvonne Wellie 
ProduktionWeydemann Bros. GmbH in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel gefördert von Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), nordmedia Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen, Deutscher Filmförderfonds (DFFF), Kuratorium junger deutscher Film
RedaktionMilena Seyberth und Burkhard Althoff
Länge ca. 72 Minuten


Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Matthias Mark Waschke
AnnaAnne Ratte-Polle
Lukas Kasimir Brause
JuliusFinnlay Jan Berger
Katharina Anna Brüggemann
VictorKnut Berger
Leticia Mélanie Fouché
Junkie Alexander Finkenwirth
Polizistin Katrin Hansmeier
NachbarinEva-Maria Kurz
Nachbar Matthias Hummitzsch

 

Inhalt

Familiendrama in Film Noir-Ästhetik über einen Teilzeit-Vater, der über Nacht erkennt, was für ihn wirklich wichtig ist: sein Sohn.

Trotz alter Wunden richtet das getrennte Paar Matthias und Anna zusammen die Geburtstagsfeier für den gemeinsamen siebenjährigen Sohn Lukas aus. Während im Wohnzimmer die große Kinderparty mit Piñata und Torte steigt, streiten in der Küche die Eltern: Der gestresste Matthias hat – mal wieder – das anstehende Vater-Sohn-Wochenende abgesagt und den von Lukas heiß ersehnten Zoobesuch verschoben. Und überhaupt: Statt einer nervtötenden Kinderparty und Streit mit seiner Ex will Matthias viel lieber zur Theaterpremiere seiner aktuellen Freundin.

Als die Party vorbei ist, folgt das nächste Problem: Partygast Julius wird von seinen Eltern nicht abgeholt. Anna, frustriert und wütend über Matthias Egoismus, kann ihn zumindest überreden, den Jungen zurück zu seinen Eltern zu bringen. Da dieser seine Adresse kennt, lässt sich Matthias darauf ein. Er will das fremde Kind eigentlich nur schnell loswerden, doch die Ereignisse überschlagen sich. Was zunächst als eine leicht zu lösende Aufgabe erscheint, entwickelt sich zu einer abenteuerlichen Reise durch eine Nacht, die Matthias an die Grenzen seiner Kräfte und seines Verstandes bringt. Angetrieben von seinem erwachenden Beschützerinstinkt, übernimmt der Teilzeit-Papa schließlich Verantwortung für den hilflosen Julius. Am Ende öffnen sich seine Augen auch für die Bedürfnisse seines eigenen Sohnes, und er sieht die Beziehung zu Lukas in einem neuen Licht.

Regisseur Carlos A. Morelli inszeniert in bestechenden Schwarz-Weiß-Bildern eine scheinbar alltägliche Familiensituation. Doch "Der Geburtstag" enthält all das, was man von einem Kindergeburtstag am wenigsten erwartet: Unwetter, Streit und lange Gesichter. Morelli bietet mit "Der Geburtstag" einen originellen Film Noir. Der Drehort Halle an der Saale liefert zudem wunderbare Kulissen für den atmosphärischen Retro-Look.

Kommentar von Regisseur Carlos A. Morelli

Vor ein paar Jahren organisierten meine Frau und ich eine Geburtstagsfeier für unseren damals sechsjährigen Sohn. Wir waren überzeugt, dass sein Glück vom Erfolg dieser Feier abhing und luden, einer groben Fehleinschätzung unterliegend, elf Kinder ein. Wir hatten die Feier im Hinterhof unseres Wohnhauses in Berlin geplant, aber ein heftiger unerwarteter Regen zwang uns alle in unser kleines Wohnzimmer.

Im Laufe der Feier wuchsen die Spannungen zwischen uns Eltern, während wir von einer Beinahe-Katastrophe in die nächste schlitterten. Als die Feier vorbei war und wir endlich wieder durchatmen konnten, stellten wir fest, dass unser Sohn immer noch mit einem Jungen in seinem Zimmer spielte, der nicht abgeholt worden war. Wir konnten seine Eltern nicht erreichen und wurden von Minute zu Minute nervöser.

Diese Situation brachte in uns das Schlimmste hervor, wir überhäuften uns gegenseitig schneller mit Anschuldigungen, als wir es uns hätten vorstellen können. Das Wohnzimmer war verwüstet, wir waren todmüde, und ein fremder Junge saß in unserem Kinderzimmer, den wir nicht kannten. Schließlich kam eine elegante Frau, um ihn abzuholen, ohne sich zu entschuldigen. Es schien für sie keine große Sache zu sein, ihren Sohn zwei Stunden zu spät abzuholen. Und vielleicht hatte sie recht.

In dieser Nacht begann für mich ein langer Prozess, an dessen Ende der Film "Der Geburtstag" steht. In diesem Prozess habe ich einerseits dem Ärger auf meinen Vater, den ich als Kind nicht formulieren konnte, Ausdruck verliehen und andererseits all meinen Ängsten und Zweifeln über meine eigene Rolle als Vater Ausdruck verliehen.

Die Geschichte ist in drei Kapitel unterteilt und spielt weitgehend bei Nacht. Draußen Platzregen, Nebel zieht über die hochgeklappten Bürgersteige. Der Regen schimmert stimmungsvoll an der Zimmerwand, Schatten huschen wie in einem expressionistischen Film über Häuserwände. Das alles verleiht den Geschehnissen einen dezenten, surrealen Anstrich. Der Zusammenklang aus Schwarz-Weiß-Ästhetik und Jazzmusik erzeugt eine Atmosphäre, bei der die Aktionen der Figuren als Metaphern zu verstehen sind. Ein Familiendrama als Film Noir erzählen, um das Innenleben des Protagonisten sichtbar zu machen: Einen kleinen, seltsamen Jungen nach Hause zu bringen wird zu einem Horrortrip, der eine tiefgreifende Veränderung in der Hauptfigur bewirkt. In verdichteten 24 Stunden erfährt der Antiheld, was Vatersein bedeutet. "Der Geburtstag" ist kein Alltagsdrama, sondern beginnt da, wo das Alltägliche aufhört.

Preise und Auszeichnungen

2019: Achtung Berlin, Lobende Erwähnung der Drehbuch-Jury
2019: Festival des deutschen Films, Nominierung: Rheingold Publikumspreis
2019: Kinofest Lünen, Gewinner: Schüler-Filmpreis

Festivals

2020: Merseburger DEFA-Filmtage, Abschlussfilm
2019: Biberacher Filmfestspiele
2019: Exground Filmfest Wiesbaden
2019: Filmfestival Max-Ophüls-Preis, Wettbewerb
2019: Kinofest Lünen, Wettbewerb
2019: Shanghai International Film Festival, Wettbewerb
2019: Filmfestival Augenblick, Frankreich

Filmografie – eine Auswahl

2017: Mi Mundial,Home Team (Langspielfilm)
2015: Tell Him I want to see Him (Kurzfilm)
2012: Monstruo (Kurzfilm)
2011: Warisover (Kurzfilm) 2005: Brief history of how a man and a woman met and fell in love (Kurzfilm) 2002: Someone Must Die (Kurzfilm)
2001: A Happy Man (Kurzfilm)

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/shootingstars

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