Skandinaviens versteckte Paradiese

Dokumentation

Die nordischen Länder beeindrucken mit einer grandiosen Natur. Um diesen Schatz zu erhalten, kämpfen engagierte Forscher und Naturschützer an entlegenen Orten. In der Dokumentation werden vier Regionen stellvertretend für "Skandinaviens versteckte Paradiese" vorgestellt: Schwedisch Lappland, die finnische Saimaa-Seenplatte, das Hallingskarvet-Hochplateau in Norwegen und Gotska Sandön, eine kleine schwedische Insel in der Ostsee.

  • ZDF, Mittwoch, 18. Dezember 2019, 22.15 Uhr
  • ARTE, Donnerstag, 12. Dezember 2019, 20.15 Uhr

Texte

Sendedatum, Stab, Inhalt

Mittwoch, 18. Dezember 2019, 22.15 Uhr, ZDF
Donnerstag, 12. Dezember 2019, 20.15 Uhr, Arte

Skandinaviens versteckte Paradiese

Film von Anja Kindler und Iris Gesang

Buch und Regie: Anja Kindler, Iris Gesang
Kamera: Jürgen Heck, Rasmus Sievers
Schnitt: Hauke Ketelsen, Christian R. Timmann
Sprecher: Jacob Weigert
Produktion: Patrick Fuchs (SPIEGEL TV), Maria Herbst (SPIEGEL TV), Petra Ziegler (ZDF)
Produzent: Kay Siering
Redaktion: Susanne Hillmann (ZDF), Petra Boden (ZDF/Arte)
Länge: 43'30''

Mit drei- bis vierhunderttausend Exemplaren verfügt Schweden über die höchste Elchdichte weltweit. Hoch im Norden, in Schwedisch Lappland, markieren Wissenschaftler einzelne Elche mit GPS-Halsbändern, um mehr über das Wanderverhalten von Schwedens größtem Huftier zu erfahren.

In Finnland nahe der russischen Grenze erstreckt sich die schier unendliche Saimaa-Seenplatte, die Heimat einer der seltensten Robbenarten der Welt. Extreme Bejagung Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat den Bestand der Saimaa-Ringelrobbe fast ausgelöscht. Im gesamten Saimaa-Seegebiet gibt es nur noch 380 Exemplare. Für den Erhalt der kostbaren Tiere kämpfen Wissenschaftler und Naturschützer.

Im Westen der skandinavischen Halbinsel prägen Fjorde und Gebirge die Landschaft. Auf dem norwegischen Hochplateau Hallingskarvet leben Polarfüchse. Wegen ihres Fells wurden sie in Norwegen, Schweden und Finnland beinahe ausgerottet. Seit 2010 siedelt die norwegische Regierung mit einem Zucht- und Auswilderungsprogramm die Polarfüchse in ihren ursprünglichen Lebensräumen wieder an. Bis ihre Zahl im Nationalpark Hallingskarvet wieder groß genug ist, werden sie ganzjährig von Rangern mit Futter versorgt.

Gotska Sandön ist einer der entlegensten Orte im südlichen Inselreich der Ostsee. Für Vögel und Kegelrobben ein Paradies, dessen Abgeschiedenheit einst Seeräuber und Robbenjäger geschätzt haben sollen, so die Legende. Im Rahmen einer ersten Expedition auf der kleinen Insel suchen Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen nach Siedlungsspuren vergangener Zeiten.

Zitate der Protagonisten aus dem Film

Wiebke Neumann, Wildtierbiologin, erforscht seit 14 Jahren Schwedens Elche:

"Was mich fasziniert, ist, dass man denkt, Tiere handeln nur nach Instinkt. Aber sie haben unterschiedliche Persönlichkeiten, sie sind Individuen. (...) Wenn wir mit ihnen arbeiten, sind manche ganz ruhig, andere gestresst und manche reden total viel."

"Ein Elch kann Wärme extrem gut halten (...). So kann er sehr kalte Temperaturen ohne Probleme aushalten. Die Kehrseite des Ganzen ist, dass, sobald es ein bisschen wärmer ist, es dem Elch zu warm wird und er Lebensräume aufsuchen muss, die ihm Kühlung bringen."

Ismo Marttinen, WWF-Regionalleiter in Finnland, arbeitet seit über 30 Jahren im Robbenschutz:

"Die Saimaa-Robbe ist ein so seltenes Tier, jeder Finne sollte etwas für ihren Schutz tun. Dies ist der Hauptgrund und auch die Motivation für meine Arbeit. Wir dürfen die Saimaa-Robbe auf keinen Fall verlieren."

"Der Klimawandel stellt die größte Gefahr für die Saimaa-Robbe dar. Die Tiere sind im Winter auf den Schutz der Schneedecke angewiesen. Sollte die Erde sich weiter erwärmen, wird es bald nicht mehr genug Schnee geben."

Petter Braaten, Nationalpark-Ranger der norwegischen Umweltbehörde, kümmert sich um ausgewilderte Polarfüchse:

"Wir haben insgesamt 21 Futterautomaten an 14 verschiedenen Stellen. Sie stehen in der Nähe von alten Fuchsbauten, die Polarfüchse über tausende von Jahren genutzt haben. Wir machen das, damit sich die Polarfüchse wieder ansiedeln. Sie waren ja hier ausgerottet."

"Zurzeit geben wir den Polarfüchsen ganz normales Hundefutter, sie mögen das. Wir glauben, es gefällt ihnen, so ein Fast-Food-Restaurant in der Nähe zu haben."

"Das Beste an meinem Job ist, dass ich nicht im Büro hocken muss, sondern jeden Tag diese grandiose Natur erleben kann."

Drehbericht der Autorin Anja Kindler 

Unser erster Drehort liegt im hohen Norden Skandinaviens, in Schwedisch Lappland. Von Kiruna aus führt nur eine einzige, schmale Straße in den rund 70 Kilometer entfernten Ort Nikkaluokta. Bei unserer Ankunft ist es bereits Nacht, die Luft ist eisig und wir können nur erahnen, wo wir hier gelandet sind. Umso mehr sind wir am nächsten Morgen beeindruckt: Der Ort besteht nur aus wenigen, verstreut liegenden Holzhäusern, alles ist verschneit und wir blicken bei strahlendem Sonnenschein in eine weite, weiße Schneelandschaft mit mächtigen Gipfeln in der Ferne. Nikkaluokta, einst von einem samischen Rentierzüchter gegründet, gilt als Tor zum Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens mit über 2000 Metern. Wir sind aber nicht wegen des Berges und der Rentiere hier, sondern wegen der Elche.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes sollen einzelne Tiere mit GPS-Halsbändern ausgestattet werden. Ihr Wanderverhalten soll genauer untersucht werden. Wir starten mit unseren Wissenschaftlern im Helikopter und erblicken schon bald die ersten Elche. In der weißen Landschaft sind die majestätischen Tiere gut zu erkennen. Wir beobachten, wie geschickt sie sich mit ihren langen Beinen durch den tiefen Schnee bewegen. Nachdem einer der Wissenschaftler ein Tier aus der Luft narkotisiert hat, kämpfen wir uns Minuten später, wenig geschickt, durch den meterhohen Schnee zu dem betäubten Elch. Die Forscher arbeiten ruhig und routiniert, um das Tier nicht zusätzlichem Stress auszusetzen. Wir sind einfach nur fasziniert, diesem mächtigen, wunderschönen Tier so nahe zu sein. Nach rund 15 Minuten erhält der Elch ein Gegenmittel, wacht langsam auf und sucht dann schnell das Weite.

Unser nächstes Ziel erreichen wir mit dem Boot. Es ist eine Insel im riesigen Saimaa-Seengebiet im Südosten Finnlands. Der See, ein Labyrinth aus tausenden von Inseln, ist Heimat der äußerst seltenen Saimaa-Ringelrobbe. Gerade mal geschätzte 380 Tiere gibt es noch, sie sind die letzten ihrer Art. Mit Wissenschaftlern der Universität Ostfinnland sind wir auf Kokonsaari, einer Insel im Herzen von Saimaa, verabredet. Unsere Unterkunft für die nächsten Tage ist ein typisch finnisches Holzhaus am Seeufer, das früher als Gemeindehaus und Tanzsaal genutzt wurde. Heute dient es den Forschern als Basiscamp für ihre Arbeit „im Feld“. Wo früher gefeiert und getanzt wurde breiten wir am Abend unsere Schlafsäcke aus. Es hat ein bisschen was von Klassenfahrt, spartanisch, aber gemütlich.

Am nächsten Morgen liegt dichter Nebel über dem See. Die Stimmung ist mystisch, aber wir sind ein bisschen in Sorge, ob wir überhaupt drehen können. Denn wir sehen fast nichts. Es dauert einige Zeit, bis es aufklart und wir mit den Booten auf den See hinausfahren können. Die Landschaft, die sich uns dort offenbart, ist atemberaubend schön: ein Meer aus Inseln zwischen riesigen Wasserflächen. Einige Inseln sind winzig klein mit nur einem Baum, andere dichter bewaldet mit flachen, abgerundeten Felsen im Uferbereich. Mit unseren Forschern gehen wir an verschiedenen Stellen an Land. Sie installieren Wildkameras oder überprüfen sie nach neuen Aufnahmen. Außer uns scheint niemand unterwegs zu sein. Wir begegnen keiner Menschenseele und genießen die Stille und Einsamkeit dieses finnischen Inselparadieses. Und dann erblicken wir tatsächlich einige Ringelrobben beim Sonnenbad auf den Felsen! Wir sind glücklich über den perfekten Abschluss des Tages. 

Hoch hinaus geht es im Südwesten Skandinaviens, dieses Mal mit der Bahn. Zwischen Hardangervidda- und Hallingskarvet-Nationalpark liegt auf 1222 Meter Höhe der kleine Ort Finse. Er ist nur mit dem Zug zu erreichen. Bei der Ankunft steigt man in Europas höchstgelegenem Bahnhof aus.

Hier auf der Hochebene, etwa 300 Kilometer westlich von Oslo, herrscht Ende Mai noch Winter. Zum Glück haben wir die richtigen Klamotten im Gepäck.

In der Region um Finse wurden im Rahmen eines speziellen Zucht- und Auswilderungsprogrammes der Regierung seit 2010 wieder Polarfüchse angesiedelt. Um 1930 gab es in Norwegen, Schweden und Finnland fast keine Eisfüchse mehr.

Zwei Nationalpark-Ranger kümmern sich im Auftrag der norwegischen Umweltbehörde um die Versorgung der ausgewilderten Tiere. Auf ihren Schneemobilen nehmen uns die beiden mit auf ihrer Tour zu den Füchsen. In der kalten Jahreszeit werden sie regelmäßig mit Futter versorgt. Wir sind froh, so sicher durch diese unwirtliche Gegend gefahren zu werden. Extrem routiniert steuern die beiden ihre Fahrzeuge durch die Landschaft. Sie wissen genau, wo Seen oder Flüsse liegen, die unter Eis und Schnee mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind, aber an einigen Stellen schon auftauen und einbrechen könnten. Die Landschaft auf der Hochebene erinnert an eine Mondlandschaft, überall ragen Felsen aus dem Eis hervor, es ist menschenleer. Doch so rau die Gegend erscheint, so schön ist sie auch. Ein faszinierender Ort. Trotzdem sind wir am Abend froh, wieder zurück in unserer gemütlichen Hütte zu sein und mit warmen Füßen vor dem Kaminfeuer zu sitzen. 

Fotos

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