Spreewaldkrimi - Die Sturmnacht

Der Fernsehfilm der Woche

Filmstudenten wollen auf der Grundlage einer sorbischen Sage und des unaufgeklärten Verschwindens von zwei Frauen einen Film drehen. Doch dann sind sie wie von den Fließen verschluckt. Zurück bleibt ihr Laptop, auf dem ihre gedrehten Filmszenen gespeichert sind. Anhand dieser Clips versucht Kommissar Krüger diese beiden weit auseinanderliegenden Vermissten-Fälle zu klären.

Auf der Suche nach den vermissten Filmstudenten: Peter Fähnrich (Sammy Scheuritzel), Fichte (Thorsten Merten) und Kommissar Krüger (Christian Redl) laufen durch ein überflutetes Feld.

  • ZDF, Montag, 23. November 2015, 20.15 Uhr
  • ZDF neo, Preview: Sonntag, 22. November 2015, 21.45 Uhr

Texte

Herbstzeit ist Spreewaldkrimizeit - Eine erfreuliche Tradition und eine tödliche Legende
von Redakteur Pit Rampelt (Fernsehfilm I)

Der erste Spreewaldkrimi "Das Geheimnis im Moor" (Regie: Kai Wessel) hatte im Herbst 2006 Premiere im ZDF. Die aufgrund des großen Erfolges bei Publikum und Presse darauf folgenden Spreewaldkrimis wurden überwiegend im Herbst im ZDF erstausgestrahlt. Im letzten Herbst wurde der siebte, "Die Tote im Weiher" (Regie: Sherry Hormann), gezeigt und der sechste, "Mörderische Hitze" (Regie wieder: Kai Wessel), erhielt im Oktober 2014 in sechs Kategorien den Preis der Deutschen Akademie für Fernsehen (Buch, Regie, Hauptdarsteller, Musik, Bildgestaltung, Filmschnitt) und wurde im November zum Fernsehfilmfestival in Baden-Baden eingeladen.. Und bei dem in dieser Form letztmalig verliehenen Deutschen Fernsehpreis wurde der Hauptdarsteller Roeland Wiesnekker ausgezeichnet. Alles im Herbst.

Herbstzeit ist Spreewaldkrimizeit. Diese intensive Jahreszeit passt zu den intensiven Filmen dieser Reihe. In der wuchernden deutschen Krimilandschaft ragen die Spreewaldkrimis – von Kritikern, Juroren und einem hohen Zuschauerzuspruch attestiert – mit komplexen, geheimnisvoll-verrätselten Geschichten heraus. Besonderes Kennzeichen dieser, in der von Fließen und Wald geprägten Grenzregion gedrehten Filme, ist der verblüffend spielerische Umgang mit mäandernden Zeitebenen, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart gleichzeitig und gleichwertig dramatisch durchdringen.

Der achte Spreewaldkrimi "Die Sturmnacht" wurde im Oktober/November 2014 Jahres gedreht und setzt nun die Tradition der herbstlichen Spreewaldpremieren im ZDF fort. Diese Tradition überhaupt ermöglicht hat vor allem und in erster Linie der Autor Thomas Kirchner, der – ziemlich einmalig – bisher alle Drehbücher dieser Reihe geschrieben hat. Er hat im archaischen Spreewald, dieser abgelegenen, atmosphärisch dichten Ost/West-Schnittstelle, eine Fundgrube für substanzielle Geschichten entdeckt und auch wieder "Die Sturmnacht" raffiniert und vielschichtig konstruiert. Dazu kommt mit Wolfgang Esser ein Produzent, der, ebenfalls von Anfang an verantwortlich dabei, sich inhaltlich höchst engagiert, diesmal anfangs unter Mitwirkung der Produzentin Cornelia Wecker. Nach ein paar Wechseln der Produktionsfirma hat Wolfgang Esser nun bei der von Oliver Behrmann neu aufgestellten Aspekt Telefilm die stabile kontinuierliche Unterstützung gefunden, die diesem anspruchsvollen Projekt gut tut. Für die durchaus schwierige Organisation der Dreharbeiten ist Produktionsleiter Hartmut Damberg vor Ort ein wichtiger Garant, der auch den Kontakt zu den Einheimischen pflegt und dabei so manches Vorurteil gegen Filmemacher entkräftet.

Für die Zuschauer stehen natürlich und berechtigt die Schauspieler für die Marke "Spreewaldkrimi" im Vordergrund: Christian Redl, längst seines "Hammermörder"-Images entledigt, entwickelt seinen Kommissar Krüger zu einem geheimnisumwitterten, männlichen Charakter mit verletzter Seele und Tiefgang. Am 14. Dezember 2015 ist er im ZDF auch in einer Komödie zu sehen: an der Seite von Hannelore Hoger in "Frau Roggenschaubs Reise".

Neben den beiden Frauen im Ermittler-Team, vom ersten Film an dabei Claudia Geisler und später dazugekommen Rike Schäffer, gewinnt der wunderbar wandlungsfähige Torsten Merten als Fichte mehr und mehr an schillernder Kontur. In der "Sturmnacht" sind aus dem wiederum stimmigen Schauspielerensemble (Casting: Simone Bär) diesmal zwei Frauen und ein 'alter Haudegen' hervorzuheben: Luise Heyer ist der so attraktive wie authentische und emotionale Mittelpunkt der Filmstudenten, die mit ihrem Nix-Projekt ein länger zurückliegendes Verbrechen samt einer großen Lebenslüge aufdecken und eine neue Tragödie heraufbeschwören. Malina Ebert als polnische Putzfrau zeigt überzeugend unangestrengt und realistisch, dass eine Reinigungskraft auch intelligent und schlagfertig Polizisten Paroli bieten kann. Volkmar Kleinert als kauziger, pensionierter Kommissar ist ein beeindruckendes Pendant zu Redls Charakterkopf Krüger.

Diese Tragödie zwischen alten und jungen Menschen in der schaurigen Sumpflandschaft, basierend auf der sorbischen Sage vom unheimlichen Wassermann Nix, hat diesmal Christoph Stark inszeniert, virtuos und effektvoll mit Elementen des Horrorfilms und einem traurig-schönen Schluss. Beim nicht hoch genug einzuschätzenden Schnitt hat sich der Cutter Manuel Reidinger besonders kreativ eingebracht. Für seine starken Bilder hat Kameramann Frank Blau bei der Premiere der "Sturmnacht" beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen im Juni eine "Besondere Auszeichnung" der Jury erhalten.

Der neunte Spreewaldkrimi ist zur Zeit schon in Produktion (Regie: Christian Görlitz), wieder nach einer Vorlage von Thomas Kirchner, die dezidiert politischer ist als "Die Sturmnacht". Der achte Film lebt ja mehr von Magie und Mythos der Nix-Legende und einer Variation des Horrorfilmgenres als tragisches Schauermärchen – auch wenn Treuhand-Mauscheleien, Ökoanbau und Renaturierung letztlich keine kleine Rolle bei der schicksalhaften Unglücksverkettung spielen.

Erfolg und Renommee dieser Reihe, die Auszeichnungen und Erwartungen sind Ansporn und Verpflichtung zugleich. Über das Gelingen entscheiden vor allem die Zuschauer und die erfreulich wachsende Spreewaldkrimi-Fangemeinde.

Stab und Besetzung

Montag, 23. November 2015, 20.15 Uhr
Preview: ZDFneo, Sonntag, 22. November 2015, 21.45 Uhr
Spreewaldkrimi – Die Sturmnacht
Der Fernsehfilm der Woche 

Regie                                 Christoph Stark
Buch                                  Thomas Kirchner
Kamera                              Frank Blau
Szenenbild                         Anne Schlaich
Kostüm                              Petra Fichtner
Schnitt                               Manuel Reidinger
Musik                                 Thomas Osterhoff
Ton                                     Matthias Pamperin
Ton-Mischung                    Richard Borowski
Music Supervision             Hansjörg Kohli
Casting                              Simone Bär
Aufnahmeleitung                Lena Reuter
Produktionsleitung             Hartmut Damberg
Herstellungsleitung            Olaf Kalvelage
Producer                            Dana Löffelholz
Produzent                          Wolfgang Esser
Produktion                          ATF, Aspekt Telefilm GmbH
Redaktion                           Pit Rampelt
Länge                                 ca 89 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller
Thorsten Krüger                 Christian Redl
Fichte                                 Thorsten Merten
Marlene Seefeldt                Claudia Geisler
Anna                                   Rike Schäffer
Laura                                  Luise Heyer
Mirko                                   Pit Bukowski
Dennis                               Julius Feldmeier
Marushka Jablonska          Malina Ebert
Sebastian Fähnrich            Norbert Stöß
Sabine Fähnrich                 Lina Wendel
Peter Fähnrich                   Sammy Scheuritzel
Helmut Sonnenthal             Volkmar Kleinert
Monika Fähnrich                 Antonia Bill
Astrid Kamper                    Samia Chancrin
Bürgermeisterin                  Heike Jonca
Fährmann                          Josef Heynert
u.a.

Inhalt

Mirko, Laura und Dennis, drei Filmstudenten, fahren in den Spreewald, um einen halb dokumentarischen, halb fiktiven Film zu drehen. Sie bedienen sich dazu der alten sorbischen Volkssage vom Nix, einem Wassermann, der mit Frau, Töchtern und Söhnen in den Wassern des Spreewaldes haust. Legenden berichten davon, dass der Nix, wenn er gekränkt wird, seine Opfer in sein nasses Reich zieht und sie nie wieder auftauchen.

Mirko hat einen alten Fall gefunden, an den der Film anknüpfen soll. Vor fünfzehn Jahren verschwanden zwei junge Frauen auf unerklärliche Weise im Spreewald. Die Studenten machen sich auf die Suche, interviewen Einheimische und den damals zuständigen Kommissar, beschwören die Legende und stochern in dem alten Fall herum, stoßen auf Interesse, Skepsis und offene Ablehnung. Als Laura und Dennis feststellen, dass ihr Kommilitone Mirko der Sohn einer der beiden verschwundenen Frauen ist, geraten sie selbst in Gefahr. Doch an ein Aussteigen aus dem Nix-Projekt ist nicht mehr zu denken.

Und dann sind die drei Filmstudenten weg. Wie von den Fließen verschluckt. Zurück bleibt ihr Laptop, auf dem ihre gedrehten Filmszenen gespeichert sind. Anhand dieser Clips geht Kommissar Krüger den Weg der Studenten nach und steigt tief ein in zwei, fünfzehn Jahre auseinander liegenden Vermissten-Fälle. Sein zunächst widerwilliger Assistent Fichte und eine polnische Putzfrau helfen ihm dabei, allmählich die Inszenierung der Studenten zu durchschauen und den Zusammenhang zu erkennen. Krüger heftet sich an die Spur eines Verdächtigen. Doch dann kommt eine verhängnisvolle Sturmnacht…

Von den Dämonen des Spreewalds und
des Filmemachens von Produzent Wolfgang Esser

Die Spreewaldkrimis sind immer wieder eine besondere Herausforderung für Team und Darsteller. Von denjenigen Kollegen, die zum ersten Mal einen Spreewaldkrimi machen, wird dies zunächst nicht selten unterschätzt, was dann aber meist die konkrete Beschäftigung mit der Umsetzung der anspruchsvollen Drehbücher sehr schnell richtigstellt.

Aber auch uns "Spreewaldkrimi-erfahrene" Macher stellt jedes neue Drehbuch, und vor allem der Spreewald selbst, immer wieder vor eine noch nicht da gewesene Aufgabe. Bei der Idee zum achten "Spreewaldkrimi – Die Sturmnacht" war schnell umrissen, welche Rolle der Spreewald dieses Mal spielen sollte. Wir wünschten uns Unwetter, Starkregen, Überschwemmungen. Mit einem Wort, es sollte unser "Wasser-Film" werden. Aber wie stellt man im Spreewald eine Überschwemmung zu einer Zeit her, in der dort kein natürliches Hochwasser herrscht, bzw. ohne dass es am Ende aussieht, wie ein CGI(Computer-Generated Imagery)-überfrachtetes Katastrophen-Movie? Denn schließlich wollen wir eine Überschwemmung nicht zu ihrem Selbstzweck darstellen. Und wie "überleben" Crew und Darsteller fünf Wochen Drehzeit bei nasskaltem Herbstwetter, wenn wir sie immer wieder von allen Seiten zusätzlich Wind und Wasser aussetzen? Es gab viele Fragen, die auf der Hand lagen, aber fast ebenso viele, die sich uns erst unterwegs noch stellten. Um für alles die besten Lösungen zur richtigen Zeit zu finden, musste auch der “inner circle“ unseres langjährigen Spreewaldkrimi-Teams an seine kreativen und organisatorischen Grenzen gehen.

Und wie "überlebt" man nun als Cast und Crew solche Dreharbeiten, wenn man von morgens bis abends in nassen Klamotten unterwegs ist? Zum Beispiel in Taucheranzügen unter dem Kostüm und in mobilen Whirlpools mit auf 30 Grad erwärmten Wasser zum Aufwärmen in den kurzen Drehpausen und natürlich mit einem besonders guten Catering.

Zu den Dreharbeiten hier ein paar nüchterne Fakten:
Vier Monate Recherchen und Genehmigungsverfahren; zwei Monate strategische Planung mit Institutionen, Verbänden und Spezialisten; drei Monate Vorbereitung, Schleusen koordinieren, Dämme errichten, korrigieren, überwachen; fünf Wochen Drehzeit, davon lediglich zwei Drehtage im "Überschwemmungsgebiet"; sechs Monate Sicherstellung und Begleitung eines "geordneten Wasser-Rückzugs"

Das Ergebnis ist "Die Sturmnacht", unser Wasser-Film. Der Spreewald steht zwar nicht im Mittelpunkt unserer Geschichte, doch wie immer beeinflusst er das Geschehen maßgeblich und ist damit Teil einer umfassenden Gesamtinszenierung, die bei Fernsehfilmen heutzutage nahezu einzigartig ist.

"Unter Filmschaffenden genießt der Spreewaldkrimi einen erstklassigen Ruf"
Fragen an Regisseur Christoph Stark

Was hat Sie daran gereizt, die Regie für diesen Spreewaldkrimi zu übernehmen?

Unter Filmschaffenden genießt der Spreewaldkrimi einen erstklassigen Ruf. Es ist ein ganz besonderes Format und in seiner Machart auf dem deutschen Fernsehmarkt einzigartig. Melancholisch, mystisch, geheimnisvoll – all dies trifft auf dieses Format, aber auch auf die Region zu. Ich war natürlich neugierig auf diese Landschaft und auch darauf, wie es mir gelingt, das Buch von Thomas Kirchner umzusetzen. Seine vielschichtig, verwobenen Geschichten sind für den Zuschauer anspruchsvoll. Die Kunst der Umsetzung besteht darin, die Zuschauer immer wieder sanft in die einzelnen Geschichten zu führen, ihnen dort Einblick zu geben, sie zu fesseln, aber auch gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sie den Überblick nicht verlieren. Ein bisschen wie ein Labyrinth mit mehreren Zeitebenen. Zudem hat es mich gereizt, den Film der Studenten in den bestehenden Film zu integrieren.

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht die Arbeit für einen Spreewaldkrimi von der für andere Fernsehfilme?

Der Spreewaldkrimi lebt nicht nur von seiner Umgebung, sondern in erster Linie durch die verschachtelten Geschichten. Normalerweise haben Filme eine lineare Erzählebene, die Erzählweise des Spreewaldkrimis lebt durch Rückblenden und mehrere Erzähl-Ebenen. Hier liegt nicht nur die Herausforderung für den Regisseur, sondern auch für die Darsteller.
Krüger und Fichte sind auch nicht die typischen Ermittler, wie man sie aus klassischen Krimis kennt. Gerade Krüger scheint
eher am Menschen interessiert, als am Kriminalfall. Entsprechend anders müssen sie in Szene gesetzt werden – auch eine Besonderheit des Spreewaldkrimis.

Was war das Besondere bei an den Dreharbeiten vor Ort im Spreewald?

Die Landschaft fängt einen ein. Man kann sich ihr schwer entziehen und sie lässt niemanden unberührt, das war bei den Dreharbeiten immerzu spürbar.
Darüber hinaus steckt eine enorme logistische und organisatorische Leistung hinter dem Film. Die Umsetzung der komplexen Stoffe in den unterschiedlichen Zeitebenen benötigt ein hohes Maß an Professionalität. Ich habe mich bestens aufgehoben gefühlt, das wird mir in jedem Fall gut in Erinnerung bleiben.

Die Fragen stellte Manuela Mehnert

"Alleinsein ist eine gute Sache."
Fragen an Schauspieler Christian Redl (Kommissar Krüger)

Sie spielen nicht nur von Anfang an die Rolle des Kommissars Krüger in den Spreewaldkrimis, sondern sagen von sich auch, dass der Spreewald zu einer Art zweiter Heimat für Sie geworden ist. Was gefällt Ihnen an dieser Region so gut?

Ich lebe in Hamburg, einer Großstadt also, und immer, wenn ich in den Spreewald zurückkomme, habe ich schon kurz nach meiner Ankunft dieses seltsame Gefühl, dass sich mein Herzschlag entschleunigt und dass sich das Ein- und Ausatmen der Natur um mich herum auf ganz wundersame Weise verlangsamt. Für mich ist diese märchenhaft-mystische Region zu einem sogenannten "Sehnsuchts-Ort" geworden, der einen nervösen, aus seinem urbanen Umfeld gerissenen Menschen wie mich, innerhalb kürzester Zeit ganz ruhig macht. Es gibt da offensichtlich eine geheimnisvolle Energie in der Luft über Lübbenau, die mich sehr positiv beeinflusst und der ich mich nur allzu gerne hingebe. Eine ideale Voraussetzung also für eine intensive Arbeit an einem neuen Spreewaldkrimi.

Krüger ist nahezu ungebunden, er hat nicht einmal mehr eine Wohnung. Was hält ihn im Spreewald?

Mehr oder weniger durch einen Zufall, und eigentlich ungewollt in den Spreewald verschlagen, hat Krüger im Laufe der Zeit erfahren, dass dieses anfänglich für ihn so fremde bewaldete Gebiet mit seinen Fließen seinem eigentlichen Wesen entspricht. Von einem Tag auf den anderen damit konfrontiert, das Leben in Zukunft allein leben zu müssen, hat er diese Mitteilung weder als Bürde, noch als einen Vernichtungsschlag empfunden. Im Gegenteil: Er hat sie als unverhoffte Chance gesehen, zukünftig nicht mehr vor sich selber wegzulaufen. "Alleinsein ist eine gute Sache" heißt es bei Brecht. Das freiwillige, selbst gewählte Alleinsein braucht natürlich einen Ort, dem man sich anvertrauen kann. Und diesen Ort hatte er nun ganz unerwartet gefunden. Alleinsein sollte man nicht mit Einsamkeit verwechseln. Insofern würde ich Krüger als einen in sich glücklichen Menschen bezeichnen, der zwar wortkarg und verschlossen wirkt, der aber akzeptiert hat, dass sich die große Liebe in seinem Leben nicht mehr ereignen wird und der damit gut leben kann.

Welches ist in "Spreewaldkrimi – Die Sturmnacht" die besondere Herausforderung an Ihre Rolle?

Abgesehen davon, dass Schlamm, unfreundliche Wetterlage, eiskaltes Wasser und heftiger Regen schon eine Herausforderung sind, ging es diesmal hauptsächlich darum, Vorgänge, die sich im Kopf abspielen, nonverbal sichtbar zu machen. Man schaut dem Kommissar dabei zu, wie er den Tatort, sein Umfeld und den stets undurchdringlichen, geheimnisvollen Wald in sich aufnimmt und welche Schlüsse er daraus zieht. Wenn man genauer hinschaut, könnte man meinen, dass Krüger im Laufe der Ermittlungen mehr und mehr zu einem Teil einer Natur wird, der er sich ausgeliefert hat, damit sie ihm Antworten gibt. Die eigentliche Herausforderung für mich war also, den Zuschauer weniger dafür zu interessieren, was Krüger sagt, sondern dafür, was in seinem Kopf vorgeht.

 Die Fragen stellte Manuela Mehnert

Fragen an die Darsteller der drei Filmstudenten Luise Heyer, Pit Bukowski und Julius Feldmeier

Was hat Sie gereizt, beim "Spreewaldkrimi" mitzuspielen?

Luise Heyer: Ich mochte an dem Drehbuch, ganz unabhängig vom Kriminalfall, dass die Studenten einen semifiktiven Film über den NIX drehen. Das eröffnete zum einen eine fantastische Welt, in der wir Räuber und Gendarm spielen konnten, und zum anderen waren wir Schauspieler, Regisseur, Kameramann, Beleuchter und Reporter in einem.

Julius Feldmeier: Ich kannte in den ersten Casting-Runden weder das Format noch das Buch, abgesehen von den Casting-Szenen. Ich mochte die Idee mit Kollegen in meinem Alter ein Team junger Filmemacher zu spielen und nach dem Konstellations-Casting mit Pit Bukowski und Luise Heyer wusste ich, dass wir drei eine sehr gute Zeit zusammen haben würden.

Pit Bukowski: Ich kannte das Format über meine Oma. Gereizt hat mich der mythologische Teil der Geschichte.

Worin unterscheiden sich die Dreharbeiten des Spreewaldkrimis von anderen Filmen, an denen Sie bisher mitgewirkt haben?

Julius Feldmeier: Der Spreewald ist durch seine Drehorte etwas Besonderes. Wir haben viel Zeit in der Natur verbracht, zum Arbeiten und an den drehfreien Tagen. Das hat mir sehr gefallen.

Pit Bukowski: Der Spreewald spielt die Hauptrolle. Das ist das Besondere. Ansonsten hat unsere Geschichte eine spezielle dramaturgische Form. Der "Found-Footage"-Ansatz ist selten in Deutschland. Es entspricht also weder meiner Drehgewohnheit, noch der Sehgewohnheit des Zuschauers. Dafür darf man dankbar sein in dieser Branche.

Luise Heyer: Diese verschiedenen Ebenen, in denen der Film erzählt wird, waren besonders. Manchmal brauchte ich eine Weile, um rauszufinden, ob das meiner Figur passiert oder ob die Studenten das für ihren Film inszeniert haben. Dann noch der Punkt, dass meine Figur lange den wahren Grund des Projekts nicht weiß. Da gab es während der Dreharbeiten tatsächlich noch ein paar wenige Erleuchtungen.

Ihnen und Ihren Kollegen wurde teilweise auch körperlich einiges abverlangt im nasskalten November. Wie empfanden Sie die Arbeitsatmosphäre bei den Dreharbeiten?

Pit Bukowski: Körperlich war es durchaus ein anstrengender Dreh. Viel im Wasser, viel bei Nacht. Ohne solch ein engagiertes Team, wäre es für uns Schauspieler unmöglich gewesen. Im Spiel vergisst man, sich um sich selbst zu kümmern. Da braucht man Unterstützung. Gerade bei den Temperaturen.

Luise Heyer: Es war eine wirklich schöne Arbeit. Mit sehr lieben Kollegen, einem tollem Team und einem transportablen beheizten Whirlpool, der uns vorm Krankwerden behütet hat.

Julius Feldmeier: Produktion und Team waren extrem gut vorbereitet und wir hatten Glück mit dem Wetter. Trotz der vielen Szenen im Wasser ist keiner von uns Schauspielern krank geworden, entsprechend gut war die Stimmung bei allen. Dafür bin ich allen Beteiligten sehr dankbar!

Kannten Sie die Region Spreewald vor dem Dreh? Welches persönliche Verhältnis haben Sie zu dieser Region?

Pit Bukowski: Meine Familie väterlicherseits kommt aus Cottbus und ich habe große Teile meiner Adoleszenz in der Lausitz verbracht. Kenne also all die kleinen Städtchen wie zum Beispiel Burg.

Luise Heyer: Ich kann mich nicht bewusst an eine persönliche Verknüpfung zum Spreewald erinnern. Allerdings, kurz bevor die Casting-Einladung kam, schenkte ich meinem Cousin eine Bootstour durch den Spreewald zum Geburtstag, mit Gurkenessen, Zelten und allem was dazugehört. Das wird hoffentlich nächstes Jahr etwas.

Julius Feldmeier: Ich bin in Berlin aufgewachsen, dadurch kannte ich den Spreewald durch einige Ausflüge mit der Familie aus meinen Kindheitstagen. Der Spreewald hat zu jeder Jahreszeit eine magische Atmosphäre. Ich werde nie vergessen, wie ich im Winter stundenlang auf Schlittschuhen die Fließe entlanggefahren bin. Es lag ganz weicher, neuer Pulverschnee, in den wir mit unseren Kufen schmale Linien gezogen haben. 

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