Copyright: ZDF / Duli Dielmannsberger
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Spreewaldkrimi - Spiel mit dem Tod

Der Fernsehfilm der Woche

Im Hochwald stirbt ein junges Paar durch einen Sprengstoffanschlag. Die Ermittlungen von Kommissar Krüger (Christian Redl) führen zunächst in Richtung Ex-Freund Timo (Rick Okon). Der war zum Militäreinsatz in Afghanistan und leidet jetzt an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Krüger erinnert vieles bei diesem Fall an seine eigene Kindheit und an seinen Vater, der auch traumatisiert aus dem Zweiten Weltkrieg heimkehrte. Verdrängte Bilder werden wach...

  • ZDF, Montag, 13. Februar 2017, 20.15 Uhr

Texte

Die Dämonen des Krieges im Spreewald
Von Redakteur Pit Rampelt

Den Regisseur Christian Görlitz darf man mittlerweile respektvoll einen Altmeister des Fernsehfilms nennen. Denn sowohl bei vielen bekannten Serien (u.a. „Großstadtrevier“, „Unsere Hagenbecks“, „Kommissar Rex“), als auch bei Filmen wie „Die Bombe“, den Grimme-Preis-gekrönten „Freier Fall“ oder den legendären „Bella Block“-Film „Geflüsterte Morde“ steht er für intensive, hervorstechende Inszenierungen. Sie haben meistens eine gesellschaftspolitische Komponente und sind oft seiner Heimatstadt Hamburg verpflichtet. Aber er kann es auch anderswo. So lag es nahe, dass Produzent Wolfgang Esser und ich ihn von seinem Einsatz für die ZDF-Reihe „Der Kriminalist“ in Berlin nebenan für den neunten „Spreewaldkrimi“ als Regisseur engagierten. 

Das geschah in Abstimmung mit dem unermüdlich kreativen Schöpfer dieser renommierten Reihe, dem Drehbuchautor Thomas Kirchner. Sein Stoff-Vorschlag hat gleich überzeugt. Denn bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr sind deutlich mehr Soldaten aus den neuen Bundesländern beteiligt. So ist es leider überhaupt nicht abwegig, den Einbruch einer brutalen Kriegsrealität in die friedliche Spreewaldregion zu zeigen. PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) schleppt man überallhin mit. So wie Mythen und Märchen in dieser Zauberlandschaft eine wichtige Rolle spielen, so gehören auch traumatisierte Kriegsheimkehrer und rechtsradikale Gruppierungen zu einem komplexen kompletten Gesellschaftsbild. Thomas Kirchner hat mit speziellen Charakteren eine vielschichtige Geschichte ge- und erfunden, die veranschaulicht wie die menschenzerstörenden, seelenzersetzenden Dämonen des Krieges von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. So wirken im Spreewald nicht nur uralte Sagen und Legenden unsichtbar auf manch einen Bewohner, sondern auch die Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs und die dunklen Seiten der Globalisierung.

Christian Redl und Rick Okon, zwei Männer unterschiedlichen Alters mit scheinbar unterschiedlichen Erfahrungen, legen die gemeinsame Tragik dieser beiden Rollen sehr wahrhaftig bloß. Die wunderbare Karoline Eichhorn und die junge Lea van Acken – jüngst im Kino als Anne Frank – sowie Katrin Wehlisch zeigen in ihren Rollen, wie schwer für die Frauen der Umgang mit diesen beschädigten Männern ist. Walter Kreye und Hermann Beyer ist für ihre kurzen, prägnanten Gastauftritte zu danken.

Der zehnte „Spreewaldkrimi“ ist bereits abgedreht und befindet sich gerade in der Postproduktion. Nach der Entzauberung im neunten spielt die Mystik der einzigartigen Landschaft im zehnten wieder eine größere Rolle.

„Spiel mit dem Tod“ feierte im Sommer 2016 seine Premiere auf dem atmosphärischen, publikumsnahen Festival des deutschen Films auf der Rheininsel in Ludwigshafen und erhielt auch bei einer Vorab-Aufführung in der brandenburgischen Landesvertretung in Berlin großen Applaus.

Stab und Besetzung

Montag, 13. Februar 2017, 20.15 Uhr
Der Fernsehfilm der Woche
Spreewaldkrimi – Spiel mit dem Tod

Regie___Christian Görlitz
Buch___ Thomas Kirchner
Kamera___Andreas Höfer
Szenenbild___Thilo Mengler
Kostüm___Petra Fichtner
Schnitt___Marcel Peragine
Musik___Ulrich Reuter
Ton___Christoph Köpf
Ton-Mischung___Richard Borowski
Music Supervision___Hansjörg Kohli
Casting___Simone Bär
Aufnahmeleitung___Martina Christian, Kerstin Dressler
Produktionsleitung___Hartmut Damberg
Herstellungsleitung___Olaf Kalvelage
Producerin___Dana Löffelholz
Produzent___Wolfgang Esser
Produktion___ATF, Aspekt Telefilm GmbH
Redaktion___Pit Rampelt
Länge___ca. 88 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller
Thorsten Krüger___Christian Redl
Fichte___Thorsten Merten
Marlene Seefeldt___Claudia Geisler
Anna___Rike Schäffer
Timo Schwalm___Rick Okon
Katrin Schwalm___Karoline Eichhorn
Lizzy Zander___Eva-Maria Jost
Paul Zander___Jan Pohl
Kim Kovacs___Jil Funke
Svenja Heinze___Lea van Acken
Andreas Heinze___Christian Kuchenbuch
Silke Heinze___Katrin Wehlisch
Thorsten Krüger (jung)___Ludwig Simon
Kommissar Rehberg___Water Kreye
Bodo Tankmann___Hermann Beyer
Mandy Pape___Anke Retzlaff
Georg Dissen___Golo Euler
u.a.

Inhalt

Mandy und ihr Freund Georg sterben bei einem Sprengstoffanschlag im Hochwald. Die Ermittlungen von Kommissar Krüger und Fichte führen zunächst in die Richtung von Mandys Ex-Freund Timo.
Der ist wie vom Erdboden verschluckt. Timo und sein bester Freund Karl gingen gemeinsam zur Bundeswehr und nach Afghanistan. Bei einem Einsatz starb Karl. Timo blieb körperlich unverletzt und leidet seitdem unter PTBS, Posttraumatischer Belastungsstörung.

Krüger lernt Timos Mutter Katrin, kennen, die Angst um ihren Sohn hat. Er fühlt sich zu dieser Frau hingezogen, denn er kennt deren Trauma und das ihres Sohns aus eigenem Erleben mit seinem Vater, der auch traumatisiert aus dem Zweiten Weltkrieg heimkehrte. Anfangs wird vermutet, dass Timo Selbstmord begangen hat. Doch als Krüger Timo findet und im Dickicht des Spreewaldes zu dem jungen Mann auch emotional durchdringen kann, begreift er, dass Timo die Tat nur in die Schuhe geschoben und auch er in die Luft gesprengt werden sollte, um es wie einen Selbstmord aussehen zu lassen. Denn das eigentliche Anschlagsziel war nicht Mandy.

Der Spreewald und der Kommissar
Von Produzent Wolfgang Esser

Der Spreewald ist ein etwa 400 Quadratkilometer umfassendes, von Sümpfen und Wasserläufen durchsetztes Ur- und Auwaldgebiet mit relativ wenig festem Grund. Darsteller, Team und technisches Equipment müssen zu einem erheblichen Teil in flachen Kähnen durch die Fließe gestakt werden.

Schon zum neunten Mal stellten wir uns bei „Spiel mit dem Tod“ diesen Herausforderungen. Schauspieler wie Filmcrew, alle zieht die Region in ihren Bann, lässt jahreszeitliche Unbill wie Eis, Moor, Nebel oder Mücken vergessen, denn alle wissen längst: Der heimliche Star ist der Spreewald. Ein Verwandlungskünstler par excellence, der uns gerne in seinem Reich willkommen heißt, nur um zu zeigen, was alles in ihm steckt. Sein ergiebiges Potenzial, Stück für Stück zu entdecken, ist die wahre Herausforderung für uns alle – inhaltlich, logistisch wie inszenatorisch. Alles ist genauso untrennbar miteinander verwoben wie die Geschichten von Thomas Kirchner.

„Authentizität“ ist dabei einer unserer Ansprüche an die Spreewaldkrimis. Daher versuchen wir alles aus der Region zu schöpfen und an Originalschauplätzen zu drehen. Ganz ohne Spezialeffekte und Visuelle Digitaleffekte kommen wir dann aber doch nicht aus. Dazu sind die natürlichen Voraussetzungen nicht immer auf den Punkt gegeben, zumal wir uns in einem Biosphärenreservat bewegen, was die Möglichkeiten nochmals einschränkt. Keinesfalls aber sollen notwendige Effekte für sich selbst stehen oder eine nicht erwünschte Künstlichkeit erkennen lassen. Ein Schauspieler verleiht seiner Rolle den Charakter, gerüstet mit Kostüm und Maske. Um den Spreewald als Darsteller zu rüsten, braucht es eine ganze Reihe Spezialisten unterschiedlicher Abteilungen, die in monatelanger Vorbereitung Ideen für die Umsetzung der Dreharbeiten entwickeln, und deren Gestaltung dann viele Monate nach dem Dreh in der Postproduktion finalisiert werden. Einmal ist er kalt wie Eis, ein anderes Mal brütend heiß, mal brennt es in ihm lichterloh, dann wieder schlägt er zurück mit Unwetter und Überschwemmung. All das zielt darauf hin, dem Spreewald ein Gesicht zu geben, ihn mitwirken zu lassen, ihn in die Handlung eingreifen zu lassen. Der Spreewald ist nicht nur Schauplatz unserer Filme, er gehört zum Ensemble.

Oft erscheinen die Lösungen der Aufgaben, denen wir uns vor jedem neuen Film stellen müssen, im Nachhinein geradezu einfach. Die Wege dahin sind es allerdings nicht immer, denn nicht selten müssen wir auch Neuland betreten, um den Anforderungen inhaltlich und gleichzeitig finanziell gerecht werden zu können.

In neunten Film „Spiel mit dem Tod“ spielt der Spreewald nicht im Vordergrund und doch eine wichtige Rolle: er ist leise und er wirkt geradezu nachdenklich. Er hört zu, antwortet auf seine Art und lässt dann wieder geschehen. Alles Eigenschaften, die man normalerweise Kommissar Krüger zuschreibt. Der wiederum ist laut Drehbuch in „Spiel mit dem Tod“ ungewöhnlich offen, transparent und gesprächig. Verkehrte Welt? Nein, zwei Teile einer Einheit, die immer untrennbarer wird. Der Spreewald und der Kommissar. Aber wie bringt man einen Wald zum Stillhalten, zum Zuhören, zum…“Wissen“? Sehen Sie gerne selbst, wie uns das gelungen ist.

„Dieser Film ist der Einbruch des Realen in das Märchenhafte.“
Fragen an Drehbuchautor Thomas Kirchner

Sie sind Drehbuchautor aller Spreewaldkrimis. Was hat Sie zur Geschichte des neunten Spreewaldkrimis „Spiel mit dem Tod“ inspiriert?

Die Geschichte begann für mich schon 2006 mit einem Artikel in „Der Spiegel“. Er beschäftigte sich ausführlich mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr und den Problemen der Frauen und Männer, die aus diesen Einsätzen mit einer PTBS, einer Posttraumatische Belastungsstörung, zurückkamen. Darin wurde ein ehemaliger Psychiater am Bundeswehrkrankenhaus Berlin zitiert: „Ich warte auf die ersten Mörder.“ Das war so klar und schockierend, dass man nur froh sein kann, dass diese Befürchtung bisher nicht eingetreten ist. Dennoch ließ mich das Thema nicht mehr los. Es war mir allerdings nicht möglich, diesen Stoff als TV-Einzelstück bei einem Sender unterzubringen. Als dann 2014 das „Neues Deutschland“ titelte: „Ostdeutsche Arbeitslose fliehen in Freiwilligendienst“, war das Thema auch im Spreewald angekommen und wurde gerne vom Redakteur der Reihe, Pit Rampelt, aufgenommen und unterstützt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Flashbacks des Kriegsheimkehrers mit denen von Krüger in Verbindung zu bringen?

Es liegt so nahe und ist doch so weit weg. Auch wenn wir in Deutschland von Krieg im eigenen Land in den letzten 70 Jahren verschont blieben, die Welt brennt an vielen Ecken und wir sind involviert. Ich kann mich gut erinnern, wie lange es gedauert hat, ehe man vom Einsatz in Afghanistan in der Öffentlichkeit von Krieg sprach. Die Älteren können sich noch gut an die erinnern, die aus einem Krieg heimkehrten. Und wir müssen es auch wieder lernen, mit denjenigen umzugehen, bei denen der Krieg seine Spuren hinterlassen hat – die zur Familie gehören oder Freunde waren. Von denen, die aus ihren Ländern vor Krieg fliehen, gar nicht erst zu reden.

Welchen Einfluss hat das einzigartige Setting des Spreewaldes auf die Story?

Dieser Film ist der Einbruch des Realen in das Märchenhafte. Der Spreewald gehört zum Osten Deutschlands. Alle Probleme des Landes finden sich auch hier. Vielleicht etwas gedämpfter, etwas malerischer als in einer Großstadt. Aber die Membranen sind durchlässig – in beide Richtungen. Für mich war der Spreewald noch nie so entzaubert wie dieses mal.

In diesem Film wird Krüger mit traumatischen Erlebnissen aus seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Wird das Auswirkungen auf die Zukunft von Krüger haben?

Alles hängt auf die eine oder andere Weise miteinander zusammen. Wir leben ja nicht nur im Jetzt. Wir haben eine Vergangenheit, die uns formte, die beständig in uns arbeitet, uns erinnert. Und wir haben eine Zukunft, die wir uns für wünschenswert erachten, ohne zu wissen, ob es wirklich Erfüllung wäre. Reihenfiguren dürfen in diesen Fragen leben und sich entwickeln. Manchmal auch unvorhersehbar wie das Leben und der Tod.

„Der Wald ist im Spreewaldkrimi Protagonist und Bühne zugleich.“
Fragen an Regisseur Christian Görlitz

Welche Überlegungen haben Sie angestellt, um einen traumatisierten Soldaten darzustellen, der aus dem Auslandseinsatz in die Heimat zurückkehrt? Was war Ihnen dabei wichtig?

„Nur die Toten haben das Ende vom Krieg gesehen“ zitiert unser junger Afghanistan-Rückkehrer den Philosophen Platon.
Körperlich unversehrt, aber psychisch verwundet, muss er nun als Überlebender sein Ende des Krieges finden, muss lernen, mit den Dämonen umzugehen, die ihn immer wieder heimsuchen, indem sie Erinnerungsbilder in ihm wachrufen an die grauenvollen Ereignisse, die zum Tod seines Freundes führten. Dieses Kopfkino haben wir in lediglich zwei, drei Bildfetzen dargestellt und ansonsten in einigen befremdlich wirkenden, verstörenden Verhaltensweisen von Timo nachvollziehbar gemacht. Grundsätzlich haben wir uns an die Maxime „Weniger ist mehr“ gehalten. Die suggestive Kraft einiger weniger gezielt eingesetzter Bilder ist größer als deren quantitative Erhöhung.
Zunächst versucht Timo in einer Art Selbsttherapie mit Kriegsspielen am Computer seinen Erinnerungen entgegenzutreten, sie quasi zu überspielen. Als das nicht gelingt, zieht er sich in den Spreewald zurück, um mit Bildern aus seiner Kindheit die Afghanistanerlebnisse zu verdrängen, zu überdecken, aber der Wald ist keine Idylle, kein „safe heaven“, wie Timo gehofft hatte. Das zeigt der Film durch eine Vermischung von Kriegs- und Waldbildern. Erst die Begegnung und das Gespräch mit Kommissar Krüger erweist sich für den Ex-Soldaten am Ende als erfolgversprechender, seine Dämonen in den Griff zu bekommen, als das Verdrängen oder die Konfrontationstherapie. Nicht die Darstellung der Kriegserlebnisse, sondern Wege zur Bewältigung der traumatischen Erinnerungen daran stehen im Mittelpunkt unseres Films und deshalb auch nur wenige Bilder vom Kampfeinsatz.

Es war Ihr erste Regiearbeit für einen Spreewaldkrimi. Was unterscheidet die Dreharbeiten für einen Spreewaldkrimi von denen für andere Krimis ?

Der Wald ist im Spreewaldkrimi Protagonist und Bühne zugleich – ich möchte fast sagen „in einer Person“! Etwas Vergleichbares gibt es in keinem anderen Krimi. Als Protagonist spricht der Wald mit Kommissar Krüger, er flüstert ihm unhörbar zu, was zu tun ist oder wie er vorzugehen hat, indem er Krügers Geist und Seele öffnet und so dessen Gedanken und Gefühlen Raum bietet, um auszuschweifen. Nach dem Philosophen Hegel ist das „Abschweifen“ bekanntlich oft der schnellste Weg, um auf die Lösung eines Problems zu stoßen! Und der Wald kann zuhören wie ein guter Therapeut, wenn Krüger zum Beispiel über seine eigenen Dämonen spricht. Der Wald kann sowohl unheimlich wirken als auch friedlich. Im silbrig-sanften Oktoberlicht, in dem wir gedreht haben, sollte man sich aber nicht von ihm täuschen lassen!
Darüber hinaus erfordert ein Spreewald-Dreh eine ausgeklügelte Logistik: Fast jeder Drehort erfordert vom Team und den Darstellern einen Fußmarsch, in vielen Fällen können Equipment und Drehbeteiligte nur in Kähnen über die Fließe den Drehort erreichen. Nachtaufnahmen im Wald stellen zusätzliche große Anforderungen an die Beleuchter-Crew, da auf den Vollmond kein Verlass ist! Regenaufnahmen, wie wir sie hatten, bedeuten metergenaue Planung für das Aufstellen und Verlegen der Rohr-und Wasserleitungen. Überall, wo man drehen will, stehen dann plötzlich Bäume im Weg, die man am liebsten fällen würde – trotz gründlicher Motivvorbesichtigungen hat man das übersehen. Außerdem diktiert der Wald den Drehschluss – sehr zum Verdruss des Regisseurs – denn im Wald ist es natürlich schon längst dunkel, wenn draußen noch die Sonne scheint!

Vor welche Herausforderungen hat Sie dieser Spreewaldkrimi gestellt?

In jedem Spreewaldkrimi gibt es mehrere parallele Handlungsstränge, Rückblenden und daher Zeitsprünge, Visionen und Träume – alles sorgfältig ineinander verwoben. Hierfür eine angemessene Bildsprache zu finden ist für Regie, Kamera, Szenenbild und Kostüm sicherlich eine der größten Herausforderungen. Jede Szene verlangt Authentizität, muss sich aber in ein geschlossenes Ganzes einfügen, damit der Film auch bei den Abschweifungen durchgehend seine hohe Krimi-Spannung hält. Der Wald hat uns dabei geholfen – er ist immer wieder verbindendes Topos der Erzählstränge.

„Wie gehen wir mit unseren Dämonen um?“
Fragen an Schauspieler Christian Redl

Im „Spreewaldkrimi – Spiel mit dem Tod erfährt“ erfährt der Zuschauer viel über Kommissar Krügers Vergangenheit und sein Seelenleben. Wie fühlt es sich an, dem sonst eher verschlossenen Kommissar etwas Weiches zu verleihen?

Krüger ist als Kind schwer traumatisiert worden. Jahrelang hat er versucht, das unter keinen Umständen vor sich selbst oder anderen zu thematisieren und schon gar nicht wollte er sich den sogenannten „Fachleuten“ anvertrauen. Durch den Fall mit einem kriegstraumatisierten jungen Mann lässt er seine schwer zu ertragenden Erinnerungen nach vielen Jahren wieder an sich heran. Er erkennt das eigene Trauma im Trauma des ehemaligen Soldaten wider und versucht Kontakt mit ihm aufzunehmen, indem er ihm von seinen Erlebnissen als Kind erzählt. Im Verlauf der Annäherung an den leidgeprüften Afghanistan-Heimkehrer offenbart er dann auch seine sogenannte „weiche“ Seite: Er zeigt sich so, wie er aus Angst vor erneuter Verletzung nie wahrgenommen werden wollte. Und er beginnt sich nun endlich seiner eigenen traumatisierten Kindheit zu stellen und sich von ihr zu verabschieden.

In Krügers Flashbacks zeigen sich die Traumata, mit denen er zu kämpfen hat. Wie lässt sich die analytische Stringenz der Ermittlerfigur mit derart psychologischem Tiefgang vereinen?

Stringent zu ermitteln und dabei psychologisch in die Tiefe zu gehen, stellt für den Kommissar keinen Widerspruch dar. Im Gegenteil, das eine bedingt geradezu das andere. Krüger mangelt es nicht an Mut, in die eigenen Abgründe zu schauen und er ist in der Lage, das auszuhalten. Diesen Mut haben die Wenigsten, denke ich. Es ist die alte Frage: Wie gehen wir mit unseren Dämonen um? Verdrängen wir sie oder schauen wir sie uns ganz genau an und akzeptieren sie?

Krüger scheint eine große Empathie für den Kriegsheimkehrer Timo zu haben, die ihm bei seiner Kollegin Dr. Marlene Seefeld offensichtlich fehlt. Wie erklären und wie beurteilen Sie das?

Dieses Verhalten ist nicht so dramatisch zu bewerten, wie es von außen wahrgenommen wird. Wenn ein Patient in Not ist und die Zeit läuft davon, kommt es schon vor, dass der Chefarzt schroff, gereizt oder ungeduldig reagiert. So verhält sich Krüger eben auch, wenn er eine Spur verfolgt. Er duldet weder Ungenauigkeiten noch private Erwägungen noch Ablenkungen aller Art. Im Grunde weiß er ganz genau, was er an seinen Mitarbeitern hat und er schätzt sie sehr. Eine Entschuldigung für sein manchmal kränkendes Verhalten kommt ihm leider nur sehr selten über die Lippen.

Gibt es ein Erlebnis beim Dreh, dass Sie so nur im Spreewald haben erleben können?

Ich stehe mutterseelenallein im Spreewald und versuche Kontakt zu einem jungen Mann aufzunehmen. Ich erzähle ihm eine schreckliche Geschichte aus meiner Kindheit, die in einer Gewaltorgie endet und ich bin mir nicht sicher, ob mein Ansprechpartner überhaupt in der Nähe ist und mir zuhört.

Lust auf den Spreewaldkrimi
Fragen an die Schauspieler Karoline Eichhorn und Rick Okon

Was hat Sie gereizt, beim „Spreewaldkrimi“ mitzuspielen? Kannten Sie das Format schon vorher?

Rick Okon: Natürlich kannte ich das Format vorher! Ich habe einige Folgen gesehen und fand die Mystik und die besondere Stimmung, die der Spreewald mit sich bringt, sehr spannend. Ebenso toll finde ich die horizontale Erzählweise der Reihe.

Karoline Eichhorn: Ich habe einen Anruf von dem Regisseur Christian Görlitz bekommen, der mir sagte ich müsse da mitspielen, weil er sich niemand anderen für die Rolle vorstellen kann. Dann habe ich das Drehbuch gelesen und mir gedacht, dass das natürlich auch andere spielen können, aber da er nun mal mich darum gebeten hat und ich die Rolle der Kathrin Schwalm auch mochte, hab ich zugesagt.
Dazu kam natürlich auch, dass ich Lust auf den Spreewaldkrimi hatte, weil er unter dem Krimi-Wahnsinn, der im Fernsehen herrscht, schon eine besondere Rolle spielt.

Rick Okon, Sie spielen Timo, einen Soldaten, der traumatisiert aus Afghanistan zurückgekehrt ist. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Rick Okon: Der Zuschauer lernt Timo ja nicht als Soldat im Einsatz kennen, sondern in der Zeit danach. Für mich spielten dort Themen wie Einsamkeit, Sehnsucht und Stille eine Rolle. Um mich in die alltäglichen Gedanken eines Soldaten in einem Kriegsgebiet hineinzuversetzen, habe ich das Buch „Feldpost – Briefe deutscher Soldaten aus Afghanistan“ gelesen. Aber auch schon vor dem Dreh habe ich mich mit posttraumatischen Belastungsstörungen bei Kriegsheimkehrern auseinandergesetzt.

Wie war es für Sie im Spreewald zu drehen?

Karoline Eichhorn: Ich bin das erste Mal im Spreewald gewesen und war ziemlich angetan. Ich vermute, dass die Jahreszeit, es war im Oktober, auch sehr viel dazu beigetragen hat. Dieses Verwunschene, Geheimnisvolle, Verschlungene und vor allem aus der Zeit gefallene hat mir richtig gut gefallen. Ich werde auf alle Fälle wiederkommen.

Rick Okon: Ich hatte vorher keinen persönlichen Bezug zum Spreewald, nach den Dreharbeiten aber schon. Der Spreewald ist schon etwas ganz besonders. Man hat das Gefühl in eine andere Welt abzutauchen, jeglicher Hektik und Unruhe zu entkommen.

Gibt es ein Erlebnis beim Dreh, dass Sie so nur im Spreewald erlebt haben könnten?

Rick Okon: Ich werde es wohl nicht mehr so häufig erleben mit einem Kahn zu einem abgelegenen Waldstück zu fahren, um dort zu drehen.

Karoline Eichhorn: Ja ich finde schon, dass es diese Atmosphäre nur im Spreewald gibt, dass es besonders war, dass Kollegen mit dem Kahn ankommen und man nicht auf die Straße schaut, ob Besuch kommt, sondern auf den Fließ. Ganz eigen. Und ich finde, dass das in den Filmen auch rüberkommt.

 Interviewhinweis / Fotohinweis

Interviews: Manuela Mehnert

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