Copyright: ZDF / Arnim Thomass
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Spreewaldkrimi - Zeit der Wölfe

Fernsehfilm der Woche

Kriminalrat Krüger (Christian Redl) ist voller Selbstzweifel und zieht sich wie ein einsamer Wolf in den Wald zurück. So versucht Kommissar Fichte (Thorsten Merten) zunächst auf eigene Faust die Hintergründe von zwei tödlichen Unfällen aufzuklären, die vielleicht kein Zufall waren.

  • ZDF, Montag, 27. April 2020, 20.15 Uhr

    Texte

    Der Wolf und das Gesetz – Das Spezifische des Spreewaldkrimis
    Von Redakteur Pit Rampelt, Redaktion Fernsehfilm I

    Der zwölfte Spreewaldkrimi weist alle typischen Merkmale dieser seit 2006 erfolgreichen Reihe auf: Die magische Landschaft wirkt wie ein Protagonist, beeinflusst mit ihren Fließen und Bäumen maßgeblich die Handlung. Die intelligent verschachtelte Erzählweise spielt raffiniert mit mäandernden Zeitebenen. Die komplexe Vorlage – wiederum des Drehbuchautors Thomas Kirchner – wird nach den Filmaufnahmen im Schneideraum noch einmal neu strukturiert. Diese sich von einer Rückblendentechnik deutlich unterscheidende, teilweise assoziative Vorgehensweise benötigt in der Postproduktion meistens, wie auch dieses Mal, eine doppelt so lange Schnittzeit wie andere Fernsehfilme.

    "Zeit der Wölfe" hat aber neben der Landschaft noch andere Hauptdarsteller: eine in den Spreewald einfallende Rockerbande namens 'Wölfe', einen einzelnen aus Polen eingewanderten, Schafe reißenden Wolf, der vom Jäger gejagt wird, zwei miteinander streitende Forstarbeiter, die junge Polizeianwärterin Luise Bohn und ihren Vater, einen erfahrenen Polizisten beim LKA, und natürlich die beiden Ermittler, Kommissar Krüger und Fichte. Krüger steckt nach seinem fragwürdigen Handeln beim letzten Fall in einer persönlichen, tief sitzenden Krise und zieht sich in seinen Bauwagen in den Wald zurück. Und Fichte ist wütend auf ihn, weil er ihm zunächst seine Hilfe bei zwei sonderbaren Todesfällen verweigert.

    Dieser Spreewaldkrimi hat nicht  wie sonst ein regionalspezifisches Thema, sondern lebt von anderen Facetten, von psychologisch und juristisch brisanten Konstellationen und natürlich von der auch metaphorisch zu verstehenden Wolfs-Problematik. In der Verknüpfung von mystischer Atmosphäre mit sozialem Realismus entsteht kaleidoskopartig ein politisches Stimmungsbild. Es geht um nichts weniger als den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, um die richtige Anwendung von Recht und Gesetz. Demokratie und Gerechtigkeit gehören zusammen. Unmissverständlich. Das lernen Krüger und Fichte hier auf verschiedene, aber ähnlich bittere Weise.

    Die Regisseurin Pia Strietmann – im ZDF zuletzt mit der Komödie "Endlich Witwer" – hat bei ihrer Inszenierung intuitiv und intensiv vor allem die konfliktträchtige und aussagekräftige Vater-Tochter-Geschichte in den Mittelpunkt gerückt. Mit Alina Stiegler, einer vielversprechenden Entdeckung, und dem bereits ausgezeichneten Sascha Alexander Geršak hat sie dieses spannende Paar stark besetzt.

    "Zeit der Wölfe" hatte im vergangenen Sommer Premiere auf dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen und war auch zu den Biberacher Filmfestspielen eingeladen. In Lübbenau und in der Brandenburgischen Landesvertretung in Berlin gibt es seit Jahren eine Fangemeinde des Spreewaldkrimis, so dass dort traditionelle Previews stattfanden.

    Stab, Besetzung, Inhalt

    Montag, 27. April 2020, 20.15 Uhr
    Spreewaldkrimi – Zeit der Wölfe
    Der Fernsehfilm der Woche

    Regie_____Pia Strietmann
    Buch_____Thomas Kirchner
    Kamera_____Philipp Kirsamer
    Szenenbild_____Thilo Mengler
    Kostüm_____Petra Fichtner
    Schnitt_____Sebastian Thümler
    Musik_____Martina Eisenreich
    Ton_____Jürgen Göpfert
    Music Supervision_____Hansjörg Kohli
    Casting_____Tina Böckenhauer
    Produktionsleitung_____Hartmut Damberg
    Producer______Annett Neukirchen
    Produzent_____Wolfgang Esser
    Produktion_____ATF, Aspekt Telefilm GmbH
    Redaktion_____Pit Rampelt
    Länge______circa 88 Minuten

    Die Rollen und ihre Darsteller
    Thorsten Krüger_____Christian Redl
    Fichte_____Thorsten Merten
    Marlene Seefeldt_____Claudia Geisler-Bading
    Luise Bohn_____Alina Stiegler
    Dirk Bohn_____Sascha Alexander Geršak
    Helmut Drilling_____Bernhard Schütz
    Peter Grünwald_____Kai Maertens
    Michael Kolb_____David Bredin
    Helene Rotkreutz_____Annika Kuhl
    Detlef Rotkreutz_____Oli Bigalke
    Philipp Dünnbier_____Hendrik Heutmannn
    und andere

    Inhalt
    Bei Forstarbeiten und bei einem Motorradunfall sterben kurz hintereinander zwei Menschen. Zufall? Polizeibeamter Fichte vermutet einen Zusammenhang mit der Rockerbande "Die Wölfe". Kommissar Krüger weigert sich, bei den Ermittlungen zu helfen, denn er steckt in einer tiefen Sinnkrise. Er hat seine kriminalistische Intuition verloren. Es kommt zum Bruch zwischen den beiden Ermittlern. Während Fichte versucht, zusammen mit der ehrgeizigen Polizeianwärterin Luise Bohn, die mysteriösen Todesfälle aufzuklären, zieht sich Krüger tief in den Wald zurück. Sein Einsiedlerdasein wird nur durch den Jäger Drilling gestört. Der will einen eingewanderten Wolf, der Schafe in der Umgebung reißt, zur Strecke bringen. Krüger erkennt in dem einsamen Tier ein Sinnbild für die zunehmende Vereinsamung und Verrohung in der Gesellschaft und für sich selbst.

    Wie die Toten miteinander in Verbindung stehen und was es mit dem anonymen Gönner zu tun hat, der im Spreewald Geld an soziale Einrichtungen verteilt, wird so lange ein Rätsel bleiben, bis Krüger und Fichte wieder einen Weg gefunden haben, Seite an Seite zu ermitteln.

    Ein Wildtier bleibt ein Wildtier
    Zwei Fragen an Produzent Wolfgang Esser

    Im zwölften "Spreewaldkrimi" wird es animalisch: Unter anderem ist ein echter Wolf ins Geschehen eingebunden, der die Nähe von Kommissar Krüger sucht und Schafe reißt. Im Rahmen der Dreharbeiten ist jedoch kein Tier zu Schaden gekommen. Wie ist das gelungen und was waren die Herausforderungen bei der Arbeit mit echten Tieren?

    Unser einsamer Wolf ist in Wirklichkeit die Wölfin Lubine, trainiert und durchaus Set-erfahren. Wer einmal vor einem echten Wolf gestanden hat, der fragt sich nicht mehr, ob es sich vielleicht doch um einen Hund handeln könnte. Lubine ist eine wirklich imposante Erscheinung, schon wegen ihrer Größe, aber vor allem aufgrund ihrer Ausstrahlung. Sie ist sehr distanziert, aber dennoch aufmerksam, überhaupt nicht aggressiv. Sie wirkt fast sogar ein wenig scheu, aber merkt sofort, wenn sie fixiert wird. Dann schaut sie mit ihren braunen Augen zurück, und ihr ruhiger Blick lässt keinen Zweifel daran, dass sie jederzeit die Situation beherrscht. Im Unterschied zu Haustieren, bleibt ein Wildtier eben ein Wildtier und reagiert entsprechend anders auf eine fremde Umgebung und auf Reize. Genau das ist auch die Herausforderung, wenn man mit einem Wolf dreht – in erster Linie natürlich für den Tiertrainer, aber auch für das ganze Filmteam, und besonders für Christian Redl als Kommissar Krüger, dem der Wolf ja sehr nah kommen musste. Wobei Christian Redl für Lubine ganz wunderbar nach Leberwurst roch. Völlig beabsichtigt, denn diesem Geruch kann auch keine trainierte Wölfin widerstehen, bedeutet er doch eindeutig "keine Gefahr", mehr noch, " Belohnung". Plötzlich scheint es dann ganz einfach: Mit Leberwurst bekommt jeder, was er will. Natürlich hat unsere Wölfin auch keine Schafe gerissen. Die waren bereits geschlachtet, und wir haben sie uns für ein paar Stunden ausgeliehen.

    Im aktuellen Fall "Zeit der Wölfe" hat Krüger Visionen von Menschen mit Hasenköpfen. Warum ausgerechnet solche Wesen?

    Diese Art Effekt war unsere kreative Entscheidung für die filmische Umsetzung des "Nichts". Der Autor wollte, dass Kommissar Krüger seine Imaginationskraft verliert, weil er eine Schuld auf sich geladen hat. Im Drehbuch stand sinngemäß: Krüger schaut in den Wald und sieht – nichts. Also standen wir vor der Aufgabe, Krügers "Nichts" zu gestalten. Da ein Wald nur wie ein Wald aussieht oder ein schwarzer oder weißer Bildschirm eher den Eindruck einer Bildstörung erwecken würde, war klar, dass Krüger irgendetwas sehen muss. Etwas, was für ihn und möglichst auch für die Zuschauer lange keinen Sinn ergibt. Dass es die Hasen in Menschengestalt geworden sind, ist eine kleine Hommage an David Lynch, den Altmeister surrealer und mystischer Filmelemente, mit dessen legendärer Fernsehserie "Twin Peaks" die "Spreewaldkrimis" unter anderem immer wieder assoziiert werden. Die Hasen machen zum einen also genau das, was sie sollen – Verwirrung stiften – und haben gleichzeitig noch eine weitere dramaturgische Funktion: Ihre Sequenzen erzählen chronologisch was geschah. Allerdings kann Krüger dies erst nach seiner Katharsis richtig deuten. Und dann erst ergibt es auch für die Zuschauer einen Sinn.

    Die Fragen stellte Manuela Mehnert

    "Beide halten die Fahne des Rechts hoch im Spreewald."
    Fragen an Christian Redl (Kriminalrat Krüger) und Thorsten Merten (Kommissar Fichte)

    Krüger ist nach einschneidenden Erfahrungen in den letzten beiden Filmen der "Spreewaldkrimi"-Reihe immer noch angeschlagen. Mit welchen persönlichen Problemen hat er im aktuellen Fall zu kämpfen? Warum erscheinen ihm Menschen mit Hasenköpfen?

     Christian Redl: Krüger ist seine Intuition abhandengekommen – seine einzigartige Fähigkeit, aus Bildern und Visionen Handlungen und Zusammenhänge im Voraus zu erahnen. Darauf kann er sich nun nicht mehr verlassen. Er muss sich, wie jeder andere Kommissar auch, der Lösung des aktuellen Falls mit rationalem Denken nähern. Zwar suchen ihn Visionen immer noch heim, er sieht Menschen mit Hasenköpfen und andere seltsame Veränderungen im Wald, aber er kann die Bilder nicht mehr in einen Zusammenhang bringen, der ihm hilft, einen Tatvorgang zu entschlüsseln und aufzuklären. Dieser Verlust seiner sonst so besonderen Fähigkeit, lässt ihn darüber nachdenken, sich pensionieren zu lassen.

    Fichte führt in diesem Spreewaldkrimi die Ermittlungen fast in Eigenregie, Krüger erscheint eher am Rande. Wie hat es sich auf Ihre Arbeit ausgewirkt, dass Ihre Figur für diesen Film zum zentralen Ermittler wird?

    Thorsten Merten: Naja…"zentraler Ermittler". Krüger gibt ja trotzdem die entscheidenden Hinweise zur Lösung des Falles. Aber Fichte ist etwas präsenter als sonst. Das heiß für mich: mehr Drehtage, mehr Einkommen, aber auch größere Verantwortung für das Gesamtwerk. Man hat beim Drehen viel mehr den Gesamtbogen des Films im Kopf, nicht nur das Innenleben von Fichte, denkt beim Spielen sozusagen dramaturgisch.

    Fichte legt an das Verhalten von Kommissar Krüger eine hohe moralische Messlatte an und ist offensichtlich enttäuscht von ihm. Im Verlauf des Films wird Fichte gezwungen, seinen Maßstab in Frage zu stellen. Wie gehen Sie persönlich damit um, wenn über andere Menschen ein Urteil gefällt wird? Können Sie Fichte verstehen?

    Thorsten Merten: Das ist ja das zentrale Thema des Films, das an mehreren Figuren durchgespielt wird. Der Glaube an Recht und Ordnung, das Vertrauen in staatliche Strukturen zerbröselt, das eigene Gerechtigkeitsempfinden verführt zum Handeln außerhalb des Gesetzes. Krüger war da mal verführbar, und jetzt ist es Fichte auch. Letztendlich ringen sich beide zum Standpunkt durch, dass das Gesetz für alle gelten muss, sonst würde es für niemanden gelten. Beide halten die Fahne des Rechts hoch im Spreewald. Wer auch sonst? Beides, die Verführbarkeit, als auch das Beharren auf Punkt und Komma des Gesetzes, sind für mich völlig menschlich und verständlich. Als Schauspieler hat man ohnehin berufsbedingt etwas dagegen, wenn über andere schnell geurteilt wird. Denn unsere Aufgabe heißt: jede Rolle verstehen und bis aufs Blut verteidigen.

    Krüger kommt einem Wolf in einigen Szenen extrem nahe. Wie haben sich die Dreharbeiten mit diesem echten Wolf für Sie gestaltet?

    Christian Redl: Es war schon etwas sehr Besonderes, so einem Tier in die Augen zu schauen. Es war ja kein Hund, der vielleicht nur spielen möchte, sondern tatsächlich ein Raubtier, dass sein Gegenüber mit kaltem Blick fixiert. Es war nicht ganz ungefährlich. Selbstverständlich stand der Wolf unter Aufsicht. Er war sehr scheu und schien immer auf der Hut zu sein. Damit er mir so nahe kommt, wie es im Film zu sehen ist, hatte man mir Leberwurst auf die Hand geschmiert, um ihn zu locken. Zögerlich beschnupperte er sie, um sie dann genüsslich abzulecken. So jedenfalls konnten wir seine Scheu überlisten, und seltsamerweise hatte ich die ganze Zeit über volles Vertrauen in ihn.

    Die Fragen stellte Manuela Mehnert

    Zum ersten Mal beim Spreewaldkrimi dabei
    Fragen an Alina Stiegler (Luise Bohn) und Sascha Alexander Geršack  (Dirk Bohn)

    War Ihnen das Format Spreewaldkrimi vor dem Dreh schon ein Begriff?

    Sascha Alexander Geršack: Ja war es mir. An Thorsten Mertens kommt man ja nicht vorbei. Ich kannte ihn schon ein bisschen aus dem Weimarer "Tatort" und habe mich sehr gefreut, ihm im "Spreewald" wieder zu begegnen.

    Alina Stiegler: Viele meiner Freunde haben in den letzten Jahren beim "Spreewaldkrimi" mitgespielt. Für viele waren die jeweiligen Dreharbeiten eine ganz prägende Zeit, deswegen hatte ich schon viel darüber gehört. Von dem tollen Team, dem Fließ, der fantastischen Saunalandschaft des Seehotels. Dann musste ich natürlich auch die Filme anschauen.

    Was schätzen Sie an der Reihe?

    Sascha Alexander Geršack: Die auf ganz besondere Weise eigenen Figuren.

    Alina Stiegler: Mir gefällt, dass das Format immer wieder außergewöhnliche Erzählweisen ausprobiert, mit wirklich fantastischen Regisseuren und Schauspielern arbeitet und damit viel mehr als ein gewöhnlicher Krimi schafft: Der "Spreewaldkrimi" erzählt gänzlich unverkitschte Beinahe-Märchen aus Ostdeutschland, deren Heldinnen und Helden mich interessieren, und deren Geschichten ich nahe sein will.

    Was war bei den Dreharbeiten anders im Vergleich zu anderen Formaten?

    Alina Stiegler: Ich habe nach über zehn Jahren wieder mit der Regisseurin Pia Strietmann gearbeitet, mit der ich vor vielen Jahren meine ersten Film gemacht habe: "Aus dem Tritt". Der hat auch über eine besondere Beziehung zwischen Vater und Tochter erzählt. Das hat mich sehr glücklich gemacht, dass man sich wieder begegnen und mit Jahren, Abstand und Reflexion an Themen weiterarbeiten kann.

    Haben Sie persönlich die Magie des Spreewalds gespürt?

    Alina Stiegler: Ich wurde mal sehr früh morgens abgeholt, und habe gesehen, wie sich die Sonnen hinter den Nebelschwaden in den Tag gekämpft hat. Die Wiesen haben so schön melancholisch geglitzert, dass jeder Tautropfen eine Entschädigung für eine Minute weniger Schlaf war.

    Sascha Alexander Geršack: Ich liebe eingelegte Gurken. Da kommt man im Spreewald auf seine Kosten. Und der Sternenhimmel hat mich auch beeindruckt – in Berlin sieht man den so nicht.

    Die Fragen stellte Manuela Mehnert

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    Fotos: Über (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/spreewaldkrimi

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