Copyright ZDF / Britta Krehl
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Stumme Schreie

Jana Friedrich (Natalia Belitski) absolviert als junge Ärztin ihre Facharztausbildung, als sie eine befristete Stelle im renommierten Berliner Institut für Rechtsmedizin bekommt. Sie ist schockiert, als sie mit mehreren Fällen verletzter und misshandelter Kinder konfrontiert wird. Gegen den Rat ihres Mentors Professor Bremer mischt Jana sich aktiv in einen Fall einer zerrütteten Familie ein und hält sich dabei nicht an gesetzliche Vorschriften. Damit riskiert sie nicht nur den Widerstand von Eltern und Jugendamt und ihre Zulassung als Ärztin, sondern bringt auch sich selbst in Gefahr.

  • ZDF, Montag, 18.11.2019, 20.15 Uhr

Texte

Stab

Buch: Thorsten Näter nach dem Sachbuch „Deutschland misshandelt seine Kinder“ von Michael Tsokos und Saskia Guddat
Regie: Johannes Fabrick
Kamera: Helmut Prinat
Musik: Annette Focks
Schnitt: Simon Blasi
Ton: Jürgen Göpfert
Produzentin: Gabriele Lohnert
Produktion: Ziegler Film Berlin, Regina Ziegler, Gabriele Lohnert
Redaktion: Gabriele Heuser
Länge: ca. 89 Minuten

Besetzung

Jana Friedrich - Natalia Belitski
Prof. Bremer -  Juergen Maurer
Nicole Binder - Hanna Hilsdorf
Ronnie - Julius Nitschkoff
Jason Binder- Till Patz
Desiree Binder - Carla Demmin
André - Timur Bartels
Gilda - Amanda da Gloria
Sirin Acar - Sesede Terziyan

Inhalt

Jana Friedrich (Natalia Belitski) absolviert als junge Ärztin ihre Facharztausbildung, als sie eine befristete Stelle im renommierten Berliner Institut für Rechtsmedizin bekommt. Ein Traum wird für Jana wahr. Sie weiß schon, dass die tägliche Arbeit dort weder Zuckerschlecken noch ein ständiger Kriminalfilm ist. Aber sie ist absolut schockiert, als sie mit mehreren Fällen verletzter und misshandelter Kinder konfrontiert wird. Hautnah erlebt sie, wie schwer es ist, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Kinder von ihren Peinigern zu trennen. Als auch noch ein Säugling durch ein Schütteltrauma zu Tode kommt, rastet Jana komplett aus. Gegen den Rat ihres Mentors Professor Bremer (Juergen Maurer) mischt Jana sich aktiv in diesen Fall einer zerrütteten Familie ein und hält sich dabei nicht immer an gesetzliche Vorschriften. Damit riskiert sie nicht nur den Widerstand der Eltern und das Jugendamtes und ihre Zulassung als Ärztin, sondern bringt sich selbst auch persönlich in Gefahr.

"Eine schwere Hypothek"
Von Redakteurin Gabriele Heuser

Mehr als 200.000 Kinder werden jedes Jahr in Deutschland misshandelt, meistens in der eigenen Familie. Vater und Mutter sind nicht immer treusorgende, liebevolle Begleiter der Entwicklung ihrer Kinder. Schläge, Tritte, Verbrennungen, Schütteltraumata sind an der Tagesordnung. Die betroffenen Kinder sind für ihr ganzes Leben beschädigt. Manche sterben an ihren Verletzungen. Drehbuchautor Thorsten Näter hat das Sachbuch "Deutschland misshandelt seine Kinder" von Dr. Michael Tsokos und Dr. Saskia Guddat akribisch ausgewertet und daraus ein unter die Haut gehendes, erschütterndes Drehbuch entwickelt. Johannes Fabrick hat einen hochsensiblen Film inszeniert, der keine Schwarz-Weiss-Malerei kennt.
Das Thema Kindesmisshandlung ist heikel und peinlich. Es wirft ein düsteres Schlaglicht auf unsere reiche Republik – eine schwere Hypothek für unser Land. Was wir den Schwächsten in unserer Gesellschaft antun, daran bemisst sich die Humanität unserer Gemeinschaft. Welch ein Armutszeugnis!

"Keine Schwarz/Weiß-Malerei"
Interview mit Regisseur Johannes Fabrick

Mehr als 200.000 Kinder werden pro Jahr in Deutschland in ihren Familien misshandelt. Was war Ihr Motiv, die Regie für "Stumme Schreie" zu übernehmen?

Das sind erschreckende Zahlen und eben deshalb halte ich das Thema für extrem relevant. Es ist viel zu wenig im Bewusstsein der Menschen. Wahrscheinlich, weil man mit diesen Kindern kein Geld machen kann. Aber es ist eine menschliche Verpflichtung, sich damit auseinanderzusetzen, und der wollte ich unbedingt nachkommen. Außerdem basiert das Drehbuch auf einem Sachbuch, also auf Tatsachen. Umso eindrücklicher und erschütternder sind die Details der Geschichte. Ich bin wirklich froh, dass sich Ziegler Film und das ZDF des Themas angenommen haben, und hoffe, dass der Film uns diesbezüglich wachrüttelt.

Was waren die besonderen Arbeitsanforderungen für Sie bei diesem schwierigen Film?

Insbesondere natürlich die Arbeit mit den Kindern. Ich habe schon viel mit Kindern gedreht und weiß um die Fragilität der Situation am Set, noch dazu bei diesem Thema. Also haben wir schon viel in die Vorbereitung investiert, damit die Kinder vertrauen und sich sicher fühlen können. Zum anderen war mir inhaltlich sehr wichtig, keine oberflächliche Schwarz-Weiß-Zeichnung abzugeben, sondern die unterschiedlichen Zugänge auch von Hausärzten, vom Jugendamt et cetera  ernst zu nehmen, um mit einem differenzierten Bild für die Komplexität der Problematik zu sensibilisieren.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Kindern und ihren Eltern?

Dank der großartigen Unterstützung von Kindercoach Monika Steil war die Zusammenarbeit sehr gut. Sie hat für die richtige Atmosphäre gesorgt, die Kinder am Set umsorgt und auch die Eltern so weit eingebunden, dass die Arbeit gelingen konnte. Es muss schon ziemlich viel zusammenstimmen, damit man das, was dann wie selbstverständlich aussieht, auch inszenieren kann, da müssen alle an einem Strang ziehen. Auch der Einsatz von zwei sensiblen Kameraleuten und die Unterstützung der Produktion haben das ihre getan.

Wie fiel die Entscheidung für Natalia Belitski in der Hauptrolle?

Ich kenne Natalie Belitski seit vielen Jahren. Ich habe damals einen Tatort inszeniert, und sie hatte darin eine ihrer allerersten Rollen. Da habe ich sie als kämpferisches Wesen kennengelernt, und für die Rolle der Jana konnte ich sie mir gut vorstellen. Es bleibt bei dieser Figur vieles im Hintergrund, ihr schweres Schicksal ist nur mit wenigen Strichen angedeutet, trotzdem schwingt es stumm die ganze Zeit über mit. Auch dafür schien mir Natalias Wesen sehr passend.

Tatort Kinderzimmer
Die Dokumentation zum Spielfilm "Stumme Schreie"
Montag, 18.11.2019 , 21.45 Uhr

Tatort Kinderzimmer
Die Dokumentation zum Spielfilm "Stumme Schreie"
Film von Liz Wieskerstrauch
Redaktion: Nina Behlendorf, Beate Höbermann
Kamera: Jürgen Heck

2018 ist in Deutschland alle fünf Tage ein Kind an den Folgen elterlicher Misshandlung gestorben. Die Doku "Tatort Kinderzimmer" analysiert, wie man Kinder besser schützen kann.
Die Doku zum Spielfilm "Stumme Schreie" wirft ein Schlaglicht auf ein Thema, das alltäglich und deshalb umso verstörender ist: Eltern, die ihre Kinder misshandeln. Die Doku hinterfragt, welche Maßnahmen ergriffen werden, um Kinder zu schützen und Täter zu stellen.
Valentino war nur kurz allein mit seinem Vater. Als die Mutter zurückkommt, ist das drei Monate alte Baby ohnmächtig. Im Krankenhaus die Diagnose: innere Verletzungen, Folgen eines Schütteltraumas. Die Mutter lebt heute allein mit ihrem schwer behinderten Kind.
Professor Kathrin Yen, Rechtsmedizinerin an der Universitätsklinik Heidelberg, wird regelmäßig mit Fällen wie diesem konfrontiert. Jährlich untersucht sie etwa 150 Kinder auf Spuren von Gewalt – prüft, ob ein Bluterguss tatsächlich von einem Sportunfall stammt oder doch Folge von Misshandlung ist. Sie und ihre Assistenzärztin liefern damit oft wichtige Indizien für die Anklage vor Gericht. Das Problem: Nicht überall in Deutschland werden schon bei den geringsten Anzeichen von Gewaltanwendung Rechtsmediziner hinzugezogen, um Beweise zu erheben und weitere Kindesmisshandlungen zu unterbinden. "Man muss rechtzeitig einschreiten", fordert die Rechtsmedizinerin, "weil die Gewalt weitergeht, wenn sie nicht erkannt wird".
In Mannheim arbeitet das Kinderschutzteam des Jugendamtes eng mit den Kinderärzten im Universitätsklinikum und den Heidelberger Rechtsmedizinern zusammen. Hat Sozialarbeiter Manuel Lehner den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, fährt er zusammen mit einer Kollegin los, um das Kind zur Notaufnahme zu bringen. Gemeinsam mit einer Psychologin wird es dort auf Gewaltspuren untersucht, diese werden detailliert dokumentiert. Je nach Schwere der Gewaltanwendung müssen die Sozialarbeiter zumindest vorübergehend für eine Fremdunterbringung sorgen. Eine Entscheidung, die allen Beteiligten schwerfällt. "Es ist wirklich ein Dilemma. Wenn ich ein Kind zu früh rausnehme, dann bin ich derjenige, der den Eltern gleich die Kinder weggenommen hat", formuliert Rainer Becker von der Deutschen Kinderhilfe e. V. die Problematik der Jugendämter. "Und wenn ich entscheide, noch abzuwarten, und das Kind plötzlich zu Tode kommt, dann werde ich meines Lebens nicht mehr froh". Aus diesem Grund wird über das Wohl und Wehe der Kinder grundsätzlich im Team entschieden.
Zivilcourage-Trainer Jens Mollenhauer bringt Kindern schon in der Grundschule bei, wie sie sich auch gegen die eigenen Eltern zur Wehr setzen können. Für ihn ist es selbstverständlich, dass jeder Verdacht auf Kindesmisshandlung bei der Polizei angezeigt werden muss.
Unter den Kinderschützern ist man in dieser Frage jedoch uneins: Sozialarbeiter sprechen sich für Anzeigen nur in krassen Fällen aus. Ärzte dürfen aufgrund der Schweigepflicht nur den Jugendämtern gegenüber Meldungen machen, würden aber am liebsten selbst bei der Polizei anzeigen. "Ich würde mir wünschen, dass es eine Anzeigepflicht für Ärzte gibt", sagt etwa Rechtsmedizinerin Kathrin Yen. Dafür aber wäre eine Gesetzesänderung notwendig.

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