Copyright: ZDF / Valentin Menke
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Südstadt

Fernsehfilm der Woche

Ein Haus, drei Wohnungen, drei Paare in Köln. Bei Matti Geschonnecks prominent besetztem Fernsehfilm der Woche dreht sich alles um Nachbarn, die ihre Beziehungen und Lebenskonzepte auf den Prüfstand stellen müssen. Anne (Anke Engelke, Foto) und Martin (Matthias Matschke, Foto), Saskia (Bettina Lamprecht, Foto links) und Kai (Alexander Hörbe) sowie Eva (Andrea Sawatzki), die frisch verliebt in Thomas (Dominic Raacke).

  • ZDF, Montag, 26. Februar 2018, 20.15 Uhr

Texte

Stab

Regie    Matti Geschonneck
BuchMagnus Vattrodt
KameraTheo Bierkens
SchnittUrsula Höf
MusikMarco Meister, Robert Meister
SzenenbildUlrich Hintzen
KostümAnneke Trost
ProduzentenWolfgang Cimera, Silke Pützer
RedaktionReinhold Elschot, Stefanie von Heydwolff

Eine ZDF-Auftragsproduktion der Network Movie, Köln

Die Rollen und ihre Darsteller

Anne Lehmann    Anke Engelke
Martin LehmannMatthias Matschke
Eva SimonAndrea Sawatzki
Thomas MaiwaldDominic Raacke
Saskia FröhlichBettina Lamprecht
Kai FröhlichAlexander Hörbe
Karen MaiwaldJulia Stemberger
Eberhard LehmannManfred Zapatka
Wolf Pierre Besson
Greta Maiwald Emma Drogunova
und andere

Inhalt

"Südstadt" – ein Haus, drei Wohnungen und drei befreundete Paare, die ihre Beziehungen und Lebenskonzepte auf den Prüfstand stellen müssen.

Anne und Martin Lehmann sind seit 20 Jahren verheiratet. Allerdings ist die Ehe zuletzt in eine Schieflage geraten: Anne hat ein Verhältnis mit ihrem Kollegen Wolf. Martin verschweigt ihr, dass er seinen Job schon vor Monaten verloren hat und seitdem arbeitslos ist. Hat die Beziehung trotz aufkommender Existenzängste und einem wachsenden gegenseitigen Misstrauen noch eine Chance? Im selben Haus wohnen ihre Freunde Saskia  und Kai Fröhlich mit  ihrer kleinen Tochter. Als sich Saskia entschließt, wieder arbeiten zu gehen, muss sich ihr Mann neben seinem Job als Fernsehjournalist auch als Familienmanager einbringen. Während Saskia beruflich aufblüht und diesen Erfolg genießt, gerät er zunehmend unter Druck. Was soll nun aus seiner Karriere werden? Muss er der Familie zuliebe beruflich kürzer treten? Im Dachgeschoss wohnt Notärztin Eva Simon, ebenfalls eine gute Freundin der beiden Paare. Sie ist frisch verliebt in Thomas. Er hat sich gerade von seiner Frau getrennt, die mit Tochter Greta im gemeinsamen Haus zurückgeblieben ist. Als er bei Eva einzieht, muss sich ihre Beziehung bewähren, denn Thomas bringt nicht nur seine Umzugskartons, sondern auch seine Vergangenheit mit.

Interview mit Regisseur Matti Geschonneck

Zu welchem Filmgenre gehört "Südstadt"?

In der DDR sagte man dazu "Gegenwartsfilm". Wie komme ich mit meinem Leben klar? Was wird aus meinen Träumen? Alle Protagonisten erleben existentielle Veränderungen. Sie geben etwas auf, lassen los, fangen etwas Neues an. Seelische Verletzungen, Kränkungen begleiten diesen Wandel. Es geht um Lebenszeit.

Zu Anfang des Films führen Sie relativ viele Figuren ein – wie schaffen Sie es, die Zuschauer dabei nicht zu überfordern?

Ich denke, je interessanter die Figuren gezeichnet sind – und das hängt natürlich vom Buch und dann schließlich von den Schauspielern ab – desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, den Zuschauer für den Film zu interessieren. Mit dem Autor Magnus Vattrodt arbeite ich schon länger zusammen; wir haben kein Rezept, eine Arbeit baut auf der anderen auf. Ein Film muss spannend sein, muss den Zuschauer berühren, auf welche Art auch immer. Wir dürfen ihn nicht langweilen – "Südstadt" bietet, glaube ich, die Möglichkeit, dass sich die Zuschauer in den Figuren wiedererkennen. Die Geschichte lebt auch von der Spiellaune der Schauspieler, die das Gesicht des Films sind, in dem Fall nachvollziehbare Charaktere, alle auf der Suche. Der Zuschauer schließlich entscheidet, wertet – nicht der Regisseur.

"Südstadt" ist sehr prominent besetzt. Hatten Sie von Anfang an gewisse Schauspieler im Kopf?

Dass ich mit bestimmten Schauspielern etwas machen will und wir dann zusammen mit Autor und Produktion eine ihnen entsprechende Geschichte entwickeln, das habe ich schon öfter gemacht. Matthias Matschke stellte mir vor ein paar Jahren Anke Engelke vor mit dem Wunsch, gemeinsam in einem Film von mir zu spielen. Das hat sich dann bei "Südstadt" ergeben, funktioniert natürlich nur im vertrauensvollen Zusammenwirken mit Autor, in dem Fall Magnus Vattrodt, Silke Pützer von der Produktionsfirma Network Movie, und dem ZDF, Stefanie von Heydwolff und Reinhold Elschot. Keine Garantie für einen guten, erfolgreichen Film, aber starker Rückhalt für diese komplexe Arbeit.

Gehen Sie bei der Inszenierung eines Krimis anders vor als bei einem 'Gegenwartsfilm' wie "Südstadt"?

Nein, gar nicht. Letztendlich ist für mich "Südstadt" auch eine Art Krimi, auch wenn die Konflikte nicht justiziabel sind. Ich lasse mich von den Figuren leiten. Beim Spannungsaufbau hilft gewiss Kenntnis der Krimidramaturgie. Ich habe Regie am Institut für Kinematographie (WGIK) in Moskau studiert – in einer Komödienklasse. Später, Anfang der 90er Jahre, drehte ich mehrere "Tatorte" und recht dunkle Psychothriller. Ich denke, das eine schließt das andere nicht aus. Bei jeder Arbeit ist das Drehbuch dein Verbündeter. Dann übernehmen die Schauspieler die Figuren, machen sie zu ihren. Die Szenen werden lebendig. Ein immer wieder, im wahrsten Sinne des Wortes, wunderbarer Vorgang.

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch.

Interview mit Hauptdarstellerin Anke Enkelke

Sie spielen zum ersten Mal in einem Film von Matti Geschonneck mit.

Die Zusammenarbeit fand ich außergewöhnlich. Die Gespräche im Vorfeld waren intensiv, aber selten ging es konkret um meine Rolle Anne. Ich habe nicht verstanden, wohin das führt. Spätestens am zweiten Drehtag war mir klar, was das war: Weil er am Set selbst kaum noch Instruktionen gibt – so wie viele seiner Kollegen, sondern nur mit einem Satz oder einer kleinen Geste beschreibt, wie er sich die Szene vorstellt. Er ist ein in sich ruhender Regisseur – seine Nähe tut gut. Er ist wie ein bequemer Sessel, in den man sich setzt und wohlfühlt, weil man sich gut aufgenommen fühlt. Und dann wird man losgelassen – mit einem Vorschuss an Vertrauen, den ich so bisher nicht gekannt habe.

Einige aus dem Ensemble sind Ihnen ebenfalls vertraut.

Mit zweien habe ich viele Jahre zusammengearbeitet, wir sind Freunde: Bettina Lamprecht und Matthias Matschke, die beide leben in Berlin und arbeiten viel in Köln – bei mir ist es genau umgekehrt. Aber selbst, wenn man schon viel miteinander gedreht hat, fängt man für neue Rollen und Konstellationen immer wieder bei Null an. In Drehpausen ging es durchaus um Privates, und natürlich sind wir miteinander oft sehr albern. Aber der Film ist keine Komödie, das kann man prima trennen.

In welches Filmgenre lässt sich "Südstadt" einordnen?

Mir hat geholfen, dass Regisseur Matti Geschonneck selber – und das hat mit seiner Herkunft zu tun – immer von einem "Gegenwartsfilm" sprach. Denn in der ehemaligen DDR wurden Filme wie dieser als "Gegenwartsfilme" bezeichnet. Es sind keine historischen Filmschinken, sondern sie spielen im Hier und Jetzt. Während der Dreharbeiten und Vorbereitung wurde mir immer klarer, dass es die Bezeichnung "Gegenwartsfilm" exakt trifft. Wie in "Südstadt" gibt es in Köln und Deutschland heute viele Menschen mit ähnlichen Schicksalen und Lebensumständen.

Arbeitslosigkeit und die Scham darüber, Trennungen, zu hohe Erwartungen an den Partner, schwierige Beziehungen zu und die Abnabelung von den Eltern …

Im Erwachsenenleben spielen all diese Dinge eine Rolle. Die Generation unserer Eltern lebte zwar auch im Hier und Jetzt – aber sie nahm vieles hin, so wie es kam. Im Gegensatz zu den 40-/50-Jährigen heute: Die schauen von außen genau auf das, was sie tun. Menschen, denen immer bewusster wird, dass die Gegenwart nicht nur aus Drama oder Leichtigkeit besteht. Gegenwart bedeutet, dass sie all diese Elemente vereint, ohne dass einem etwas fehlt. Und genau diese Kombination aller Genres ist auch in einem "Gegenwartsfilm" vereint. Wir sind im Hier und Jetzt – und müssen uns verorten.

Wirken die Figuren in "Südstadt" deshalb so besonders realistisch?

Das liegt auch am Drehbuch, nicht nur an den Darstellern und der Regie. Magnus Vattrodt, der Autor, lebt in Köln, so wie seine Filmfiguren, und kann das deshalb so wunderbar spiegeln. Das habe ich gemerkt, als ich bei unserem Abschlussfest mit ihm, seiner Frau und seiner Tochter zusammensaß und die drei von sich erzählten. So wie er und wir miteinander umgehen, ist das fast wie eine Momentaufnahme mit Allgemeinwert: Der Mann arbeitet teilweise von zu Hause und versucht mal mehr, mal weniger, die Frau im Job, im Haushalt und bei den Kindern zu unterstützen. Die Tochter will zwar frei sein, braucht aber auch ein Zuhause… Alles drin in diesem Film.

Was verbinden Sie persönlich mit der Kölner Südstadt?

Die Südstadt ist ein Teil meiner Heimat. Gerade am Chlodwigplatz, wo wir viel gedreht haben, fahre ich oft mit der Bahn vorbei. Ich bin im Süden Kölns verortet, durchaus auch im belgischen Viertel. In der Stadt benutze ich fast nur öffentliche Verkehrsmittel – ich habe eine Jahreskarte, da ist der Chlodwigplatz als Verkehrsknotenpunkt ganz wichtig. Ich liebe auch die Nähe dort zum Rhein, fühle mich in der Südstadt fast wie zu Hause. Viele meiner Freunde leben in der Südstadt, sogar so ähnlich wie die Figuren in dem Film: mehrere Parteien in einem Haus, aber alle miteinander gut bekannt bis befreundet. "Ich liebe meine Stadt" – das denke und spreche ich jedes Mal ganz offen aus, wenn ich an der Nord-Süd-Fahrt am Offenbach-Platz an dem Schild mit diesem Spruch vorbeifahre.

Im Film singen Sie sogar.

Es war wunderbar, aber nicht meine Idee. Das stand so im Drehbuch. Matti Geschonneck hat den Kölner Filmhaus-Chor kennengelernt und war begeistert. Kölnerinnen, die aus allen möglichen beruflichen und privaten Ecken kommen, singen Lieder oder Melodien aus Filmen. Bei ihren Übungsstunden im Bruno-Saal war ich auch zweimal dabei. Mit Wonne! Ich habe selbst in einem Schulchor gesungen, einem sehr erfolgreichen – die Plattenfirma EMI Electrola brauchte damals für Studioaufnahmen ab und zu Background-Chöre, die Interpreten wie Heino oder Howard Carpendale begleitet haben, manchmal auch bei Fernsehsendungen. Da haben wir Kinder in Fernseh- und Tonstudios schon früh gelernt, diszipliniert zu sein. Ich mag Singen sehr, das Miteinander im Chor. Für die WDR-Reportage „Sowas wie Glück“ haben wir Experimente mit Chorsängerinnen gemacht: Singen macht glücklich – das ist wissenschaftlich bewiesen. Das "Südstadt"-Drehbuch hat mir also aus vielen Gründen gefallen.

Sie spielen eine Grundschullehrerin, haben im wirklichen Leben auch Anglistik und Romanistik auf Lehramt studiert. Doch das Leben hatte mit Ihnen anderes vor; bedauern Sie das ein Stück?

Nö, ich bin ja nur bis zum Grundstudium gekommen, weil ich neben dem Studium beim Hörfunk gearbeitet habe. Ich stand vor der Entscheidung: Journalismus oder Lehramt? Da habe ich mich für die erste Option entschieden. Aber als Lehrer zu arbeiten, kann ich mir schon vorstellen, nicht nur in der Mittel- und Oberstufe, sondern auch für die Grundschule. Ich mache nach wie vor sehr gerne Sendungen, Konzerte oder Beiträge für Kinder und Jugendliche. Meiner Meinung nach hat ein Mensch, der auf einer Bühne oder vor der Kamera steht, immer etwas mitzuteilen und ist sich bewusst, was er – nicht nur mit Worten – aussendet. Genauso geht es einem Lehrer. Ich glaube, dass wir alle ein Mitteilungs-Gen in uns tragen.

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch.

Interview mit Hauptdarsteller Matthias Matschke

Was verbinden Sie ganz persönlich mit der Kölner Südstadt?

Zunächst kannte ich sie nur aus Erzählungen von Bastian Pastewka, Christoph Maria Herbst und Michael Kessler, die in der Kölner Südstadt in einer WG zusammen wohnten, und wusste aus deren Erzählungen, dass es sich um einen besonders liebenswerten Stadtteil handelt. Da ich  in Berlin lebe, aber viel öfter in Köln vor der Kamera stehe, habe ich mir für die Drehzeit ganz bewusst in der Kölner Südstadt eine Wohnung gesucht. Ja, das Viertel gefällt mir sehr gut. Am Anfang war ich von der entwaffnenden Offenheit und besonderen Freundlichkeit der Menschen dort etwas verstört, vor allem darüber, dass die auch noch ehrlich gemeint war – für mich als Berliner eine große Herausforderung. Aber inzwischen komme ich sehr gut mit den Kölnern klar und finde es durchaus schön,  in einem geselligen Kreise zu sein.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Regisseur Matti Geschonneck?

Wenn er etwas will, macht er uns Schauspielern klar, wie wichtig diese Szene jetzt für den ganzen Film ist. Und das tut Matti Geschonneck in seiner ganz ruhigen Art. Sein Tonfall fördert, gelassen vor der Kamera zu agieren, ist aber bedeutungsvoll.

Was uns verbindet, ist eine ähnliche Art von Humor. Das habe ich schon bei den Drehs für die sechs vorigen Filme mit ihm gemerkt: "Boxhagener Platz", "Helen Dorn", "Das Zeugenhaus"…  Wir waren uns sofort einig, dass jeder eine ernste und eine lustige Seite in sich trägt, die einander bedingen. "Südstadt" ist ein gutes Beispiel dafür. Ist es eine Komödie oder ein Drama? Beides.

Matti Geschonneck ordnet ihn als Gegenwartsfilm ein, der die aktuelle Situation, wie sie in vielen Familien und Häusern vorkommt, widerspiegelt. Auch die Ihrer Figur: Martin hat schon vor Monaten seinen Job verloren, traut sich aber nicht, das zuzugeben, weil sich die Menschen in unserer Gesellschaft stark über ihren Beruf definieren und aus diesem ihr Selbstbewusstsein ziehen. Konnten Sie sich gut in Martins Lage hineinversetzen – als Schauspieler mit vielen Rollenangeboten?

Martins Emotionen und seine Rolle konnte ich verstehen und mich schnell in die Rolle einfinden, weil in jedem Menschen der Drang danach vorhanden ist, seinen Status beizubehalten – zumindest nach außen hin – und gewisse Konstellationen zu bewahren. Er fühlt sich dazu seiner Frau gegenüber verpflichtet, auch seinen Freunden. Meine grundsätzliche Frage bei der Rollenarbeit war: Wie weit wird es Martin mit seinem Verlangen nach Statuserhalt treiben? Und er treibt es sehr weit.

Trotzdem gibt es kein Happy End.

"Südstadt" ist kein typischer Film mit Happy End, bei dem sich zum Schluss alle Knoten auflösen. Der Film endet einfach realistisch.

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch.

Interview mit Hauptdarstellerin Andrea Sawatzki

"Südstadt" ist bereits Ihr zweiter Film unter der Regie von Matti Geschonneck.

Richtig, der erste war 2009 der ZDF-Zweiteiler "Entführt". Damals spielte ich eine ganz böse männermordende Frau. Das Schöne und Merkwürdige an Matti Geschonnecks Arbeitsweise ist: Am Ende des Drehtags sind wir Schauspieler total erschöpft und ausgelaugt – aber im positiven Sinne. Dabei ist der Regisseur ein sehr ruhiger, präziser, warmer Beobachter, der wenig spricht, den Darstellern gefühlt viele Freiheiten lässt und doch seine Inszenierung ganz genau in eine gewisse Richtung lenkt. Das macht er geschickt, indem er uns die Szenen immer und immer wiederholen lässt, ohne deutliche Ansagen zu machen oder Kritik zu üben. Stattdessen kommen ganz hauchzarte Tipps. Von Wiederholung zu Wiederholung verändert sich dann doch unsere Performance. Das macht die Figuren tiefgründig, wie die Zuschauer es von Geschonneck-Filmen gewohnt sind.

Ihre Figur Eva verhält sich, zumindest anfangs, sehr rücksichts- und geduldsvoll. Aber im Laufe des Films brechen die Gefühle und deutliche Worte dann doch aus ihr heraus. Und ihre Liebesgeschichte mit Thomas (Dominic Raacke) mündet in kein klassisches Happy End. Bedauern Sie das?

Nein, auch im wirklichen Leben gibt es oft kein Happy End, sondern der Ausgang ist wie in diesem Film eher vage. Trotzdem hat mich diese Rolle gereizt: Eva ist eine Single-Frau, wie sie es millionenfach gibt. Ich kenne selbst einige, die aus unerklärlichen Gründen seit Jahren alleine leben, die keinen Mann mehr finden, obwohl sie tolle Frauen sind – mit einem Superjob, genug Geld, um dem Kerl nicht auf der Tasche zu liegen, die gut aussehen, tolle Freunde haben und bei denen sich jeder fragt: Wieso, um Gottes Willen, ist die denn solo? Bei Männern erlebe ich dieses Phänomen nicht so oft, die finden ab einem bestimmten Alter leichter eine neue Partnerin, was oft daran liegt, dass sie gleich auf eine Jüngere zurückgreifen, die bewundernd zu ihm aufschaut.

Sind die Jahre zwischen 40 und 50 eine besonders schwere Epoche für Partnerschaften?

In diesem Altersbereich beobachte ich schon viele Paare, die auf den ersten Blick zwar noch immer eine stabile Beziehung haben, aber dann doch einen Befreiungsschlag und Neuanfang wagen. Wenn die sich dann getrennt haben, sind sie in der neuen Beziehung oft unglücklicher als in der vorigen. Deshalb rate ich Freunden  bei Problemen in der Partnerschaft häufig, es nochmal zu versuchen und sich  zusammenzuraufen. Und wenn es dann doch oft zu einer Trennung führt, sind es meist die Frauen, die alleine bleiben.

Warum tut sich Eva so schwer mit den Männern?

Sie hat in ihrem Leben immer Probleme mit ihnen gehabt. Eva wusste nie genau, wie man eine Liebschaft zu einer stabilen, nachhaltigen Beziehung führt – vor lauter Angst, nicht immer alles richtig zu machen. Dieser Krampf war genau der falsche Weg. Nach einer Therapie ist sie sich erst bei Thomas sicher, zu wissen, wie es geht: offen sein, miteinander reden und vieles ausdiskutieren, keinerlei Geheimnisse voreinander haben. Aber in einer Beziehung muss es Geheimnisse geben, doch damit tut sich Eva sehr schwer.

Tun Sie sich auch im wirklichen Leben damit schwer?

Nein, auch Christian [Berkel, Anm. d. Red.] und ich haben Geheimnisse voreinander. Die braucht jede intakte Beziehung oder Ehe. Ich verrate zum Beispiel nicht meine Träume, obwohl sie mir im Kopf herumschwirren. Aber Eva will ja alles von Thomas wissen, weil sie ihm auch alles erzählt. Sie ist schon ein komplizierter Mensch. Und sie ahnt das auch von sich, daher rührt auch ihre Urangst, auf Dauer keinen Mann zu finden. Damit wirkt sie auf manche Menschen etwas beängstigend.

Dabei braucht Eva in ihrem Beruf als Ärztin in der Notaufnahme starke Nerven.

Ich als Andrea Sawatzki hätte mit diesem Job große Probleme: Ärztin in der Notaufnahme – das wäre für mich nichts. Diese Schicksalsschläge und die Arbeit zwischen Leben und Tod der Patienten könnte ich nicht ertragen. Menschen mit Schmerzen, die leiden und schreien … Ich tue mich sehr schwer, mit Unfällen oder ähnlichem umzugehen.

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch.

Interview mit Hauptdarsteller Dominic Raacke

Was ist das Besondere an diesem Film?

"Südstadt" bezieht keine Stellung zu den Geschehnissen oder zu den Figuren, ob sie gut, böse, blöd, intelligent oder sonst irgendwie sind. Regisseur Matti Geschonneck lässt den Zuschauer beobachten und sich selbst eine Meinung bilden. Er zeichnet den Alltag von Menschen, die ähnliche Probleme, wie wir sie alle haben, mit sich herumschleppen, und die sich alle in einem Änderungsprozess befinden. Den Schluss kann sich der Zuschauer selbst denken.

Sie spielen einen lockeren Gewinnertypen, der oberflächlich, arrogant und sozial nicht besonders kompetent wirkt.

Thomas merkt das gar nicht. Er steckt so fest in seinem Business, dass er gar nicht merkt, wie er andere in Verlegenheit bringt oder vor den Kopf stößt. Ein erfolgreicher Mann im besten Alter – für Eva (gespielt von Andrea Sawatzki) endlich der Typ, von dem sie immer geträumt hat. Bis sie merkt, dass auch dieser Mann ein Problem  hat – und Geheimnisse. Dass er irgendwie unklar wirkt und sich nicht festlegen möchte, das ist eine Eigenschaft, die typisch männlich ist.

Kennen Sie diese Schwäche auch bei sich selbst?

Durchaus. Ich habe selbst schon gemerkt, dass man in Teufels Küche kommen kann, wenn man sich nicht klar verhält und undeutlich kommuniziert.

"Südstadt" ist Ihre erste Zusammenarbeit mit Regisseur Matti Geschonneck.

Es gibt eine Handvoll Regisseure in Deutschland, die wie ein Leuchtturm wirken, die diese Aura haben. Matti Geschonneck gehört dazu. Alle lieben ihn. Er schafft durch seine ruhige Art eine Atmosphäre am Set, die Schauspielern einen sehr beschützten Raum ermöglicht. So ruhig Matti auch war, die Kollegen aus dem Comedy-Genre, die ich sehr schätze, haben diese Ruhe aber auch immer wieder gebrochen. Sobald die Kamera aus war, ging die Gaudi los. Da musste ich mich auch erst einmal einfinden, aber das passte zu meiner Rolle im Film, bei der ich ja auch der Neue in der Clique und eher unnahbar bin.

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch.

Interview mit Hauptdarstellerin Bettina Lamprecht

Saskia, die Frau, die Sie spielen, möchte nach einer beruflichen Pause wegen ihres Kindes endlich wieder einen Job. Können Sie sie verstehen, auch ihre abwertenden Äußerungen gegenüber ihrem Mann?

Saskia ist ein Familienmensch. Sie hat dafür fünf Jahre lang andere Bedürfnisse zurückgestellt. Die Vereinbarung zwischen dem Paar scheint mir eine andere gewesen zu sein. Insofern verstehe ich sehr gut ihren Frust und den Wunsch, wieder in andere Aufgaben involviert zu sein. Bei der Art, wie das Paar miteinander kommuniziert, habe ich mich gefragt: Wo verläuft die Grenze zwischen Flapsigkeit und Verachtung? Wie viel Frust steckt dahinter? Wie viel Spiel? Wenn man als Paar auf Dauer so miteinander spricht, kann man trotzdem eine gesunde Beziehung führen? Ich hab keine klare Antwort.

Der Film hat kein klassisches Happy End, in dem sich alle Konflikte auflösen.

Ist das nicht herrlich, wenn eine Geschichte im deutschen Fernsehen mal nicht “zu Ende” erzählt wird? Bei allen Paaren in dem Film hat unseres vielleicht noch die größte Chance zusammenzubleiben. Aber wie im Leben würde das auch nicht die Lösung aller Konflikte bedeuten.

Sie haben zum ersten Mal Haben Sie zum ersten Mal mit Alexander Hörbe, der Ihren Mann spielt, vor der Kamera gestanden?

Alexander und ich haben vor vielen Jahren schon mal im gleichen Projekt vor der Kamera gestanden, aber nicht gemeinsam. Matti Geschonneck hat ein feines Gespür für Besetzungskonstellationen. Das Zusammenspiel mit Alexander bei “Südstadt” war eine Freude. Er ist ein sehr warmer, direkter und humorvoller Spieler.

Wie Ihre Figur befinden sich viele Frauen in einem Spagat zwischen Beruf und Familie. Wie gehen Sie mit diesem Konflikt um?

Mein Beruf ist zwar zeitweise sehr anstrengend, aber er macht mich auch sehr froh, genauso wie meine Familie. Es ist eine Frage der Organisation und der Kommunikation, vor allem zwischen dem Paar. Es ist bestimmt oft nervig und anstrengend, aber man muss es üben und dann wird es besser. Kai und Saskia sind am Ende des Films erst ganz am Anfang dieses Prozesses. Sie waren bis dato noch in der klassischen Rollenverteilung gefangen, von der wir fälschlicherweise oft glauben, sie überwunden zu haben.

Das Interview führte Christian Schäfer-Koch.

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