Wie lebten Menschen im Alten Rom? Quintus Pompeius Naso (Timur Işık) zeigt es. Copyright: ZDF/ Yana Blajeva
Wie lebten Menschen im Alten Rom? Quintus Pompeius Naso (Timur Işık) zeigt es. Copyright: ZDF/ Yana Blajeva

Terra X: Ein Tag in ...

Dreiteilige Dokumenationsreihe - Zusätzlich VR-Projekt "Gladiatoren im Kolosseum"

Wie haben sich Lebensstandard, Lebenserwartung und Lebensumstände im Lauf der vergangenen Jahrhunderte verändert, wie die Vorstellungen von Werten und Moral? Die dreiteilige "Terra X"-Dokumentation "Ein Tag in ..." führt mit Hilfe von wissenschaftlichen Erkenntnissen in das Alltagsleben eines Menschen im Alten Rom, im Mittelalter und in der Kaiserzeit. Über szenische Rekonstruktionen, unterhaltsame Statistiken und dokumentarische Elemente zeigt der Dreiteiler den Lebenswandel. Darüber hinaus macht der 360 Grad-3D- Film "Gladiatoren im Kolosseum" ab 4. Dezember auf http://terrax.zdf.de das Leben im Alten Rom um 80 n. Chr. greifbar nah. 

  • ZDF, sonntags, 4. Dezember, 11. Dezember, 18. Dezember 2016, jeweils um 19.30 Uhr

    Texte

    Abenteuer Alltag
    Vorwort von Terra X-Redaktionsleiter Georg Graffe

    Den Begriff "Alltag" definiert die Online-Enzyklopädie Wikipedia als "gewohnheitsmäßige Abläufe bei zivilisierten Menschen im Tages- und Wochenzyklus". Wer kennt solche "Abläufe" nicht? Wir stehen am Morgen auf, gehen ins Bad, kleiden uns an, versorgen Kinder, fahren zur Arbeit, rennen in den Supermarkt, kochen, essen und vieles mehr. Diese Routine macht einen Großteil des Lebens aus, und darin ähneln wir den Menschen unserer Umgebung, denn unser Alltag wird von allgemeinen Umständen geprägt - von Heimatland und Epoche, von ökonomischen und politischen Gegebenheiten.

    Das war in vergangenen Zeiten nicht anders, auch früher folgten Menschen einer alltäglichen Routine, hatten einen sich wiederholenden Tagesablauf. Aber wie sah er im Detail aus? Vor 100, vor 500, vor 2000 Jahren? Selbst von den großen Gestalten der Geschichte, den gekrönten Häuptern und legendären Feldherren erfahren wir oft wenig über ihr privates Leben, weil die zeitgenössischen Chronisten es nicht erwähnenswert fanden, wie sich der Kaiser kleidete, was er zum Frühstück zu sich nahm, wie seine Morgentoilette aussah oder ob er sich die Zähne putzte. Noch weniger wussten wir lange von seinen Untertanen. Erst während der letzten Jahrzehnte gelangte das "Alltägliche" vergangener Zeiten in den Blickpunkt der Historiker, wurde "das private Leben" zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Neben der Auswertung von schriftlichen Quellen sind es nicht zuletzt archäologische Funde, die heutzutage vermehrt Einblicke in die Alltagswelt früherer Epochen gewähren.

    Der Terra X-Dreiteiler "Ein Tag in…" erzählt konsequent vom Leben durchschnittlicher Menschen der Vergangenheit. Vom ersten Augenaufschlag am Morgen bis zum Zubettgehen am Abend folgen wir ihnen buchstäblich auf Schritt und Tritt durch einen einzigen Tag. Wir begegnen einem Feuerwehrmann im antiken Rom, einem Wundarzt in Frankfurt am Main um die Mitte des 15. Jahrhunderts und einem Dienstmädchen im wilhelminischen Berlin. Durch ihren jeweiligen Beruf sehen sie sowohl die Sonnen- als auch die Schattenseiten ihrer Welt. Mit den Augen der Protagonisten schauen wir auf Ernährung und Hygiene, medizinische Versorgung und rechtliche Verhältnisse, Verkehr und Städtebau, Handel und Arbeitswelt. Manches empfinden wir heute als höchst befremdlich, ja sogar schockierend, anderes wiederum kommt uns frappierend vertraut vor - wie etwa das altrömische Verkehrschaos, Wuchermieten, Schlamperei am Bau und die damit verbundenen, Nerv tötenden Gerichtsverhandlungen.

    Szenische Rekonstruktionen, aufschlussreiche Grafiken und Statistiken sowie archäologische Entdeckungen lassen vergangenes Leben dicht und plastisch wiederauferstehen. Dadurch kann der Zuschauer einen unmittelbaren Vergleich zu seiner eigenen Erfahrungswelt ziehen und wird – so hoffen wir wenigstens - immer wieder darüber staunen, wie gleichzeitig anders und doch ähnlich der Alltag früherer Menschen dem unseren war.

    Folge 1: Ein Tag im Alten Rom

    Sendedatum: Sonntag, 4. Dezember 2016, 19.30 Uhr

     

    Stab

    Buch: Jens Afflerbach, Sebastian Scherrer
    Szenenregie:
    Sigrun Laste
    Dokuregie: Thomas Lischak
    Regieassistenz:
    Armella Bruckböck
    Kamera:
    Jürgen Rehberg
    Kamera-Assistenz: Mitkow Bonev, Sebastian Ehrig
    Ton: Krasi Stabek
    Sounddesign & Tonmischung: Helen Neikes
    Schnitt:
    Franziska Menz
    CGI: Eike Wiechmann, Fritz Göran Vöpel, Jörg Barton, Roger Grein
    Production Service: Nu Boyana Film Studios, Solent Film
    Szenenbild:
    Sabina Christova
    Ausstattung:
    Minko Krastev
    Kostüme:
    Djanina Baykoucheva
    Maske:
    Atanas Temnilov
    Sprecher:
    Klaus-Dieter Klebsch
    Wissenschaftliche Beratung:
    Prof. Dr. Werner Dahlheim
    Mitarbeit:
    Arne Peisker, Ole Siebrecht, Frauke Gimbel
    Aufnahmeleitung:
    Milko Stareishinski
    Herstellungsleitung:
    Jens Freels
    Produktionsleitung:
    Mirko Mikelskis, Frank Zahl
    Produktionsassistenz:
    Greta Burkhardt, Daniel Timm, Elena Krasteva
    Produktionsleitung ZDF: Cora Szielasko, Freda Wiethoff
    Produzent:
    Jens Afflerbach
    Redaktion:
    Claudia Moroni
    Leitung:
    Georg Graffe
    Archive:
    ORF-Enterprise
    Eine Produktion von STORY HOUSE Productions GmbH im Auftrag des ZDF

     

    Mitwirkender

    Quintus Pompeius Naso: Timur Işık

     

    Inhalt

    Der neue Terra X-Dreiteiler "Ein Tag in…" ist eine ebenso ungewöhnliche wie spannende Zeitreise in den Alltag vergangener Epochen.

    Das Leben von Kaisern und Königen ist umfassend erforscht und dokumentiert. Der Alltag von ganz normalen Menschen hingegen ist weit weniger bekannt. Er steckt voller Überraschungen und eröffnet einen neuen, verblüffenden Blick auf unsere Geschichte.

    Die Terra X-Reihe "Ein Tag in…" beantwortet die Frage, die sich Menschen heute stellen, wenn sie an Geschichte denken: Wie wäre es gewesen, in Berlin zur Kaiserzeit zu leben, in Frankfurt des Mittelalters – oder im Alten Rom. In der ersten Folge geht es um einen Tag im Leben des römischen Feuerwehrmanns Quintus Pompeius Naso im Jahr 80 nach Christus – vom Morgenappell bis zum nächtlichen Brandeinsatz. Quintus' Geschichte ist erfunden, und dennoch ist sie wahr, recherchiert und verdichtet aus historischen Biographien und neuesten Erkenntnissen der Forschung.

    Im Jahr 80 nach Christus erstrahlt Rom im Glanz neuer Monumentalbauten. Das Kolosseum wird von Kaiser Titus in 100-tägigen Spielen eröffnet. Der Alltag in der Kapitale ist aber für die meisten Römer wenig glanzvoll. Mehr als eine Million Menschen drängeln sich auf geschätzten 13 Quadratkilometern Fläche. Damit geht es damals 29 Mal enger zu als im heutigen Köln. Dicht an dicht stehen die antiken Mietskasernen, die Insulae.

    Verheerende Brände sind an der Tagesordnung. Seit den Tagen des Kaisers Augustus gibt es zwar eine militärisch straff organisierte Feuerwehr, und ausgerechnet der als Brandstifter berüchtigte Kaiser Nero hat eine ganze Reihe von Brandschutzvorschriften erlassen. Dennoch brennt es in der Stadt rund 100 Mal am Tag.

    Auf dem Weg durch Rom erlebt Quintus die Tücken des Alltags. Abgesehen von der Zahnpflege mit Salbei und Bimsstein findet aus Platzmangel alles auf der Straße statt: die Rasur, das Frühstück mit verdünntem Wein, sogar der Gang zur Latrine ist öffentlich und nicht einmal nach Geschlechtern getrennt. Als Toilettenpapier dienen in Essigwasser getauchte Schwämme, die man sich kurzerhand teilt. Mit Hilfe von Funden aus antiken Abwasserkanälen rekonstruiert der Film das Leben auf der Straße, das durch Quintus Augen erlebbar wird, darunter der ewige Aufruhr bei der Verteilung des staatlich subventionierten Brots an die armen "Proles", die Proletarier Roms. Auch die Lebensbedingungen in den häufig illegal gebauten Hochhaussiedlungen können Wissenschaftler heute sehr genau nachvollziehen.

    Als Quintus in einer Insula massiven Baupfusch aufdeckt, gerät er in das gefährliche Intrigenspiel römischer Immobilienspekulanten, die ihre Rivalität vor Gericht austragen.

    Folge 2: Ein Tag im Mittelalter

    Sendedatum: Sonntag, 11. Dezember 2016, 19.30 Uhr

     

    Stab

    Buch: Jan Karitzky
    Szenenregie:
    Sigrun Laste
    Dokuregie:
    Thomas Lischak
    Regieassistenz:
    Kersten Köhn
    Jakob Althaus: Martin Rother
    Kamera: Jürgen Rehberg
    Kamera-Assistenz:
    Sebastian Ehrig
    Ton:
    Stephan Bruns
    Sounddesign & Tonmischung:
    Helen Neikes
    Schnitt:
    Stefan Leuschel
    CGI:
    Eike Wiechmann, Fritz Göran Vöpel, Jörg Barton, Roger Grein
    Szenenbild:
    Jost Brand-Hübner
    Ausstattung:
    Silke Sudau, Hannah Roolf
    Kostüme: Djanina Baykoucheva
    Maske:
    Sofi Davidova
    Sprecher:
    Klaus-Dieter Klebsch
    Wissenschaftliche Beratung:
    Prof. Dr. Kay-Peter Jankrift
    Mitarbeit:
    Arne Peisker, Ole Siebrecht, Frauke Gimbel
    Aufnahmeleitung:
    Nico Markert
    Herstellungsleitung: Jens Freels
    Produktionsleitung:
    Mirko Mikelskis, Tomas Makaras
    Produktionsassistenz: Greta Burkhardt, Alina Veit
    Produktionsleitung ZDF:
    Cora Szielasko, Freda Wiethoff
    Produzent: Jens Afflerbach
    Redaktion:
    Claudia Moroni
    Leitung: Georg Graffe
    Archive:
    WDR, Pond5, AncientBiotics / The University of Nottingham, Mittelalterliches Kriminalmuseum Rothenburg o. T.

    Eine Produktion von STORY HOUSE Productions GmbH im Auftrag des ZDF

     

    Inahlt

    Die zweite Folge der Terra X-Reihe "Ein Tag in…" erzählt, wie es gewesen wäre, im mittelalterlichen Frankfurt am Main zu leben. Der Film erzählt einen Tag im Leben des Wundarztes Jakob Althaus im Jahr 1454. Er beginnt mit einem frühmorgendlichen Notfall und endet mit einem nächtlichen Kneipenbesuch. Jakobs Geschichte ist erfunden, und dennoch ist sie wahr, recherchiert und verdichtet aus historischen Biographien und spektakulären Erkenntnissen der Forschung. Mit Hilfe von Wissenschaftlern rekonstruiert der Film das Alltagsleben im ausgehenden Mittelalter anhand der Figur von Jakob Althaus.

    Während das Heilige Römische Reich Deutscher Nation als zersplittertes Sammelsurium souveräner Territorien politisch im Mittelalter steckt, schlägt in Frankfurt bereits der Puls der neuen Zeit. Der Tuchhandel und die Messe haben die Stadt zum "Kaufhaus der Deutschen" gemacht, in dem Waren und Wissen aus aller Welt gehandelt werden. Ein gewisser Johannes Gutenberg stellt die technische Revolution der Zeit, den Buchdruck mit beweglichen Lettern, auch in Frankfurt vor. Als bedeutender Steuerzahler ist die freie Reichsstadt nur dem Kaiser untertan. Die Könige lassen sich in Frankfurt am Main wählen und später, wie die Kaiser auch, krönen.

    Aber wie weit Frankfurt im Alltag von den Standards einer modernen Stadt entfernt ist, haben Forscher herausgefunden. Das tägliche Leben folgt damals dem mittelalterlichen Weltbild von einer unantastbaren göttlichen Ordnung der Dinge. Erlasse, berufsständische Regelwerke der Zünfte und Benimmbücher regeln pedantisch den Alltag – von der Körperhygiene – Ärzte wie Jakob haben sich in jedem Fall aus Gründen der Höflichkeit die Hände zu waschen – bis zum Umgang mit der knöchelhoch stehenden Kloake auf den Straßen. Hat der angesammelte Unrat eine gewisse Höhe erreicht, wird einfach neues Pflaster verlegt.

    Wegen der Dunkelheit sind Unfälle im Haushalt an der Tagesordnung – eine typische Verletzungsursache in der mittelalterlichen Stadt, wie Forscher der Universität von Odense in Dänemark entdeckt haben. Dort befindet sich die größte Sammlung mittelalterlicher Knochen in Europa. Die Funde zeigen aber auch, dass Wundärzte des Mittelalters bereits komplizierte Verletzungen erstaunlich erfolgreich operieren. Nicht nur das: Ein Forscherteam der Universität von Nottingham entdeckt in einem mittelalterlichen Rezeptbuch die Beschreibung für eine Salbe, die sich in ersten Tests als hochwirksam gegen heutige, multiresistente Keime erweist.

    Gleichzeitig verändert der technische Fortschritt das Leben der Menschen und ihr Denken. Die mechanische Uhr definiert das Zeitverständnis und die Arbeitsbeziehungen neu. Und das kalte Wetter, das die "Kleine Eiszeit" nach Deutschland bringt, setzt den Erfindungsreichtum in Gang: Daunendecken, Glasfenster und Dämmung der Wände schützen seitdem gegen Kälte und Krankheiten im Alltag.

    Folge 3: Ein Tag in der Kaiserzeit

    Sendedatum: Sonntag, 18. Dezember 2016, 19.30 Uhr

     

    Stab

    Buch: Jochen Ruderer
    Szenenregie:
    Sigrun Laste
    Dokuregie: Thomas Lischak
    Regieassistenz:
    Antje Wellingerhof
    Minna Eschler: Lara-Maria Wichels
    Kamera:
    Jürgen Rehberg
    Kamera-Assistenz: Sebastian Ehrig
    Ton:
    Stephan Bruns
    Sounddesign & Tonmischung: Helen Neikes
    Schnitt:
    Ronald Rist
    CGI: Eike Wiechmann, Fritz Göran Vöpel, Jörg Barton, Roger Grein
    Szenenbild:
    Jost Brand-Hübner
    Ausstattung: Silke Sudau, Hannah Roolf, Sonja Beutelmann
    Kostüme:
    Djanina Baykoucheva
    Maske: Sofi Davidova, Daniela Blaschke
    Wissenschaftliche Beratung:
    Prof. Dr. Gunilla Budde
    Mitarbeit: Arne Peisker, Ole Siebrecht, Frauke Gimbel
    Aufnahmeleitung:
    Stefan Friese
    Herstellungsleitung: Jens Freels
    Produktionsleitung:
    Mirko Mikelskis, Tomas Makaras
    Produktionsassistenz: Greta Burkhardt, Alina Veit
    Produktionsleitung ZDF:
    Cora Szielasko, Freda Wiethoff
    Sprecher: Klaus-Dieter Klebsch
    Produzent:
    Jens Afflerbach
    Redaktion: Claudia Moroni
    Leitung:
    Georg Graffe
    Archive: Agentur Karl Höffkes, CHRONOS-MEDIA GmbH, Framepool history-vision.de

    Eine Produktion der STORY HOUSE Productions GmbH im Auftrag des ZDF

     

    Inhalt

    Die dritte Folge der Terra X-Reihe "Ein Tag in …" begleitet einen Tag lang das Dienstmädchen Minna Eschler im Jahr 1907 – vom Aufstehen bis zum Gutenacht-Gebet. Minnas Geschichte ist erfunden, und dennoch ist sie wahr, recherchiert und verdichtet aus einer Vielzahl historischer Biographien. Mit Forschern rekonstruiert der Film am Beispiel von Minna das Alltagsleben im Berlin der Kaiserzeit.

    Das Leben in der boomenden Metropole ist getragen von der Dynamik der Industrialisierung und des technischen Fortschritts sowie eines ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwungs. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten hat Berlin seine Einwohnerzahl verzehnfacht. Vor allem die arme Landbevölkerung aus dem Osten strömt zu Hunderttausenden in die Hauptstadt. Minna ist eine von ihnen, auf der Suche nach einer Zukunft, die sie in den bitterarmen Landstrichen Pommerns oder Schlesiens nicht hat.

    Die Strahlkraft Berlins zieht Minna in ihren Bann. Elektrizität lässt neuerdings die Schaufenster erstrahlen, auch die U-Bahn hat gerade ihren Betrieb aufgenommen. Auf den Straßen herrscht Chaos, denn das neuartige Automobil, damals häufig mit Elektromotor, trifft auf eine Stadt, die noch keine Verkehrsregeln kennt. Und die Straßen- und U-Bahnen bescheren ihren Fahrgästen ein weiteres, unerwartetes Problem: Angst vor Geschwindigkeit. Als Flaggschiff des bürgerlichen Wohlstands zieht das "Kaufhaus des Westens" die Menschen an. Die Stadt ist wie heute: voll, stressig und zugleich unwiderstehlich.

    Auch an Minnas Arbeitsplatz im Haushalt eines Stuhlrohrfabrikanten hält der Fortschritt Einzug. In der Küche gibt es neuartige Geräte – die erste elektrische Kaffeemaschine und einen strombetriebenen Eierkocher. Doch die Köpfe hängen noch in der alten Zeit. In der wilhelminischen Epoche funktioniert alles nach Befehl und Gehorsam. Die Hierarchien sind undurchlässig – in der Gesellschaft wie in der Familie. Neuankömmlinge wie Minna stehen ganz unten, nur knapp über Prostituierten und Kriminellen.

    Das prägt Minnas Leben. Sie schläft in einem 70 Zentimeter niedrigen Verschlag. Unter der Treppe, über der Haustür oder der Speisekammer bringen die Neureichen ihr Personal unter. Ihr Arbeitstag dauert 16 Stunden, nur alle zwei Wochen gibt es ein paar Stunden frei.

    Recherche und Ausstattung
    Werkstattbericht von Arne Peisker und Ole Siebrecht

    Falls in, sagen wir, tausend Jahren jemand auf die Idee kommt, einen Film über das Alltagsleben im Jahr 2016 zu machen, woher wird er sein Wissen beziehen? Großereignisse, die politische Lage, Kriege und Krisen werden dokumentiert sein. Aber unser Alltag mit seinen unzähligen Details? Es mag Anhaltspunkte geben, möglicherweise wird man bei Ausgrabungen auf gigantische Flächen stoßen und vermuten, dass es sich um heilige Orte gehandelt haben muss, zu denen die Menschen des frühen 21. Jahrhunderts zu Zehntausenden gepilgert sind - also Baumärkte, Fußballarenen oder Parkplätze eben. Aber sonst? Wesentliche Herausforderung bei der Rekonstruktion der Alltagsgeschichte des 21. Jahrhunderts wird sein, dass viele Informationen gar nicht mehr verfügbar sind, weil sie mehr und mehr digital gespeichert werden. Ein Medium, das flüchtiger ist, als die meisten archäologischen Funde älterer Herkunft. So hat jede Epoche ihre Herausforderungen.

    Nehmen wir das Alte Rom, in dem die erste Folge der "Terra X"-Reihe spielt. Das Klischee von der "ewigen Stadt" mit ihren Prunkbauten aus Marmor und Stein prägt unser Bild. So nehmen wir Rom Dank der modernen Archäologie, den Sandalenfilmen Hollywoods oder den "Asterix & Obelix"-Comics und natürlich Dank der Bildungsreisen unserer Tage wahr. Dabei lebten die normalen Römer natürlich weder im Kolosseum noch im Pantheon, sondern an Orten, die heute nicht mehr existieren. Wie die aussehen, haben Forscher mithilfe der experimentellen Archäologie rekonstruiert: Sie bauten römische Lehmziegelöfen nach und schlossen so auf das Bauprinzip der Mietskasernen, den Insulae.

    Wie dann tatsächlich gebaut wurde, zeigen Brandschutzvorschriften und Gerichtsakten. Sie zeigen, dass Baupfusch regierte. Allzu oft verbauten Hausbesitzer und Mietspekulanten billiges Fachwerk und Holz, errichteten die Hochhäuser dicht an dicht. So entstand das Bild einer Stadt, die weniger durch Prachtbauten, als durch wild wuchernde, enge Mietskasernen-Viertel geprägt wurde.

    Das ist die Lebenswelt des Feuerwehrmannes Pompeius Quintus Naso, der einen Tag im Jahre 80 begleitet wird. Die überlieferten Regularien der römischen Feuerwehr erlauben einen genauen Blick auf Kleidung, technische Ausstattung und Lebensweise. Was hat ein Feuerwehrmann gegessen (Brot, Wein, Gemüse, aber nur wenig Fleisch), wie hat er geredet (Vulgärlatein, dem heutigen Rumänisch nicht unähnlich), wo eingekauft (auf der Straße) oder die Toilette benutzt (auf öffentlichen Latrinen). Das alles wissen wir unter anderem wegen einer Naturkatastrophe von historischem Ausmaß. Beim Ausbruch des Vesuvs 79 nach Christus wurde das Alltagsleben der umliegenden Städte durch den rasend schnellen, heißen Aschestrom schockartig konserviert. In den erhaltenen Abwasserbecken fanden die Wissenschaftler vom weggeworfenen Ehering bis zu entsorgten Brotlaiben viele Details des römischen Lebens. Forscher wissen ziemlich genau, wie es in einer römischen Straße zuging, kennen die Lage der einzelnen Geschäfte, den täglichen Krawall um die subventionierten Brotrationen und die teils qualvolle Enge in den damals wie heute vielerorts maßlos überteuerten Wohnungen. 

    Das mittelalterliche Frankfurt wurde durch Kriege zerstört und mit ihm die meisten der ohnehin nicht besonders zahlreichen schriftlichen Quellen. Aber: Die wenigen erhaltenen Dokumente sind erstaunlich genau, auch, weil wegen des verbreiteten Analphabetismus viel gezeichnet und gemalt wurde. So gelang es dem Stadtmuseum Trier für seine sehgeschädigten Besucher eine sogenannte Schandmaske nachzubauen, deren metallische Form sich besonders gut ertasten lässt. Schandmasken waren Teil eines ausgeklügelten Strafenkatalogs im Mittelalter. Wesentliches Prinzip der Bestrafungen war, einen Menschen zu entehren, in dem man ihn und seine Verfehlung öffentlich vorführte. Der Pranger ist die bekannteste Methode, von Schandmasken wissen wir erst seit kurzem. Ein Trinker musste mitunter tagelang mit einer schweren, eisernen Schweinekopf-Maske herumlaufen. Lästermäuler bekamen eine Fratze aus Metall mit einer extra langen Zunge übergestülpt. Die Trierer Forscher stellten uns ihre wertvollen Stücke für unsere Dreharbeiten zur Verfügung. Erstaunlich, wie viele Spezialmuseen und Sammler in Deutschland die historischen Kuriositäten des Alltags bewahren und ihre Geschichte dokumentieren. Um die Ausrüstung unserer Hauptfigur, des Wundarztes Jakob Althaus, zu rekonstruieren, fanden wir Fachberatung bei einem Privatgelehrten, der auf Grundlage historischer Texte und Zeichnungen mittelalterliches Operationsbesteck originalgetreu nachgebaut hat – auch das kommt im Film über Frankfurt zum Einsatz.

    Besser dokumentiert ist das Leben in Berlin zur Zeit Kaiser Wilhelms. Dafür sorgen unter anderem Fotografien, die ein gewisser Heinrich Zille um die Jahrhundertwende angefertigt hat. Hingeworfen wie Schnappschüsse, haben sie als solide Glasnegative in der „Berlinischen Galerie“ überdauert. Sie zeigen das Berlin der Brandmauern, Jahrmärkte und Bretterbuden. Das „Miljöh“ der Kohlenhändler, Ringvereine und Prostituierten.

    Neben diesen Bilddokumenten haben erstaunlich viele Bauten, aber auch herrliche Einzelfundstücke die Zeitläufe überstanden. Vom Dentalmuseum Grimma wissen wir beispielsweise, dass das Dienstmädchen Minna Eschler ihre Zähne zwar wie wir heute mit einer Bürste putzte, allerdings bestand diese seinerzeit aus Knochen und Tierborsten und musste mindestens zehn Jahre halten. Für die Dreharbeiten stellte uns der Museumsbetreiber ein Original aus der Zeit zur Verfügung.

    Den ersten Kaffee des Tages brühte das Dienstmädchen nicht für sich selbst, sondern für die Herrschaft auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts eroberten Elektrogeräte zunehmend die Haushalte derer, die es sich leisten konnten. Welche Geräte damals bereits erhältlich waren, ließ sich in den alten Dokumenten von AEG, Siemens und Co schnell herausfinden. Doch die Beschaffung von Originalstücken für die Dreharbeiten war umso schwieriger. Schließlich sprechen wir hier von den ersten Elektrogeräten der Geschichte. Das Energie-Museum Berlin, das von unserem Projekt begeistert war, stellte uns schließlich unter anderem eine der ersten elektrischen Kaffeemaschinen der Welt zur Verfügung.

    Im Berliner Bezirk Pankow, einst Speckgürtel und Wohnort der reichen Industrie-Elite, bewahrten und rekonstruierten Denkmalpfleger und Historiker eine repräsentative Stadtwohnung der Gründerzeit bis hin zum originalgetreuen Türgriff aus Messing. Für uns Vorlage für die szenischen Dreharbeiten im historischen Gutshaus Prebberede, das – ein Glücksfall – exakt aus unserer Zeit stammt, das allerdings vom rustikalen Landsitz zur pompösen Stadtwohnung umgestaltet werden musste.

    Eine Serie, in der die Details stimmen, braucht auch eine glaubwürdige und eindrucksvolle Kulisse. Deshalb fanden die szenischen Dreharbeiten in Ermangelung von heute noch erhaltenen Originalschauplätzen zu weiten Teilen in den Filmstudios Babelsberg und Sofia statt. Mit einer Ausnahme: Wer drehen will, wie eng die Lebensverhältnisse im Mittelalter waren, reist am besten in den Harz, wo die Bausubstanz und Architektur der Häuser nahezu unverändert ist. Die freundliche Stadtverwaltung und Bürger von Stolberg unterstützten uns bei unseren Dreharbeiten – so wie zahlreiche Wissenschaftler, Fachberater und auch Privatpersonen, ohne deren Hilfe das große Unterfangen, den Alltag verschiedener historischer Epochen für Terra X erlebbar zu machen, nicht möglich gewesen wäre.

    Drittes bedeutendes VR-Projekt - "Gladiatoren im Kolosseum"

    Stab

    Regie: Jörg Courtial
    Produzentin:
    Maria Courtial
    Redaktion:
    Kristen Bode

     

    Im Kolosseum den Kampf der Gladiatoren hautnah erleben!

    Ein aufwändiges VR-Projekt startet im Netz parallel zur Fernsehsendung "Terra X - Ein Tag im Alten Rom" am 4. Dezember 2016. Zu den spektakulärsten Erlebnissen, die das Alte Rom bereithielt, gehörte es, bei einem Gladiatorenkampf im Kolosseum live dabei zu sein. Auch für heutige "Terra X"-Nutzer wird das nun möglich: Der 360 Grad-3D- Film von "Terra X", "Gladiatoren im Kolosseum", nimmt den User mit in die Zeit um 80 n. Chr. und lässt ihn die Kämpfe hautnah miterleben. Der Betrachter fährt aus dem Dunkel der Katakomben und seinen unheimlichen Geräuschen mit einem Fahrstuhl direkt in die mit Zuschauern voll besetzte Arena und erfährt im 360-Grad-Blick eindrucksvoll die Größe und Pracht des gewaltigen Bauwerks. Gleichzeitig sieht er sich von Gladiatoren umringt, die ihn in ihre Kämpfe praktisch einbeziehen. Dann wechselt die Perspektive und man findet sich in der Kaiserloge im Kreis der Mächtigen der damaligen Zeit und umgeben von zehntausenden Zuschauern. Hier wird die Entscheidung über Leben oder Tod der Unterlegenen gefällt

    Das Kolosseum wurde für diesen Film fotorealistisch und detailgetreu nachgebildet. Es ist das berühmteste Amphitheater der Welt und wurde 80 n. Chr. durch Kaiser Titus im Herzen Roms eröffnet. Seinen Namen Kolosseum erhielt es übrigens erst im Mittelalter, nach einer Kolossalstatue Neros, die in der unmittelbaren Umgebung stand. Fest verbunden ist das Gebäude mit den aufwendigen Gladiatorenspektakeln, welche die Römer so sehr liebten, und die eng mit unserem Verständnis römischer Kultur verbunden sind.

     

    Das dritte bedeutende VR-Projekt von Terra X

    Es ist bereits das dritte aufwändige und innovative VR-Projekt von Terra X. Im Oktober 2015 wurde "Vulkane in 3D und 360°" live gestellt. Der komplett mithilfe von Computergrafiken gestaltete knapp vierminütige Film wurde mehrfach nominiert und erhielt im September 2016 den Goldenen Panda (Kategorie Web Documentary). Im September 2016 wurde begleitend zum Terra X –Film "Mythos Wolfskind" der VR-Clip "Die Geschichte des Dschungelbuchs" veröffentlicht, ein zwölf-minütiger Kombinationsfilm von 360°/2D-Bildern, der den Zuschauer in die farbenprächtige Welt Indiens entführt. Mit dem neuen VR-Projekt, einer Kombination fotorealistischer Computergrafiken und Reenactments, entwickelt die Redaktion das dokumentarische Erzählen im 360°-Raum nun konsequent weiter und ermöglicht es dem User in wohl einzigartiger Intensität eine emotionale Zeitreise anzutreten und so in eine entfernte Welt einzutauchen.

    Die Filme sind unter terra-x.de und vr.zdf.de zu finden – wo sie mithilfe der Maus navigiert werden können. Wer mit einer VR-Brille die Filme immersiv erleben möchte, kann dies mithilfe der ZDF VR-App tun (für Android und iOS erhältlich). Durch die Kopfbewegung können die User mit einer solchen Brille Bildausschnitt und Blickrichtung selbst bestimmen und so in die virtuelle Welt eintauchen. 

     

    Hintergrundfakten über Gladiatoren

    Das Kolosseum fasste ca. 50 000 Zuschauer und wurde 80 n. Chr. von Kaiser Titus eingeweiht. Schon das Gebäude selbst ist eine Meisterleistung. Errichtet aus 100 000 Kubikmeter Travertingestein ragt es 48 Meter in die Höhe. Auf 2,4 Hektar fanden in dem Amphitheater 50 000 Menschen Platz. Die 85 mal 54 Meter große "Bühne" im Format 5:3 war mit Sand bedeckt – lateinisch "harena", daher der Begriff "Arena". Finanziert wurde der Superbau mit der Kriegsbeute aus dem Jerusalemer Tempelschatz. Vieles im Kolosseum ist modern: Es gab Platzkarten und Platzanweiser ("designatores"), bewaffnete Diener sorgten für Sicherheit, gerade, wenn wilde Tiere in die Arena kamen.

    Der Kaiser, der als "editor" die Spiele ausrichtete, scheute keine Mühen, die Bürger Roms zu unterhalten. Mitunter lag bunter Sand in der Arena, ein Sonnensegel schützte vor Hitze und Parfüm wurde versprüht. Besonders beliebt war die kaiserliche Lotterie, bei der Geschenkbälle in die Menge geworfen wurden, die man gegen Preise wie Essen, Kleidung, oder sogar Sklaven eintauschen konnte.

    Gladiatoren ("Schwertkämpfer", der Begriff leitet sich von "gladius" ab, dem römischen Armeeschwert), waren ein Faszinosum für die Römer. Außerhalb der Arena als Sklaven verachtet, waren sie im sandigen Oval des Amphitheaters absolute Superstars. Keineswegs waren sie "Todgeweihte", wie uns das Klischee glauben macht. Wissenschaftler vermuten heute, dass nur eines von sechs Gefechten tödlich endete. Denn gute Gladiatoren waren teuer. Wie Spitzensportler trainierten sie  jahrelang für ihre Kämpfe, um dem verwöhnten Publikum möglichst spektakuläre Gefechte zu bieten. Obgleich sie als Sklaven dem Willen ihrer Herren (und den Launen des Publikums) bedingungslos unterworfen waren, konnte ein erfolgreicher Gladiator Karriere machen, Ruhm und Reichtum erlangen, ja sogar die Freiheit finden, wenn er die blutigen Spektakel fünf Jahre lang überstand.

    Der Kampf der Gladiatoren war kein wildes Gemetzel, sondern ein von einem Regelwerk bestimmter Kampf – die lex pugnandi, die leider nur in Teilen überliefert ist. Es gab sogar Schiedsrichter ("summa rudis" und "secunda rudis"), die für ein regelkonformes Gefecht sorgten und aufpassten, dass die Duelle nicht zu schnell endeten.

    Gladiatoren wurden in speziellen Gladiatorenschulen ("ludus") ausgebildet und von einem Manager ("lanista") gegen Geld vermietet. Der Lanista musste auch entschädigt werden, wenn einer seiner mühevoll ausgebildeten Kämpfer zu Tode kam.

    Gladiatorengefechte dauerten wohl nicht mehr als zehn bis 15 Minuten, da die Ausrüstung bis zu 20 Kilogramm wog. Wer gut kämpfte und keine Feigheit zeigte, durfte aber auf die Gnade des Publikums hoffen. Über 400 Jahre hielten die Römer den Betrieb im Kolosseum aufrecht. 532 n. Chr. endet aber auch die letzte Show.

    Making-of  "Gladiatoren im Kolosseum"
    Von Maria und Jörg Courtial

    Dieser VR-Film war in jeder Hinsicht eine besondere Herausforderung! Was an Qualität und Intensität bei diesem faszinierenden Thema möglich war, wollten wir erreichen. Nach dem rein virtuell erstellten VR-Projekt „Vulkane“ lag diesmal die größte Herausforderung im Realdreh für den VR-Raum. Es gab und gibt noch keine zufriedenstellenden Lösungen für Realfilm in Stereo 3D und 360°. Nichts war in diesem Projekt normal oder gewohnt, alles war neu, musste erfunden oder zumindest hinterfragt werden:

    Gladiatoren

    Woher bekommt man Gladiatoren mit Kampferfahrung? Auf der Suche nach der bestmöglichen Darstellungsform mit erfahrenen Kämpfern in diesen sehr speziellen Disziplinen wurde eine Gladiatorenschule ausgewählt (ja, es gibt tatsächlich Gladiatorenschulen in Deutschland!). Während des späteren Realdrehs wurde bestätigt, dass wir die absolut richtige Entscheidung getroffen hatten. Die beiden Gladiatoren waren mit einer solchen Präzision und Intensität bei der Sache, dass sogar zwischenzeitlich einer der beiden durch einen gezielten Schlag kurzfristig bewusstlos am Boden lag. Gedreht wurde der Gladiatorenkampf in einer Reithalle. Sandboden ist für Gladiatoren unverzichtbar.

    Dreh

    Um die maximale Nähe zum Schauspieler zu erreichen, wurde ein Kamerasystem entwickelt, das die menschliche Wahrnehmung imitiert. Das System sieht den gesamten realen Raum, so wie ein Mensch diesen mit seinen zwei Augen wahrnehmen würde. Das heißt, das gesamte Filmset repräsentiert punktgenau den späteren VR-Raum. Die Position jedes Gegenstandes, jedes Schauspielers, jeder Aktion musste dazu penibel genau ausgemessen und in allen Dimensionen exakt positioniert werden.

    Vor Beginn der Dreharbeiten galt es, Lösungen für verschiedene Probleme der menschlichen Wahrnehmung im VR-Raum zu finden. Darunter Fragen wie: „Wie steuere ich den Blick des Betrachters? Wird der Zuschauer den Film im Sitzen oder im Stehen ansehen?“ All das, was im klassischen Film keinerlei Relevanz hat, stellt im VR-Film eine dramaturgische Herausforderung dar. Beispielsweise stellen wir, körperlos im dreidimensionalen VR-Raum, verblüfft fest, dass der vor uns agierende 1,90 Meter große Schauspieler, während wir uns hinsetzen, auf Zwergengröße zu schrumpfen scheint. Nach vielen Tests wurde die Kamerahöhe auf 1,40 Meter festgelegt. Ein Kompromiss, um die Dimensionen sowohl aus der Sitzposition als auch im Stehen optimal zu erfassen.

    Während bei den Gladiatoren die Bewegung des Kampfes und die Nähe zur Kamera den Dreh erschwerte, waren es diesmal die Vielzahl der Menschen und ihre Positionen in der Kaiserloge, die sich nicht überschneiden durften.  Fast alle Personen wurden einzeln gedreht, jede Person hatte einen markierten Punkt am Boden, teils auch in einer bestimmten Höhe, so dass der Abstand zur Kamera im späteren virtuellen Set hiermit übereinstimmte.  Mit Laszlo Kish hatten wir einen wunderbaren Darsteller des Kaisers Titus, der auch bei der x-ten Wiederholung nicht die Ruhe verlor: Bei seinem Gang zur Brüstung der Kaiserloge ging es um wenige Zentimeter, die in der Schlussposition einzuhalten waren, während der Darstellung und ohne Blick auf den Boden.

    Ausstattung

    So wie bei der Rekonstruktion des Kolosseums war uns die historische Genauigkeit auch bei Kostümen und Ausstattung sehr wichtig: In Zusammenarbeit mit einer Gruppe, die die militärischen und auch zivilen Gepflogenheiten  der Römer in experimenteller Archäologie lebt, war dies möglich. Kaiser und Senatoren haben während des Realdrehs beispielsweise eine damals beliebte, sehr aufwändige Toga in großer Stofffülle mit bis zu 15 qm handgewebtem Wollstoff und sorgfältig gelegtem Faltenwurf getragen.

    CGI

    Parallel zu den Realszenen wurden die späteren Kulissen aufwändig im Computer erzeugt. In monatelanger Arbeit wuchs das Modell einer Romkulisse und das Innere des Kolosseums in einem bisher nicht gesehenen Detailgrad. Fast nebenbei entstand durch die Beschäftigung mit dem 3D-Modell ein völlig neuer Ansatz zur Konstruktion und Funktion der gewaltigen Sonnensegel des Kolosseums.

    Im finalen aufwändigen Compositingprozess wurden schließlich beide Welten vereinigt. Die real, positionsgenau aufgezeichneten Darsteller wurden als freigestellte Grafikebenen mit der komplett digital erzeugten Umgebung des Kolosseums kombiniert.

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