Terra X: Expedition Europa

Zweiteilige Dokumentation

Europa ist vielfältig und die Naturgeschichte seiner Landschaften reicht weit in die Vergangenheit zurück. Geologe Prof. Colin Devey, der für "Terra X" auch "Expedition Deutschland" präsentierte, begibt sich auf eine erdgeschichtliche Expedition durch Europa. Sein Weg beginnt in Schottland bei den ältesten Gesteinen und endet am Vesuv, der mit seinem Ausbruch 79 n. Chr. für die gigantischen Kräfte der Erde steht. Zahlreiche Computeranimationen verwoben mit den heutigen Landschaften geben Einblicke in die Vorgänge der Erdgeschichte. Die Zuschauer können miterleben, wie sich viele Landschaften über Jahrmillionen entwickelt haben.

  • ZDF, Sonntag, 6., und Sonntag, 13. Januar 2019, jeweils 19.30 Uhr

Texte

Stab

Buch und Regie: Ralf Blasius
Co-Autorin:
Mona Haffner
Kamera:
Ricardo Esteban Garzon Mesa
Zusätzliche Kamera:
Garrit Pieper, Ciaran Ryan, Boas Schwarz
Animation und Grafik:
Kawom!, Wolfgang Morell, Leif Kähler, Minh Nguyen, Maria Pichura
Schnitt und Farbkorrektur:
Lodur Tettenborn
Sound Design und Mischung:
Peer Hoffmann, Fabian Helpenstein
Sprecher:
Constantin von Westphalen
Musik:
Jörg Magnus Pfeil, Siggi Mueller
Fachberatung
: Colin Devey, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel / Ian W. D. Dalziel, The University of Texas at Austin / Gérard Maurice Stampfli, Universität Lausanne / Eberhard Frey, Naturkundemuseum Karlsruhe / Octávio Mateus, Universität Lissabon / Anna Soboleva, Geologisches Institut von Komi / AWI Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven / Wildpark Bad Mergentheim / Johannes Röhl, Wittgenstein Berleburg'sche Rentkammer / Toni Eichler / Ulf Linnemann, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Dresden / Fritz Schlunegger, Universität Bern / Christian Mititelu, WWF Rumänien / Matthias Harzhauser, Naturhistorisches Museum Wien / Achim Brauer, GFZ Potsdam / Claudio Scarpati, Universität Neapel Frederico II / Wildpark Bad Mergentheim
Produktionsleitung:
Wolfram Giese (K22film), Linette Zaulich (K22film), Freda Adilovic (ZDF), Cora Szielasko-Schulz (ZDF)
Redaktion:
Renate Marel
Länge:
2 x zirka 43 Minuten

1. Geburt eines Kontinents

Sonntag, 6. Januar 2019, 19.30 Uhr

Terra X: Expedition Europa

1. Geburt eines Kontinents

Im der ersten Folge der zweiteiligen Expedition ist Colin Devey auf der Suche nach den Ursprüngen des europäischen Kontinents. Auf der schottischen Insel Lewis findet er die ältesten Gesteine Europas. Sie bilden das Fundament der schottischen Highlands. Ein Ausflug zum berühmten Loch Ness lässt den lang gezogenen See als Teil einer uralten Plattengrenze erkennen, die sich quer über die Nordhalbkugel zieht.

Auch in den zentralen Regionen Europas ist naturgeschichtlich eine Menge passiert. Viele dieser Gebiete gehörten zu den Rändern zweier Ur-Erdteile – Gondwana und Laurussia, die vor 350 Millionen Jahren aufeinandertrafen und ein riesiges Gebirge bildeten. Ihre heutigen Überreste, die Mittelgebirge, gehören zu den schönsten Landschaften Europas: Naturräume, die vielen Tieren einen Rückzugsort im dicht besiedelten Europa bieten. Colin Devey findet die geografische Mitte der europäischen Landmasse in den Wäldern des Böhmerwaldes.

Ganz im Südwesten des heutigen Europas liegt die Atlantikküste Portugals. Doch die eigentliche Begrenzung findet sich viel weiter westlich, mitten im Atlantik. Colin Devey taucht in die Unterwasserwelt der Azoren ein, in einen Hotspot der Artenvielfalt. Der Grund für den Lebensreichtum ist der Mittelatlantische Rücken, ein riesiges Unterwassergebirge. Genau dort trennte sich Europa von Amerika vor über 200 Millionen Jahren. Noch heute rücken die Platten der beiden Kontinente messbar auseinander.

Vom äußersten Westen führt es den Geologen schließlich an die Ostgrenze Europas – den Ural. Hier untersucht Colin Devey mitten im Winter ein ganz besonderes Naturdenkmal: die sieben Felsen von Manpupuner. Die Entstehungsgeschichte der Säulen liegt weit zurück in der Kreidezeit.

2. Die Verwandlung des Kontinents

Sonntag, 13. Januar 2019, 19.30 Uhr

Terra X: Expedition Europa

2. Die Verwandlung des Kontinents

Im zweiten Teil seiner Expedition begibt sich der Geologe Colin Devey auf die Spuren eines urzeitlichen Ozeans – der Tethys. Denn es ist dieses sagenhafte "Ur-Meer", das mit der Entstehungsgeschichte vieler zentraleuropäischer Landschaften in Verbindung steht.

Colin Deveys erste Etappe ist das Elbsandsteingebirge mit seinen bizarren Stein-Formationen. Die Entstehungsgeschichte des Sandsteins begann in den flachen Uferbereichen des Tethysmeeres, das vor 100 Millionen Jahren Europa bedeckte. Riesige Meeressaurier waren in diesem Meer heimisch, genauso wie die Vorfahren heutiger Meeresschildkröten, Haie und Krokodile. Durch die Wanderung der afrikanischen Platte nach Norden hob sich das Land, das Tethysmeer zog sich zurück.

Über Jahrmillionen schob sich Afrika gegen Europa – es entstanden die Alpen. Colin Deveys nächstes Ziel. Das Matterhorn gehört zu den höchsten Bergen der Alpen. Seine markante Form macht es zu einem bekannten Monument der Natur. Erdgeschichtlich gesehen besteht es aus verschiedenen Kontinentalplatten, die übereinander geschoben wurden in einer Zeit, als Teile von Afrika mit Europa kollidierten. Bis heute kann man die Vorgänge dieser gigantischen Kollision an vielen Stellen in den Alpen nachvollziehen.

Am Rande dieses Geschehens entstanden ganz neue Gebiete: ausgedehnte Wasserwelten im Südosten des Kontinents. Colin Devey reist ins artenreiche Donaudelta und erklärt die Entstehung von Landbrücken und Meeresbecken.

Nicht weniger aufregend ist die Geschichte der Wüste Tabernas im Süden Spaniens. Salzliebende Pflanzen und kleine Tropfsteinformationen verraten, dass die Wüste einst der Boden eines Meeres war.
Nachdem Colin Devey in Island und im Doggerland an der Nordostküste Englands Spuren der Eiszeiten dokumentiert hat, reist er nach Italien, seiner letzten Station.

Am Fuße des berühmten Vesuv liegen die Ruinen einer alten Stadt: Pompeji. Im Jahre 79 begrub der Vesuv nach einer Explosion seine direkte Umgebung unter einer meterdicken heißen Aschewolke. Der römische Gelehrte Plinius der Jüngere beobachtete die Vorgänge und beschrieb sie. Dort, wo Menschen die Kraft der Naturgewalten erstmals analytisch beobachteten, endet die Expedition durch die Naturgeschichte Europas.

Sie sind Professor für Geologie, einer Wissenschaft, die sich vor allem mit Steinen und ihrer Geschichte beschäftigt. Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Steinen beschreiben?

Steine sind für mich ein lebendiger Teil der Landschaft. Ich versuche immer ihre Geschichte, ihre Zusammensetzung und Lage in der Landschaft zu verstehen. Sie sind Zeugen einer vergangenen Zeit auf der Erde, was mich fasziniert. Das macht mich zu einer Art Ur-Geschichts-Forscher.

Was hat Sie dazu gebracht, Geologe zu werden?

Mein Vater, der Sohn eines Kohlebergbauers und selbst Bergbauingenieur war, hat mich sehr beeinflusst. Als ich ein kleines Kind war, waren wir oft auf den Minenhalden auf der Suche nach Mineralien. Später haben wir Astronomie zusammen gemacht und sogar Teleskope selbst gebaut. Als ich dann über das Studium nachdachte, standen Geologie oder Astronomie zur Wahl. Leider bin ich ein Mathemuffel, damit schied Astronomie aus. Nun mache ich also Entdeckungen auf dem für die Menschen wichtigsten Himmelskörper – der Erde.

Wie findet man etwas über die Geschichte eines Steines heraus?

Steine speichern sehr viele Informationen über ihre Entstehung in ihrer Zusammensetzung. Das kann die Art von Mineralien sein, die sie enthalten – ein Stein aus reinem Kalk zum Beispiel wurde höchstwahrscheinlich im Meer abgelagert. Das kann die Größe der Mineralkörner sein – bei Sedimentgesteinen sind grobkörnige Exemplare in einer eher rauen Umgebung abgelagert worden. Oder auch die Form der Körner – eckige Körner sind nicht weit von ihrer Quelle transportiert worden, Sandkörner in Wüstendünen dagegen, die über Jahrtausenden hin- und her geweht wurden, sind meist völlig rund. Auch kann man aus der Relation eines Steins zu seiner Umgebung einiges ablesen: Wo in einer Gesteinsabfolge liegt er? Welcher Stein entstand vor und welcher nach ihm? Daraus lässt sich oft eine Geschichte der Erdentwicklung ableiten.

In der zweiteiligen Dokumentation "Terra X: Expedition Europa" erzählen Sie uns von der Naturgeschichte Europas. Haben Sie als Engländer eine besondere Beziehung zu diesem Erdteil?

Ich bin überzeugter Europäer, denn meine berufliche Laufbahn verdanke ich Europa. Ohne die europäische Freizügigkeit hätte ich vielleicht nie eine Karriere in Deutschland beginnen können. Und ich finde unseren Kontinent einfach faszinierend. Es gibt so viele wunderschöne Landschaften und so viele unterschiedliche Menschen. Am Tag nach der Brexit-Entscheidung habe ich meinen Antrag auf Einbürgerung in Kiel gestellt, dem glücklicherweise stattgegeben wurde.

Wenn es um die Bewegungen der Kontinente geht, spricht man über lange Zeiträume – Millionen von Jahren. Das liegt weit jenseits des Zeithorizontes eines Menschen. Wie kann man sich so etwas vorstellen?

Diese Zeiträume, von denen wir sprechen, sind kaum fassbar. Aber wir können die Bewegung der Kontinente in menschliche Maßstäbe fassen: Die Platten bewegen sich täglich ungefähr so schnell, wie ein Fingernagel wächst.

Welche sind die speziellen Herausforderungen, wenn man einen Film über so lange Zeiträume und so große Landschaften macht?

Sicherlich alles mit einem "roten Faden" zusammenzuhalten. Der Kontinent Europa hat sich über eine sehr lange Zeit zusammengesetzt. Die steinernen Zeugen davon sind weit verstreut. Die Drehbuchautoren Ralf Blasius und Mona Haffner mussten aus vielen einzelnen Fakten eine zusammenhängende und spannende Geschichte schreiben.

Warum ist es wichtig, solche Zusammenhänge, die mit unserem Leben erstmal nichts zu tun haben, zu verstehen und zu erklären?

Sie haben nur scheinbar nichts mit unserem täglichen Leben zu tun. Wenn man sich aber fragt "Warum verläuft diese Straße hier?", " Warum gibt es hier eine Stadt?", "Aus was besteht dieser Gegenstand?", dann liegt die Antwort fast immer in der Geologie. Insofern ist das Verständnis davon, wie ein Kontinent entstanden ist, jeden Tag relevant. Und je technologisierter unsere Gesellschaft wird, desto wichtiger ist es, die Fundamente, auf denen das alles steht, zu verstehen.

Was sagen Sie den Menschen, die behaupten die äußere Gestalt unsere Erde verändere sich nicht?

Machen Sie die Augen auf! Jeder Vulkanausbruch, jeder schmelzende Gletscher, jedes Erdbeben, jeder Wintersturm, der einen Strand wegspült, verändert die Erde nachhaltig. Längerfristig kann man wie wir in der Sendung die Veränderungen mit Fossilien gut belegen. Aber meistens sind die Menschen von der Dynamik unserer Erde überzeugt. Die Frage, die ich oft gestellt bekomme, ist eher, wie stark die Aktivitäten sein könnten.

Während der Dreharbeiten waren Sie an mehr als 40 verschiedenen Drehorten überall in Europa. Wo hat es ihnen am besten gefallen?

Fast jeder Drehort hatte seinen ganz eigenen Reiz. Ich war zum Beispiel bis dahin noch nie im Donaudelta gewesen und war überwältigt von der Lebensvielfalt dort. Nordschottland kannte ich dagegen aus der Kindheit sehr gut. Dennoch finde ich auch diese Landschaften immer wieder grandios. Und wir haben viele spannende, nette Leute überall kennengelernt. Von unserem Island-Führer Snorri, der mir das Gehen auf Steigeisen beigebracht hat, zu unserer Gastgeberin in der Schweiz, die als britischer Teenager ihrem Mann in die Alpen folgte und daher nur Englisch und Schweizerdeutsch sprach.

Sicherlich waren auch extreme Regionen dabei. War es denn irgendwo gefährlich?

Vor allem im Uralgebirge in Russland. Hier waren die Wetterbedingungen gewöhnungsbedürftig. Die Orientierung im Schneetreiben war nicht ohne – zum Teil haben wir so wenig sehen können, dass nur eine GPS-Position geholfen hat.

Sie arbeiten für das Forschungsinstitut Geomar in Kiel und sind viel unterwegs. Hilft das Reisen, um wissenschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen?

Besonders als Geowissenschaftler muss man die Zusammenhänge der Erde verstehen und das heißt bislang: an die Orte fahren und die Steine aufnehmen. In meinem Fall bedeutet das auch, dass ich als Meeresforscher zum Meeresboden fahren muss. Moderne Technologien, wie Virtual Reality, helfen bislang nur teilweise. Der Mensch nimmt nach wie vor die Verhältnisse vor Ort immer am besten auf.

Welche Projekte würden Sie noch reizen?

Ich finde die Beziehung der Geologie zu unserem täglichen Leben sehr spannend und allgegenwärtig. Daher fände ich es sehr interessant, den Menschen, zum Beispiel in weiteren Dokumentationen, die Leidenschaft für unseren Planeten und für die Forschung nahezubringen. Ich treffe immer wieder auf Wissenschaftler, die für die Forschung brennen. Dies zu zeigen und so eine Begeisterung für die Erde und all ihre Prozesse zu erwecken, finde ich sehr reizvoll.

Die Fragen stellte Ralf Blasius.

Biografie Prof. Colin Devey

Als Sohn eines Bergbauingenieurs gab es für Colin Devey immer nur einen Berufswunsch: Geologe werden und um die Welt reisen – immer dorthin, wo es extrem wird. Heute ist er an genau solchen Orten unterwegs, im Auftrag der Wissenschaft.

Colin Devey ist Professor für die Dynamik der Erdkruste am Geomar in Kiel. Nachdem er in London studiert und in Oxford über Vulkane in Westindien promoviert hatte, führte ihn die Meeresforschung in den Norden Deutschlands. Die Erkenntnisse der Tiefsee fesseln den Forscher nun seit fast 30 Jahren. An Bord von Forschungsschiffen wie der "Meteor" oder der "Merian" war Colin mehrere Wochen auf hoher See. 

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/terrax

Weitere Informationen

"Terra X" in der ZDFmediathek: terra-x.zdf.de

"Terra X" bei Youtube: https://bit.ly/2AK1f01

"Terra X" bei Facebook: https://facebook.com/ZDFterraX

"Terrax X" bei Instagram: https://instagram.com/terraX/

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