Terra X: Serengeti

Dreiteilige Dokumentation

Das ZDF zeigt die spannendsten und emotionalsten Geschichten des gleichnamigen BBC-Sechsteilers von John Downer in einer Weltpremiere. Die Dokureihe erzählt die Geschichte der Tiere des einzigartigen Weltnaturerbes Serengeti aus Sicht eines Geiers. Er schwebt über der Landschaft und gibt den Protagonisten Namen und Stimme. Die Dokumentationen wurden in einem privaten Reservat der Serengeti über zwei Jahre lang und mit zehn verschiedenen Kamerasystemen gedreht. Dem preisgekrönten Tierfilmer Downer sind atemberaubende Bilder gelungen, die den Zuschauern das Gefühl geben, hautnah dabei zu sein. 

  • ZDF, Ostersonntag, 21. April 2019, 19.30 Uhr / Ostermontag, 22. April 2019, 19.15 Uhr / Sonntag, 28. April 2019, 19.30 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Sonntag, 21. April 2019, jeweils am Tag der Sendung

    Texte

    Folge 1: Zeit des Anfangs

    Ostersonntag, 21. April 2019, 19.30 Uhr, ZDF
    ab Sonntag, 21. April 2019, ZDFmediathek

    Terra X: Serengeti

    Dreiteilige Dokumentation

    1. Zeit des Anfangs

    Film von John Downer
    Produziert von XIX Entertainment und John Downer Productions im Auftrag von BBC, Discovery Channel und BBC Studios Distribution
    Deutsche Bearbeitung: Michael Leja
    Redaktion ZDF: Ricarda Schlosshan
    Länge: 43'30''

    Wie fühlt sich eine Löwin, die ihre Jungen ganz alleine durchbringen muss? Wie verkraftet ein Pavian den Verlust der Geliebten? Erstmals erzählen Afrikas Tiere ihre Geschichte.

    Ihr Sprachrohr ist ein Geier, der über die Grassteppen der Serengeti kreist und die Abenteuer und Geheimnisse ihrer Bewohner im Blick hat. Die Tiere sind Protagonisten in einem Drama, das zugleich alle Elemente einer spektakulären Tierdokumentation enthält.

    Der erste Teil der Reihe beginnt nach dem großen Regen in der Serengeti. Nach und nach betreten die Protagonisten die Bühne: zuerst eine Löwenmutter, die sich gerade an ein Zebra heranpirscht. Im Gebüsch versteckt warten ihre vier Jungen darauf, dass sie zurückkommt. "Wenn sie nicht bald etwas reißt, werden die Kleinen verhungern", sagt der Geier und erzählt, warum die Löwenmutter - er nennt sie Kali - allein, ohne ihr Rudel, klarkommen muss und wie sie sich gegen Wasserbüffel und Warzenschweine behauptet. Erst, als ihre Schwester sich zu der Familie gesellt, kehrt Ruhe ein.

    Davon kann Pavian Rafiki nur träumen. Er hat ein Auge auf ein Weibchen geworfen, kommt aber nicht gegen den aggressiven Chef des Rudels an. "Aber Rafiki wird nicht aufgeben", weiß der Geier. Rafiki stellt seinen Mut unter Beweis, durchlebt tragische Momente und wird schließlich ungewollt Papa.

    Für die Elefantenkuh Nalla beginnt die Geschichte ganz erfreulich. Ihr Baby kommt auf die Welt, und wie üblich helfen die Tanten, wenn es unbeholfen im Matsch ausrutscht. Der Familiensinn der Elefantenkühe ist für den Kleinen überlebenswichtig: Als von einem Rudel hungriger Löwen Gefahr droht, bilden sie einen Schutzwall um das Junge. Der Geier erzählt die Schicksale der Tiere aus nächster Nähe: Es geht um den täglichen Kampf ums Überleben, um dramatische Wendungen, aber auch um die entspannten und amüsanten Momente eines Tierlebens in der Wildnis.

    Das ZDF zeigt mit "Serengeti" die spannendsten und emotionalsten Storys des gleichnamigen BBC-Sechsteilers von John Downer in einer Weltpremiere. Dem preisgekrönten Tierfilmer sind atemberaubende Bilder gelungen, die den Zuschauern das Gefühl geben, hautnah dabei zu sein. Selten haben Tierdokumentationen für so viel Gänsehaut und Spannung gesorgt. Die Dokumentationen wurden in einem privaten Reservat der Serengeti über zwei Jahre lang und mit zehn verschiedenen Kamerasystemen gedreht. Die Kameras waren für die Tiere nicht sichtbar, so dass die Filmer den Tieren über lange Zeit folgen und ihnen sehr nahe kommen konnten.

    Die Momente im Leben der Tiere konnten aus verschiedenen Blickwinkeln gefilmt werden. Das ermöglichte es erst, aus den tatsächlichen Situationen eine dramatische Handlung zu kreieren.

    Folge 2: Zeit der Wanderung

    Ostermontag, 22. April 2019, 19.15 Uhr, ZDF
    ab Montag, 22. April 2019, ZDFmediathek

    Terra X: Serengeti

    Dreiteilige Dokumentation

    2. Zeit der Wanderung

    Film von John Downer
    Produziert von XIX Entertainment und John Downer Productions im Auftrag von BBC, Discovery Channel und BBC Studios Distribution
    Deutsche Bearbeitung: Michael Leja
    Redaktion ZDF: Ricarda Schlosshan
    Länge: 60'

    Der zweite Teil der Reihe beginnt zu der Zeit der großen Tierwanderungen. Jedes Jahr ziehen zwei Millionen Zebras, Antilopen, Gnus, Büffel und Antilopen auf der Suche nach Nahrung und Wasser durch die Serengeti bis zu den Weiden im Norden des Nationalparks. Die Löwin Kali und ihre Jungen begleiten die Wanderer, und nicht nur sie. Auch andere Raubtiere wie Hyänen, Wildhunde und Leoparden heften sich den Herden an die Fersen. Das größte Hindernis auf dem Weg ist der Mara-Fluss, in dem erwartungsvoll die Krokodile auf Beute lauern. Hier kommt auch Löwenmutter Kali zum Zuge und kann ein Gnu für ihre Familie reißen. Als sie eines ihrer Jungen aber an einen Löwen mit dunkler Mähne verliert, weiß sie, dass sie den Schutz des Rudels braucht, um zu überleben. Zebramutter Tishala zögert lange, bevor sie mit ihrem Fohlen den Mara-Fluss durchquert. Dort gibt es so viele Krokodile, dass die Überlebenschancen gering scheinen. Als ihr Fohlen im Fluss abgetrieben wird, beginnt eine verzweifelte Suche. Auch Pavianmännchen Rafiki findet keine Ruhe. Der Chef  erträgt keinen Konkurrenten neben sich, es kommt zum Showdown zwischen den Rivalen. Doch der Alltag der Tiere enthält nicht nur dramatische Momente: Wenn der majestätische Löwe sich auf einen Baum zum Mittagsschläfchen zurückzieht und von Bienen verjagt wird oder wenn Mangusten die Löwin foppen, gibt es auch etwas zum Schmunzeln. 

    Folge 3: Zeit der Bewährung

    Sonntag, 28. April 2019, 19.30 Uhr, ZDF
    ab Sonntag, 28. April 2019, ZDFmediathek

    Terra X: Serengeti

    Dreiteilige Dokumentation

    3. Zeit der Bewährung

    Film von John Downer
    Produziert von XIX Entertainment und John Downer Productions im Auftrag von BBC, Discovery Channel und BBC Studios Distribution
    Deutsche Bearbeitung: Michael Leja
    Redaktion ZDF: Ricarda Schlosshan
    Länge: 43'30'' 

    Dürre und ein Buschfeuer bedrohen das Leben der Tiere in der Serengeti. Das trockene Gras brennt lichterloh. Löwin Kali, Pavian Rafiki, Elefantenkuh Nalla und ihr Baby laufen um ihr Leben. Es kommt zu dramatischen Szenen, Familien werden auseinandergerissen. Als der Regen kommt, stellen sich die Fragen: Wer fehlt, wer hat es geschafft?

    In der Trockenzeit sammeln sich die Tiere der Serengeti um das schwindende Wasserloch. Sie sind hungrig und aggressiv. Aasfresser wie Hyänen und Geier kommen auf ihre Kosten. Je mehr Wasser verdunstet, desto schlammiger werden Wasserlöcher und Flussbetten. Das Fohlen von Zebradame Tishala bleibt im Schlamm stecken, und es gelingt ihm nur mit größter Anstrengung, sich ins Trockene zu retten. Ein Gnu hat es nicht geschafft und wird von den Löwen verspeist. Die Warzenschweine mit ihren Frischlingen haben es da leichter, sie sind in ihrem Element. Aber überall lauern Gefahren: Nur knapp entkommt ein Warzenschwein einem hungrigen Leoparden.

    Als während eines Sturms ein Blitz in einen Baum einschlägt und die Savanne anfängt zu brennen, beginnt die große Flucht. In letzter Minute schafft es die Wildhundmutter, ihre Jungen zu finden und vor den Flammen zu retten. Das Pavianbaby hat sich auf einen Baum geflüchtet. Schon züngelt das Feuer am Stamm. Aber es gelingt Rafiki, den Kleinen herunterzuholen. Kali muss sich nicht nur vor dem Feuer in Sicherheit bringen, sondern auch noch zwei schwarzmähnige Löwen abwehren, die das Rudel übernehmen wollen. Nach dem Regen ist die Landschaft verkohlt. Lange wird es nicht dauern, bis sich die Natur wieder erholt.

    Und wie endet die Geschichte der Filmprotagonisten? Die drei verbliebenen Jungen von Löwin Kali haben überlebt, das Rudel aber formiert sich neu. Rafikis Kampf mit dem Pavian-Chef ist entschieden: Der Chef stirbt, Rafiki übernimmt das Rudel. Für die Elefanten wird es dramatisch: Nallas Baby verschwindet bei einer Flussüberquerung in den Fluten und kann nur knapp vor dem Ertrinken gerettet werden.

    Individualisierung – Personalisierung – "Vermenschlichung"?
    Warum uns ein Geier die Serengeti erklärt

    Ab und zu ist es gut, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues zu wagen. Scheinbar bekannte Fakten oder Stoffe aus ungewohnter Perspektive zu betrachten, kann sehr erfrischend und erfolgreich sein. Das hat der Siegeszug der Drohnen im Dokumentarfilm während der letzten Jahre bewiesen. Warum sollte, was für die Bildsprache gilt, nicht auch auf der textlichen Erzählebene funktionieren? Das haben sich unsere Kollegen von der BBC und von John Downer Productions gefragt und trafen eine mutige Entscheidung: Sie lassen die Tiere ihre Geschichten selbst erzählen. Eine geradezu revolutionäre Idee, schließlich handelt es sich bei dieser Highlight-Produktion nicht um einen Kinderfilm, sondern um eine millionenschwere seriöse Naturdokumentation.

    Lange wurde an Konzepten gebastelt, um Kitsch zu vermeiden, die biologisch-dokumentarische Erdung nicht zu gefährden und sich nicht dem Vorwurf der übertriebenen Vermenschlichung auszusetzen. Sind die beiden erstgenannten Argumente eher filmemacherisch-handwerklicher Ausrichtung, besitzt hingegen das dritte Argument eine ungeahnte Tiefenwirkung, denn es geht hierbei nicht nur um Stil und Anmutung, sondern ganz grundlegend um das Bild, das wir Menschen uns vom Tier machen – und das ist dringend erneuerungsbedürftig.

    Es mag zunächst skeptisch stimmen, wenn wir den Akteuren Namen geben. Doch das ist der erste Schritt, um das Tier als Individuum wahrzunehmen. Praktischerweise lassen sich so die Protagonisten besser voneinander unterscheiden. Jenseits dieser profanen Bedeutung steht das Tragen eines Namens für persönliche Identität, für eine Qualität, die den Tieren sehr lange vor allem von der Wissenschaft abgesprochen wurde. Viele Menschen jedoch, die mit Tieren eng zusammenlebten – Bauern, Hirten, Schäfer, später auch Haustierhalter – ahnten zumindest, dass in den Kreaturen mehr steckt als dumpfe Reaktionsbereitschaft. Rosamund Young, eine britische Öko-Landwirtin, hat es auf den Punkt gebracht: "Bloß weil wir nicht klug genug sind oder nicht genau genug hinsehen, um die Unterschiede zwischen einzelnen Ameisen, Schmetterlingen, Goldammern oder Kühen zu erkennen, gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass sie nicht existieren."

    Jeder, der mit Hunden, Katzen und Pferden, ja sogar mit Fischen vertraut ist, wird ohne Zögern Mrs. Young zustimmen und zahllose Anekdoten beitragen, die oft eine noch weiter reichende Ansicht über das Tier zu begründen versuchen. Bis vor wenigen Jahren haben viele Wissenschaftler derlei als gut gemeinte Schwärmerei abgetan. Doch der Vergleichenden Verhaltensforschung sind bisweilen weichenstellende Fehler unterlaufen, wie der Meeresbiologe Karsten Brensing jüngst dargelegt hat. Diese Erkenntnis hat zu einer fundamentalen Kehrtwende hinsichtlich der Einschätzung geistiger Fähigkeiten unserer nichtmenschlichen Verwandten geführt. Klar formuliert der Zoologe und Verhaltensbiologe Norbert Sachser den aktuellen Trend der Wissenschaft bereits im Titel seines Buches "Der Mensch im Tier – Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind". Sachser: "Wir sind wie sie (meint Schimpansen, Delfine u.a.; Anm.d.Red.) Wirbeltiere, gehören wie sie zur Klasse der Säugetiere und teilen mit ihnen ein vergleichbares Gehirn, Nerven und Hormonsystem. Da das Denken, Fühlen und Verhalten letztlich auf die Aktivitäten dieser Systeme zurückgeht, sind Lebewesen einander umso ähnlicher, je vergleichbarer sie darin sind."

    Inzwischen kommen in der Vergleichenden Verhaltensforschung und in der Kognitionsforschung Methoden zur Anwendung, die die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden versuchen. Heute weiß man, dass viele Tiere Gefühle wie Freude und Trauer empfinden, dass manche einen Sinn für Gerechtigkeit besitzen, dass sie lügen und tricksen, Freundschaften und Feindschaften unterhalten, dass sie vergeben können und, und, und ... Viele Tiere haben gute Auffassungsgaben, lernen, lösen teils komplizierte Probleme – nicht nur Säugetiere. Auch Vögel sind uns mental und intellektuell wesentlich ähnlicher, als lange Zeit gedacht. So stimmen wir in der "Terra X"-Redaktion mit unseren britischen Kollegen darin überein, einen Geier Kommentar und Moderation übernehmen zu lassen. Geier haben den bestmöglichen Überblick über die gesamte Serengeti, werden sehr alt und sammeln viel Lebenserfahrung. So sehen wir den sprechenden Vogel zwar als dramaturgischen Kniff, der aber – abgesehen von der verbalen Kommunikation – durchaus eine zu einem gewissen Maße wissenschaftlich begründete Berechtigung besitzt. Den Skeptikern sei der Meeresbiologe Carl Safina zitiert: "Als ich noch nicht so viel mit Hunden und anderen Tieren ... zu tun hatte, fand ich es töricht, wenn Leute von ihren Hunden als 'Familienmitgliedern' oder von anderen Tieren als ihren Freunden sprachen. Heute habe ich das Gefühl, dass es töricht ist, es nicht zu tun."

    Michael Leja, Redaktion "Terra X"

    "Um die Tierwelt zu beschützen, müssen wir uns um die Menschen kümmern"
    Interview mit Masegeri Tumbuya Rurai,
    Leiter des Projektes "Serengeti Ökosystemmanagement"

    Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt betreibt Naturschutz auf Bernhard Grzimeks Spuren. Herzstück ihrer Arbeit ist seit 60 Jahren der Schutz der Serengeti. Ein Bestandteil davon ist die Zusammenarbeit mit dem Community-Projekt "Serengeti-Ökosystemmanagement" in Tansania. Es geht darum, sowohl die Wildnis zu schützen als auch die Entwicklung der Menschen in den Gemeinden der Serengeti zu fördern.

    Was ist die größte Bedrohung für die Serengeti?

    Ein riesiges Problem sind die Wilderer. Sie jagen Gnus, und das hat Auswirkung auf die großen Tierwanderungen. In der Serengeti gibt es keine Zäune, und manchmal wandern die Gnus in die bewohnten Gebiete. Es ist einfach, sie zu erlegen, weil sie immer in großen Gruppen auftauchen. Der neueste Trend ist, sie nachts mit dem Motorrad zu jagen. Auch Büffel sind oft Opfer der Wilderer. Die Menschen in der Gegend sind arm. Sie essen das Fleisch oder verkaufen es. Unsere Aufgabe ist es, den Menschen Alternativen aufzuzeigen, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen können; sei es, dass sie Bienen halten oder Hühner züchten. Gleichzeitig ist es unser Ziel, dass sie sich selbst für den Erhalt der Serengeti engagieren und Botschafter des Naturschutzes werden. Die Tötung von Elefanten oder Nashörnern für den internationalen Handel mit Elfenbein und Horn bewegt sich da auf einem ganz anderen Kriminalitätslevel, gegen die gehen die Ranger im Park vor.

    Welche Tiere sind in der Serengeti besonders bedroht

    Das Spitzmaulnashorn war vor 20 Jahren fast ausgestorben. Jetzt gibt es wieder eine sich natürlich vermehrende Population.  Auch Elefanten sind seit zehn Jahren stark bedroht. Das hat international für Aufsehen gesorgt. Dank verschiedener Kooperationen der Regierung von Tansania mit diversen Regierungen und Naturschutzorganisationen steigt die Zahl der Elefanten in der Serengeti wieder. Auch der Wildhund war fast ausgerottet. Bei ihm war das Problem, dass die Hunde die Nutztierherden in den umliegenden Dörfern angegriffen haben. Es wurden aber gewaltige Anstrengungen unternommen, sie umzusiedeln, und jetzt erholen sich die Populationen.

    Macht sich der Klimawandel in der Serengeti bemerkbar?

    Allerdings. Die Regenzeit ändert sich und die Tierherden folgen dem Regen. Wenn er sich um ein paar Monate verzögert, wissen die Tiere nicht, wo sie hin sollen. Manche suchen dann außerhalb des Naturschutzgebietes nach Wasser und Nahrung. Es sind sogar Elefanten auf Kommunalland aufgetaucht.

    Sind Touristen ein Ärgernis für die Tiere?

    Eigentlich nicht. Wir haben jährlich bis zu 400.000 Besucher, sprechen aber über ein Gebiet, das knapp 15.000 Quadratkilometer groß ist. Allerdings müssen die Besucher besser gelenkt und koordiniert werden. Momentan kann es vorkommen, dass 20 Jeeps einen Leoparden auf einem Baum umzingeln. Leider wollen alle immer nur die Big Five sehen. Auch die Gruppengrößen können ein Problem sein: Seit kurzem kommen immer mehr Chinesen in Gruppen von bis zu 100 Personen. Hier gilt für uns: lieber weniger Touristen, die mit höheren Eintrittsgeldern etwas zum Naturschutz beitragen.

    Was sind die Aufgaben für die Zukunft?

    Armut ist die größte Herausforderung jetzt und in der Zukunft. Um die Tierwelt zu beschützen, müssen wir uns um die Menschen kümmern. Wir haben eine schnell wachsende Bevölkerung, Immigranten drängen an die Ränder des Nationalparks auf der Suche nach Weideland für ihre Nutztiere. Sie sind arm, wir müssen alles tun, um ihnen eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten und sie für die Belange des Naturschutzes zu gewinnen.

    Was ist ihr Motto?

    Da hatte Bernhard Grzimek schon Recht, die Serengeti stirbt nicht.  Aber wir brauchen Engagement auf internationaler Ebene, um den Nationalpark zu schützen.

    Die Fragen stellte Ricarda Schlosshan, Redaktion "Terra X".

    Die Serengeti - weites Land
    Von Autor Michael Leja, ZDF-Redaktion "Terra X"

    "Siringet", "seringetu" oder auch "sirengite" bedeutet "weites Land", und so nennen die Einheimischen die schier endlose Landschaft im Norden Tansanias. Eines der letzten noch weitgehend intakten Ökosysteme der Welt dehnt sich über etwa 30.000 Quadratkilometer zwischen dem Victoriasee im Westen und dem Großen Afrikanischen Grabenbruch (Rift Valley) im Osten aus. Davon stehen 14.763 Quadratkilometer im Serengeti-Nationalpark unter strengstem Schutz. Er ist nach dem Krüger-Nationalpark Südafrikas der zweitgrößte Nationalpark auf dem Schwarzen Kontinent und fast so groß wie Schleswig-Holstein. Umgeben ist der Park von mehreren "Game Reserves". In diesen Territorien genießen die Wildtiere ähnlichen Schutz wie in einem Nationalpark, doch ist hier eingeschränkte Nutzung durch die Landbevölkerung gestattet – bei gleichzeitigem Siedlungsverbot. Die "Game Reserves" dienen als Pufferzonen zwischen dem Nationalpark und den Wohngebieten der Menschen. Dieses System des Flächenmanagements hat eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele des Planeten gerettet: die weltweit größte Wanderung von Landtieren. Etwa zwei Millionen Gnus, Zebras und andere Huftiere ziehen dem Nahrungsangebot folgend durch das weite Land der Serengeti. Zusammen mit dem im Norden angrenzenden kenianischen Masai-Mara-Schutzgebiet erstreckt sich das so gesicherte Gebiet über eine Fläche, die fast so groß ist wie die Niederlande. Damit ist sichergestellt, dass die Herden, die die Grenzen des Nationalsparks überschreiten, auf ihrer über 1000 Kilometer langen Rundwanderung vor Habitatzerstörung und Wilderei weitgehend geschützt sind.   

    1951 gegründet, ist der Serengeti-Nationalpark der älteste Nationalpark Tansanias. Obwohl schon in den frühen 1880er-Jahren österreichische und deutsche Afrikaforscher die Region im damaligen Deutsch-Ostafrika erkundet und beschrieben haben, erlangte die Öffentlichkeit erst 1959 Kenntnis von diesem außergewöhnlichen Gebiet – durch den Oscar-gekrönten Dokumentarfilm "Serengeti darf nicht sterben" von Michael und Bernhard Grzimek. Nicht zuletzt dem unermüdlichen Engagement des damaligen Frankfurter Zoodirektors und seines Sohnes Michael ist die Bewahrung des Lebensraumes einer beispiellosen Tierwelt zu verdanken. Michael Grzimek kam am 10. Januar 1959 beim Absturz des "Fliegenden Zebras", einer Dornier Do-17, 24-jährig ums Leben. Das Flugzeug war mit einem Geier kollidiert.

    Bernhard Grzimek wurde scharf kritisiert, als er für "Serengeti darf nicht sterben" bei der Filmbewertungsstelle in Wiesbaden das Prädikat "wertvoll" beantragte mit der Begründung: "Die letzten Reste des afrikanischen Tierlebens sind ein kultureller Gemeinbesitz der ganzen Menschheit, genau wie unsere Kathedralen ...". Heute zählt die Serengeti unangefochten zu den spektakulärsten und berühmtesten Posten des UNESCO-Weltnaturerbes. Etwa drei Millionen größere Säugetiere machen die Serengeti zum wildreichsten Nationalpark der Welt. Hier leben nicht nur die riesigen Gnu- und Zebraherden. Auch Afrikas "Big Five" – Elefanten, Spitzmaulnashörner, Kaffernbüffel, Löwen und Leoparden – durchstreifen die Savanne. Neben den zahlreichen Großkatzen sorgen Geparde, Tüpfel- und Streifenhyänen, Servale, Schabrackenschakale und andere Fleischfresser für die weltweit höchste Dichte an Raubtieren. Diverse Gazellen und Antilopen, Paviane, Warzenschweine, Giraffen und um die 500 Vogelarten bevölkern den Park und tragen zum einzigartigen Charakter des Naturreservates bei.

    Fotos

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