Copyright: ZDF/[F] Thorsten Jander/Getty/[M] Serviceplan
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Tod von Freunden

Eine Serie von Friedemann Fromm

Im Zentrum des Familiendramas mit Thrillerelementen stehen eine deutsche und eine dänische Familie, deren bisheriges gemeinsames idyllisches Leben mit dem Verschwinden eines der Kinder aus den Fugen gerät. Autor und Regisseur Friedemann Fromm inszenierte die Mini-Serie mit jeweils anderem Fokus der einzelnen Protagonisten.

  • ZDF, Ab 7. Februar 2021, an vier Sonntagen, jeweils 22.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Sonntag, 7. Februar 2021, 10.00 Uhr (eine Pilot- und sechs weitere Folgen)

    Texte

    Ein Abgrund aus Verdacht, Versagen und Schuld

    Die Vorstellung, am Grab des eigenen Kindes zu stehen, gehört in das Reich elterlicher Albträume. Kaum noch vorstellbar ist es jedoch, wenn der Tod des Kindes naheliegend, aber vollkommen ungewiss ist, wenn Angst und Hoffnung ihr grauenhaftes Wechselspiel treiben und sich die Suche nach dem Kind mit dem Entdecken sorgsam gehüteter Geheimnisse mischt. 

    "Tod von Freunden" erzählt von dem Strudel an Ereignissen und Entdeckungen, dessen Sog zwei eng befreundete Familien in einen Abgrund aus Verdacht, Versagen und Schuld zieht.

    Simone Emmelius
    Hauptredaktionsleiterin Internationale Fiktion

    "Einer für alle. Alle für einen."

    (Einer für alle. Alle für einen. - Wahlspruch der "Drei Musketiere")

    "Tod von Freunden" erzählt von einer Idylle und einem Lebensentwurf wie aus dem Bilderbuch moderner Utopien: Auf der kleinen malerischen Ochseninsel mitten in der Flensburger Förde, im deutsch-dänischen Grenzgebiet, haben zwei befreundete Paare ihre Familien gegründet, die eng miteinander aufwachsen. Vier Erwachsene, vier Jugendliche. Patchwork 3.0.

    Als bei einem gemeinschaftlichen Segeltörn auf der aufgewühlten, nächtlichen Ostsee Kjell, einer der vier Teenager aus mysteriösen Gründen über Bord geht und verschollen bleibt, beginnt die Frage nach der Schuld alles zu überrollen, und das Fundament dieser Gemeinschaft ist bedroht.

    Wie in einem modernen Roman nimmt Friedemann Fromm in seiner Originalgeschichte multiple Perspektiven ein: Jedes Familienmitglied bekommt seinen eigenständigen erzählerischen Blick auf die Geschehnisse. Familie wird hier als ein lebendiger, sozialer, aber höchst zerbrechlicher Organismus gezeigt. Ein Ganzes, das deutlich mehr ist als die Summe seiner Teile. Auch der tiefgreifende und höchst aktuelle Generationenkonflikt rückt in der Geschichte in den Fokus. So gewinnt der sehr bewusst getaktete Erzählfluss dieser Miniserie durch die verhängnisvolle Schuld und das Unaussprechliche Geheimnis schnell an Rasanz und Dichte.

    Es ist eine folgenschwere Lüge, eine versteckte Waffe aus der Vergangenheit und das vielfache Echo eines Schusses, der einst einen Polizisten tötete, die den vermeintlich sicheren Rückzugsort der Familien zu einem Kartenhaus machen, das jeden Moment in sich zusammenzubrechen droht. "Ich will die Wahrheit!" – so formuliert es Bernd, der Vater des verschwundenen Jungen mehrfach anklagend. Aber – das zeigt Fromm hier mit großer Genauigkeit – die Wahrheit, die man sucht, muss man auch aushalten können.

    Die Inselexistenz der selbst gegründeten Großfamilie spiegelt die herausragende Kamera von Ralf Noack in seinem besonderen Augenmerk auf die Bilder des Wassers in all seinen Facetten von Lebenselixier bis Schreckenselement. Alles fließt hier – auch die liquide Zeit, die aus der Idylle schnell eine Isolation für alle werden lässt und verständlich macht, was ein Dichter einst mit "Niemand ist eine Insel" meinte. 

    Umso ein filigranes Erzählgewebe auf langer Strecke künstlerisch umzusetzen, braucht es Menschen, die sich den liebevollen Blick auf das Produkt bewahren und gleichzeitig langen Atem haben. Beides gilt hier für die Produzenten Michael Lehmann und Lisa Arndt von der Produktionsfirma "Letterbox Filmproduktion". Zum großen Glück für diese Serie gehört das fantastische und in jeder Hinsicht hochkarätige deutsch-dänische Ensemble, das jeder Figur das Leben einhaucht, das es braucht, um diesen menschlichen Havarien mit der nötigen Spannung, aber auch mit Vergnügen und Empathie zuzuschauen.

    Immer wieder durchdringt der Ausgangspunkt der Geschichte alles, was auf ihn folgt. Der "Point Of No Return" wird auch durch das Rettungssignal S.O.S. markiert, das folgenlos in der Nacht verhallt. Vielleicht steht der alte Code doch für "Save Our Souls"- wobei dann zu überlegen wäre, ob die verlorenen Seelen dieser atomisierten Lebensgemeinschaft überhaupt noch zu retten sind. Das Mantra des hochsensiblen Autisten Karl fasst den liebevollen, aber auch unbestechlichen Blick, den Friedemann Fromm auf das Zerbrechen der familiären Utopien wirft, in einem Satz zusammen und wandelt ihn in ein Prinzip, das wieder Hoffnung heißt: "Nichts geht verloren – auch nicht in einer Familie!"

    Wolfgang Feindt
    Hauptredaktion Internationale Fiktion, Redaktion Spielfilm und Serie - Koproduktion

    Daniel Blum
    Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie I

    "Eines meiner persönlichsten Projekte"
    Statement von Friedemann Fromm

    Zwei Familien haben sich gemeinsam ein Paradies geschaffen und leben einen weit verbreiteten Traum: die moderne Großfamilie, die Sippe, in der eine*r sich auf den/die andere*n verlassen kann und die Kinder in einer Struktur aufwachsen, die ihnen Halt und Geborgenheit gibt – bei allen Freiheiten.

    Was aber, wenn dieses Paradies auf einer fundamentalen Lüge aufgebaut wurde, wenn das Gift eines Familiengeheimnisses an den Fundamenten nagt, und ein tragischer Unfall das ganze Konstrukt in den Abgrund zu reißen droht? Was, wenn jeder und jede feststellen muss, dass ein Leben ganz ohne Lüge in diesem Paradies unmöglich ist – ebenso wie es unmöglich ist, sich der Verantwortung für das Geschehene zu entziehen? Ist ein Leben ohne die eine oder andere Lüge generell überhaupt möglich? Ist die Wahrheit bisweilen gefährlicher und zerstörerischer als die Lüge? Wo fängt Verantwortung an, und wo beginnt die Schuld? Und was macht das alles mit der Liebe, die gleichzeitig die einzige Lösung für alle Fragen wäre?

    Davon handelt "Tod von Freunden" – entstanden aus sehr privaten Gefühlen und Ängsten heraus, denen sich wahrscheinlich jeder Vater, jede Mutter irgendwann einmal stellen muss: Habe ich alles getan, damit meine Kinder glückliche Menschen werden können? Und kann ich mir selbst meine Fehler auf diesem Weg verzeihen?

    Diesen Fragen stellt sich die Geschichte in acht verschiedenen Perspektiven, die radikal persönlich sind, und sich gleichzeitig tiefer und tiefer in das dunkle Geheimnis des Paradieses bohren. Ist ein Paradies immer noch ein Paradies, wenn es auf einem Verrat und einer Lüge fußt? Wie kann man der Lüge entkommen, wenn man den richtigen Zeitpunkt für die Wahrheit verpasst hat?

    Es braucht viel Mut, Kraft und vielleicht auch Verzweiflung, um der Wahrheit ein Gesicht zu verleihen; und es braucht ebenso viel Mut, Kraft und vor allem Liebe, um das Leben danach anzunehmen.

    "Tod von Freunden" ist ein modernes Familiendrama mit Elementen des Film Noir. Modern sind nicht nur die Figuren, sondern auch die Erzählweise aus acht verschiedenen Blickpunkten – denen der Eltern und denen der Kinder. Jede Perspektive erzählt ein sehr persönliches Drama und treibt gleichzeitig die Geschichte Zug um Zug voran. Es gibt Folgen, die vom Scheitern handeln, von Lüge und Verrat. Andere handeln von der Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen, an etwas zu glauben, das man nicht sehen, sondern nur fühlen kann.

    "Tod von Freunden" ist eines meiner persönlichsten Projekte, entstanden aus meiner ureigenen Erfahrung als Vater und Freund. Und gleichzeitig ist es universell, da es nichts gibt, was uns alle so sehr verbindet, wie die Liebe zu unseren Kindern und die Sehnsucht nach Freundschaft und Liebe.

    Produktionsnotiz

    Mit "Tod von Freunden" gelingt unserem Autor und Regisseur Friedemann Fromm eine grandiose Mischung aus den Genres Familiendrama und Thriller, die aufgrund der horizontal erzählten Ereignisse und ihrer multiperspektivischen Erzählweise dramaturgisch internationales Niveau erreicht. Neben dieser besonderen Erzählperspektive überzeugt "Tod von Freunden" durch die visuelle Kraft. Kameramann Ralf Noack hat jeder Folge ein großartiges Bildkonzept mit einer ganz eigenen Ästhetik zugrunde gelegt, was sich auf Kontrast, Helligkeit, Farbbalance und vieles mehr auswirkt. Situationen, die bereits in früheren Episoden gezeigt wurden, geben dem Zuschauer dadurch ein völlig anderes Gefühl, je nachdem, wie die Figur es erlebt und diesen Moment empfindet. Wie er oder sie die Welt sieht und den Moment lebt, verändert buchstäblich die visuelle Realität. Außerdem gibt es unzählige Bildebenen, von Drohnenflügen, Unterwasseraufnahmen bis hin zu immer wieder nächtlichen Kamerafahrten, die einen feinfühligen Einsatz von Licht, Komposition und Farbe erforderten. Logistisch haben uns die Dreharbeiten auf dieser kleinen verwilderten Insel in der Flensburger Förde vor einige Herausforderungen gestellt, da dort außer ein paar Ruinen keine Infrastruktur vorhanden war. Wir mussten Räume nachbauen und alles mit dem Boot auf die Insel schaffen. Wir haben Hand in Hand mit der Naturschutzbehörde gearbeitet, da wir nach den Dreharbeiten alles wieder in den Originalzustand zurücksetzen mussten. Die Dreharbeiten auf der kleinen Ochseninsel waren etwas ganz Besonderes, weil wir die erste deutsche Produktion sind, die eine Dreherlaubnis für diesen sagenumwobenen Ort erhalten hat, dessen Geschichte bis ins frühe Mittelalter reicht. 

    Michael Lehmann, Produzent und Vors. Geschäftsführer der LETTERBOX FILMPRODUKTION

    Stab, Besetzung und Inhalt

    Buch und Regie   Friedemann Fromm
    KameraRalf Noack
    SchnittEva Schnare, Janina Gerkens
    MusikStefan Mertin, Mirko Michalzik
    SzenenbildFlorian Langmaack
    KostümbildMonika Hinz
    MaskeFrauke Pira, Chris Rossa, Kuno Schlegelmilch
    CastingMarion Haack, Rie Hedegaard (DK)
    TonMaarten van de Voort
    MischtonmeisterTorben Seemann
    HerstellungsleitungAndreas Knoblauch
    ProduktionsleitungFrank Mähr
    Executive  ProducerJan Bennemann (Dynamic Television)
    ProduzentenMichael Lehmann, Andreas, Knoblauch, Lisa Arndt, Christian Friedrichs (Letterbox Filmproduktion)
    RedaktionWolfgang Feindt, Daniel Blum
    Länge1 x ca. 116 Minuten
    1 x ca. 119 Minuten
    1 x ca. 114 Minuten
    1 x ca. 123 Minuten

     

    Eine Produktion der LETTERBOX FILMPRODUKTION in Koproduktion mit ZDF in Zusammenarbeit mit Dynamic Television gefördert mit Mitteln der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH und dem German Motion Picture Fund.

     

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Bernd Küster   Jan Josef Liefers
    Sabine KüsterKatharina Schüttler
    Charlie JensenLene Maria Christensen
    Jakob JensenThure Lindhardt
    Cecile JensenMilena Tscharntke
    Emile Jensen Oskar Belton
    Kjell KüsterLukas Zumbrock
    Karl KüsterAnton Petzold
    JonasJacob Cedergren
    OleYuri Völsch
    Ida Jensen Solbjørg Højfeldt
    Gerda KüsterBrigitte Böttrich
    Kurt Küster Gerhard Garbers
    Hannes  Julius Nitschkoff
    Beamtin der Wasserschutzpolizei Patricia Schumann
    Frau Dr. TauberIdil Üner
    Claire Kim Riedle
    und andere

                              

    Inhalt

    Ein Paradies auf der malerischen Ochseninsel in der Flensburger Förde. Geschaffen von vier unzertrennlichen Freunden – Sabine und Bernd sowie Charlie und Jakob. Ein geborgenes Zuhause für eine selbstgewählte Großfamilie, gebaut auf Liebe, Vertrauen, Hingabe, Rücksicht und wahrer Freundschaft. Hier wachsen die vier Kinder der zwei Ehepaare wie Geschwister unbeschwert und behütet auf.

    Doch dann geschieht ein Unglück. Auf dem letzten Segeltörn des Jahres mit der "Orplid", dem gemeinsamen Schiff der Freunde, geht nachts bei schwerer See einer der Jugendlichen über Bord. Trotz intensiver Suche wird Kjell nicht gefunden. Weder tot noch lebendig.

    Gut gehütete Familiengeheimnisse kommen ans Licht und bringen Misstrauen, Zweifel und Trennung mit sich. Ein Unfall, der die Freunde an ihre Grenzen führt und zur Zerreißprobe für sie wird.

    Darüber, was eine solche Tragödie bei Menschen auslöst, und welche dunklen Geheimnisse und Lebenslügen sich hinter der glücklichen Fassade verbergen können, erzählt "Tod von Freunden". Jedes der acht Familienmitglieder bekommt hier seine eigenständige erzählerische Perspektive auf die dramatischen Geschehnisse, bei denen die Fragen aufgeworfen werden, wie wir mit der Wahrheit umgehen, welchen Wert Glück hat und was ein Paradies wert ist, das auf Lügen gebaut ist?

    Tod von Freunden - Sabine und Jakob (Sonntag, 7. Februar 2021, 22.15 Uhr)

    Ein Leben wie im Paradies – zwei Familien, die zu einer verschmolzen sind, leben einen Traum. Alles scheint perfekt auf der kleinen Ochseninsel, die der Legende nach von einer Prinzessin geschaffen wurde, die versuchte, über die Flensburger Förde zu springen und dabei kurz vor Dänemark ins Wasser fiel.

    Der Geburtstag ihres fast erwachsenen Sohnes Kjell ist für Sabine, ihren Mann Bernd und ihren zweiten Sohn Karl ein wirklicher Freudentag. Ihre engsten Freunde Charlie und Jakob und deren Kinder Cecile und Emile, mit denen sie seit fast zwanzig Jahren das Leben auf dem malerischen Eiland teilen, feiern natürlich mit – die vier Jugendlichen wirken wie Geschwister. Es scheint ein perfekter Moment zu sein, der besonders Sabine stolz und glücklich macht.

    Aber die Schatten der Vergangenheit werden lebendig als überraschend Jonas, Jakobs Bruder, in Flensburg auftaucht. In Sabine werden unheilvolle Erinnerungen wach. Doch Jonas ist nicht die einzige Bedrohung für das Paradies: Sabines Mann Bernd und ihre beste Freundin Charlie planen große Veränderungen mit dem gemeinsamen Architekturbüro, ohne ihren Ehepartnern etwas davon zu erzählen.

    In dieser fragilen Gemengelage passiert etwas, das Sabine sich nicht einmal in ihren schlimmsten Alpträumen hätte vorstellen können: Auf dem letzten Segeltörn des Jahres mit der "Orplid", dem gemeinsamen Schiff der Freunde, geht ihr Sohn Kjell nachts über Bord.

    Sabine wird von der Nachricht im Schlaf überrascht. Ihr bis dahin so sicher geglaubtes Leben bricht auseinander. Verzweifelt stemmt sich Sabine gegen die aufkommende Panik. Sie versucht – allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz – an das Überleben von Kjell zu glauben. Doch nach ein paar Tagen muss sie sich eingestehen, dass ihr Sohn nicht mehr lebend gefunden werden wird. Neben der unfassbaren Trauer über den Verlust, muss Sabine sich mit dem Misstrauen von Bernd auseinandersetzen, der Jakob verdächtigt, die Unwahrheit über den Hergang des Unfalls zu erzählen.

    Dazu kommt, dass Jonas immer mehr in Sabines Leben rückt, und sie Angst hat, dass der Unfall etwas mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu tun haben könnte. Sabine kämpft gegen das Misstrauen, und um den Zusammenhalt der Familien. Vor allem aber kämpft sie darum, das Paradies dieser Insel zu erhalten. Denn das ist lebensnotwendig für ihren autistischen Sohn Karl, der während des Unfalls mit an Bord war und seither schwer traumatisiert ist. Gerade als Sabine es vermeintlich geschafft hat, die Familien in der Trauer, um Kjell zu vereinen, wird klar: Jakob hat über den Hergang des Unfalls gelogen.

    Rückblende auf das Boot: Charlie nutzt die gemeinsame Nachtwache während des Segeltörns dazu, ihrem Mann Jakob von den großen Veränderungen in der gemeinsamen Firma mit Bernd zu erzählen. Doch für Jakob bricht eine Welt zusammen. Sie hatten einen anderen Deal. Er, der seiner Frau mit den Kindern den Rücken freigehalten hat, muss erkennen, wie wenig sie das zu schätzen weiß. Jakob lässt Charlie wutentbrannt allein und betrinkt sich in seiner Koje, wo er einschläft. Als er wach wird, merkt er, dass das Segelboot führerlos auf Autopiloten durch die Wellen steuert und niemand mehr auf Wache ist. Jakob ruft alle an Deck – doch einer fehlt. Nachts und in den Wellen ist Kjell nicht mehr zu finden.

    Um Charlie, die Kjell wegen einer Migräneattacke allein an Deck gelassen hat, zu schützen, beschließt Jakob, die Schuld an dem Unfall auf sich zu nehmen und sieht sich von diesem Moment an Bernds Misstrauen und seiner Wut ausgesetzt. Das Verhältnis der beiden Männer ist vergiftet.

    Jakob wiederum fängt an, seinen Schmerz und seine Trauer in seiner Kunst zu verarbeiten. Doch je mehr er in seiner Kunst und dem Alkohol abtaucht, desto mehr verliert er seine Frau und Kinder aus dem Blick. Als Bernd ihn mit neuen Erkenntnissen zum Unfallhergang konfrontiert und massiv angreift, eskaliert die Situation.

    Tod von Freunden - Cecile und Bernd (Sonntag, 14. Februar 2021, 22.15 Uhr)

    Als Cecile zufällig während des großen Kajakpolo-Turniers auf ihren verschollenen Onkel Jonas trifft, ist sie fasziniert von seiner mysteriösen Ausstrahlung und ahnt sofort, dass es hier Geheimnisse zu entdecken gibt. Gemeinsam mit Kjell hängt sie in Jonas' cooler Bar ab. Sie kommen das erste Mal in Kontakt mit Drogen und verlieben sich unsterblich ineinander.

    Kjell möchte dies erst einmal vor allen anderen geheim halten, sein Geschenk mit niemandem teilen. Cecile lässt sich ihm zuliebe auf die Geheimniskrämerei ein. Aus einer Laune heraus und weil sie ihre Eltern provozieren möchte, lädt Cecile Jonas zum großen Sommerfest auf der Insel ein, nicht ahnend, welche Katastrophe sie damit auslösen wird. Sie belauscht das Gespräch zwischen Sabine, Jakob und Jonas und muss erfahren, dass Jonas der Einzige ist, der das Geheimnis von Sabine und Jakob kennt: Kjell ist nicht Bernds Sohn, sondern Jakobs.

    Für Cecile bricht eine Welt zusammen. Nicht nur, dass sie in ihren eigenen Bruder verliebt ist, mit ihm geschlafen hat – ist sie auch von ihren Eltern 16 Jahre lang angelogen worden. Wut, Scham, Ekel, aber auch Angst bestimmen plötzlich ihr Leben, und sie hat das Gefühl mit niemandem darüber sprechen zu können. Doch bei einem gemeinsamen Segeltrip offenbart sie Kjell das Geheimnis. Wutentbrannt stürmt der aus Ceciles Kabine – und geht kurz darauf über Bord.

    Zusätzlich zu ihrem Geheimnis muss Cecile jetzt auch mit dem Gefühl leben, schuld an Kjells Unfall zu sein. Hat er ihretwegen vielleicht Selbstmord begangen?

    Bernds Weg zur Versöhnung mit Jakob erfährt einen jähen Dämpfer, als Karl verstörende Bemerkungen darüber macht, was in der Nacht des Unfalls passiert ist. Karls Äußerungen passen nicht mit der Version von Jakob und Charlie zusammen. Sofort ist Bernds Misstrauen erwacht, und er bohrt immer tiefer nach der Wahrheit. Das isoliert ihn zunehmend von Sabine und seinem Sohn Karl und führt dazu, dass Bernd sich von allen verlassen und verraten fühlt. Tatsächlich kann Bernd Jakob nachweisen, dass dessen Schilderung der Vorgänge in der Unfallnacht auf dem Boot nicht stimmt. Als Bernd Jakob damit konfrontiert, kommt es zu einem handgreiflichen Streit, an dessen Ende Bernd allein die Insel verlässt.

    Als Charlie Bernd um Hilfe bittet, um Probleme in der Firma zu lösen, reisen beide nach Kopenhagen. Auf dem Rückweg müssen sie erfahren, dass Emile und Cecile mit einer Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

    Tod von Freunden - Emile und Karl (Sonntag, 21. Februar 2021, 22.15 Uhr)

    Emile, immer der spaßorientierte Grenzgänger, dem alles zuflog, sieht sich plötzlich allein in der Verantwortung für seine Schwester Cecile, die völlig aus dem Ruder zu laufen droht. Gezwungenermaßen macht Emile einen großen Schritt in Richtung Erwachsenwerden und stellt sich seiner eigenen Trauer über den Verlust von Kjell, der er ein Gesicht verleiht, indem er eine berührende Feier an der Schule organisiert.

    Während das Leben auf der Insel durch den Streit zwischen seinem Vater und Bernd komplett zerbricht, die Erwachsenen nur mit sich und ihrem Schmerz und ihrer Wut beschäftigt sind, zieht sich Emile komplett zurück.

    Er, der sich bislang immer über die Großfamilie definiert hat, sucht nach ihrem Scheitern eine neue Heimat, eine Identität. Doch auch er trägt ein Geheimnis in sich und verschweigt, was in der Nacht des Unfalls geschah: So cool Emiles Erscheinungsbild ist, so eindeutig er von den Mädchen an der Schule umschwärmt wird, so verunsichert ist er, was seine Sexualität angeht. Er fühlt sich zu Kjell hingezogen. Dieses Geheimnis kann Emile mit niemand teilen, nicht einmal mit Cecile.

    Als er aber mitbekommt, dass Cecile in ernsten finanziellen Schwierigkeiten steckt und anfängt, die Eltern zu bestehlen, um Schulden bei ihrem Dealer zu bezahlen, entwickelt Emile einen Plan: Er verdingt sich auf dem Autostrich in Flensburg und gerät dabei in Lebensgefahr. Doch in letzter Sekunde taucht Jonas auf und rettet Emile das Leben. Endlich erzählt Cecile Emile die Wahrheit, dass Kjell ihr gemeinsamer Bruder ist.

    Gemeinsam mit Cecile fasst Emile den Plan, auf ein Internat im Ausland zu gehen, um Abstand von der Familie zu bekommen. In dieser Situation eröffnet Karl Emile, dass Kjell lebt.

    Karl hat die Erinnerung aus der Nacht des Unfalls tief in den Mosaikwürfeln seines Tablets, in denen er die wichtigsten Ereignisse in Form von Manga-Comics dokumentiert und verschlüsselt, vergraben. Er hält als einziger aus der Familie eisern an dem Gedanken fest, dass Kjell überlebt hat. Um seinem Glauben an Kjells Überleben Ausdruck zu verleihen, hängt Karl zusammen mit seinem Freund Ole überall im Bereich der Förde Lichter auf – "Kjell-Lichter" – die seinem Bruder signalisieren sollen, dass er nach Hause kommen kann. Doch je länger Kjell der Familie fernbleibt, desto schwieriger wird es für Karl, an seinem Glauben festzuhalten. Als Kjells Athos-Figur plötzlich auftaucht, ist Karl sofort elektrisiert, alle seine Zweifel sind wie weggeblasen. Karl ist davon überzeugt, dass Kjell die Figur in der Nacht des Unfalls bei sich hatte. Also muss Kjell am Leben sein. 

    Bernd, der nach wie vor auf der Suche nach der Wahrheit über den Unfall ist, versucht auf verschiedenen Wegen an Karls Wissen zu kommen. Und tatsächlich ist es Karl, der unwissentlich Bernd den entscheidenden Hinweis dafür gibt, dass Jakob gelogen hat. Damit löst er ungewollt den Streit zwischen den beiden Männern aus und damit den Rückzug von Bernd aus der Familie. Das ist für Karl ein traumatisches Erlebnis. Es führt dazu, dass er wieder in Therapie muss, bei der Bilder aus der Nacht des Unfalls in ihm hochkommen.

    Karl muss erkennen, dass es seine Verantwortung ist, dass Kjell über Bord ging. Denn er und sein Bruder hatten auf dem Boot einen furchtbaren Streit, in dessen Folge Kjell über Bord fiel. Doch Karl glaubt immer noch daran, dass sein Bruder lebt. Heimlich macht er sich auf die Reise, um Kjell an einem Ort zu suchen, den nur die beiden kennen. Zum Schutz nimmt er eine Pistole mit, die er in Jakobs Atelier gefunden hat. Karl verirrt sich auf seiner Suche und gerät in Panik, doch da erscheint Kjell und rettet ihn.

    Zurück bei seinen Eltern zeigt Karl den beiden das Selfie von Kjell und bringt damit erneut eine Entwicklung in Gang, die alles Bisherige in Frage stellt.

    Tod von Freunden - Charlie und Kjell (Sonntag, 28. Februar 2021, 22.15 Uhr)

    Entgegen ihres Credos, dass sie imstande ist, alles zu schaffen, muss sich Charlie der Tatsache stellen, dass ihre Kräfte begrenzt sind. Ausgelöst durch den Stress der letzten Wochen sind ihre Kopfschmerzen so schlimm geworden, dass sie endlich den Schritt zu einem Spezialisten macht. Dort wird sie mit ihrer größten Angst konfrontiert: auf dem MRT sieht man einen Gehirntumor. Charlie lehnt eine sofortige Operation ab.

    Niemand, nicht einmal Jakob, weiß von ihren unerträglichen Schmerzen, die auf dem Boot auch dazu geführt haben, dass sie Kjell an Deck allein gelassen hat. Für Charlie ist es undenkbar, den anderen gegenüber Schwäche zu zeigen. Abgesehen davon würde eine Operation ihren großen Traum, die Brücke in New York zu bauen, zerstören. Zuviel hat sie für diesen Traum schon auf sich genommen.

    Doch Charlie überschätzt ihre Kräfte, und vor allem unterschätzt sie die Dynamik in ihrer eigenen Familie, die durch das Unglück auf dem Boot ausgelöst wurde. Jakob zieht sich in seine Kunst zurück und lässt Charlie mit den Kindern allein. Auch Bernd bricht mit den Freunden und zieht sich aus der Firma zurück.

    Durch ihre Migräne geschwächt kann Charlie dem Druck nicht mehr standhalten, und macht in der Firma einen entscheidenden Fehler, der fast zu einer Katastrophe führt. Der Einzige, der das verhindern kann, ist Bernd. Charlie erzählt ihm ihre Wahrheit über den Unfall. Im Gegenzug hilft Bernd Charlie, und die gemeinsame Arbeit bringt die beiden auch privat zusammen: Sie beginnen eine heftige Affäre.

    Als Jakob niedergeschlagen und verletzt wird, zieht sich Charlie von Bernd zurück; allein aus dem Gefühl heraus, für Jakob jetzt da sein zu müssen. Sie entscheidet sich dafür, Jakob nach London zu begleiten, wo seine Kunstwerke ausgestellt werden. Charlie will ihrer Ehe nochmal eine Chance geben. Doch dann kommt die Nachricht von Sabine, dass Kjell lebt.

    Zurück auf der Ochseninsel muss Charlie realisieren, dass sowohl ihr Ehemann als auch ihre beste Freundin Sabine sie 16 Jahre lang angelogen haben. Charlie versteht jetzt, warum ihre Tochter Cecile so abgestürzt ist. Sie macht sich mit dem Auto auf die Suche nach Cecile und Emile. Abgelenkt durch einen Anruf übersieht sie beinahe Emile und Cecile auf ihren Rädern. Charlie weicht aus, und ihr Auto rast auf die Förde zu.

    Kjells Leben dreht sich in einem einzigen, leidenschaftlichen Rausch. Wie kann es sein, dass ein so cooles Mädchen wie Cecile sich ausgerechnet in ihn verliebt? In ihn, der sich immer wieder zerrissen fühlt zwischen seiner deutschen Herkunft und seinem dänischen Alltag, zwischen seiner Liebe für Tanz und seiner Leidenschaft für Kajakpolo, zwischen seiner Sehnsucht nach Freiheit und seinem Verantwortungsgefühl für Karl?

    Aber all diese Widersprüche existieren nicht, wenn Kjell mit Cecile zusammen ist. Das ist pures Glück – wenn nicht die Angst wäre, sie zu verlieren. Nach seiner rauschenden Geburtstagsparty scheint sich seine Angst zu bestätigen, denn Cecile zieht sich von ihm zurück. Er leidet, hofft auf den gemeinsamen Segeltörn, um sich mit ihr aussprechen. Denn für Kjell ist klar, dass er und Cecile füreinander geschaffen sind. Mit dieser Gewissheit offenbart er sich in der Nacht des Unfalls Cecile, die nicht anders kann, als Kjell den wahren Grund für ihre Zurückweisung zu nennen: Sie ist seine Schwester.

    Für Kjell stürzt eine Welt zusammen und er flüchtet sich ins Cockpit der Yacht. Karl, der Kjells seltsame Stimmung spürt und auf sich bezieht, fängt an, wirr auf ihn einzureden. Die Situation zwischen den beiden Brüdern eskaliert, und Karl wirft die Kajaks über Bord. Kjell will ihn daran hindern und fällt dabei über die Reling in die Ostsee. Die Yacht entfernt sich, und Kjell muss in den Wellen um sein Leben kämpfen.

    Er schafft es, sich auf eins der Kajaks zu retten, und paddelt ans Ufer. In dem Gefühl, von allen verraten worden zu sein, vertraut er sich Jonas an. Für Kjell ist Jonas der Einzige, auf den er sich verlassen kann, der ihn nicht belogen hat. Und so entscheidet er sich, zumindest vorerst, auf Jonas' Hof unterzuschlüpfen. Dass auch Jonas nur ein Spiel spielt, in dem es um Rache und Verrat geht, ahnt Kjell nicht.

    Doch Jonas ist von Kjells emotionaler Bedürftigkeit zunehmend überfordert. Und als Kjell Jonas' Integrität in Frage stellt, gibt dieser ihm eine Bedenkzeit, die er außerhalb der Gruppe verbringen soll. Kjell zieht sich in die alte Waldhütte zurück, wo er sich schon als Kind mit Karl versteckt hat. Dort findet ihn Karl. Die Brüder verabschieden sich voneinander: Kjell hat sich entschieden, mit Jonas mitzugehen.

    Doch als Kjell zum Hof zurückkommt, muss er feststellen, dass die Gruppe weg ist. Jonas hat ihn ebenso im Stich gelassen wie alle anderen, die ihm wichtig sind. In seiner Verzweiflung über den erneuten Verrat, ist Kjell kurz davor, sich mit der Waffe, die er von Karl bekommen hat, das Leben zu nehmen. In diesem Moment tauchen Sabine und Bernd auf. Mit der Waffe in der Hand tritt er ihnen entgegen. 

    "Sabine ist ein einziges großes Geheimnis"
    Kurzinterview mit Katharina Schüttler

    Was ist das größte Geheimnis Ihrer Figur?

    Eigentlich ist Sabine ein einziges großes Geheimnis. Obwohl sie sehr klar und auf ihre Art radikal ist, gibt es einen Teil ihrer Vergangenheit, den sie mit eben jener, ihr innewohnenden Radikalität weggeschoben hat und um jeden Preis im Verborgenen halten will. Sabine ist bereit alles zu tun, um ihr Glück zu verteidigen und ihre Geheimnisse zu wahren.

    Warum hängt Sabine so sehr an diesem "Paradies"?

    Dieses Paradies ist alles, was Sabine hat. Ihre ganze Welt ist dieser Ort, ebenjenes Paradies, welches sie sich und ihrer außergewöhnlichen Familie geschaffen hat. Es ist aber auch ihr Zufluchtsort. Ein Alternativentwurf zur "echten" Welt, in der die Vergangenheit und ein bedrohliches Geheimnis verborgen liegen.

    Wie stehen Sie persönlich zu dieser alternativen Lebensform auf der kleinen Insel?

    Ich frage mich immer wieder, ob ich ein abgeschiedenes Leben aushalten könnte und ob ich vielleicht sogar glücklicher wäre. Ich bin in Köln aufgewachsen und habe immer in großen Städten gelebt. Ich liebe schöne Cafés und könnte meine Tage damit verbringen, dort zu lesen, zu schreiben und Menschen zu beobachten. Aber es gibt auch Tage, an denen mich die Masse an Informationen in der Stadt regelrecht überwältigt. Mittlerweile habe ich einen kleinen Rückzugsort auf dem Land. Wann immer ich dort bin, will ich eigentlich nicht mehr weg.

    Was war die größte Herausforderung für Sie bei diesem Projekt?

    Es gab so viele. Natürlich das Tanzen und das Dänisch. Auch das Schwimmen. Die Förde war eiskalt. Für die Tanzszenen habe ich sehr viel trainiert, wann immer es ging. Was das Dänisch betrifft: Nach meinem ersten Treffen mit unserer Dänisch-Lehrerin war ich absolut hoffnungslos. Nach zwei Wochen habe ich meine Verzweiflung zur Seite geschoben und gesagt: Ich lerne jetzt Dänisch. Sabine gehört der dänischen Minderheit in Flensburg an. Die Sprache ist ein Teil ihrer Identität. Die allergrößte Herausforderung war es aber, den Überblick über die Geschichte zu behalten. Da die Erzählform nicht linear ist, begegnet man seiner Figur in jeder Episode zu unterschiedlichen Zeitpunkten, aus anderen Blickwinkeln und in anderen Zusammenhängen. Gleichzeitig werden manche Momente immer wieder erzählt. Diese Momente waren mein Anker, um mir eine chronologische Drehbuchfassung für Sabine zu basteln. Beim Dreh habe ich dann mit mehreren Versionen gearbeitet, um immer genau zu wissen, wo ich mich gerade in Sabines Geschichte befinde.

    Wie waren die Dreharbeiten in der deutsch-dänischen Grenzregion, insbesondere auf der Ochseninsel?

    Die Ochseninsel ist ein außergewöhnlicher Ort. Sie sind wie eine Miniatur unserer Welt, umgeben von Wasser. Die Schönheit der Natur hat mich jeden Tag aufs Neue überwältigt. Die autarke Welt der Insel hat uns verzaubert und es war ein Geschenk, unsere Geschichte an diesem Ort drehen zu können. Wir hatten Nächte, in denen die Förde so still war wie der Lago Maggiore, und Stürme, wenn die Figuren vom Schmerz geschüttelt wurden. Verrückterweise hätte ich es ernsthaft in Betracht gezogen, für immer an diesem magischen Ort zu bleiben, wäre es möglich gewesen. Mein Ehemann ist gegenüber der Ochseninseln aufgewachsen. Es fühlte sich ein wenig an, wie nach Hause zu kommen.

    "Auch ein Paradies kann jederzeit gefährdet sein"
    Kurzinterview mit Jan Josef Liefers

    Welche Bedeutung hat das Paradies für Bernd, und warum reizt es ihn, die berufliche Herausforderung in New York anzunehmen?

    Bernd ist etwas verloren. So wie seine Eltern wollte er nicht werden, so wie seine Frau Sabine, eine Tänzerin, oder sein Freund Jakob, der sich als Maler sieht, kann er nicht sein. Weder in ihrer künstlerischen Welt noch in der spießigen Welt seiner Kindheit fühlt er sich ganz zu Hause. Am ehesten kommt er mit Charlie klar. Bernd ist der Tüftler und Zahlenmensch. Und er liebt das Bodenständige, den Sport. Dem Schritt, nach New York zu gehen, steht Bernd eher ambivalent gegenüber. Aber New York bedeutet auch den Lohn für jahrelange, aufreibende Arbeit bei höchster Qualität.

    Wie geht Bernd mit dem Verlust seines Kindes um, und wieso fällt es ihm so schwer, eine Verbindung zu Karl aufzubauen? 

    Es ist ihm nicht möglich, zu akzeptieren, dass sein Sohn, sein ganzer Stolz, nicht mehr lebt. Er lässt keine Trauer zu, stattdessen sucht er fieberhaft die Wahrheit, die genauen Gründe, einen Schuldigen. Fast fanatisch verbohrt er sich in seine privaten "Ermittlungen" und ist drauf und dran, nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner verbleibenden Familie und Freunde zu zerstören.

    Wie stehen Sie persönlich zu dieser alternativen Lebensform auf der Insel?

    Ich kann mir vieles vorstellen, habe aber für mich andere Entscheidungen getroffen, als eine Insel der Glückseligen zu suchen. Zumal, wie wir in unserer Mini-Serie erleben, auch ein Paradies jederzeit gefährdet sein kann.

    Worin lag die größte Herausforderung für Sie bei diesem Projekt?

    Mit so einem Kajak auch nur 10 Meter geradeaus zu fahren, ist bereits eine Aufgabe. Es verhält sich im Wasser wie ein Wok auf einer Eisbahn. Dazu das Spielen des Balls und auch, ganz klar, die Kenterrolle – sowas habe ich nie gemacht vorher. Das war ein ordentliches Stück Training.

    Statement von Lukas Zumbrock

    Kjell hat in der Hand, wie sehr sich sein Leben jetzt verändern soll. Er wirkt sehr vernünftig und zurückhaltend, doch es passiert ganz viel in ihm. Ich finde es sehr spannend zu beobachten, wie sich dieses Innere im Laufe der Folgen nach außen kehrt, wie er sich neu erfindet und seine Familie einen anderen Kjell kennenlernt.

    Ich habe das Training sehr genossen. Man kann innerhalb von ein paar Monaten zwar kein Profi-Kajakpolospieler werden, aber man kann in der Zeit, die man hat, Vollgas geben, um am Drehtag so tun zu können, als wäre man einer. Ich komme aus dem Leistungssport, hab früher jeden Tag trainiert. Heute ist Schauspiel mein Leistungssport und ich mag es, wenn man an Grenzen stößt, egal ob psychisch oder physisch. Für diese Art Rollen bin ich Schauspieler geworden. Außerdem hab ich den Film "Life, Animated" zur Vorbereitung geguckt. Ein sehr schöner Film, der das Thema "Autismus" echt gut behandelt. Da gibt es ein Interview mit dem Bruder eines Autisten, der beschreibt, wie er mit der Situation umgeht. Sehr emotional finde ich, wie Kjell sich seiner Rolle für Karl im Laufe der Filme immer bewusster wird und Entscheidungen trifft.

    Statement von Anton Petzold

    Die größte Herausforderung war der lange Drehzeitraum. Zu Beginn des Projektes war ich 15 Jahre alt und besuchte die 10. Klasse eines Gymnasiums in Sachsen. Alle Schüler*innen müssen in Sachsen eine Art Abschlussprüfung in der 10. Klasse schreiben. Das und den "normalen" Schulstoff gepaart mit der Rollenvorbereitung und dem Dreh unter einen Hut zu bekommen, war eine immense Herausforderung. Zusätzlich ist die Figur eigentlich das komplette Gegenteil zu dem, wie mich Menschen wahrnehmen. Ich bin sehr laut und emotional und Karl ist das so gut wie nie. Ich musste also sehr zurückgenommen spielen.

    Doch durch die vielen unterschiedlichen Drehorte in Deutschland, Dänemark und Griechenland herrschte sowohl im Ensemble als auch im Team manchmal eine ferienartige Stimmung, die mir ein Auskommen mit den ganzen tollen Menschen so erleichtert hat. Jederzeit konnte ich fachliche Fragen loswerden, mich austauschen und so viel Neues dazu lernen. Ich war und bin tief beeindruckt vom Spiel der anderen Darsteller*innen. Was ich auf jeden Fall verbessert habe, ist mein Englisch. Katharina und ich haben im Vorfeld des Drehs gemeinsam mit einer Therapeutin Gespräche geführt, die uns nochmal eine neue Sichtweise, von außen, auf das Thema Autismus ermöglichte. Ich habe zudem das große Glück einen autistischen Freund zu haben, mit dem ich in der Vorbereitung einen offenen Austausch hatte, der viele meiner Fragen beantworten konnte und bei dem ich mir einiges anschauen durfte.

    Statement von Lene Maria Christensen

    Ich habe während der Dreharbeiten so viele nette Menschen getroffen und fand die Ochseninseln, wo die Familien in der Geschichte leben, großartig. Das war ein wunderschöner Ort. Mein größtes Problem war, dass ich nicht segeln kann und das in kürzester Zeit lernen musste. Und es ist immer eine große Herausforderung in einer anderen Sprache zu schauspielern. Das erfordert sehr viel Konzentration. Unser Regisseur Friedemann Fromm war eine große Hilfe, denn er hat nie die Geduld verloren, sondern mich beruhigt, wenn ich Probleme mit bestimmten deutschen Wörtern hatte.

    Statement von Thure Lindhardt

    Jakob hat viele Geheimnisse. Ich glaube er ist ein Charakter, der sich sein ganzes Leben lang versteckt – auch wenn es ihn schmerzt, aber er hat sich daran gewöhnt. In dieser Nacht auf der Orplid hat er einen Streit mit Charlie und verlässt das Deck, was ein absolutes No-Go als erfahrener Segler ist, wenn man Wache hat. Es war sehr interessant so eine Figur wie Jakob zu spielen… seine Geheimnisse, seine Kunst, wie er mit seinem Leben und der Familie umgeht. Schwierig war es für mich, seine Psychologie darzustellen, aber Friedemann Fromms Drehbuch und genaue Regie war eine große Hilfe und Inspiration.

    Statement von Oskar Belton

    Emile ist ein Typ, der sich gerne ausprobiert und damit sein Umfeld und die spießige Gesellschaft provozieren will. An erster Stelle steht seine Schwester Cecile, für die er alles tun würde. Er hasst es, wenn es jemandem aus seiner Familie nicht gut geht, und hat das Bedürfnis, für alle irgendwie da zu sein. Emile versucht dann immer die Leute zu beruhigen und Empathie zu zeigen. Er selbst versucht die familiären Probleme mit Skaten und Kajakpolo zu kompensieren, was ihm allerdings nicht immer gelingt. Emile kann die Gefühle zu seinem besten Freund Kjell nicht einordnen. Das verwirrt ihn. Er versucht seine spielerische, manipulative und coole Maske aufzusetzen, um bloß nicht unsicher zu wirken, und weiß eigentlich so gar nicht, wie er damit umgehen soll.

    Kajakpolo zu lernen war eine große Herausforderung. Ich wollte unbedingt, dass es so aussieht, als würde ich schon zehn Jahre Kajakpolo spielen, damit es so authentisch wie möglich rüberkommt.

    Statement von Milena Tscharntke

    Wir hatten vor Drehbeginn zwei Monate Vorbereitungszeit und das Glück, Tanztraining, Kajakpolotraining, Skateboardunterricht und Dänischunterricht von Profis zu bekommen. Ich konnte nicht nur die Skills erlernen, sondern auch meine Spielpartner schon vor Drehbeginn richtig kennenlernen, weil wir immer zusammen trainiert wurden. In verschiedenen Sprachen zu spielen, ist eine Herausforderung, bei der wir uns gegenseitig unterstützt haben. Lene und Thure haben mir bei meinen Dänisch-Szenen immer geholfen und Sicherheit geschenkt. Dafür war ich sehr dankbar. Ich mag den Klang der Sprache und wie anders sich das Spielen auf Dänisch angefühlt hat. Festzulegen, in welchen Szenen Deutsch, in welchen Dänisch gesprochen wurde, war interessant und hat natürlich eine andere Bedeutung fürs Spiel ergeben. 

    Die größte Herausforderung aber war für mich, zu verstehen, in welchem Konflikt Cecile steht. Zwischen ihrer Familie und der Wahrheit. Die Situation, in der sie steckt, ist so unglaublich kompliziert, vielschichtig und schmerzhaft. Sie wird in so viele Richtungen gezogen. Ihre Motive nachzuvollziehen war für mich die Hauptarbeit. 

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