Copyright: ZDF / Hans-Joachim Pfeiffer
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Tödliche Gier

Pastor Bahnert (Harald Krassnitzer) gerät samt Frau (Ann-Kathrin Kramer) und Kindern in die Gewalt von drei brutalen Gefängnisausbrechern. Die Kriminellen sind auf der Suche nach der Beute aus einem Diamantenraub, die vor Jahren in den Ruinen der jetzt renovierten Kirche versteckt wurde. Alle sind höchst angespannt. Versteckte Familienkonflikte treten zutage. Die Situation mit den skrupellosen Gangstern droht zu eskalieren.

  • ZDF, Mittwoch, 24. Februar 2021, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Dienstag, 23. Februar 2021, 10.00 Uhr

Texte

Stab, Besetzung und Inhalt

Mittwoch, 24. Februar 2021, 20.15 Uhr
Tödliche Gier

Drehbuch/Regie_____Thorsten Näter
Kamera_____Joachim Hasse
Ton_____Benjamin Schubert
Kostüme_____Sonja Kappl
Szenenbild_____Jost Brand-Hübner
Komponist_____Axel Donner
Schnitt_____Julia von Frihling
Produzent_____Dr. Eberhard Jost
Redaktion_____Gabriele Heuser

Die Rollen und ihre Darsteller*innen
Manfred Bahnert_____Harald Krassnitzer
Claudia Bahnert_____Ann-Kathrin Kramer
Svenja Bahnert_____Sofie Eifertinger
Marius Bahnert_____Johannes Geller
Armin Wiesner_____Thomas Sarbacher
Hanno Pottek_____Dirk Borchardt
Robert Vollmer_____Leonard Carow
Harry Dombrowski_____Thomas Lawinky
Kurt Nielsen_____Uwe Rohde
Sven Färber_____Josef Heynert
Silke Harmsen_____Katrin Pollitt
Paul Harmsen_____Marek Erhardt
und andere

Inhalt

Als die Familie von Pastor Bahnert in ihrem kleinen norddeutschen Heimatort von entflohenen Sträflingen als Geisel genommen wird, muss sie sich trotz familiärer Konflikte zusammenraufen.

Das Leben von Pastor Manfred Bahnert und seiner Frau war nicht immer einfach. Manfred ist ein unbequemer Pastor mit politischer Haltung, oft wurde er deswegen versetzt. Claudia und Manfred hätten sich fast getrennt. Jetzt wagt die Familie einen Neuanfang in einem Dorf in der Nähe von Hamburg, wo Claudia eine Apotheke übernehmen kann. Unterdessen brechen vier Strafgefangene aus der JVA Hamburg aus. Einer von ihnen hat vor Jahren einen Diamantenraub begangen und seine hochkarätige Beute in der Ruine der dortigen Kirche versteckt. Die ist mittlerweile wiederhergestellt und Manfred Bahnert der amtierende Pastor. Die vier Ausbrecher wollen jetzt die Beute holen. Auf der Flucht wird der Diamantendieb Harry Dombrowski erschossen und kann seinen Kumpeln Hanno Pottek, Armin Wiesner und Robert Vollmer nicht mehr sagen, wo genau die Diamanten in der Kirche liegen. Die drei Gangster verstecken sich tagsüber im Gebäude und machen sich nachts auf die Suche. Manfred und Claudia sind ahnungslos. Doch dann entdeckt Manfred nachts Licht in der Kirche und stößt auf die drei Gangster. Die nehmen den Pastor und seine gesamte Familie als Geiseln, denn ohne Beute können sie sich nicht ins Ausland absetzen. Manfred soll ihnen bei den Ausgrabungen in der Kirche helfen. Er versucht, Zwietracht unter den Gangstern zu stiften, aber die durchschauen sein Spiel und befördern stattdessen die familiären Konflikte zwischen Manfred, Claudia, der großen Tochter Svenja und dem pubertierenden Sohn Marius. In der Gemeinde entsteht der Eindruck, dass mit dem neuen Pastor und der Kirche etwas nicht stimmt. Erst reagieren die Leute mit Zorn gegen die Familie des Neuankömmlings, aber einige wenige spüren, dass die Bahnerts vielleicht ihre Hilfe brauchen. Als Manfred und Claudia endlich gegen die Gangster vorgehen und die Flucht wagen, bekommen sie unerwartete Hilfe aus dem Dorf.

"Ich empfinde es als unglaubliches Privileg, diese Arbeit machen zu dürfen"
Interview mit Autor und Regisseur Thorsten Näter

Wie entstand die Idee zu dem Psychothriller "Tödliche Gier"?

Ich bin schon immer ein Freund des klassischen Thrillers, bei dem ich anders als bei Ermittlerkrimis nicht auf der Suche nach einem Täter bin, sondern mich von vornherein mit Tätern und Opfern beschäftigen kann, damit, was in ihnen vorgeht, wie der Druck, unter dem sie sich befinden, sie verändert.

Was war Ihre Intention dabei?

Mir war wichtig, sowohl auf der Seite der "Gangster" als auch auf der der "Geiseln" zu sein, die sich alle in einer ausweglosen Situation befinden und das Ganze nicht einfach auflösen können, also irgendwie miteinander klarkommen müssen. Das Ganze spielt bewusst in einer Kirche beziehungsweise im dazugehörigen Pfarrhaus. Mich hat das Spannungsfeld von christlichen Werten und der Frage, wie jemand, der an diese Werte glaubt, auf Gewalt reagiert, schon immer sehr interessiert. Die beiden extremen Pole dabei sind Hanno Pottek und Pastor Bahnert. Pottek sieht sich durch die seiner Meinung nach verlogenen Werte in Frage gestellt und fordert den Pastor ständig heraus, während Bahnert sich vor seiner Familie rechtfertigen muss, weil er nach deren Meinung mit Gewalt antworten, sich wehren, müsste.

Hatten Sie Einfluss auf die Besetzung?

Ja, das war mein absolutes Wunsch-Ensemble, und zum größten Teil bereits für diese Schauspieler*innen geschrieben. Da ich mit dem Produzenten und der Redakteurin seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeite, haben die meine "Wunschliste" bedenkenlos akzeptiert.

Wie würden Sie Ihren Regie-Stil beschreiben?

Ich weiß nicht, ob man das als "Stil" bezeichnen kann. Ich habe gern einen sehr präzisen Plan. Da ich beim Schreiben der Bücher sehr oft schon eine Besetzung im Kopf habe, entsteht bereits beim Schreiben und spätestens bei der Vorbereitung ein sehr genaues Bild des Films in meinem Kopf, einschließlich der Auflösung. Dafür muss ich ein sehr komplexes Bild der Figuren haben, damit ich ihnen nicht etwas unterstelle, das sie in der entsprechenden Situation gar nicht tun würden. Aber natürlich passiert es immer wieder, dass die Schauspieler*innen eine andere Fantasie entwickeln, sich bei den Proben etwas anderes entwickelt, oder die Umstände einen dazu zwingen, umzudenken. Da muss ich dann flexibel sein, aber der Plan und die genaue Vorbereitung sorgen dafür, dass genau für diesen Moment auch ausreichend Zeit da ist.

Wie haben Sie die Dreharbeiten insgesamt erlebt? Humor ist Ihnen ja bei der Arbeit wichtig.

Die Dreharbeiten haben mir großen Spaß gemacht. Vor allem, weil es die meiste Zeit darum ging, in einer kammerspielartigen Situation mit diesem wunderbaren Ensemble zu arbeiten. Ich habe ja auch viele Produktionen gemacht, die sehr actionreich waren. Da ist eine eher generalstabsmäßige Arbeit angesagt.
Was die "gute Stimmung" angeht: Wenn man sich ansieht, wie viele Filme ich in den letzten 40 Jahren gemacht habe, lässt sich nicht verbergen, dass ich diesen Beruf zum Zentrum meines Lebens gemacht habe. Das wäre ja ein ziemlich klägliches Leben, wenn ich nicht dafür sorgen würde, dass dabei ausreichend Spaß abfällt. Außerdem mache ich ja meist eher düstere Filme, bei denen von Darsteller*innen erwartet wird, ziemlich ans Eingemachte zu gehen. Das verlangt sowohl von ihnen als auch von mir, dass wir sehr offen miteinander umgehen. Das funktioniert nur – so geht es zumindest mir – wenn man sich rundherum wohlfühlt.
Und als Letztes: Ich empfinde es als unglaubliches Privileg, diese Arbeit machen zu dürfen. Deshalb gehe ich fröhlich zur Arbeit und lege Wert darauf, auch fröhlich nach Hause zu gehen. Und ich möchte, dass es meinem Team und meinen Darsteller*innen auch so geht. Dazu gehört auch, die "Katastrophen", die einen beim Drehen zwingend ereilen, nicht als solche zu empfinden, sondern als spannende Aufgabe, die es zu lösen gilt. Mit dem Motto "Es gibt keine Probleme, nur außergewöhnliche Augenblicke" kommt man in der Regel ganz gut über den Tag.

Interview: Jutta Bök

Fragen an Harald Krassnitzer (Pastor Manfred Bahnert)

Sie spielen einen Pastor, der predigt, auch seine Feinde zu lieben. Als er sich dann mit seiner Familie durch entflohene Sträflinge in Todesgefahr befindet, ist er im Zwiespalt. Was ist reizvoll an dieser Rolle?

Das ist ein Klassiker des Widerspruchs. Wenn wir uns bestimmte Dinge vornehmen und Regeln oder Verhaltensformeln aufstellen, sind wir ja nicht davor geschützt, dass nicht trotzdem genau das Gegenteil passieren kann, wie hier in dieser Ausnahmesituation. Bahnert lässt sich ja nur einmal zur Gewalt hinreißen. Das ist quasi ein Schutzmechanismus. Solche Widersprüche mögen wir Schauspieler immer sehr gern, es bietet die Möglichkeit, etwas anders zu gestalten als normalerweise.

Bahnert predigt, seine Feinde zu lieben? Was halten Sie von dem Prinzip?

Ich halte das Prinzip "Feinde zu Freunden zu machen" für spannend, weil es von unserer größten Fähigkeit genährt wird, in Kooperation zu leben und in irgendeiner Form zu kommunizieren. Diese Fähigkeit finde ich sehr wichtig, aber es gibt natürlich Momente, wo man das nicht mehr einhalten kann und irgendwo Grenzen ziehen muss.

Wie würden Sie Pastor Bahnert charakterisieren?

Er ist überzeugt von dem, was er macht, und das ist in der Regel schon mal eine gute Voraussetzung für seinen Job. Dass er in seiner Lauterkeit manchmal die Familie in Mitleidenschaft zieht und sie bei seinen Versetzungsaktionen mitkommen muss, ist die andere Seite. Manfred Bahnert ist eben kein Mensch, der klein beigibt, Kompromisse macht, sich auf Mauscheleien einlässt oder hierarischen Zwängen unterordnet. Und dass jemand, der in dieser Lauterkeit mit klarer Vorstellung von der Welt lebt, gleichzeitig ein zerrüttetes Familienleben hat, zeigt wiederum, dass da jemand eine gewisse Hartnäckigkeit lebt, die im Widerspruch steht zu dem, was er eigentlich lehrt, nämlich offen und frei zu sein.

Gibt es denn Charakterzüge an Manfred Bahnert, in denen Sie sich selbst wiederfinden können?

Das einzig Ähnliche sehe ich in dieser Hartnäckigkeit – aber nur auf Arbeitssituationen bezogen. Darüber hinaus kann ich ganz gut loslassen, zeige eine gewisse Gelassenheit und Toleranz. Aber ich versuche ohnehin nicht, Parallelen zu meinen Rollen zu finden, sonst neigt man eher dazu, seine eigene Geschichte zu spielen. Ich versuche herauszufinden, was finde ich an diesem Menschen interessant, was erzählt mir seine Geschichte? Das ist für mich als Schauspieler viel spannender als die Figur aus eigenen Quellen zu nähren. Es macht mir mehr Spaß, in die Figur reinzukriechen und zu überlegen, warum handelt sie jetzt so? Ich denke bei Rollen auch nicht in den Kategorien "sympathisch" oder "unsympathisch". Menschliche Verhaltensformen sind viel differenzierter, und wenn ich jemanden wie Bahnert a priori sympathisch spiele, habe ich schon viele Dimensionen eingeengt, und wenn ich ihn unsympathisch spiele, dito.

Durch die Ausnahmesituation der Geiselnahme kommen bei den Bahnerts schwelende Familienkonflikte ans Licht. Sie sind selbst Familienvater – wie gehen Sie mit schwierigen Situationen oder Krisen um? Haben Sie eine bestimmte Strategie?

Die einzige Strategie, die es gibt, ist miteinander zu reden. Entweder man redet ganz ruhig über etwas und versucht zu klären, was einen stört, oder, die andere Variante, man streitet auch mal und lässt Dampf ab. Ein kurzfristiges Eruptieren also. Aber ein Allheilmittel oder eine Formel, die das immer sofort regelt und aus der Welt schafft, gibt es nicht.

"Tödliche Gier" war Ihre erste Zusammenarbeit mit Thorsten Näter. Was zeichnet ihn als Regisseur aus?

Viele Eigenschaften zeichnen Thorsten Näter aus. Zum einen, dass er genau weiß, was er will. Und das gibt einem Schauspieler eine sichere Basis. Zweitens ist er sehr akribisch beim Zuschauen und weiß, wo er einem helfen kann, wenn es mal hakt. Und drittens ist er einfach ein wunderbarer Mensch, der für ein sehr entspanntes und humorvolles Ambiente sorgt, was natürlich eine Spielfreude erzeugt und für die ganze Arbeit förderlich ist.
Gerade bei diesem Film war Humor bei der Arbeit wichtig. Wenn man den ganzen Tag sozusagen in diesem Sumpf der Gefühle und Gedanken steckt, dann ist zwischendurch Lachen etwas ganz Befreiendes, sonst verkrampft man sich irgendwann, bleibt in seiner Kammer des Schreckens und hat keine Differenzierung mehr. Thorsten besitzt eine schöne hohe Form der Selbstironie, die nie auf Kosten anderer geht und für eine leichtere Stimmung sorgte. In dieser Atmosphäre konnte man sich frei fühlen und eine Szene frisch angehen, trotz des ganzen Bedrohungsszenarios.

Interview: Jutta Bök

Fragen an Ann-Kathrin Kramer (Claudia Bahnert)

Was finden Sie besonders interessant an dem Psychothriller "Tödliche Gier"?

Auf eine Familie mit ihren ganz normalen Problemen und Geheimnissen trifft hier durch die Geiselnahme eine brutale Bedrohung von außen. Ich finde es besonders spannend zu sehen, wie das auf diesen Mikrokosmos und eigentlichen Schutzraum wirkt. Da kommen Wahrheiten und Aggressionen ans Tageslicht, und da wird schonungslos auf- und abgerechnet. Es wächst aber dann, nachdem quasi "alle die Hosen runtergelassen haben", auch von innen heraus eine ungeheure Kraft als Familie.

Was für eine Frau ist Claudia Bahnert?

Claudia ist eine langmütige, selbstbewusste Frau. Sie hechelt nicht irgendwelchen Bildern hinterher, wie ein perfektes Frauenleben auszusehen hat. Sie empfindet keine Konkurrenz und muss sich auch ihrem Mann gegenüber nicht behaupten. Dass er die Familie durch sein Engagement immer wieder in Schwierigkeiten bringt, trägt sie mit, denn sie weiß, dass man nicht allen gefallen kann.

Die zum Teil klaustrophobische Enge der Kirchenräume und die ständig präsente Gefahr ist auch für den Zuschauer spürbar. Was war beim Dreh die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war der Sauerstoffmangel. Es waren fast immer alle Schauspieler, plus dem Team, auf kleinstem Raum zusammen. Die Fenster waren abgehängt und fest verschlossen – ich würde sagen, ein Pumakäfig ist nichts dagegen. Heute, nach den Corona-Erfahrungen der letzten Zeit, ist so eine Arbeitssituation gar nicht mehr vorstellbar. Trotzdem war die Stimmung immer gut, und das ist gerade bei so einem Ensemblefilm natürlich sehr wichtig und schön.

Sie standen nicht das erste Mal gemeinsam mit Ihrem Mann Harald Krassnitzer vor der Kamera. Wie gehen Sie damit um? Nehmen Sie Ihre Arbeit quasi mit nach Hause oder schalten Sie dort komplett in den privaten Modus?

Wir arbeiten sehr gern zusammen und müssen dabei auch nicht künstlich zwischen Arbeit und Privatem trennen. Wir sprechen über die Texte, lernen sie manchmal auch zusammen und freuen uns über die intensive gemeinsame Zeit.

Interview: Jutta Bök

Fragen an Thomas Sarbacher (Geiselnehmer Armin Wiesner)

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie erfuhren, dass Sie den entflohenen Häftling Armin Wiesner spielen?

Als ich sah, ich habe Post vom Produzenten Eberhard Jost, dachte ich, dann ist das Buch von Thorsten Näter. Und wenn das Buch von Thorsten ist, dann spiele ich ganz bestimmt nicht den Guten im Film.

Und wie tickt Ihre Figur Armin Wiesner?

Wiesner ist ein intelligenter Mann, mit großem Potential, das er aber nie nutzen konnte. Was er von sich selbst nie würde sagen können: Neid, Misstrauen und Wut sind Quellen seiner kriminellen Energie, damit ist er für seine Umgebung unberechenbar, weil er kein Ziel hat. In der Geschichte ist es lediglich vordergründig sein Ziel, zu entkommen. Wie er das erreicht, ist ihm egal. Deshalb hat er auch keine Skrupel, den Bauern zu erschießen, auch der ist ihm egal.

"Tödliche Gier" ist ja nicht Ihr erster Film mit Autor und Regisseur Thorsten Näter. Was schätzen Sie vor allem an ihm?

Die Arbeit mit Thorsten macht mir schlicht und einfach Freude, weil ich mich auf ihn verlassen kann. Er ist ein Geschichtenerzähler, und ich mag die Art, wie er Geschichten erzählt, wie er sich zu seinen Figuren stellt. Außerdem hat Thorsten ein großes Gespür für die Atmosphäre in seinen Filmen. Er kennt seine Geschichten und seine Figuren so gut, dass ich mich seiner Aufmerksamkeit anvertrauen kann. Er wird immer zur Stelle sein, wenn etwas nicht stimmt. Das Besondere an seiner Arbeit ist auch, dass er als Autor und Regisseur den Film bereits fertig im Kopf hat. Ich bin als Schauspieler also gut beraten, mich entsprechend gründlich vorzubereiten.

Und was finden Sie besonders bemerkenswert an diesem Psychothriller?

Das Bemerkenswerte daran ist, dass alle Beteiligten von Beginn an komplett überfordert sind. Die Gangster haben die Situation zu keinem Zeitpunkt im Griff, weil sie untereinander nicht einig sind und der Plan nur hieß: Steine ausbuddeln und abhauen. Dass einer dabei draufgeht und dann noch Geiselnahme, darauf waren sie nicht gefasst, und Geiselnahme kann keiner von ihnen.

Interview: Jutta Bök

Dirk Borchardt (Geiselnehmer Hanno Pottek)

Was hat Sie vor allem überzeugt, im Psychothriller "Tödliche Gier" mitzuspielen?

Ich entscheide fast immer aus dem Bauch heraus beim ersten Lesen eines Drehbuchs: Das Buch hat mich interessiert.

Die Gier nach den versteckten Diamanten ist die Triebfeder bei Hanno Pottek und seinen Komplizen, auch als die Situation eskaliert. Denken Sie, dass Gier eine Eigenschaft ist, die zu jedem Menschen gehört und in unserer modernen Gesellschaft ziemlich verbreitet ist? "Gier frisst Hirn" – stimmt der Ausspruch Ihrer Meinung nach?

Gier frisst Hirn – ja! Aber Gier ist nicht unbedingt eine Eigenschaft des Menschen, sondern oft anerzogene und gelernte Verantwortungslosigkeit. Das sehen wir heute an Autokraten in der Politik, im Bankenwesen und der Wirtschaft bis hin zur Gewaltkriminalität – wie bei Hanno Pottek. Hanno treibt eine besonders dumpfe, direkte und gewalttätige Gier an. Er ist nicht intelligent genug, seine "Gewalt" besser zu verpacken, oder manipulativer, subtiler vorzugehen. Ich denke, Gier ist ein Prägungs- und Erziehungsproblem. Vorgelebte und gelehrte Ellenbogenkultur wird immer weiter gierige Menschen hervorbringen und weiter Armut und auch Gewalt schaffen. Achtsamkeit und Miteinander sollten vielleicht auf unseren Lehrplänen stehen, anstatt Effizienz und ständiges Wachstum. Auch deshalb fallen Menschen wie Pottek vielleicht hinten runter.

Sie sind leidenschaftlicher Kampfsportler. Hatte das Einfluss auf Ihre Präsenz vor der Kamera, Ihre Darstellung des Hanno Pottek?

Ich bin sicherlich ein sehr körperlicher Mensch. Aber ich betreibe heute gar nicht mehr so viel Kampfkunst, sondern beschäftige mich eher mit Meditation und Achtsamkeit – das zumindest hatte nicht so viel Auswirkungen auf die Figur Hanno Pottek.

Was ist Ihnen von den Dreharbeiten am meisten in Erinnerung geblieben?

Ich versuche immer in die Figuren einzutauchen. Die dumpfe Gewalt von diesem Pottek ist mir als anstrengend in Erinnerung. Da waren die Kollegen "privat" mir immer "ein Sonnenstrahl im Kellerloch". Will sagen: Wir hatten auch viel zu lachen.

Interview: Jutta Bök

 

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