Unter Verdacht - Betongold

25. Folge des Samstagskrimis

Der 25. Fall der Samstagskrimireihe mit Senta Berger als Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek thematisiert Bestechlichkeit und Mafia-Strukturen im Baugewerbe. In Episodenrollen spielen Martin Umbach, Saskia Vester, Samuel Finzi und andere. Die Regie führte Ulrich Zrenner nach dem Drehbuch von Michael Gantenberg.

  • ZDF, Samstag, 27. August 2016, 20:15 Uhr

    Texte

    Stab, Besetzung und Inhalt

    RegieUlrich Zrenner
    BuchMichael Gantenberg
    KameraWolfgang Aichholzer
    MusikSebastian Pille
    SchnittMatthias Wilfert
    Szenenbild Christian Kettler
    ProduktionEikon Media GmbH
    ProduzentMario Krebs
    RedaktionElke Müller
    Längeca. 89 Minuten

     

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Dr. Eva Maria ProhacekSenta Berger
    André LangnerRudolf Krause
    Dr. Claus ReiterGerd Anthoff
    Gunter GentnerMartin Umbach
    Monika WeisshauptSaskia Vester
    Dimitar Zvetanov Samuel Finzi 
    Metodi NontchewBijan Zamani
    Ilian NontchewIlian Kiskinov
    LindengruberTim Seyfi
    Dr. Claudia LechnerMarlene Morreis
    Frau BernersMarisa Growaldt
    Zollinspektor HuberAndreas Borcherding
    Jens ViersenHerbert Forthuber
    Simon FellerJulian Schmieder
    PetkoChristian Bojidar Müller
    und andere

     

    Inhalt

    Während des Richtfests eines neuen Münchner Polizeigebäudes stürzt der stellverstretende Bauamtsleiter aus dem neunten Stock in den Tod. Unter der Festgemeinde befinden sich Kommissariatsleiter Claus Reiter, der gerade eine Rede hält, und Eva Maria Prohacek mit ihrem Kollegen André Langner. Noch unter Schock beginnen sie mit den Ermittlungen. Ein Suizid kann schnell ausgeschlossen werden. Es muss also jemanden geben, der sich ebenfalls am Sonntag auf der Baustelle befand.

    Bald geraten die Ermittler ins mafiöse Netz der Münchner Bauunternehmen und die Untersuchung des Falls gibt immer neue Rätsel auf: Warum führte die Bauamtsleiterin Monika Weisshaupt eine interne Untersuchung gegen ihren Stellvertreter durch? Was hatte der bulgarische Bauarbeiter Metodi Nontchew zum Tatzeitpunkt auf dem obersten Stockwerk der Baustelle mit seinem neunjährigen Sohn Ilian verloren? Als Nontchew erschossen aufgefunden wird, ist endgültig klar, dass größere Interessen hinter den Geschehnissen stecken. Der Münchner Bauunternehmer Gunter Gentner gerät ins Visier der Ermittler. Dessen Angebote bei öffentlichen Ausschreibungen lagen konkurrenzlos unter denen der anderen Bewerber.

    Der kleine Ilian wird zum wichtigsten Zeugen in einem packenden Fall, in dem Eva Maria Prohacek einmal mehr ihre Fähigkeiten als scharfsinnige aber auch zutiefst menschliche Ermittlerin unter Beweis stellt.

    "Steinchen um Steinchen. Bis das Puzzle ein neues Bild ergibt."
    Interview mit Senta Berger

    25 Folgen "Unter Verdacht", viele Interviewfragen. Gibt es etwas, das Sie schon immer zur Figur Eva Maria Prohacek sagen wollten, was aber nie gefragt wurde?

    Ich bin nie nach der Biographie von Eva gefragt worden. Wie war wohl Evas Kindheit? War der Vater ihre Leitfigur? Hat er die Familie früh verlassen? Hat Eva Psychologie studiert und kam über diesen Umweg zur Kriminalrätin? Wer war der Vater ihres Kindes, an dessen Tod sie sich schuldig fühlt? Ich kann selber keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen geben, aber ich hätte mich gerne mit einem auch daran Interessierten darüber unterhalten. Herumgesponnen.

    Es ist ein Anliegen der Reihe, gesellschaftlich brisante Themen aufzugreifen. In "Betongold" geht es um Bestechlichkeit und mafiöse Strukturen im Baugewerbe. Wie hoch schätzen Sie die Macht des Mediums Film ein?

    Der Dokumentarfilm hat eine große Aufgabe und löst sie auch ein. Natürlich muss man sich auf Themen einlassen und sie auch aushalten. Ich denke zum Beispiel an die Dokumentarberichte über die Flüchtlinge, die je nach der Auswahl der Bilder durchaus die Stimmungen in unserem Land bestimmt haben. "Unter Verdacht" kann mit spannenden, ja, unterhaltsamen Mitteln des klassischen Kriminalfilms gesellschaftspolitische Themen aufgreifen. Die Zuschauer können sich eine Meinung bilden – oder eben auch zweifeln an ihrer eigenen Meinung. Ich glaube, diese Art des Überdenkens ist, was wir erreichen können. Und das ist schon viel. Wirkliche Veränderungen in der Politik können ein Film oder auch mehrere Filme zu einem Thema nicht erreichen. Aber beitragen, Steinchen um Steinchen. Bis das Puzzle ein neues Bild ergibt.

    Wenn Sie Dr. Eva Maria Prohacek einen Ratschlag erteilen könnten – welcher wäre das?

    Sei nicht so ungerecht in deinem gerechten Zorn. Entspanne dich. Vertraue den Menschen. Das ist nicht leicht, Eva – ich weiß. Kündige deinen Job. Er wird dir fehlen, Eva, ich weiß. Schreib ein Buch über all das, was du in diesen letzten Jahren erlebt hast und fahre mit Herrn Langner zu einem Opernfestival – vielleicht in Frankreich, wegen des Wetters, und lass dir von ihm Musik erklären. Musik musst du erst entdecken, Eva…

    Das Darstellertrio Berger, Anthoff, Krause sind nun fast 15 Jahre ein Team. André Langner sagt im Film zu Prohacek: "Wir verstehen uns blind". Wie ist das hinter der Kamera?

    Wir verstehen uns tatsächlich sehr gut. Unser Zusammenspiel ergibt sich ganz leicht und selbstverständlich aus diesem Vertrauen, das in all den Jahren entstanden ist. Wir sind eigentlich sehr verschieden – wieso wir trotzdem den gleichen Humor haben und trotzdem den gleichen Ernst, wenn es um Disziplin geht, um Handwerk, wieso wir trotzdem voller Spiellust am gleichen Strang ziehen, weiß ich nicht. Es ist ein großes Glück!

    Autoren und Regisseure hingegen haben gewechselt. Ist der immer neue Blick von außen für Sie als Schauspielerin hilfreich, gibt er in der Rollengestaltung neuen Input, oder kann er auch irritierend sein?

    Wir haben eine Handvoll Autoren, Regisseure und Kameramänner, die sich im Laufe der 15 Jahre abwechseln. Ich lasse jede Irritation zu, sofern sie der Geschichte und ihrer Umsetzung zuträglich ist. Wobei wir uns untereinander schon recht gut kennen: Ich denke da auch an alle, die hinter der Kamera arbeiten, die Ausstatter, die Requisiteure, die Kostüm- und Maskenabteilung, die Beleuchterriege – Menschen, an die in der Öffentlichkeit gar nicht oder wenig gedacht wird und die meinen ganzen Respekt haben. Wir haben eine gute Stimmung, aber keine einschläfernde Gemütlichkeit. Die Spannung ist immer da. Sonst kann man auch nicht 15 Jahre lang an einer so besonderen Reihe wie "Unter Verdacht" arbeiten.

    Die Fragen stellte Franziska Kurra.

    "Die Zuschauer können sich auf weitere Folgen freuen"
    Interview mit Produzent Mario Krebs und ZDF-Redakteurin Elke Müller

    25 Folgen "Unter Verdacht" in fast 15 Jahren. Ausgezeichnet wurde die Krimi-Reihe sowohl mit dem Adolf-Grimme-Preis als auch dem Deutschen Fernsehpreis. Martin Brambach hat vor kurzem den Bayerischen Fernsehpreis für die Folge "Ein Richter" erhalten. Haben Sie anfangs mit so einem Erfolg gerechnet?

    Mario Krebs: Nein, damit haben wir nicht gerechnet, denn wir warten ja am Anfang der Episoden nicht mit einer Leiche auf und am Ende ist der Täter überführt, sondern wir führen in ein manchmal kompliziertes Geflecht von Geschehnissen, in deren Mittelpunkt Menschen stehen, die sich ihrer Macht, ihres Einflusses oder ihrer Mittel bewusst sind und alle nur erdenklichen Maßnahmen gegen unsere Ermittler ergreifen, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Vielleicht hat der Erfolg damit zu tun, dass wir eine klassische David und Goliath-Situation haben: Eva Maria Prohacek gegen die Großen.  

    Elke Müller: Wir haben uns anfangs vielmehr Gedanken darüber gemacht, ob wir genügend Geschichten finden, die eine "interne Ermittlung" in Gang setzen. Aber daran haben wir bis heute keinen Mangel. Jeder einzelne Preis hat uns natürlich immer wieder bestätigt, dass wir nicht alles falsch machen und das hilft besonders bei einem Format, das konsequent inkonsequent ist. Wir haben keine vorgegebene Fallstruktur. Jeder Film dieser Reihe hat eine eigene Dramaturgie. Man könnte sagen: form follows function! Und das bringt auch manche/n Drehbuchautor/in zur Verzweiflung. Aber fast alle halten durch und gehen mit uns diesen etwas schwierigeren Weg, der zum Glück mit einigen Preisen, zumeist guten Kritiken – vor allem aber der Gunst der Zuschauerinnen und Zuschauer belohnt wird.

    Die Filme haben einen starken Bezug zu tagespolitischen Themen. Einige Folgen sind inhaltlich nicht nur am Puls der Zeit, sondern diesem einen Schritt voraus. Haben Sie über die Jahre einen besonderen "Riecher" dafür entwickelt, was unsere Gesellschaft beschäftigen wird?

    Mario Krebs: Wir orientieren uns natürlich an realen Geschehnissen. Klüngel, Vorteilsnahme, Machtmissbrauch sind leider so üblich geworden wie der Klau eines Autoradios. Das Motto "Ich will, also darf ich auch" gilt bis in die höchsten Kreise unserer Gesellschaft. Was uns bei der Suche nach "Themen" leiten lässt, ist aber ebenso, dass es dann die Schutzlosen, die am Ende der Skala ganz unten Lebenden trifft. Wie in "Betongold" die Wanderarbeiter oder in "Die elegante Lösung" die Flüchtlinge in den Booten auf dem Mittelmeer. Da waren wir vor vielen Jahren die ersten, die von deren Schicksal erzählt haben.

    Elke Müller: Ob wir allerdings einen besonderen "Riecher" für Themen und Stoffe haben, weiß ich gar nicht. Aber Mario und ich ergänzen uns sehr gut und haben beide ein starkes Interesse daran, gesellschaftspolitisch relevante Themen in spannende Geschichten zu verpacken. Wir schicken uns Zeitungsartikel oder Links zu Reportagen zu und manchmal entwickeln sich daraus Geschichten für "Unter Verdacht". Und manchmal reden wir einfach nur so darüber. Ich empfinde es als Geschenk, in einem so vertrauensvoll kreativen Umfeld zu arbeiten!

    Inwiefern prägen die Schauspieler das Format?

    Mario Krebs: Unsere wunderbaren Darsteller Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff SIND das Format.

    Elke Müller: Ja, absolut! Aber natürlich auch alle, die schon zum Teil von der ersten Folge an mit dabei sind und das Format hegen und pflegen. Ob Ausstattung, Maske, Ton, Musik Herstellungsleitung und und und.

    Senta Berger hat kürzlich in Interviews ihren Abschied von der ZDF-Reihe erklärt. Können Sie schon sagen, wie viele Folgen noch gedreht bzw. ausgestrahlt werden.

    Elke Müller: Natürlich muss die Prohacek irgendwann in Rente. Aber da sie ja schon "viel zu alt" für den Job war, als sie gerade erst angefangen hatte, wie André Langner ihr gleich in der ersten Folge an den Kopf schmiss, könnte sie jetzt eigentlich ewig weitermachen. Wir finden immer wieder Geschichten, die wir unbedingt noch erzählen wollen – und Senta Berger auch. Deshalb hoffen wir, dass wir ihren Abschied noch etwas rauszögern können.

    Mario Krebs: Wir haben uns verabredet, das von Jahr zu Jahr zu entscheiden. Und bislang haben wir alle gemeinsam immer gesagt: Wir machen weiter. Nach der Folge 25 "Betongold" haben wir letztes Jahr eine Doppelfolge gedreht, die zu Jahresbeginn 2017 ausgestrahlt wird. Und wir bereiten gerade die Dreharbeiten für zwei Folgen in diesem Herbst vor. Die Zuschauer können sich also auf weitere Folgen von "Unter Verdacht" freuen.

    Die Fragen stellte Franziska Kurra.

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