Julia (Emma Bading) und Nick (Jannik Schümann), Copyright: ZDF/Pawel Labe
Julia (Emma Bading) und Nick (Jannik Schümann), Copyright: ZDF/Pawel Labe

Westwall

neoriginal - sechsteilige Event-Miniserie

Das Leben der Polizeischülerin Julia gerät außer Kontrolle als sie sich in den geheimnisvollen Nick verliebt. Nick ist nicht der, als der er sich ausgibt. Als sie nach der ersten Liebesnacht ein riesiges Hakenkreuz auf seinem Rücken entdeckt, beginnt sie, zu recherchieren, und erkennt bald, dass sie nur eine Marionette in einem viel größeren Plan ist. Sie folgt einer Spur tief in die Wälder der Eifel zu den verlassenen Bunkern des Westwalls. An der alten Verteidigungs­anlage aus dem Zweiten Weltkrieg findet die Polizeischülerin den Unterschlupf von Terroristen – mit denen sie mehr verbindet, als sie ahnt. 

  • ZDF, Samstag, 27. November 2021, 21.45 Uhr und 22.30 Uhr (Folgen 1 und 2)
  • ZDF neo, Dienstag, 7. Dezember 2021, 21.45 Uhr (Folgen 1-3) und Mittwoch, 8. Dezember 2021, 21.45 Uhr (Folgen 4-6)
  • ZDF Mediathek, 20. November 2021 bis 19. November 2022 (alle Folgen)

Texte

"Eine neue, junge Serie für die Mediathek"

Mit "Westwall" präsentieren wir Ihnen eine neue, junge Serie für die Mediathek. "Westwall" ist eine spannende, temporeiche Event-Miniserie, die ein wichtiges politisches Thema behandelt: den Rechtsextremismus, erzählt aus der Sicht einer jungen Polizistin, die entdeckt, wer ihre Mutter wirklich ist. Nach dem Roman von Benedikt Gollhardt hat die Regisseurin Isa Prahl eine zeitgemäße Serie inszeniert, die die Nutzer*innen – hoffentlich – in ihren Bann zieht.

Heike Hempel, Hauptredaktionsleiterin Fernsehfilm/Serie II und stellvertretende Programmdirektorin des ZDF

Am Nerv der Zeit

Das titelgebende größenwahnsinnige Bauwerk entstammt der Vergangenheit, die Themen, die zwischen den verrotteten Bunkeranlagen des NS-Westwalls verhandelt werden, sind aber hochaktuell. Eine verunsicherte Gesellschaft, fehlgeleiteter Idealismus, rechte Umsturzfantasien, die bis in die Mitte der Staatsapparate wuchern.

In dieser Gemengelage wird die junge Polizeischülerin Julia Opfer einer Verschwörung und Spielball verschiedener Mächte, die skrupellos ihre Interessen verfolgen und von ihren jeweiligen Dämonen gelenkt werden. Eine Terroristin, die jugendliche Obdachlose für einen Terroranschlag rekrutiert. Ein Polizeiausbilder, der hin- und hergerissen ist zwischen Rechtschaffenheit und Rechtsextremismus. Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, die mit allen Mitteln das Attentat verhindern wollen und solchen, die als Helfer eines politisch organisierten Umsturzes agieren. Und da ist der junge Nick mit rechtsextremer Vergangenheit, der auf Julia angesetzt wird, sich aber in sie verliebt.

Johannes Frick-Königsmann und Bastian Wagner, HR Fernsehfilm/Serie II

Statement der Produzent*innen

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Radikale Ideologien sickern wie ein langsames Gift in die Gesellschaft ein. Extremisten unterwandern die Polizei, der Geheimdienst agiert umstritten, im Parlament treiben Populisten ihr Unwesen – wem kann man überhaupt noch trauen? "Westwall" ist eine hochaktuelle Thriller-Serie über die brisanten Themen unserer Zeit. Sie skizziert eine zerrissene Gesellschaft, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, bis hinein in den Sicherheitsapparat, und stellt uns vor die Entscheidung: Auf welcher Seite stehen wir?

Stab und Besetzung

Buch & Creative ProducerBenedikt Gollhardt nach seinem gleichnamigen Roman
RegieIsa Prahl
KameraAndreas Köhler
EditorDaniel Scheuch   
MusikVolker Bertelmann
SzenenbildGrzegorz Piątkowski, Katarzyna Sikora
KostümbildKatarzyna Lewińska
MaskenbildKlaudyna Góralska
CastingIris Baumüller
TonBartłomiej Bogacki
HerstellungsleitungFabian Glubrecht 
ProduktionsleitungKilian Grauel, Sabine Bischof
ProducerSven Petersen
ProduktionGaumont GmbH, Köln
Produzentin/ProduzentenSabine de Mardt, Andreas Bareiss, Rainer Marquass
RedaktionBastian Wagner, Johannes Frick-Königsmann
Länge

6 x 45 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller*innen
Julia Gerloff  Emma Bading
Nick Limbach Jannik Schümann
Ira TetzelJeanette Hain
Florian KepplerDevid Striesow
Karl   David Schütter
Berthold RoosenRainer Bock
Dr. Gräf Suzanne von Borsody
Wolfgang Gerloff Karsten Antonio Mielke
LydiaLorna Ishema
Henning BadtkeKostja Ullmann
JonasGustav Strunz
Anni Nora Islei
Kiki   Maria Matschke Engel
Maik Elmo Anton Stratz
Lenni Maurizio Magno
BenjaminLorenzo Germeno
LynnSophia Urbach
Locke  Jeremy Miliker
ClemensMarven Gabriel Suarez Brinkert

und andere

In GastrollenInka Friedrich, Ilknur Boyraz, Stephan Grossmann, Daniel Wagner, Alessija Lause, Ramin Yazdani und andere

Allgemeiner Inhalt

Als die junge Polizeischülerin Julia Gerloff den geheimnisvollen Nick kennenlernt, ist sie drauf und dran, sich zu verlieben. Doch nach der ersten gemeinsamen Nacht entdeckt sie geschockt, dass Nick ein riesiges Hakenkreuz-Tattoo auf dem Rücken trägt. Julias Vater, der Alt-Linke Wolfgang, ist empört, und auch ihre Mitbewohnerin Lydia rät Julia, den Typen sofort zu vergessen. Doch Julia glaubt Nick, der beteuert, dass er sein früheres Leben hinter sich gelassen habe.

Julia beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, und erkennt bald, dass sie nur eine Marionette in einem viel größeren Plan ist. Als sie auf ein rechtsextremes Netzwerk stößt, das bis in die Poli­zei und den Verfassungsschutz reicht, gerät ihr Leben völlig aus den Fugen. Sie folgt einer Spur tief in die Wälder der Eifel zu den verlassenen Bunkern des Westwalls. An der alten Verteidigungs­anlage aus dem Zweiten Weltkrieg findet die Polizeischülerin den Unterschlupf von Terroristen – mit denen sie mehr verbindet, als sie ahnt.

Folgeninhalte

Kapitel I

Julia ist Polizeischülerin in Köln. In Lydia hat sie eine Freundin und Ratgeberin gefunden, und ihr Ausbilder, der väterlich-strenge Hauptkommissar Roosen, hat sie immer im Auge. Julia ist das Küken der Truppe, unbefangen und neugierig. Neben dem an­strengenden Unterricht ist Julia im Dauereinsatz für ihren quer­schnittgelähmten Vater Wolfgang. Julias Mutter starb kurz nach der Geburt.

Als Julia sich in den geheimnisvollen Nick verliebt, ahnt sie noch nicht, dass er mit dem Verfassungsschützer Keppler einen dunk­len Plan verfolgt. Er dreht sich um eine Gruppe ehemals obdach­loser Jugendlicher, die an den Ruinen des Westwalls in den Wäl­dern der Eifel eine verlassene Sägemühle in Besitz nimmt. Sie werden von Ira angeführt, die die Kids darauf einschwört, bald "blutige Rache" am System zu üben, das sie einfach ausgespuckt habe. Ira macht mit den Kids Schießübungen, während ihre rechte Hand Karl in einem verlassenen Bunker Bomben baut.

 

Kapitel II

Nachdem Julia auf Nicks Rücken ein tätowiertes Hakenkreuz entdeckt hat, überprüft sie ihn im Polizeisystem und stellt geschockt fest, dass er einen falschen Namen benutzt und als schwerkrimineller Rechtsextremer registriert ist. Julia will in der Polizeischule eine Waffe stehlen, um Nick damit zur Rede zu stellen. Dabei wird sie von ihrem Ausbilder erwischt und erzählt ihm von Nick. Roosen will herausfinden, was Nick mit seiner Schülerin vorhat und übergibt dessen Daten an eine klandestine rechtsextreme Verschwörer-Gruppe, der er sich heimlich angeschlossen hat. Ein Mitglied der Gruppe, Henning, gibt Nicks Adresse an Ira weiter. Sie schickt Karl los, um den "Verräter" zu holen. Nick ist ein ehemaliges Mitglied von Iras Truppe. Derweil gelingt es dem Verfassungsschützer Keppler, Julias Vertrauen zu Nick wiederherzustellen. Er gibt sich als Bewährungshelfer aus und versichert ihr, dass Nick voller Reue dem rechtsextremen Gedankengut abgeschworen hat. Julia trifft Nick am gleichen Abend zur Versöhnung. Der will ihr endlich die ganze Wahrheit über seinen Auftrag verraten und ihr dafür ein Foto der Gruppe zeigen. Doch in seiner Wohnung wartet schon Iras Mann fürs Grobe: Karl.

 

Kapitel III

Nach dem Anschlag wacht Julia im Krankenhaus auf, Nick ist spurlos verschwunden. Als sie ihrem Vater Wolfgang über einen speziellen Ring des unbekannten Angreifers berichtet, horcht er erschrocken auf. Er glaubt, darin einen "Westwallring" zu erkennen, ein Neonazi-Abzeichen, und warnt Julia, dass sie in großer Gefahr sei. Julia weigert sich unterzutauchen, sie will Nick finden. Der wacht indes verletzt in einer Pension auf. Zu seiner Sicherheit wurde er hier von Verfassungsschützer Keppler versteckt. Gleichzeitig berichtet Karl in der Sägemühle am alten Westwall von Nicks Begleitung, und Ira fasst den Plan, Nick über Julia zu finden. Dabei stößt sie auf deren Polizeiausbilder Roosen und findet heraus, dass dessen Tochter in einer psychiatrischen Klinik ist. Unter der Drohung, dem Mädchen etwas anzutun, gibt Roosen Julias Namen und Adresse preis. Panisch drängt der Kommissar Julia dazu, im Ausland unterzutauchen. Julia besteht darauf, sich vorher von ihrem Vater Wolfgang zu verabschieden. Doch Ira ist Julia zuvorgekommen und hat Wolfgang einen verhängnisvollen Besuch abgestattet.

 

Kapitel IV

Julias Leben scheint ein dunkles Rätsel. Sie begibt sich auf Spurensuche in ihre Vergangenheit und stößt auf eine Verbindung zu Ira und ein altes Sägewerk am Westwall. Doch noch passen die Puzzlestücke nicht zusammen. Währenddessen stellt Kommissar Roosen voller Wut Henning zur Rede, und es zeigt sich: Der rechtsextremistische Strippenzieher Henning ist Badtke, ein hochrangiger Mitarbeiter beim Landesverfassungsschutz. Er hatte Ira als V-Frau aus der Naziszene geführt und eine Affäre mit ihr begonnen. Dadurch stieß sie zu dem Verschwörer-Netzwerk, das das Land durch eine Serie von Bombenattentaten destabilisieren und die Macht übernehmen will.

Beim Bundesverfassungsschutz erklären Keppler und seine Chefin Dr. Gräf ihren unautorisierten Plan für tot und versuchen ihre Spuren zu verwischen. Die Kripo, die den Mord an Wolfgang ermittelt, plant derweil, Julia ohne ihr Wissen bei der Beerdigung ihres Vaters als Lockvogel zu benutzen, um Ira festzunehmen. Doch während der Beisetzung auf dem Friedhof überschlagen sich die Ereignisse.

 

Kapitel V

Julia will Ira zur Rede stellen. Sie fährt zum Westwall und macht sich auf die Suche nach dem Sägewerk. Nick folgt Julia, um ihr endlich die ganze Wahrheit zu erzählen. Während Keppler immer mehr Indizien findet, dass die Gruppe verheerende Bombenanschläge plant, stellt Roosen Henning Badtke zur Rede. Er beschuldigt ihn, für den Tod von Julias Vater verantwortlich zu sein. Der Verfassungsschützer ahnt, dass Roosen die Verschwörer-Gruppe verraten könnte und erschießt ihn kaltblütig. Julia, die im selben Moment mit Roosen telefoniert, wird Ohrenzeugin des Mordes und bekommt ein Indiz, dass der Täter mit dem Verfassungsschutz in Verbindung steht. Sie informiert ihre Freundin Lydia und fährt tiefer in die Wälder, auf der Suche nach Ira – und einen Tag später stehen sich die Beiden tatsächlich gegenüber. Julia ist hasserfüllt und wirft Ira vor, Wolfgang ermordet zu haben. Doch Ira kann Julia mit vorgespielter Trauer und geschickten Lügen vortäuschen, dass alles ein tragischer Unfall war. Julia bleibt misstrauisch, doch sie folgt Ira zum Sägewerk.

 

Kapitel VI

Auch Nick hat Iras Versteck am alten Westwall erreicht, und er schafft es, Ira in seine Gewalt zu bekommen. Doch Karl eilt Ira zu Hilfe und schlägt Nick nieder. Gemeinsam bringen die beiden Nick in den Keller des Sägewerkes und verhören ihn brutal. In der Zwischenzeit versucht Keppler herauszufinden, wer der Maulwurf im Verfassungsschutz ist. Als das LKA Roosens verbranntes Handy ausliest, stößt Keppler auf Badtkes Namen. Der Verfassungsschützer ist enttarnt und wird festgenommen. Keppler findet in dessen Auto die Koordinaten für Iras Versteck.

Im Wald eskalieren die Ereignisse. Julia findet Hinweise auf die Anschlagpläne der Gruppe und entdeckt die Bombenwerkstatt im Bunker. Dort lauert ihr Karl auf und versucht sie zu töten. Doch Julia kann ihn überwältigen. Anschließend gelingt es ihr, Nick aus dem Keller der Sägemühle zu befreien. Endlich kann er ihr die Wahrheit über den Plan des Verfassungsschutzes sagen und ihr seine Liebe gestehen. Julia versucht, mit dem verletzten Nick zu fliehen. Doch auf der Flucht aus dem Gebäude werden sie von der zu allem entschlossenen Ira gestellt. 

"Die Serie zur Zeit" - Interview mit Benedikt Gollhardt

Was ist der Westwall?

Der Westwall ist ein monströses Bauwerk aus der Hitlerzeit, das auf deutscher Seite von den Niederlanden bis herunter zur Schweiz reichte. Ein Verteidigungssystem von über 600 Kilometern Länge aus Panzersperren und Bunkern. Er wurde ab den späten 30er Jahren gebaut, von einer halben Million teils zwangsrekrutierten Arbeitern, die dort innerhalb von wenigen Jahren ein gigantisches Bauwerk hingesetzt haben. Der Westwall war auch ein Grund, warum die Alliierten nicht von Westen angriffen, als Hitler-Deutschland 1939 Polen überfiel. Dabei war er keineswegs so unüberwindbar, wie die Nazis behaupteten. Das hat man 1945 gemerkt: Als die Amerikaner den Westwall inspizierten, waren viele Bunker schon marode. Heute sind nur noch kleine Teile erhalten. Man kann in der Eifel oder in der Gegend von Karlsruhe immer noch lange Reihen von Panzersperren, die sogenannten "Höckerlinien", und auch einige Bunker besichtigen.

Wie kam es zum Roman, auf dem die Serie beruht?

Ich hatte den Begriff "Westwall" eigentlich schon seit vielen Jahren im Kopf und wollte immer eine Geschichte dazu schreiben. Die konkrete Idee entstand vor fünf Jahren, nach den Ereignissen rund um den NSU-Komplex. Ich hatte nach Jahren als Dramedy-Autor das Gefühl, politischer werden zu wollen. Für mich war klar, dass ich eine Geschichte über die Unterwanderung des Verfassungsschutzes und der Polizei durch Rechtsextremisten schreiben wollte. Also habe ich intensiv recherchiert, bis in den Verfassungsschutz hinein. "Westwall" war tatsächlich zunächst als Serie konzipiert, fand aber keinen Abnehmer. Daraufhin beschloss ich, einen Roman daraus zu machen. Letztes Jahr sprach mich ein ehemaliger hochrangiger Verfassungsschützer an, wodurch ich den Einblick in die Welt des Geheimdienstes habe. Die Geschichte ist also nahe an der Realität, natürlich fiktional überhöht, sonst wäre es kein Drama. Der Erfolg des Romans schließlich half, doch noch eine Serie zu inszenieren.

Trotzdem ist "Westwall" kein reiner Politthriller, sondern stellt die emotionalen Geschichten zweier Außenseiter ins Zentrum: die Polizeischülerin Julia und den Heimatlosen Nick. Die Geschichte um Emma Badings Figur Julia und Nick, der von Jannik Schümann gespielt wird, hat sich in der Entwicklung ergeben. Denn mich hat auch gereizt, einen Stoff um junge Protagonisten zu erzählen. Es muss schwer sein, in einer solch zerrütteten Zeit groß zu werden. Mich hat schon lange interessiert, was junge Leute dazu bringt, zur Polizei zu gehen, Verantwortung zu übernehmen und sich dort Anfeindungen und körperlichen und psychischen Härten auszusetzen. Gleichzeitig wollte ich etwas über junge Obdachlose erzählen, von denen es Tausende auf deutschen Straßen gibt. Sie sind von der Gesellschaft vergessen und leben völlig unbeachtet wie Geister unter uns.

Was war Ihnen wichtig bei der Adaption des Buchs für den Bildschirm?

Für uns war Voraussetzung, dass es eine moderne Serie mit einer starken Bildsprache wird, die authentisch ist und Klischees umgeht. In der Erzählung wollten wir Raum zum Mitdenken geben. Und wir wollten vor allem ambivalente Figuren erzählen, denn das ist es, was moderne Serien heute ausmacht. Selbst bei einer Terroristin kann man Charisma spüren. Bei den obdachlosen Kids war es ein Balanceakt zu zeigen: Einerseits sind sie Verführte, die fasziniert sind, wenn sie mit Waffen schießen dürfen und mit Granaten werfen. Doch gleichzeitig sind da immer noch die Zweifel und die Menschlichkeit, die hervortreten, wenn es hart auf hart kommt.

Wie sehen Sie den Rechtsextremismus, nachdem Sie sich jahrelang damit beschäftigt haben?

In den letzten fünf Jahren ist es nicht besser geworden. Immer wieder wurden Rechtsextremisten bei der Polizei enttarnt, rechtsextremistische Anschläge verübt und der ehemalige Verfassungsschutzpräsident machte zweifelhafte Aussagen, die eine Nähe zu rechtsradikalem Gedankengut vermuten lassen. Es war nie vorbei. In den Neunzigern hatten wir vor Heimen für Geflüchtete offenen Rassismus, heute findet er schon im Bundestag statt. Wir müssen sehr wachsam sein.

Ist der Westwall ein Symbol für das, was derzeit überall in der Welt zu passieren scheint?

Ja. Es werden wieder Mauern hochgezogen – USA, Ungarn, Frontex. Die Zeichen stehen auf Spaltung und Nationalismus, statt auf Gemeinsamkeit. Gleichzeitig gibt es Hoffnung, wenn man sieht, dass die Erasmus-Generation das nicht akzeptieren will und längst global denkt.

"Westwall" umfasst sechs Folgen. Ist eine Fortsetzung denkbar?

Ich schreibe gerade einen neuen Roman, der die Ereignisse unmittelbar nach dem Ende von Westwall weiterspinnt. Mit den "Bad Guys" der Serie und einer neuen Protagonistin, wieder eine Polizistin.

Wie würden Sie den Zuschauerinnen und Zuschauern die Serie ans Herz legen?

"Westwall" ist state of the art, extrem emotional, hochspannend, hochaktuell, mit vielschichtigen und ambivalenten Figuren. Die Serie zur Zeit. 

"Ein Hybrid zwischen Thriller und Drama" - Statement der Regisseurin Isa Prahl

"Westwall" ist die Geschichte der jungen Polizeianwärterin Julia, die einen geheimnisvollen jungen Mann, Nick, kennenlernt und über ihn die dunkle Wahrheit ihrer eigenen Familie erfährt. Es ist eine Erzählung, die sehr vielschichtig und komplex gezeichnet ist. Das hat mich von Anfang an an diesem Stoff gereizt. Erzählt wird eine persönliche Geschichte über Liebe und Familie, die sich immer weiter auffächert und ein toxisches Lügenkonstrukt offenlegt. Und plötzlich befindet sich die Geschichte nicht mehr im rein Privaten, sondern im Politischen. Das macht die Geschichte hochaktuell. Sie spielt in der heutigen Zeit, die immer mehr von rechtspopulistischen Ideologien durchtränkt wird.

Wir haben auf starke Frauenfiguren gesetzt, da das Thema Radikalisierung häufig männlich konnotiert ist. Aber vor allem haben wir alle Figuren, die sich in dieser Welt bewegen, sehr ambivalent gezeichnet – weg von den klischierten Gut- und Böse-Attributen, und so bekommt selbst das vermeintlich Böse menschliche Züge. Diese Entscheidung war mir sehr wichtig, denn so wird die Perfidie noch spürbarer.

"Westwall" ist ein Hybrid zwischen Thriller und Drama, zwischen Realismus und Märchen, das einen ganz schön in Atem hält.

"Ich liebe die Herausforderung" - Interview mit Emma Bading

Wie haben Sie reagiert, als Ihnen die Rolle der Julia angeboten wurde?

Nachdem ich die Bücher von Benedikt Gollhardt gelesen habe, war mein erster Gedanke: Was für eine Herausforderung! Ich habe vorher noch nie in einer Serie mitgespielt und nie zuvor etwas in Richtung Action gedreht. Aber ich liebe einfach die Herausforderung und auch die Möglichkeit, in Gebiete reinzuschnuppern, mit denen ich privat wahrscheinlich niemals in Kontakt gekommen wäre.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich bin zu Stunt-Kursen gegangen und habe für eine Woche eine Polizei-Schule besucht. Das war sehr spannend. Dort konnte ich selbst erfahren, was es bedeutet, sich in eine feste und sichere Struktur zu begeben. Der Wunsch nach dieser Struktur ist für meine Figur Julia ein wichtiger Antrieb. Außerdem habe ich schnell gemerkt, dass dort ein rauer und strenger Ton herrscht, es aber gleichzeitig auch sehr familiär ist.

Was können Sie uns über Ihre Figur verraten?

Julia ist zusammen mit ihrem Vater in einer Kommune in einem Bauwagen-Camp aufgewachsen. Sie hat sich dann aber entschieden, eine Polizeiausbildung zu beginnen und damit von ihrem bisherigen Leben und ihrem Vater abgewandt. Auf der Polizeischule erlebt sie klare Grenzen, klare Regeln, klare Ansichten. Das ist etwas, das sie im Camp und von ihrem Vater gar nicht bekommen hat, und es gibt Julia eine wahnsinnige Sicherheit. Im Laufe der Serie wird sie jedoch gezwungen, sich mit ihrem alten Leben zu konfrontieren, und das ist nicht leicht für sie zu verkraften.

Ist Julias Herkunft ein Grund, weshalb sie sich auf Nick einlässt?

Julia ist ein wahnsinnig neugieriger Mensch. Sie spürt, dass Nick ein Geheimnis umgibt und will dieses lüften. Aber schlussendlich verbindet die beiden etwas viel Stärkeres. Für mich sind es zwei entwurzelte Seelen auf der Suche nach einem sicheren Rahmen. Das verbindet die beiden.

Die Serie behandelt den Rechtsextremismus und den rechten Terror. Was empfinden Sie bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema?

Ich habe mich gefragt, warum sich Menschen nach rechts wenden und bin auf drei sich wiederholende Begriffe gestoßen: Gemeinschaft, Stärke und Schutz. Das sind Dinge, die wir alle wollen. Insbesondere in der Zeit der Unsicherheit, in der wir gerade leben, sind solche Dinge verlockend. Es ist einfacher, zu sagen: "Das ist richtig, und das ist falsch", als sich einzugestehen, dass die Welt bunt ist und viele Schattierungen hat. Mit einer solchen Mehrdeutigkeit zu leben, ist schwierig.

War diese politische Dimension für Sie ein Grund, bei dem Projekt zuzusagen?

Das ist eine spannende Frage, denn diese Komponente war einerseits abschreckend für mich, da so was auch schnell in eine falsche Richtung gehen kann. Andererseits hat mir dieser erste Impuls auch gezeigt, dass ich das Projekt genau aus diesem Grund machen muss.

War Corona eine Herausforderung für die Dreharbeiten?

Corona war für mich eine absolute Herausforderung. Die größte war, nicht nach Hause zu dürfen. Ich musste die ganze Zeit vor Ort sein, auch wenn ich eine Woche nicht gedreht habe. Das war schwierig auszuhalten, aber ich bin auch sehr daran gewachsen.

"Irre gute Cliffhanger" - Interview mit Jannik Schümann

Was hat Sie an der Figur Nick gereizt? 

In "Westwall" hatte ich die Möglichkeit, eine Figur zu spielen, die in ihrem Leben schon viel Schlimmes erfahren hat. Jetzt braucht Nick die Hilfe anderer, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. Generell suche ich nach Rollen, die nicht nur gut oder böse beziehungsweise total klar zu lesen sind. Und das finde ich an Nick so wahnsinnig spannend, denn man weiß nie zu hundert Prozent, wie es ihm geht und was er gerade fühlt.

Können Sie etwas was über die Geschichte von Nick erzählen?

Nick hatte eine sehr schlimme Kindheit. Sein Vater ist abgehauen, seine Mutter war alkoholkrank, und er ist mit zwölf von zu Hause weggelaufen. Er hat andere Jungs getroffen, die er cool fand, aber das waren Hooligans aus der rechten Szene. So ist er dann schnell abgerutscht und hat deren Gedankengut angenommen, bis er von einer ebenfalls rechtsextrem gesinnten Frau namens Ira aufgefangen wird und sich ihrer Gruppe anschließt, die sich am Westwall versteckt und dort Jugendliche zu Terroristen ausbildet.

Können Sie sich in gewissen Punkten mit Nick identifizieren?

Ich habe glücklicherweise eine komplett andere Vergangenheit. Ich bin in einem behüteten Elternhaus mit viel Liebe aufgewachsen. Trotzdem kennt jeder das Gefühl, verloren zu sein und nicht weiter zu wissen. Dann braucht man nur diese eine Person, die auf einen einredet und einem Mut zuspricht. Dieser Person vertraut man dann, weil sie einem Halt gibt und man nicht länger schwimmen will. Das hat, glaube ich, jeder von uns schon mal erlebt. Nick ist aber auch eine positive Figur, da er versucht, aus dieser Szene auszusteigen. Ira möchte die Welt und das Land nach ihrem Gedankengut umformen und verändern. Das findet Nick nicht richtig. Er schafft es zu entkommen und kontaktiert das Aussteigerprogramm, um mit ihnen zusammenzuarbeiten und die Gruppe von Ira auffliegen zu lassen. Dabei trifft er auf Julia, und zwischen ihr und Nick entwickelt sich eine ganz spannende Liebesgeschichte.

Wie war die Zusammenarbeit mit Emma Bading? 

Ich hatte Emma vor "Westwall" noch nicht persönlich kennengelernt. Was ich sehr spannend an ihr fand, war ihre starke Präsenz vor der Kamera. Wenn sie vor der Kamera steht, dann passiert etwas ganz Magisches.

Gab es eine Szene mit Emma, die Sie besonders berührt hat?

Das schönste an einer Serie, die zwischen Drama und Spannung spielt, sind die lockeren und heiteren Momente. Ich hatte solche Momente bei den Date-Szenen mit Emma. Hier gibt Nick anfangs vor, als würde er etwas für sie empfinden, was er dann letztendlich auch wirklich tut. Das zu spielen hat mir am meisten Spaß gemacht. 

Haben Sie schon einmal in einer Produktion mit so hohem Actionanteil gedreht?

Bisher noch nicht. Das ist auch ein Grund gewesen, warum ich so Lust darauf hatte, "Westwall" zu drehen. Ich habe bisher nur in Dramen, Komödien oder Liebesfilme gespielt, aber noch nicht im klassischen Thriller. Deshalb hat mich das sehr gereizt.

Warum sollte man, Ihrer Meinung nach, die Serie unbedingt sehen?

Zum einen ist es eine sehr spannende und komplexe Geschichte, zum anderen auch wahnsinnig aktuell. Die Mischung aus Thriller und Drama sowie die künstlerische Umsetzung unserer Regisseurin Isa Prahl und unseres Kameramannes Andreas Köhler machen "Westwall" einzigartig. Ich kann außerdem irre gute Cliffhanger versprechen, die sofort zum Weiterschauen verführen.

"Die Serie hat enorm viel Rock’n’Roll" - Interview mit Jeanette Hain

Was für eine Person ist Ira?

Ira ist eine sehr besessene Person. Wenn sie etwas will, dann hält sie nichts und niemand auf. Sie ist ein einsamer Planet im Universum, der zu niemandem gehört. Sie hat zwar Menschen um sich herum, die sie Verbündete nennt, aber eigentlich ist sie ihre eigene Verbündete. Sie vertraut sich selbst am meisten und ist aus diesem Grund auch verdammt einsam. Das lässt sie aber nur selten durchblicken.

Trotzdem hat sie es geschafft, eine Gruppe Jugendlicher um sich zu scharen und als charismatische Anführerin zu agieren. So einsam scheint sie nicht zu sein…

Durch ihr eigenes Versagen als Mutter hat sie sich im Laufe der Jahre zu einer "Übermutter" entwickelt und ihr eigenes Bild geschaffen, wie eine Mutter zu sein hat. Dadurch hat sie ein wildes, aber auch allumarmendes Herz, mit dem sie die Kinder berührt. Dahinter steht aber immer ein Plan. In ihrem eigenen Selbst findet Ira keine Erfüllung, deshalb versucht sie sich diese Erfüllung von außen zu holen. Innerlich bleibt sie dadurch ein einsamer Mensch.

Wie war der Dreh in Krakau?

Krakau hat eine ganz große Poesie. Für mich waren die drei Monate schon deswegen eine unfassbar schöne Zeit – und das, obwohl wir unter Corona-Bedingungen gedreht haben. Weil wir alle vor Ort waren, war die Zusammenarbeit mit dem Autor Benedikt Gollhardt, der Regisseurin Isa Prahl, mit David Schütter und Emma Bading sehr intensiv. Wir haben zusammengesessen und gemeinsam die Szenen "umgegraben" und die Sprache verändert. Das war wunderbar und sehr inspirierend.

Was dürfen die Zuschauer erwarten?

Ich glaube, dem Kameramann Andreas Köhler und Isa Prahl, der Regisseurin, ist etwas Außergewöhnliches gelungen. Die Serie hat enorm viel Rock’n’Roll – in einem Moment eine große Zartheit, dann eine irrsinnige Düsternis und dann wieder Hoffnung. Es ist alles drin.

"Wahnsinnig nah und aktuell " - Interview mit David Schütter

Können Sie Ihre Figur Karl beschreiben und erläutern, was Sie daran gereizt hat?

Ich spiele einen radikalisierten Rechten, der schnell als Monster abgetan werden kann. Aber genau das hat mich an der Rolle gereizt - diese Figur zu vermenschlichen, um Karl näher an den Zuschauer heranzuholen. Denn wenn er sehr weit weg ist, läuft man Gefahr zu denken: "So was kann mir ja niemals passieren." Aber ich glaube, es könnte. Denn es konnte.

Was ist Karls Geschichte?

Karl kommt aus dem Keller. Er kommt aus der Unterschicht, ist schon früh sehr vereinsamt und zum absoluten Außenseiter geworden. Als er dann die Möglichkeit bekommen hat, irgendwo dazu gehören zu können, nützlich zu sein und das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden, hat er das natürlich angenommen. Um jeden Preis.

Wie ist das Verhältnis zwischen Ira und Karl?

Ira ist nicht nur eine Art verquerer Mutterersatz, sie hat in seinem Leben ebenfalls das Monopol auf Wärme, Nähe und Liebe, in jeglicher Form. Wichtig und mächtig. Für Karl ist es nicht wichtig, mit Ira auf Augenhöhe zu sein, sondern er will zu jemandem aufblicken können, und dieser Jemand ist Ira.

Was war für Sie eine Herausforderung beim Dreh?

Es war wirklich nicht leicht, diesen rechten Typen zu spielen. Wenn mir das leicht fallen würde, müsste ich mich sehr über mich selbst wundern. Natürlich fiel es mir sehr schwer, rechtes Gedankengut in meine Gefühlswelt zu lassen. Aber ich denke, dass es wichtig ist, neben Personen, die uns mit gutem Beispiel voraus gehen, auch negative Gegenbeispiele zu zeigen. In diesem Fall halte ich dafür mein Gesicht hin und hoffe, dass es funktioniert.

"Westwall" behandelt den Rechtsextremismus und den Terror von rechts. Was empfinden Sie bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema?

Für mich war der ausschlaggebende Punkt, Teil dieser Serie zu werden: Seit 1990 hatten wir in Deutschland 208 Tötungsdelikte durch rechtsradikal motivierte Gewalt. Meiner Meinung nach ist der rechte Terror in den Medien oft unterrepräsentiert. Vielleicht kann unsere Serie dem Thema mehr Präsenz verschaffen und auch bewirken, dass mehr dagegen getan wird.

Wie würden Sie Ihren Freunden und Freundinnen die Serie ans Herz legen, wenn Sie sie in einem Satz beschreiben müssten?

Was wie eine weit entfernte Dystopie wirkt, ist wahnsinnig nah und aktuell.

 

Weitere Informationen

Impressum

Fotos über ZDF Presse und Information

Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/westwall

 

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock

E-Mail: pressedesk@zdf.de

Kontakt

Name: Susanne Priebe
E-Mail: presse.hamburg@zdf.de
Telefon: (040) 66985 180