Wie viel Islam verträgt Deutschland?

"ZDFzeit"-Doku

Nach "Wie viele Flüchtlinge verträgt Deutschland?" widmet sich die "ZDFzeit" nun der Frage: "Wie viel Islam verträgt Deutschland?". Denn aktuelle Umfragen zeigen: Im Zuge der aktuellen Flüchtlingskrise wächst in Teilen der Bevölkerung wieder die Angst vor einer Islamisierung. Mit ungewöhnlichen Experimenten und spannenden Reportagen ergründet die "ZDFzeit" die Stimmung im Lande und benennt die Fakten zum Thema. 

  • ZDF, Dienstag, 24. November 2015, 20.15 Uhr
  • ZDF info, Mittwoch, 25. November 2015, 8.30 Uhr

    Texte

    Sendetermine und Stab

    Dienstag, 24. November 2015, 20.15 Uhr, ZDF
    Mittwoch, 25. November 2015, 8.30 Uhr, ZDFinfo

    ZDFzeit: Wie viel Islam verträgt Deutschland?

    Film von Annette Heinrich, Candan Six-Sasmaz und Robert Wortmann

    Kamera: Ralf Heinze, Christoph Lerch, Jürgen Heck, Sami Karim
    Schnitt: Sahinaz Akalin, Hauke Ketelsen
    Produzent: Spiegel TV
    Redaktion: Udo Frank, Christian Deick, Ursula Schmidt

    Wie viel Islam verträgt Deutschland?

    In Deutschland werden in 35 Jahren geschätzt sieben Millionen Muslime leben. Deutschland steht damit vor großen sozialen Veränderungen. Die Angst vor einer Islamisierung ist groß.

    Die vielen Flüchtlinge, die gerade nach Deutschland kommen, geben solchen Ängsten Auftrieb. "ZDFzeit" fragt: Wie viel Islam verträgt Deutschland? Mit ungewöhnlichen Experimenten und spannenden Reportagen wird die Stimmung im Land ergründet, und Fakten werden genannt.

    Umfragen zeigen, dass die Hälfte der deutschen Bevölkerung Angst vor dem Islam hat. Viele treibt die Sorge um, was sich hinter den Moscheemauern tut. Wie kann man verhindern, dass sich junge Menschen radikalisieren? Passen Koran und Grundgesetz zusammen? Wie gut funktioniert eigentlich Integration hierzulande gerade auch angesichts der vielen Flüchtlinge, die zurzeit nach Deutschland kommen?

    "ZDFzeit" dokumentiert, wie Bürger auf das Ansinnen reagieren, wenn in ihrer Nachbarschaft eine Moschee gebaut werden soll. Gezeigt wird außerdem der Selbstversuch eines jungen Deutschen, der sich über mehrere Monate einer muslimischen Gemeinde angeschlossen hat. Er will herausfinden, ob er lieber den Glaubenssätzen des Koran oder denen der Bibel folgen möchte.

    Die Dokumentation blickt auch auf die Seite der Muslime. Und zeigt, ob und wie sich ihr religiös bestimmtes Leben mit westlicher Lebensart in Einklang bringen lässt. So berichten Muslime, die in Deutschland leben, wie wichtig der Glaube für sie ist und ob dieser mit den Wertvorstellungen einer westlichen Gesellschaft überhaupt in Einklang zu bringen ist.

    Die Dokumentation zeigt die Konflikte, in denen sich junge Muslime befinden, wenn sie einerseits ihrer Religion treu bleiben und andererseits gemeinsam mit ihren nicht-muslimischen Freunden feiern wollen. "ZDFzeit" fragt: Ist das Kopftuch für muslimische Frauen ein Symbol der Unterdrückung, und warum hat der radikale Islam auf junge Leute so eine große Anziehungskraft?

    "Welchen Islam wollen wir in Deutschland?" Fragen an Filmautorin Annette Heinrich 

    Wie nähert sich Ihre Dokumentation der Frage, wie viel Islam Deutschland verträgt? Und wie fällt die Antwort darauf am Ende aus?

    Unser Film trägt den bewusst provokanten Titel: "Wie viel Islam verträgt Deutschland?" Ebenso provokant sind dann auch die Kapitelüberschriften "Ist der Islam frauenfeindlich?", "Ist der Islam eine Gewalt- und Terror-Religion?" und "Passt der Islam zu unserer Demokratie?" Allesamt gängige Vorurteile, die viele dem Islam gegenüber hegen. Und genau da möchten wir ansetzen, die Zuschauer bei ihren offen oder insgeheim ausgesprochenem Misstrauen dieser "fremden" Religion gegenüber abholen (die mittlerweile natürlich ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist), um dann widerum ganz offen und vorurteilsfrei der Beantwortung dieser Fragen nachzugehen. Und schließlich zum letzten Punkt zu kommen: Welchen Islam wollen wir in Deutschland? (nämlich einen aufgeklären, der sich an die freiheitlich-demokratische Grundordnung der BRD hält und sich daran orientiert von diesem Islam vertragen wir sehr viel!)

    Welche Einschätzungen haben Sie von wem eingeholt?

    Uns war es ganz besonders wichtig, viele Muslime zu Wort kommen zu lassen, also nicht über sie zu sprechen, sondern mit ihnen zu sprechen oder sie selbst sprechen zu lassen. In jedem Kapitel tauchen wir in kleine, persönliche Geschichten ein, zum Beispiel in die der erfolgreichen Unternehmerin Serpil Ergün, die Kopftuch trägt, aber deutlich macht, dass sie allen Vorurteilen zum Trotz eine sehr emanzipierte Frau ist, die von ihrem ganz und gar nicht pascha-ähnlichen Ehemann volle Unterstützung erfährt; oder die Geschichte zweier junger Muslima, die in der Moschee Frieden und Ruhe finden, aber zugleich in einem beliebten Club die Nacht zum Tage machen, feiern, flirten und ihr Recht als moderne, unabhängige Frauen behaupten. Wir erzählen vom Münsteraner Professor Mouhanad Khorchide, der sich für eine zeitgemäße Lesart des Korans einsetzt und in seiner Lehre die positiven Seiten seiner Religion betonen möchte, dafür aber noch vielfach angefeindet wird; von einem homosexuellen Moslem, der sich zwischen seiner Religion und einem freien Leben entscheiden musste, von einem ehemaligen Salafisten, der nun mit kreativen Youtube-Videos für ein friedliches Miteinander wirbt. Aber natürlich kommen nicht nur die Muslime in Deutschland zu Wort, sondern auch nicht-muslimische Experten und die ganz normalen Leute von der Straße.

    Und wie werden diese verschiedenen Aussagen und Erfahrungen in Ihrer Dokumentation zusammengeführt?

    All diese individuellen Geschichten ordnen wir immer wieder anhand von Studien, Zahlen und Koranzitaten in einen Gesamtzusammenhang ein und gleichen unsere Erkenntnisse mit unserer Ausgangsfrage ab: Wie viel Islam verträgt Deutschland? Wo haben wir die Religion falsch eingeschätzt? Wo besteht nach unserem Empfinden vielleicht noch "Handlungsbedarf" oder eine mögliche Diskrepanz zwischen dem weit verbreiteten religiösen Verständnis der Muslime in Deutschland und unserem Demokratieverständnis. In kleinen Aktionen (Moscheebau-Test, Zitate-Test, Karikaturen-Diskurs, Vox-Pops) wollen wir zudem von den Menschen wissen, wie sie über den Islam denken, was sie über den Islam wissen und wie tolerant sie wirklich sind. Alles mit einem Augenzwinkern und ohne den moralischen Zeigefinger.

    Kommen auch Experten in der Doku zu Wort, die die verschiedenen Erkenntnisse einordnen?

    Als unsere Experten kommen zu Wort: die Islamwissenschaftlerin Professorin Gudrun Krämer, die muslimische Religionspädagogin Dr. Tuba Isik, der Islamwissenschaftler und ZDF-Journalist Abdul-Ahmad Rashid ("Forum am Freitag") und der Journalist und Nahostexperte Bruno Schirra.

    Stellt Ihre Dokumentation auch die Frage, wie sich verhindern lässt, dass sich junge Menschen im Namen des Islam radikalisieren?

    Die Radikalisierung junger Menschen ist nur ein kleines Kapitel in unserem Film, es gibt schließlich sehr viele Beiträge zu diesem Thema, insofern sind wir hier nicht in die tiefsten Tiefen gegangen. Doch wir erfahren, wie wichtig die Präventionsarbeit ist (wenn man sich erst einmal dem IS angeschlossen, ist eine Rückkehr fast unmöglich) und wie wichtig es ist, die ersten Signale zu erkennen und schnell zu agieren.

    Welches Ergebnis Ihrer Tests hat Sie am meisten überrascht?

    Die Antworten auf die Aussage "Als Muslim werde ich in Deutschland akzeptiert". 46.8 Prozent wählten die Antwort "stimme ich weniger zu", 27.6 Prozent die Antwort "stimme ich gar nicht zu". Das hat mir schon sehr zu denken gegeben. Und es zeigt auf, dass Muslime und Nicht-Muslime in Deutschland größtenteils noch immer nur nebeneinander statt zusammen leben.

    Die Fragen an Annette Heinrich stellte Thomas Hagedorn.

    Experten-Statements aus der "ZDFzeit"-Dokumentation

    "Wenn IS-Terroristen sich auf den Islam stützen, um ihre Gräueltaten quasi zu begründen, dann ist das ein offener Missbrauch ihrer Heiligen Schrift. Denn wir finden im Koran ganz viele Stellen, die eigentlich genau das verurteilen und sagen: Wenn du einen Menschen tötest, der unschuldig ist, ist es so, als hättest du die ganze Menschheit getötet. Und das gilt nicht nur für Muslime, sondern auch für Nicht-Muslime. Wir haben zwar im Koran viele Stellen, die zu Gewalt aufrufen, aber die müssen wir historisch lesen und auch historisch lassen und sagen, ganz deutlich sagen, das hat keinen Gegenwartsbezug mehr."

    Dr. Tuba Isik, muslimische Religionspädagogin

     

    "Die Orthopraxie ist ein wichtiges Merkmal des Islam: den Glauben mit dem Handeln in Einklang zu bekommen. Das ist das, was viele Nicht-Muslime nicht verstehen. Sie denken: 'Man braucht einfach nur zu glauben. Im Islam ist das so wie im Christentum.' Nein. Für den gläubigen Muslim drückt sich sein Glaube auch in seiner Praxis aus, im Ritus. Und da denke ich, wird es noch einiges Konfliktpotential in den nächsten Jahren geben, aber ich bin hoffnungsfroh, dass man sich da arrangieren wird."

    Abdul-Ahmad Rashid, Islamwissenschaftler und ZDF-Journalist 

     

    "Man weiß zum Beispiel vom Propheten Mohammed, der das Vorbild für viele gläubige Muslime ist, dass er eigentlich ein Softie war. Ein Frauenversteher. Man weiß, dass er im Haushalt mitgeholfen hat, den Müll rausgebracht hat, dass er genäht hat, dass er gekocht hat und dass er sich um die Frauen gekümmert hat. Deshalb gibt es auch diesen berühmten Koranvers 'Die Männer sind verantwortlich für die Frauen', was fälschlicherweise übersetzt wird 'Die Männer stehen über den Frauen'. Nein, die Männer sind verantwortlich, das heißt, sie zu schützen, gut mit ihnen umzugehen. Ich würde sagen, der Islam ist keine Macho-Religion. Im Gegenteil. Er ist eine Religion, die den Frauen sehr, sehr viel Respekt entgegenbringt, sehr viel Anerkennung. Aber das ist leider auch in unserer Tradition irgendwo auf der Strecke geblieben."

     Abdul-Ahmad Rashid, Islamwissenschaftler und ZDF-Journalist 

    Infos zur "ZDFzeit"

    Auf dem Sendeplatz "ZDFzeit" sind am Dienstag um 20.15 Uhr große Primetime-Dokumentationen zu sehen. Neben investigativen, politischen und historischen Filmen werden dort auch verbrauchernahe Themen präsentiert wie etwa in der Testreihe mit Nelson Müller. "ZDFzeit" bietet seit Januar 2012 jährlich rund 35 Produktionen auf dem Sendeplatz am Dienstagabend.  

    Die "ZDFzeit"-Redaktion leitet seit dem 1. Oktober 2015 Ursula Schmidt.

    Am Dienstag, 10. November 2015, ging "ZDFzeit" der Frage nach: "Wie viele Flüchtlinge verträgt Deutschland?"

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    Name: Thomas Hagedorn
    E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
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