ZDFzeit: Billig gegen teuer

Muss es immer Markenware sein?

Laufschuhe kosten mit dem "richtigen" Logo fast das Zehnfache, Aspirin mehr als das Vierfache des Nachahmer-Präparats und für den Schinken vom Marken-Hersteller zahlen wir das Doppelte. Aber ist teuer wirklich besser? Was treibt die Preise bei Markenartikeln in die Höhe? Macht sich die Qualität tatsächlich am Preis bemerkbar? Oder ist das günstigste Produkt im Discounter nicht genauso gut? "ZDFzeit" macht den Test: "Billig gegen teuer – Muss es immer Markenware sein?"

  • ZDF, Dienstag, 20. Oktober 2015, 20.15 Uhr

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    Dienstag, 20. Oktober 2015, 20.15 Uhr
    ZDFzeit
    Billig gegen teuer – Muss es immer Markenware sein?

    Film von Thomas Lischak und Carmen Schumacher
    Redaktion: Martina Schindelka

    Billig gegen teuer – Muss es immer Markenware sein?

    Das Kotelett vom Bio-Schwein kostet doppelt so viel wie beim Discounter. "ZDFzeit" macht den Test: "Billig gegen teuer – Muss es immer Markenware sein?"

    Kommt uns billig am Ende teuer zu stehen? Oder ist das günstige Produkt nicht genauso gut? High Heels vom Designer sind sechzehn Mal so teuer wie die hohen Hacken aus dem Internet, Marken-Laufschuhe kosten zehnmal so viel wie No-Names. Aber sind sie auch so viel besser?

    Steht die Qualität unserer Konsumgüter tatsächlich in direktem Verhältnis zum Preis? Oder spielen ganz andere Faktoren eine Rolle? Wie können sich Verbraucher unabhängig orientieren?

    "Billig gegen teuer – Muss es immer Markenware sein?" Dieser Frage gehen Sternekoch Nelson Müller beim Thema Fleisch, Model und Schauspielerin Giulia Siegel beim Thema High Heels sowie Sporttrainer Markus Pabst beim Thema Laufschuhe nach. Gemeinsam mit einsatzfreudigen Testern und namhaften Experten kommen sie im ZDF-Check zu erstaunlichen Ergebnissen.

    Schneidet das billige Discounter-Fleisch im Geschmackstest wirklich schlechter ab als teures Bioschwein und Luxus-Gockel? Welche Auswirkungen hat die konventionelle Schweinemast auf unser Trinkwasser? Führt Profitmaximierung wirklich automatisch zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung?

    Sind teure High Heels tatsächlich schicker, bequemer und gesünder als billige für zehn Euro aus dem Internet? Immer wieder kommt es zu Rückrufaktionen von Lederschuhen wegen gefährlicher Chrom-6-Belastungen. Betroffen sind davon – das zeigt der ZDF-Test – Markenhersteller wie Billiganbieter.

    Kann es ein Laufschuh für 19,99 Euro vom Discounter mit zehnmal so teuren Markenprodukten in Sachen Komfort und Qualität aufnehmen? Was bedeutet es, wenn Billig-Schuhe und Edel-Marken tatsächlich in der selben Fabrik gefertigt werden?

    Mit verblüffenden Tests und aussagekräftigen Labor-Untersuchungen bietet die Dokumentation Orientierung für Verbraucher und deckt auf, mit welchen Tricks Industrie und Handel um Kunden kämpfen.

    "Nicht alle teuren Produkte können überzeugen" 
    Drei Fragen – drei Antworten von den Filmautoren Thomas Lischak und Carmen Schumacher

    Model Giulia Siegel ist überzeugt, dass High Heels jede Frau attraktiver machen würden, wenn diese darauf laufen können. Was haben denn die Labor-Untersuchungen für Erkenntnisse gebracht: Ist das Laufen auf hohen Hacken wirklich gesund und zählt dabei nur, welches Modell mit Pfennigabsatz man bzw. frau kauft?

    Wir haben keine Untersuchungen zur Gesundheitsschädlichkeit von High Heels gemacht, sondern die Schuhe nur auf Schadstoffe untersuchen lassen. Grundsätzlich sind Absätze aber weniger gesund als flache Schuhe. Ein weiterer Faktor, der auch die Bequemlichkeit von hochhackigen Schuhen beeinflusst: Inwiefern leitet der Absatz die Kraft, das Gewicht, vom Körper nach unten in den Boden ab? Je besser er dieses tut, desto weniger Kraft drückt auf die Fußballen und desto bequemer sind die Schuhe. Diesen Gesundheitsfaktor haben wir jedoch nicht getestet.

    Wie sieht es denn mit den gesundheitlichen Beschwerden aus, die häufig auf nicht ideale Laufschuhe zurückgeführt werden: Haben die Tests in der Sporthochschule Köln gezeigt, dass es nur auf den Preis ankommt, damit man am Ende beschwerdefrei joggen kann? Oder sind auch andere Kriterien zu berücksichtigen?

    Es kommt nicht unbedingt auf den Preis an, wenn es darum geht, beschwerdefrei zu joggen, sondern auf das Design des Schuhs. Markenschuhe sind individueller auf unterschiedliche Fuß- und Lauftypen abgestimmt. Daher ist es eher möglich, mit einem Markenschuh den idealen Schuh für seine Laufpraxis zu finden als mit einem Billigmodell. Discounterschuhe sind eher auf die breite Masse designt und gehen weniger auf den einzelnen Läufer mit seinen spezifischen Anforderungen ein. Es kann aber durchaus sein, dass auch ein für den Durchschnitt designter Billigschuh bestimmten Läufern sehr gut passt und diese damit beschwerdefrei joggen können.

    Neben den Schuhfragen rückt im ersten Teil auch das Fleisch in den Blick: Geht es da vornehmlich darum, ob teures Fleisch tatsächlich der Gesundheit der Verbraucher zuträglicher ist als billiges. Oder was wurde zudem untersucht?

    Beim Fleisch haben wir Discounter-Fleisch von Huhn und Schwein mit teurem Biofleisch sowie Edelrassen verglichen. In den Kategorien Umweltbilanz, Gesundheit und Geschmack zeigen wir, inwiefern "teuer" da wirklich besser ist. Doch unsere Blindverkostung macht deutlich: Beim Geschmack können längst nicht alle teuren Produkte überzeugen, dafür schmecken viele Billigen erstaunlich gut. 

    Im Labor haben wir außerdem Proben auf Antibiotika-Rückstände und resistente Keime untersuchen lassen. Das Ergebnis spricht für die Hygiene, mit der sowohl die Billig-Anbieter als auch die Edelmetzger zu Werke gehen. Dennoch ist klar: Industrielle Tierproduktion und der damit verbundene Einsatz großer Mengen pharmazeutischer Wirkstoffe, fördert unvermeidlich die Entstehung immer neuer multiresistenter Keime. Viele Mediziner halten solche kaum noch behandelbaren Erreger für die größte gesundheitliche Bedrohung überhaupt. Und die Tierfabriken entlassen nicht nur gefährliche Keime in die Umwelt. In Regionen, in denen Tiermastbetriebe konzentriert sind, liegt die Nitratbelastung im Grundwasser oft zu hoch. Wasserversorger müssen Millionen investieren, um die Grenzwerte noch einhalten zu können.  

    Die Herstellung von  Biofleisch belastet das gesamte Ökosystem dagegen weniger, weil die Bio-Bauern nur so viele Tiere halten dürfen, wie sie mit ihren eigenen Anbauflächen satt bekommen. Diese Grenze kennen konventionelle Landwirte nicht. Das Resultat: zu viele Tiere auf zu wenig Raum – mit allen Schattenseiten, die das unter Tierschutzgesichtspunkten mit sich bringt.

    Die Fragen an Thomas Lischak und Carmen Schumacher stellte Thomas Hagedorn.    

    Infos zur ZDFzeit

    Auf dem Sendeplatz "ZDFzeit" sind am Dienstag um 20.15 Uhr große Primetime-Dokumentationen zu sehen. Neben investigativen, politischen und historischen Filmen werden dort auch verbrauchernahe Themen präsentiert wie etwa in der Testreihe mit Nelson Müller. "ZDFzeit" bietet seit Januar 2012 jährlich rund 35 Produktionen auf dem Sendeplatz am Dienstagabend. 

    Die "ZDFzeit"-Redaktion leitet Christian Deick.

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