ZDFzeit: Zweiter Weltkrieg

Zweiteilige Dokumentation

Die zweiteilige Dokumentation "Zweiter Weltkrieg" zum 75. Jahrestag des Kriegsbeginns wird parallel auch im polnischen Fernsehen TVP1 zu sehen sein. "Der erste Tag" spiegelt die Vorgeschichte und die Kriegshandlungen um den 1. September 1939. "Das erste Opfer" schildert, wie die polnische Bevölkerung zu den großen Leidtragenden dieses Krieges wurde. - Es ist immer noch eine seltene Ausnahme, wenn ein deutscher und ein polnischer Sender Dokumentarfilme zu diesem schmerzlichen Kapitel gemeinsamer Vergangenheit koproduzieren.

Deutsche Soldaten reißen 1939 einen Schlagbaum an der deutsch-polnischen Grenze nieder.

  • ZDF, Dienstag, 2. und 9. September 2014, 20.15 Uhr

Texte

Gemeinsam erinnern – solange noch Zeit ist
Vorwort von Stefan Brauburger (Leiter ZDF-Redaktion Zeitgeschichte) und Andrzej Godlewski (Stellvertretender Programmdirektor TVP1)

Vor 75 Jahren begann mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen der schlimmste Krieg der Weltgeschichte. Nicht nur die Militärmacht des zum Gegner erklärten Nachbarlandes sollte zerstört werden, sondern auch die Lebensgrundlage seines Volkes. Über die Ursachen, das Geschehen und seine Folgen gibt es eine große Zahl von Abhandlungen und Filmen, in Polen wie in Deutschland. Doch allzu selten sind Schritte gemeinsamer Aufarbeitung und Erinnerung – über die Gräben der Geschichte hinweg. Wir wollen einen solchen gemeinsamen Schritt gehen, mit einer Dokumentation, die an den Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnern soll. "Der erste Tag" und "Das erste Opfer" lauten die Titel der beiden Filme, die zum 75. Jahrestag im deutschen und im polnischen Fernsehen zu sehen sein werden.

Wenn Deutsche und Polen mit gleichen Inhalten und Bildern, mit denselben Zeitzeugen auf beiden Seiten gemeinsam an dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte erinnern, so ist das ein wichtiger und gerade noch rechtzeitiger Schritt gegen das Vergessen und für die gegenseitige Verständigung. Denn in wenigen Jahren werden die Menschen, die den Krieg erlebten, nicht mehr leben. Wir danken vor allem unseren Zeitzeugen, Deutschen und Polen, von denen manche zum ersten Mal ihre traumatischen Erlebnisse schildern. Ihnen und all jenen, die durch Willkür und Menschenverachtung ein ähnliches Schicksal erlitten, ist dieses gemeinsame Filmprojekt gewidmet.

Sendetermine, Stab und Inhalt

Dienstag, 2. September 2014, 20.15 Uhr
Dienstag, 9. September 2014, 20.15 Uhr

ZDFzeit: Zweiter Weltkrieg
Zweiteiliger Dokumentarfilm
 

Autoren       

      Christian Frey (Teil 1: Der erste Tag)
Peter Hartl (Teil 2: Das erste Opfer)
Wissenschaftliche Beratung    Prof. Richard Overy, Prof. Tomasz Szarota, Dr. Jochen Böhler
Schnitt 
Kamera 
Wolfgang Daut und Nanni Leitner
Anthony R. Miller und Christian Baumann
Buch und Regie/Szene     Gordian Maugg
Kamera/Szene  Lutz Reitemeier
Ausstattung/Szene   Babett Klimmeck
Kostüm/Szene Silvia Albarella
Produktion/Szene    Andrzej Klamt, Halbtotal Filmproduktion
Musik
Produktion ZDF    
Sergios Roth  und Georg Reichelt
Carola Ulrich und Svenja Berger
Redaktion     Stefan Mausbach
Leitung ZDF       Stefan Brauburger
Leitung TVP1     Andrzej Godlewski
Länge        2 x 45 Min.


Eine deutsch-polnische Koproduktion von ZDF, ZDF Enterprises und TVP1

 

Inhalt
Der zweite Weltenbrand des 20. Jahrhunderts sollte alle bis dahin bekannten Dimensionen bewaffneter Konflikte sprengen und Verwüstungen anrichten, deren Folgen bis heute spürbar und in der Erinnerung vieler Völker verankert sind. Es war ein Krieg im Zeichen einer mörderischen Ideologie, die nicht allein auf Eroberung zielte, sondern auch auf Zerstörung, Raub, Vertreibung, Versklavung, die Auslöschung ganzer Völker. Am Anfang stand die Lüge, als Hitler am 1. September 1939 den deutschen Überfall auf das Nachbarland Polen mit der Behauptung bemäntelte: "Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen". Weder war der Angriff, der die Welt in den Zweiten Weltkrieg stürzte, ein Akt der Gegenwehr – der Vorwand war von NS-Tätern selbst inszeniert, noch stimmte die Zeitangabe. Schon zuvor hatte die deutsche Luftwaffe ein Flächenbombardement auf eine polnische Kleinstadt begonnen und tötete in drei Angriffswellen über tausend Zivilisten. Zehntausende Angehörige der polnischen Intelligenz fielen dem "Herrenmenschen"-Wahn schon in den ersten Kriegsmonaten zum Opfer. Die Besatzer ließen Tausende von Kriegsgefangenen und Juden töten. Am Ende des Krieges waren es Millionen von Opfern.

Ausgesuchte Zeitzeugen auf deutscher und polnischer Seite vermitteln in beklemmenden Aussagen, welch elementaren Einschnitt der Herbst 1939 für ihr ganzes Leben brachte. Besonders bewegen jene Schicksale, die damals in einem Wechselverhältnis zueinander standen. So berichtet der bekannte Filmregisseur Roman Polanski im Interview, wie er als jüdisches Kind im neu geschaffenen Ghetto von Krakau der deutschen Terrorherrschaft ausgeliefert war. Seine Mutter wurde später in Auschwitz ermordet. Auf der anderen Flussseite des eingezäunten jüdischen Wohnbezirks thronte Hitlers Handlanger in Polen, Hans Frank, in seinem Dienstsitz auf der Krakauer Burg, dem Wawel. Sein jüngster Sohn Niklas beschreibt, wie im Gebaren seiner Eltern die Mentalität der deutschen Kolonialherren zum Ausdruck kam und wie sich ihm das schon als Kind vermittelte.

Illustriert werden die Erinnerungen durch einen reichhaltigen Bestand neu erschlossener Amateurfilme sowie durch behutsam inszenierte Spielszenen, dokumentarische Aufnahmen und Fotos.

"Zweiter Weltkrieg – Der erste Tag" / Film von Christian Frey 

"Mein Vater glaubte, dass Warschau am sichersten für uns wäre und hatte meine Mutter, meine Schwester und mich dort hingeschickt", erinnert sich Roman Polanski. Ein tragischer Irrtum, denn von Beginn des Krieges an bombardierte die deutsche Luftwaffe die polnische Hauptstadt. Eine Zeit der Angst begann. "Ich durfte nie meine Schuhe ausziehen, musste sogar in ihnen schlafen, damit wir möglichst schnell zum nächsten Luftschutzkeller flüchten konnten."

Erinnerungen polnischer und deutscher Zeitzeugen machen den Film zu einem beklemmenden Dokument, das den Sturz in einen Abgrund der Zerstörung und Verluste vor Augen führt. Mit bislang noch nicht gezeigten Archivaufnahmen widmet sich die Dokumentation dem 1. September 1939 und seiner Vorgeschichte. Sie begann mit Erpressung: Hitler hatte stets mit Einmarsch oder Krieg gedroht, um seine Forderungen durchzusetzen. So hatte er 1938 Österreich an das Deutsche Reich "angeschlossen", schließlich das Sudetenland und dann die sogenannte "Rest-Tschechei" besetzt. Die Westmächte Frankreich und Großbritannien ließen es – wenn auch widerwillig – geschehen. Sie hofften, so den großen Krieg in Europa zu vermeiden. Doch am 1. September 1939 war endgültig klar: Diese Politik der Beschwichtigung, des "Appeasement", war eine Illusion.

Militärisch war Hitlers Feldzug bereits Ende September 1939 entschieden. Von den Bündnispartnern im Stich gelassen, musste sich die polnische Armee, die sich bis zuletzt in der Hoffnung militärischer Überlegenheit gewiegt hatte, den Invasoren aus dem Westen und den sowjetischen Truppen, die vom 17. September an von Osten ins Land einfielen, ergeben und ihren Widerstand in den Untergrund verlagern. Fünfeinhalb Jahre sollte es dauern, bis die deutsche Besatzungsmacht nach unbeschreiblichen Verbrechen das Land wieder verlassen musste.

"Zweiter Weltkrieg – Das erste Opfer"/ Film von Peter Hartl

Als "Blitzkrieg" blieb der deutsche Angriff weithin im Gedächtnis. Doch als der "Feldzug" im Herbst 1939 nach sechs Wochen beendet war, fing für die meisten Polen der Krieg im Krieg an. Viele wurden ermordet, weil sie Juden waren oder der heimischen Führungsschicht angehörten; verschleppt, weil sie Platz für deutsche Neusiedler schaffen sollten; zu Zwangsarbeit versklavt, um den größtmöglichen Ertrag aus dem unterworfenen Kolonialgebiet zu schöpfen.

Keine Statistik oder historische Chronik vermag eine so beklemmende Anschauung dieser Besatzungszeit zu geben wie die Berichte der unmittelbar Beteiligten auf beiden Seiten. Es sind Schicksale, wie Millionen sie erfuhren, und zugleich sind sie besonders, einzigartig, eindringlich. Spielfilmregisseur Roman Polanski erzählt im Interview für diesen Film wie er, der damals knapp zehnjährige Raymond Liebling, im ummauerten jüdischen Wohnbezirk von Krakau Tag für Tag mit Tod und Terror konfrontiert war. Seine Mutter musste Zwangsarbeit auf der Wawel-Burg leisten, wo als deutscher "Generalgouverneur" Hans Frank residierte. Dessen jüngster Sohn Niklas schildert, wie sein Vater von der Burg herab das Besatzungsgebiet unterjochte, während sich seine Mutter in Begleitung ihres Jungen im jüdischen Ghetto von Krakau günstig mit Pelzen versorgte.

In Danzig, wo der Krieg seinen Ausgang nahm, verlor die damals 16-jährige Budzimira Wojtalewicz bereits am ersten Tag ihren Vater, dessen polnischer Patriotismus für ihn das Todesurteil bedeutete und wenig später auch ihr Zuhause. Vom zwangsgeräumten Wohnraum im Besatzungsgebiet profitierten auch Neusiedler wie die Familie von Gustav Hintz. "Wir fühlten uns als Übermenschen und die Polen waren zu minderwertigen Tätigkeiten da", erkannte der Bauernsohn bereits als Kind. Marian Sobkowiak, der, als polnischer Widerständler verraten, die Hölle von Folter und Haft durchleben musste, setzt sich heute für Versöhnung zwischen den Nachbarländern ein. Als Verfolgter hatte er erfahren, dass unter den Deutschen auch Regimegegner waren, die ihm das Leben retteten.

So zeichnen Menschen aus beiden Ländern, damals durch Welten getrennt, heute gemeinsam ein ebenso facettenreiches wie spannungsgeladenes Bild jener Zeit, die in jeder Hinsicht aus den Fugen geraten war.

Roman Polanski – Filmreife Erinnerungen
Von Filmautor Peter Hartl

Wenig bekannt sind die frühen Jahre des bekannten Spielfilmregisseurs Roman Polanski, die er von 1940 bis 1943 in dem von deutschen Besatzern errichteten jüdischen Ghetto von Krakau verbringen musste. Lange Zeit hat Polanski die schmerzlichen Erinnerungen an seine Kindheit allenfalls auf der Leinwand anklingen lassen. Nun erzählt der Filmemacher seine frühe Geschichte in einem Interview für die deutsch-polnische Dokumentation "Zweiter Weltkrieg".

Geboren ist Polanski im Paris der Dreißiger Jahre. Doch dann nahm der Vater die Familie mit zurück in seine polnische Heimat – kurz bevor der Krieg das Land der Zuflucht heimsuchte. In Warschau, wohin er vor den einmarschierenden Truppen der deutschen Wehrmacht in Sicherheit gebracht wurde, durchlitt Roman Bombennächte und Hungersnot, in Krakau, der Heimatstadt des Vaters, den staatlich angeordneten Antisemitismus. Kaum eingeschult, verbannte das deutsche Besatzungsregime den jüdischen Jungen aus der Schule. Die Familie musste ihre Wohnung verlassen und in einen Stadtteil auf der anderen Seite der Weichsel umziehen, der für die jüdischen Bewohner zum Wartesaal des Todes wurde.

Romans Eltern mussten Zwangsarbeit leisten, die Mutter direkt auf der Burg Wawel oberhalb der Stadt, wo der deutsche "Generalgouverneur" Hans Frank residierte.

Polanski bekam von der Welt jenseits des Stacheldrahts nur Umrisse mit. Im Interview erzählt er, wie er durch den Ghetto-Zaun deutsche Propagandafilme flimmern sah. Auf der Leinwand entzifferte er, zwischen Wochenschaubildern eingestreut, Hetzparolen wie: "Juden = Lüge", "Juden = Typhus".

Die Wirklichkeit dieser Menschenverachtung zeigte sich im Alltag des jüdischen Wohnbezirks. Als Kind musste Polanski miterleben, wie eine Nachbarin an den Haaren die Treppe hinuntergeschleift, wie eine Zwangsarbeiterin einen Schuss in den Rücken erhielt, weil sie nicht schnell genug weiterlaufen konnte, wie sein bester Freund abgeholt wurde – und schließlich auch seine eigene Familie. In letzter Not fand das jüdische Waisenkind Unterschlupf bei polnischen Bauern westlich von Krakau – nicht ahnend, dass 40 Kilometer entfernt in Auschwitz nur kurz zuvor seine Mutter vergast und verbrannt worden war…

Bei aller Trauer und allem Entsetzen spricht aus Polanskis Worten ein schier unbändiger Überlebenswillen. Ebenso anschaulich wie erinnerungsscharf zeichnet der heute 80-jährige Regisseur das Bild seiner Kinderjahre, die aus heutiger Betrachtung kaum noch vorstellbar erscheinen.

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