Zwischen den Zeiten

Herzkino

Annette Schuster (Sophie von Kessel) hat als technische Leiterin der Rekonstruktion zerstörter Stasi-Akten ihre Berufung gefunden. Tausende von Säcken mit Papierschnipseln sollen unter ihrer Anleitung rekonstruiert und von ihrem Lebensgefährten Johannes Güttler (Marcus Mittermeier) ausgewertet werden, um die letzten Geheimnisse der DDR aufzudecken.

Doch im Rahmen ihrer Arbeit trifft sie auf Michael Rosch (Benjamin Sadler), den sie auf einer Klassenreise in den Osten kennenlernte und mit dem sie gleichermaßen Jugendliebe und Schuld verbinden.

  • ZDF, Sonntag, 9. November 2014, 20.15 Uhr

    Texte

    "Wieviel Vergangenheit verträgt die Zukunft?" - Vorwort von Alexander Bickel und Anna Bütow

    Das ZDF-Herzkino erzählt vom Glück, und wie wir uns auf dem Weg dahin selbst im Weg stehen. Nicht selten mit den Geheimnissen, die wir vor uns selbst und anderen zu verbergen suchen. "Zwischen den Zeiten" ist ein Film über die Kraft dieser Geheimnisse: die, planvoll verwaltet, über Jahre und Jahrzehnte hinweg ihre zerstörerische Kraft entfalten; die Freunde einander entfremden, Gräben zwischen Familienmitgliedern auftun. Und die selbst Liebende trennen, auch wenn sie eine gemeinsame Adresse haben.

    Die beiden Drehbuchautoren Sarah Schnier und Carl-Christian Demke führen uns in unsere eigene Realität – in die unserer persönlichen, menschlichen Beziehungen, in denen sich die Vergangenheit so häufig fragend ins Heute drängt: Macht es Sinn, den alten Konflikt mit meiner Familie wieder auszugraben? Muss ich mich von der Wahrheit entfernen, um einen geliebten Menschen zu schützen? Wie kann ich eine Lüge, einen Betrug verzeihen?

    Und sie führen uns in eine gesellschaftliche Realität, die den 9. November 2014 zum perfekten Ausstrahlungstermin für dieses Herzkino macht: Wie wollen wir Deutsche mit den Geheimnissen umgehen, die wir in Ost und West voneinander gesammelt und archiviert haben? Mit untrüglichem  Feingefühl hat Regisseur Hansjörg Thurn einen Film geschaffen, der sich dieser Frage annimmt. Mit großer Genauigkeit und Spielfreude macht das Ensemble um Sophie von Kessel, Benjamin Sadler, Marcus Mittermeier und Katharina Thalbach das persönliche und gesellschaftliche Drama der Bespitzelungen in der DDR erlebbar – auch in dem Sinne, dass ihre Figuren dazu einladen, eine Antwort auf die Macht dieser Geheimnisse zu finden.

    Wir freuen uns sehr über diesen Film, der es schafft, eine große Lebensfrage sowohl auf einer groß gefassten als auch auf einer persönlichen Ebene anzugehen, und dabei dem ZDF-Herzkino in seinem Streben nach Lebensnähe und großem Gefühl gerecht wird. 

    HR Fernsehfilm/Serie II

    Alexander Bickel

    Anna Bütow

    "Wie elektrisiert" - Statement von Produzent Ivo Alexander Beck

    Als ich im Februar 2012 zum ersten Mal Dr. Bertram Nickolay vom Fraunhofer Institut traf und er mir von der virtuellen Aktenrekonstruktion erzählte, die unter seiner Leitung im Hause entwickelt wurde und nun zur Anwendung kam, war ich wie elektrisiert. Ich selbst komme aus der DDR und halte die Aufarbeitung der Stasi-Akten für ein wichtiges Thema. Daraus einen Fernsehfilm zu machen, diese Idee ließ mich von nun an nicht mehr los und ich machte mich auf die Suche nach den geeigneten Autoren. Mit Sarah Schnier und Carl-Christian Demke hatte ich schon vorher ein politisches Thema fiktional behandelt, den Ausstieg vom Atomausstieg in "Restrisiko".

    Beide waren von Anfang an mit allem Enthusiasmus dabei und auch im ZDF fand ich mit Alexander Bickel und Anna Bütow zwei leidenschaftliche Redakteure, die den Film richtig und wichtig fanden und ihn von Anfang an unterstützten. "Zwischen den Zeiten" unternimmt den Versuch, das System Staatssicherheit und seine Auswirkungen im Heute anhand einer einzigen Akte zu zeigen. Ob uns dies gelungen ist, wird das Publikum entscheiden. Das wunderbare Team um den Regisseur Hansjörg Thurn und die Schauspieler, allen voran Sophie von Kessel, Benjamin Sadler, Marcus Mittermeier, Bernhard Schütz und Katharina Thalbach, waren von der ersten Minute mit Leidenschaft bei der Sache und, bei allen Anstrengungen während des Drehs, hoch motiviert.

    Dass der Film nun am 9.November ausgestrahlt wird – dem 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls – ist eine besondere Ehre und freut mich sehr. Ich hoffe, dass "Zwischen den Zeiten" die Diskussion um den Umgang mit den zerrissenen Stasiakten neu belebt und seinen bescheidenen Beitrag zur weiterhin wichtigen Aufarbeitung unserer jüngsten Geschichte leisten kann.

    Ivo Alexander Beck (Produzent)

    Stab, Besetzung, Inhalt

    Drehbuch                       Sarah Schnier, Carl-Christian Demke

    Kamera                           Peter Joachim Krause

    Musik                               Fabian Römer, Matthias Hillebrand-Gonzalez, Manuel Römer

    Produzent                       Ivo-Alexander Beck, Ninety Minute Film

    Regie                              Hansjörg Thurn

    Szenenbild                     Alexandra Pilhatsch

    Länge  112 Min.

     

    Annette Schuster           Sophie von Kessel

    Michael Rosch                Benjamin Sadler

    Johannes Güttler           Marcus Mittermeier

    Dr. Jörn Rabe                 Bernhard Schütz

    Prof. Dagmar Evert        Katharina Thalbach

    Simon Rosch                 Jürgen Schornagel

    Führungsoffizier             Hans Peter Hallwachs

    Annette Schuster (17)   Amelie Plaas-Link

    Michael Rosch (17)       Jonathan Berlin

    Maria Rosch                   Doreen Jacobi

    Conrad                            Tim Kalkhoff

    Helene                            Josephine Gey

    André Kleinert                Tim Sander

    Günther Oldag               Gotthard Lange

    Martin Rosch                  Stephan Szasz

    Gertrud Rosch               Gertrud Krämmer-Roll

     u.a.

     

    Annette Schuster (Sophie von Kessel) hat als technische Leiterin der Rekonstruktion zerstörter Stasi-Akten ihre Berufung gefunden. Tausende von Säcken mit Papierschnipseln sollen unter ihrer Anleitung rekonstruiert und von ihrem Lebensgefährten Johannes Güttler (Marcus Mittermeier) ausgewertet werden, um die letzten Geheimnisse der DDR aufzudecken.

    Doch im Rahmen ihrer Arbeit trifft sie auf Michael Rosch (Benjamin Sadler), den sie auf einer Klassenreise in den Osten kennenlernte und mit dem sie gleichermaßen Jugendliebe und Schuld verbinden – denn eine Entscheidung der 16-jährigen Annette hat Michael einst in die Fänge der DDR-Staatssicherheit verwickelt. Während die beiden sich wieder verlieben, müssen sie sich wie jedes Paar mit der Frage beschäftigen, wie weit das Vertrauen in den Anderen reicht und wo die Grenze zwischen beruflichem Lebenswerk und dem privaten Glück liegt. Kann man eine schuldbeladene Vergangenheit hinter sich lassen und von vorne anfangen?

    Eine zu Herzen gehende Diskussion über Vertrauen zwischen zwei Liebenden – in einer Situation, die eigentlich den Umgang mit dem Unausgesprochenen fordert. Die Geschichte behandelt die Frage, ob und wie ein Paar eine schuldbeladene Vergangenheit hinter sich lassen und von vorne anfangen kann, und verortet jüngere deutsche Geschichte emotional im Heute.

    Rollenprofile

    Annette Schuster (Sophie von Kessel)

    Die Ingenieurin und Teamleiterin beim Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik steht mit ihren Kollegen vor einer riesigen Aufgabe: der virtuellen Rekonstruktion von Millionen zerrissener Stasiakten. Für die in Westdeutschland aufgewachsene Annette ist die Stasi weit weg, deshalb will sie sich der Frage nach der Sinnhaftigkeit des Projekts gar nicht erst stellen. Was für Annette und ihr Team als Routine beginnt, entwickelt sich für die kühle, rationale Ingenieurin zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, als sie in den rekonstruierten Akten die Fotos eines Jungen entdeckt, der von der Stasi 1985 auf einer Autobahnraststätte verhaftet wird. Sie kennt den Jungen. Er ist Michael Rosch, ihre Jugendliebe, den sie auf einer Klassenfahrt nach Potsdam kenngelernt hat.

    Auch privat gerät das Leben von Annette aus den Fugen. Ihre Beziehung mit dem bei der Stasi-Unterlagen-Behörde angestellten Historiker Johannes Güttler, den sie im Zuge ihrer Arbeit kennen und lieben gelernt hat, steht vor dem Aus, als Annette Johannes gesteht, dass sie sich wieder in Michael verliebt hat.

     

    Johannes Güttler (Marcus Mittermeier)

    Der couragierte und engagierte Johannes Güttler arbeitet beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) als Historiker und wertet die von Annettes Team rekonstruierten Akten aus. In dieser Funktion arbeitet er eng mit dem Institutsleiter Jörn Rabe, Annettes Chef, zusammen. Denn beide hoffen, in den Unterlagen Beweise für ein Verbrechen der Stasi zu finden: Es geht um die radioaktive Verstrahlung von ehemaligen Regimekritikern in der DDR. In den Akten taucht immer wieder der Name Prof. Dagmar Evert auf. Als er jedoch von Annettes Affäre zu Michael Rosch erfährt und gleichzeitig Spuren von Michael zu den Kreisen führen, die sich in der DDR wissenschaftlich mit der Wirkung von Radioaktivität auf Menschen beschäftigt, gerät nicht nur seine Beziehung ins Wanken.

     

    Michael Rosch (Benjamin Sadler)

    Der am Benjamin-Franklin-Krankenhaus arbeitende Arzt ist auf Strahlenmedizin spezialisiert und lebt zurückgezogen im Haus seiner Großeltern in Potsdam. Nur der regelmäßige Kontakt zu seiner Schwester Maria (Doreen Jacobi) und die ungeliebten Besuche bei seinen Eltern verbinden ihn mit der Außenwelt. Als Annette ihn unvermittelt aufsucht, um über sein Auftauchen in den Stasiakten mit ihm zu reden, reagiert er verschlossen und ausweichend. Gleichzeitig fasziniert ihn die erneute Begegnung mit Annette. Er verliebt sich wieder in sie. Als sie in den Stasiakten weitere Details zu Michaels Verhaftung findet und entdeckt, dass er als inoffizieller Mitarbeiter (IM) angeworben wurde, stellt sie ihn zur Rede. Was hatte er nach seiner gescheiterten Flucht aus der DDR wirklich mit der Stasi zu tun und worin besteht seine Verbindung zu Prof. Evert? Michael kann dieses Geheimnis nicht lüften. Der Preis dafür wäre zu hoch. Erst als Annette eine Tatsache offenbart, die beider Leben verändern wird, handelt er.

     

    Prof. Dagmar Evert (Katharina Thalbach)

    Die Vorsitzende der Ethikkommission der Bundesregierung ist eine Instanz. Die Ärztin gehörte schon in der DDR zu denjenigen Wissenschaftlern, die kein Blatt vor den Mund nahmen. Dagmar Evert hatte sich besonders nach der Katastrophe von Tschernobyl um die Strahlenopfer gekümmert und die Missstände vor Ort kritisiert. Nach der Wende hat sie deshalb auch im vereinten Deutschland ihre Karriere fortsetzen können. Dass Prof. Evert in den Stasiakten auftauchen würde – und dies mit einem ungeheuerlichen Verdacht – hätte Annette Schuster nie für möglich gehalten.

    "Sie hatte das Ausmaß ihrer Tat nicht begriffen" - Drei Fragen an Sophie von Kessel

    Annette Schuster führt ein glückliches Familienleben. Bis ihre Vergangenheit sie einholt. Was löst das Wiedersehen mit Ihrer Jugendliebe Michael Rosch in ihr aus?

    Schuldgefühle! Über die Jahre hatte sie natürlich nicht vergessen, was damals passiert ist, aber es ist tatsächlich in ihrem Alltag in den Hintergrund gerückt. Sie hatte das Ausmaß ihrer Tat tatsächlich nicht begriffen. Erst als die Fotos von Michael in einer der Stasi-Akten auftauchen, wird ihr klar, was ihr damaliges Verhalten wirklich für Konsequenzen für ihn hatte. Spätestens jetzt muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen.

     

    Annette kümmert sich um die Rekonstruktion von Millionen zerrissener Stasi-Akten. Mit einem digitalen Verfahren, das auch in Wirklichkeit eigens für diesen Zweck entwickelt worden ist. Was sagen Sie zu dieser Technik?

    Ohne diese Technik hätte man nie alle gefundenen Schnipsel rekonstruieren können. Es wäre rein von menschlicher Hand einfach nicht möglich gewesen, all das gefundene oder beschlagnahmte Material zu rekonstruieren, bzw. es hätte Jahrhunderte gebraucht. Natürlich ist das eine großartige Chance, diese Technik zu haben, die es ermöglicht, die DDR-Vergangenheit halbwegs wahrheitsgemäß aufzuarbeiten.

     

    25 Jahre Mauerfall – welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit, als Deutschland geteilt war?

    Zu der Zeit war ich in Wien auf der Schauspielschule, dem Max Reinhardt-Seminar. Durch meine Biografie als Diplomatenkind in verschiedenen Ländern hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt weder die Möglichkeit, in die damalige DDR zu reisen noch wirklich viele Information darüber. Alle meine Freunde und Verwandten lebten schon lange "im Westen" oder sogar im Ausland. Ich selber habe als Kind nur vier Jahre in Köln gelebt, sonst waren wir immer im Ausland.

    "Menschlich kann ich Michaels Verhalten verstehen" - Drei Fragen an Benjamin Sadler

    Herr Sadler, Sie sind 1971 in Kanada geboren worden und fünf Jahre später mit ihren Eltern nach Deutschland gezogen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit des geteilten Deutschlands?

    Ich habe zuerst, während der Zeit, als die Mauer noch stand, nicht viel über das Leben in der DDR gewusst. Ich habe dort keine Familie oder ähnliches gehabt. Wir hatten aber einen Jungen in der Klasse, der mit seiner Familie aus der DDR geflohen war. So wurde dann das, was wir in der Schule und in der Presse lasen, fühlbarer und persönlicher. Das Ausmaß des Systems der Überwachung und Kontrolle erschloss sich mir aber erst später.

     

    In "Zwischen den Zeiten" spielen Sie Michael Rosch – einen Mann, dem das Stasi-System übel mitgespielt hat. Welches Verhältnis haben Sie zu dieser Figur entwickelt und können Sie sein Verhalten nachvollziehen?

    Menschlich kann ich Michaels Verhalten verstehen. Einige Dinge sogar sehr gut. Das ist für mich aber auch Grundvoraussetzung, eine Figur spielen zu können. Michaels Konflikt, mit der Verantwortung seines Handelns umzugehen, war einfach eine spannende Herausforderung. Sein Handeln erzählt natürlich viel darüber, warum totalitäre Systeme überhaupt funktionieren."

    Annette und Michael treffen nach Jahrzehnten wieder aufeinander – mehr oder weniger zufällig. Was löst diese Begegnung aus?

    "Der Auslöser liegt bei Annette. Sie macht sich auf die Suche aus persönlichen Gründen. Warum – das erzählt der Film.

    "Mir ist bewusst geworden, wie wenig wir voneinander wissen" - Drei Fragen an Marcus Mittermeier

    Das glückliche Familienleben von Johannes Güttler zerbricht von einem Tag auf den anderen. Wie geht er mit der Situation um?

    Für Johannes ist diese Familie bestimmt ein großer Teil des Lebensglücks, das er sich gewünscht und für seine Zukunft vorgestellt hat. Er liebt Annette über alles und diese Liebe macht es möglich, auch Annettes Sohn als seinen eigenen anzunehmen. Als er merkt, dass ihm Annette entgleitet, bricht für Ihn eine Welt zusammen. Johannes versucht zunächst fair zu sein und Annette alle Freiheit zu geben, die sie braucht. Er versucht auch die berufliche Zusammenarbeit professionell von seinen Empfindungen zu trennen. Johannes als Person ordnet sich seinem Wunsch nach einer harmonischen Beziehung zu Annette unter. Als er allerdings begreift, dass die Verquickungen – persönlich wie professionell – zu tief gehen, reagiert er mit einer Härte, die auch ihn selbst überrascht.

     

    Was für ein Mensch ist Johannes? Wie würden Sie ihn beschreiben?

    Johannes ist beruflich wie persönlich ein sehr ernsthafter und aufrichtiger Mensch. Seine Arbeit als Historiker steht sinnbildlich für seinen Charakter: Nur die Vermeidung von Lebenslügen und das Bekenntnis zur Wahrheit kann die Grundlage für die Zukunft bieten. Johannes Güttler ist vielleicht nicht der geborene Abenteurer, denn Leben bedeutet für ihn immer auch ein Stück weit Verantwortung. Der Konflikt mit Annette und Michael bringt ihn deshalb in eine schwere Krise, in der er schließlich, aufgrund der Verletzungen durch Annette, die Verantwortung für die historische Wahrheit als wichtiger erachtet als das Glück von Annette.

     

    Wo waren Sie, als die Berliner Mauer vor 25 Jahren fiel? Wie haben Sie dieses Ereignis in Erinnerung?

    Das Jahr 1989 war mein Abiturjahr. Ich hatte damals gerade mit dem Zivildienst in einer Behindertenpflegeeinrichtung begonnen, als ich auf einer Dienstfahrt im Nachtdienst die Radioberichte über die Grenzöffnung hörte. Ich habe mich an den Straßenrand gestellt und mit Tränen in den Augen zugehört. Das werde ich nie vergessen. Das war definitiv eines der prägenden weltpolitischen Ereignisse meines Lebens. Noch im Sommer 1989 war ich zum ersten Mal in Berlin, auch im Ostteil, und obwohl man schon was gehört hatte von den Demos und den Ausreisen über Ungarn, war in Ostberlin für uns noch nichts von der Revolution zu spüren, die wenige Wochen später unser aller Leben verändern würde. Danach waren ja nicht nur die Bilder in den Nachrichten, sondern auch die Trabis auf den Straßen und nachdem die Euphorie verflogen war, bildeten sich bald die Vorurteile. Während der Arbeit an dem Film ist mir wieder bewusst geworden, wie wenig wir im Westen über den Osten wussten und zum Teil immer noch nicht wissen. Nur so ist für mich erklärbar, dass wir uns gegenseitig leider immer noch durch die bekannten und längst überholten Vorurteile definieren."

    "Die Ambivalenz dieser Figur hat mich sehr fasziniert" - Drei Fragen an Katharina Thalbach

    Welche Szene aus "Zwischen den Zeiten" ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

    Die Szenen an der Spree: die konspirativen Begegnungen mit dem Reichstag im Rücken. Ich musste immer an van der Lubbe (den Hauptangeklagten im Prozess um den Reichstagsbrand, 1933) denken und an die Schrecken danach.

     

    Was hat Sie an dieser Rolle interessiert?

    Die Ambivalenz dieser Figur hat mich sehr fasziniert und das Abwälzen von Schuld. Vielleicht hat diese Frau ihre Schuld tatsächlich vergessen?

     

    Sie leben in Berlin. Der Film spielt in Berlin. Was lieben Sie an der Stadt? Und was mögen Sie nicht?

    Diese Stadt ist mein Leben. Sie ist nicht die schönste Stadt der Welt, aber für mich die einzige, wo ich sein mag. Allerdings hasse ich den neuen Alexanderplatz.

    "Zwischen den Zeiten - Die Dokumentation" ZDF History, Sonntag, 9. November 2014, 22.40 Uhr

    Die Dokumentation begleitet den Spielfilm "Zwischen den Zeiten", den das ZDF am Abend um 20.15 Uhr ausgestrahlt haben wird. Die Autoren Florian Hartung und Anja Kühne knüpfen  direkt an die Spielfilmhandlung an und schaffen Verbindungen zur Geschichte, zu Figuren und Hintergründen. Sie beleuchten die historischen Hintergründe und berichten über aktuelle Entwicklungen, denn die Rekonstruktion der zerrissenen Stasi-Akten ist längst noch nicht abgeschlossen.

    Eine der wichtigsten Figuren im Fernsehfilm ist der Kriminaltechniker Jörn Rabe. Vorbild für die Filmrolle ist Bertram Nickolay, der sich seit Jahren um die Rekonstruktion der Akten bemüht. Seit dem Zusammenbruch der DDR verfolgt der heutige Leiter der Rekonstruktionstechnologie am Berliner Fraunhofer Institut seine Vision von der automatisierten Wiederherstellung der Stasiakten. Und wie Jörn Rabe im Film treibt auch ihn ein persönlicher Grund an: 1999 starb sein Freund, der Schriftsteller und DDR-Bürgerrechtler Jürgen Fuchs, an Leukämie. Während seiner Haft und auch nach seiner Ausreise nach West-Berlin war Jürgen Fuchs zahlreichen "Zersetzungsmaßnahmen" der Staatssicherheit ausgesetzt. Bertram Nickolay vermutet, auch sein Freund könnte dabei bewusst radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden sein, um ihn zu töten.

    Der Fall Jürgen Fuchs erscheint durch die Rekonstruktion in einem ganz neuen Licht. Noch nach seiner Ausbürgerung aus der DDR, so lässt sich nun dezidiert belegen, verfolgte ihn die Stasi auf Schritt und Tritt und drangsalierte ihn. Auch von anderen bewegenden Geschichten aus den rekonstruierten Akten berichtet die Dokumentation. Zu den Geschichten haben die Autoren Zeitzeugen gefunden, die von Ihrer Verfolgung durch die Staatssicherheit berichten. "Je besser wir die Diktatur begreifen, desto besser können wir die Demokratie gestalten", sagt Roland Jahn, Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde BStU, im Interview. "Jedes Dokument, das zusammengesetzt wird, hat für den Einzelnen einen ganz besonderen Wert. Die Menschen können so ihr eigenes Schicksal aufklären und verstehen."

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