Copyright: ZDF/[m]KNSK;Bernd Schuller,gettyimages
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Der gleiche Himmel

Der große ZDF-Dreiteiler

Der prominent besetzte ZDF-Dreiteiler über einen Romeo-Agenten aus Ost-Berlin zeichnet das Portrait einer Gesellschaft inmitten des Kalten Kriegs 1974 in Berlin: Der junge Ost-Berliner Romeo-Agent Lars Weber (Tom Schilling) wird in den Westen der Stadt geschleust. Dort soll er Lauren Faber (Sofia Helin) verführen, um für die Stasi Zugang zu sensiblen Informationen des britischen Geheimdienstes zu ermöglichen. Als die Mission eine unerwartete Wendung nimmt, setzt ihn sein West-Berliner Führungsoffizier Ralf Müller (Ben Becker) kurzerhand auf die NSA-Mitarbeiterin Sabine Cutter (Friederike Becht) an. Eine folgenschwere Entscheidung.

  • ZDF, Montag, 27., Mittwoch, 29. und Donnerstag, 30. März 2017, jeweils 20.15 Uhr

Texte

Statement von ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler

Mit „Der gleiche Himmel“ präsentiert das ZDF einen großen Mehrteiler, der sich zeitkritisch mit einem wichtigen Kapitel deutsch-deutscher Geschichte auseinandersetzt. „Der gleiche Himmel“ spielt 1974, in dem Jahr, in dem der Kalte Krieg noch allgegenwärtig und nirgendwo spürbarer ist als im geteilten Berlin. 1974 ist auch das Jahr, in dem Willy Brandt seinen Rücktritt verkündet, Nixon über die Watergate-Affäre stolpert und Deutschland Fußballweltmeister wird. Das 1:0 zwischen der DDR und der Bundesrepublik verankert sich tief im kollektiven Gedächtnis.

In Erinnerung bleibt bei diesem Film auch das Schauspielerensemble, das sich um den Regisseur Oliver Hirschbiegel zusammengefunden hat. Tom Schilling brilliert in der Rolle des Romeo-Agenten Lars Weber. An seiner Seite läuft der hochkarätige Cast, unter anderen mit Friederike Becht, Sofia Helin und Ben Becker, zu Bestform auf. Präzise und mit einer ganz eigenen Sinnlichkeit fängt die Kamerafrau Judith Kaufmann das Zeitkolorit der 70er ein. Und Oliver Hirschbiegel ist es zu verdanken, dass sich die Geschichte in ihrer vollen emotionalen und spannungsgeladenen Wirkung entfaltet.

Dass solch eine besondere Leistung nur mit einem entsprechenden Produktionsteam zu erreichen ist, ist selbstredend. Ufa Fiction und Beta Film haben dies bei dieser Zusammenarbeit ermöglicht. Die Idee und das Drehbuch stammen von der englischen Autorin Paula Milne, deren besonderer Verdienst es ist, das politische Drama aus der Privatheit der Figuren heraus zu entwickeln. So erleben wir zutiefst menschlich und politisch brisant die Trennung von Ost und West unter dem gleichen Himmel.

Statement der Produzenten (UFA Fiction)
Benjamin Benedict, Nico Hofmann und Sebastian Werninger

Deutschland im Sommer 1974 – mitten in Berlin tobt der Kampf der weltpolitischen Ideologien. Im Westen blüht der Kapitalismus, finanziert aus den Millionen des Marshall-Plans. Im Osten lebt man die Alternative Sozialismus. Menschliche Werte, Kameradschaft und sozialer Zusammenhalt zählen mehr als Güterbesitz. An eine friedliche Koexistenz beider Systeme ist nicht zu denken. Im Gegenteil: Die Geheimdienste beider Seiten bekämpfen Feuer mit Feuer. Keiner kommt davon. Jeder muss sich für eine Seite entscheiden. Inspiriert von dieser ausweglosen Situation zeichnet „Der gleiche Himmel“ ein Gesellschaftspanorama dieser Zeit, wie man es bislang im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen hat. In dramatischem Kontext erzählen wir die schicksalhaften Geschichten einzelner Individuen und Familien, welche auf beiden Seiten der Mauer ins Visier der Geheimdienste geraten. Es sind ihre menschlichen Abgründe, die unsere Figuren immer wieder in die Enge treiben, die den Druck zwischen Staatstreue oder Verrat, Loyalität oder Freiheitsdrang so stark werden lassen, dass man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

Mit Paula Milne haben wir eine Autorin gefunden, deren Arbeiten sich stets durch extreme Konfliktdichte und feine Figurenentwicklungen auszeichnen. Schon einmal hat sie mit ihrer BBC Mini-Serie „Die Kinder“ bewiesen, wie präzise und klar ihr Blick auf die deutsche Geschichte ist. Inszeniert wurden die drei Folgen von dem international ausgezeichneten Regisseur Oliver Hirschbiegel, der mittels wunderbar authentischer Darstellungen von Zeitgeschichte und ihren Figuren zu jedem Zeitpunkt spannend und hoch emotional erzählt.

Tom Schilling, ein einzigartiger deutscher Schauspieler, brilliert in der Hauptrolle, und an seiner Seite spielen mit Sofia Helin, Friederike Becht, Ben Becker, Anja Kling, Claudia Michelsen und Jörg Schüttauf ausgezeichnete Kollegen, deren Figuren das Lebensgefühl der 70er Jahre in allen Bereichen erlebbar machen.

Mit dem ZDF, Beta Film und unseren weiteren Koproduktionspartnern Rainmark Films sowie Mia Film sind wir stolz auf das, was „Der gleiche Himmel“ mit all seinen Facetten geworden ist.

Statement der Produzenten (Beta Film)
Ferdinand Dohna und Jan Mojto

Die Idee zu „Der gleiche Himmel“ reicht in die Zeit zurück, in der wir mit Florian Henckel von Donnersmarck, dem späteren Oscar-Preisträger, an „Das Leben der Anderen“ gearbeitet haben. Uns wurde klar, dass die einzigartige historische Situation der geteilten Stadt zugleich einen idealen Rahmen für eine Fernsehserie bietet. Nirgends war der Konflikt zwischen Kommunismus und Kapitalismus so konzentriert und aufgeladen wie in Berlin. Jederzeit konnte die Situation eskalieren – eine Spannung, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen zu beiden Seiten der Mauer hatte.

„Der gleiche Himmel“ zeigt das tägliche Leben zur Zeit des Kalten Krieges. Es geht um den Druck, den Politik ausüben kann, wenn man nicht die Möglichkeit hat, ihr zu entgehen. Wie weit geht man, um seine Überzeugung zu schützen? Wie oft verschließt man die Augen vor den eigenen Zweifeln? Alle Figuren der Serie zeichnen sich dabei durch eine tiefe Menschlichkeit aus. Sie hegen ihre geheimen Träume, zuweilen offenbaren sie ihre tiefsten Bedürfnisse und Wünsche, sie kämpfen, sie scheitern. Die Angst davor, durch die Verhältnisse getrennt zu werden, ist dabei immer präsent.

Das Drehbuch der mehrfach preisgekrönten Autorin Paula Milne lässt uns verschiedene Standpunkte und Erzählperspektiven einnehmen, die Sicht des Ostens und des Westens. Durch die authentische und emotional packende Bildsprache des Regisseurs Oliver Hirschbiegel nehmen wir unmittelbar teil am Schicksal einer Fülle von eindrücklichen Charakteren, die von einem herausragenden Ensemble deutscher und internationaler Schauspieler verkörpert werden und aus dieser Serie ein einzigartiges, modernes Fernsehdrama machen. „Der gleiche Himmel“, zusammen entwickelt mit unserer britischen Produktionsfirma Rainmark Films, folgt der Tradition von Fernsehevents wie „Unsere Mütter, unsere Väter“, die Beta Film und UFA Fiction gemeinsam für das ZDF erarbeitet und koproduziert haben.

Stab und Besetzung

Der gleiche Himmel
Der große ZDF-Dreiteiler

Montag, 27. März 2017, 20.15 Uhr
Mittwoch, 29. März 2017, 20.15 Uhr
Donnerstag, 30. März 2017, 20.15 Uhr

 

Drehzeit___24.08. – 2.12.2015

Drehorte___Prag, Berlin

Stab:

Idee und Drehbuch___Paula Milne

Regie___Oliver Hirschbiegel

Bildgestaltung___Judith Kaufmann

Casting___An-Dorthe Braker, Karimah El-Giamal

Musik___Walter Mair, Vesselina Tchakarova

Schnitt___Alexander Dittner

Production Designer___Bernd Lepel

Kostüm___Bettina Marx

Maske___Tatjana Krauskopf, Isabelle Neu

Produktionsleitung___Konstantin von Carlowitz

Herstellungsleiter___Tim Greve

Producer___Friedemann Goez

Produzenten___Benjamin Benedict (UFA), Ferdinand Dohna (Beta), Nico Hofmann (UFA)
Dirk Schürhoff (Beta), Tracey Scoffield (Rainmark), Sebastian Werninger (UFA)

Koproduzent___Michal Pokorny (Mia Film)

ZDF-Redaktion___Wolfgang Feindt, Reinhold Elschot
                            HR Fernsehfilm / Serie I

Länge___3 x 90 Minuten

Eine Produktion von UFA Fiction in Koproduktion mit Beta Film und Mia Film unter Beteiligung von Rainmark Films im Auftrag des ZDF.

 

Die Rollen und ihre Darsteller:

Lars Weber___Tom Schilling

Lauren Faber___Sofia Helin

Sabine Cutter___Friederike Becht

Ralf Müller___Ben Becker

Gregor Weber___Jörg Schüttauf

Axel Lang___Hannes Wegener

Klara Weber___Stephanie Amarell

Conrad Weber___Godehard Giese

Gita Weber___Anja Kling

Dagmar Cutter___Claudia Michelsen

Tobias Preuss___Daniel Zillmann

Howard Cutter___Steven Brand

Wulf Dunst___Max Hopp

Viktor___Daniel Krejčík

Olaf Bargmann___Christian Kuchenbuch

Erika Haas___Steffi Kühnert

Acker König___Torsten Michaelis

Florian Eberhardt___Christian Näthe

Duncan March___Richard Pepper

Meyer___Uwe Preuss

Emil Faber___Jascha Rust

Lutz Janson___Udo Schenk

Trudy___Markéta Stehlikova

Lorenz Eggars___Brian Völkner

Juliane Weber___Muriel Wimmer

Micha Faber___Alexander Wolf

Wilhelm Hosch___Werner Wölbern

Horst Bargmann___David Zimmerschied

und viele andere

Inhalt

Kurzinhalt

„Der gleiche Himmel“ zeichnet das Portrait einer Gesellschaft inmitten des Kalten Kriegs 1974 in Berlin. Der prominent besetzte Dreiteiler begibt sich dabei ins Zentrum des Konflikts und auf die Spur von Spitzeln, Republikflüchtlingen und Träumern von einem besseren Leben. Erzählt wird die Geschichte von ganz normalen Bürgern auf beiden Seiten der Berliner Mauer: wie sie mit ihren Geheimnissen, Lügen und der Paranoia dieser Zeit leben, wie sie mit ihren ganz persönlichen Überzeugungen und Entscheidungen kämpfen.

Der junge Ost-Berliner Romeo-Agent Lars Weber (Tom Schilling) wird in den Westen der Stadt geschleust. Dort soll er Lauren Faber (Sofia Helin) verführen, um für die Stasi den Zugang zu sensiblen Informationen des britischen Geheimdienstes zu ermöglichen. Als die Mission eine unerwartete Wendung nimmt, setzt ihn sein West-Berliner Führungsoffizier Ralf Müller (Ben
Becker) kurzerhand auf die NSA-Mitarbeiterin Sabine Cutter (Friederike Becht) an. Eine folgenschwere Entscheidung, wie sich bald herausstellt, denn seine Verbindung zu ihr geht weit über seinen ursprünglichen Auftrag hinaus.

Während niemand im Osten von Lars’ Mission im Westen weiß, spitzen sich auch bei ihm zu Hause die Ereignisse zu. Bei Lars’ Vater Gregor (Jörg Schüttauf), eigentlich ein fahnentreuer Sozialist, entstehen immer mehr Zweifel an den politischen Überzeugungen, für die er schon so viel geopfert hat. Gregors Bruder Conrad (Godehard Giese), dessen Ehe mit Gita (Anja Kling) nur noch auf dem Papier existiert, muss mitansehen, wie seine jüngste Tochter Klara (Stephanie Amarell) im Leistungssportprogramm für den sozialistischen Erfolg zum Doping gezwungen wird.

Eine dritte Geschichte entwickelt sich um den homosexuellen Lehrer Axel (Hannes Wegener), der sich in den britischen Weltenbummler Duncan (Richard Pepper) aus dem Westen verliebt und dessen Sehnsucht, Ostdeutschland zu verlassen, mit jedem Tag wächst.

Inhalt erste Folge

Frühjahr 1974: Nach seiner Ausbildung zum Romeo-Agenten wird Lars Weber von der Stasi nach West-Berlin geschleust. Dort soll er Lauren Faber verführen, die als Datenanalystin des Britischen Geheimdienstes auf dem Teufelsberg arbeitet und ihm Zugang zu sensiblen Informationen verschaffen kann. Unter Kommando seines Führungsoffiziers Ralf Müller setzt Lars sein Können perfekt ein und hat Erfolg: Nach anfänglicher Zurückhaltung verfällt die alleinerziehende Mutter Lauren dem unwiderstehlichen Charme des „Romeos“ und beginnt, sich Lars zu öffnen.

Im Osten der Stadt weiß nur Lars’ Vater Gregor von seiner Mission. Er ist selbst treuer Sozialist und Stasi-Mitarbeiter, zweifelt jedoch zunehmend an der Richtigkeit des Systems. Gregor hat Lars alleine großgezogen, da seine Frau und Tochter bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, als Lars noch ein Kind war.
Im gleichen Wohnblock lebt Gregors Bruder Conrad mit seiner Familie. Die Ehe mit seiner Frau Gita ist zur Farce verkommen, und so dreht sich alles um ihre Töchter. Juliane absolviert gerade ihr Abitur mit Bravour, die jüngere Klara steht kurz davor, in den Schwimm-Kader für die olympischen Spiele berufen zu werden.

Unter strenger Beobachtung der Staatsmacht werden Klara und ihre Eltern auf eine Steigerung des Trainingspensums und die bedingungslose Auslieferung an Trainer Wulf Dunst eingeschworen. Gita erhofft sich vom Erfolg ihrer Tochter eine bessere Zukunft für die gesamte Familie, Conrad dagegen ahnt, welche Gefahren für Klara lauern.

Der homosexuelle Lehrer Axel Lang – ein Kollege von Conrad – trifft in einer Schwulenbar auf den britischen Weltenbummler Duncan March, der Touren für Amerikaner durch Ost-Berlin plant. Er verliebt sich in ihn, doch die schwierige Grenzsituation belastet die Beziehung immer stärker. Ein Blick auf die Visa-Stempel in Duncans Pass lässt Axels Sehnsucht nach einem „Ausbruch“ aus der DDR ins Unermessliche wachsen.

Die gleiche Sehnsucht spürt auch Tobias Preuss, ein Freund von Axel aus der Schwulenbar. Mit einer Gruppe von Freunden gräbt er seit einiger Zeit an einem Tunnel in den Westen.

Inhalt zweite Folge

Lars kommt Lauren immer näher und steht kurz davor, erste verwertbare Informationen abzuschöpfen. Dann aber fällt sie durch einen tragischen Zwischenfall überraschend als Informantin aus. Führungsoffizier Ralf Müller muss schnell reagieren, um die Mission noch erfolgreich zu Ende zu bringen. So setzt er Lars auf eine neue Zielperson an: Laurens Freundin Sabine Cutter. Auch sie arbeitet als Datenanalystin auf dem Teufelsberg, anders als Lauren jedoch beim amerikanischen Geheimdienst NSA. Auch ihr Vater Howard könnte eine wertvolle Quelle sein, denn als NSA-Kommandant hat er beste Verbindungen zur NATO. Doch Sabine ist ein anderes Kaliber als Lauren. Bei ihr wird Lars alle Register ziehen müssen, um sie zu verführen. Ralf Müller ist skeptisch, ob seine Qualitäten als Romeo schon so weit fortgeschritten sind, doch Lars erweist sich als Naturtalent. Auch bei Sabine weiß er seinen Charme so geschickt einzusetzen, dass sie sehr schnell auf ihn aufmerksam wird und sich ihm öffnet. Ohnehin scheint zwischen den beiden eine Vertrautheit zu sein, wie es sie mit Lauren nicht gab.

Währenddessen entdeckt Juliane bei ihrer Schwester Klara erstmals die körperlichen Veränderungen, auf die Trainer Dunst und seine Trainerkollegin Erika Hass die Eltern der Schwimmerinnen vorbereitet hatte. Gita versucht ihre Tochter zu beruhigen und spielt den Vorgang herunter. Sie ahnt, wie Conrad reagieren wird. Die Spannungen in der Familie sind am Limit, und sie verbietet Klara und Juliane, ihrem Vater von den körperlichen Veränderungen zu erzählen.

Tobias Preuss, der mit starkem Übergewicht kämpft, bringt beim Bau des Tunnels den Eingangsstollen zum Einsturz. Mit seiner Unzuverlässigkeit sabotiert er den Fortschritt der Arbeiten. Seine Freunde wollen ihn aus der Gruppe ausschließen. Voller Selbstmitleid taucht er bei Axel auf, erzählt ihm vom Tunnelbau und droht mit Verrat. Die Existenz des Tunnels lässt Axel ganz unverhofft von neuen Möglichkeiten träumen. Er nimmt Kontakt zu Tobias‘ Freunden auf, bittet um Aufnahme in die Gruppe und verspricht ihnen, dass Tobias nichts verraten wird. Doch er kann zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass Tobias gerade von der Stasi verschleppt wurde und in Untersuchungshaft in Hohenschönhausen sitzt. Die Gefahr aufzufliegen, stellt für alle Tunnelbauer eine lebensbedrohliche Situation dar.

Inhalt dritte Folge

Bei der Familie Weber kommt es zur Eskalation, als Juliane, entgegen dem Verbot der Mutter, ihrem Vater von den Veränderungen an Klaras Körper erzählt. Schockiert stellt Conrad seine Frau zur Rede und zieht den Trainer zur Verantwortung. Er ist nicht bereit, die Gesundheit seiner Tochter für eine Goldmedaille zu opfern. Trainer Dunst bringt nüchtern zum Ausdruck, dass seine Weigerungshaltung für die gesamte Familie Konsequenzen haben wird. Auch Gita zeigt ihm in einem lautstarken Streit die Folgen auf, die ein Rückzug Klaras aus dem Team für sie alle haben könnte. Conrad bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen, und unterstützt fortan die sich abzeichnenden Erfolge seiner Tochter. Doch wohin werden sie Klara und ihre Familie führen?

Axels Traum vom Ausbruch in den Westen wird immer realer: Die Tunnelbauer nehmen ihn in ihre Gruppe auf und in wenigen Wochen wollen sie den gemeinsame Weg durch den Tunnel wagen. Als er Duncan von seinen Plänen erzählt, reagiert dieser sehr zurückhaltend – zu groß ist seine Angst, Axel an die Verlockungen des Westens zu verlieren. Die Flucht droht sowieso zu scheitern: Als für Tobias der Druck in der U-Haft zu groß wird, liefert er seine ehemaligen Freunde ans Messer und verrät alle Details des Tunnelbaus. Die Tür in den Westen hat sich für die Gruppe wieder geschlossen, doch für Axel stirbt die Hoffnung zuletzt, denn völlig unerwartet bringt ihn ausgerechnet Duncan auf eine neue Idee.

Unter einem Vorwand besucht Lars Sabine zu Hause und trifft dabei auf ihre gesamte Familie, die, wie sämtliche Bürger im Osten und Westen der Stadt auch, im Fernsehen das WM-Vorrundenspiel BRD-DDR ansieht. Sabines Vater Howard beäugt Lars anfangs zurückhaltend, zu ihrer Mutter Dagmar findet er jedoch sofort einen Draht. Es könnte nicht besser laufen für ihn. In den Tagen darauf führt er Sabine in das Berliner Nachtleben und kommt ihr immer näher – auf eine Weise, die über seine sonstige Professionalität hinauszugehen scheint und Ralf Müller skeptisch macht. Doch Lars bleibt zunächst seiner Gefolgslinie treu, bis er Sabine zum ersten Mal zu sich nach Hause einlädt, eigentlich um sie endgültig für sich zu gewinnen. Doch dieser Abend wird das Leben der Beiden für immer verändern.

Die Rollenprofile

Lars Weber, Romeo-Agent (Tom Schilling)

Lars Weber ist 25 Jahre alt und gut aussehend. Er glaubt an die sozialistischen Ideale und verfügt über eine ausgeprägte, von Neugier geprägte Intelligenz. Lars ist bei seinem Vater Gregor aufgewachsen, zu dem er ein gutes Verhältnis hat, und der ihm von frühester Kindheit an die Ideologie seines Vaterlandes vermittelt hat. Von seiner Mutter und Schwester weiß Lars wenig, nur, dass sie bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, als er noch ein kleiner Junge war. Alles, was an sie erinnert, ist ein Foto auf dem Wohnzimmerschrank. Lars hat einen tadellosen sozialistischen Lebenslauf, der ihm eine schnelle Karriere bei der Stasi ermöglicht. Von dessen Auslandsnachrichtendienst rekrutiert, wird er, als Romeo-Agent ausgebildet, nach West-Berlin geschickt, dort seinem Führungsoffizier Ralf Müller unterstellt und auf Lauren Faber und Sabine Cutter angesetzt.

Sabine Cutter (Friederike Becht)

Nach ihrer Rückkehr aus dem College in den USA lebt Sabine Cutter, 25, wieder bei ihrer Mutter Dagmar und ihrem amerikanischen Stiefvater Howard in West-Berlin. Sie arbeitet als Datenanalystin der NSA auf dem Teufelsberg. Howard Cutter ist dort ihr Vorgesetzter. Sabines Ex-Verlobter hat Selbstmord verübt, nachdem sie ihn verlassen hat. Dies ist jedoch nicht der einzige Grund, warum ihre Eltern so penibel darauf achten, was sie tut und auf wen sie sich einlässt. Eine von Sabines engsten Freundinnen ist ihre Kollegin Lauren Faber. Mit Lauren trifft sie sich zum Austausch gern in einem Café am Kurfürstendamm.

Lauren Faber (Sofia Helin)

Lauren, 40, arbeitet als Datenanalystin auf dem Teufelsberg, jedoch beim britischen Geheimdienst. Eine vor einigen Jahren gescheiterte Ehe hat dazu geführt, dass sie gegenüber Männern sehr zurückhaltend geworden ist. Sie hat sich privat zurückgezogen und kein Interesse, sich neu zu verlieben. Grund dafür ist auch ihr rebellischer Sohn Emil, der seit der Scheidung der Eltern ihre ganze Liebe beansprucht. Doch Emil ist nun fast erwachsen. Lauren muss sich, alleine zu Haus, mit dem unangenehmen Gefühl vertraut machen, dass ihr eine einsame Zukunft bevorsteht, wenn sie nicht doch noch eine neue Liebe finden sollte.

Ralf Müller (Ben Becker)

Ralf Müller, 46, ist West-Berliner, der aus persönlicher politischer Überzeugung in den Dienst der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) eingetreten ist. Er folgt blind den Anweisungen seiner Behörde, ohne Fragen zu stellen oder Zweifel zu äußern. Bei Bedarf ist er skrupellos und schlägt erbarmungslos zu. Mitgefühl betrachtet er als Schwäche. Das Leben im Verborgenen ist genau seine Sache. Er lebt für seine Arbeit, die für ihn keine Pflicht ist, sondern eine Berufung.

Gregor Weber (Jörg Schüttauf)

Gregor Weber ist Lars‘ Vater. Als überzeugter Sozialist und Mitglied der Partei hat sich Gregor Weber im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) – dem Dachverband der DDR-Gewerkschaften – seinen Weg nach oben gebahnt und ist nun Brigadier. Diskretion ist für ihn selbstverständlich. Er ist ein Ehrenmann, der Zeit seines Lebens für die sozialistischen Ideale gekämpft hat. Bis jetzt, denn zunehmend bekommt er Zweifel, ob die repressiven Methoden der Partei und des Staates richtig sind. Ein Zweifel, den er aber so gut wie nie zugibt, weder anderen noch sich selbst gegenüber.

Conrad Weber (Godehard Giese)

Conrad Weber ist ein klassischer Mitläufer. Als Lehrer ist Lars‘ Onkel unauffällig. Er eckt nicht an, leistet keinen Widerstand, weder im Kleinen noch im Großen. Als genügsamer Familienmensch bedeuten ihm seine Töchter Juliane und Klara alles. Seine Ehe mit Gita ist zur Farce verkommen. Sie lieben sich schon lange nicht mehr und haben sich auch nicht mehr viel zu sagen. Als ihm klar wird, welche Auswirkungen Klaras Training hat, beginnt er zu kämpfen. Aber er muss erkennen, dass die Dinge nicht immer so einfach zu regeln sind, wie er sie gerne hätte.

Gita Weber (Anja Kling)

Wie für ihren Mann Conrad ist auch für Gita Weber die Familie ihr Ein und Alles. Zumindest macht sie sich selbst und anderen etwas vor und verdrängt, dass in ihrer Ehe mit Conrad die Liebe verloren gegangen ist. Anders als Conrad ist sie nicht mit dem zufrieden was sie hat, sondern hat das Gefühl, vom Leben enttäuscht worden zu sein. Was sie für sich selbst nicht erreichen konnte, möchte sie in ihren Töchtern Klara und Juliane verwirklicht sehen. Dafür scheint Gita zu allem bereit zu sein, selbst wenn sie der ganzen Familie damit schadet, denn der Preis, den vor allem Klara dafür zahlen muss, ist hoch.

Klara Weber (Stephanie Amarell)

Klara, 13, die jüngere Tochter von Conrad und Gita Weber, ist im Schatten ihrer älteren und klügeren Schwester Juliane aufgewachsen. So ist Klara zu einem introvertierten und unsicheren Mädchen geworden, das sich in den Sport geflüchtet hat. Ihr Schwimm-Trainer Wulf Dunst erkennt ihr Talent und nimmt sie in die nationale Vorauswahl für die Olympischen Spiele auf. Zum ersten Mal findet auch sie Beachtung. Doch Klara ist hin- und hergerissen zwischen der neu gewonnenen Anerkennung und der Angst vor den Veränderungen, die das Training mit sich bringt.

Axel Lang (Hannes Wegener)

Axel Lang arbeitet als Physiklehrer an derselben Schule wie Conrad Weber und ist schwul. Zwar steht Homosexualität nicht unter Strafe, Axel aber weiß, dass sie ihn angreifbar macht. So tut er alles dafür, sie im Alltag nicht zum Thema werden zu lassen. Einen Rückzugsort bietet ihm eine Schwulenbar. Hier lernt er den Engländer Duncan kennen und verliebt sich in ihn. Ein Blick auf die Visa-Stempel in dessen Pass lässt Axels Sehnsucht nach einer Flucht aus der DDR ins Unermessliche steigen. Als er von einem Tunnelbau in den Westen Berlins erfährt, sieht er seine Chance gekommen.

Dagmar Cutter (Claudia Michelsen)

Dagmar Cutter ist die Mutter von Sabine und in zweiter Ehe mit dem Amerikaner Howard Cutter verheiratet. Sie leben ohne finanzielle Sorgen in einer Villa im gutbürgerlichen Teil West-Berlins. Dagmar ist ein Familienmensch und sorgt sich um ihre Tochter. Sie scheint mit ihrem Leben rundum zufrieden. In einsamen Momenten fragt sie sich dennoch, ob alle Entscheidungen, die sie in der Vergangenheit getroffen hat, immer die richtigen waren und fürchtet deren Konsequenzen.

Von der Idee zum Dreiteiler
Von Autorin Paula Milne

Die deutsche Nachkriegsgeschichte hat mich schon immer fasziniert. In den späten 80er-Jahren habe ich für die BBC den sechsteiligen Politthriller „Die Kinder“ über die RAF geschrieben. Diese Serie war es auch, die mir den Weg für meine Karriere als Drehbuchautorin ebnete, und wahrscheinlich deshalb habe ich mich auch deutschen Themen immer irgendwie verbunden gefühlt.

Was mich speziell daran interessiert hat, eine Serie über die Berliner Mauer in den 70er-Jahren zu schreiben, war die Möglichkeit, mich in eine Ära zu begeben, die durch das politische Tauwetter des Kalten Kriegs gekennzeichnet war. In Wahrheit waren aber vor dem Hintergrund der Entspannungspolitik beide Supermächte eifrig dabei, ihre Spionageaktivitäten auszuweiten. Berlin war hierfür Dreh- und Angelpunkt, ein Brutkasten der Paranoia und Spionage – und für beide Seiten eine geheime Frontlinie, die sich auch in den Alltag der Einwohner Berlins fortsetzte.

Das Thema gab mir zudem die Möglichkeit, mich in den verschiedenen Erzählsträngen mit den unterschiedlichen Kulturen auf beiden Seiten der Mauer auseinanderzusetzen: Eine Familie im Osten Berlins, die unter dem Druck implodiert, der auf ihre für die Olympischen Spiele trainierende Tochter ausgeübt wird, während anderswo in der Stadt eine Gruppe Homosexueller versucht, sich ihren Weg in die lang ersehnte Freiheit im Westen unter der Mauer hindurch zu graben. Die aber vielleicht kraftvollste dieser Geschichten kreist um die komplexe und emotionale Reise eines jungen idealistischen Romeo-Agenten, der auf eine Geheimdienstmitarbeiterin in der NSA-Abhörstation auf dem Teufelsberg angesetzt wird. Ohne sein Wissen ist seine eigene Familie nicht nur durch die Berliner Mauer getrennt, sondern auch durch familieneigene Geheimnisse und Lügen, die letztendlich eine dramatische Verkettung von Umständen nach sich zieht.

Was mich aber auch reizte war, über Menschen zu schreiben, die eines der herausforderndsten Jahre unserer jüngeren Geschichte durchleben. Die Entscheidungen, die sie treffen, und die Folgen, die diese Entscheidungen nach sich ziehen, sind Zeichen unser aller Menschseins – egal welcher Nationalität wir angehören.

„Lust, Fernsehen zu machen“
Ein Interview mit Regisseur Oliver Hirschbiegel

Mit Filmen wie „Der Untergang“ und zuletzt „Elser“ haben Sie sich bei historischen Themen auf die Zeit des Nationalsozialismus konzentriert. Was hat Ihr Interesse geweckt, nun in das Jahr 1974 einzutauchen?

Die Auswahl der Zeitperiode, die ich in meinen Filmen erzähle, richtet sich weniger nach meinem Interesse an der Periode als vielmehr nach meiner generellen Faszination für die Geschichte, die ich erzähle, für das Drama, die Spannung. Und diese Faszination war hier sofort gegeben. Ich habe die Drehbücher gelesen und hatte sofort vor Augen, wie ich was filmen würde. Das ist bei mir ein untrüglicher Indikator dafür, dass ich etwas unbedingt machen möchte.

Was wussten Sie über diese Zeit?

Mein Wissen stützt sich größtenteils auf eigene Erfahrungen aus dieser Zeit, die ich ja bewusst erlebt habe. Es gibt ganz viele Erinnerungsmomente. Zum Beispiel habe ich regelmäßig die Reise von Hamburg durch die DDR nach Berlin angetreten, um etwa in die Schaubühne am Halleschen Ufer oder ins SO 36 zu gehen. Den Grenzübergang von West nach Ost und umgekehrt habe ich in allen Varianten kennen gelernt: im Auto, zu Fuß, in U- und S-Bahn. Ich hatte auch eine Freundin und Freunde im Osten, habe beide Welten erlebt. Vieles von dem, was man sieht, basiert tatsächlich auf meiner Erinnerung. Ich denke in Bildern und mache dann die Recherche. Das äußert sich in Details wie der Langnese-Fahne im Hintergrund, Lotto-Schildern oder Zigarettenautomaten, die es damals an jeder Ecke gab. So etwas beschreibt eine Zeit wahnsinnig gut.

Was macht, neben diesen Details, für Sie persönlich diese Zeit aus?

Sie war in meiner Erinnerung ein Zustand kompletter Verunsicherung und eines eigenartig festgefahrenen Stillstands. In den 60ern gab es mit der Hippie-Bewegung in Kalifornien und der Studentenbewegung bei uns den Aufbruch. Das hatte sich Anfang der 70er totgelaufen und war einer Art „Betonschädelmentalität“ gewichen. Hier die „linksradikalen“ Organisationen, dort der Unwille des Staates sich zu bewegen und weiter zu öffnen. Viele Menschen waren verunsichert, eines der Resultate war die RAF mit Baader-Meinhof. Auch der Kalte Krieg war Ausdruck dieser Entwicklung. Was im Kleinen innerhalb der deutschen Gesellschaft stattfand, spiegelte im Großen die Weltpolitik. Es gab diese festgefahrenen Raster: auf der einen Seite der goldene Westen, auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs der diktatorische Ansatz des realen Sozialismus.

Und wie haben Sie sich Themen wie den ‚Romeo-Agenten‘, ‚Staatsdoping‘ und ‚Fluchtversuche‘ aus der DDR angenähert?

Über Fluchtversuche aus der DDR war auch im Westen vieles bekannt, Informationen über das Doping musste ich mir anlesen und recherchieren. Auch die Arbeit der Stasi war mir nicht unbekannt, ich habe schon immer mit einer gewissen Faszination alles verschlungen, was ich dazu finden konnte. Die Stasi verkörpert in gewisser Weise diese deutsche Radikalität, sie hat mit einer solchen Perfektion übergreifend in allen Bereichen der DDR-Gesellschaft und international ihre Arbeit verrichtet. Das sucht auf diesem Gebiet seinesgleichen.

Berlin damals und heute – zwei verschiedene Welten?

West-Berlin war damals eine Insel innerhalb dieses rigiden ostdeutschen Regimes, und gleichzeitig im Vergleich zu Westdeutschland ein „Hippie-Land“ mit einer unglaublich hohen Anzahl von jungen Menschen, Studenten und Männern, die dem Wehrdienst entgehen wollten. Das war so etwas wie die erste Phase alternativen Denkens und Lebens. Ich habe damals in Hamburg Kunst studiert, für uns Hamburger waren die Berliner immer ein bisschen zu hippiehaft. Aber es hatte natürlich dennoch eine Faszination, denn in Berlin gingen Sachen, die in anderen westdeutschen Städten unmöglich gewesen wären. Es gab auch in den 1970ern schon alternative Klubs und Hinterhofveranstaltungen. Das war wie ein Sammelbecken von Tunichtguten, hochspannend und aufregend. Die Stadt, wie sie damals aussah, ist heute gar nicht mehr vorstellbar. Sie war über Häuserblocks und Straßenzüge hinweg fast mit der Bronx vergleichbar, mit leer stehenden Häusern und herunter gekommenen Fassaden, die sich gar nicht so sehr von denen im Osten unterschieden haben, wo die alten Häuser ja in einem katastrophalen Zustand waren. Im Prinzip sah die Stadt in Ost und West relativ gleich aus. Der Unterschied bestand vor allem darin, dass einen im Westen der Kapitalismus angeschrien hat, während im Osten all die Werbeschilder, Lampen, Lichter und Neonreklamen fehlten.

Wie und wo haben Sie Ihr Berlin gefunden und gedreht? Worauf kam es Ihnen bei der Umsetzung besonders an?

Die Stadt hat sich stark verändert, ist so renoviert und modernisiert, dass man in Berlin selbst gar nicht hätte drehen können. Das Berlin von damals habe ich in Prag gefunden. Dort gibt es heute Straßenzüge, die mit dem damaligen Berlin vergleichbar sind. Hier konnten wir einen Großteil der West- wie auch der Ostszenen mit Altbaubestand drehen. Zudem gibt es in der Tschechischen Republik noch relativ unberührte Beispiele der sozialistischen Architektur, stalinistische Wohnblocks oder klassische 60er-Jahre-Monumentalbauten wie in der Berliner Karl-Marx-Allee. Schwierig war, dass auch in Prag die Altbauten heute in besserem Zustand sind als sie damals in Berlin waren. Und die Plattenbausiedlungen, die früher nagelneu waren, sind heute relativ niedergewohnt oder so renoviert, dass wir sie nicht nutzen konnten. Aber ich habe glücklicherweise eine tolle „Original-Platte“ gefunden, wo wir außen drehen konnten, die Wohnungen selbst haben wir im Studio nachgebaut.

Sie haben sowohl Fernseh- als auch Kinofilme inszeniert. Was macht für Sie den Unterschied? Welche besonderen Möglichkeiten der Inszenierung bietet gerade ein Dreiteiler wie „Der gleiche Himmel“?

Für mich gab es da im Prinzip nie einen Unterschied, das ist alles Film, das heißt filmisches Erzählen einer dramatischen Situation. Der Vorteil beim Fernsehen ist die Zeit: Man kann mehr Zeit mit den Figuren verbringen, hat mehr Zeit, Informationen zu geben. Im Kino muss man sehr viel ökonomischer arbeiten, ist immer in dieses Schema von mehr oder weniger 100 Minuten gepresst. Ich habe das oft als Behinderung empfunden. Im Fernsehen kann man weiter und tiefer gehen und auch in Ellipsen erzählen. Dass die Zuschauer das schätzen, kann man jetzt über den weltweiten Erfolg der Serie als Format sehen. Die Leute gehen ins Kino für eine „Rollercoaster-Show“ und „Superhero-Blockbuster“, aber wenn sie echtes Drama mit wirklichen Menschen, echten Figuren sehen wollen, dann machen sie den Fernseher an. Sie wollen diese Serien und oft gleich in Form von Binge Watching. Das finde ich spannend. Ich habe im Moment eigentlich viel größere Lust, Fernsehen zu machen.

Apropos weltweit: Was, denken Sie, macht für ein internationales Publikum den Reiz von „Der gleiche Himmel“ aus?

Das ist ein schmaler Grat zwischen einem universellen Erzählen auf der einen Seite, das die Geschichte überall auf der Welt verständlich macht, und der Herausforderung auf der anderen Seite, durch diese Universalität nicht die deutsche Authentizität aufzugeben. Das sind menschliche Schicksale und in den Konflikten und Problemen, die wir in unserer Geschichte erzählen, kann sich letztlich jeder wieder finden. Mir war aber sehr wichtig, dass das deutsch bleibt und nicht so amerikanisierend erzählt wird, wie ich es manchmal beobachte. Ich halte das für einen großen Fehler. Wenn man die Welt erreichen will, muss man zu seiner eigenen Identität stehen und darf diese nicht verleugnen.

Glauben Sie nicht, dass allein das Thema „Berlin im Zentrum des Kalten Kriegs“ international auf Interesse stoßen wird?

Wenn man allein den historischen Hintergrund betrachtet, würde ich in jedem Fall zustimmen. Im Detail sind aber vor allem die Geschichten der Menschen und Familien, von denen wir erzählen, universell. Das sind Konflikte, mit denen sich jeder überall auf der Welt identifizieren kann: der Sohn, der Probleme mit seiner Mutter hat; die Eltern, die mit ihren Lügen leben müssen; Vater und Mutter Weber, die fast darüber zerbrechen, wie sie mit der Karriere ihrer Tochter umgehen sollen.

Wie haben Sie Ihr Ensemble gefunden?

Zunächst habe ich versucht, dass alle Schauspieler, die Charaktere aus Ost- und West-Berlin spielen, tatsächlich auch von dort stammen oder zumindest ihre Wurzeln dort haben. Das ist eine Frage der Haltung. Ich denke, dass das der Serie sehr gut getan hat. Generell ist es aber ein sehr langwieriger Prozess, bis man sowohl visuell als auch von der Atmosphäre die Schauspieler hat, die auch miteinander funktionieren. Und dann gibt es so kleine Wunder wie etwa die Chemie zwischen Friederike Becht und Tom Schilling. Das ist Glück und schwer vorherzusehen, es ist einfach eine Freude ihnen zuzusehen, wie sie miteinander funktionieren. Auch all die jungen Schauspieler, die teilweise ihre erste Rolle spielen und alle exzellent sind. Ich habe in mehreren Ländern gedreht, und es ist wirklich außergewöhnlich, was für gute Schauspieler wir hier in Deutschland haben.

Drei Monate sind eine lange Drehzeit. Wie motiviert man sich dabei selbst, wie die Crew und die Schauspieler?

Ich scheine glücklicherweise ein Händchen dafür zu haben, meine Schauspieler so zusammen zu stellen, dass sie sofort zu einem Ensemble zusammenwachsen und wie eine Großfamilie agieren. Aber natürlich, drei Folgen am Stück zu drehen ist schon ein ziemlicher „Wolf“. Da ist man dann froh, wenn man es geschafft hat, muss ich gestehen.

Auf welche besonderen Herausforderungen trifft man bei einem solchen Mammutprojekt?

Eigenartig waren die ständigen Wechsel zwischen Ost und West. Man ist so in dieser einen Welt gefangen. Fünf Tage im Osten, und am nächsten Tag muss man den Westen erzählen, das ist wie ein Kulturschock. Ich habe mir auch zum Ziel gesetzt, dass der Zuschauer ohne Erklärung und mit jedem Bild sofort weiß, ob die Handlung im Osten oder Westen spielt. Das war eine knifflige Aufgabe. Und natürlich sind die Mittel immer reduzierter als man sie benötigt, da muss man sehr geschickt schummeln und sich sehr genau vorbereiten. Aber ich bin stolz drauf, wie gut uns das gelungen ist: Alles ist glaubwürdig und fühlt sich echt an. Es ging nicht darum, alles exakt so zu reproduzieren wie es war, aber vom Gefühl und von der Atmosphäre sollte es stimmen.

Gibt es Momente, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Sehr viele. Ich denke zum Beispiel an den Dreh des Schwimmwettbewerbs. Er war sehr aufwändig, wir hatten für das Motiv aber nur einen knappen Tag zur Verfügung. Eigentlich unmöglich, aber wir haben es hinbekommen. Während wir zum Beispiel oben den Wettbewerb, unter anderem mit Unterwasserszenen, gedreht haben, hatten wir unten parallel eine lange Dialogszene. Wie das alles letztlich zusammengefunden und funktioniert hat, finde ich schon besonders, auch weil emotional in dieser Szene so viel enthalten ist: Spannung, Sorge, Glück, Verzweiflung und all das komprimiert in knapp zwei Minuten. Das ist irgendwie gut gelungen. Und noch eine schöne Anekdote: Wir haben das Café gedreht, in dem sich Lars Weber mit Lauren und Sabine trifft. Ich habe draußen den Shot für Tom Schilling eingerichtet, da hörte ich plötzlich hinter mir Musik, Gesänge und Trommeln – und sehe, wie eine Gruppe Hare-Krishnas die Straße hinunterläuft. Ich bin zu ihnen gegangen, habe ihnen erklärt, dass wir genau sie für unseren Film und die Atmosphäre brauchen. Sie sind dann wirklich drei Tage später für unsere Außenaufnahmen zum Set gekommen! Die Hare-Krishnas gab es damals in allen großen Städten in Europa. Heute sind sie fast verschwunden, da war es wie ein kleines Geschenk, dass sie genau im richtigen Moment an unserem Set auftauchten.

Das Interview führte Philipp Graf

„Essentiell ist und bleibt der Blickkontakt“
Fragen an Schauspieler Tom Schilling

Sie selbst sind 1982 in Ostberlin geboren und dort aufgewachsen. Sie haben also keine persönliche Verbindung zu den 70ern, in denen „Der gleiche Himmel“ spielt. Was wussten Sie dennoch über diese Zeit?

Politik im Allgemeinen und die Stasi im Konkreten waren oft Gegenstand von Gesprächen zwischen meinen Eltern während des Abendessens. Als Sechsjähriger habe ich nicht im Geringsten verstanden, worum es ging, fand alles aber trotzdem unglaublich spannend. Ich erinnere, eines Tages auf dem Pausenhof „Gorbi, hilf uns!“ mit einem Schulfreund skandiert zu haben. Ich hatte das wohl am Abend zuvor aufgeschnappt und wollte einfach „Demonstrant“ spielen. Die systemtreuen Erzieherinnen waren sehr verstört.

Wie sind Ihre Erinnerungen an die Zeit im geteilten Berlin? Und fühlen Sie sich durch diesen Dreiteiler dorthin zurückversetzt?

Meine Erinnerungen an die DDR sind sehr fragmentarisch: Der Eisladen um die Ecke, die Kugel Vanille zu 17 Pfennig; der Kindergarten direkt an der Gartenstraße, die durch die Mauer zerteilt wurde; der Trabant, der sich die Straßen im Harz mit letzter Mühe hochschleppt; das morgendliche „Pioniere seid bereit, immer bereit!“ beim Appell;  der Blick auf das für uns unfassbar futuristisch erscheinende „Schering“-Gebäude in der Müllerstraße im Westen; unser Fernseher, den wir auf eine ganz bestimmte Stelle auf der Couch stellen mussten, um heimlich Bonanza oder Batman gucken zu können. All diese Erinnerungen sind aber völlig losgelöst von meiner Arbeit bei „Der gleiche Himmel“, denn 1974 war doch ganz anders als die späten 80er und die Rolle ist nur minimal deckungsgleich mit mir.

Wie haben Sie sich die Rolle des Lars Weber und die Romeo-Agent-Thematik erarbeitet?

Ich habe mich im Wesentlichen auf den „Romeo“-Aspekt konzentriert. Hierfür habe ich mich mit der sogenannten „Pick-up-Artists“-Community befasst. Es gibt zahlreiche Ratgeber, YouTube-Tutorials und sogar richtige Clubs zum Thema „Verführung“. Es ist ein regelrechter Sport. Wirklich armselig und perfide! Aber – und das war für die Rolle sehr wichtig – es funktioniert ziemlich sicher.

Was halten Sie persönlich von Ihrer Figur?

Ich weiß, offen gestanden, nicht, wer dieser Mann ist. Wenn man ihn wohlwollend beschreiben möchte, könnte man ihn idealistisch und gradlinig, willensstark und perfektionistisch nennen. Oder aber auch aalglatt und skrupellos. Da seine ultimative Motivation letzten Endes im Dunkeln bleibt, bleibt auch die Figur undurchsichtig und schattenhaft. Eine Eigenheit, die ihn umso reizvoller macht, wie ich finde.

Was denken Sie über die Geheimdienstmethode „Romeo-Agent“?

Man will gar nicht wissen, zu was die Geheimdienste dieser Welt noch alles fähig sind. Die Einzelschicksale gelten in diesen Kreisen vermutlich als Kollateralschaden. Emotional benutzt und ausgebeutete Opfer brauchen bestimmt lange, um Erlebtes zu verarbeiten. Ich hoffe, ihnen wird und wurde dabei geholfen.

Man sieht in der ersten Folge einen „Romeo-Lehrgang“. Was ist diese spezielle Technik der Ansprache von Frauen?

Es gibt zahlreiche Methoden. Essentiell ist und bleibt jedoch der Blickkontakt. Der feste Blick signalisiert Selbstbewusstsein und Stärke. Das ist die Basis für alles Kommende. Ist das Grundinteresse geweckt, hilft der scheinbar zufällige Körperkontakt, Nähe herzustellen. Auf der anderen Seite kann aber eine kleine subtile Herabwürdigung auch bei manchen Frauen, die so etwas „nicht auf sich sitzen lassen wollen“, zum Ziel führen.

Sie arbeiten fürs Fernsehen und fürs Kino. Wo sehen Sie das Plus fürs Fernsehen?

Es gibt nicht viele interessante Stoffe für das Kino, aber immer mehr für das Fernsehen. Die Sehgewohnheiten der Menschen ändern sich. Die Aufmerksamkeitsspanne wird zusehends kürzer. Vielleicht möchte der Zuschauer auch einfach selber entscheiden, wann und wie lang er etwas anschaut. Deshalb gibt es momentan eine große Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Fernsehserien. Als Schauspieler hier dabei zu sein, ist nicht verkehrt.

Die Dreharbeiten dauerten drei Monate, mit vielen Sets im Studio und „on location“ in Prag. Was war für Sie die größte Herausforderung in dieser langen Zeitspanne?

Die große Herausforderung war es, die Dramaturgie und Entwicklung der Figur scharf im Auge zu behalten. Selbstverständlich dreht man aus finanziellen Gründen nicht chronologisch, weshalb man den Verlauf der Geschichte eigentlich im Schlaf kennen muss.

Die Fragen stellten Philipp Graf und Maike Magdanz

Hörfunk-Interview mit Tom Schilling (mit Audio-Datei)

Tom Schilling als Frauenverführer: „Ich habe viele Youtube-Tutorials geschaut“
Der Bambi-Preisträger über seine Hauptrolle als Romeo-Agent im neuen ZDF-Dreiteiler „Der gleiche Himmel“

Anmoderation:
Durch Filme wie „Elementarteilchen“, „Der Baader Meinhof Komplex“ oder „Mein Kampf“ wurde er in Deutschland bekannt. Mit der ZDF-Produktion „Unsere Mütter, unsere Väter“ im Jahr 2013 gelang ihm der internationale Durchbruch. Tom Schilling ist ein außergewöhnlicher Schauspieler – wandelbar und charismatisch. Das beweist er einmal mehr in seiner Hauptrolle im ZDF-Dreiteiler „Der gleiche Himmel“, der ab kommenden Montag (27.3.) zu sehen ist. Als Romeo-Agent Lars Weber verführt er Frauen im Auftrag der Stasi, um an sensible Informationen der Geheimdienste zu kommen. Es geht nicht nur um Spionage, sondern auch um Doping und Homosexualität in der ehemaligen DDR. Tom Schilling ist in Ostdeutschland geboren und aufgewachsen. Für ihn war diese Produktion deshalb mit vielen Erinnerungen und Emotionen verbunden. Wir haben uns mit ihm über seine Rolle als Romeo-Agent unterhalten:

1. Frage: Herr Schilling, der Dreiteiler „Der gleiche Himmel“ spielt 1974. Eine Zeit in der Ost- und Westdeutschland noch geteilt waren. Sie selbst sind in der DDR geboren. Wie sehr erinnern Sie sich noch an diese Zeit?
Erst einmal muss man sagen, dass ich tatsächlich direkt an der Mauer gewohnt habe. Mein Kindergarten war in der Gartenstraße, das ist in Berlin-Mitte, und direkt vor meinem Kindergarten verlief die Mauer, quer über die Straße. Das ist beispielsweise eine Erinnerung. Ich war auch noch Jungpionier, also ich kann mich daran erinnern, wie man in der DDR zur Schule gegangen ist. Wir mussten auch noch samstags zur Schule gehen, Morgenappell machen, stramm stehen. ‚Pioniere seid bereit, immer bereit.‘ Da war schon große Disziplin gefragt. Ich glaube, das hat mich sehr geprägt und das nehme ich auch mit rein, in diese Produktion. (0:37)

2. Frage: In dem Film spielen Sie die Rolle eines Romeo-Agenten, der in den Westen geschleust wird, um Frauen zu verführen. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?
Ich habe viele Youtube-Tutorials geschaut. Mittlerweile, ich glaube seit zehn Jahren, ist das wieder en Vogue. Es hat sich eine Bewegung der jungen Pick-Up-Artists gebildet. Also eine Gruppe von Männern, die es sich zum Ziel gesetzt hat, so viele Frauen wie möglich zu verführen und im Prinzip zu manipulieren. Das ist, glaube ich, in erster Linie für Männer mit wenig Selbstwertgefühl, die Frauen gegenüber kein besonders gutes Bild haben. Die suhlen sich in ihrem Erfolg und freuen sich darüber, wenn sie im Monat drei, vier Frauen aufgerissen haben und freuen sich über ihre Fähigkeiten. (0:39)

3. Frage: Was unterscheidet den Romeo-Agenten Lars Weber von den heutigen Pick-Up-Artists?
Er macht das aus einem anderen Grund, er macht das für sein Vaterland. Das ist der große Unterschied. Seine Motivation ist eher eine idealistische. Das macht die Figur spannend, weil er etwas sehr Perfides aus einem Idealismus heraus macht. Tricks und Methoden, die angewendet werden, die muss ich als Schauspieler verstehen, durchdringen und vielleicht sogar ausprobiert, erfahren haben. (0:24)

4. Frage: Haben Sie die Verführungs-Technik nach den Dreharbeiten mal privat ausprobiert?
Es funktioniert einwandfrei. Das ist erstaunlich. Es ist kein Hexenwerk und es ist trotzdem magisch. Es hat etwas mit Selbstbewusstsein und einer Überzeugung zu tun. In dem Film wird thematisiert, dass das Allerwichtigste der erste Blickkontakt ist. Es ist tatsächlich so, danach steht dir alles offen, was du danach ausprobierst. (0:20)

5. Frage: Aber Ihre Frau muss sich keine Sorgen machen?
Nein, ich glaube, ich bin total handzahm. Ich finde diese Pick-Up-Artists echt armselig. Ich finde es ganz schrecklich. Ich bin privat selber so offen und ehrlich, fast schon zu durchlässig, dass ich das anderen natürlich auch nicht antun will. (0:14)

6. Frage: 2013 haben Sie mit „Unsere Mütter, unsere Väter“ den internationalen Durchbruch erreicht. „Der gleiche Himmel“ ist jetzt eine weitere Großproduktion für das ZDF, die sich um die Geschichte Deutschlands dreht. Was reizt Sie an deutsch-deutscher Geschichte?
Ich bin Deutscher und das ist meine Identität. Ich ziehe eigentlich viel aus mir selber heraus. Auch wenn ich von der DDR nur wenig mitbekommen habe, so hat sie mich doch sehr stark geprägt. Wenn ich einen Film wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ mache, dann ist das die Geschichte meines Opas. Auch die lebt oder wohnt irgendwie in mir. (0:26)

Abmoderation:
Tom Schilling über seine Hauptrolle im Dreiteiler „Der gleiche Himmel“. Ab kommenden Montag (27., 29. und 30. März) ist er als Romeo-Agent Lars Weber jeweils um 20:15 Uhr im ZDF zu sehen.

Ansprechpartner:
ZDF Presse und Information, 06131 7012121
all4radio, Claudia Ingelmann, 0711 3277759 0

Das Interview führte Claudia Ingelmann, all4radio

Audiodatei: Hörfunkinterview mit Tom Schilling

„Ein grausames und trauriges Spiel“
Fragen an Schauspielerin Sofia Helin

Was hat Sie gereizt, bei „Der gleiche Himmel“ mitzuwirken?

Für mich ist damit so etwas wie ein Traum wahr geworden, sowohl mit Oliver Hirschbiegel als auch mit einem historisch so interessanten Stoff zu arbeiten. Die Geschichte Berlins ist so faszinierend! Da war es keine Frage, dass ich dabei sein wollte.

Sie sind Anfang der 70er Jahre in Schweden geboren und aufgewachsen. Was wussten Sie über die Zeit, in der der Dreiteiler spielt, und die historischen Hintergründe?

Ich wusste schon relativ viel über die Geschichte Berlins im Allgemeinen, aber nicht so im Detail und auch nicht speziell, was zu dieser Zeit passiert ist. Ich habe „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” von Christiane F. gelesen, als ich zwölf Jahre alt war. Ich fand das sehr krass, aber auch irgendwie faszinierend. Meine Mutter musste das Buch immer vor mir verstecken, weil ich nie schlafen konnte, wenn ich es gelesen hatte.

Und wie haben Sie sich Ihrer Rolle Lauren Faber genähert?

Ich habe an ältere Frauen gedacht, die mir in meinem Leben begegnet sind. Frauen, die nie wirklich ihr eigenes Leben gelebt haben und die all die Bürden der Nachkriegszeit tragen mussten.

Haben Sie selbst das geteilte Berlin besucht? Wie waren Ihre Eindrücke damals und heute?

Nein, ich war erst 1992 in Berlin, und da war es noch ganz anders als heute. Man spürte eine besondere  Energie.

Was halten Sie persönlich von Ihrer Figur?

Ich denke, Lauren Faber steckt fest und hat sich selbst aus den Augen verloren. Sie macht das, was andere von ihr erwarten. Ihr Leben besteht aus ihrem Job und ihrem pubertären Sohn, dem sie keinen Halt geben kann. Eigentlich eine tragische Figur.

Und was fasziniert Lauren Faber an Lars Weber?

Lauren ist fasziniert von ihm, weil er das zu sein scheint, was sie immer vermisst hat. Er ist charmant, intelligent, kulturell gebildet und bietet ihr seine Liebe an.

Was denken Sie über die Geheimdienstmethode „Romeo-Agent“?

Das ist erschreckend manipulativ in jeder Hinsicht – sowohl für die Opfer als auch für die Agenten. Ein grausames und trauriges Spiel.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Es war spannend in zwei Sprachen, Deutsch und Englisch, zu spielen. Das habe ich zum ersten Mal gemacht.

Die Fragen stellten Philipp Graf und Maike Magdanz

„Leider gibt es keine Zeitmaschine“
Fragen an Schauspielerin Friederike Becht

Sie sind 1986 geboren. Was wussten Sie über die Zeit, in der der Film spielt?

Was man durch Schule, Filme und Geschichten der Erwachsenen eben so erfährt. So erfuhr ich von der Mauer, den Großmächten, die sich in Deutschland direkt gegenüber standen, von der feministischen Bewegung, Hippies und Punks, Sex, Drugs and Rock ‘n‘ Roll – und dass es „in“ war, Schlaghosen zu tragen. Leider gibt es keine Zeitmaschine und somit keine Möglichkeit für mich, die 70er persönlich zu erfahren. Aber es gibt zum Glück Geschichtsbücher, Museen und Erzählungen, die mir diese Zeit näher bringen.

Wie haben Sie sich die Rolle der Sabine Cutter erarbeitet?

Ebenfalls durch Recherche. So habe ich beispielsweise am Teufelsberg in Berlin die alte Abhörstation besucht. Dort hatte ich bei einer Führung die Gelegenheit, gezielt Fragen zu stellen. Ich habe versucht mir vorzustellen, wie es war, dort gearbeitet zu haben. Außerdem habe ich mit Menschen geredet, die 1974 in Westberlin unterwegs waren. Dann natürlich konkret die Arbeit am Buch, mit den Kollegen, der Regie und den Departments Maske und Kostüm.

Wie würden Sie Sabine Cutter beschreiben und was fasziniert sie an Lars Weber?

Sabine ist schnell im Kopf und lebt gerne in vollen Zügen. Sie kann mit Stillstand nicht umgehen. Sie ist eine Frau, die im Job perfekt funktioniert, in ihrer Freizeit jedoch das Wilde, das Ausgelassene sucht. Sie bewegt sich also zwischen absoluter Stringenz und einer gewissen Haltlosigkeit – und sie lebt mit einem schmerzvollen Geheimnis. Sabine ist erfahren, was flirten und Männer angeht, aber bei Lars kommt sie nach und nach aus ihrem Konzept. Wieso er sie so fasziniert, kann sie sich nicht erklären. Liebe?

Was denken Sie über die Geheimdienstmethode „Romeo-Agent“?

Ich glaube, dass man ohne weiteres in so eine „Romeo-Falle“ tappen kann, Männer und Frauen gleichermaßen. Und wenn man verliebt ist, trägt man doch ohnehin die rosa Brille. Da wird aus einem Frosch oder Lügner ganz leicht ein engelsgleicher Traummann.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Zum Beispiel in der Billardszene zu behaupten, ich wäre ein Billardprofi! Zum Glück müssen wir Schauspieler nur "so tun als ob".

Die Fragen stellten Philipp Graf und Maike Magdanz

Der gleiche Himmel – Die Dokumentation
Zweiteilige historische Dokumentation

Sonntag, 26. März 2017, 23.35 Uhr (Teil 1)
Montag 27. März 2017, 0.10 Uhr (Teil 2)

Buch und Regie___Florian Hartung und Heike Nelsen-Minkenberg

Kamera___Benedict Sicheneder

Ton___Stephan Zwickirsch

Schnitt___Robert Handrick

Producer___Stephen Maier

Produktion___Sascha Lienert, Marie-Kristin Wolff, Februar Film

Redaktion___Carl-Ludwig Paeschke, Stefan Brauburger (Leitung), Redaktion Zeitgeschichte

Länge___2 x ca. 45 Min.

 

Inhalt Teil 1: Der lange Arm der Stasi (Arbeitstitel)
Die Autoren zeigen, wie tief die Staatssicherheit der DDR in die unterschiedlichen Lebensbereiche vorgedrungen ist – innerhalb des eigenen Staatsgebietes und weit darüber hinaus. Einer der ersten Orte, die unterwandert wurden, war die Schule. Hier wurden schon Teenager als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) geworben – oft durch Druck und Erpressung. Auch Talente wurden hier rekrutiert, junge Sportler, die bei Wettkämpfen in aller Welt Leistungsstärke der DDR unter Beweis stellen sollten. Das wurde durch staatlich angeordnetes Doping verstärkt, das der Stasi unterstellt war. Wer den Druck im Inneren nicht aushielt, zu fliehen versuchte und dabei erwischt wurde, wurde hart bestraft. Und diejenigen, die bei der Flucht helfen wollten, jagten die Agenten sogar im Westen. Durch Zeitzeugeninterviews, Drehs an Originalschauplätzen und historisches Archivmaterial zeigt die Dokumentation den "langen Arm der Stasi".

Inhalt Teil 2: Informationen um jeden Preis (Arbeitstitel)

Um an Informationen aus dem Westen zu gelangen, schreckte die HVA, die Auslandsspionage der DDR, vor nichts zurück. Der Dreiteiler "Der gleiche Himmel" erzählt, wie ein sogenannter "Romeo-Agent“ nach West-Berlin eingeschleust wurde. In der Dokumentation berichtet neben anderen ein ehemaliger "Romeo" von seiner jahrelangen Tätigkeit für die HVA und von den Zielen, die die DDR-Auslandsspionage besonders im Visier hatte. Neben den Bonner Botschaften und Ministerien waren vor allem die Abhörstationen in Berlin, auf dem Teufelsberg und in Marienfelde für die Ost-Agenten reizvolle Ziele. In der Dokumentation kommen sowohl die Täter als auch die Opfer zu Wort.

1974 – ein besonderes Jahr?
Historische Einordnung von Carl-Ludwig Paeschke, ZDF-Red. Zeitgeschichte

Auf den ersten Blick sind 1974 wenige weltbewegende Ereignisse zu verzeichnen – doch hinter den Kulissen brodelt es, der Kalte Krieg ist längst nicht mehr so kalt, wie viele glauben.

Zum Hintergrund: Ost und West stehen sich seit Ende des Zweiten Weltkrieges weiterhin unversöhnlich gegenüber und der Krieg in Vietnam, der Stellvertreterkrieg der USA und des "freien Westen" gegen die "kommunistischen Aggressoren" sollte noch bis Ende April 1975 Tag für Tag seine Opfer fordern. Davon ist man im geteilten Europa, wo an der Grenze zwischen BRD und DDR Ost- und West-Block aufeinander treffen, glücklicherweise weit entfernt.

Die Deutschen in Ost und West und ihre jeweiligen Verbündeten haben sich in ihren Blöcken eingerichtet. Die Jahre der Abgrenzung und Konfrontation werden seit Ende der 60er Jahre durch eine erste Phase der Entspannung abgelöst. "Wer miteinander redet, schießt nicht aufeinander", lautet die Devise jener Jahre. Nicht nur im westdeutschen Bonn und in den USA ist eine neue Generation Politiker an die Macht gekommen.

1969 wird Willy Brandt als erster Sozialdemokrat zum Kanzler gewählt. Er will in der erst 20 Jahre alten Bundesrepublik Deutschland „mehr Demokratie wagen“. Außenpolitisch sucht er den Ausgleich, die Versöhnung mit den Staaten Ost-Europas und den Dialog mit dem anderen deutschen Staat, der „sogenannten DDR", wie es damals oft noch hieß.

In den USA, der Führungsmacht des westlichen Bündnisses, zieht im gleichen Jahr der Republikaner Richard Nixon als 37. Präsident ins Weiße Haus ein. Mit dem Versprechen, den Vietnam-Krieg zu beenden, hat er die Wahl für sich entschieden. Nixon sucht ebenfalls den Dialog mit den kommunistischen Staaten unter Führung der Sowjetunion, der anderen Supermacht des Kalten Krieges. Erst vorsichtig, dann immer intensiver soll nun die Politik zwischen Ost und West buchstäblich in Bewegung geraten. Verträge werden geschlossen, Vereinbarungen getroffen, der Handel zwischen Ost und West blüht auf.

Im Herbst 1974 schließt die Bundesrepublik Handels- und Wirtschaftsabkommen mit der Sowjetunion und Polen ab. Allein
Moskau kauft Lastkraftwagen für 1 Milliarde Deutsche Mark.
Und nicht nur die Staaten und ihre Industrien profitieren von der Entspannungspolitik. Im geteilten Deutschland, das auch ein Land der geteilten Familien ist, freuen sich die Bürger beider deutscher Staaten direkt über die sogenannten "menschlichen Erleichterungen": bessere Telefon- und Postverbindungen, Erleichterungen beim Reiseverkehr – zumindest für die Bürger der Bundesrepublik, die ihre Freunde und Verwandten in Ost-Berlin oder der DDR besuchen wollen. Im Juni 1974 eröffnen beide deutsche Staaten jeweils "Ständige Vertretungen" in Bonn und Ost-Berlin, Botschaften, die nicht so heißen dürfen, weil die Bundesrepublik der DDR bis zu ihrem Ende 1990 die völkerrechtliche Anerkennung verweigerte.

Aber es gibt im Jahr 1974 auch Zeichen der Abgrenzung und Rückschläge. Zum 1. Januar ersetzt Ost-Berlin das gesamtdeutsche Autokennzeichen "D" durch "DDR". Im September bringt  die Staatsbank der DDR neue Geldscheine in Umlauf: aus der "Mark der deutschen Notenbanken" wird jetzt die "Mark der DDR". Wenige Wochen später beschließt die DDR-Volkskammer eine Verfassungsänderung. Der Begriff "deutsche Nation" wird entfernt.

Im April 1974 wird Günter Guillaume, ein enger Mitarbeiter von Bundeskanzler Willy Brandt, festgenommen. Jahrzehnte hatte er für den Geheimdienst der DDR spioniert. Am 6. Mai tritt Brandt überraschend zurück. Er übernimmt die politische Verantwortung für die Agentenaffäre.

Weniger ehrenvoll ist der Rücktritt des US-Präsidenten Nixon. Er verfängt sich im Lügengeflecht der Watergate Affäre und kommt mit seinem Rücktritt, der Amtsenthebung nur knapp zuvor.

Der Deutsche Sportbund der Bundesrepublik und der Deutsche Turn- und Sportbund der DDR schließen ein Abkommen über 33 gemeinsame Veranstaltungen. Das bedeutet direkte menschliche Begegnungen zwischen Ost und West. Die gibt es auch beim deutsch-deutschen Derby am 22. Juni während der 10. Fußballweltmeisterschaft, die im Sommer 1974 in der Bundesrepublik ausgetragen wird. Erstmals spielen beide Nationalmannschaften gegeneinander. Zum Spiel dürfen auch handverlesene Fans der DDR-Mannschaft nach Hamburg reisen. Die DDR gewinnt mit 1:0, die bundesdeutsche Mannschaft wird später Weltmeister.

Der Terrorismus der sogenannten Rote Armee Fraktion ist auch 1974 ein Problem in der westdeutschen Politik. Gefangene RAF-Häftlinge rufen im Herbst zum Hungerstreik auf. Der RAF-Häftling Holger Meins stirbt am 9. November. Tags darauf wird in West-Berlin der Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann ermordet. Die Polizei vermutet die Terrororganisation "Bewegung 2. Juni" hinter dem Anschlag. Der Mord wird nie aufgeklärt. Der Einfluss der DDR-Staatssicherheit auf den westdeutschen Terrorismus wird erst nach dem Ende der DDR bekannt.

Zu Weihnachten 1974 kommen dann positive Signale aus Ost-Berlin: Die DDR erlässt Rentnern aus dem Westen die Zahlung des sogenannten Mindestumtauschs bei Reisen nach Ost-Berlin oder in die DDR, und  ZDF und ARD eröffnen ihre Korrespondentenstellen in Ost-Berlin. Das Fernsehen der DDR berichtet aus Bonn. Und die DDR lernt – im wahrsten Sinne des Wortes – aus Dreck Geld zu machen: Gegen harte D-Mark darf West-Berlin seinen Müll in die DDR liefern.

Und doch bleibt der Kalte Krieg, bei allen Signalen der Verständigung zwischen Ost und West, weiterhin virulent. Auf beiden Seiten wird weiter gerüstet und spioniert. Und dass der Weg in die Entspannung keine Einbahnstraße ist, werden die Nachfolger von Brandt und Nixon und die anderen Staatenlenker in Ost und West bald merken. Bis zum Fall der Mauer, dem Ende der DDR und dem Ende des Kalten Kriegs sollen noch 15 Jahre vergehen.

 

Weitere Stichworte (zum Teil nach: „Zeitreise DDR“, Leipzig):

Romeo-Agenten: Offiziell hat es sie nie gegeben und doch haben sie ein wichtiges Kapitel der deutsch-deutschen Spionagegeschichte geschrieben: Agenten des DDR-Geheimdienstes, die auf ihre weiblichen Opfer im Westen angesetzt wurden. Meist waren es vereinsamte Sekretärinnen, die in den Vorzimmern der Macht saßen – in Bonner Ministerien, in Konzern- oder Parteizentralen. Aus vermeintlicher Liebe verrieten sie Staats- und Industriegeheimnisse und wurden dann selbst verraten. Nur wenige dieser "Liebesbeziehungen" hatten ein Happy End, die meisten endeten tragisch, manche auch vor Gericht.

Doping bei Kindern und Jugendlichen: Über Jahrzehnte gehört die DDR zu den erfolgreichsten Ländern bei internationalen Sportwettbewerben und Olympiaden. Dass die DDR gezielt den Spitzensport fördert und eine aktive Nachwuchssuche betreibt, ist kein Staatsgeheimnis. Worüber die Sportfunktionäre der DDR nicht sprechen und was bis zum Ende der DDR wie ein Staatsgeheimnis gehütet wird, ist ein ausgeklügeltes Dopingprogramm, mit dem Sieger förmlich produziert werden. Oftmals sind selbst die jungen Sportler oder ihre Eltern nicht darüber informiert, dass ihnen ihre Trainer Medikamente zum Doping verabreichen. Selbst wenn sie es ahnen, nehmen viele Betroffene diese Unterstützung ihrer Leistungsfähigkeit in Kauf – sind doch damit nicht nur sportliche Erfolge und Reisen verbunden, sondern auch materielle Vergünstigungen und sozialer Aufstieg.

Homosexualität ist in beiden Staaten über Jahrzehnte ein Tabu-Thema und die Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft sehr verhalten. Doch anders als in der Bundesrepublik sind die entsprechenden Regelungen in der DDR deutlich fortschrittlicher. Seit Ende der 50er Jahre wird gleichgeschlechtlicher Sex unter Erwachsenen nicht mehr geahndet, ab 1968 ist er juristisch straffrei – in der BRD gilt der entsprechende Paragraph §175 bis 1994.

Fluchttunnel: Der Verein "Berliner Unterwelten e.V." berichtet von einem ersten Tunnelbau, der im Oktober 1961 in Angriff genommen wird. Insgesamt sind mehr als 70 Fluchttunnel begonnen worden, aber nur 19 Versuche waren erfolgreich. Die spektakulärsten Grabungen sind die "Tunnel 29" und "Tunnel 57", benannt nach der Zahl der Flüchtlinge, die sie nutzen konnten. Insgesamt sollen rund 300 Männer, Frauen und Kinder durch Tunnel vom Osten in den Westteil der Stadt gekommen sein.

Weitere Informationen

"Hinter-den-Kulissen": Video-Clips zu "Der gleiche Himmel"

Castingszene Disco mit Tom Schilling und Friederike Becht

Strategie des Romeo Agenten mit Tom Schilling

Visual Effects

Making-of-Ausschnitt mit Informationen des Regisseurs Oliver Hirschbiegel

Farben der DDR mit Informationen des Requisiteurs

Die Video-Clips stehen zum Download im Trailerportal für akkreditierte Nutzer zur Verfügung.

Audiodatei:
Hörfunkinterview mit Tom Schilling
Fragen und transkribiertes Interview siehe oben im Textteil

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