Copyright: ZDF/Stephanie Kulbach
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Der gute Bulle

Der Fernsehfilm der Woche

Ein Papierschirmchen weckt die Aufmerksamkeit von Fredo Schulz (Armin Rohde), als der suspendierte Kriminalrat von seinen Ex-Kollegen an der Nordsee aufgesucht wird. Ein Mädchen ist verschwunden, schon das dritte. Die letzten beiden konnte Schulz nicht retten, sie wurden nicht gefunden, aber er weiß, dass sie tot sind. Und er weiß auch, wer der Täter ist: Roland Bischoff (Axel Prahl), der Schulz nur dreckig ins Gesicht lachte, als er ihn nach den beiden Mädchen fragte, von denen es als einzige Spur ein buntes Eisbecher-Papierschirmchen gab. Schulz schlug zu. Bischoff wurde freigesprochen, Schulz suspendiert. Und jetzt ist es wieder passiert.

  • ZDF, Montag, 25. September 2017, 20.15 Uhr

Texte

Stab und Besetzung

Stab:

Buch und Regie_____Lars Becker
Kamera_____Andreas Zickgraf
Schnitt_____Eva Schnare
Musik_____Hinrich Dageför, Stefan Wulff
Szenenbild_____Susanne Dieringer, Yasmin Khalifa
Kostüme_____Fana Becker
Ton_____Michael Eiler
Produzenten_____Bettina Wente, Wolfgang Cimera
Redaktion_____Daniel Blum
Länge_____96 Minuten
Eine ZDF-Auftragsproduktion der Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG

Die Rollen und ihre Darsteller:

Fredo Schulz_____Armin Rohde
Milan Filipovic_____Edin Hasanovic
Lola Karras_____Nele Kiper
Paul Schellack_____Johann von Bülow
Gregor Bukowski_____Thomas Lawinky
Roland Bischoff_____Axel Prahl
Melissa Bols_____Melika Foroutan
Jimmy Olsen_____Max Simonischek
Ringo Lambertz_____Mark Keller
Edith Bischoff_____Gaby Dohm
Felix Montabaur Jr._____Thomas Heinze
Ashley Bols_____Amala Fischer
und andere

Inhalt

Ein Papierschirmchen weckt die Aufmerksamkeit von Fredo Schulz, als ihn die Hauptkommissare Milan Filipovic und Lola Karras an der Nordsee aufsuchen. Ashley Bols, ein siebenjähriges Mädchen, ist verschwunden. Schon das dritte. Die letzten beiden konnte Schulz nicht retten. Sie wurden bis heute nicht gefunden, aber Schulz weiß einfach, dass sie tot sind. Er weiss auch, wer der Täter ist: Roland Bischoff. Bischoff ist kein normaler Sexualstraftäter, sondern ein verklemmter, hochkrimineller, besitzergreifender Psychopath. Der hat Schulz damals nur dreckig ins Gesicht gelacht, als der ihn nach den beiden Mädchen fragte, von denen es als einzige Spur ein buntes Eisbecher-Papierschirmchen gab. Schulz schlug zu. Bischoff wurde freigesprochen, Schulz suspendiert.

Und jetzt ist es wieder passiert. Schulz schmeißt seine verschlissenen Anzüge in einen Koffer, seinen Flachmann – vorerst – in die Ecke und zieht die Tür zu seinem Wohnwagen zu. In Berlin bringt er die Sonderkommission auf Trab, doch die Zahl der möglichen Verdächtigen ist groß. Der Druck wächst mit jeder Stunde. Und dann ist da auch noch Schulz' persönlicher Alptraum, der in seinem Kühlschrank sitzt und ihn anlacht: der Alkohol.

"Ich habe zwei Tage in der Nordsee verbracht"
Interview mit Armin Rohde als Kriminalrat Fredo Schulz

Die Anfangsszene des Films, "Fredo steht in der Nordsee und wartet auf die Flut", das sind starke Bilder. Wie waren die Dreharbeiten für diese Szene?
(lacht) Anstrengend! Dank des Neopren-Anzugs, den ich unter meiner Kleidung trug, war es allerdings nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Dennoch, ich habe zwei Tage in der Nordsee verbracht. Im Schlick war eine Eisenstange mit einem Seil verankert, darin habe ich mich unter Wasser mit den Füssen eingehakt. Das körperlich zu bewältigen, verdanke ich wohl auch meinem Personal-Trainer, den ich seit zwei Jahren habe. Bei aller Anstrengung habe ich das aber auch sehr gemocht. Wenn man sich mit etwas Elementaren – in diesem Fall mit der Nordsee – auseinandersetzen kann, ist das auch ein sehr schönes und intensives Erlebnis.

Wieso stellt Fredo sich jeden Tag in die Flut?
Er geht ins Wasser, weil er sich ertränken will.

Aber er vollzieht es nicht. Fehlt ihm der Mut dazu?
Solche Fragen stelle ich mir nie. Die Dinge passieren, die laut Drehbuch zu geschehen haben. Ich spiele eine Rolle so gut und glaubwürdig, wie ich nur kann. Dabei bewerte ich selber aber nie, wie die Figur sich verhält, ob das gut oder schlecht, richtig oder falsch ist. Die Schlussfolgerung daraus, die muss der Zuschauer oder der Filmkritiker ziehen, nicht ich.

Axel Prahl spielt Bischoff, den Hauptverdächtigen. Die Szenen und die Dialoge zwischen Fredo und Bischoff sind stark gespielt. Wie haben Sie die Dreharbeiten dieser gemeinsamen Szenen erlebt?
Axel Prahl und ich sind Freunde, wir mögen und schätzen uns gegenseitig. Wenn jemand seinen Beruf so gut kann und er dich dann auch noch mag, denkst Du in dem Moment nicht mehr darüber nach, das man spielt oder arbeitet. Man befindet sich am Set und weiß, wie zu handeln ist und das auf eine sehr entspannte Art und Weise.

In "Der gute Bulle" spielen Sie auch wieder mit Edin Hasanovic, der sehr von Ihnen schwärmt.
Und ich von ihm. (lacht) Er hat eine Kraft, eine Begabung, Humor und Timing, da träumt manch einer nur von. Man fragt sich, wo hat der Junge das nur her? Aber Edin verleugnet seine Herkunft nicht. Er stammt aus Bosnien, sein Vater ist im Jugoslawienkrieg verschollen, man weiß bis heute nicht, was mit ihm geschehen ist. Obwohl er all das erlebt hat, hat Edin eine Kraft und einen Humor, gleichzeitig eine Melancholie, ein Können und eine Musikalität. Für mich ist er einer der stärksten Schauspieler seiner Generation. Und er ist ein entzückender Kollege. Jeder der ihn dabei hat, kann sich einfach nur freuen.

Sie haben schon oft mit Lars Becker zusammengearbeitet. Wissen Sie noch, wie viele Filme Sie zusammengedreht haben?
"Der gute Bulle" ist unser 23. Film, den wir miteinander gedreht haben. Lars Becker und ich, wir kennen uns seit 20 Jahren und haben in der Zeit 23 Filme miteinander gedreht.

Was verbindet Sie miteinander?
Lars Becker ist einer der besten Regisseure, die wir haben. Wir sind gute Freunde, wir arbeiten auf Augenhöhe miteinander, befruchten und schätzen uns gegenseitig unendlich.
Das Schönste, was man als Schauspieler bei der Arbeit haben kann, ist das Gefühl, nichts beweisen zu müssen. Sobald Du vor der Kamera das Gefühl hast, Du musst etwas beweisen, erreichst Du schon nicht mehr die Prozentzahl Deiner Leistung, die Du erreichen könntest, wenn Du entspannt bist und weißt, dass man Dir liebevoll, respektvoll und neugierig zuschaut. Freundschaft oder vielleicht sogar Liebe, Respekt und Neugier – das sind für mich die großen Schlagworte bei der Arbeit. Darunter dürfen Schauspieler zur Höchstform auflaufen und das ist bei Lars Becker immer gegeben. Bei ihm gibt es keine großen oder kleinen Rollen, er widmet sich jedem Charakter mit seiner ganzen Aufmerksamkeit und so wird aus der kleinsten Rolle ein Mensch, dem Du gerne zuschaust und dem Du glaubst. Das ist eine unglaubliche Qualität.

Das Interview führte Ellen Wirth.

Statements der Schauspieler Axel Prahl, Edin Hasanovic, Nele Kiper, Melika Foroutan, Gaby Dohm und Max Simonischek

Axel Prahl (Rolle: Roland Bischoff)…

… über Rollen jenseits des Guten:
"Ich habe schon einige üble Typen gespielt: prügelnde Ehemänner und Väter, Naziverbrecher und in "Die Hoffnung stirbt zuletzt" treibe ich eine Polizistenkollegin in den Selbstmord. Die "bösen" Rollen sind manchmal die interessanteren, vor allem, wenn sie mehrdimensional geschrieben sind und man wahre Abgründe darstellen kann. Und Wandlungsfähigkeit ist ja nun mal das tägliche Brot des Schauspielers. 

… über die Dreharbeiten mit Armin Rohde, Gaby Dohm und Edin Hasanovic:
"Mit Armin Rohde habe ich ja schön öfter gedreht und es ist immer wie mit einem Bruder zusammen vor der Kamera zu stehen. Wir verstehen uns prächtig. Auch Gaby Dohm und Edin Hasanovic, mit denen ich bei diesem Film zum ersten Mal drehen durfte, sind mir ans Herz gewachsen. Es war überhaupt ein großartiges Team!"

Edin Hasanovic (Rolle: Hauptkommissar Milan Filipovic)…

… über das Verhältnis zwischen den Rollen Milan und Fredo bzw. zwischen ihm und Armin Rohde:
"Das Verhältnis zwischen Milan und Fredo ist nicht weit entfernt von dem, welches Armin Rohde und mich auch verbindet. Ich schaue zu Armin Rohde auf, er aber nie zu mir runter. Ich lerne viel von ihm, allein beim Zuschauen. Manchmal gibt es kollegiale Tipps und gleichzeitig lässt er mich mein Ding machen und meinen Weg gehen. Ich glaube auch für Armin Rohde sprechen zu dürfen: Wir sind ein sehr gutes Team, sowohl vor als auch hinter der Kamera."

Nele Kiper (Rolle: Hauptkommissarin Lola Karras)…

… über die Dreharbeiten:
"Besonders erinnere ich mich an die Unmengen Mineralwasser, die Armin Rohde auf ex trinken musste! Ich dagegen, habe lange geübt, bis ich meinen LKA-Ausweis wie selbstverständlich aus der Tasche ziehen konnte. Als wir in der Schule das Verhör des kleinen Mädchens drehten, fragte sie mich plötzlich mitten in der Szene: "Hast du einen Freund?" Da mussten wir alle lachen."

Melika Foroutan (Rolle: Melissa Bols, Mutter der entführten Ashley)…

… über die Herausforderung dieser Rolle:
"(…)Wenn Kinder vermisst werden, dann gibt es eine besonders große Anteilnahme seitens der Bevölkerung, man fühlt mit den Betroffenen, möchte helfen und zeigt sich solidarisch. Jeder kann diesen schrecklichen Verlust nachvollziehen, dafür muss man nicht zwangsläufig selbst Kinder haben. Meine Aufgabe war es, die Verzweiflung, den Schock, aber auch den unbedingten Willen der Betroffenen, die Hoffnung nicht aufzugeben, glaubhaft darzustellen. Das ist eine Herausforderung an die Kraft, denn man muss den permanenten Ausnahmezustand spielen."
"Ich spiele grundsätzlich mit einer inneren Distanz in all meinen Rollen. Ich halte das für wichtig, um die Kontrolle über mein Spiel zu bewahren. In den Szenen kann ich mich fallen lassen, aber wenn ich nach Hause komme, möchte ich die Figur nicht mitnehmen. Das ist auch ein Schutz."

Gaby Dohm (Rolle: Edith Bischoff, Mutter von Roland Bischoff)...

… über den Reiz, die Rolle der Mutter des Angeschuldigten zu spielen:
"Die Edith war für mich eine interessante Rolle, da es um das Schicksal einer Mutter ging, die einen Sohn hat, von dem sie nicht mit Sicherheit weiß, ob die schrecklichen Anschuldigungen gegen ihn der Wahrheit entsprechen. Ihre Gefühle sind ambivalent, denn sie steckt in einem Dilemma: Sie möchte sich einerseits nicht eingestehen, dass ihr Sohn etwas mit der Tat zu tun hat; andererseits weiß sie von seiner Gefährdung, was die nähere Begegnung mit Kindern betrifft. Natürlich hofft sie, dass ihr Sohn in diesem Fall unschuldig ist – welche Mutter täte das nicht."

Max Simonischek (Rolle: Jimmy Olsen, Ziehvater von Ashley)

... über Begegnungen am Set:
"Ich denke vor allem an drei Begegnungen: Erstens an die unglaublich großartige Kollegin Melika Foroutan, mit der ich ja den Großteil meiner Szenen spielen durfte. Sie hatte den emotionalsten Bogen zu spielen. Zweitens an Lars Becker, mit dem die Zusammenarbeit einfach besonders gut klappt und in dessen Umfeld man sich als Schauspieler einfach wohl fühlt. Drittens an den großartigen Kameramann Andreas Zickgraf, der im Deutschen TV über eine einzigartige Bildsprache verfügt und immer konsequenter darin wird."

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