Copyright ZDF / Mathias Bothor
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Der Palast

Event-Dreiteiler

Berlin, Hauptstadt der DDR, 1988/89. Vor der glamourösen Kulisse des Friedrichstadt-Palastes wird eine deutsch-deutsche Familiengeschichte erzählt. Die Solotänzerin Chris steht plötzlich ihrer bis dahin unbekannten Zwillingsschwester Marlene aus Westdeutschland gegenüber. Beide versuchen, hinter das Familiengeheimnis zu kommen, das zu ihrer Trennung kurz vor dem Mauerbau 1961 führte.

  • ZDF, Montag, 3. Januar, Dienstag, 4. Januar und Mittwoch, 5. Januar 2021, jeweils 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Montag, 27. Dezember 2021, sechs Folgen à 45 Minuten

Texte

Anerkennung und Respekt

Auf der größten Theaterbühne der Welt, im glamourösen Milieu des Showbusiness, wird dramatisch und emotional, musikalisch und erotisch, unterhaltsam und komödiantisch über das Leben in der DDR erzählt. "Der Palast" ist aber vor allem eine Geschichte über Menschen in einem getrennten und sich verändernden Deutschland Ende der 80er Jahre. Einheit entsteht durch die Anerkennung des Trennenden und Respekt für die Biografie des anderen. Davon erzählt diese Geschichte.

Mein besonderer Dank gilt Rodica Doehnert für die Drehbücher, die über die Geschichte der Zwillingsschwestern hinaus etwas über unser Land als Ganzes erzählen, Uli Edel für die eindrucksvolle und virtuose Inszenierung sowohl der großen Shownummern auf der Originalbühne des Friedrichstadt-Palastes als auch der emotional aufwühlenden Szenen bei den Begegnungen der getrennten Familie. Stellvertretend für das hochkarätig besetzte Ensemble danke ich Svenja Jung für diese außergewöhnliche Doppelrolle und Tanzrolle. Sie bringt uns die Geschichte ganz nah.

Frank Zervos, ZDF-Hauptredaktionsleiter Fernsehfilm/Serie I 

Von traumhaften und traurigen Palästen – bunt wie das Leben

In Fortsetzung einer guten Tradition sendet das ZDF zum Jahresauftakt 2022 den großen historischen Mehrteiler "Der Palast". Zum ersten Mal in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte steht dabei der berühmte Berliner Friedrichstadt-Palast im Mittelpunkt einer Verfilmung. Vor der schillernden Kulisse des Revuetheaters erzählen die erfolgreiche Autorin Rodica Doehnert und Star-Regisseur Uli Edel, die schon beim Mehrteiler "Das Adlon" eng zusammengearbeitet haben, eine emotional berührende deutsch-deutsche Familiengeschichte von Zwillingsschwestern, die kurz vor dem Mauerbau 1961 getrennt wurden und sich Ende der 80er-Jahre in Ost-Berlin zufällig wiederbegegnen.

Der Mehrteiler über das "Las Vegas des Ostens" wirft einen neuen, andersartigen Blick auf die DDR und auf die Lebensleistung der Ostdeutschen. Ohne die Schattenseiten des sozialistischen Systems auszuklammern, richtet der Mehrteiler liebevoll den Fokus auf den pulsierenden, aufregenden Showbetrieb, wo Künstlerkarrieren in relativer Freiheit des staatlich geförderten Prestigeprojektes möglich waren. Dort, wo es keine Besonderheit war, dass eine alleinerziehende junge Mutter voll berufstätig und erfolgreich ist. Kein trister, grauer Blick zurück auf den Osten, sondern ein bunter und widersprüchlicher – wie das Leben selbst.

Schon bei der Bucharbeit am Projekt gab es zwischen Autorin, Regisseur, Producern der Constantin Television und ZDF-Redaktion, paritätisch besetzt mit ost- und westdeutscher Herkunft, intensive Diskussionen: beispielsweise über individuelle Freiheit versus gesellschaftlicher Verantwortung, was in die Motivation und Handlungen der Figuren einfloss. Zum Prinzip wurde auch, die Rollen der Ost- und West-Familie sowie die wichtigsten Rollen im Friedrichstadt-Palast entsprechend der Biografie der Darstellerinnen und Darsteller zu besetzen. Allen voran Anja Kling und Heino Ferch als ostdeutsche Mutter und westdeutscher Vater, die ihre persönlichen Erfahrungen einbrachten. So wird das tragische Scheitern dieses Liebespaares, zerrissen von der deutschen Teilung, eindrucksvoll nachvollziehbar.

Svenja Jung in der großen Doppelrolle der Zwillinge Chris und Marlene ist ein Glücksfall für das Projekt. Sie trägt diesen Mehrteiler, spielt in bewundernswerter Weise mit und gegen sich mit feinen Nuancen der so unterschiedlich sozialisierten Schwestern. Man vergisst zwischendurch, dass das alles nur von einer Darstellerin gespielt wurde. Hinzu kommt ihr tänzerisches Talent. Durch monatelanges hartes Tanztraining und mit großer Unterstützung des Ensembles des Friedrichstadt-Palastes verkörpert sie ebenso glaubwürdig wie faszinierend eine aufstrebende Solistin auf der Showbühne.

Noch ein anderer Palast spielt eine Rolle im Mehrteiler: der sogenannte Tränenpalast. Nur wenige Meter vom Friedrichstadt-Palast entfernt befand sich der berüchtigte Grenzübergang nach West-Berlin. Um hinter das Familiengeheimnis zu kommen und das Leben der jeweils anderen kennenzulernen, schmieden die Zwillingsschwestern einen abenteuerlichen Plan, nutzen ihre Ähnlichkeit, tauschen die Pässe und überwinden so die scharf bewachte Grenze, bis die Täuschung auffliegt und beide in Gefahr geraten.

Constantin Television und Regisseur Uli Edel mit seiner professionellen Erfahrung haben den Dreh des aufwändigen Mehrteilers mit großem und hochkarätigen Schauspieler- und Tanzensemble sowie mit Schauplätzen in Polen, Bayern und natürlich auf der Originalbühne des Friedrichstadt-Palastes mutig und sicher durch die Corona-Pandemie gesteuert, so dass die Zuschauerinnen und Zuschauer Anfang Januar ein großes, genussvolles Film- und Showerlebnis auf dem Fernsehschirm erwartet, während die Theater angesichts steigender Coronazahlen leider schon wieder um ihren Spielbetrieb fürchten müssen.

Matthias Pfeifer, Redaktionsleiter Fernsehspiel 2

Statements der Produzentin/des Produzenten

Die Dreharbeiten zu "Der Palast" waren kreativ und produktionstechnisch herausfordernd. Die Welt des Showbiz im realen Sozialismus und eine Familiengeschichte mit getrennten Zwillingen als Sinnbild deutscher Teilung – erzählerisch eine ungewöhnliche Kombination. Diese Serie auch noch in der Pandemie zu drehen, verlangte allen Beteiligten ununterbrochen Höchstleistungen ab. Dennoch: Rodica Doehnert hat alle Geschichten und Ereignisse in einer Erzählung großartig vereint, Regisseur Uli Edel setzt die Wärme und Menschlichkeit der Figuren mit Liebe zum Detail in Szene. Dank der beiden und eines sehr nervenstarken Filmteams an meiner Seite, ist eine Serie mit großem Schau- und Unterhaltungswert entstanden. Das macht mich schon jetzt ein wenig stolz. 

Kathrin Bullemer

 

Ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich bei dieser Produktion dabei sein durfte. Was für ein toller Cast, was für ein geniales Team. Und unsere Regielegende Uli Edel hat trotz depperter Viren souverän eine Mammutaufgabe gemeistert. It’s Showtime!

Rüdiger Böss

Stab und Besetzung

BuchRodica Doehnert
Regie  Uli Edel
KameraHannes Hubach
EditorChristoph Strothjohann  
MusikMartin Lingnau  
SzenenbildJerome Latour
KostümbildMonika Jakobs, Anke Baier 
MaskenbildJeanette Latzelsberger, Gregor Eckstein 
CastingIris Baumüller
TonMichał Robaczewski 
ProduktionsleitungKonstantin von Carlowitz, Daniel Rillmann  
Executive ProducerOliver Berben
ProduktionConstantin Television GmbH, gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), FilmFernsehFonds Bayern (FFF), German Motion Picture Fund (GMPF) und Polnisches Filminstitut
Produzentin/ProduzentenRüdiger Böss, Kathrin Bullemer, Fritz Wildfeuer 
RedaktionMatthias Pfeifer, Ronja Reitzig, Günther van Endert, Frank Zervos
Länge

3 x 90 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller*innen
Christine Steffen / Marlene  WenningerSvenja Jung
Rosa Steffen                      Anja Kling
Roland Wenninger              Heino Ferch
Alexander Bachmann          Hannes Wegener
Georg Weiss                      August Wittgenstein
Bettina Wilke                      Luise Befort
Richard Steffen                  Hermann Beyer
Elisabeth Steffen                Ursula Werner
Doris Wenninger                 Inka Friedrich
Wilhelm Wenninger             Friedrich von Thun
Regina Feldmann               Jeanette Hain
Sönke Rappolt                    Marc Hosemann
Nadja Brucker                    Luisa-Céline Gaffron
Ulrich Krug    Matthias Brenner
Hannes RichterUwe Preuss
Steven WilliamsDaniel Donskoy 
Marina Weber Annabella Zetsch
Gaby Sommer   Alina Levshin
Sergej StachanowMartin Buczkó
Johanna Westphal   Odine Johne
Holger Schulz Robert Maaser
Bernd Meister  Matthias Matschke
und andere

Allgemeiner Inhalt

Berlin, Hauptstadt der DDR 1988/89. Vor der glamourösen Kulisse des Friedrichstadt-Palastes wird eine deutsch-deutsche Familiengeschichte erzählt. Die Solotänzerin Chris steht plötzlich ihrer bis dahin unbekannten Zwillingsschwester Marlene aus Westdeutschland gegenüber. Beide versuchen, hinter das Familiengeheimnis zu kommen, was zu ihrer Trennung kurz vor dem Mauerbau 1961 führte.  

Folgeninhalte

Teil 1

Berlin, Hauptstadt der DDR, 1988. Noch liegt das Land im politischen Dornröschenschlaf – die alten Genossen regieren und glauben an einen unbesiegbaren Sozialismus. Im Friedrichstadt-Palast schert man sich nicht um die morbide Staatspolitik. Hier wird die große Show "Jubiläum" als Höhepunkt des 40. Jahrestages der DDR vorbereitet. Christine Steffen, Tänzerin in der berühmten Girl Line, hat endlich ihr lang ersehntes erstes Solo bekommen – und steht plötzlich ihrer unbekannten Zwillingsschwester aus Westdeutschland gegenüber. Marlene Wenninger ist aus Bamberg nach Ost-Berlin gekommen, um für ihr Familienunternehmen Verhandlungen mit dem DDR-Außenhandelsministerium zu führen. Als ein Höhepunkt dieses deutsch-deutschen Treffens war sie in den Friedrichstadt-Palast eingeladen worden und hatte ihre Doppelgängerin auf der Bühne entdeckt. Was war geschehen, dass die Schwestern getrennt wurden? Warum wussten sie nichts voneinander?

Nach dem ersten Schock müssen sich Chris und Marlene wieder trennen. Sie vereinbaren, in ihren jeweiligen Familien nach der Wahrheit zu suchen.

Während die energische Marlene ihre Familie in Bamberg sofort mit ihren Fragen konfrontiert, ist Chris zurückhaltender. Sie ist mit dem Gedanken aufgewachsen, dass ihr Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Nun wagt sie es nicht, ihre Mutter, Rosa Steffen, die sie allein großgezogen hat, der Lüge zu bezichtigen. Chris ist inzwischen selbst alleinerziehende Mutter der neunjährigen Lilia, die im Kinderensemble im Palast tanzt.

Als Chris während der Proben stürzt, nimmt ihre Konkurrentin Bettina Wilke nur zu gern ihren Platz ein. Chris sieht ihre Solokarriere in Gefahr, doch zunächst einmal muss sie ihren verletzten Fuß kurieren. Der behandelnde Arzt Georg Weiss, ein Jugendfreund von Chris, rät ihr dringend, ihre Familiengeschichte zu hinterfragen. Doch dann wird Rosa mit einem Magengeschwür ins Krankenhaus eingeliefert, und Chris wagt es wieder nicht, ihre Mutter mit den drängenden Fragen zu konfrontieren. In Bamberg erfährt Marlene unterdessen, dass Doris Wenninger nicht ihre leibliche Mutter ist.

Chris trainiert wieder, zeigt in den Proben Höchstleistungen und bekommt – sehr zum Missfallen von Bettina Wilke – die Soloposition. Sie lädt Marlene zur Premiere ein. Die Premiere und Chris‘ Solo werden ein großer Erfolg, und die Wiederbegegnung der Schwestern ist der krönende Abschluss eines wunderbaren Abends. Als Marlene erfährt, dass Rosa im Krankenhaus liegt, überzeugt sie Chris, ihre Identität zu tauschen. Marlene will als Chris ins Krankenhaus gehen, um endlich die Mutter zu sehen, und Chris soll als Marlene nach Bayern fahren, um dort den Vater kennenzulernen. Chris zögert. Der Grenzübertritt mit dem Pass ihrer Schwester ist gefährlich. Außerdem hat Chris‘ Tochter Lilia ein wichtiges Vortanzen, bei dem sie als Mutter nicht fehlen darf. Marlene findet pragmatische Lösungen und drückt der Schwester ihren Pass in die Hand.

 

Teil 2

Chris meldet sich im Palast krank. Sie bittet Lilias Vater Alexander Bachmann, Musiker im Palast, sich ein paar Tage um die Tochter zu kümmern. Mit dem Pass ihrer Schwester überquert sie die schwerbewachte, innerdeutsche Grenze.

Die Begegnung mit dem jeweils anderen Elternteil wird für die Schwestern eine emotionale Herausforderung. Marlene sitzt berührt am Krankenbett ihrer Mutter. Während sie ihre Rolle fast perfekt spielt und ihr Geheimnis bewahrt, wird Chris in Bayern bei einem Geschäftsessen, an dem sie als ihre Schwester teilnimmt, von Doris erkannt und enttarnt. Roland Wenninger sieht sich durch Chris‘ Überraschungsbesuch mit einer Lüge konfrontiert, die er fast 30 Jahre zu verdrängen suchte. Chris erfährt, dass ihr Vater in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Säuglinge getrennt und Marlene mit nach Bayern genommen hat. Er wollte Rosa erpressen, mit ihm gemeinsam im Westen zu leben, doch Rosa wollte ihr Land nicht verlassen. Als Roland die Schwere seiner Tat bewusst wurde, kehrte er um. Doch es war zu spät. Grenzsoldaten rollten den Stacheldraht aus. Es war die Nacht zum 13. August 1961, die Nacht des Baus der Berliner Mauer.

Währenddessen hält Marlene in Ost-Berlin tapfer die Stellung ihrer Schwester. Doch als sie von einer Kollegin zur ersten Probe mit dem Starchoreografen Steven Williams in den Friedrichstadt-Palast abgeholt wird, gelingt es ihr nicht, sich hinter einer fadenscheinigen Grippe zu verstecken. Um nicht tanzen zu müssen, streitet sie sich mit Williams und wird von ihm rausgeworfen. Der Choreograf kündigt Chris ihre Soloposition.

In Bayern streitet sich Chris mit Vater und Großvater über die Ungeheuerlichkeit von Rolands Tat. Roland beharrt starrsinnig auf die politischen Gründe für seine damalige Entscheidung. Tief verletzt über die emotionale Kluft macht sich Chris auf die Heimreise. Im letzten Moment gelingt Vater und Tochter eine Versöhnung. In Ost-Berlin bekommt Marlene Besuch von Chris‘ Jugendfreund Georg, der sich von ihr verabschieden will, weil seinem Ausreiseantrag nach Westdeutschland stattgegeben wurde. Schnell erkennt er in Marlene die Zwillingsschwester. Marlene bemerkt, wie sehr Georg ihre Schwester liebt und die Ausreise in den Westen vor allem auch eine Flucht vor seinen Gefühlen ist. Unerwartet kommt Tochter Lilia nach Hause. Mit kindlichem Instinkt erkennt sie, dass diese Frau nicht ihre Mutter sein kann und entlarvt Marlene als ihre Tante.

Chris wird an der Grenze festgehalten und einer Tiefenkontrolle unterzogen. Die Stunden vergehen, und sie kommt nicht nach Hause. Notgedrungen muss nun Marlene Lilia zum Vortanzen in den Palast bringen. Voller Sorge wartet Marlene vor dem Eingang auf ihre Schwester. Plötzlich sieht sie ihre Mutter aus einem Taxi steigen.

 

Teil 3

Im Pankower Wohnhaus findet die Familie mit den Großeltern, der Mutter und ihren Töchtern zusammen. Rosa ist überglücklich, sich nun endlich mit beiden Töchtern vereint zu wissen. Später erfährt Chris von Marlene, was sich in ihrer Abwesenheit ereignet hat: Georg musste für immer das Land verlassen und darf nie wieder in die DDR einreisen. Und Chris hat ihre Soloposition verloren, weil sich Marlene unmöglich benommen hat.

Im Friedrichtstadt-Palast gibt es Ärger. Die Genossen greifen ein, weil in ihrem liebsten Revuetheater, dem sie jährlich viele Millionen Gelder übertragen, eine Revue mit dem Titel "Traumvisionen", noch dazu unter der Choreografie eines Stars aus dem Westen, vorbereitet wird. Sie drohen, die Proben zu beenden.

In Bamberg verabschiedet sich Marlene von ihrer Familie und zieht nach West-Berlin, um in der Nähe ihrer Mutter und ihrer Schwester zu leben. Mit ihrem bundesdeutschen Pass kann sie nach Belieben zwischen Ost- und West-Berlin hin- und herreisen. Bettina Wilke hat sich bereits in Steven Williams Herz getanzt. Der Choreograf und die junge Tänzerin haben eine Affäre begonnen. Chris kämpft um ihre Soloposition.

Eine Kontrollkommission des Kulturministeriums kommt in den Palast, um die Proben zu beenden. Doch das Ensemble hält zusammen und legt eine Vorführung hin, an der die Genossen nicht vorbeikommen. Ganz besonders Chris nutzt die Gelegenheit ihr Können zu zeigen. Zähneknirschend geben die Genossen grünes Licht. Chris hat endlich Williams überzeugt. Sie bekommt ihre Soloposition zurück, sie wird gemeinsam mit Bettina als Höhepunkt der Show tanzen. Die beiden Konkurrentinnen arbeiten nun zusammen.

Marlene trifft in West-Berlin auf Georg, der mental nicht im Westen ankommt. Sie nimmt sich des Heimatlosen an und gründet mit ihm eine WG. Marlene informiert Chris über Georgs Zustand. Chris entscheidet sofort, mit Marlenes Pass nach West-Berlin zu fahren, um dort Georg zu treffen. Die Schwester soll in Ost-Berlin die Stellung halten und für Lilia sorgen. Wieder übertritt Chris mit Marlenes Pass die Grenze. Georg erwartet sie voller Freude. Endlich gestehen sie sich ihre jahrelang zurückgehaltenen Gefühle. Während Chris und Georg in West-Berlin ihre erste Liebesnacht erleben, lernen sich in Ost-Berlin Marlene und Lilias Vater Alexander kennen. In dieser Nacht stirbt der Intendant des Friedrichstadt-Palastes, der über Jahrzehnte seine schützende Hand über das Ensemble und das Haus gehalten hat. Eine Epoche geht zu Ende. Schweren Herzens müssen sich Chris und Georg am nächsten Morgen trennen. Doch Chris ist zuversichtlich: Sie wird Georg so oft es geht, mit Marlenes Pass besuchen kommen. Kurz vor dem Grenzübergang bemerken die Liebenden, dass sie fotografiert werden. Ist die Stasi auf die Schwestern aufmerksam geworden? Chris kehrt alarmiert nach Hause zurück. Dort findet sie Marlene mit ihrem Expartner Alexander. Zwischen den Schwestern kommt es zu einem ersten Streit.

Die Stimmung in der DDR beginnt nach Reformen zu drängen. Außerdem verlassen immer mehr Menschen über die BRD-Botschaft in Prag und über die ungarische Grenze die DDR. Auch Chris fühlt, dass sich ihr Leben radikal zu verändern beginnt. Während Marlene die Grenze überqueren kann, wann immer sie will, und ihre Liebesbeziehung mit Alexander lebt, ist Chris in ihrem Land eingesperrt. Nach dem Vorfall an der Grenze wagt Chris nicht mehr, ihre Identität mit der Schwester zu tauschen. Georg will Chris vor einem weiteren gefährlichen Grenzübertritt schützen und geht nach Kalkutta, um dort als Arzt zu arbeiten. Chris ist am Boden zerstört. Einziges Lebenselixier sind die Proben zur neuen Show.

Als Marlene zur Premiere einreisen will, wird sie an der Grenze verhaftet. Während die Vorstellung läuft, wird Marlene verhört. Den DDR-Behörden ist bekannt, dass die Zwillinge immer wieder Pass und Identität getauscht haben. Marlene darf unter Androhung von Strafverfolgung zurück nach West-Berlin. Eine weitere Einreise wird ihr für alle Zeiten verboten. Chris wird nur Stunden nach der erfolgreichen Premiere von der Stasi verhaftet.

Zutiefst erschrocken über die Vorfälle reist Marlene nach Bamberg und bittet ihren Vater um Hilfe. Roland nutzt seine Verbindungen zum DDR-Außenhandelsministerium und fährt nach Ost-Berlin, um Chris aus dem Gefängnis zu holen und Rosa die Tochter zurückzubringen. Wenige Wochen später fällt die Mauer. Was nach einem Happy End aussieht, birgt Fragen: Werden die beiden Teile der Familie in Ost und West ihre Gemeinsamkeiten leben? Wird ihnen die Wiedervereinigung alles das erfüllen, wonach sie sich 28 Jahre lang gesehnt haben?

Writers note von Rodica Doehnert

Als ich die Anfrage bekam, eine Serie über den Friedrichstadt-Palast zu schreiben, fühlte ich, dass eine Geschichte entstehen muss, die Osten und Westen, Ostdeutschland und Westdeutschland, miteinander verbindet. Die legendäre Showbühne im Osten, in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte, liegt nur wenige hundert Meter von der ehemals schwerbewachten Grenze nach Westen entfernt. Die bunte Revue-Welt, die Leichtigkeit des Tanzes sollten im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne für eine starke Trennungsgeschichte sein. Der Bau einer Mauer hat eine Familie auseinandergerissen. Zwillinge wissen nichts voneinander. Sie stehen für den jeweils anderen Teil Deutschlands. Natürlich erinnerte ich mich beim Schreiben an meinen verehrten Kollegen Erich Kästner und ließ mich von seinem "Doppelten Lottchen" inspirieren. So ist eine humorvolle, tragische und herzerwärmende Geschichte entstanden. Uli Edel und das wunderbare Ensemble nahmen die Töne auf und erschufen eine hochemotionale Welt mit einzigartigen Figuren. Ich bin sehr glücklich, dass nach "Das Adlon. Eine Familiensaga" eine erneute Zusammenarbeit den Regisseur und mich zusammengeführt hat. Auch diesmal geht es um ein großes deutsches Thema. Historische Inhalte, so bin ich überzeugt, müssen in einen universalen menschlichen Plot gebunden werden. Die Erzählung wird bigger than life und eröffnet einen Raum für unsere innere und äußere Veränderung. Denn darum geht es doch seit tausenden von Jahren: Storytelling is a healing method.

Directors note von Uli Edel

Es war während der Berlinale 2019, als ich von Oliver Berben gefragt wurde, ob ich die Regie zu einem Dreiteiler über den Friedrichstadt-Palast übernehmen würde. Ich hatte gerade "Der Club der singenden Metzger" fertig und wollte mit meiner amerikanischen Frau wieder zurück in die Staaten fliegen, wo ich seit 30 Jahren wohne, wo der Präsident im Weißen Haus das Land allerdings gerade in einen Alptraum verwandelte. Deshalb erschien mir die Chance, länger in Berlin bleiben zu können und eine Serie über den Friedrichstadt-Palast zu drehen, wie ein Geschenk des Himmels. Ich sagte zum ersten Mal ein Projekt zu, ohne davor das Drehbuch gelesen zu haben. Aber immerhin kannte ich nicht nur Oliver, sondern auch die Drehbuchautorin, und war sicher, es würde bestimmt interessant werden.

Mit Revuetheatern war ich nicht sehr vertraut. Ich dachte dabei höchstens an die Massenornamente der alten Busby Berkeley-Filme. Mein darauffolgender Besuch im Friedrichstadt-Palast wurde dann zu meinem Saulus-Paulus-Erlebnis. Von den 1800 Zuschauern im Saal war ich derjenige, der wohl am häufigsten und heftigsten applaudierte. Und als die legendäre Kickline mit 32 Tänzerinnen ihre perfekten Formationen auf der Bühne präsentierte, wusste ich, ich hatte mit meiner spontanen Zusage den Jackpot geknackt.

Allerdings wäre mein Enthusiasmus gedämpfter ausgefallen, hätte ich damals schon gewusst, dass ich diese Produktion durch die schlimmste Pandemie manövrieren musste, die wir bis dahin erlebt hatten. Es war ja keine kleine Produktion, mit der ich da in die Startlöcher ging. Bis zu 300 Mann stark war die Crew, davon mehr als 80 Sprechrollen und 140 Tanzbeine, die die Distanzregeln auf der riesigen Bühne des Friedrichstadt-Palastes nur bedingt einhalten konnten. Am Ende drehten wir die 270 Minuten der Serie an 77 Drehtagen über zehn Monate verteilt. Wir mussten die Produktion fünf Mal wegen Corona unterbrechen – öfter als all die anderen Filmproduktionen. Ich arbeitete zum ersten Mal mit so vielen Tänzerinnen (70) und einer Handvoll Tänzern, die zusammen aus 30 Ländern kamen. Ohne die unglaublich engagierte Crew um mich herum hätte ich diese Produktion nicht zu Ende bringen können.

Bevor wir überhaupt angefangen hatten, wurde der Friedrichstadt-Palast wegen der Pandemie für viele Monate geschlossen. Wir hofften, er würde uns jetzt umso mehr für Dreharbeiten zur Verfügung stehen. Aber wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten während des Tages blieben uns schließlich nur die Nächte, um dort zu drehen. Was das für die Crew und vor allem für die Tänzerinnen bedeutete, kann man sich unschwer vorstellen. Aber wir alle wollten diesen Film machen und waren froh, überhaupt drehen können. Die Tänzerinnen performten oft die ganze Nacht bis zur Erschöpfung vor unseren Kameras, wollten auch unter diesen extremen Bedingungen noch zeigen, dass sie die Besten sind. Jeden Morgen punkt 7.00 Uhr standen die Bauarbeiter vor der Tür, und wir mussten das Feld räumen. So ging das über Wochen, Nacht für Nacht.

Aber wir waren ein eingespieltes Team. Mit den Key Departments hatte ich schon wiederholt gearbeitet. Der Bildkünstler Hannes Hubach, den ich gerne mit "Leonardo" anspreche, war wieder an der Kamera, mit seinem B-Kamera-Operator Helmut van der Wielen, den Hannes sein "zweites Auge" nennt. Jerome Latour, Produktion Designer und Desperado, baute die umfangreichen Sets. Auch das Makeup Department mit Jeanette Latzelsberger und Gregor Eckstein war wieder mit von der Partie. Sie hatten mit meinem "Houdini" auch einen Emmy für Ihre Arbeit gewonnen. Ich musste mich während der 77 "Palast"-Drehtage oft fragen, wann sie überhaupt geschlafen haben. Vor all den anderen Kämpen, die ich hier nicht alle nennen kann, ziehe ich auch voller Respekt meinen Hut!

Um die Hauptrolle zu besetzen, hielten wir umfangreiche Casting-Sessions ab. Die Schwierigkeit war, eine junge Schauspielerin zu finden, die sowohl das Interesse des Zuschauers dreimal 90 Minuten halten kann als auch die Solistin glaubhaft tanzt, das heißt die Beste von den 32 exzellenten Tänzerinnen verkörpern kann. Darüber hinaus musste sie eine Doppelrolle spielen: die in Ost-Berlin sozialisierte Revuetänzerin und ihre Zwillingsschwester aus dem kapitalistischen Westen. Ein doppeltes Lottchen eben. Eine große Herausforderung für jede Schauspielerin.

Viele der Bewerberinnen waren entweder gute Tänzerinnen oder gute Schauspielerinnen. Selten jedoch waren sie beides. Als Svenja vorsprach, war ich schnell überzeugt – sie hatte, was die Rolle verlangte: große Spielleidenschaft und enormes Tanztalent. Sie wurde meine Hauptdarstellerin. Svenja stürzte sich sofort ins Training und hielt es zehn Monate durch, bis zum Ende der Dreharbeiten.

Heino Ferch, Svenjas Vater aus dem Westen, und Anja Kling, die kommunistische Mutter aus Ost-Berlin, waren schon bei "Das Adlon" dabei. Mit Heino arbeitete ich auch in "Der Baader Meinhof Komplex" und der amerikanischen Produktion "Julius Caesar", wo er neben Christopher Walken und Richard Harris spielte. Wir sind alte Weggefährten. Die Charaktere, die in der Geschichte in Ost-Berlin angesiedelt waren, besetzte ich alle mit Schauspielern aus dem ehemaligen Osten. Von dem, was die Ost-Kollegen mir Westler aus ihrer DDR-Zeit erzählten, ist vieles in ihre Rollen eingeflossen. Aber meine Hauptinformationsquelle über die alte DDR war Rodica Doehnert, die sowohl die Idee zu dem Dreiteiler hatte als auch das Drehbuch für "Der Palast" schrieb. Vor einigen Jahren hatten wir zusammen schon eine stürmische, aber sehr kreative Zusammenarbeit bei dem Dreiteiler "Das Adlon". Ich erinnere mich, wie ich sie damals schon nervte, mit Fragen über ihre Kindheit und Jugend in einem kommunistischen Elternhaus und das Leben im anderen Teil Deutschlands. Auch davon ist vieles in die Serie eingeflossen. Rodicas kreative Solidarität durch den gesamten Dreh war für mich der Garant, mich nicht zu sehr in westlichen Vorurteilen zu verstricken.

Die Bedeutung des Friedrichstadt-Palastes in DDR-Zeiten brachte ein älterer Mitarbeiter des Theaters auf den Punkt: "Die Mauer hatte den DDR-Bürgern Reisen in den Westen unmöglich gemacht, deshalb wollte Erich Honecker seinen Bürgern mit der Eröffnung des neuen Friedrichstadt-Palastes 1984 signalisieren: 'Ihr braucht ja gar nicht ins Lido nach Paris oder nach Las Vegas zu reisen, wir haben das doch auch hier in unserer Hauptstadt!' Die Bürger sollten die Mauer vergessen." Der Friedrichstadt-Palast sollte also eine Illusion von Freiheit vortäuschen, die es nicht gab. Aber die Menschen, die im Palast arbeiteten und tanzten, waren keine Illusion. Sie waren so real wie du und ich. Von ihnen erzählen die 270 Minuten dieser Serie.

Ist es bittere Ironie oder einfach nur ein willkommener Zufall der Geschichte, dass der Friedrichstadt-Palast, ein Revuetheater mit einer weltberühmten Kickline, das bei weitem populärste Kulturerbe ist, das uns dieses sozialistische Experiment im Osten Deutschlands hinterlassen hat?

Interview mit Svenja Jung

Sie spielen Chris und Marlene – eineiige Zwillinge, die in getrennten Welten aufgewachsen sind. Welche Unterschiede, aber vielleicht auch Gemeinsamkeiten, gibt es?

Chris und Marlene wurden sehr unterschiedlich sozialisiert und stehen als Figuren natürlich auch für den Osten und den Westen. Chris ist Tänzerin am Palast, Marlene arbeitet im Familienunternehmen, welches sie einmal übernehmen soll. Somit trennt die beiden physisch einfach schon sehr viel. Wo Chris sich im ganzen Raum und mit dem ganzen Körper bewegt, Dinge aber eher nicht sofort anspricht, ist Marlene etwas steifer in ihrer Haltung und direkter in ihrer Art sich auszudrücken. Zudem hat Chris eine 8-jährige Tochter, und Marlene ist davon noch sehr weit entfernt – auf ihrem Selbstfindungstrip würde ich sagen. Im Verlauf der Geschichte lernen die Zwillinge voneinander. Was sie verbindet, ist definitiv die tiefe Sehnsucht nach der jeweils anderen und nach dem fehlenden Elternteil. Der Umgang damit ist nur sehr unterschiedlich.

Mit und gegen sich zu spielen war sicherlich die größte Herausforderung: Wie haben Sie sich auf die Doppelrolle vorbereitet? Und wie unterscheiden sich Chris und Marlene optisch?

Für Chris habe ich drei Monate lang fast täglich trainiert, um glaubhaft eine Tänzerin darzustellen. Ich habe in meinem Leben viel getanzt, aber noch nie Revue, das musste ich mir erarbeiten. Dann ging es vor allem um die Bewegungsqualitäten und die Stimmen der beiden Figuren. Marlenes Stimme sollte etwas tiefer und harscher sein, Chris’ Stimme höher und wärmer. Auch die Kopfhaltung, die Art und Weise sich auszudrücken, der Sprachduktus waren für mich im Findungsprozess der Figuren sehr wichtig. Wo Marlene eher auf Konfrontation geht, weicht Chris aus. Wo mehr Antennen für Situationen gefragt sind, reagiert Chris hingegen wesentlich sensibler als Marlene. Chris spricht auf Augenhöhe und Marlene manchmal etwas von oben herab. Auch die Rolle der Frau in Ost- und Westdeutschland der 80er hat mich sehr interessiert. Chris strahlt für mich eine selbstverständliche Weiblichkeit aus, wohingegen Marlene eher zurückhaltend und reserviert ist, was dieses Thema angeht. Optisch unterscheiden die beiden sich durch Haarlänge, Brille und natürlich ihren Kleidungsstil. Chris tritt eher in wärmeren Farben, Mustern und verschiedensten Stoffen und körperbetont auf, Marlene trägt meist blau oder grün, keine Muster und hat nicht ganz so einen verspielten Kleiderschrank wie ihre Zwillingsschwester.

Die Schwestern finden sich 27 Jahre, nachdem sie als Babys getrennt wurden, wieder. Was denkt Marlene, als sie Chris auf der Bühne entdeckt? Und wie ist es für Chris, von ihrer Zwillingsschwester auf der Straße überrascht zu werden?

Was denkt man in so einem Moment? Dass das alles nicht wahr sein kann. Dass sie sich vertan hat. Doch etwas in ihr sagt Marlene sehr schnell, dass diese Frau auf der Bühne ihre Schwester sein muss. Sie handelt impulsiv, verfolgt dieses unsichtbare Band zwischen den beiden. Marlene hatte eine schlaflose Nacht, in der sie sich alles zurechtlegen kann, bevor die beiden am nächsten Tag aufeinandertreffen. Chris hat von all dem nichts mitbekommen und ist natürlich wesentlich geschockter als sie sich selbst auf der Straße sieht. Sie kann das alles gar nicht einordnen und begreift erst innerhalb der darauffolgenden Stunden, was gerade eigentlich passiert ist und was das für sie bedeutet.

Ohne zu viel zu verraten: Wie entwickelt sich das Verhältnis der beiden zueinander im Laufe der Serie?

Sie durchlaufen alle Stationen, die Schwestern miteinander erleben dürfen. Von Sehnsucht nacheinander zu Eifersucht zu Stolz zu Unverständnis, Streit, Neid und unermüdlichem Zusammenhalt. All das, was man mit seiner richtigen Schwester auch fühlen darf. Und die spielt sogar mein Double in der Serie. Ein größeres Geschenk hätten mir Uli Edel und die Produktion nicht machen können. Und sie heißt auch noch Christin – was zu sehr viel Namensverwirrungen am Set geführt hat.

Sie tanzen selbst leidenschaftlich gern. Konnten Sie noch von den Tänzerinnen und Tänzern des Friedrichstadt-Palasts lernen? Geben Sie uns einen Einblick hinter die Kulissen, von den Trainings bis hin zum großen Auftritt.

Natürlich habe ich eine Menge mitgenommen. Am deutlichsten erinnere ich mich an das Training mit der Ballettdirektorin Alexandra Georgieva ("Schoppi"). Sie hat mit uns insbesondere an der Girlreihe gearbeitet. Und ich dachte zu dem Zeitpunkt wirklich "YES, jetzt hab ich’s" und ich höre immer nur "Svenja, Kopf, Küche zu, Hand zwei cm höher, Blick, Beine…" Uiuiui, also ich habe den größten Respekt vor allen Tänzer*innen, die jeden Abend so eine wahnsinnige Show auf die Bühne stellen, mit so viel Lust, Energie, Fleiß und Liebe fürs Detail. Ich verneige mich.

Interview mit Anja Kling

Frau Kling, erzählen Sie uns über ihre Figur Rosa Steffen. Was ist sie für ein Mensch?

Rosa ist eine selbständige, stolze Frau, die ihr Leben trotz etlicher Widrigkeiten mit großer Stärke meistert. Sie ist klug und kämpferisch in den 60er-Jahren für ihr Land eingetreten, in der festen Überzeugung, dass es möglich sein muss, eine bessere Gesellschaftsordnung aufzubauen. Dafür hätten die Menschen weniger dem Konsum verfallen dürfen, als mehr dem Wunsch nach Gerechtigkeit folgen sollen. Der Schmerz über den Verlust eines Kindes macht sie allerdings angreifbar und schwächt Rosa – körperlich und mental. All ihre Liebe steckt sie deshalb in ihre für sie greifbare Familie, ihre Eltern, ihre Tochter und ihr Enkelkind.

Sie selbst sind aus dem Osten geflüchtet, Rosa Steffen lehnt den Vorschlag ihres Mannes, in den Westen zu gehen, ab. Können sie diese Entscheidung nachvollziehen?

Absolut. Auch ich wäre niemals mit einem Säugling im Arm durch einen Abwasserkanal gekrochen, durch einen Fluss geschwommen oder durch den Wald gerobbt. Als ich in die BRD geflohen bin, war ich eine junge Frau ohne Kinder, die nur für sich selbst Verantwortung trug.

Das Revuetheater Friedrichstadtpalast war und ist eine der ersten Adressen für Tanz und Gesang. Sie haben 1988 für ein Jahr an der staatlichen Ballettschule in Berlin studiert. Hatten Sie jemals den Traum, im Friedrichstadtpalast aufzutreten?

Ich war immer ein großer Revue-Fan. Damals wie heute. Allerdings wollte ich, als ich an der Ballettschule war, gerne in Spitzenschuhen klassisches Ballett tanzen. Deshalb bin ich im Friedrichstadtpalast seit jeher im Publikum als begeistert klatschender Fan besser aufgehoben als auf der Bühne.

Kurz vor dem Mauerfall sind Sie mit Ihrer Schwester aus der ehemaligen DDR in den Westen geflohen. Wie haben Sie die letzten Tage des geteilten Deutschlands und den 9. November 1989 erlebt?

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt gerade mein Abitur gemacht. Die Situation in der DDR war angespannt, die Leute gingen auf die Straße, die Proteste wurden jeden Tag lauter und 50 Prozent meiner Freunde waren bereits geflohen. Als dann die damalige CSSR am 4. November 1989 ihre Grenze zur BRD für 24 Stunden öffnete, um dem Andrang der flüchtenden DDR-Bürger gerecht zu werden, sind wir in diesem Strom mitgerissen worden. So haben wir als Berliner den 9. November 1989 in Bayern im Auffanglager erlebt. Ungläubig, gelähmt, fassungslos und voller Hoffnung.

Interview mit Heino Ferch

Ihre Figur Roland Wenninger verlässt Ost-Berlin, in der Hoffnung, seine Familie bald wieder im Westen vereint zu sehen. Wie würden sie den inneren Konflikt der Figur vor dem historischen Hintergrund beschreiben? Ist dieses Handeln für sie nachvollziehbar?

Ich kann Rolands Verzweiflung nachvollziehen und muss ihm als Figur recht geben: Für ihn musste etwas geschehen, und er suchte einen Ausweg, den Konflikt zwischen ihm und Rosa zu lösen. Einen der Zwillinge quasi zu entführen, während die Mutter schläft, ist aber schon eine sehr extreme Reaktion. Aber er konnte natürlich nicht ahnen, dass die Stadt geteilt wird, wenn er jetzt von Ost- nach Westberlin fährt. Als er dann seine Entscheidung rückgängig machen will, hat er keine Chance mehr zurückzukommen. Darin liegt der dramatische Ausgangspunkt der Geschichte.

Konnten sie etwas von Roland Wenninger in sich entdecken?

Uli Edel und ich haben uns einfach von den Emotionen leiten lassen und einen Menschen kreiert, dem ich im Film natürlich in seinem Handeln rechtgeben muss. Ich persönlich habe weder eine solche Teilung erlebt noch wurde meine Familie auseinandergerissen. Ich bin also nicht vor die Situation gestellt worden, eine Entscheidung zu treffen. Zudem war die damalige Diskrepanz zwischen dem Gesellschaftsbild in der engstirnigen bürgerlichen Provinz, aus der meine Filmfigur Roland stammt, und der Ostberliner Arbeiterfamilie kaum größer darzustellen. Der Konflikt, in dem sich Roland befindet, ist existenziell.

Zum Zeitpunkt des Mauerfalls 1989 waren Sie, wie die Zwillinge Marlene und Chris, Mitte zwanzig. Was war für Sie in dieser Zeit prägend?

Ich war in der Zeit bei meinem ersten Engagement am Theater in Westberlin. Am Tag des Mauerfalls hatte ich zwei Tage spielfrei und war nicht in der Stadt. Als ich am nächsten Tag zurückkam, habe ich Berlin als ein einziges Freudenfest erlebt. Menschen fielen sich in die Arme, haben geweint, gelacht. Die Ostberliner drängten sich am Ku'damm an den Schaufenstern. Gleichzeitig war die Angst da, dass der Osten in zwei Stunden wieder zu sein könnte. Die Unsicherheit, ob alles jetzt so offen bleibt, wie es ist, war sehr groß.

Für Uli Edel standen Sie schon öfter vor der Kamera. Wie war die erneute Zusammenarbeit mit dem Regisseur?

"Der Palast" ist die vierte Arbeit mit Uli Edel. Kennengelernt haben wir uns vor ziemlich genau 20 Jahren beim Dreh zum internationalen Zweiteiler "Julius Caesar" und haben seither zusammen weiter große Filme gemacht, nämlich "Das Adlon. Eine Familliensaga" und den Kinofilm "Der Baader Meinhof Komplex". Natürlich sind wir dadurch eingespielt, und es herrscht ein großes gegenseitiges Vertrauen. Beide wissen wir voneinander, wie wir arbeiten. Eine Basis, auf die man gerne zurückgreift. Es war eine große Freude, mit Uli in diesem Projekt wieder zusammenzuarbeiten.

Der Palast – Die Dokumentation

ZDF: Montag, 3. Januar 2022, 19.25 Uhr 

Stab   
Buch und RegieAndreas Gräfenstein 
Kamera  Philipp Baben der Erde
SchnittOliver Szyza
Ton   Andreas Klatt & Holger Vogel
Produktionsleitung Sandra Hellmann 
Produktion   Strandgutmedia
Redaktion Carl-Ludwig Paeschke
Leitung Stefan Brauburger
Länge 44 Minuten

 

Inhalt

Der Berliner Friedrichstadt-Palast ist DIE Revuebühne, DAS deutsche Showtheater – ein Haus der Superlative, das sich schon zu DDR-Zeiten den Beinamen "Las Vegas des Ostens" verdient hat. Doch der Friedrichstadt-Palast ist noch viel mehr.

Die Dokumentation "Der Palast" erzählt die atemberaubende Geschichte dieses Unterhaltungstempels, von Revuen, Shows und Entertainment unter immer anderem Stern – von der Weimarer Republik, über die NS-Zeit und die DDR bis in die Gegenwart.

Der Film beginnt mit dem Neubau des Friedrichstadt-Palastes, seiner Eröffnung 1984. Es sollte ein besonders kostspieliges Prestigeobjekt der DDR-Regierung sein, mit allen Finessen, allen künstlerischen und technischen Möglichkeiten. Die Eröffnung gleicht einem Staatsakt und die Erwartungen an die Künstler sind hoch.

Die Dokumentation erzählt, was sich hinter den Kulissen der Showbühne in den letzten Jahren der DDR abgespielt hat. Wie frei konnten die Künstlerinnen und Künstler arbeiten? Welche Privilegien hatten sie? Was passierte im Herbst 1989 am Friedrichstadtpalast? Neben das Haus prägenden Künstlern von heute erzählen auch Carmen Nebel, Wolfgang Lippert, Ute Lemper und Thomas Gottschalk ihre Geschichten, denn sie alle haben die größte Theaterbühne der Welt bespielt und so ihren internationalen Ruf mitgeprägt.

 

                

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