ZDFinfo mit vierteiliger Doku über den Fall Jens Söring. Foto: ZDF/Marcus Vetter
ZDFinfo mit vierteiliger Doku über den Fall Jens Söring. Foto: ZDF/Marcus Vetter

Killing For Love – Der Fall Jens Söring

Vierteilige Dokumentation

Mehr als 33 Jahre saß der Deutsche Jens Söring in den USA in Haft – verurteilt wegen Mordes an den Eltern seiner Geliebten. Am 17. Dezember 2019 wurde er nach Deutschland überstellt – unter der Auflage, nie mehr in die USA zurückzukehren. Die vierteilige Reihe "Killing For Love – Der Fall Jens Söring" schildert am Dienstag, 4. August 2020, von 20.15 bis 23.15 Uhr in ZDFinfo, wie vom Mord bis zum Urteil und darüber hinaus dieser aufsehenerregende Fall verlief.

  • ZDF info, Dienstag, 4. August 2020, 20.15 bis 23.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Dienstag, 4. August 2020, 10.00 Uhr

Texte

Sendetermine und Stab

Dienstag, 4. August 2020

20.15 Uhr: Killing For Love – Der Fall Jens Söring: Der Mord

21.00 Uhr: Killing For Love – Der Fall Jens Söring: Der Verrat

21.45 Uhr: Killing For Love – Der Fall Jens Söring: Die Alibis

22.30 Uhr: Killing For Love – Der Fall Jens Söring: Das Urteil

Film von Karin Steinberger und Marcus Vetter

Produktion: Filmperspektive
Redaktion: Christian Liffers
Länge: 4 x ca. 43 Minuten

 

Am Montag, 8. August 2020, ab 7.45 Uhr, zeigt ZDFinfo alle vier Folgen von "Killing For Love" erneut.

Killing For Love – Der Fall Jens Söring

Sie waren ein eigenwilliges Paar – Jens Söring, der naive, blasse Diplomatensohn, und Elizabeth Haysom, die unnahbare, welterfahrene Tochter eines reichen Stahlbarons. Als Elizabeths Eltern am 30. März 1985 brutal ermordet in ihrem Haus in Virginia (USA) gefunden wurden, war die kleine Stadt Lynchburg in Panik – von Vodoo war die Rede, von einem Serienkiller. Jens und Elizabeth flohen nach Asien, weiter nach Europa, eine ´Folie a deux`. Sie waren jeden Tag, jede Minute zusammen. Am 30. April 1986 war das Spiel vorbei, denn sie wurden als Christopher P. Noe und Lucy T. Noe wegen Scheckbetrugs in London verhaftet.  "Ich bin unschuldig", sagte er, als er am 4. September 1990 in Amerika zu zwei Mal lebenslänglich wegen zweifachen Mordes verurteilt wurde. Jens Söring sagte, dass er Elizabeth das Versprechen gab, den Mord auf sich zu nehmen, wie der Held in Charles Dickens‘ Roman "A Tale of Two Cities", der sein Leben gab für die Liebe. So erzählt er es bis heute. 

Elizabeth Haysom war schlank, trug eine violette Jeans und ein T-Shirt, das einmal weiß war. So trat sie in Jens Sörings Leben. Es war ein Abend im August 1984, ein Orientierungsabend für die Hochbegabtenstipendiaten der University of Virginia. Wie oft hat er in den vergangenen 27 Jahren an dieses verfluchte Treffen gedacht. Es war der Abend, an dem sein Absturz begann.

Jens Söring war jung, naiv, ein bleicher Typ mit großer Brille. Er war sofort hingerissen von ihrer Arroganz, ihren graublaugrünen Augen, ihrem Blick, so gelangweilt, dass er ihn fast zermalmte. 30 Jahre später sitzt er da, mitten in seiner neonlichtgrellen Gefängniswelt.  Er hat noch nie ein Handy benutzt, er war noch nie im Internet, er kennt das Grab seiner Mutter nur von zwei Fotos, er hat seit Jahrzehnten kein Steak mehr gegessen. Als er weggesperrt wurde, hatten die Telefone noch Wählscheiben.

Jens Söring ist der Sohn eines deutschen Diplomaten, am 1. August 1966 in Thailand geboren, in Deutschland und Amerika aufgewachsen. Er war ein strebsames Kind, ein eifriger Student, Hochbegabtenstipendium. Alles schien möglich. Bis er an jenem Abend Elizabeth Haysom kennenlernte, die schöne, unwiderstehliche, verwegene Liz. Sie hat ihn einfach überrannt mit ihren Geschichten. Alles an ihr war besonders, der Vater, ein Stahlbaron, das Stipendium, aus Cambridge. Sie sagte ihm, dass sie von ihrer Mutter sexuell missbraucht werde, dass sie in einem Internat in der Schweiz brutal vergewaltigt worden war. Nach ein paar Monaten waren sie ein Paar. Jens Söring konnte sein Glück nicht fassen.

Am 30. März 1985 wurden Elizabeths Eltern in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia, brutal ermordet.

Der Haysom-Fall wurde zum Mega-Event, er wurde als einer der ersten live im US-Fernsehen übertragen, es war die tägliche Vorführung des „german bastards“, der er für die lokale Presse von Anfang an war. Als Jens am 4. September 1990 zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt wird, sitzt Elizabeth bereits seit zwei Jahren nur wenige Meilen entfernt im Gefängnis. Sie wurde zu 90 Jahren wegen Anstiftung zum Mord an ihren Eltern Derek und Nancy Haysom verurteilt. Es ist die Geschichte einer tödlichen Liebe.

Die Filmemacher zeigen in der vierteiligen Dokumentation nie zuvor gesehenes Video-Material der Haysom-Prozesse, sie reden mit ehemaligen Ermittlern, besuchen den Richter und begleiten einen Privatdetektiv, der nach mehr als zwei Jahrzehnten nach neuen Beweisen sucht, um den Fall wieder aufzurollen.

Und dann, am 25. November 2019, gewährte das Parole Board von Virginia, eine Bewährungskommission, nach 14 Ablehnungen die vorzeitige Entlassung auf Bewährung von Jens Söring und Elizabeth Haysom. Gouverneur Ralph Northam respektierte die Entscheidung des Parole Boards, lehnte aber eine Unschuldserklärung ab.

Am 17. Dezember 2019 wurde Jens Söring nach mehr als 33 Jahren nach Deutschland überstellt – unter der Auflage, nie mehr in die USA zurückzukehren.

Elizabeth Haysom wurde am 23. Januar 2020 nach Kanada überstellt.

Interview mit Filmautor Marcus Vetter

Sie waren in den USA im Gefängnis und haben dort ein umfängliches Interview mit Jens Söring geführt. Wie war Ihr Eindruck damals und wie haben Sie Jens Söring bei seiner Ankunft in Deutschland erlebt?

Wir waren im November 2013 bei Jens Söring im Gefängnis – meine Co-Regisseurin Karin Steinberger, ein kleines Kamera-Team und ich. Es war das einzige Interview, das wir führen durften. Danach war es generell verboten in "Level 3"-Gefängnissen zu drehen. Und Jens Söring war in einem sogenannten "Level 3"-Gefängnis.

Er hatte gleich am Anfang gesagt: "Dreht so viel ihr könnt, man weiß nie, wann es wieder möglich sein wird." Er hatte damals vier Stunden lang um sein Leben geredet. Er wollte uns überzeugen, seinen Fall genauer anzuschauen, damit wir seine Unschuld wenigstens in Betracht ziehen. Als wir zurück nach New York fuhren, schwiegen alle im Auto. Niemand von uns fand Worte für das gerade Erlebte. 24 Jahre lang war er damals schon im Gefängnis gewesen. Und ob er das Gefängnis jemals lebend wieder verlassen können würde, war nicht abzusehen.

Wir hatten uns nach dem Interview entschieden, den Film zu machen. Es würde um Themen gehen wie Versöhnung, Rache und die "erste Liebe". Genau sechs Jahre später, im November 2019, kam Jens Söring dann auf Bewährung frei. Kurz vor Weihnachten landete er in Frankfurt. Mehr als die erste Hälfte seines Lebens hatte er hinter Gittern verbracht.

Sie zeigen in der Doku Video-Material der Haysom-Prozesse, die bisher noch nicht zu sehen waren. Wie kam es dazu?

Wir haben bei WSET, dem TV-Sender in Virginia, der den Prozess damals gedreht hat, recherchiert und dort das Material gefunden und lizensiert. Es war unglaublich arbeitsintensiv all das Material zu sichten und zu bewerten. Es gab ja zwei Prozesse: Elizabeth Haysoms Prozess 1987 und Jens Sörings Prozess 1990. Als Zuschauer erleben wir in beiden zwei völlig unterschiedliche Versionen des Tages, an dem der Mord geschah: In der einen geht er ins Kino, um jeweils zwei Kinokarten als Alibi zu kaufen, während sie den Mord an ihren Eltern begeht. In der anderen kauft sie die beiden Kinotickets und er ermordet die Eltern. Ein unglaublich spannender Moment.

Was haben Ihnen die ehemaligen Ermittler, der Richter und der Privatdetektiv, der den Fall wieder aufrollen will, über Jens Söring berichtet – mehr Widersprüchliches oder auch neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Debatte: "Doppelmörder oder Justizirrtum"?

Der Film bewertet ja nicht. Er zeigt auf, dass es berechtigte Zweifel gibt. Abgesehen von Jens Söring, lässt der Film ausschließlich Amerikaner zu Wort kommen. Da gibt es Ricky Gardner, einen der damaligen Sheriffs, der von Jens' Schuld zu 100 Prozent überzeugt ist. Dann gibt es seinen Kollegen Chuck Reed, der sagt, dass der Fall nicht über jeden Zweifel erhaben geklärt wurde, und dass dies beim Strafmaß hätte berücksichtigt werden müssen. Gail Marshall, die ehemalige Generalstaatsanwältin von Virginia, ist von seiner Unschuld überzeugt und kämpft seit Jahren für seine Überstellung nach Deutschland. Der Film lässt den Zuschauer selbst entscheiden.

Haben Sie während der Arbeit an der Doku auch in Erfahrung bringen können, was Jens Söring für sein neues Leben in Deutschland besonders wichtig ist?

Ich glaube Jens Söring möchte vor allem der zweiten Hälfte seines Lebens einen Sinn geben, damit nicht alles nutzlos war. Einmal sagte er mir, es sei ihm wichtig, in den nächsten Jahren immer wieder auf die Missstände der amerikanischen Justiz und ihrer Gefängnisse hinzuweisen, und dabei zu helfen, einen gesellschaftlichen Diskurs über Themen wie "Unschuldsvermutung", "in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten" oder die maximale Länge von Haftstrafen anzustoßen.

Teil 1: Der Mord 

Am 30. März 1985 wurden Derek und Nancy Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia, brutal ermordet aufgefunden. Die örtliche Polizei, und später sogar das FBI werden hinzugezogen. Fünf Jahre danach, am 21. Juni 1990, wurde Jens Söring, der Freund der Tochter Elizabeth Haysom, wegen Mordes ersten Grades an den Eltern seiner Freundin verurteilt und zu zweimal lebenslanger Haftstrafe verurteilt. "Ich bin unschuldig", sagte Söring vor Gericht, bis heute.

Was geschah wirklich in jener Nacht? Die Anwälte von Jens Söring, ein ehemaliger Ermittler des Sheriff-Büros und ein Privatdetektiv versuchen den Fall erneut zu untersuchen. Sie suchen nach einem FBI-Profil, das verschwunden ist. Wo sind die von ihrer Mutter aufgenommenen Aktfotos von Elizabeth, die auf sexuellen Missbrauch als ein Tatmotiv der Tochter hinweisen?

Als die polizeilichen Ermittlungen sich im Herbst 1985 auf Elizabeth Haysom und Jens Söring verdichteten, floh das Paar aus dem Land, erst nach Europa, dann Thailand, und schließlich England.

Teil 2: Der Verrat 

Am 30. April 1986 war das Spiel zu Ende. In London wurden sie unter den Decknamen Christopher P. Noe und Tara Lucy Noe wegen Scheckbetrugs verhaftet. In Untersuchungshaft kam Jens Söring die Idee, die, wie er sagt, sein Leben zerstörte: Er würde der Polizei sagen, dass er den Mord begangen hat, den ohne dieses Opfer würde Elizabeth auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Jens betont, dass er glaubte, dass er als Sohn eines deutschen Diplomaten nach Deutschland überstellt und nur zu ein paar Jahren Jugendhaft verurteilt werden würde. Ein paar Jahre seines Lebens, um ihres zu retten.

Doch dann wurde Elizabeth Haysom in die USA überstellt. Sie bekannte sich schuldig, "Mittäter" des Mordes an ihren Eltern zu sein, und stellte ihn als den "German Bastard" dar. Sie wurde zu 90 Jahren Gefängnis verurteilt.

Zu diesem Zeitpunkt erfuhr Jens Söring in London, dass er nicht unter die diplomatische Immunität seines Vaters fällt. Ihm drohte nun selbst die Todesstrafe. Er zog sein Geständnis zurück und begann, um sein Leben zu kämpfen.  Am 12. Januar 1990 wurde auch Jens Söring in die USA ausgeliefert. Sein Fall löste dort einen Medienrummel aus. Es war der erste Prozess, der in den USA live im Fernsehen übertragen wurde.

Teil 3: Die Alibis 

Jens Söring kämpfte vor Gericht um sein Leben. Ein Reifenexperte durfte vor Gericht über einen blutigen Sockenabdruck aussagen, der am Tatort gefunden wurde. Er erklärte, dass er perfekt mit Jens Fuß übereinstimmt. Doch es gab Blut am Tatort, das nicht Jens zugeordnet werden konnte. Vor Gericht erklärte Jens Söring, dass er auf Elizabeths Bitte hin ein Alibi organisierte, indem er in drei Kino-Filme ging und jedes Mal zwei Karten kaufte, während sie die Eltern umbrachte.

Immer mehr Menschen begannen an Jens Schuld zu zweifeln, eine davon war Gail Marshall, die ehemalige stellvertretende Staatsanwältin von Virginia. Sie sagte, sie habe in ihrer ganzen Karriere nur zwei Fälle gehabt, bei denen sie fest davon überzeugt war, dass die Verurteilten unschuldig sind. Der eine ist mittlerweile ein freier Mann, der andere ist Jens Söring.

Und dann sah Jens Söring zum ersten Mal seit drei Jahren Elizabeth Haysom, als sie vor Gericht erschien, um gegen ihn auszusagen. In ihrer Aussage räumte sie ein, zugelassen zu haben, dass Jens ihre Eltern tötete, dass er aber den freien Willen hatte, diesen Mord zu begehen oder nicht. 

Teil 4: Das Urteil

"Ich bin unschuldig", sagte Jens Söring, als er 1990 in den USA wegen zweifachen Mordes zu zweimal lebenslanger Haftstrafe verurteilt wurde. Seitdem hat er alle Phasen durchlebt: Schock, Wut, Selbsthass, die Suche nach Gott, den Glaubensverlust und den endlosen Kreislauf von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.

Es gab einige Tage, an denen Jens Söring sicher war, er würde nach Hause kommen. Am 12. Januar 2010 genehmigte der demokratische Gouverneur von Virginia, Timothy M. Kaine, an seinem letzten Amtstag die Auslieferung von Jens Söring nach Deutschland. Doch fünf Tage später war alles wieder vorbei. Der neue Gouverneur von Virginia, der Republikaner Robert F. McDonnell, beschloss an seinem ersten Arbeitstag, die Überstellung nach Deutschland zu widerrufen.

Erst weitere neun Jahre später beschloss der Bewährungsausschuss von Virginia Jens Söring und Elizabeth Haysom auf Bewährung freizulassen. Nach mehr als 33 Jahren hinter Gittern wurde Jens Söring am 17. Dezember 2019 nach Deutschland überstellt. Er darf nie wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehren. 

Infos zu ZDFinfo

Die Wissensvermittlung bleibt der Markenkern von ZDFinfo – mit langen Dokumentationsstrecken aus den Bereichen Zeitgeschichte, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft. Wissens-Dokus im "Fernsehen zum Mitreden" sind gefragt: Von Januar bis Mai 2020 erreichte ZDFinfo einen Marktanteil von 1,5 Prozent bei den Zuschauern gesamt und 1,6 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen.

Im gesamten Jahr 2019 erreichte ZDFinfo einen Marktanteil von 1,5 Prozent bei den Zuschauern gesamt und 1,5 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen.

Im gesamten Jahr 2018 erreichte ZDFinfo einen Marktanteil von 1,4 Prozent bei Zuschauer gesamt und in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen.

Zur Entwicklung der Marktanteile:

ZDFinfo erreichte 2017 bei den Zuschauern gesamt einen Marktanteil von 1,2 Prozent – und steigerte seinen Marktanteil in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen auf 1,3 Prozent. 2016 hatte der Digitalsender gegenüber 2015 um 0,2 Prozent zugelegt. Der Sender erreichte sowohl bei den Zuschauern gesamt als auch in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 1,2 Prozent. Im Jahr 2015 erreichte ZDFinfo 1,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen und 1,0 Prozent bei den Zuschauern gesamt. 2014 lag der Marktanteil beim Gesamtpublikum und in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen bei 0,9 Prozent. Beim Start 2011 hatte ZDFinfo lediglich 0,1 Prozent Marktanteil und ist seitdem kontinuierlich gewachsen. 

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