Schöne neue Welt

Wie Silicon Valley unsere Zukunft bestimmt

Mit welchen Ideen wollen die Visionäre der kalifornischen Hightech-Firmen die Welt verändern? Welche Folgen hat es für unser aller Leben, wenn im Silicon Valley die "schöne neue Welt" entsteht? Wie die intelligente Computertechnik dort Entwicklungen beschleunigt und unsere Zukunft bestimmt, das zeigen Angela Andersen und Claus Kleber in ihrer neuen Dokumentation.

  • ZDF, Sonntag, 19. Juni 2016, 23.30 Uhr

Texte

Sendetermine und Stab

Sonntag, 19. Juni 2016, 23.30 Uhr, ZDF

Schöne neue Welt
Wie Silicon Valley unsere Zukunft bestimmt

Film von Angela Andersen und Claus Kleber

Kamera: James Stolz
Produktionsleitung: Carsten Claus
Produzent: ECO Media
Redaktion ZDF: Michael Gries

Länge: ca. 60 Minuten

 

Sendetermin in ZDFinfo: Freitag, 1. Juli 2016, 8.15 Uhr

Schöne neue Welt – Wie Silicon Valley unsere Zukunft bestimmt

Silicon Valley gilt als Mekka für geniale Erfindungen und Erfolgsgeschichten. Facebook, Google & Co. erobern mit Milliarden-Investitionen immer neue Lebensbereiche und Forschungsgebiete. Selbstbewusst stellen sich Branchen-Vordenker den Fragen von Claus Kleber.

Silicon Valley – ein Begriff, der wie kein anderer für das amerikanische Wirtschaftswunder in den 70er und 80er Jahren steht – und für eine digitale Revolution, die noch lange nicht am Ende ist. Die größten Umbrüche in unser aller Leben sind vielleicht gerade erst im Entstehen begriffen, wie Angela Andersen und Claus Kleber in ihrer einstündigen Dokumentation zeigen. Das ländliche Tal südlich von San Francisco bekam seinen Namen, als dort Hightech-Firmen aus Silizium, englisch "silicon", erste Mikroprozessoren und Speicherchips bauten, und gleich auch noch die Software entwickelten, mit der Computer die ganze Welt eroberten. Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte konnte sich eine technische Innovation derart rasant verbreiten.

Umso erstaunlicher, dass sich trotz der Globalisierung eines "digitalen" Lebensstils durch Handys, Navis, Laptops und vor allem Internet und Social Media die revolutionären Entwicklungen immer noch im Silicon Valley abspielen. Das Mekka der digitalen Kreativität steht für die Erfolgsgeschichten von Facebook, Google und Co., eine neue Form des ungezügelten Unternehmertums. Mit Chancen und Risiken, die jede Vorstellungskraft übersteigen. Denn sie dringen auch in völlig neue Bereiche außerhalb der klassischen IT-Technik vor. Dazu zählt, dass in den vergangenen Jahren bahnbrechende Erfindungen in der Gentechnik oder in der Hirnforschung durch neue Formen der künstlichen Intelligenz möglich werden.

Angela Andersen und Claus Kleber suchen deshalb danach, wo bei dieser rasanten technischen Entwicklung der Mensch bleibt und lassen Forscher und Vordenker dieser neuen Wissenschaftswelt zu Wort kommen. In die Faszination des Neuen mischt sich auch journalistische Skepsis. Ahnen die Visionäre des Silicon Valley, dass die Lawine, die sie losgetreten haben, sie selbst überrollen kann?

Silicon Valley, das steht auch für unvorstellbare Geldsummen. Die Giganten des Silicon Valley und reiche Investoren kaufen alles auf, was Profit verspricht. Instagram, eine App zum Tauschen und Aufpeppen von Fotos, war Mark Zuckerberg eine Milliarde Dollar wert. Das Start-up von Palmer Luckey, der eine einfache Datenbrille entwickelt hatte, sogar ganze zwei Milliarden, weil Facebook davon ausgeht, dass solche Technologien, mit denen man ganz in den virtuellen Kosmos eintauchen kann, die Zukunft der Kommunikation darstellen. Wer so viel Geld zur Verfügung hat wie die neuen Superreichen des Silicon Valley, kann auch andere Bereiche der Welt verändern, durch Investitionen in Weltraumfahrt, Medizin- und Gentechnik, soziale Projekte und die Suche nach außerirdischer Intelligenz. Ganz ohne Kontrolle durch "altmodische" Institutionen wie Parlamente, selbst wenn damit weitreichende soziale Folgen verbunden sind. Selbstlenkende Autos machen Berufskraftfahrer arbeitslos, Wohnungsbesitzer werden durch Apps zu Hotel-Unternehmern, Liebesverhältnisse per Algorithmus angebahnt, die industrielle Produktion erhält Konkurrenz durch heimische 3D-Drucker. Banker, Makler, Ärzte: Keine Branche bleibt verschont vom Wandel und den Daniel Düsentriebs mit Milliarden-Budget.

Wie schon in ihren vorhergehenden Dokumentationen gelingt es Angela Andersen und Claus Kleber, das Unmögliche möglich zu machen: In 60 Minuten bringen sie das vielschichtige, komplexe Phänomen Silicon Valley so auf den Punkt, dass jeder versteht, warum es so wichtig ist, mehr darüber zu wissen, wie dort unsere Zukunft bestimmt wird.

"Es geht so viel Energie vom Silicon Valley aus"
Interview mit Claus Kleber

Mit Angela Andersen sind Sie bereits 2007 in der ZDF-Dokumentation "Amerikas andere Seite" dem nachgegangen, was Kalifornien und vor allem das Silicon Valley "besser macht". Wie ist die Entwicklung weitergegangen? Inwiefern bestimmt das Silicon Valley heute unsere Zukunft?

Es ist rasant weitergegangen: in der Medizin, in der Hirnforschung, in der Art, wie wir als Gesellschaft kommunizieren, Entscheidungen treffen, Stimmungen messen und beeinflussen – all das wird sich verändern durch die Entwicklungen derzeit in Silicon Valley. Dort wird die Welt auf eine Weise auf den Kopf gestellt, wie es das in der Entwicklung der menschlichen Zivilisation selten gegeben hat. Es geht so viel Energie von dort aus – und eben das versuchen wir in den 60 Filmminuten unserer neuen Dokumentation zu erfassen.

Viele Pioniere im Silicon Valley sind bisher nicht durch Interviewmarathons und überbordende Auskunftsfreude aufgefallen. Wie leicht war es denn, die richtigen Gesprächspartner für Ihre Doku zu bekommen?

Silicon-Valley-Größen wie Larry Page, der Google-Gründer, oder Mark Zuckerberg von Facebook geben so wenig Interviews wie möglich – diesen Gesprächspartnern nachzujagen, lohnt meist nicht. Viel interessanter sind Vordenker wie Astro Teller, der Google X leitet, die Forschungseinheit des Internetkonzerns. In den Gesprächen mit diesem breit aufgestellten Intellektuellen wird das neue Bild des Silicon Valley klarer. Der Enkelsohn des amerikanischen Physikers Edward Teller wurde von Larry Page und Sergey Brin dafür engagiert, die Milliarden Dollar, die im hohen Tempo "reinkommen", in neue Projekte umzusetzen. So ist Astro Teller mit seinem Google X-Labor beauftragt, so viele unmögliche Ideen möglich zu machen, wie er nur kann: das selbstfahrende Auto, die Kontaktlinse, die permanent den Blutzucker misst, der Minicomputer, den man schluckt, damit die Diagnostik aus dem Körperinneren möglich wird. Vom Google Translator für sämtliche Sprachen der Welt bis zur künstlichen Intelligenz werden in hoher Frequenz Sachen ausprobiert, bei denen die Forscher auch bereit sein müssen zu scheitern. Und Geld ist genug vorhanden, dass sie sich das Scheitern auch leisten können.

Haben Sie denn auch Gesprächspartner getroffen, die Bedenken geäußert haben, dass man nicht alles einfach erstmal ausprobieren kann, sondern auch gelegentlich überlegen sollte, wohin manche Entwicklung führen könnte?

Wenn einem die Gesprächspartner mit großen Augen erzählen, was sie alles möglich machen wollen, fasziniert einen das zunächst. Sie sagen: Eine Millionen Menschen sterben pro Jahr durch Autounfälle – lasst uns ein Auto bauen, das selbst fährt und keine Unfälle mehr produziert. Wir würden da nun erst einmal Fragen stellen, wie: Ist das denn so? Und wollen wir mit den selbstfahrenden Autos unsere Datenströme eigentlich permanent erweitern? Wollen wir zudem, dass 17 Millionen Jobs den Bach runtergehen, die in den USA mit der Autoindustrie verbunden sind? Ein Gesprächspartner sagte uns, eine der großen Stärken des Silicon Valley sei, dass die Regierung zu langsam agiere, um die Entwicklungen dort zu kontrollieren. Ein anderes Beispiel: Jennifer Doudna, Professorin an der Universität Berkeley und Revolutionärin der Gentechnik, weiß durchaus, dass sie die "Büchse der Pandora" geöffnet hat, sagt aber: Zurückholen können wir das nicht mehr.

Wie hat diese Gesprächspartnerin denn die Gentechnik vorangebracht?

Im Labor von Professorin Doudna wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem man die Gene von Pflanzen, Tieren und Amöben punktgenau erfassen und verändern kann: Man schneidet sie – wie Absätze in einem Word-Dokument – einfach heraus und setzt sie woanders wieder ein. Mit dieser Technik werden in China bereits Tiere gezüchtet.

Welche Entwicklung im Silicon Valley – von der Gentechnik bis zur Hirnforschung – hat Sie denn auf dieser Recherchereise besonders überrascht?

Am meisten hat mich die Unbefangenheit vieler Forscher überrascht. So sagte mir ein Gesprächspartner, dass er permanent von einem Computer begleitet werden möchte, der alle seine Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse aufzeichnet und der es möglich mache, wenn wir uns nach 20 Jahren zum Gespräch wiedertreffen würden, dass er ihm melde: den hast du vor 20 Jahren da und dort getroffen und ihr habt dies und das besprochen. Ich finde das eine eher unheimliche Vorstellung. Insgesamt sind die Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz bemerkenswert – gerade, wenn es um schöpferische Intelligenz aus dem Rechner geht, die permanent dazu lernt. Elon Musk, der mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX und den Tesla-Motoren bekannt wurde, sagte dazu: "Ich habe dort Geld investiert, um es unter Kontrolle zu halten – irgendwann können uns die Maschinen überholen." Der Neurowissenschaftler Adam Gazzaley arbeitet deshalb daran, dass wir unser Gehirn verbessern. Er geht davon aus, dass wir das Gehirn, mit dem wir vor vielen tausend Jahren von den Bäumen geklettert seien, schneller machen müssen, sonst kommen wir mit den Informationsströmen gar nicht mehr zurecht, die auf uns einprasseln.

Ist denn Ihre Faszination für das Silicon Valley nach diesen neuerlichen Dreharbeiten in Kalifornien weiter ungebrochen?

Es ist absolut faszinierend – mit schillernden Farben von: „Hoffentlich schafft ihr das“ bis zu „Gott, was macht ihr da“. Aber es wird in jedem Fall unsere Zukunft mitbestimmen, deswegen müssen wir uns dieser "schönen neuen Welt" stellen.

Und was sagen Sie Ihren Zuschauern, auf was diese sich in den 60 Filmminuten einstellen müssen?

Es wird kein Film, in dem Nerds auf Bildschirme starren und dauernd irgendwelche LED-Lampen blinken, sondern ein optisch vielfältiger Film, bei dem die Zuschauer hinterher hoffentlich sagen. Wow, das hatte ich mir nicht vorgestellt, dass die Entwicklung schon so weit ist.

Mit Claus Kleber sprach Thomas Hagedorn.

Biografische Infos zu Filmautorin und Filmautor

Angela Andersen berichtet seit über 20 Jah­ren aus den Verei­nigten Staa­ten. Während ihres Studiums in Hamburg und im An­schluss daran war sie redaktionelle Mitar­bei­terin bei Zeitschriften, Rundfunk und Fernse­hen im In- und Aus­land.

Von 1993 bis 1998 realisierte sie mit der Produktionsfirma "Sto­ries Unlimited Inc.", deren Mitinhaberin sie war, 27 Reportagen für die Reihe "24 Stunden" (SAT.1). Von 1992 bis 2009 arbei­tete sie außerdem als Producerin und Autorin für die ARD. In dieser Zeit entstanden neben zahllosen aktuellen Be­richten unter ande­rem die Dokumentationen "Kuba – Revolution ohne Hoffnung" (ARTE), "Tag des Terrors – Der 11. September" (NDR), "Flie­gende Ärzte" (WDR) und die ARD-Reihe "Mein Amerika". Im Präsi­dentschaftswahlkampf 2008 und bei der Amtseinführung Ba­rack Obamas im Januar 2009 war sie als Producerin für die ARD in den Vereinigten Staaten unterwegs.

Für die ZDF-Reportage "Allmacht Amerika" – ihre erste Zu­sam­menar­beit mit Claus Kleber für das ZDF – filmte sie US-Soldaten in Thailand und Korea und porträtierte Vordenker und Kritiker der aktuellen ameri­kanischen Politik in Washington, New York und Boston. Die Reportage wurde mit dem RIAS-Preis in Berlin aus­gezeichnet. Im Dezember 2003 strahlte das ZDF ihre zusammen mit Claus Kleber entstandene Doku­menta­tion "Menschen im Mor­genland" aus. Darüber hinaus berichtete sie für den Dreiteiler "Amerikas Kreuzzüge" aus Afghanistan (2004) und realisierte zu­sammen mit ZDF-Autor Jens Monath die zweiteilige Kennedy-Biografie "Die Kennedys – Triumph und Tragödie" (2006).

Zuletzt beschäftigten sich ihre großen ZDF-Produktionen (wie­der mit Claus Kleber) mit globalen Fragen: "Die Bombe" (Deutscher Fernsehpreis 2008), "Machtfaktor Erde" (2011) sowie "HUNGER!" und "DURST!" (2014). Angela Andersen lebt in Massachusetts/USA.

 

Claus Kleber, 1955 in Reutlingen geboren, moderiert seit 2003 das "heute-journal". Bereits während sei­ner Schulzeit war Kle­ber journalistisch tätig – als freier Mitarbeiter für den Kölner Stadtan­zeiger. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften legte er 1983 das zweite juristische Staatsexamen ab, die Pro­motion zum Dr. jur. folgte 1985.

Während des Studiums war Claus Kleber freier Mitarbeiter beim Südwestfunk. 1985 und 1986 leitete er das SWF-Studio in Kon­stanz. Von 1986 bis 1989 berichtete er als Hörfunk-Korrespon­dent für SWF und DLF aus Washington. 1989 wurde er Chefre­dakteur von RIAS Berlin, ging dann 1990 nach Washington, dies­mal als Hörfunk-Korrespondent für NDR/WDR. Ab 1992 berichtete Claus Kleber als ARD-Fernsehkorrespondent aus dem Studio Washington, 1997 über­nahm er die Leitung des Studios. Im Juli 2002 wurde Claus Kleber Leiter des ARD-Stu­dios in London.

Seit Februar 2003 ist Claus Kleber Moderator des ZDF-"heute-journals", das er bis Ende 2008 auch leitete. Seit Anfang 2009 trägt Kleber als Erster Moderator bei der inhaltlichen und kon­zep­tionellen Weiterentwicklung des "heute-journals" besondere Ver­antwortung. Außerdem ist er bei journalistischen Pro­gramm­schwerpunkten ein her­ausragendes Gesicht des Sen­ders.

Seine großen ZDF-Dokumentationen (gemeinsam mit Angela An­dersen) waren bei Kritik, Wettbewerben und Publi­kum große Erfolge - die mehrteiligen Dokumentationen über Weltregionen (Arabien, Indien, Afghanistan) ebenso wie die zu aktuellen Problemen ("Die Bombe" (2008), "Machtfaktor Erde" (2011), "HUNGER!" und "DURST!" (2014). Seine Bücher "Amerikas Kreuzzüge" und "Spielball Erde" wurden Bestseller.

Claus Kleber wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem RIAS-Preis für seine USA-Berichterstattung (1999, 2004 und 2008), dem Deutschen Fernsehpreis (2005, 2007 und 2009), dem Grimme-Preis (2009) und dem Hanns-Joachim Friedrich-Preis für Fernsehjournalismus (2010).

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