Unter Verdacht - Mutterseelenallein

ZDF-Samstagskrimi

In der 22. Folge der beliebten Samstagskrimi-Reihe wollen Senta Berger alias Eva Maria Prohacek und Rudolf Krause als ihr Assistent André Langner (Mitte) die Versäumnisse beim Jugendamt aufdecken, nachdem ein neunjähriger Junge zu Hause bei seiner Mutter ums Leben gekommen ist. Sagt Martin, der ältere Bruder des Verstorbenen (Rafael Gareisen, rechts), bei Kommissar Ankowitsch (Edmund Telgenkämper, links) die Wahrheit? 

  • ZDF, Samstag, 6. September 2014; 20:15 Uhr

Texte

Stab

BuchStefan Holtz, Florian Iwersen
RegieMartin Weinhart
KameraJo Heim
SchnittMatthias Wilfert
TonMichael Mladenovic
MusikSebastian Pille
SzenenbildChristian Kettler
KostümbildMika Braun
MaskeBarbara Spenner, Germaine Mouth
LichtChris Böck
AufnahmeleitungPhilipp Alzmann
HerstellungsleitungManu S. Scheidt
ProduzentMario Krebs
RedaktionElke Müller, Dominik Kempf

Eine ZDF-Auftragsproduktion der EIKON Media GmbH, Berlin

Besetzung

Dr. Eva Maria ProhacekSenta Berger
Andrè LangnerRudolf Krause
Dr. Claus ReiterGerd Anthoff
Petra MolnarUrsula Strauss
Martin MolnarRafael Gareisen
David MolnarPhilipp Franck
Jörg WegenerPhilippe Graber
Josef HaberfeldtMichael Lerchenberg
Kommissar AnkowitschEdmund Telgenkämper
Jugendamtsleiter HortingerThomas Limpinsel
Hauptkommissar KuferNorman Hacker
Sabine DillingKatharina Schmidt
und viele andere

Inhalt

Als die Polizei nach einem Notruf in der Wohnung von Petra Molnar eintrifft, ist ihr neunjähriger Sohn David  bereits tot. Laut ihren Angaben hat sie ihn erhängt in seinem Zimmer aufgefunden. Die Polizei bezweifelt ihre Aussage und verhaftet die verzweifelte Mutter. Da der ältere Sohn sie bei seiner Vernehmung zusätzlich belastet, scheint die Sache klar.

Eva Maria Prohacek und André Langner von der internen Ermittlung werden hinzugezogen, um zu überprüfen, ob es Versäumnisse seitens des Jugendamtes gab, das sich seit geraumer Zeit um die Familie kümmern sollte. Und tatsächlich scheint man dort Hinweise auf körperliche Gewalt nachlässig behandelt zu haben.

Doch dann erweist sich die belastende Aussage des älteren Sohnes als falsch, und Petra Molnar wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Für die Sensationspresse ist sie nun ein Opfer polizeilicher Willkür. Der Wirbel passt Eva Prohaceks Vorgesetztem Claus Reiter gar nicht, hat er doch gerade gute Chancen,  Münchner Polizeipräsident zu werden. Er möchte den Fall schnellstmöglich zu den Akten legen  und entzieht Eva, die sich weigert, an den Freitod des Jungen zu glauben, den Fall. Doch die lässt nicht locker, und es gelingt ihr, mit der Hilfe eines kleinen Mädchens aus der Nachbarschaft Davids, Licht ins Dunkel dieser Familientragödie zu bringen.

Interview mit Senta Berger

In "Unter Verdacht“ werden die menschlichen Abgründe immer frontal angegangen, so auch in "Mutterseelenallein", in der sich ein neunjähriger Junge das Leben genommen haben soll. Wieso gehört dieser Fall zu einem der härtesten, den Eva Prohacek jemals zu lösen hatte?

Ein Kind will sterben. Ein Kind! Kein unglücklicher junger Mensch, der mit seinen Erwartungen an das Leben, an sich selbst  und mit seiner Einsamkeit nicht fertig wird. Ein gesundes Kind von neun Jahren! Das ist nicht vorstellbar. Und auch für Eva Prohacek nicht. Ein Kind wünscht sich ein anderes, ein besseres Leben - das ja. Aber ein Kind wünscht sich doch nicht den Tod. Es kann sich ja noch nicht einmal das Leben vorstellen, geschweige denn das Nichts. Oder stellt das Kind sich den Tod vor, wie ihn ihm Erwachsene im Märchen vorgaukeln? Engel werden kommen und das Kind auf breiten Flügeln in den Himmel tragen …

Der Fall ging allen nahe, also den Figuren im Film, die wir verkörpern, aber auch uns allen, die wir diese Geschichte erzählt haben. Da komme ich morgens an den Drehort, noch sehr privat und meistens auch gut aufgelegt und stehe plötzlich in dem Kinderzimmer, in dem ein Seil von der Decke baumelt. Ein Seil, mit dem der kleine Junge sich erhängt hat. Ein Seil, mit dem sich in der Realität niemand erhängt hat; der Ausstatter hat das Kinderzimmer gebaut mit allen liebevollen Details, und er hat auch das Seil angebracht … Ich weiß das. Wir alle wissen das. Dennoch arbeiten wir schweigend, sehr konzentriert, kein lautes, kein lustiges Wort fällt - wie in einem Sterbezimmer. Die Vorstellung, dass es so sein könnte, wie es in unserem Buch geschrieben worden ist, die Vorstellung, dass es so sein könnte, dass ein kleiner Junge nicht mehr Aus und Ein weiß und von Engeln in den Tod getragen werden möchte, tut weh und begleitet unsere Arbeit. Dass Eva Prohacek gerade diesen Fall des allerschlimmsten Missbrauchs eines Kindes durch seine Mutter, nämlich das Kind mit in den Tod zu nehmen, geradezu verzweifelt verfolgt und aufklären muss, ist doch nur zu gut verständlich.

Prohacek, die immer konsequent ist und sich gerne einmischt, legt in diesem Fall eine besondere Starrsinnigkeit an den Tag. Liegt es daran, dass sie selbst ihren Sohn bei einem Autounfall verloren hat? 

Sicher ist man für den Rest des Lebens gezeichnet, wenn man ein Kind verloren hat. Wenn die Kinder vor den Eltern sterben, bleibt das eine Wunde, die nie heilt. So fühlt auch Eva. Aber ich glaube nicht, dass Evas Gerechtigkeitssinn, ja oft auch Fanatismus, mit dem sie sich oft auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit  ins Unrecht setzt, auf ihre Schuldgefühle ihrem toten Sohn gegenüber zurückzuführen ist. Als könne sie sich so von der vermeintlichen Schuld am Tode ihres Sohnes reinwaschen. Nein, das ist einfach Evas Charakter, das sind ihre Anlagen, das ist ihr Beruf. 

Nun ist es aber auch schwierig, die Ereignisse der ersten Folge, in der der Autounfall erzählt wird, bei dem Eva am Steuer saß und ihr Sohn ums Leben kam, allen Zuschauern von "Unter Verdacht" im Gedächtnis zu halten. Immerhin liegt die erste Folge 13 Jahre zurück! Und in all den Jahren kamen zu "Unter Verdacht" viele Zuschauer dazu - und immer wieder viele jüngere. Wir sind also bemüht, unsere Filme so zu erzählen, dass sie für alle Zuschauer begreifbar und spannend sind, ohne dass man den Tod von Evas Sohn erinnern können muss. 

Der Jugendamtsleiter sagt im Film zu Eva Prohacek und ihrem Kollegen André Langner: "Es wird weitere tote Kinder geben". Diese Aussage klingt erschütternd. Wieso kommt er zum diesem Schluss? Hat er am Ende vielleicht Recht?

Es ist eine traurige Gewissheit, dass das Jugendamt den Tod von Kindern durch Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung in ihren Familien und durch ihre engsten Familienmitgliedern - durch Vater und Mutter - nicht verhindern kann. Selbst wenn die Mitarbeiter des Jugendamtes besser ausgestattet wären in Kompetenz und finanziellen Mitteln (was sie nicht sind), ließen sich diese erschütternden Fälle, über die wir in der Zeitung lesen oder uns zwingen müssen zu lesen, nicht verhindern. Das Dilemma, ein durch die eigenen Eltern gefährdetes Kind dennoch in der Familie zu lassen oder das Kind zu Pflegeeltern zu geben, ist groß und oft unlösbar. Die Bereitschaft zu Gewalt wächst gerade bei jungen Eltern, die oft überfordert sind, oft selbst Gewalt als Kind erfahren haben und nun ihr Kind leiden lassen. Das Jugendamt kann Ursachen nicht korrigieren, nicht dort ansetzen, wo man müsste . Und doch gibt es viele gute  Beispiele über die Arbeit und den Erfolg des Jugendamtes; es gibt dort wunderbare engagierte Sozialarbeiter, die vielen Kindern und Jugendlichen unverzichtbare Lebensbegleiter geworden sind. Das darf man nicht vergessen.

Interview mit Ursula Strauss

Sie spielen eine Mutter, die ihre Kinder stark vernachlässigt, depressiv ist und trinkt. Sie selbst sind in einer Großfamilie mit drei Brüdern aufgewachsen, haben neun Nichten und Neffen. Wie sehr berührt Sie das Schicksal der Familie Molnar?

Es berührt mich sehr. Die Auswegs- beziehungsweise Hilflosigkeit in einer solchen Situation nimmt einem schier den Atem.
 Die Kinder, die in dieser überfordernden und schrecklichen Situation so alleingelassen sind von allen Seiten und die - zusätzlich zu aller Einsamkeit die Schmerzen der Mutter, die sie ja trotz allem lieben und die wiederum ihre Kinder liebt - so stark spüren; das ist ein emotional unerträglicher und fast nicht händelbarer Zustand.

Sie sind gelernte Kindergärtnerin. Inwieweit können Sie die Handlungen des Jugendamts im Film nachvollziehen, David nicht in staatlichen Obhut genommen zu haben. Das scheint ein schmaler Grat zu sein ...

Es ist ein sehr schmaler Grat, und es liegt in unserer Natur, sofort ,nachdem etwas Schlimmes passiert ist, einen Schuldigen zu suchen, um uns selber reinwaschen zu können.
 So leicht ist das aber nicht. 
Wir müssen beginnen, das System zu hinterfragen, in dem wir alle miteinander leben.

Der Kapitalismus frisst langsam aber sicher alles Menschliche auf.
 Wer zu schwach ist in dieser perfektionistischen Welt, der wird ungesehen und ungehört verschluckt.
 Sich als Kind aus so einer Situation zu befreien bedarf glücklicher Zufälle und Begegnungen und sehr viel Eigeninitiative und Kraft. 
Ich wüsste nicht ob ich ohne meinen gesunden Background und die Stärke und Liebe meiner Familie in der Lage dazu wäre mich aus mir selbst heraus zu erstarken und meinen Weg zu gehen.

Petra Molnar wirkt zerbrechlich und kaputt, gleichzeitig aber auch sehr bedrohlich und zu allem bereit. Ist es schwierig, sich in solche Figuren hineinzudenken? Wie bereitet man sich auf solch eine Rolle vor? Mögen kann man die Person ja nicht, die man da spielen soll.

Doch man muss sie mögen, um sie spielen zu können. 
Sie ist ja kein böser Mensch. Ihr Tun entspringt keiner Überlegung, keiner Absicht.
 Das Bewusstsein und der klare Entschluss, Anderen zu schaden, dafür gibt es meiner Meinung nach keine Entschuldigung.
 Aber Petra Molnar ist krank und hilflos, auf ihre Art verloren und gefangen in so großer Wirrniss und Verzweiflung, dass sie weit entfernt von bewusst gesetzten Entscheidungen selbst in einem großen Abgrund gefangen scheint.

Die Interviews führte Franziska Dotzauer.

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