Twinfruit - Die Dose muss menschlich werden

Mockumentary - ZDF/Das kleine Fernsehspiel

Blenden und verführen - das ist das Hauptgeschäft der Werbebranche. Ein Team von Dokumentarfilmern begleitet die Werbeagentur Kleiber & Partner bei ihrer Arbeit. "Twinfruit –  Die Dose muss menschlich werden" ist ein satirisch entlarvender Blick hinter die Kulissen der Werbung.

  • ZDF, Montag, 7. September 2015, 00.05 Uhr

    Texte

    Stab

    Buch 

    Matthias Thönnissen
    (Nach einer Idee von Michael Halberstadt, Ben Rodrian, Matthias Thönnissen)

    Regie  Matthias Thönnissen
    Kamera  Sebastian Bäumler
    Schnitt Ilse L’Orange
    Musik  Oliver Thiede
    Ton  Alexander Rubin
    Sounddesign  Andreas Rudroff, Oliver Vorderbrügge, David Wasliewsky
    ProducerNadine Schnappinger
    Produzenten Florian Schneider, Maren Lüthje, Andreas Hörl
    Produktion   lüthje schneider hörl | FILM im Auftrag von ZDF/ Das kleine Fernsehspiel
    Redaktion   Lucia Haslauer
    Länge  73 Minuten

                          

    Besetzung 

    Lutz Wolf Ben Rodrian
    Gunnar Kleiber Michael Halberstadt
    Wolter Lüttke Anton Schneider
    Valerie SchneiderChristiane Bärwald
    Karl-Heinz Hansen Jens Weisser
    Sabine Gerstenberg Alexandra Helmig
    Müller  Gabriel Raab
    Adrian Kosinovic  Matthias Thönnissen
    Konstanze Wiegand Kirstin Fischer
    ErdbeereEva Löbau
    Praktikant ThomasLukas von der Lühe

    Inhalt

    Die Kreativen der Agentur um Lutz Wolf entwickeln eine Kampagne, die den deutschen Werbefilm für immer verändern wird. So frisch, knackig und tief menschlich wurden Dosenfrüchte nie zuvor inszeniert. Werber wissen: Auf die Idee kommt es an. Die Idee muss fliegen.

    Da ist es egal wie sperrig das zu bewerbende Produkt ist. "Die richtige Kampagne kann auch Dosenfrüchte sexy und begehrenswert machen." Klingt einfach wenn es der Werbeprofi Lutz Wolf sagt – ist es aber nicht.

    Schnell wird klar: die Realität in der Werbebranche hat nur wenig mit dem Hochglanz-Image der "Mad Men" gemein: der Agenturchef Gunnar Kleiber (Michael Halberstadt) hat seine besten Tage hinter sich, der Kreative Lutz Wolf (Ben Rodrian) ist ein Kreativer ohne Einfälle und als mit der Produktion des TV-Spots der Regisseur Adrian Kosinovic (Matthias Thönnissen) mit ins Projekt einsteigt, beginnt ein sinnloser Kleinkrieg der Egomanen. Die Marketingleiterin Sabine Gerstenberg (Alexandra Helmig) und ihr Chef, Firmenpatriarch Hansen (Jens Weisser) warten unterdessen auf die revolutionäre Dosenkampagne.

    Statement des Regisseurs Matthias Thönnissen

    Wenn ich Werber frage, ob sie sich in "Twinfruit" wiedererkennen, dann sagen die meisten: "Die Realität ist noch viel verrückter - aber das würde niemand glauben." Beste Grundlage für eine Satire. In den Jahren, in denen ich mit Werbung zu tun hatte, ist mir immer wieder aufgefallen: Diese Menschen haben das Blenden und Verführen zum Beruf gemacht - und fallen doch immer wieder auf sich selbst und ihre Branche rein. Das finde ich faszinierend. Darum gibt es in "Twinfruit" diese Figuren, die sich so unglaublich ernst nehmen, die überhaupt keine kritische Distanz zu sich und ihrer Arbeit haben. Die Form des "gefälschten Dokumentarfilms" ist da sehr hilfreich, denn der Dokumentarfilm bietet diesen Figuren eine Bühne. Hier zeigen sie sich so, wie sie sich gerne selber sehen - und der Zuschauer kann Lutz, Gunnar und Adrian durchschauen, sie beim Lügen und Selbstbelügen ertappen. Das macht großen Spaß und bildet eine zusätzliche Erzählebene.

    Der Dreh selbst war ein Experiment. Es gab ein Drehbuch mit Szenen und Dialogen - gleichzeitig war jeder Schauspieler und jedes Teammitglied eingeladen Eigenes beizutragen. Ich habe das "Pflicht" und "Kür" genannt. Wenn die Pflicht im Kasten war, dann durfte noch wild improvisiert werden. Jeder Darsteller hatte seine Rolle soweit verinnerlicht, dass er jederzeit richtig beziehungsweise plausibel aus der Figur heraus agieren konnte. Das gilt aber auch für Departments wie Ausstattung und Kostüm: alle hatten Raum, um sich auszutoben. Ich hatte die Hoffnung, dass so eine große zusätzliche Motivation entsteht - und damit habe ich Recht behalten.

    Es ist tatsächlich gelungen eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle in einen richtigen Schaffensrausch gefallen sind. Während dem Spielen konnte man aus der Figur heraus Neues erfinden - und das ist eine sehr befriedigende Erfahrung. Nicht nur für Schauspieler. Und so hat Wolter tatsächlich das "Dobst" erfunden und im Meeting fühlte sich Frau Gerstenberg tatsächlich an "Dope" erinnert. Ich kann nicht oft genug betonen wie groß der Spaß an diesem Dreh war und ich hoffe das ist im Film zu spüren. Mein Dank gilt allen, die das Experiment mit mir gewagt haben.

    Statement des Produzenten Florian Schneider

    Matthias Thönnissen hat sein Talent mit kleinen, erlogenen Situationen "große Geschichten" zu erzählen, schon bei dem "Lerchenberg"-Spin-Off "Das Lachen ist nur aufgemalt, Tagebuch eines Mainzelmännchens" unter Beweis gestellt.

    "Twinfruit" geht nun ein Stück weiter und entlarvt die Werbebranche in ihrer oberflächlich, verlogenen Selbstinszenierung. Die beobachtende Kamera einer vermeintlichen Dokumentation erlaubt uns einen unverstellten, satirisch bösen Blick hinter die Fassade der Werbe-Spot Produktion für den Kunden Hansen Konserven.

    Warum das Genre Mockumentary? Der Zuschauer mag es, wenn er auf kluge Weise angelogen wird. Im Schwebezustand des Zweifelns über den Realitätsgehalt des Dargestellten entstehen feinsinnige satirische Momente, überraschende Lacher und eine starke Empathie für die Figuren. Wenn dem Film eine Gratwanderung zwischen Beglaubigungsanstrengung und satirischer Übertreibung gelingt, funktioniert er wie ein guter Dokumentarfilm: Der Zuschauer ist emotional involviert, füllt die Leerstellen der Handlung, interpretiert kritisch die Aussagen der Figuren, macht sich sein eigenes Bild. Gerade durch die vermeintliche "Echtheit" schmerzt dabei das Lachen immer auch ein bisschen. Und so soll es sein.

    Um die Gratwanderung zwischen Fiktion und Dokumentation zu ermöglichen, haben wir gemeinsam mit Matthias eine lebensecht inszenierte Bühne erschaffen, durch eine detaillierte und zum Teil überhöhte Ausstattung. So konnten sich in dem Setting Team und Darsteller frei entfalten. Die beobachtende Kamera fing das inszenierte und improvisierte Spiel als vermeintlich "echtes" Leben ein.

    So leidet man mit den Figuren, schämt sich für sie und durchlebt das emotionale Chaos einer Werbefilmproduktion. Bis man sich am Ende darüber freut, dass man die eigene Seele noch nicht für Dosenobst verkauft hat.

    Zusatzinformation

    Die Mockumentary "Twinfruit – Die Dose muss menschlich werden" portraitiert eine Branche, deren Hauptgeschäft das Blenden und Verführen ist. Wenn sich die Kreativen der Agentur mit großer Ernsthaftigkeit einer Kampagnen-Idee für Dosenobst widmen, hat man das unwillkürliche Gefühl, dass diese Menschen sich vor allem selbst blenden.

    Regisseur und Autor Matthias Thönnissen entzaubert ausgerechnet die Branche, die vor allem damit beschäftigt ist die eigene fast mythische Macht und Kreativität zu feiern.

    Biografie

    Für Autor und Regisseur Matthias Thönnissen bildet ab 2001 der Filmschnitt den Einstieg in die Branche. Als Editor arbeitet er einige Jahre an Spiel- und Dokumentarfilmen. Mehr und mehr interessiert er sich für die Schriftstellerei. Es folgen Stipendien und Veröffentlichungen von Geschichten und Theaterstücken. Erste Regiearbeiten sind der Dokumentarfilm 20 Seconds of Joy (als Co-Regisseur) und die Mockumentary Tracking the Soul, weiterhin entsteht der Dokumentarfilm Überflieger und diverse Regiearbeiten im Bereich Image/Werbung. Die Idee zu "Twinfruit – Die Dose muss menschlich werden" entsteht zusammen mit den langjährigen Freunden Michael Halberstadt und Ben Rodrian. Alle drei geben in "Twinfruit – Die Dose muss menschlich werden"  ihr Debüt als Darsteller.

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