Breslau 2.0 / Deutsche Spuren in Russland

Zwei Dokus mit geschichtsreichem Blick gen Osten

Deutschen Spuren in Polen und Russland gehen "zwischen den Jahren" zwei ZDF-Dokumentationen nach. Zunächst spürt ZDF-Korrespondent Armin Coerper in der polnischen Boomtown Breslau/Wroclaw dem deutschen Erbe in dieser europäischen Kulturhauptstadt des kommenden Jahres nach. Zwei Tage später gehen die Filmemacher Bernd Reufels und Klaus Kastenholz auf historische Spurensuche im winterlichen St. Petersburg und in den Weiten Russlands. Als Erzähler erinnert Heino Ferch in dieser Dokumentation an Deutsche, die über Jahrhunderte hinweg Anteil an der Geschichte Russlands hatten.

  • ZDF, Sonntag, 27. Dezember 2015, 19.15 Uhr / Dienstag, 29. Dezember 2015, 22.40 Uhr

    Texte

    Sendetermine und Stab

    Sonntag, 27. Dezember 2015, 19.15 Uhr, ZDF
    Breslau 2.0 Boomtown mit Geschichte

    Film von Armin Coerper

    Produzent: ZDF
    Kamera: Tomasz Deblessem
    Redaktion: Paul Amberg, Claudia Ruete
    Länge: ca. 15 Minuten

     

    Dienstag, 29. Dezember 2015, 22.40 Uhr, ZDF
    Deutsche Spuren in Russland
    Von Zaren, Siedlern und Soldaten

    Film von Bernd Reufels und Klaus Kastenholz

    Produzent: Kelvinfilm
    Schnitt: Miriam Weinandi
    Redaktion: Michael Gries, Ursula Schmidt
    Länge: ca. 45 Minuten

    Breslau 2.0 – Boomtown mit Geschichte

    Uralt, voller Geschichte – und überall ist der Aufbruch spürbar: Breslau, eine Stadt, die stolz ihr deutsches Erbe trägt und zugleich eine polnische Boomtown ist.

    1945 verloren die Deutschen Breslau an Polen. Es war der Preis für einen Krieg, den sie begonnen hatten. Die neuen Bewohner kamen aus den verlorenen Ostgebieten Polens: aus der heutigen Ukraine und aus Litauen. Bis heute trifft in Breslau Ost auf West.

    Europas zahlreiche Mentalitäten versammeln sich in dieser Stadt. Jahrzehntelang wurde sie von den kommunistischen Herrschern vernachlässigt, als Folge des Misstrauens der Polen gegenüber den Deutschen und der Angst, dass sie die Schöne an der Oder eines Tages zurückverlangen könnten.

    "Wenn man in diese Stadt eintaucht, dann zeigt sich wie in einem Geschichtsbuch die Vergangenheit des modernen Europa. Die Katastrophe des 20. Jahrhunderts genauso wie das Zusammenwachsen der Gesellschaften zu einer neuen, friedlichen Ordnung", sagt Zbigniew Maczków. Der Architekt ist einer der Erfinder dieser neuen Stadt. So hat er zum Beispiel das Kaufhaus Renoma zu neuem Leben erweckt. Es war einst Europas nobelster deutscher Einkaufstempel östlich von Berlin und ist heute Sinnbild jenes Wirtschaftswunders, mit dem Polen ganz Europa verblüfft. "In dieser Stadt wird einem klar, dass eine wechselhafte Geschichte nicht nur tragisch sein muss", sagt Maczków: "Für uns liegt darin auch der Quell unseres Optimismus."

    "Unsere Einstellung zueinander ist doch heute eine ganz andere", sagt Wojciech Podgajny, der 1946 als Kind aus dem Osten hierherkam. "Heute sind wir doch alle in Europa, wer sollte da noch einem anderen etwas wegnehmen?" So steht Breslau heute auch für das wachsende Vertrauen zwischen Nachbarn.

    Neben der Geschichte bringen internationale Konzerne wie IBM und Google auch heute wieder neue Menschen nach Breslau. Für Marta macht gerade dies das Lebensgefühl ihrer Stadt aus. Die Studentin hat eine Instagram-Gruppe gegründet: Regelmäßig treffen sie sich, Breslauer und Besucher, um Fotos ihrer Stadt auf die Instagram-Plattform im Internet zu laden. Den Millenium Tower genauso wie den alten, jüdischen Friedhof. "Wir wollen zeigen, dass hier etwas passiert. Dass Neues gebaut und Altes saniert wird. Dass das Grau nach und nach verschwindet."

    "Breslau 2.0" zeigt alte und junge Breslauer und fängt die besondere Stimmung in einer Stadt ein, die ihre Bewohner sich erst zu ihrem Zuhause machen mussten. Die Europäische Kulturhauptstadt 2016 präsentiert sich heute weltoffen: Wer nachts in einer der vielen Kneipen das Sprachenwirrwarr hört, der fragt sich nicht mehr, ob diese Stadt eher deutsch oder polnisch ist. Der fühlt sich mitten in Europa.

    Deutsche Spuren in Russland  – Von Zaren, Siedlern und Soldaten

    Heino Ferch erzählt von Deutschen, die über Jahrhunderte hinweg Anteil an der Geschichte Russlands hatten: von Katharina der Großen bis zum Ingenieur der Transsibirischen Eisenbahn.

    Schlagzeilen macht zurzeit die Politik Moskaus auf der Krim oder in Syrien. Doch Russland steht auch für großartige Landschaften, Paläste, Folklore und Feierlaune. Weitgehend unbekannt ist, wie viele deutsche Spuren es dort zu entdecken gibt.

    Katharina die Große und der Aufruf: "Kommt nach Russland!"

    Tatsächlich haben viele Deutsche das Imperium zwischen Sibirien und dem Polarmeer mitgeprägt. Abenteurer, Glücksritter, Händler und Forscher haben Russland schon immer bereist. Und vor ziemlich genau 250 Jahren kam es förmlich zu einer deutsch-russischen Volksbewegung. Auslöser war eine Dame namens Sophie von Anhalt-Zerbst – heute nur mehr als "Katharina die Große" bekannt. Eine Deutsche, die es am Ende bis auf den russischen Zarenthron schaffte – und bis heute die Fantasie von Historikern und Hollywood-Regisseuren beflügelt. Gemeinsam mit ihrer deutschen Nachfahrin Julia Katharina von Anhalt geht die Dokumentation auf Spurensuche im winterlichen St. Petersburg.

    Für viele Deutsche hatte die große Katharina 1673 ein verlockendes Angebot parat: "Kommt nach Russland und beackert die riesigen brachliegenden Gebiete meines Reichs – und schützt mich vor dem Angriff fremder Mächte." Mit einem so genannten "Manifest" rief sie die deutschen Bauern auf, ihr nach Russland zu folgen.

    Zeitungen druckten den Aufruf ab, er wurde plakatiert und sogar in Kirchen ausgehängt. Das Versprechen: eigenes Ackerland, politische Selbstverwaltung, die ungehinderte Ausübung der Religion und sagenhafte 30 Jahre Steuerfreiheit! Dazu eine Anschubfinanzierung plus Reisegeld. Viele Deutsche waren damals bettelarm und träumten von einem besseren Leben ohne Hungersnot und Büttel. Zu Tausenden folgen sie dem Ruf der Zarin.

    Viele von ihnen zogen später sogar die Uniform des neuen Heimatlandes an. Als Napoleon Bonaparte 1812 seinen Russlandfeldzug startete, geschah etwas historisch Einmaliges: Auf der einen Seite rekrutierte der Franzose fleißig Soldaten in Deutschland. Auf der anderen Seite gab es aber auch Deutsche, die im Dienst des Zaren Russland verteidigen sollten. So kämpften auf russischem Boden Deutsche gegen Deutsche in der Schlacht von Borodino.

    Alexander von Humboldt und die russischen Bodenschätze

    Eines hat das gigantische Reich der damaligen Zaren mit dem der heutigen Oligarchen gemeinsam: Bodenschätze wie Erze, Öl und Erdgas machen mächtig. Und auch auf diesem Gebiet haben Deutsche Spuren hinterlassen. Alexander von Humboldt zum Beispiel – die Aufzeichnungen seiner Reise nach Sibirien Anfang des 19. Jahrhunderts sind voll von Entdeckungen in Natur und Geologie. Und er war nicht der einzige Deutsche, der sich um die wissenschaftliche Erforschung Russlands verdient gemacht hat. Heute stehen Forscher vor einem ganz anderen Problem: Erdöl und Gas heizen nicht nur unsere Wohnungen, sondern auch die Atmosphäre unseres Planeten. Was passiert, wenn dadurch die riesigen Permafrost-Gebiete Russlands auftauen? Deutsche Wissenschaftler verbringen zur Beantwortung dieser Frage Monate im sibirischen Eis.

    Verheerende Schlachten und großartige Landschaften

    Seit Jahrhunderten verbindet Deutsche und Russen ein besonderes, fast schicksalhaftes Verhältnis – umso mehr nach zwei Weltkriegen und 40 Jahren deutscher Teilung. Tatsächlich prägten politische Bündnisse und verheerende Schlachten die deutsch-russische Geschichte seit Jahrhunderten. Aber Russland bleibt auch geheimnisvoll und faszinierend. Kein Zweifel, das Riesenreich im Osten hat eine ebenso glorreiche wie blutige Geschichte. Und unter ihrem jetzigen Herrscher Putin eine mehr als ungewisse Zukunft auf der Weltbühne. Trotzdem steht Russland für viele auch immer noch für großartige Landschaften und Paläste und für eine Romantik, die sich in Liedern, Folklore und einer legendären Feierlaune ausdrückt. Viele Deutsche zieht es deshalb ungeachtet globaler Krisen oder politischer Konflikte vor allem wegen der grandiosen Natur nach Russland. Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist ihr größter Traum. Ein paar Wochen Luxus auf Schienen – und draußen die endlose Landschaft. Was dabei kaum jemand bedenkt: Ohne einen beharrlichen deutschen Ingenieur namens Witte gäbe es die Transsibirische Eisenbahn gar nicht.

    Deutsche, Russen, Russlanddeutsche

    Doch die auch die finsteren Kapitel gehören zu dieser Dokumentation. Deutsche haben Russen in zwei Weltkriegen Schreckliches angetan – und die Siegermacht Sowjetunion ging mit den Russlanddeutschen im Gegenzug hart ins Gericht. Welches Unheil den Erben der einst von Zarin Katharina ins Land geholten Bauern drohte, erzählt der Film am Beispiel einer langen Leidensgeschichte. Schon bald nach der Oktoberrevolution erlebte Russland die ersten Hungerjahre. Ausgerechnet zu dieser Zeit wollte Josef Stalin weg vom Bauern- hin zum Arbeiterstaat – Industrialisierung um jeden Preis. Aus Mangel an Arbeitskräften wurden Millionen von Deutschstämmigen kurzerhand wegen angeblicher Untreue zum Regime oder Spionage verhaftet. Als Arbeitssklaven erlitten sie den Horror der "Gulags". Hungernd und frierend schufteten sie sich in den weit abgelegenen Gefangenenlagern Sibiriens buchstäblich zu Tode.

    Als die UdSSR Jahrzehnte später die Ausreise deutschstämmiger Russen erlaubte, machten sich Millionen von ihnen auf den Weg in die Bundesrepublik. Nach Generationen kehrten sie in das Land ihrer Ahnen zurück. Manchem blieb Deutschland auf immer fremd. Andere trafen ihre einstigen Familien wieder oder fassten allein Fuß und fanden in der alten eine neue Heimat.

    Seit Katharina die Große ihre Landsleute in das magische Reich des Ostens rief, hat sich Russland gewandelt. Und selbst wenn unsere tägliche Aufmerksamkeit eher dem Umgang mit Oppositionellen und der aktuellen Rolle Russlands in der Ost-Ukraine oder in Syrien gehört, bleibt dieses riesige Land dennoch faszinierend – vielleicht gerade, weil die Entwicklung Russlands in den vergangenen Jahrhunderten so eng mit der deutschen Geschichte verknüpft ist.

    Biografische Angaben zu den Filmautoren

    Armin Coerper, 1972 in Saarbrücken geboren, leitet seit 2011 das ZDF-Studio in Warschau, das für die Berichterstattung aus Polen, Estland, Lettland und Litauen zuständig ist. Mit Reportagen, Hintergrundberichten und Analysen zu allen Themen dieser Region liefert das Studio Beiträge für das ZDF. Vor seinem Wechsel nach Warschau hatte Armin Coerper ab 2005 als Reporter in der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles unter anderem über die Folgen des Tsunami aus Sumatra, über Hurrikan Katrina aus New Orleans, über das schwere Erdbeben in China 2008 und über die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA berichtet. Daneben hat der studierte Literatur- und Theaterwissenschaftler als Vertretung in den ZDF-Studios in Tel Aviv, Kairo, Singapur, London, Paris, New York und Wien gearbeitet. Zusammen mit Anne Gellinek, der damaligen ZDF-Studioleiterin in Moskau, realisierte Armin Coerper zur Fußball-EM 2012 die Dokumentation "Rendezvous im Osten – Polen, Ukraine und das Sommermärchen".

    Bernd Reufels, 1970 in Köln geboren, ist Autor und Regisseur von mehr als 50 Reportagen, Dokumentationen, Doku-Dramen und Doku-Serien für ARD und ZDF. Als Reporter entstanden seit 1993 über 1000 Berichte für Nachrichtensendungen und Magazine von ARD und ZDF. Seit 2011 ist Bernd Reufels gemeinsam mit Miriam Weinandi Geschäftsführer der Filmproduktion KELVINFILM GmbH. Für das ZDF realisierte er 2014 die zweiteilige Gastronomen-Doku "Das Cafe am Baikalsee", die Hunde-Coaching Reihe "Die Hundeflüsterin – Maja Nowak" sowie die zwei Dokumentationen anlässlich der Olympischen Winterspiele "Made in Germany – Züge für Sotschi" sowie "Sotschi –Goldmedaille für Naturvernichtung". Mit Klaus Kastenholz hat er zuletzt die zweiteilige "ZDF.reportage" "Die Abschlepper" realisiert, die im vergangenen Juni im ZDF zu sehen war.

    Klaus Kastenholz, Jahrgang 1962, arbeitet seit Anfang 2000 als freier Autor und Regisseur für öffentlich-rechtliche Sender und realisiert Filme unter anderem für die ZDF-Reihen "Terra X", "ZDFzeit" und "ZDF.reportage" sowie für verschiedene Formate in ZDFinfo. Seit 1988 arbeitet Kastenholz für das Fernsehen – zunächst als Redakteur bei RTL, später als Chef vom Dienst des Magazins "Planetopia" (Sat.1). Davor war Klaus Kastenholz zehn Jahre als Redakteur bei Tages- und Wochenzeitungen und als Konzept-/Texter für verschiedene Werbeagenturen tätig.

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    E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
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