Das Literarische Quartett

Volker Weidermann, Gastgeber des "Literarischen Quartetts", lädt am
Freitag, 11. Dezember 2015, 23.00 Uhr im ZDF, gemeinsam mit seinen Mitstreitern Maxim Biller und Christine Westermann erneut zum Gespräch über Bücher. Gast ist dieses Mal der deutsch-französische Publizist Daniel Cohn-Bendit. Er moderierte neun Jahre den "Literaturclub" im Schweizer Fernsehen.
Die vier streitbaren Buchliebhaber diskutieren über die aktuellen Werke von Durs Grünbein, Martin Amis, Bov Bjerg und Jane Gardam.

  • ZDF, Freitag, 11. Dezember 2015, 23.00 Uhr

    Texte

    Marcel Reich-Ranicki über "Das Literarische Quartett"

    "Gibt es im 'Quartett' ordentliche Analysen literarischer Werke?
    Nein, niemals.
    Wird hier vereinfacht?
    Unentwegt.
    Ist das Ergebnis oberflächlich?
    Es ist sogar sehr oberflächlich."

     

    Aus: Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben

    Das neue Literarische Quartett – Den Vorhang wieder auf!
    Prof. Peter Arens, Leiter der Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft im ZDF 

    Zu den liebenswerten Ritualen des ehemaligen "Literarischen Quartetts" gehörte auch dessen Finale, ein Zitat aus Brechts Drama "Der gute Mensch von Sezuan". Nach einem oftmals wilden Diskurs über zu preisende oder zu tadelnde literarische Neuerscheinungen schloss der Meister der Runde, Marcel Reich-Ranicki, das 75minütige Spektakel mit dem feierlichen Satz: "Den Vorhang zu und alle Fragen offen!"

    Jetzt öffnen wir diesen Vorhang wieder, fast 14 Jahre nach der letzten Sendung. Reich-Ranicki hatte damals nach 77 Ausgaben selbst das Ende herbeigeführt, angeblich hatte er keine Lust mehr, weiterhin so viele schlechte Bücher lesen zu müssen. Diese Erklärung, sollte sie denn stimmen und nicht ein kleiner PR-Gag gewesen sein, passte gut zur damaligen Rhetorik des Quartetts: Unterhaltung, Kritik, Polemik. Mit dieser unerhörten Mixtur lockte man um 22.15 Uhr im Schnitt 600 000 Zuschauer an, wobei man rückblickend stets dachte, es seien viel mehr gewesen. Aber auch das illustriert nur, wie intensiv die Sendungen auf den Betrachter wirkten, welche ungeheure Innovationskraft und Intelligenz das Format damals ausstrahlte.

    Als sich abzeichnete, dass Wolfgang Herles in Ruhestand gehen würde, war ich selbst darüber verblüfft, wie spontan und einhellig wir für eine Wiederauflage des "Literarischen Quartetts" votierten. Die Zeit dafür schien wieder reif. Wolfgang Herles hat mit dem "Blauen Sofa" ein starkes Markenzeichen für Literatur im Fernsehen gesetzt und wird mit durchschnittlich 900 000 Zuschauern um immerhin 23.00 Uhr in Zukunft kaum mehr zu übertreffen sein. Aber einen adäquaten Nachfolger für ihn und sein internationales Reportageformat sahen wir nicht, umso mehr reizte uns der Gedanke, wieder ein funkelndes und aufwallendes Gesprächsformat aufzusetzen.

    Und unerwartet einig waren wir uns auch bei folgendem, elementaren Baustein: Beim Literaturkritiker Volker Weidermann. Ein kluger Kopf, ein literarischer Überzeugungstäter, der bei aller feinen Analyse und ästhetischen Betrachtung von Büchern nie vergisst, sie nach ihrem Anliegen, ihrer Wirkung, ihrer Leserbezogenheit zu befragen. Er wird sich als Primus inter Pares sechs Mal im Jahr mit der Radiojournalistin und TV-Moderatorin Christine Westermann und dem streitbaren Romancier und Kolumnisten Maxim Biller treffen, um die interessantesten, wichtigsten oder zu Unrecht unbeachteten aktuellen Bücher zu besprechen. Eine moderne und unprätentiöse Art, Literatur intelligent zu interpretieren, trifft dabei auf Leseleidenschaft und scharfe Beobachtungs- wie Formulierungsgabe. Diese Stammbesetzung wird pro Sendung komplettiert durch einen Kopf aus dem Kulturbetrieb, so dass immer wieder eine neue Stimme die Runde bereichert.

    Wenn wir ab Oktober dieses Format wiederbeleben, folgen wir der Maxime, dass das Gute so nah liegt. Denn das Konzept der Sendung ist auf das Bestechendste klar und einfach: Vier Bücher, vier Menschen, 45 Minuten. Keine Einspieler, keine Rubriken. Diese Reduktion folgt dem Anspruch, sich auf das zu konzentrieren, um was es bei der Literatur geht: um die Bücher selbst. Denn um Literatur lebendig werden zu lassen, schadet es nicht, zwei Dinge miteinander zu verbinden: das Lesen und das Diskutieren. Und diesen Diskurs, auf einem sprachlich und gedanklich exquisiten Niveau, vor einem kundigen Publikum aus interessierten Kulturbürgern und leidenschaftlichen Buchmenschen, möchte das "Literarische Quartett" beflügeln. Dafür scheint mir das angeblich so alte Fernsehen nämlich immer noch das völlig geeignete Medium zu sein. Den Vorhang also wieder auf!

    Stab und Format

    ab Freitag, 2. Oktober 2015, 23.00 Uhr
    Das Literarische Quartett
    Mit Volker Weidermann, Christine Westermann, Maxim Biller und einem prominenten Gast

    Regie                                 Rolf Buschmann
    Produzent                          doc.station, Hartmut Klenke
    Redaktion                          Luzia Braun
    Leitung                               Daniel Fiedler
    Sendeform                        Live-on-Tape mit Publikum
    Länge                                45 Min.
    Sendetermine                     6 x pro Jahr, freitags 23.00 Uhr
                                              Nächste Sendungen 6. November und 11. Dezember 2015

    Format
    Revival des "Literarischen Quartetts" mit Volker Weidermann als Gastgeber: Vier engagierte Literaturexperten debattieren über vier Neuerscheinungen. Zum festen Stamm gehören neben Volker Weidermann, Literaturchef beim "Spiegel", auch der Schriftsteller und Kolumnist Maxim Biller ("Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung") und die Journalistin, Moderatorin und Autorin Christine Westermann.  Der DJ und Elektromusiker Henrik Schwarz komponiert die alte Titelmusik neu.
    Geplant sind sechs Sendungen pro Jahr mit einem Regelsendetermin freitags, 23.00 Uhr. "Das Literarische Quartett" wird im Foyer des Berliner Ensembles mit Publikum aufgezeichnet.

    Zwischen 1988 und 2001 bot das "Das Literarische Quartett"
    77 Mal unterhaltsame Literaturkritik im Fernsehen – untrennbar verbunden mit Marcel Reich-Ranicki. Teilnehmer der ersten Sendung am 25. März 1988 waren neben Reich-Ranicki Sigrid Löffler, Hellmuth Karasek und Jürgen Busche. Die Abschiedssendung fand am 14. Dezember 2001 im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin, statt. Mit dabei Reich-Ranicki, Karasek, Busche und Iris Radisch.

    "Das Literarische Quartett" aus dem Berliner Ensemble wird Nachfolgesendung von "Das blaue Sofa", dessen letzte Ausgabe am 1. Mai ausgestrahlt wurde.

    "Vier Büchernarren streiten über vier Bücher"
    Fragen an Redakteurin Luzia Braun und Redaktionsleiter "Kultur Berlin" Daniel Fiedler

    Wie ist die Idee zur Neuauflage des "Literarischen Quartetts" entstanden?

    Daniel Fiedler: Mit der bevorstehenden Verabschiedung von Wolfgang Herles in den Ruhestand stand die Frage auf der Tagesordnung, wie es mit der Literatur im ZDF weitergeht. Uns war relativ schnell klar: eine Fortführung des Formats "Das blaue Sofa" mit einem anderen Protagonisten kommt für uns nicht in Frage. Beim weiteren Nachdenken fiel uns auf, dass sich jede Diskussion um Literatur im Fernsehen ganz schnell und sehr wehmütig um "Das Literarische Quartett" dreht. Daraus entstand der Gedanke, dieses Format wiederaufleben zu lassen. Es war und ist die Ur-Mutter aller Literatur-Fernsehsendungen. Und heute, einige Jahre nach dem Tod von Marcel Reich-Ranicki, ist es auch opportun, den Gedanken eines Revivals in die Tat umzusetzen.

    Luzia Braun: Aus Spaß habe ich auf der Straße eine Umfrage gemacht: "Welche Literatursendung im Fernsehen fällt Ihnen ein"? Da sagte die deutliche Mehrheit doch glatt "Das Literarische Quartett" – und das fast 15 Jahre nach der letzten Sendung. Da wusste ich: wir liegen richtig!  

    Vier engagierte Literaturexperten debattieren über vier Neuerscheinungen: Was macht den Reiz des Sendungskonzepts aus?

    Luzia Braun: Literatur und Fernsehen haben es schwer miteinander, weil Literatur von Sprache lebt und Fernsehen vor allem von Bildern. In TV-Beiträgen über Literatur werden Romane gerne bebildert, was oft bemüht wirkt. Überhaupt wird beim Nacherzählen der plot überschätzt und das, was Literatur ausmacht, unterschätzt. Die Magie und Faszination eines Romans, davon bin ich überzeugt, kommt am besten im Gespräch rüber. Deshalb ist die Idee, vier Büchernarren streiten über vier Bücher ebenso schlicht wie ergreifend – nicht zu toppen und ist genau das Format, das fehlt.

    Was prädestiniert Maxim Biller, Volker Weidermann und Christine Westermann als künftige Stammbesetzung für das neue "Literarische Quartett"?

    Daniel Fiedler: Das Entscheidende am Literarischen Quartett ist die Leidenschaft, mit der im Namen der Literatur über Bücher gestritten wird. Als TV-Format würde das Quartett scheitern, wenn es die gepflegte Langeweile des intellektuellen Elfenbeinturms ausstrahlen oder aber sein Heil in der Krawallsehnsucht des Talkshow-Einerleis suchen würde. Beide Entwicklungen wären fatal. Was wir wollen, ist die sinnenfrohe Leidenschaft im Diskutieren, die nicht oberflächlich ist, und das Talent zur Unterhaltung, die nicht gedankenarm sein darf. Dazu benötigen wir unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlicher Perspektive auf die Literatur, die aber eines eint: nämlich der Wille, den anderen Quartett-Teilnehmern die eigene Überzeugung unbedingt und nachhaltig nahezubringen. Und diese Eigenschaft verbindet Christine Westermann, Maxim Biller und Volker Weidermann.

    Luzia Braun: Das Quartett funktioniert wie ein Theaterstück. Jede Figur verkörpert einen anderen Charakter. Biller, Weidermann, Westermann sind die ideale Besetzung, weil sie gar keine Rolle spielen müssen. Sie müssen nur so sein, wie sie sind.

    Nur Weidermann ist hauptberuflich Literaturkritiker. Das war beim Stammtrio des "alten Quartetts" anders. Warum hat man sich jetzt nur für einen professionellen Literaturkritiker im neuen Stammtrio entschieden?

    Daniel Fiedler: Das war keine bewusste Entscheidung für oder gegen diese Berufsgruppe. Wir haben uns auf die Suche nach drei Protagonisten begeben, die für Literaturkompetenz und Literaturvermittlung stehen. Christine Westermann ist als Fernseh- und Radiojournalistin seit vielen Jahren eine wichtige Stimme der Buchkritik und der Lesekompetenz. Der Autor Maxim Biller schreibt seit vielen Jahren Rezensionen. Und vielleicht ist es ja auch so, dass unter den heutigen professionellen Literaturkritikern die Entertainerqualitäten eines Marcel Reich-Ranickis, einer Sigrid Löffler und eines Hellmuth Karaseks nicht mehr so häufig zu finden sind.

    Wie wird die Literaturauswahl zustande kommen?

    Luzia Braun: Viel lesen und viel diskutieren – mit dem einen mehr mit dem anderen weniger

    Welche persönlichen Erinnerungen haben Sie an "Das Literarische Quartett" mit Marcel Reich-Ranicki?

    Luzia Braun: Ich erinnere mich, dass nach diesen Quartett-Wortgefechten, nach jeder gepflegten Randale in unserer WG am Küchentisch genauso heftig weitergestritten wurde, sei es über die Buchempfehlungen oder die Literatur-Machos. Was haben wir uns geärgert – und jedes Mal aufs Neue wieder gefreut auf die nächste Runde.

    Daniel Fiedler: Das Format strahlt in der Erinnerung noch heller als zu seinen Glanzzeiten. Das liegt dran, dass es längst zu einem Klassiker geworden ist, der sich in nur wenigen Jahren einen festen Platz in der Fernsehgeschichte erobert hat. Ich erinnere mich vor allem an Menschen in schlecht sitzender Kleidung auf unbequemen Sitzmöbeln. Aber das spielte keine Rolle, denn sie stritten wie die Kesselflicker um die Wahrheit, um ihre subjektive Wahrheit. Der Eindruck war: hier ist nichts aufgesetzt, sondern hier geht es um Existenzielles. Das spürt man noch heute, wenn man sich Folgen des alten Quartetts ansieht. Und vielleicht ist das eines der Rezepte für erfolgreiches Fernsehens: Der Einsatz auf dem Bildschirm ist immer das eigene Ich und die eigene Überzeugung, denn das merken die Zuschauer.

    Ist die Neuauflage des Formats in der heutigen Zeit von Twitter und Facebook nicht etwas anachronistisch?

    Daniel Fiedler: Gutes Fernsehen ist nie anachronistisch.

     

    Die Fragen stellte Birgit-Nicole Krebs

    Das Erbe des fuchtelnden Zeigefingers
    Fragen an Maxim Biller, Volker Weidermann und Christine Westermann

    Warum ist es richtig, "Das Literarische Quartett" neu aufzulegen?

    Volker Weidermann: Es ist ein in seinem Purismus unübertreffliches Konzept: Es geht einfach nur und direkt und ohne Umwege um die Bücher. Um den Streit darüber und darum, im Gespräch über sie den Zuschauern diese Bücher im Guten und im Schlechten nahe zu bringen. Und sie dabei, ganz nebenbei, gut zu unterhalten.

    Christine Westermann: Weil das Konzept auch in hundert Jahren noch bestechend sein wird: Vier Menschen, vier Bücher, kein Schnickschnack.

    Maxim Biller: Weil Romane und Erzählungen endlich wieder aus dem Rezensionsgetto der deutschen Feuilletons befreit und einem breiten, intelligenten Publikum vorgestellt werden sollten.

    Was sind Ihre persönlichen Erinnerungen an "Das Literarische Quartett" mit Marcel Reich-Ranicki?

    Maxim Biller: Erstens natürlich der Verriss meines Romans "Die Tochter", für den ich vier Jahre gebraucht hatte und von dem nach der Sendung kein einziges Exemplar mehr verkauft wurde. Und zweitens sehr viele wahnsinnig interessante, aufregende Fernsehstunden.

    Volker Weidermann: Ich habe es immer sozusagen aus der Fankurve betrachtet. Ich war Student der Germanistik, das war oft mühsam, einsam, unverbunden mit der Gegenwart. "Das Literarische Quartett" war einfach immer ein großer Spaß, bei dem man viel über Literatur, das Lesen, Bücher von damals und heute lernen konnte.

    Christine Westermann: Dass die Vier immer ohne Spickzettel hantiert haben und dennoch oder gerade deswegen die schönsten Formulierungen rausgehauen haben. Mit wieviel Leidenschaft sie ein Buch gerühmt oder niedergemacht haben. Wie souverän und mit welchem Langmut Sigrid Löffler persönliche Kritik ausgehalten hat, ohne einmal den Versuch zu unternehmen, einen der Anwesenden zu würgen. Wie unbequem die Teilnehmer in ihren zu großen oder zu kleinen Designer-Sesseln hingen. Wie groß die Lust war, Bücher zu lesen, nachdem man das "Quartett" gesehen hatte.

    Was vom "alten Quartett" möchten Sie in das "neue Quartett" mitnehmen und was unbedingt vermeiden?

    Volker Weidermann: Mitnehmen: das Temperament, die Leidenschaft, die Glaubwürdigkeit, die Schonungslosigkeit, die Energie, die Streitlust, den Humor, die Verkürzungskunst, die Kompromisslosigkeit, die Schnelligkeit, die Klugheit, die Strenge. Nicht mitnehmen: Reich-Ranickis Doppelsitzer, Frau Löfflers Frisur.

    Christine Westermann: Mitnehmen möchte ich die Lust und die Leidenschaft, das Vergnügen und die Freude, Bücher zu empfehlen, die ich sehr gern gelesen habe. Die persönliche Aufregung, die sich zeigen wird, wenn ich glaube, dieser Roman geht gar nicht, weil gespreizt oder öde oder überschätzt oder schlicht langweilig. Die Mühe, das mit guten Argumenten zu belegen. Vermeiden möchte ich unbedingt, dass meiner Frisur eine entscheidende Rolle zugeordnet wird, wenn es um die Qualität der Bücher geht.

    Maxim Biller: Genial am alten LQ war sein mitteleuropäischer Kaffeehaus-Touch: MRR, Hellmuth Karasek und Sigrid Löffler stritten sich oft so sehr, dass sie noch tagelang hinterher beleidigt waren und trotzdem saßen sie schon bald in ihrem Literatur-Café zusammen, süchtig nach dem nächsten Gespräch. Das wird jetzt wieder hoffentlich genauso sein. Vermeiden will ich nichts, garnichts, absolut nichts, um nicht zu sagen, weniger als nichts.

    In welcher Rolle sehen Sie sich und was erwarten Sie von den beiden anderen der "Quartett"-Stammbesetzung?

    Christine Westermann: Warum soll ich eine Rolle einnehmen? Will ich nicht. Und die anderen hoffentlich auch nicht. Ich bin Christine Westermann, das heißt ich bin klar, formuliere verständlich, produziere hoffentlich keine Worthülsen, winde keine umständlichen Sprachgirlanden. Bin mutig, zu meiner Buchauswahl zu stehen, auch wenn die Mehrheit sie unsäglich findet. Genau das wünsche ich mir auch von den anderen.

    Volker Weidermann: Ich sehe mich nicht als den Mann mit dem fuchtelnden Zeigefinger in der Luft. Ich sehe mich nicht als derjenige, der gern das letzte Wort hat. Ich werde die Zuschauer und die Kritiker begrüßen, ich werde wie alle anderen auch meine Meinung entschlossen vertreten, streiten, zuhören, ins Wort fallen, Bücher feiern, Bücher verreißen, mich überzeugen lassen, aber ungern. Und am Ende fasse ich das Ergebnis des Abends zusammen und verabschiede mich und uns alle. Die anderen machen das Gleiche wie ich nur ohne Begrüßung und Abschied.

    Maxim Biller: Man soll vor dem Sex nie darüber reden, wie der Sex werden soll.

    Was wird für Ihren Buchvorschlag entscheidend sein?

    Christine Westermann: Das weiß ich nicht. Das ist jedes Mal anders. Ein Buch zu lesen und nach dreißig, fünfzig, hundert Seiten zu merken, wie gern man das tut, das könnte entscheidend sein. Noch Tage später Bilder von einem Roman im Kopf zu haben. Anderen davon zu erzählen. Eselsohren in die Seiten zu knicken, damit man die Chance hat, Sätze wiederzufinden und noch einmal zu lesen.

    Volker Weidermann: Begeisterung, Relevanz, Qualität, Gegenwärtigkeit.

    Maxim Biller: Dass ich ein Buch wahnsinnig gut finde. Dass ich das Buch eines großen Autors wahnsinnig schlecht finde. Dass ich ein Buch so interessant finde, dass ich am liebsten eine ganze Sendung lang mit Christine Westermann und Volker Weidermann nur darüber sprechen möchte.

    Was wünschen Sie sich persönlich für die neue Sendung?

    Maxim Biller: Zwei Jahre ruhiges Arbeiten, ohne Quotenstress, ganz altmodisch.

    Christine Westermann: Dass mich Leute auf der Straße ansprechen und sagen: Mensch Frau Westermann, die Sendung mit dem "Quartett" da, die kommt zwar spät, aber ich habe das Buch von dem Dings, nein, nicht der junge Mann, der in der Sendung immer anfängt, der andere, der neben Ihnen sitzt, wie heißt der noch gleich? Also Miller oder so. Das Buch, das der empfohlen hat, ist wirklich klasse!

    Volker Weidermann: Dass es Spaß macht, dass es zur Sache geht, dass keine Rücksichten genommen werden, von niemand. Dass kein Konsens gesucht wird, sondern dass im Dissens eine Art Wahrheit aufleuchtet und ein Vergnügen. Vor allem: keine Langeweile. Das zumindest sind wir Marcel Reich-Ranicki echt schuldig.

     

    Die Fragen stellte Birgit-Nicole Krebs

    Biografien (alphabetisch)

    "Das Literarische Quartett" von 1988-2001

    Erfunden wurde das Quartett bei einem Gespräch des dama­ligen "aspekte"-Redak­tionsleiters Dr. Dieter Schwarzenau und des späteren "aspekte"-Chefs Dr. Johannes Willms mit Marcel Reich-Ranicki. Von Reich-Ranicki stammt das Grundkonzept mitsamt der Titelmelodie (Beethovens Rasumowsky-Quartett op. 59 Nr.3) und dem vielzitierten Schlusssatz aus Brechts Theaterstück "Der gute Mensch von Sezuan": "Den Vor­hang zu und alle Fragen offen." Insgesamt gab es vom 25. März 1988 bis zum  14. Dezember 2001  77 Sendungen.

    1. Sendung am 25. März 1988
    Teilnehmer: Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler, Hellmuth Karasek, Jürgen Busche

    77. Sendung: 14. Dezember 2001
    Teilnehmer: Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek, Jürgen Busche und Iris Radisch.

    Feste Mitglieder:
    Jürgen Busche
    von März 1988 bis Juni 1989 (6 Sendungen) und als Gast im Quartett am 25. Februar 2000.
    Klara Obermüller vom 12. Oktober 1989 bis zum 30. November 1989 (2 Sendungen) und als Gast im Quartett am 10. Oktober 1997.
    Sigrid Löffler vom 25. März 1988 bis zum 30. Juni 2000 (67 Sen­dungen).
    Hellmuth Karasek festes Mitglied seit 25. März 1988.
    Iris Radisch seit 18. August 2000 (6 Sendungen)
    und als Gast im Quartett am 19. November 1992.

    Insgesamt gab es 70 Gäste – angefangen mit Jurek Becker. Gäste, die mehrmals eingeladen waren: Peter Demetz, Peter von Matt, Joachim Kaiser, Ruth Klüger, Verena Auffermann, Eva Demski, Jochen Hieber, Elke Schmitter, Josef Haslinger, Ulrich Greiner.

    Über 400 Bücher wurden besprochen (ohne die Weihnachts­empfehlungen.)

    Zuschauerkarten / Fotohinweis / Impressum

    Karten für die Sendung über ticketservice.zdf.de  oder schriftlich an: ZDF-Zuschauerservice, 55100 Mainz.

     Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über
    https://presseportal.zdf.de/presse/dasliterarischequartett

    Impressum
    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock
    E-Mail: pressedesk@zdf.de 
    © 2015 ZDF

    Impressum

    Kontakt

    Name: Dr. Birgit-Nicole Krebs
    E-Mail: presse.berlin@zdf.de
    Telefon: (030) 2099 1096