Deutsches Kino im Zweiten

Unter Frauen

Große Filmunterhaltung zu Hause ist in diesem Sommer garantiert! Sieben Kinofilme, darunter sechs Erstausstrahlungen im deutschen Fernsehen, zeigt das ZDF von Ende Juni bis August: Komödien und Bestseller-Verfilmungen mit vielen beliebten Filmstars und Publikumslieblingen wie Kaya Yanar, Nora Tschirner, Elyas M'Barek, Nina Hoss, Jessica Schwarz, Florian David Fitz, Sebastian Bezzel, Alba Rohrwacher, Sebastian Ströbel ... Übrigens sind es alle Filmproduktionen mit ZDF-Beteiligung.

  • ZDF, Freitag, 29. August 2014, 22.30 Uhr
  • ZDF neo, Samstag, 30. August 2014, 20.15 Uhr, ZDFneo

    Texte

    Vorwort von Caroline von Senden

    Das Sommerprogramm im ZDF, das ist, neben anderen Auffälligkeiten, deutsches Kino auf dem TV-Bildschirm, und deutsches Kino, das heißt Vielfalt. Und dies nicht nur, weil auch der Nachwuchs aus der Werkstatt des Kleinen Fernsehspiels wie schon in den Jahren zuvor eine Plattform bekommt. In der Zeit vom 27.6. bis 29.8. 2014 finden ebenso (junge) arrivierte Kinomacher mit einer Reihe ganz unterschiedlicher Komödien und zwei starken Dramen ihren Platz im Programm.

    Von der aberwitzig-hintersinnigen Agentenklamotte "Agent Ranjid rettet die Welt" von und mit dem Kult-Comedian Kaya Yanar, über die rasant-irrsinnige Provinzkomödie "Offroad" mit den beiden Kinostars Nora Tschirner und Elyas M‘Barek bis hin zur tiefgründig-romantischen Bestseller-Verfilmung "Jesus liebt mich" mit Starbesetzung – um nur drei Beispiele zu nennen - zeigt sich das Genre Komödie dabei in zahlreichen Facetten. Aber auch zwei Literaturverfilmungen werden zu sehen sein: "Fenster zum Sommer" mit Nina Hoss nach dem Roman von Hannelore Valencak sowie Altmeisterin Doris  Dörries kongenial – anrührende Adaption von Schirachs Erzählung "Glück". Sie sind es allemal wert, im Fernsehen ein großes Publikum zu finden. Und dass mit Elmar Fischer und Hendrik Handloegten zwei Regisseure, die ihre Debüts im Kleinen Fernsehspiel entwickelten, dabei sind, ist kein Zufall, sondern Ausdruck der kontinuierlichen Talententwicklung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

    Die deutsche Kinoproduktion ist vielschichtig und lebendig und – obwohl dem Sommer entsprechend der Schwerpunkt unserer Kinoreihe in diesem Jahr die Komödie ist – spiegelt auch diese kleine, aber feine Reihe die Vielgestaltigkeit unserer Kinolandschaft wieder.

    Wir freuen uns drauf!

    Caroline von Senden
    Redaktionsleiterin Fernsehspiel I und Koordinatorin für Kinokoproduktionen, Mehrteiler und Event

    Filmübersicht

    Freitag, 27. Juni 2014, 22.30 Uhr

    Samstag, 28. Juni 2014, 20.15 Uhr, ZDFneo

    Agent Ranjid rettet die Welt

     

    Donnerstag, 31. Juli 2014, 20.15 Uhr

    Samstag, 2. August 2014, 20.15 Uhr, ZDFneo

    Offroad

     

    Dienstag, 5. August 2014, 23.15 Uhr

    Fenster zum Sommer

     

    Donnerstag, 7. August 2014, 20.15 Uhr

    Samstag, 9. August 2014, 20.15 Uhr ZDFneo

    Jesus liebt mich

     

    Donnerstag, 14. August 2014, 20.15 Uhr

    Samstag, 16. August 2014, 20.15 Uhr, ZDFneo

    Vatertage - Opa über Nacht

     

    Dienstag, 19. August 2014, 22.45 Uhr

    Glück

     

    Freitag, 29. August 2014, 22.30 Uhr

    Samstag, 30. August 2014, 20.15 Uhr, ZDFneo

    Unter Frauen

    Agent Ranjid rettet die Welt - Stab, Besetzung, Inhalt

    Stab:

    BuchKaya Yanar, Norman Cöster, Dieter Tappert
    RegieKaya Yanar
    KameraStephan Schuh
    CastingEmrah Ertem
    SzenenbildTilman Lasch
    KostümTatjana Brecht-Bergen
    MaskeBirgit Herber, René Jordan, Katharina Gütter
    MusikSiggi Mueller, Egon Riedel
    SFXWolf Schiebel
    HerstellungsleitungOliver Nommsen
    ProduzentChristian Becker
    Executive ProducerMartin Moszkowicz
    Co-ProduzentenKaya Yanar, Oliver Berben
    Ausführender ProduzentMark Popp
    RedaktionCaroline von Senden

    Produziert von der Westside Filmproduktion GmbH, co-produziert von der Constantin Film Produktion GmbH und der Mainstream Media GmbH in Zusammenarbeit mit dem ZDF, gefördert von der Film und Medienstiftung NRW und vom Deutschen Filmförderfonds DFFF

     

    Die Rollen und ihre Besetzung:

    Ranjid, HakanKaya Yanar
    ReppeGode Benedix
    ViagraBirte Glang
    SüleymanVedat Erincin
    Freek van DykRutger Hauer
    Dr. AbdeckerTom Gerhardt
    Cousin GopalPrashant Prabhakar
    PolizistHeinrich Giskes
    BundesmerkelAntonia von Romatowski
    ShankarRalph Herforth
    SchlüssverkaufCarolin Kebekus
    SurvivaltypMark Keller
    Sirtakimann, Ranjids Mutter, Professor, Mutar

    Kaya Yanar

     

    Inhalt:

    Der indische Putzmann Ranjid ist verzweifelt: Seine geliebte Kuh Benytha ist sehr krank und braucht eine teure Magenoperation. Doch dafür fehlt Ranjid einfach das Geld. Als der holländische Bösewicht Freek van Dyk die Weltherrschaft an sich reißen will und die besten Agenten von CIA, KGB, MI5, BND und GEZ ausschaltet, wendet sich das Blatt für Ranjid ganz unerwartet: Süleyman, Leiter des türkischen Ayran Secret Service, hält ausgerechnet den tollpatschigen Putzmann für einen neuen „Süperagenten“ und lockt ihn mit viel Geld. Schließlich muss dringend gehandelt werden, denn van Dyks Helfer Reppe und Viagra haben schon die beiden ASS-"Süperagenten" Hakan und Sirtakimann außer Gefecht gesetzt.         

    In seinem ersten Kinoabenteuer macht Star-Comedian Kaya Yanar ("Was guckst Du?!") dort weiter, wo James Bond, Austin Powers und Johnny English verängstigt kneifen würden. Als indischer Agent wider Willen mixt er einen einzigartigen Cocktail (geschüttelt, nicht gerührt!) aus Slapstick, Action, Ethno-Comedy und kunterbuntem Bollywood-Musical. Agent Ranjid zieht in den Kampf gegen Windmühlenflügel, High-Tech-Wohnwagen und vergiftete Tulpen. Regisseur Michael Karen ("Erkan und Stefan - Der Tod kommt krass) inszenierte Kaya Yanar in sechs verschiedenen Rollen in einem Film voller Überraschungen.

    Agent Ranjid rettet die Welt - Interview mit Kaya Yanar

    Was kann der Zuschauer von "Agent Ranjid rettet die Welt" erwarten?

    Das ist richtig schöner Klamauk mit Slapstick, Explosionen und Action. Also Familienunterhaltung in bester Tradition von "Die nackte Kanone". Ich bin mir sicher, dass gerade Kinder total darauf abfahren, weil wir eben nicht eine von diesen herkömmlichen Beziehungsquatsch-Komödien gedreht haben.

    Neben dem indischen Titelhelden Ranjid hat auch der türkische Türsteher Hakan eine große Rolle. Sind die Beiden generell Ihre Lieblingsfiguren?

    Mir sind immer die Figuren am liebsten, die beim Publikum am besten ankommen. Ranjid ist ganz klar die Nummer eins und Hakan die Nummer zwei. Mich als Ranjid mit seinen überzogenen Indien-Klischees wie ein Wahnsinniger austoben zu dürfen, amüsiert offenbar nicht nur mich.       

    Was sollte man über Ranjid wissen?

    Er kam vor 20 Jahren nach Deutschland und sucht seitdem einen Job. Er ist halt nicht qualifiziert, eher ein bisschen doof, aber sehr liebenswert. Und sein Dialekt ist einfach nur sensationell. Akzente finde ich per se lustig.  

    Dabei sprechen Sie im Privatleben aktzentfrei.

    Aber ich bin mit Eltern aufgewachsen, die einen starken Akzent haben, wenn sie Deutsch sprechen. Als Kind war es für mich völlig normal, die deutsche Sprache in einer nicht perfekten Art zu hören. Deshalb fühle ich mich noch heute an mein Elternhaus erinnert, wenn ich irgendwo einen Akzent höre. Ich habe schon früh angefangen, das liebevoll nachzuäffen. Und der Deutsche freut sich, wenn seine perfekte, komplizierte und anstrengende Sprache ab und zu mal gebrochen wird.

    Ist Ranjid der typische Klischee-Inder?

    Er hat die dunkle Hautfarbe und den indischen Akzent, aber es sind natürlich nicht alle Inder so wie Ranjid. Es sind ja auch nicht alle Türken so wie Hakan, der mit seinem Türkdeutsch und seinen Manierismen sehr dick aufträgt.

    Kennen Sie Indien aus eigener Erfahrung?

    Ich habe Indien mit einem Reiseveranstalter besucht. So konnte ich mir von Profis das Land zeigen lassen. Ich fand faszinierend, mit welcher Toleranz die Inder das Leben akzeptieren. Es ist unfassbar, was man da zum Teil an Armut und Missständen sieht, aber die Menschen begegnen ihrer Situation mit einem Lächeln, während in Deutschland bei jeder Kleinigkeit sofort gemeckert wird.

    Dem Inder sind Kühe heilig, aber niemand liebt Kühe so wie Ranjid. Wieso?

    Ich glaube, Ranjid und seine Kuh Benytha sind seelenverwandt. Er hat sie aus Indien mitgebracht und vielleicht war sie in einer früheren Inkarnation mal seine Frau, die einfach nur im falschen Körper wiedergeboren wurde. Ranjid ist das egal. Er ist total verliebt in sie. Das Publikum mag Benytha auch sehr. An den Reaktionen merke ich oft, wie tierlieb die Deutschen sind. Du kannst vor der Kamera noch so viele Menschen zusammenschlagen, da regt sich keiner auf. Aber wenn ich der Kuh mal ganz sanft vors Horn stoße, hagelt es gleich Protestbriefe: „Schließt das Studio! Setzt die Sendung ab! Ruft den Tierschutzverein!“

    Im Kinofilm bekommen viele Nationalitäten ihr Fett weg: Inder, Türken, Griechen, Deutsche, Holländer. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen das einer übelnimmt?

    Nein, das ist ja alles ganz liebevoll. Ich finde Klischees toll und brauche sie jeden Tag. Sie sind wie Benzin, das meinen Comedy-Motor antreibt. Der Bösewicht im Film ist ein Holländer, wie man ihn sich vorstellt. Der wohnt in einer Mühle, trägt Holzclogs und isst Käsehäppchen, die von Frau Antje gebracht werden.

    Rutger Hauer kennt man aus "Der Blade Runner" oder "Hitcher, der Highway-Killer". Waren Sie überrascht, als er das Rollenangebot annahm?

    Und wie! Wir saßen zusammen und überlegten, wer den holländischen Bösewicht spielen könnte. Der Caster Emrah Ertem sagte, er würde Rutger Hauer mal fragen. Da lachten wir nur und meinten: "Okay, gönn’ dir den Spaß und kassier’ die Absage!" Doch dann schrieb Rutger Hauer zurück und war interessiert, weil er noch nie in einer Komödie mitgespielt hatte. Er lud uns in die Nähe von Amsterdam ein. Beim Essen schaute er mich an und fragte: "Bist du auf die bekloppte Filmidee gekommen?" Ich sagte: "Ja, zusammen mit einem anderen, aber das ist wohl meine Schuld." Dann sagte er zu. Wir hatten zehn sensationelle und angenehme Drehtage mit ihm. Ich bin sehr beeindruckt.

    Wollen Sie bei einer etwaigen Fortsetzung selbst Regie führen?

    Nein, das ist mir zu stressig. Michael Karen hat einen super Job gemacht und ich konnte ihm hundertprozentig vertrauen. Hut ab, wie er Ranjid und Hakan Disziplin beigebracht hat! Ranjid ist ja ziemlich aufgedreht und Hakan eher ein gemütlicher osmanischer Spätaufsteher. Aber unter Michaels Führung haben die beiden auch die 14 oder 16 Stunden langen Drehtage perfekt gemeistert.

    Agent Ranjid rettet die Welt - Interview mit Rutger Hauer

    Welche Art von Bösewicht ist Freek van Dyk?

    Er ist wahnsinnig. Er hat eine Vision und tötet jeden, der diesen Traum nicht mit ihm teilt. Da ist er ein bisschen wie George W. Bush: "Wer nicht auf meiner Seite ist, ist gegen mich!" Freek van Dyk hat ein sehr ernstes Anliegen, nämlich die Weltherrschaft. Doch auf dem Weg dahin geht sehr viel schief.

    Man kennt Sie aus sehr ernsten Rollen in "Blade Runner" oder "Hitcher, der Highway-Killer". Wie haben Sie den Wechsel ins Komödienfach empfunden?

    Als Schauspieler freue ich mich, das ganze Spektrum an Rollen durchspielen zu können. Ich hatte nie etwas dagegen, mich in einem Film komplett lächerlich zu machen. Aber man hatte mir vorher noch nie die Gelegenheit dazu gegeben. Dieser Film spielt herrlich mit allen Klischees. Ich trage Clogs, lebe in einer Windmühle und habe einen Wohnwagen.

    Kannten Sie Kaya Yanar und seine Arbeit schon vor diesem Filmprojekt? 

    Nein, aber dann habe ich mir nächtelang seine Shows im Internet angeschaut und mich totgelacht. Ich finde es beachtlich, wie liebevoll er die kleinen Marotten der Türken, Griechen oder Inder in seine Comedy-Programme einbaut. Er setzt den Leuten, die in Deutschland oft die Drecksarbeit machen müssen, ein kleines humorvolles Denkmal.

    Würden Sie selbst mal gern als Stand-up-Comedian auf der Bühne stehen?

    Nein, ich bin Schauspieler und brauche ein Drehbuch, einen geschriebenen Text. Kaya hat seine Figuren total verinnerlicht. Der legt spontan los. Das merkt man in den Drehpausen. Er lebt Ranjid oder Hakan bei jeder Gelegenheit aus und braucht kein Drehbuch.

    Im Film leiht Ihnen Thomas Danneberg seine Stimme, der Sie schon in vielen anderen Filmen synchronisiert hat, aber auch Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger. Hätten Sie nicht lieber selbst Deutsch gesprochen?

    Ich habe es versucht. Für mich war es eine Frage der Ehre, dass ich in einem deutschen Film auch Deutsch spreche. Wenn ich langsam rede, geht das sogar. Aber gegen Kaya war ich machtlos. Der redet wie ein Wasserfall. Als ich merkte, dass ich in einer fremden Sprache nicht gegen seine Schlagfertigkeit ankomme, hatte ich immer mehr schlaflose Nächte. Manchmal fluchte ich innerlich: „Fuck the Germans for not speaking English!” (lacht) Der Knoten platzte, als ich nur noch Englisch sprach. Ab da wurden die Drehtage auch wieder kürzer.

    Interviews: Constantin Film Verleih GmbH (2012)

    Offroad  - Stab, Besetzung, Inhalt

    Stab:

    RegieElmar Fischer
    BuchElmar Fischer, Susanne Hertel
    KameraPhilipp Kirsamer
    MusikAii N. Askin
    CastingDaniela Tolkien
    SzenenbildWolfgang Arens
    KostümGudrun Johanna Binger
    MaskeMechthild Schmitt, Henny Zimmer
    HerstellungsleitungJens Oberwetter
    ProduktionsleitungHeino Herrenbrück
    ProduzentenUli Putz, Jakob Claussen
    Co-ProduzentDr. Wilfried Ackermann
    RedaktionDaniel Blum

    Eine Claussen-Wöbke+Putz Filmproduktion, co-produziert von der Dr. Wilfried Ackermann Filmproduktion und dem ZDF, gefördert von FFA, DFFF, Film- und Medienstiftung NRW, FFF FilmFernsehfonds Bayern und dem Medienboard Berlin-Brandenburg MBB

     

    Die Rollen und ihre Besetzung:

    MeikeNora Tschirner
    SalimElyas M'Barek
    PhilipMax von Pufendorf
    TuschiTonio Arango
    JulianThomas Fränzel
    UlfStefan Rudolf
    und viele andere

     

    Inhalt:

    Meike Pelzer ist nach eigenem Bekunden eine ganz durchschnittliche junge Frau – inklusive eines gelegentlichen kleinen (Bier-)Rausches. Ihr steht eine große Karriere bevor. Sie ist Juniorchefin im Unternehmen ihres Vaters. Die Pelzer Gartenbedarffirma GmbH produziert hauptsächlich Grasfangsäcke. In ihrer Freizeit radelt Meike auf dem Tandem mit ihrem Freund, dem soliden Rechtsanwalt Philip, durch ihren kleinen Heimatort Geilenkirchen. Ein Sturzhelm ziert ihren Kopf, beim Abbiegen werden selbst in der verkehrsarmen Wohnsiedlung korrekt Handzeichen gegeben. Alles im Lot also? Mitnichten. Denn Meike steht der Sinn eigentlich nach etwas ganz anderem. Ihr gerades, überschaubares Leben langweilt sie. Nach "Offroad" steht ihr der Sinn, seit Jahren träumt sie von einer einsamen Landschaft. Heiß soll es sein, keine Regeln geben. Die Sahara, das wär’s.

    Der erste Schritt zu dieser neuen Freiheit könnte das Auto sein, das sie ersteigert. Ein riesiger, spritfressender Jeep mit einem Büffelkopf auf der Kühlerhaube. Der Zoll hat ihn an der deutsch-holländischen Grenze beschlagnahmt, ihr ist er satte 6.500 Euro wert. Der Papa staunt, die Mutter schüttelt den Kopf und Philip versteht seine Meike nicht mehr. Aber Meike will einfach ihrem langweiligen Schicksal entfliehen, denn bekanntlich ist das Leben ja auch eine Lotterie. Und der Jeep könnte ein Hauptgewinn sein. Denn kaum ist das Auto in ihrem Besitz, tauchen schon zwei Männer auf, die es ihr abkaufen wollen. 8.000 Euro bietet Julian, Ulf erhöht auf 10.000. Doch Meike verkauft nicht, nicht einmal für 30.000 Euro. Und dann tritt sie plötzlich ein, die Situation, die alles verändert: Durchs Fenster sieht sie, wie Philip sich mit ihrer besten Freundin Denise vergnügt, und nach einer kleinen Spritztour durch die örtliche Kiesgrube – Reifenpanne inklusive – entdeckt sie auf der Suche nach Werkzeug unter der Abdeckung im Kofferraum zig Pakete Kokain. 50 Kilo, wie die Badezimmerwaage ausweist.

    Die vermeintlichen "Besitzer" des Stoffes, Julian, Ulf und ihr skrupelloser Chef Tuschi, Betreiber der insolventen Eventmanagementagentur "Die Partysenatoren", denen Gerichtsvollzieher Prokow gerade arg zusetzt, sind ob Meikes Fund entsetzt: "Scheiße", lautet schlicht ihr Kommentar. Und Meike, ihr BWL-Studium hat durchaus Spuren hinterlassen, rechnet kühl durch: 50 Kilo entsprechen 2,5 Millionen Euro. "Mach' ich natürlich nicht", sagt sie – und bald darauf steht sie nachts vor einer Düsseldorfer Diskothek und versucht, den Stoff an den Mann zu bringen – portionsweise, 100 Euro pro Beutelchen. Ein gefährliches Geschäft, wie sich schnell herausstellt. Die Käufer sind keine feinen Menschen, bezahlen nicht und scheuen auch nicht davor zurück, eine Frau zu verprügeln. Richtig ordentlich, mit einem abschließenden Fausthieb in die Magengrube.

    Gut, dass es da noch Gentlemen gibt, Männer wie Salim, der ihr zu Hilfe eilt und sie gemeinsam mit seiner Freundin Sarah in deren Wohnung verarztet. Bald sitzt sie neben dem ziemlich gut aussehenden Mann, der sich natürlich schnell auch als eitel und höchst unverschämt entpuppt, im Auto. Zusammen geht’s nach Berlin, und auf der Fahrt erzählt sie ihm, dass sie Kokain verkaufen möchte. Er lacht, spottet: "Bist du wohl in der Kokain GmbH und Co. KG ... Und stellt kurz darauf fest, dass sie wirklich im Besitz von 50 Kilo Stoff ist. Das empört ihn: "Sag' mal, tickst du noch ganz richtig? Fährst mit so ’nem Wagen und so ’ner Menge durch die Gegend ... und, und ... wenn wir angehalten werden, sagst du, der Türke wusste von nichts, und die lassen mich gehen oder wie?"

    Salim ist außer sich. Die Nummer ist für Meike eindeutig zu groß – was er ihr auch gleich erklärt. Und er behält recht. Tuschi und seine Kompagnons denken nicht daran, ihnen ihren Stoff kampflos zu überlassen. Sie haben einen Peilsender an Meikes Wagen angebracht, der sie immer darüber informiert, wo sie sich gerade aufhält. Salim ist es, der ihn entdeckt und von einer Brücke auf einen Lastkahn wirft. So finden sich Tuschi und Julian nebst ihrem weinroten Spießer-Mercedes im Hafen von Frankfurt/Oder wieder – und kurz darauf in Polizeigewahrsam. Meike ist noch einmal davongekommen ...

    Doch die junge Frau denkt nicht daran, ihren Plan vom neuen Leben aufzugeben. In Berlin mietet sie sich in einem Hostel ein und denkt darüber nach, wie sie weiter vorgehen soll. Da ruft Salim an und bittet sie, ihn in einem Nobelhotel zu treffen. Einen Kokskäufer hat er für sie aufgetan, einen Geschäftsmann namens Orloff, der zu Salims Überraschung mit seiner Schwester Özlem auftaucht. Noch mehr wundert ihn, dass sie sich Penelope nennt und sich von dem Herrn sein Zimmer hat zeigen lassen. "Ich war früher da", lautet ihre Erklärung ... Merkwürdig. Aber immerhin kommt ein kleines Geschäft zustande, und Ärger mit dem Concierge folgt auf dem Fuß. Er droht mit der Polizei und erteilt den beiden Hausverbot – nicht ohne vorher 50 Gramm Koks gekauft zu haben.

    Dieser erste geglückte Deal muss gefeiert werden. In einem Szeneclub der Hauptstadt. Seit Langem ist Meike wieder mal entspannt, tanzt, trinkt Bier und findet auch Gefallen als Salims Gesangskünsten, der auf der Bühne das Liebeslied "Aicha" singt. Die beiden kommen sich näher. Fahren mit dem Auto durch die Nacht. Du könntest mein Co-Pilot sein", sagt Meike und dann lieben sie sich im Jeep. Erst als die Sonne aufgeht, fahren sie nach Hause. Bei Salim wollen sie frühstücken. Doch daraus wird nichts. Denn vor Salims Haustür steht Sarah – und Meike kehrt enttäuscht in ihr Hostel zurück. Bis das Telefon klingelt. Sarah ist am anderen Ende. Wütend, sie will eine Erklärung. Meike soll sofort kommen.

    Kurz darauf steht Meike vor Salims Tür. Sie horcht – und hört merkwürdige Stimmen. Also läuft sie noch mal zu ihrem Auto. Holt eine Pistole, die sie aus dem elterlichen Waffenschrank mitgenommen hat – nun zahlt es sich aus, dass sie und ihr Vater Mitglieder im heimischen Schützenverein sind. Wieder bei der Wohnung, klopft sie an – und blickt in den Lauf von Tuschis Waffe. Er und seine beiden Helfer haben Salim und Sarah als Geiseln genommen. Nachdrücklich fordern sie ihr Koks zurück. Doch Meike gibt sich nicht so leicht geschlagen und schießt Tuschi mit der Luftdruckpistole ins Gesicht. Ein wüstes Handgemenge ist die Folge. Und dann steht – eine aus dem Fester geworfene Waffe ist in ihrer Salatschüssel gelandet – Nachbarin Ute in der Wohnung. Entsetzt, ratlos. Doch die Anwesenden schalten schnell. Sie geben vor, für ein Theaterstück zu proben. Ute verlässt kopfschüttelnd, gefolgt von Tuschi und seinen Mannen, die Wohnung. Zuvor hat Salim erfahren, woher die "Partysenatoren" wussten, wo er wohnt. Aus seiner Schwester Özlem haben sie die Information herausgeprügelt – sie arbeitet nämlich, um ihr Geigenstudium zu finanzieren, unter dem "Künstlernamen" Penelope für einen Hostessenservice und war Tuschi in dieser Funktion schon zu Diensten. Ihr Nacken-Tattoo kennt er dank einer einschlägigen Sexualpraktik bestens. Salim schäumt vor Wut und will nun nur noch zur Polizei. Mit viel Mühe gelingt es Sarah und Meike, Salim von diesem Vorhaben abzubringen – ein Gefängnisaufenthalt für alle Beteiligten wäre wohl unausweichlich.

    Zurück im Hostel stellt Meike fest, dass ihr Zimmer durchsucht wurde. Mehr noch. Einer der Eindringlinge, Julian, ist sogar noch im Raum. Bloß weg hier! Es kommt zu einer wüsten Verfolgungsjagd, bei der der Mercedes der Verfolger verunglückt. In ihrer Not weiß Meike nicht mehr, was sie tun soll, und ruft Philip an, derweil die arg lädierten "Partysenatoren" Tuschi, Julian und Ulf wieder Besuch vom Gerichtsvollzieher bekommen. Kein Aufschub mehr. Game over. Ihre Büroräume werden gepfändet – und den schicken Plasmafernseher nimmt Teamassistentin Mandy mit. Ihr letzter Monatslohn ist noch ausständig: "Tschüss, Jungs, es war schön mit euch!"

    Philip ist zwischenzeitlich in Berlin gelandet. Einen Blumenstrauß hat er sogar für Meike mitgebracht und für eine Wohnung gesorgt – das schicke Appartement gehört seinem Onkel. Und er will Meike helfen. Ganz selbstlos. Und Meike glaubt ihm. Denn Männer sind ja bekanntlich schwach, wenn es um Frauen geht, und Biest Denise hat Philip schlicht verführt. Aber das Beste ist, dass ihr Freund einen Plan hat, wie man das Kokain verkaufen könnte. En gros, wie es sich gehört. Sein Praktikum hat Philip bei einem ganz gewieften Anwalt absolviert. Schanowski heißt er und große Drogengangster zählen zu seinen Klienten. Ein Businesslunch wird verabredet, die Ware auf der Toilette getestet. Schanowski zeigt sich interessiert und verspricht, sich für die beiden zu verwenden. Vielleicht klappt der große Coup ja doch noch. Aber Meike hat nicht mit Salim gerechnet, der auf der Suche nach ihr die Stadt mit Fotos von ihr gepflastert hat. Und ein paar hängen auch hinter dem Tresen des Clubs, wo Meike Philip hinführt. Ausgerechnet in jenen Club, wo sie sich mit Salim vergnügt hat, der zu allem Überfluss auch anwesend ist. Und der es so gar nicht gut findet, dass Philip auch hier ist. Deal oder Liebe, so lautet jetzt die Frage ...

    Offroad - Über die Produktion

    "Offroad" erzählt die Geschichte einer turbulenten Suche nach dem Sinn oder Unsinn des Lebens und einer unerwarteten Liebe. "Offroad" ist ein spannendes Roadmovie mit schrägen Typen, absurden Momenten, wilder Action und einer wüste Haken schlagenden Handlung. Es handelt von ganz normalen Menschen, die in höchst ungewöhnliche Situationen geraten und deren bisheriges Leben dadurch vollkommen auf den Kopf gestellt wird – und wie jede gute Kinogeschichte hat "Offroad" seine Wurzeln in der Realität.

    Kurz nachdem Regisseur Elmar Fischer 2002 seinen ersten, vielfach ausgezeichneten Kinofilm "Fremder Freund" fertiggestellt hatte, stieß er in einem Bericht auf einen Mann, der beim Zoll ein Auto ersteigert und darin eine riesige Menge Kokain gefunden hatte. Fischer erinnert sich: "Ich fand diese Geschichte sehr spannend. Was passiert mit einem Menschen, der subkutan in seinem Leben nicht glücklich ist, der von Stress und Langeweile umgeben vor sich hin lebt und der auf einmal so einen Lottoschein oder vielmehr ein Geschenk des Schicksals bekommt? Was würde der tun, wenn er nicht so vernünftig wäre, wie dieser Mann, der den Wagen zurückbrachte? Das ist doch eigentlich eine Situation, mit der sich viele Menschen identifizieren können, die viele Menschen kennen. Man kann sich überlegen, ändere ich jetzt, in diesem Moment radikal mein Leben oder bleibe ich vernünftig und lebe mein Leben weiter so wie bisher?"

    Nun galt es, die richtige Form für den Film zu finden. Wie könnte man "Offroad" am besten erzählen? Die Geschichte ist vielschichtig, teils Komödie, teils Liebesgeschichte, teils Roadmovie. Plus 50 Kilo Kokain ... Eine klare Genrezuordnung ist somit unmöglich. Fischer sieht "Offroad" in erster Linie als "Spaßfilm", als witziges Roadmovie mit einer romantischen Love-Story. Bei den ersten Drehbuchentwürfen experimentierte er mit einem circa 40-jährigen Mann als Hauptfigur. Das funktionierte nicht richtig, gefiel dem Regisseur bald nicht mehr: "Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte mit einer jungen Frau als Heldin spannender sein würde. Ich habe zudem im Kino eine 'angry young woman' noch nicht so oft gesehen. Und eine Frau Mitte, Ende 20, gerade im Beruf etabliert, hat das ganze Leben vor der Nase und sich vielleicht doch schon ziemlich festgelegt. Sie weiß also, wie die nächsten 60 Jahre laufen werden, und das kann ziemlich frustrierend sein. Als dann meine Co-Autorin Susanne Hertel mit in die Entwicklung einstieg, gewann die Figur an Kontur und in der gemeinsamen Zusammenarbeit hat sich das Ganze dann fast von alleine geschrieben."Dann galt es also, jemanden zu finden, der gewillt war, "Offroad" zu produzieren. Kein leichtes Unterfangen, da der Film von Form und Machart her nicht so leicht einzuschätzen war. Doch Jakob Claussen und Uli Putz von "Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion" sprach das Thema sofort an. Dank anspruchsvoller, kurzweiliger und spannender Arbeiten wie

    "Nach fünf im Urlaub" (1995) "Jenseits der Stille" (1996), "Crazy" (2000), "Anatomie" (2000), "Krabat" (2008) oder "Boxhagener Platz" (2009) genießt die Münchner Produktionsfirma einen exzellenten Ruf. Häufig haben die Produzenten "unmögliche“" Filme finanziert und damit schlussendlich Publikum und Kritik überzeugt. Elmar Fischer dazu: "Ich bin Jakob Claussen und Uli Putz sehr dankbar, dass sie es geschafft haben, Leute zu finden, die an dieses Projekt geglaubt haben, und es tatsächlich hinbekommen haben, dass diesem ungewöhnlichen Projekt Geld zugeführt wurde. Das ist eine erstaunliche Leistung.“

    Jakob Claussen hatte schon seit geraumer Zeit nach einem Kinostoff für Nora Tschirner gesucht und den Regisseur und Autor Elmar Fischer lange beobachtet: "Als er uns dann zusammen mit seiner Co-Autorin Susanne Hertel – sie hat unter anderem Skripts zu Fernsehfilmen wie "Tierisch verliebt" (2009), "Wer entführt meine Frau?" (2006) und "Ein Banker zum Verlieben" (2003) geschrieben – vorschlug, die Geschichte einer jungen Frau zu erzählen, die die Chance bekommt, von heute auf morgen ihr ganzes Leben zu ändern, hat uns das unmittelbar angesprochen. Das hörte sich nach einer Komödie mit einem zur Identifikation einladenden emotionalen Kern an, mit Nora Tschirner im Zentrum des Geschehens – da waren wir dann sofort dabei."

    Gedreht wurde "Offroad" von Anfang Oktober bis Ende November 2010, rund acht Wochen lang primär in und um Berlin sowie in Geilenkirchen bei Aachen. Der Cast war für deutsche Verhältnisse sehr groß, das Team umfasste rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was immense Herausforderungen mit sich brachte. Besonders die Logistik und die vielen Motive stellten die Produzenten vor komplexe Aufgaben. Jakob Claussen spezifiziert: "Unsere produzentische Aufgabe besteht ja unter anderem darin, alles so zu koordinieren, dass wir uns mit dieser Maschinerie, mit Hotelkosten, Transport usw. finanziell nicht zu sehr verausgaben, denn das Geld soll schließlich auf der Leinwand landen und dort auch entsprechend zu sehen sein. Aber insgesamt war der Dreh sehr entspannt, was auch damit zusammenhängt, dass wir in Geilenkirchen, Elmar Fischers Heimatort, mit dem Filmen begannen."

    Genau dieser Umstand machte "Offroad" für den Regisseur zu einer besonderen Arbeit: "Wenn man viel in Köln, Hamburg oder Berlin dreht, lernt man ständig filmsatte Mitmenschen kennen, die öfter am Set vorbeigehen und nicht ertragen können, dass ihre Parkplätze gesperrt sind, dass sie irgendwo nicht hingehen können oder leise sein müssen. Das war in Geilenkirchen anders. Man hat den Bürgermeister gefragt: 'Ist denn dies oder jenes möglich?' Dann hat er stets wohlwollend genickt und geholfen. Das fing schon bei der ersten Motivbegehung an. Wir überlegten uns, wie die Kirche wohl von oben aussieht, und innerhalb von 20 Minuten war die Freiwillige Feuerwehr da und hat ihre 60 Meter lange Leiter ausgefahren und unser Kameramann Philipp Kirsamer hat von oben Fotos gemacht."

    Diese Hilfsbereitschaft hat während des gesamten Drehs angehalten. So wurden beispielsweise rund 500 Komparsen gebraucht – und zwar alle in Schützenuniform. Das Budget gab das aber nicht her. Dennoch wurde das Problem gelöst. Fischer erklärt: "Auf Drängen der Stadt haben sich alle Schützenvereine – es gibt in Geilenkirchen 17, meine ich, die alle untereinander ein großes Konkurrenzempfinden haben und sich manchmal spinnefeind sind – für diesen Dreh zusammengetan. So ist dieses große Schützenfest überhaupt erst zustande gekommen. Das sind schöne Momente, die man da erlebt. Und man sieht auch, dass man mit Film Menschen erreichen, begeistern und zusammenbringen kann." Jakob Claussen ergänzt: "Zunächst hat alles wirklich toll funktioniert. Der Dreh in Geilenkirchen war konzentriert und entspannt.

    Dann ist die Karawane nach Berlin weitergezogen, und dort ist es etwas mühsamer geworden. Wir hatten über die ganze Stadt verteilt sehr viele Motive – etwa diesen Club, den ehemaligen Rodeo Club in der Auguststraße, mitten in Mitte – und das schlechte Wetter begann. Ende November morgens um sechs Uhr am Kottbusser Tor zu drehen, das kann recht ungemütlich sein." Dieser Aussage seines Produzenten kann Elyas M’Barek nur zustimmen: "Wir sind beim Drehen vom Spätsommer in den Herbst hineingekommen, und es wurde sehr kalt. Es ist dann eher unangenehm, wenn man bei drei Grad plus in Sommerklamotten draußen herumlaufen muss. Aber das Drehbuch hat’s vorgeschrieben.Insgesamt aber ist der Dreh ungeheuer glattgelaufen, alles hat funktioniert und es hat viel Spaß gemacht."

    (Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion GmbH, 2012)

    Fenster zum Sommer - Stab, Besetzung und Inhalt

    Stab:

    BuchHendrik Handloegten (frei nach dem Roman von Hannelore Valencak)
    RegieHendrik Handloegten
    KameraPeter Przbylski
    MusikTimo Hietala
    CastingNina Haun
    SzenenbildYesim Zolan
    KostümeAnette Guther
    MaskeBarbara Kreuzer, Alexandra Lebedynski
    ProduktionsleitungTom Sternitzke
    ProduzentinMaria Köpf
    Co-ProduzentinLiisa Pentthilä
    RedaktionLucas Schmidt (ZDF), Anne Even (ZDF/Arte), Andreas Schreitmüller (Arte)

    Eine Produktion der Zentropa Entertainments Berlin in Co-Produktion mit dem ZDF und der Edith Film (Helsinki), in Zusammenarbeit mit ARTE und YLE, gefördert durch DFFF, Medienboard Berlin-Brandenburg, MDM Leipzig, Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein, FFA, BKM, Finnish Film Foundation und Media

     

    Die Rollen und ihre Besetzung:

    Juliane KreislerNina Hoss
    August SchellingMark Waschke
    Philipp HobrechtLars Eidinger
    Emily BlattFritzi Haberlandt
    OttoLasse Stadelmann
    Matthias Christoph Bach
    RebeccaSusanne Wolff
    Sabine WirthBarbara Philipp
    Frau Dr. MesmerBarbara Schnitzler
    KupferschmidtErnst Stötzner
    TaxifahrerMike Adler
    und viele andere

     

    Inhalt:

    Eine schnurgerade Straße in Finnland, es ist Sommer. Juliane und August fahren in ihren ersten gemeinsamen Urlaub, sie wollen Julianes Vater besuchen. Sie sind glücklich, verliebt, seelenverwandt. An einem See machen sie Rast, August springt ins Wasser und erschreckt Juliane, die kurz glaubt, er tauche nicht wieder auf. Später, im Auto, erinnert sich Juliane an ihr erstes Zusammentreffen, zu Hause in Berlin: Es war Liebe auf den ersten Blick. Im parkenden Wagen schläft Juliane in Augusts Armen ein. Als sie aufwacht, liegt sie im Bett in ihrer ehemaligen Wohnung. Ihr Exfreund Philipp erinnert sie an einen gemeinsamen Geschäftstermin. Juliane zieht die Vorhänge zurück: Sie ist in Berlin. Es ist Winter. Was ist geschehen?

    Schnell merkt Juliane, dass das Schicksal sie um Wochen zurückgeworfen hat, aus dem Sommer in den kalten Februar, in eine Zeit, die sie schon einmal erlebte. Sie versucht, August anzurufen, doch seine Sekretärin kennt ihren Namen nicht mehr und weigert sich, ihr weiterzuhelfen. Auf dem Weg ins Büro trifft Juliane, die nur notdürftig einen Mantel über ihr Nachthemd geworfen hat, ihre Kollegin Emily im Bus. Die alleinerziehende Mutter bringt ihren Sohn Otto zur Schule. Juliane ist irritiert. Emily scheint nicht zu wissen, dass Julianes Leben sich komplett verändert hat. Später fährt sie mit Philipp zum Treffen mit einem Makler – die beiden wollen sich eine Wohnung kaufen. Seltsamerweise sieht Juliane dieses Gespräch wortwörtlich voraus. Sie versteht nichts mehr. Wird sich alles, was sie schon einmal erlebt hat, wiederholen? Auch die erste Begegnung mit August, Wochen später, bei der sie sich ineinander verlieben? Um Klarheit zu bekommen, wartet Juliane vor Augusts Wohnung. Als er mit einer Frau aus dem Haus kommt, verfolgt sie die beiden und spricht August unter einem Vorwand an. Er erkennt sie nicht. Sie trifft Emily in der Kantine wieder. Sie erzählt ihr von ihrem Dilemma, einen Mann zu lieben, der sie noch nicht kennt. Emily versteht sie nicht und spricht von Missverständnissen zwischen Frauen und Männern; derweil versucht sie, mit einem Kollegen zu flirten, den sie schon länger anhimmelt. Für den Abend ist Emily mit ihm verabredet und bittet Juliane, auf Otto aufzupassen. Otto, für den Juliane eine abgewandelte Variante ihres geheimnisvollen Rätsels in eine Gute-Nacht-Geschichte verpackt, findet eine scheinbar einfache Lösung für ihre Situation: Solange sie an diesem einen so wichtigen Tag alles genauso mache wie in der Vergangenheit, könne sie alle anderen Tage neu gestalten. Juliane schreibt August einen Brief, in dem sie viele Details schildert, die sie mit ihm erlebt hat, und bittet ihn um ein Treffen. Und sie redet mit Philipp. Nach einer traurigen Aussprache mit ihm zieht sie aus der gemeinsamen Wohnung in ein Hotel.

    Das Treffen mit August im Restaurant verläuft jedoch nicht wie erwartet: Auch Augusts Freundin Rebecca ist dort, sie hat Julianes Brief abgefangen, bevor August ihn zu sehen bekam, und vermutet in ihr eine heimliche Geliebte. Der ahnungslose August wird von der aufgebrachten Rebecca nach einem Wortgefecht sitzen gelassen, Juliane folgt ihm bis zu einer Party. Hier lernen die beiden sich noch einmal neu kennen, tanzen, trinken und rauchen miteinander und landen schließlich in Julianes Hotel.

    Am nächsten Morgen schleicht sich August jedoch aus dem Zimmer. Juliane beschließt, nicht mehr zu intervenieren und dem Schicksal seinen Lauf zu lassen. Sie will versuchen, alles genauso zu machen wie beim ersten Mal. Doch je verzweifelter sie das versucht, desto mehr verwirrt sie ihre Erinnerung: Hatte sie beim Kantinenessen eine oder zwei Kartoffeln genommen? Wann genau hatte sie sich hingesetzt? Juliane bricht in der Firma zusammen und landet im Krankenhaus. Emily holt sie von dort ab und nimmt sie mit zu sich und Otto. Juliane erzählt dem Kind von ihrer neuen Erkenntnis: Man müsse sich auf sein Gefühl verlassen, behauptet sie. Und dann ist er plötzlich da: der Tag, der alles verändern soll …

    Fenster zum Sommer - Interview mit Hendrik Handloegten

    Wie entstand das Drehbuch?

    Es gibt einen gleichnamigen Roman von Hannelore Valencak, der in den 1960ern erschien und sich mit der Emanzipation von Frauen auseinandersetzt. Bei der Adaption ins Heute blieb eigentlich nur die Grundkonstellation übrig: dass eine Frau einen Abschnitt ihres Lebens, den sie schon hinter sich gelassen hat, noch einmal mit einem anderen Bewusstsein erleben muss.

    Es passiert etwas sehr Seltsames im Film: Jemand erlebt einen Teil seines Lebens zweimal. Wie kann das sei? 

    Ich glaube, dass "Fenster zum Sommer" ein Film ist, der mit einem Geheimnis umgeht: Es wird eine Behauptung aufgestellt, die fantastisch ist. Für mich funktioniert es eigentlich nie, wenn ein Film, der auf ein Geheimnis aufgebaut ist, am Schluss eine Erklärung gibt. Darum ist zum Beispiel Peter Weirs "Picknick am Valentinstag" ein starker Film: Eine Lösung wird nicht gegeben, es bleibt die Frage. Und die nimmt der Zuschauer mit nach Hause. Natürlich gibt es verschiedene Lesarten für das, was Juliane passiert, aber keine Erklärung. Das finde ich einfach stärker. Es bleibt. Oder wie Juliane es im Film ausdrückt: Eine Sache des Herzens kann vom Verstand nicht erklärt werden.

    Der Film hätte leicht in eine esoterische Ecke abdriften können, ist er aber glücklicherweise überhaupt nicht.

    Ich fand interessant, dass man durch diese Genre-Behauptung "Eine Frau fällt in der Zeit zurück" viele Prozesse in Paarbeziehungen erzählen kann, die sonst tödlich langweilig sind. Wenn man sagt, dass diese Frau – und der Zuschauer natürlich auch – schon weiß, dass sie sich neu verliebt, kann man wunderbar sichtbar machen, was Nancy Sinatra und Lee Hazlewood in "You’ve Lost That Lovin' Feelin'" besingen: Sie hat ihr Herz an jemand anderes verschenkt, darum funktioniert die alte Beziehung nicht mehr. Durch diese spezielle Konstellation kann man eine solch fragile und auch 24 realistische Sache wie das Ende einer Liebe abbilden, für das keiner etwas kann. Sie nicht und August auch nicht. Solche Situationen sind normalerweise recht quälend, aber durch den Kunstgriff der Zeitverschiebung wird es spannend. Und der Zuschauer kann das zum Anlass nehmen zu reflektieren, in welcher Phase seines Lebens er sich gerade befindet. Das ist die Frage, die ich mir selbst auch von Anfang an gestellt habe: Würde ich bestimmte Dinge im Leben noch mal genauso wiederholen?

    Kann eine Liebe so stark sein, dass sie alles umhaut? Sogar, wenn Kinder mit im Spiel sind? Im Film geht es auch um ein Kind ...

    Ja. "Against all Odds", das gibt es. Diese Erfahrung steht für mich dahinter, das ist der Schlüssel für den Film gewesen. Am Ende steht das Kind über dem persönlichen Liebesglück. Das ist auch im Film so: Otto hat das letzte Wort. Formal ist es so, dass es mich sehr interessiert hat, einen Film in der ersten Person zu erzählen. Die ersten Drehbuchfassungen klangen auch noch so: Ich wache auf, ich gehe zum Fenster und so weiter. Das war schön und ungewöhnlich, und ich bekam einen sehr subjektiven Blick auf den Plot. Es ist ja auch so geblieben: Nina, die Juliane spielt, ist in absolut jeder Szene präsent. Man sieht immer ihren Point of View.

    Vielleicht wäre es sonst auch schwer zu verstehen gewesen – selbst Juliane hat ja Schwierigkeiten ... So erkennt man, dass es fast unmöglich für sie ist zu beweisen, was ihr widerfahren ist. Weil keiner es glauben würde.

    Und das versucht sie an einer Stelle sogar: Sie schreibt August einen Brief, in dem sie eine Menge Wissen über ihn offenbart. Aber wenn man so etwas macht, dann denken alle, man sei verrückt. Im Film gibt es nur eine einzige kurze Stelle, an der Juliane etwas über die ihr bereits bekannte Zukunft sagt. Das hat gereicht. Ich habe beim Drehbuchschreiben gemerkt, dass man diese Zukunftsvoraussagen nicht zu weit treiben darf, sonst denkt Julianes Umgebung, dass sie spinnt, und ihr würde trotzdem keiner glauben. Ich habe mir eher vorgestellt, dass jemand an einem ganz normalen Tag neben seinem Lebenspartner aufwacht und sagt: Liebling, ich habe gerade etwas echt Merkwürdiges geträumt. Dass ich mit dir in einem Auto in Finnland auf einer kerzengeraden Straße durch die Mittsommernacht fahre. Und dann bin ich aufgewacht und war wieder bei meinem Exfreund. Die Idee war also: Der Film soll eine gewisse Entfernung zur Realität haben. Das eigene Leben wie einen Film zeigen.

    Eine Geschichte wie ein Traum.

    Genau. Am Anfang liegt die Hauptperson im Auto. Ihr Freund schläft ein, und sie macht sich Gedanken darüber, wie sie in diese Situation gekommen ist. Und dann merkt sie irgendwann, dass sie das Kind ihrer Freundin übersehen hat. Mit dem konnte sie im ersten Durchgang ja nichts anfangen. Doch sie versteht, dass es eigentlich die ganze Zeit darum ging, die Verantwortung für den Jungen zu übernehmen. Es geht um den kleinen Kerl.

    Bei der zweiten Begegnung mit August zeigt Juliane einen anderen Teil von sich, benimmt sich ganz anders ...

    Ja, da hat sie August im Griff. Die Unschuld der ersten Begegnung ist dahin. Und wenn sie ihn am Schluss ein drittes Mal trifft, ist es wieder anders. Da verhält sie sich abwartend. Der Film hat sozusagen ein sehr offenes Happy End ...

    Die Freundschaft zwischen Juliane und Emily scheint ein wichtiges Motiv zu sein.

    Ja, denn bald steht für die Protagonistin im Raum: Soll ich mein persönliches Liebesglück über alles stellen? Als sie sich zwischen Freundin und Liebhaber entscheiden muss, bringt sie ein Opfer. Dass der Film das zum Ausdruck bringt, ist mir wichtig. Ich finde es schrecklich, wenn Leute sagen: Hauptsache, ihr habt Spaß! Dass die Freundschaft so stark geworden ist, hat aber auch mit den beiden Schauspielerinnen zu tun: Nina Hoss und Fritzi Haberlandt sind wirklich schon lange befreundet. Alle vier waren ja ohnehin zusammen auf der Ernst-Busch-Schauspielschule im gleichen Jahrgang!

    Der Film scheint zwei unterschiedliche Looks zu haben: der ewige Sommer in Finnland und der ewige Winter in Berlin.

    Wir mussten das gar nicht extra unterstreichen, die beiden Teile sahen wegen der entgegengesetzten Jahreszeiten eh schon sehr unterschiedlich aus. Die Leute wirken anders, haben einen anderen Hautton, kleiden sich anders. Aber ich habe natürlich versucht, Finnland als ein Idyll, als einen Sehnsuchtsort darzustellen. Und das Idyll braucht sein Gegenstück.

    Haben Sie ein besonderes Verhältnis zu Finnland?

    Ja, ich hatte über Jahre den immer wiederkehrenden Traum, dass ich in einem schwarzen Oldtimer mit einer Frau in den finnischen Sonnenuntergang fahre. Außerdem sind meine allerersten Erinnerungen finnisch, denn ich habe die ersten fünf Jahre meines Lebens in Finnland verbracht. Die finnische Landschaft und Sprache habe ich also sehr stark im Kopf. Die Sprache spreche ich jetzt nicht mehr, aber als kleines Kind konnte ich das tatsächlich! In der Vorbereitung war ich das erste Mal seit 1983 wieder dort. Der ganze Film beschäftigt sich mit Erinnerung. Auch die Super-8-Szenen stehen natürlich dafür. Die Begegnung mit Stätten der Kindheit: Es ist alles auf eine fremde Art vertraut.

    Fenster zum Sommer - Interview mit Nina Hoss

    Was ist das Besondere an der Figur Juliane?

    Juliane kommt ungefragt in die Situation, sich noch einmal entscheiden zu können. Und das muss man sich mal vorstellen: Man wird sechs Monate seines Lebens zurückgeworfen, in eine Zeit, die vielleicht nicht besonders schön war. In der man Dinge versäumt oder falsch gemacht hat – sie hatte ja eine geheime Affäre, und sie hat sich von ihrem Freund Philipp getrennt. Das ist die Lehre, die meine Figur ziehen muss: Sie muss ihre Prioritäten neu setzen und die dann auch vertreten, sich der Realität neu stellen. In meinen Augen lernt sie dadurch vor allem sich selbst kennen. Natürlich ist es eine Liebesgeschichte, aber die hat Juliane verändert: Am Ende ist sie selbstständig und verantwortungsbewusst. Sie scheint die sechs Monate tatsächlich gebraucht zu haben. Beim zweiten Anlauf ist sie in derselben Situation viel weiter als beim ersten. Das Schicksal scheint ihr die Zeit geschenkt zu haben.

    Und wie kommt sie mit dieser Situation klar?

    Obwohl der Film auch etwas Komödiantisches hat, etwas Leichtes und Humorvolles, war meine Hauptfrage an Henk (Red.: Hendrik Handloegten), den Regisseur, immer: Wie soll sie sich denn an jeden Moment erinnern? Wenn ich jetzt drei Monate zurückdenke, hätte ich keine Ahnung, was ich täglich gemacht habe! Das Schwierige für Juliane ist, dass sie denkt, sie müsse alles wiederholen, damit sie wieder dort ankommt, wo sie unbedingt hin möchte! Einerseits ist das ein ganz verzweifelter Zustand, aber beim Zuschauen hat es andererseits teilweise auch etwas sehr Komisches. Und dass ausgerechnet ein Kind sie mit seiner Naivität darauf bringt, dass sie ja nur an einem speziellen Tag ihre Handlungen genau wiederholen müsse, ist für mich ein wichtiger Moment. Der gibt ihr ebenfalls ein bisschen Leichtigkeit zurück.

    Welche Rolle spielt das Kind in der Geschichte?

    Juliane muss sich entscheiden: Muss ich mich nicht in erster Linie darum bemühen, meiner Freundin zu helfen und nach ihrem Schicksalsschlag Verantwortung für ihr Kind zu übernehmen? Ist das vielleicht wichtiger als mein eigenes Glück? Kann mich das schlussendlich sogar zufriedener, ganzheitlicher machen?

    Die Rolle der Juliane scheint fast zweigeteilt: einmal unwissend, einmal wissend ...

    Ja, beim zweiten Mal begegnet sie auch August ganz anders, denn sie weiß, dass er sie noch nicht kennt. Ich musste mich also in den Zustand hineinversetzen, jemandem gegenüberzustehen, der mir komplett vertraut ist, dem es aber umgekehrt nicht so geht. Man kann ihm somit mit einer größeren Frechheit begegnen. Außerdem ist das ihre Chance: Als sie ihn wieder trifft, ist er gerade verlassen worden, und sie muss einfach probieren, ihn zu verführen. Aus dieser Geschichte holt sie darum auch etwas ganz anderes als er: Sie denkt, sie habe ihn wieder, doch er geht am Morgen einfach weg, denn sie haben sich eben doch im falschen Moment getroffen. Das auszutarieren, damit es nicht zu tragisch wird und damit man nicht plötzlich zwei verschiedene Figuren spielt, sondern eine, die sich entwickelt hat, das war die Herausforderung meiner Rolle.

    Auch August benimmt sich anders, als er sie das zweite Mal trifft.

    Ja, beim ersten Treffen hatten beide noch andere Beziehungen. Und ich denke, dass die Geschichte auch einem Mann hätte passieren können: Man erkennt plötzlich, vorher immer davongelaufen zu sein, vor anderen und vor sich, und ein Paket mit sich herumgeschleppt zu haben. Darum ist das Ende für mich nicht nur ein Happy End für das Paar, sondern auch für die Frau.

    Wie haben Sie sich erklärt, was Juliane passiert?

    Ich habe das einfach als Fakt akzeptiert. Und ich glaube, das war als Schauspielerin meine einzige Möglichkeit, alles andere muss der Zuschauer sich zusammenbasteln. Denn wenn ich mich nicht in die gleiche Situation wie meine Figur versetze, dann verliere ich alles aus den Augen, vor allem die Glaubwürdigkeit. In einer Filmszene sagt Juliane zu dem kleinen Jungen, dass man manches eben nicht mit dem Verstand erklären kann, sondern sich auf sein Gefühl verlassen muss.

    Was würden Sie machen, wenn Ihnen so etwas passieren würde?

    Ich glaube, bei mir gäbe es einen ähnlichen Verlauf: Erst Erstaunen, dann der Versuch, so etwas wie Normalität herzustellen, danach eine Art Zusammenbruch, weil man denkt, man müsse den ersten Versuch genau wiederholen. Und dann wieder laufen lassen, weil man sich sowieso nicht wehren kann. Man ist ja auch damit allein, das ist bestimmt das Schlimmste.

    Glauben Sie an so etwas wie Schicksal?

    Im Sinne von Vorherbestimmung nicht. Ich bin eher bei den Existenzialisten: Man ist selbst verantwortlich für die Gestaltung seines Lebens. Und man trägt die Verantwortung für sein Handeln. Das nimmt mir keiner ab.

    Wie ist die Freundschaft zwischen Emily und Juliane?

    Zunächst war das bestimmt eine Freundschaft zwischen Kolleginnen, aber Juliane war nie bei Emily zu Hause, hat sich nie wirklich mit ihr beschäftigt. Sie verstehen sich von Herzen, obwohl sie ganz unterschiedlich sind. Juliane braucht diese Unbedarftheit, dieses Frische, etwas Naive, das Emily auszeichnet. Erst beim zweiten Anlauf lernt sie Emily kennen und kümmert sich um sie. Ich freue mich richtig für Juliane, weil sie diesen letzten Abend noch mit Emily verbringen konnte. Sie hat dem Schicksal quasi einen Tag entrissen. Das ist ein wichtiger Moment für beide. Emily tut Juliane gut, weil sie nicht so tief und problematisch denkt und ihre Umwelt viel unmittelbarer erlebt. Und solche Frauenfiguren kennt man, die gibt es tatsächlich!

    Sie vier Hauptdarsteller kennen sich alle noch aus der Zeit an der Ernst-Busch-Schauspielschule – hat das geholfen?

    Mit Mark hatte ich sogar lange zusammen Sprechunterricht, nur zu zweit. Fritzi und ich sind schon seit dieser Zeit eng befreundet. Und über sie kannte ich Henk auch privat. Mit Mark und Lars hatte ich zwar noch nie gearbeitet, aber wir haben uns trotzdem nicht aus den Augen verloren, und ich war sehr gespannt auf den Dreh mit ihnen. Und dass wir aus dem gleichen Stall kommen, das merkte man! Wir bereiten uns ähnlich vor, stellen dieselben Fragen. Wir waren uns nicht fremd, mussten uns nicht erst aufeinander einstellen, das fühlte sich ganz natürlich zwischen uns an.

    Und das konnte der Regisseur bestimmt auch gut nutzen?

    Ja, das war großartig, weil er uns großen Freiraum geschenkt hat, gedanklich und beim Spielen. Für mich ist die Vorbereitung immer sehr wichtig, dann lasse ich das alles sacken und denke beim Dreh nicht mehr bewusst daran. Und natürlich ist wichtig, was die Partner tun. Der Film hat eine Leichtigkeit, weil wir uns in solchen Freiräumen begegnen konnten, das hat Henk möglich gemacht.

    Sie haben mit einer langen Pause gedreht, wie war das?

    Wir wollten ursprünglich zuerst die Winterszenen mit Juliane in Deutschland und danach Anfang und Ende in Finnland drehen. Das ging aber aus Zeitgründen nicht, wir mussten es umgekehrt machen, und ich dachte, es würde bestimmt schwerer werden, mit dem Ende anzufangen, wenn man die ganze Beziehung nicht erlebt hat. Doch es war sogar besser, finde ich jetzt, denn so wusste ich bei den Winterszenen genau, wonach Juliane sich sehnt, wohin sie zurück will. Es hilft einem manchmal, wenn Bilder nicht nur Fantasie, sondern Erinnerungen sind, zum Beispiel daran, wie alle während der Mittsommernacht durchdrehen. Das hat uns auch als Team sehr zusammengebracht. Insofern ist das im Nachhinein das Beste, was uns passieren konnte.

    Interviews: Prokino (2011)

    Jesus liebt mich - Stab, Besetzung, Inhalt

    Stab:

    Buch und RegieFlorian David Fitz
    KameraStefan Unterberger
    MusikMarcel Barsotti
    CastingNessie Nesslauer
    SzenenbildChristian Eisele
    KostümPeri de Braganca
    MaskeKatharina Nädelin, Astrid Marischk
    ProduktionsleitungKlaus Sungen
    ProduzentenNico Hofmann, Steffi Ackermann, Thomas Peter Friedl, Patrick Zorer
    RedaktionCaroline von Senden, Katharina Dufner

    Eine Produktion der UFA Cinema GmbH in Co-Produktion mit dem ZDF, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, dem FFF FilmFernsehFonds Bayern, der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, der Filmförderungsanstalt, dem Deutschen Filmförderfonds und der Investitionsbank des Landes Brandenburg

     

    Die Rollen und ihre Besetzung:

    MarieJessica Schwarz
    Jesus/JeshuaFlorian David Fitz
    GabrielHenry Hübchen
    WernerPeter Prager
    SilviaHannelore Elsner
    SvetlanaPalina Rojinski
    SatanNicholas Ofczarek
    SvenMarc Ben Puch
    Frau im RollstuhlChristine Schorn
    KellnerJohannes Allmayer
    Svens MutterUrsula Scheiber
    RentnerinDorothea Walda
    GottMichael Gwisdek
    und viele andere

     

    Inhalt:

    Es war ja klar, dass sich Marie wieder in den Falschen verliebt. Jeshua ist einfach zu perfekt. Endlich ein Mann, der zuhören kann, kein Egoist ist und auch noch gut aussieht. Zugegeben, ein bisschen seltsam ist er schon. Er kommt aus Palästina, hat einen schlechten Frisör, weiß nicht, was eine Tomate ist, und wäscht wildfremden Menschen die Füße. Aber egal, wo die Liebe hinfällt. Und Marie kann weiß Gott eine Schulter zum Anlehnen gebrauchen. Happy End? Nicht ganz … Denn dieser Jeshua hat eine Mission. Er soll den Weltuntergang vorbereiten. Zwar nicht sofort. Aber nächsten Dienstag. So langsam geht Marie ein Licht auf.

    Florian David Fitz (Deutscher Filmpreis für "Vincent will Meer") hat nicht nur eine Hauptrolle übernommen, sondern auch selbst sein Drehbuch nach Motiven des Romans "Jesus liebt mich" von David Safier inszeniert. Seine Partnerin vor der Kamera in dieser romantischen Komödie ist die gefeierte Jessica Schwarz ("Das Lied in mir", "Romy"). Unterstützt werden die Beiden von einer hochkarätigen Besetzung, wie man sie nur selten gemeinsam vor der Kamera erlebt: Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Peter Prager, Christine Schorn, Nicholas Ofczarek und Michael Gwisdek.

    Jesus liebt mich - Interview mit Florian David Fitz

    Wie ist das Projekt entstanden? Was hat Sie daran gereizt?

    Ich kam zu diesem Projekt ursprünglich als Schauspieler, wurde also Stück für Stück in diesen Stoff hineingesogen. Ich finde den Stoff seltsam und urkomisch und freue mich auch über einige versteckte philosophische Gedanken. Außerdem ist das mal wirklich eine Geschichte, die man so noch nie gesehen hat. Und danach schreien wir doch immer alle.

    Ihr Drehbuch orientiert sich an den Motiven des Romans. Wie beschreiben Sie das Verhältnis zwischen der Vorlage und der Freiheit des Filmemachers? Was haben Sie verändert?

    Ein Film – und das ist natürlich fast schon eine Plattitüde – ist einfach ein gänzlich anderes Medium, welches über Bilder funktioniert und einen dramaturgischen Spannungsbogen in jeder Figur benötigt. In einem Roman gucke ich der Hauptfigur in den Kopf und habe ganz andere Möglichkeiten. Das geht im Film logischerweise nur bedingt. Also muss man für innere Zustände und Gefühle Bilder finden, nicht Worte. Da muss man sich irgendwann auf den Kern der Geschichte konzentrieren und versuchen, das Destillat im neuen Medium auf die Leinwand zu bringen. Im Umkehrschluss funktioniert ein Drehbuch lediglich gelesen natürlich auch nur sehr bedingt. Es ist eben eine Partitur für einen Film.

    Hat Romanautor David Safier das Filmprojekt unterstützt? Hat er den fertigen Film kommentiert?

    David hat neulich den fertigen Film gesehen und freut sich sehr.

    Sie haben eine romantische Komödie gedreht, in der die Zuschauer vertraute religiöse Motive wiedererkennen. Wie erleben Sie als Filmemacher die Gratwanderung zwischen einer Ironisierung des Vertrauten einerseits, die andererseits nicht in Respektlosigkeit abdriften soll?

    Tja, das bleibt ein spannendes Thema. Ich verlasse mich, wie bei "Vincent will Meer", auf einen sehr simplen Punkt: Wenn man die Nöte der Figuren ernst nimmt, kann man sie in die komischsten und schrecklichsten Konflikte stürzen, ohne sie zu diskriminieren. Und was die Religion angeht: Klar wirft man auch einen kritischen Blick auf jahrtausendelang eingeübte Bräuche, aber im Kern geht es ja bei Religion immer um ein gutes Miteinander im Kleinen und im Großen. Das ist eine Botschaft, die ich sehr gern übernehme.

    Worin besteht die Komik in "Jesus liebt mich"?

    Naja, wenn eine moderne junge agnostische Frau sich, ohne es zu wissen, in Jesus verliebt, Stück für Stück dieser Realität entgegenstolpert und am Ende Erzengeln und Teufeln die Stirn bieten muss, bietet sich schon der ein oder andere Moment der Komik.

    Die Fallhöhe zwischen Maries Wahrnehmung ihrer Umwelt und den buchstäblich unfassbaren Dimensionen ihres Abenteuers ist tatsächlich beträchtlich. Da das Ergebnis aus einem Guss ist – wie bringen Sie das zusammen? Ist das eine Frage des Erzählstils? Der Schauspielerführung?

    Puh, das ist eine gute Frage. Ich glaube, das Geheimnis ist, die Sache ganz simpel so zu erzählen, wie es Marie widerfährt. Ich meine, unsere Hauptfigur ist ja genauso platt wie wir, über alles was ihr da widerfährt. Die goldene Regel ist doch, auch wenn es verrückt wird: Man muss sich das mal wirklich vorstellen. Was würden wir denn tun? Das ist ja auch der Spaß an dem Film.

    Was hat Sie bewogen, erstmals die Regie zu übernehmen?

    Nico Hofmann hat mich gefragt, ob ich das Drehbuch, wie es am Ende stand, verfilmen möchte. Ich hatte große Ängste, folgte aber seinem Rat, einfach auf mein Gefühl zu hören: Habe ich Lust auf den Stoff, oder nicht? Und ich hatte große Lust.

    Was bedeutet es für Sie als Schauspieler, Jesus zu verkörpern?

    Ich versuche, mich nicht verrückt zu machen. Ich habe nach einem Konflikt für die Figur gesucht und habe ihn gefunden: den Konflikt, eigentlich ein Mensch zu sein und sich nach Menschlichem zu sehnen, aber notwendigerweise auch eine Ikone, bei der das private Glück keine Rolle spielen darf.

    Da Sie ja Kollege der Darsteller sind – fällt es Ihnen dadurch leichter oder schwerer, hinter die Kamera zu treten und ihnen Anweisungen zu geben?

    Ich glaube, es erleichtert mir die Arbeit enorm, was die Kommunikation angeht. Man hat eine gemeinsame Sprache und weiß, was schwierig ist, aber auch was möglich ist. Wichtig war, dass mir selbst die erfahrensten Hasen unter den Kollegen vertraut haben. Das war schnell klar und das ehrt mich.

    Wie ist es Ihnen gelungen, so hochkarätige Schauspieler wie Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Nicholas Ofczarek und Michael Gwisdek für das Projekt zu gewinnen?

    Na, ich glaube, ihnen haben die Rollen gefallen. Sie haben sehr lustige und auch menschlich anrührende Sachen zu spielen.

    Mit einigen Kollegen wie Peter Prager und Johannes Allmayer haben Sie bereits erfolgreich zusammengearbeitet. Wie wichtig ist Ihnen die Vertrautheit im Team?

    Mein größter Anker ist die Produzentin Steffi Ackermann, die schon bei "Doctor’s Diary" meine Produzentin war. Es ist sehr viel leichter, wenn man schon ein paar Konflikte hinter sich hat und den anderen in Geschmacksfragen kennt und vertraut. Sonst kann sehr viel Zunder für kommunikative Annäherung draufgehen. Wir müssen keine Egos mehr abstecken.

    Welche Erfahrungen haben Sie am Set mit den Schauspielern gemacht?

    Ich finde es erst mal spannend, mit was für einer Neugier und an Unsicherheit grenzenden Offenheit eine Hannelore Elsner und ein Henry Hübchen an ihre Rollen gegangen sind. Da wurde mir klar, dass das die Qualität ist, die sie zu dem macht, was sie in der deutschen Filmlandschaft sind. Eben nicht fertig und abgebrüht, sondern immer suchend. Das war ganz toll.

    Peter Prager erfreut mich immer, wenn er zupackt. Er hat ja eine Sensibilität, bei der man das nicht erwartet. Deshalb ist immer noch einer meiner Lieblingsmomente im Film, wo Peter der Kragen platzt. Es kommt so aus dem nichts, dass ich selbst beim 300sten Mal noch lachen muss.

    Palina Rojinski hat natürlich das Äußerliche, was sie für diese Rolle prädestiniert hat, aber was mich viel mehr berührt hat, ist, wie stark sie allein der Akzent verändert hat. Das macht bei ihr eine ganze Welt auf, denn sie kommt ja aus Russland. Das hatte sie in jeder Szene im Gepäck und das kann man nicht herstellen.

    Nicholas Ofczarek liebt Sprache und kann wunderbar damit umgehen. Der bringt so eine Verdrängung mit ans Set, da wird Marie ganz von selber schummrig. Er ist ein entsichertes Präzisionsgewehr. Wahnsinnig spannend und klug.

    Michael Gwisdek ist ja ein großartiger Komödiant. Wir haben an dem Tag sehr lange gedreht und Michael wurde immer besser. Am Ende hat er gar nichts mehr gemacht, und trotzdem hat sich alles transportiert. Das ist ja quasi das höchste Stadium, das man als Schauspieler erreichen kann.

    Ja, und Jessica war für mich ein großes Glück. Sie hat sich hier auf ein Genre eingelassen, in dem sie sich nicht so zu Hause fühlte, und ist alle unsere Wege mit Mut und Chuzpe mitgegangen. Es ist ja nicht damit getan, lustig zu sein. Man muss ja dabei auch echt bleiben. Und das können nur wenige. Jessica ist so direkt und durchlässig, wie ich wenige Schauspieler kenne. Wenn sie lacht, dann lacht sie wirklich, und wenn sie weint, dann ist das nicht geschönt, sondern so, wie sie halt weint. Und das geht natürlich direkt am Gehirn vorbei ins Herz. Man sieht einfach, wenn da echte Menschen stehen.

    Der idyllische ländliche/kleinstädtische Schauplatz bildet einen wunderbaren Kontrast zum gar nicht idyllischen Seelenleben der Hauptfiguren. Kann man von einem "überhöhten" Realismus sprechen? Kommentieren Sie das Konzept für die perfekten Kamerabilder, die in Aufbau und Ausleuchtung oft an Gemälde erinnern.

    Tatsächlich wollten Stefan Unterberger (Bildgestaltung) und ich sehr gern den Kontrast zwischen der modernen und etwas entzauberten Realität und einer Welt, die viel älter ist und die noch Geheimnisse hat, herausarbeiten: Caravaggio im Gegensatz zur Neonröhre in der Tankstelle. Je weiter Marie in diese religiöse Zwischenwelt verstrickt wird, desto mehr bedienen wir uns an Bildern, die wir uns irgendwo in der Kirchengeschichte abgeschaut haben. Da reicht die Bandbreite von der hohen Kunst bis zum Heiligenkitsch des späten 19. Jahrhunderts. Natürlich hat es uns auch Spaß gemacht, bekannte Bilder im Film zu verstecken. Wäre ja schade, das nicht auszunutzen.

    Jesus hat im Film zwar keinen Heiligenschein, aber sein strahlend weißes Gewand ist vor allem in den Nachtszenen nicht von dieser Welt. Ist diese Wirkung in der Kamera entstanden oder helfen da Effekte nach?

    Das ist Lichtsetzung und natürlich auch nachbearbeitet. Jesus hat übrigens einmal einen zufälligen Heiligenschein. Den muss man aber finden.

    (Un)Auffällig ist der Einsatz der visuellen Effekte, die am Anfang gar nicht als solche wahrnehmbar sind (die „dressierten“ Fliegen), aber auch später bei den übernatürlichen Sequenzen für völlig überzeugenden Fotorealismus sorgen. Was bedeutet das in Bezug auf Ihre Regiearbeit? Wie weit mussten Sie mit den Effekte-Spezialisten schon vor dem Dreh zusammenarbeiten? Wie weit waren zum Beispiel Greenscreen-Aufnahmen erforderlich?

    Klar, wenn dann die Welt untergeht, da muss dann schon der ein oder andere Effekt her. Wir haben uns auch da an Gemälden vom Jüngsten Tag orientiert. Denis Behnke, unser VFX Supervisor, wie es so schön denglisch heißt, war immer vor Ort, wenn es Effektschüsse gab. Und klar, da wurden Greenscreens aufgespannt. Für ein Making-of wäre es sehr unterhaltsam, die Effektschüsse vor der Bearbeitung zu zeigen. Da steht dann beim Weltuntergang schon mal ein Teammitglied im Hintergrund und kaut an einer Wurstsemmel. In der Postproduktion hat sich dann Pixomondo die Nächte an den Computern um die Ohren geschlagen, um die Wurstsemmel und die Greenscreens  in so ein beängstigendes Weltuntergangsszenario zu verwandeln.

    Welche Schauplätze haben Sie ausgewählt?

    Wir haben in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg gedreht, weil wir dort gefördert wurden. Das Ganze fügt sich aber sehr schön, weil wir ja aus einer sehr heutigen, etwas banalen Welt mehr und mehr in eine mythische Welt gesogen werden. Dafür haben wir, beziehungsweise besonders der Szenenbildner Christian Eisele, großartige Motive gefunden. Gabriels Kirche war ein Glücksfall, nach dem wir lange gesucht haben. Bei Freiburg in wunderschöner Landschaft. Ich hatte nur dauernd Heuschnupfen. Die Innenszenen in Gabriels Pfarrhaus wurden in einem wunderschönen Garten voller Pfauen in Baden-Württemberg gedreht. Da müsste man auch mal außen drehen! Maries Elternhaus wurde in Nordrhein-Westfalen gefilmt und hat uns gleich sehr gefallen, da es so sehr zu den Figuren gepasst hat. Auch wenn natürlich jeder Ort von Christian Eisele noch gestaltet und verändert wurde. Die Bilder der Wiesen/Felder in den ländlichen Sequenzen entstanden in Freiburg; rund um die Kirche von Gabriel. Es war wunderschön dort. Als Ortszentrum diente eine typische deutsche Kleinstadtfußgängerzone in Bensberg. Die Seelandschaft lieferten zwei schöne bayerische Seen, der Walchensee und der Sylvensteinspeicher – wobei die Unterwasseraufnahmen in einem Sauerkrauttank beim Münchner Flughafen stattfanden. Ohne Scherz! Die Kirchenruine ist eine wunderschöne Ruine namens Allerheiligen im Schwarzwald. Es hat drei Tage geregnet. Und es gibt dort keinen Handyempfang – für die Konzentration war das durchaus spannend, organisatorisch aber eine echte Herausforderung. Schließlich das Set mit dem langen Korridor in der Sequenz mit Gott: Das ist ein ganz tolles, marodes Theater in Belgien. Wir waren so bezaubert, dass wir extra umgeschrieben haben, um dort zu drehen.

    (Produzentin Steffi Ackermann: Wir haben auch von allen Location Büros großartige Unterstützung erfahren und sehr davon profitiert. Die Suche nach den perfekten Orten für den Film hat uns als Team aber auch wirklich zusammengeschweißt, und wir haben gemeinsam Deutschland mehrfach ganz durchquert. Am Ende ergibt es einen erzählten Ort, der sich aus den spannendsten und schönsten Plätzen zusammenfügt. Und es gab in jedem Bundesland lustige Erlebnisse. Ob es nun ein Florian David Fitz ist, der in einer von Teenagern bevölkerten Fußgängerzone im Ruhrgebiet Aufruhr verursacht, oder die super-gutgelaunten Komparsen in Baden-Württemberg, die gar nicht mehr aufhören wollten‚ „Gottes Liebe ist so wunderbar“ zu singen. In Bayern haben wir viel Zeit an den schönsten Seen verbracht, die wirklich das ganze Team verzaubert haben.)

    Wie Marie (mit einiger Unterstützung) lernt, sich auf das Ende der Welt vorzubereiten, wirkt so sympathisch, dass wir Zuschauer ihr durchaus nacheifern sollten. Welche Lehre haben Sie persönlich aus dieser Geschichte gezogen?

    Tatsächlich? Keiner nimmt dir die Verantwortung ab, gut zu leben. Und keiner außer dir kann dir sagen, was das heißen soll: „gut“ leben. Die Gedanken muss man sich selber machen.

    Interview: Ufa Cinema GmbH / Warner Bros Entertainment (2012)

    Vatertage - Opa über Nacht - Stab, Besetzung, Inhalt

    Stab:

    RegieIngo Rasper
    BuchThomas Bahmann, Ralf Hertwig
    KameraUeli Steiger A.S.C.
    MusikMartin Probst, Peter Horn
    Titelsong "Liebe"Moop Mama
    CastingDaniela Tolkien
    SzenenbildHeike Lange
    KostümCaro Sattler
    MaskeMike Reinecke, Verena Weissert
    HerstellungsleitungJens Oberwetter
    ProduktionsleitungThomas Klimmer
    ProduzentenJakob Claussen, Uli Putz
    RedaktionDaniel Blum

    Eine Claussen+Wöbke+Putz-Produktion, co-produziert vom ZDF, gefördert durch den FFF FilmFernsehFonds Bayern, die Filmförderungsanstalt FFA sowie dem Deutschen Filmförderfonds DFFF

     

    Die Rollen und ihre Besetzung:

    BastiSebastian Bezzel
    DinaSarah Horváth
    TheaMonika Gruber
    VanessaChristiane Paul
    LambertHeiner Lauterbach
    NektariosAdam Bousdoukas
    BöhSebastian Edtbauer
    FelsMax Hegewald
    NatalieNina Gummich
    DebbieSylvia Hoeks
    GerdPeter Mitterrutzner
    UlfMatthias Matschke
    Baby PaulMika Sieger
    Tristan & TaominoAndreas & Matthias Eisele
    CaroNina Brandt
    SabineCharlotte Irene Thompson
    Debbies FreundinAngela Geiger
    Frau OberrotterIrm Hermann
    "Wadlbeißer"Moop Mama
    und andere

     

    Inhalt:

    Basti, 36-jähriger Lebenskünstler, Rikschafahrer und überzeugter Vollblut-Münchner, wird mit einer Überraschung konfrontiert: Vor seiner Haustür steht unerwartet die 17-jährige Dina aus Bitterfeld und behauptet sehr glaubwürdig, seine Tochter zu sein. Unter dem Arm trägt sie ihr Baby Paul. Über Nacht vom Junggesellen zum Großvater mutiert, muss Basti weitere Turbulenzen fürchten. Denn Dina braucht keinen Vater, sondern einfach nur Geld – davon aber jede Menge – und zwar sofort! Da können weder Bastis Vater Lambert , der derzeit nur Augen für seinen griechischen Lover Nektarios hat, noch Bastis gestrenge Schwester Thea helfen. Und von Basti selbst oder seinem Rikscha-Unternehmen, den "Wadlbeißern", ist auch nichts zu holen. So muss Basti sich plötzlich ganz schön abstrampeln, denn das ist erst der Anfang vom Chaos, das noch auf ihn wartet.

    Eine charmante Familienkomödie über Väter wider Willen, Töchter mit gewissen Ansprüchen und einen Sommer voller Überraschungen, eine turbulente Kinokomödie von Ingo Rasper ("Reine Geschmacksache"). Sebastian Bezzel ("Tatort", "Schwere Jungs", "Stellungswechsel", "Die Geschichte vom Brandner Kasper") als Basti wird unterstützt von einem hochkarätigen Schauspielerensemble, darunter Heiner Lauterbach ("Rossini") als Bastis Vater Lambert, Adam Bousdoukos ("Soul Kitchen") als dessen junger Lover Nektarios sowie TV-Star und Comedy-Größe Monika Gruber ("Eine ganz heiße Nummer") als Bastis Schwester Thea. Sarah Horváth ("Die wilden Kerle 5") steht als Bastis Überraschungs-Tochter Dina vor der Kamera, ihre Mutter wird gespielt von Christiane Paul ("Die Welle")."Vatertage" ist eine Produktion der Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion ("Maria, ihm schmeckt’s nicht", "Krabat", "Crazy", "Jenseits der Stille", "Nach Fünf im Urwald")- Das Drehbuch stammt von Thomas Bahmann und Ralf Hertwig ("Die Apothekerin", "Vorstadtkrokodile 3"). Für die Kamera zeichnet Ueli Steiger ("Friendship!", "The Day After Tomorrow") verantwortlich. Musikalisch untermalt wird der Film von der Münchner Brassband "Moop Mama".

    Vatertage - Opa über Nacht - Interview mit Thomas Bahmann

    Der Film beruht auf einer Idee des Hauptdarstellers Sebastian Bezzel. Wie sind Sie zu dem Projekt gestoßen?

    Wir hatten vorher schon einmal mit dem Produzenten Jakob Claussen über eine ähnliche Filmidee gesprochen. Bei uns wurde der Held überraschend Vater und Sebastian hatte den zusätzlichen Dreh mit dem Enkel, der auch noch unverhofft auftaucht. Uns ging es im ersten Entwurf auch darum, München einmal von einer ganz anderen Seite zu zeigen. Und wie es so oft ist: Das hat sich perfekt mit der Idee von Sebastian Bezzel ergänzt.

    Es war Ihnen von Anfang an wichtig, dass es ein München-Film wird?

    Das war für meinen Co-Autor Ralf Hertwig und mich immer klar. Und Sebastian Bezzel ist einfach ein Münchner Original, auch wenn er in Garmisch-Partenkirchen zur Welt gekommen ist. Er hat eben das, was die Wiener als Schmäh bezeichnen. Mit seiner ganzen Art und seinem Charme erinnert er mich an Menschen aus meinem privaten Umfeld hier in München. Als echter Münchner habe ich da vieles wieder erkannt, was ich aus meiner eigenen Erfahrung kenne, und das hat natürlich beim Schreiben sehr geholfen. Es ist länger her, dass München wirklich organischer Teil eines Films war und nicht einfach nur Hintergrund. Jedenfalls fällt mir auf Anhieb kein anderer Film der letzten Zeit ein.

    Ein Typ wie Basti kann also in der Form nur in München vorkommen?

    Die Gestaltung so einer Figur ist nur in München so möglich. Sehen Sie sich die Werke des Neuen Deutschen Films an – es gibt da riesige Unterschiede in der Mentalität zwischen Münchner Filmemachern wie etwa Werner Enke und Kollegen aus anderen Teilen Deutschlands. Es gibt auch in Berlin lustige Originale, aber es ist eben anders als in München. Und im Konzept des Films hatten wir natürlich Klassiker wie "Der ganze normale Wahnsinn" oder "Zur Sache Schätzchen" im Hinterkopf, weil Sebastian Bezzel eben so ein Typ ist wie der Tscharlie aus den "Münchner Geschichten" – ein bayerischer Luftikus.

    Hatten Sie beim Schreiben schon Kontakt zu Sebastian Bezzel?

    Es war eine große Hilfe, von Anfang zu wissen, dass Sebastian Bezzel die Hauptrolle spielen wird und mit seinem Wesen hat er uns sehr inspiriert. Er war wie eine Art Kompass für uns. Und wir hatten öfter Kontakt. Er hat die verschiedenen Fassungen des Buchs gelesen und allein mit ihm darüber zu sprechen war eine Riesenhilfe. Im Grunde mussten wir vor allem zuhören, wie er spricht, und dann fanden wir fast wie von selbst die richtigen Sätze für seine Figur und die Geschichte. Wir konnten uns die Dialoge sozusagen sinnlich vorstellen, das war sehr angenehm.

    Die Protagonisten sprechen Mundart, aber man versteht sie auch außerhalb Münchens. War das ein schwieriger Balanceakt?

    Letztlich nicht. Das haben wir dem Regisseur Ingo Rasper zu verdanken, der kein Münchner ist und der sofort ein gutes Gefühl dafür entwickelt hat, den richtigen Ton zu treffen. Man kennt ja diese bayerischen Serien, die "eingehochdeutscht" sind – und das ist furchtbar. Bei Sebastian Bezzel hört sich alles echt an, finde ich. Das hat uns als Autoren sehr gefreut, dass es so gut umgesetzt worden ist und genauso klingt, wie wir uns es beim Schreiben vorgestellt haben.

    Generell werden in dem Film alle Figuren sehr prägnant durch die Art der Sprache charakterisiert.

    Das hängt natürlich auch von der Besetzung ab, die hier durch die Bank exzellent ist.Damit steht und fällt der Kosmos rund um die Hauptfigur. Es war für uns sehr wichtig, das Umfeld schlüssigerscheinen zu lassen. Darauf legt man als Autor immer großen Wert, weil es viel erklärt.

    Vatertage - Opa über Nacht - Interview mit Sebastian Bezzel

    Der Film beruht auf einer Grundidee von Ihnen. Wie kamen Sie auf die Figur des Basti?

    Das liegt schon ein paar Jahre zurück. Ich saß damals mit meinem WG-Mitbewohner in unserer Berliner Bude, und wir sahen uns eine Dokumentation über jugendliche Mütter an. Ich war schon jenseits der 30 und sagte spontan: "Da könnte ich ja schon Opa sein". Ich dachte mir, das wäre eine schöne Idee für eine Komödie, die etwas überspitzt meine eigene Situation thematisiert. Also: Wie soll es weiter gehen, wo willst Du hin? Mit Mitte 30 ist man nicht mehr so jugendlich, wie man gerne wäre. Es sollte um einen Typen in diesem Alter gehen, der sich nicht dazu durchringen kann, eine Familie zu gründen und dann plötzlich mit Kind und Enkel konfrontiert wird. Geht ja rein rechnerisch. Irgendwann habe ich dem Produzenten Jakob Claussen bei einem Kaffee davon erzählt und der sagte mir, dass er zwei Autoren kenne, die ihm eine ähnliche Idee präsentiert hätten und mit denen brachte er mich dann zusammen. Das waren Thomas Bahmann und Ralf Hertwig! Mit denen habe ich mich über drei Jahre immer mal wieder getroffen, und wir haben gemeinsam Brainstorming betrieben. Die beiden haben dann immer weiter geschrieben und irgendwann sagte uns Jakob Claussen, er hätte den richtigen Regisseur für den Stoff und so nahm das dann seinen Lauf.

    Wieviel Sebastian Bezzel steckt denn in Basti?

    In der Figur stecken viele Sachen von mir. Ich habe eine ähnliche Haltung, aber ich bin dann letztlich doch ein anderer Typ, um das mal so zu sagen. Ich bin nicht so drauf wie Basti, aber es gibt natürlich Parallelen. Das liegt einfach daran, dass wir lange daran gearbeitet haben und dadurch viel von mir eingeflossen ist.

    Basti hat einen Haufen Fehler, trotzdem mag man ihn – was hat Sie daran gereizt, die Figur so anzulegen?

    Als Zuschauer mag ich Figuren, die nicht eindeutig sind. Wenn Helden auftauchen, die durch und durch gut sind, finde ich die unsympathisch. Ich denke mir dann immer: Was ist sein Problem? Denken Sie dazu im Gegensatz mal an den Monaco Franze. Der lügt und betrügt, aber man liebt ihn. Es ist halt menschlich und es ist gut, Fehler zu zeigen. Basti baut viel Scheiße, aber er wird dafür auch bestraft und er akzeptiert das. Auch wenn es eine Komödie ist, gibt es ja ein paar ernsthafte Gedanken. Basti lernt, dass Familie nicht nur grauenhafte Verantwortung bedeutet, sondern auch eine Bereicherung ist. Und man muss sich dafür gar nicht so furchtbar verbiegen. Familie ist das, was man daraus macht und im Herzen zulässt. Das hat nicht zwangsläufig mit Blutsverwandtschaft zu tun. Das begreift Basti, nachdem er seine Chance vom Schicksal bekommt und sie fast versaut.

    Basti ist ganz klar ein Typ, wie es ihn nur in München geben kann. Ihr Basti klingt sehr authentisch, aber auch Norddeutsche können ihn verstehen. Wie kriegt man das hin?

    Basti ist ein Stadtbayer, keiner vom Land. Da gibt es einfach große Unterschiede und ich hatte da als Vorbild ein wenig den Monaco Franze im Blick. Nicht, dass sich die beiden jetzt so ähnlich wären, aber es sind beides Stadtgewächse. Außerdem hat Basti als Rikschafahrer Kontakt zu Touristen und weiß, wie er mit wem sprechen kann. Wie viel Bayerisch der Moment gerade verträgt sozusagen. Er kann Hochdeutsch sprechen, es aber so einfärben, dass es immer Bayerisch klingt, obwohl es das eigentlich gar nicht mehr ist. Und er ist halt ein Münchner und kein Niederbayer oder ein Bayer aus dem Werdenfelser Land. Außerdem hat uns immer geholfen, dass unser Regisseur Ingo Rasper ein Nicht-Bayer ist. Ein toller Regisseur und ein sehr, sehr genauer Mensch, der sich auf Situationen einlassen kann. Und Ingo hatte total Lust auf München, das hat man ihm angemerkt und er hatte ein gutes Gespür dafür, wie man diese besondere Stimmung der Stadt und der Menschen einfängt. Er hat es voller Liebe gemacht und wir haben uns schon sehr früh darauf verständigt, dass München einer der Hauptdarsteller des Films werden muss.

    Sie haben viele namhafte Kollegen für eher kleinere Rollen gewinnen können. Wie war die Zusammenarbeit?

    Grundsätzlich ist es immer schön mit sehr guten Schauspielern zu arbeiten, weil dann´wirklich jede Szene gelingt. Heiner Lauterbach zum Beispiel kommt perfekt vorbereitet ans Set, er hat sich die Rolle genau durchdacht und macht deswegen auch gute Vorschläge. Oder Monika Gruber als ältere Schwester ist wunderbar: Das glaubt man einfach sofort. Es macht einfach sehr viel Spaß so zu arbeiten. Und gerade diese kleineren Rollen sind sehr wichtig für den Film, um die Figur des Basti zu erklären. Und weil es ein Kinofilm war, hatten wir den Luxus ein kleines bisschen mehr Zeit zu haben. Wir konnten viel proben und die Szenen gründlich vorbereiten. Außerdem hat uns Ingo Rasper den Spaß gegönnt, eine Szene einfach mal völlig anders zu drehen und öfter zu wiederholen. Da kommt man wirklich ins Spielen, das macht unglaublich viel Freude – und bringt gute Resultate.

    Sarah Horváth, die Ihre Tochter spielt, ist eine echte Entdeckung. Wie war die Zusammenarbeit – sie ist ja noch sehr jung …

    Sarah ist talentiert, hat Humor und sie ist eine wirklich schlaue junge Frau. Und ich habe riesigen Respekt vor ihrer Leistung, sie hat sich neben den Dreharbeiten auf ihr Abitur vorbereitet. Das hätte ich nie geschafft. Es war schon beim Casting ziemlich früh klar, dass Sarah die Rolle bekommen wird, aber natürlich macht man sich Gedanken, was passiert, wenn es dann ernst wird und der Dreh beginnt. Aber schon am ersten Drehtag waren alle Zweifel verflogen. Sie war einfach von Anfang an wirklich gut. Das hat sofort gepasst.


    Interviews: Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion GmbH (2012)

    Glück - Stab, Besetzung, Inhalt

    Stab:

    Regie und BuchDoris Dörrie (nach der Erzählung "Glück" von Ferdinand von Schirach aus dem Buch "Verbrechen", erschienen im Piper Verlag)
    KameraHanno Lentz
    MusikHauschka
    MusikberatungCharlotte Goltermann, Tina Funk
    CastingNessi Nesslaer
    SzenenbildBernd Lepel
    KostümYoshio Yabara
    MaskeBritta Balcke, Chris Kunzmann (SFX)
    ProduktionsleitungRichard Wennemann
    ProduzentOliver Berben
    Co-ProduzentRainer Curdt
    Executive ProducerMartin Moszkowicz
    Associate ProducerRuth Stadler
    RedaktionCaroline von Senden

    Eine Constantin Film Produktion, co-produziert von der Rainer Curdt Filmproduktion (Weltvertrieb: Beta Film) und dem ZDF, gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Deutschen Filmförderungsfonds, dem FFF FilmFernsehFonds Bayern und der Filmförderanstalt FFA

     

    Die Rollen und ihre Besetzung:

    IrinaAlba Rohrwacher
    KalleVinzenz Kiefer
    Noah LeydenMatthias Brandt
    Herr W.Oliver Nägele
    StaatsanwältinMaren Kroymann
    Laura LeydenChristina Große
    und viele andere

     

    Inhalt:

    Noah Leyden ist Strafverteidiger und bezeichnet sich als Spezialist für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt. Er erzählt die unfassbare Geschichte von Irina und Kalle. Zwei Gestrandete, die zueinander finden und das eben erst entdeckte gemeinsame Glück mit allen Mitteln zu verteidigen suchen.

    Irina verlässt das Glück, als ihr Land vom Krieg überrollt wird, Soldaten in ihr Zuhause eindringen, ihre Familie töten und sie vergewaltigen. Traumatisiert flüchtet sie nach Berlin und arbeitet dort als Prostituierte. Auf der Straße lernt sie den Obdachlosen Punk Kalle kennen. Die Beiden verlieben sich, zaghaft, und beginnen, sich ein kleines Leben aufzubauen. Bis eines Tages ein Freier tot in der gemeinsamen Wohnung zusammenbricht, Irina flüchtet in Panik, Kalle kommt nach Hause, entdeckt die Leiche – und beschließt, sein Glück mit Irina zu bewahren.

    Glück - Interview mit Doris Dörrie

    Was hat Sie an der Geschichte besonders berührt?

    Mich hat berührt, dass es eigentlich kein großer Kriminalfall ist, sondern eine große Liebesgeschichte. Diese Liebesgeschichte beschreibt Ferdinand von Schirach nicht. Er beschreibt das Verbrechen, das am Ende gar kein großes Verbrechen ist. Da war sehr viel Luft für mich, diese Geschichte zwischen den beiden zu beschreiben.

    Eine Geschichte über zwei Außenseiter ...

    Es hat mich interessiert, dass beide Charaktere sind, über die man sonst nicht viel hört und von denen man nicht viel spricht. Das sind diese Leute, an denen man ständig vorbeikommt in Berlin, die aber nicht wirklich vorkommen. Das sind zwei Gescheiterte, Übriggebliebene am Straßenrand. Keiner kümmert sich um sie.

    Was ist Ihres Erachtens das Außergewöhnliche an "Irina" und "Kalle"?

    Was mich bei beiden erschüttert, ist, dass sie Strandgut in Berlin sind – wo viele Strandgut sind. Und dieses riesige Schicksal, das dahinter steht, ja wirklich nur sichtbar wird, wenn man sich mit den beiden beschäftigt und genauer hinguckt und genauer fragt. Und das machen wir in der Regel ja nicht, sondern wir gehen nur vorbei und fragen nicht groß nach.

    ... Verlierer mit sehr unterschiedlichen Biographien ...

    Irinas Schicksal ist durch die Kriegsgeschehnisse in ihrem Land gewaltig. Aber Vinzenz’ Schicksal ist nicht weniger berührend, finde ich. Weil er ein Opfer der Wohlstandsgesellschaft ist, wo alles ja ganz anders hätte kommen können. Aber da hat keiner aufgepasst und keiner sich gekümmert, und da bleibt so ein Junge auf der Strecke und aus dem wird auch nichts mehr. Und dass der dann so jemanden findet wie Irina, das ist ja schon ein großes Glück. Und dass die beiden zueinander finden, das ist ein sehr großes Glück. Und dass er das auch so begreift und bereit ist, für dieses Glück alles zu riskieren, das finde ich das Besondere an der Geschichte.

    Letztendlich ist es ja die Frage: Wie weit gehen die beiden für die Liebe?

    Andersrum ist es ja so, dass wir sehr viel schneller fragen: Ach, das habe ich investiert in diese Beziehung und was bekomme ich raus? Und lohnt sich das für mich? Dieses doch sehr kapitalistische Abtasten. Das wird hier gar nicht gefragt. Sondern es ist ganz klar: Irina ist sein Leben, und dafür ist er auch bereit, alles aufs Spiel zu setzen. Es wird bei uns aber auch sehr deutlich spürbar, dass Kalle auch für sie ihr Leben ist. Also, die beiden finden miteinander ein neues Leben und das wollen sie auch auf jeden Fall verteidigen und auf keinen Fall verlieren.

    Wie behutsam gehen Sie als Regisseurin an die Inszenierung dieses Themas?

    Es passiert gar nicht so viel Schreckliches in dem Film. Es passiert auch sehr viel Schönes: Sie verlieben sich, ziehen in eine Wohnung, essen zusammen – also sie genießen die ganz einfachen Dinge viel mehr als wir vielleicht, weil sie so kostbar sind für die beiden. Für mich geht es darum, dass man eine Echtheit anstrebt und man sich nur auf seine Augen und Ohren verlassen kann. Ob es sich richtig anfühlt und ob das eine Wahrheit hat, das ist mein Job als Regisseurin: Ich bin der Wahrheits-Checker.

    Was ist Ihre Zielsetzung als Filmemacherin?

    Die Tür immer weiter auf zu machen. Normalerweise, je älter man wird und je mehr man weiß, desto mehr kann man antizipieren. Desto mehr ist man natürlich auch versucht, zu sagen: Ach, ich weiß schon wie das läuft, das wird sowieso nichts, und die Leute sind unfreundlich und Berlin ist scheiße, das Wetter ist sowieso schlecht. Dagegen anzugehen und das Gegenteil zu versuchen, sich immer weiter zu öffnen und immer durchlässiger zu werden, das ist der Hauptjob, den man hat.

    Hat sich Ferdinand von Schirach, Autor der Kurzgeschichte "Glück", in die Filmarbeiten eingebracht?

    Das ist für einen Autoren immer sehr ambivalent, wenn die eigenen Geschichten verfilmt werden. Schreiben ist wie Filme machen, man hat seinen idealen Film im Kopf und dann kommt jemand und besetzt schon die Hauptfiguren ganz anders als man sich die vorgestellt hat. Man muss wissen, dass es auf jeden Fall einen anderen Film gibt als den eigenen.

    Wie verlief der Besuch Ferdinand von Schirachs am Set?

    Ferdinand von Schirachs Besuch am Set war für mich sehr interessant: Ich musste ihm erklären, wer dieser "Kalle" ist. Weil ich mich sehr viel mehr mit dieser Figur beschäftigt habe als er. Bei ihm ist es natürlich auch eine Plotgeschichte und er musste sich nicht überlegen: Was hat der für ein T-Shirt an? Was trägt der für Schuhe? Raucht der, was hat der für `ne Frisur, ist der tätowiert, trägt der Piercings? Durch diese Filmarbeit hat man plötzlich so einen Informationsüberhang im Verhältnis zum Romanautor. Das weiß ich selbst, weil ich sehr viel Prosa und Romane schreibe. Vieles lässt man im Nebel.

    Glück - Interview mit Oliver Berben

    Warum ist Ferdinand von Schirachs Erzählung "Glück" prädestiniert für die große Leinwand?

    Glück vereint in seiner Kurzgeschichte wie kaum eine andere Geschichte verschiedene Elemente: eine große Liebesgeschichte, ein menschliches Drama und einen menschlichen Abgrund. Und die Frage „wie weit würdest du gehen“ steht über jeder Szene. Genau das sind die Faktoren, die für einen emotional starken Film nötig sind.

    Wie hat sich die Drehbuch-Entwicklung gestaltet?

    Doris wusste sehr früh, was für einen Film sie machen wollte. Wir hatten nur eine Kurzgeschichte, die zehn bis 15 Seiten eines kleinformatigen Buches füllt. Daraus einen 90-minütigen Film zu machen, ist nicht einfach. Man kann nicht wahllos etwas dazu erfinden. Es muss den Geist von Ferdinand von Schirachs Geschichte treffen. Das ist eine große Herausforderung.

    Hat der Autor Ferdinand von Schirach ein Mitspracherecht am Film erhalten?

    Ich habe relativ früh gesagt, dass ich es problematisch finde, wenn ein Autor die Filmrechte seines Stoffes abgibt und dann eine Form der Mitsprache haben möchte. Denn die Aufgabe einer Romanverfilmung ist nicht die, möglichst nah am Buch zu bleiben. Das ist ein Irrtum. Die Aufgabe ist es, den gleichen Geist, den gleichen Inhalt, das gleiche Gefühl zu treffen – in einem völlig anderen Medium. Deswegen ist eine Mitarbeit am Drehbuch im Sinne der Kontrolle fast unmöglich. Hier war es sehr angenehm, weil Ferdinand von Schirach zum mir gesagt hat:  "Machen sie das. Ich möchte bloß kein Drehbuch lesen. Und ich freu mich dann, wenn ich mir den Film anschaue."

    Wie lange haben Sie für die perfekte Besetzung gecastet?

    Das Casting hat gar nicht so lange gedauert. Alba Rohrwacher wurde von Doris entdeckt: Sie hat dieses wunderbare Mädchen in einem italienischen Film gesehen und sie zum Casting eingeladen. Wir haben sie angeschaut und konnten es kaum glauben. Und als wir die ersten Bilder mit Vinzenz Kiefer zusammen gesehen haben, war klar: Das ist ein Paar, wie man es sich vorstellt, als würden die Menschen aus dem Buch rausklappen und die Straße entlang gehen. Zumindest empfinden wir das so. Ich glaube, dass die ganze Geschichte erheblich durch den Cast dieser Figuren lebt. Diese Liebe, dieser Abgrund, diese Zerbrechlichkeit hängt ausschließlich von diesen beiden Figuren ab.

    Glück - Interview mit Ferdinand von Schirach

    Wurde Ihre Geschichte authentisch im Drehbuch umgesetzt?

    "Authentisch" scheint bei Literaturverfilmungen kein gutes Wort zu sein. Wörtliche Verfilmungen sind noch immer gescheitert. Es ist ein Wagnis, eine Kurzgeschichte zu verfilmen. Es gibt nur ein paar Zeilen, eine Kurzgeschichte lebt von der Auslassung. Der Leser braucht seine Phantasie. Wenn ich Sie bitte, sich einen Hut vorzustellen, hat dieser Hut in Ihrem Kopf eine Farbe - obwohl ich sie nicht genannt habe. Es ist Ihr Hut und Ihre Farbe. Der Film hingegen muss alles zeigen, er muss den Menschen und den Dingen Namen, Farben, Strukturen geben. Es ist eine ganz andere Kunstform. Auf der anderen Seite ist der Vorteil für den Filmemacher, dass er Platz für seine eigenen Ideen hat.

    Empfanden Sie es als schwierig, die eigene Geschichte abzugeben?

    Nein, es war ganz einfach. Ich mag Frau Dörrie und ich mag ihre Filme. Sie ist eine wunderbare Drehbuchautorin, sie kann schreiben. Meine Bücher sind eine Sache, die Filme, die daraus entstehen, eine ganz andere. Herr Berben bot mir ganz am Anfang an, beim Entstehen der Filme mitzuwirken – ich wusste sofort, dass das unmöglich sein würde. Filme entstehen in Teamarbeit, Bücher in Einsamkeit. Ich halte es auch für vollkommen lächerlich, wenn ich Doris Dörrie sagen würde, wie sie etwas zu verfilmen hat.

    Wie hoch ist denn der Wahrheitsgehalt Ihrer Kurzgeschichte "Glück"?

    Ein Strafverteidiger steht unter Schweigepflicht. Er darf nichts erzählen, was der Mandant ihm anvertraut hat. Die Geschichten sind trotzdem wahr. Aber sie sind es nicht in dem Sinn, dass sie die Wirklichkeit abbilden. Literatur ist immer wahrer ist als eine Akte oder ein Polizeibericht. Alle Kunst ist Formalisierung. Ein Gedicht über einen Moorsee, ein Haiku, ist wahrer als alles, was Sie sonst darüber sagen können. Kunst ist keine 1:1-Abbildung - sie wäre sonst schrecklich langweilig.

    Verarbeiten Sie in schriftstellerischer Form Ihre Erlebnisse als Strafverteidiger?

    Nein. Ich kann nachts schlecht schlafen und irgendwann habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und angefangen zu schreiben. Ich glaube nicht, dass das die Bewältigung eines unterbewussten Dramas war. Und wenn es doch so sein sollte, kann ich es Ihnen nicht bestätigen, weil es ja unterbewusst wäre. Ich schreibe einfach gerne. Andere spielen Golf oder kaufen sich eine Jacht. Beides langweilt mich. Das ist schon alles.

    Schenkt man Ihren Büchern Glauben, ist der Beruf des Strafverteidigers äußerst spannend ...

    Der Beruf ist wenig glamourös. Es ist wie mit dem Geheimdienst: James Bond gibt es nicht. Der Agent sitzt am Schreibtisch, fertigt Vermerke, wälzt Akten, telefoniert. Ich mag den Beruf trotzdem. Aber wenn Sie etwas Spannendes erleben wollen, werden Sie bitte Fallschirmspringer oder Haidompteur.

    Was ist Ihre Definition von Glück?

    Wir streben nach Glück, die Amerikanische Verfassung spricht sogar von einem Recht auf Glück. Aber wenn man älter wird und ehrlich zu sich selbst sein kann, versteht man irgendwann, dass die Dinge zu schnell für uns sind, wir können sie nicht erreichen. Glück ist nur eine Vorstellung. Die Jesuiten sagen, in der Mitte liege die Tugend. Das ist ein kluger Satz: Wenn Sie zufrieden sind, mit dem was Sie sind, ist alles erreicht. Dann ist Ihr Leben geglückt.

    Interviews: Constantin Film Verleih GmbH (2012)

    Unter Frauen - Stab, Besetzung, Inhalt

    Stab:

    RegieHansjörg Thurn
    BuchSarah Schnier
    KameraMarkus Hausen
    MusikMartin Todsharow
    CastingEmrah Ertem
    SzenenbildChrstian Schäfer
    KostümJoyce Tan
    MaskeValeska Schitthelm, Sonja Fischer
    HerstellungsleitungMark Stehli
    ProduktionsleitungHolger Härtl
    ProduzentIvo-Alexander Beck
    RedaktionGabriele Heuser

    Eine Produktion der Ninety-Minute Film, co-produziert von der filmpool Film- und Fernsehproduktion Köln, und dem ZDF, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, dem DFFF und dem Medienboard Berlin-Brandenburg

     

    Die Rollen und ihre Besetzung:

    Alexander HagenSebastian Ströbel
    Paula PelzerAlexandra Neldel
    Silvio/SilviaFahri Yardim
    Anneliese PelzerGrit Boettcher
    RamonaElena Uhlig
    BettinaKatharina Abt
    IngaCollien Ulmen-Fernandes
    SandraEmilia Schüle
    Cornelia BergerNina Petri
    Cornelius BergerMartin Brambach
    und viele andere

     

    Inhalt:

    Diesmal hat es Womanizer Alex zu weit getrieben: Drei Affären zur selben Zeit sind zwei zu viel. Die betrogenen Frauen verbünden sich und schicken den manischen Macho zur Hölle – gewissermaßen … Als Alex nach seinem tragischen "Unfall" wieder zu sich kommt, ist die Welt eine andere. Eine Welt ohne Männer! Nicht nur, dass Alex von Frauen umzingelt ist, sie nehmen ihn auch noch als Frau wahr. Von einer Spezies namens Mann hat hier noch keine gehört. Zum Glück ist sein bester Freund Silvio zur Stelle. Nur dass er jetzt Silvia heißt, Röcke trägt und ernsthaft am Verstand ihrer "Freundin" Alex zweifelt: Die Arme ist ja völlig durchgedreht!

    Während Alex verzweifelt versucht, einen Ausweg aus diesem feministischen Parallel-Universum zu finden, begegnet er der hübschen Paula, die sich rührend um ihre Großmutter Anni kümmert. Und allmählich begreift Alex, dass er erst ein besserer Mensch werden muss, bevor er wieder zum Mann werden darf.

    Wann ist ein Mann ein Mann? Jedenfalls nicht, wenn er drei Frauen gleichzeitig beglückt! Zuerst muss er sein Herz sprechen lassen … Regisseur Hansjörg Thurn inszeniert den unfreiwilligen Selbstfindungstrip mit handfestem Humor – und einem Hauch Magie. Das Trio Thurn, Drehbuchautorin Sarah Schnier und Produzent Ivo-Alexander Beck erwies sich bereits mit dem TV-Erfolg "Barfuß bis zum Hals" als Dreamteam. 2010 legten Hansjörg Thurn und seine Hauptdarstellerin Alexandra Neldel dann mit "Die Wanderhure" den Quotenhit des Jahres vor und schaffen gemeinsam den Quantensprung vom Mittelalter in die Parallel-Gegenwart. Als Frauenheld in der ultimativen Identitätskrise ist Sebastian Ströbel ("Mädchen Mädchen", "Countdown – Die Jagd beginnt") zu sehen. An seiner Seite glänzt Fahri Yardim ("Almanya – Willkommen in Deutschland", "Kokowääh", "Männerherzen") als "gute Fee" Silvio/Silvia. TV-Legende Grit Boettcher ("Ein verrücktes Paar", "Der Wixxer"), die auf 50 Jahre Kameraerfahrung zurückblicken kann, sorgt als Anni für die leisen Momente in dieser übersinnlich-skurrilen Situationskomödie.

    Unter Frauen - Statement von Hansjörg Thun

    Ein Mann landet in einer Frauenwelt und muss lernen, Mensch zu werden: Diese andere Welt zu entwerfen – das war eine große Herausforderung. Wie sieht denn so eine Frauenwelt überhaupt aus? Welche Farbe haben die Häuser, die Autos? Wie sind die Frauen in dieser Welt angezogen? Tragen sie High Heels oder eben gerade nicht?

    Der Entwurf unserer "Anti-Welt" hätte zum Fass ohne Boden werden können, weil sie sehr viele Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Da hatten Ivo Beck und die Autorin Sarah Schnier den bahnbrechenden Einfall, dass es bei diesem Parallel-Universum nicht in erster Linie darum geht, wie es im Einzelnen aussieht, sondern vielmehr um die Wahrnehmung dieser Welt – wie Alexander Hagen sie erlebt. "Unter Frauen" ist mehr eine Reise in seine Fantasie als Science-Fiction.

    Die Umsetzung war allerdings immer noch aufwendig genug: Wir konnten nicht einfach auf irgendeiner Düsseldorfer Straße drehen, da die Prämisse des Films nicht erlaubt, dass irgendwo ein Mann steht. Also mussten wir jeden Drehort strikt abgrenzen, es durften ja nur Komparsinnen im Bild sein. Sie glauben nicht, wieviel Material wir am Ende nicht verwenden konnten, weil 500 Meter weiter auf einer Brücke doch wieder zwei Männer auftauchten.

    Allein für die Besetzung von Silvio/Silvia haben wir wochenlang hin und her überlegt. Natürlich haben wir durchaus daran gedacht, die Rolle mit einer Frau zu besetzen, die zunächst als Mann geschminkt ist und dann in der Anti-Welt zu Silvia "pur" wird – oder die Rolle erst von einem Mann und dann von einer Frau spielen zu lassen. Aber letztlich fanden wir die Verwandlung eines Mannes zur Frau einfach am komischsten. Und Fahri Yardim hat sich da als der beste Komödiant erwiesen. Der Mann sieht weiß Gott nicht weiblich aus. Allein diese herrlich große Nase – er gibt nicht gerade die attraktivste Frau ab. Eben das macht den Charme der Rolle aus.

    Alexandra Neldel hatte ich bei der Arbeit für "Die Wanderhure" kennengelernt. Ich schätze ihre Vielseitigkeit. Da wir gerade so intensiv zusammengearbeitet hatten, lag es nahe, gemeinsam etwas völlig Anderes auszuprobieren.

    Nach unserem Alexander haben wir lange gesucht. Deutschland ist nicht gerade reich an virilen Macho-Typen. Wir mussten jemand Neuen fürs Kino entdecken. Sebastian Ströbel hat sich beim Casting durchgesetzt, weil er alles vereint, was die Figur braucht: einen ausgesprochen männlichen Charakter, dabei aber facettenreich und sympathisch.

    Unter Frauen - Statement von Sarah Schnier

    Die Idee zu "Unter Frauen" ist aus jahrelanger Beobachtung entstanden, wie Männer und Frauen kommunizieren – und dabei oft scheitern. Der Klassiker: Ein Paar am Frühstückstisch. Sie möchte sich unterhalten, er liest lieber seine Zeitung und will nicht gestört werden. Da habe ich mir eine Situation ausgemalt, in der der Mann gezwungen ist, sich mit Frauen auseinanderzusetzen. Seine Welt wird auf den Kopf gestellt. Er ist nur noch von Frauen umgeben, und – um die Schraube noch weiter anzuziehen – sogar seine männlichen Bezugspersonen sind plötzlich Frauen.

    Die Figur Silvio/Silvia war von Anfang an als Mann angelegt. Zwischenzeitlich gab es die Überlegung, die Rolle mit einer Frau zu besetzen. Mein Einwand war, dass erst der Bezug zu Silvio als Mann vorhanden sein muss, um seine Wandlung dann auch zu akzeptieren. Silvio ist der Zugang zu Alex: Er hat seinen Freund trotz allem nicht aufgegeben. Ich wünsche mir, dass sich Silvios unerschütterliche Zuneigung zu Alex auf das Publikum überträgt.

    Bei einer Konzept-Komödie wie "Unter Frauen", in der eine andere Welt, ein magisches Moment im Spiel ist, ist es eine besondere Herausforderung, den Zuschauer mit über diese Schwelle zu nehmen. Es macht Spaß, neues Terrain zu betreten.

    Natürlich hätten wir eine riesengroße neue Welt entwerfen können, wenn wir die entsprechenden Mittel zur Verfügung gehabt hätten. Man hätte noch viel mehr ins Detail gehen können – Ausstattung, Massenszenen, Augenfutter. Durch die beschränkten Möglichkeiten wird man stärker auf die Geschichte zurückgeworfen und muss sich auf das Wesentliche konzentrieren – was natürlich auch sein Gutes hat. Außerdem dient die Außenwelt in dieser Geschichte ja in erster Linie dazu, die Figur Alex und seinen inneren Wandel zu spiegeln.

    Mein Blick gilt einem Menschen, der sich verloren hat, der keinen Bezug zu seiner Innenwelt, seinen Gefühlen hat und dadurch anderen in seinem Leben Schmerz zufügt. In der Anti-Welt wird er auf sich selbst zurückgeworfen.

    "Unter Frauen" erzählt auch von einer Katharsis. Natürlich fließen persönliche Erfahrungen in meine Drehbücher ein, aus meinem Freundinnenkreis, aus dem Leben. Alexander Hagen ist ein Kondensat aus vielen Männern. Aber als Autor hofft man immer, dass sich in jeder Figur dieses Körnchen Wahrheit findet, das dann auch der Zuschauer entdeckt.

    Zwischen Hansjörg Thurn und mir hat sich eine schöne Zusammenarbeit entwickelt. Ich schätze sein Gespür für Charaktere, das sich auch im Umgang mit Schauspielern zeigt. Er ist ja selbst auch Autor und geht als solcher sehr respektvoll mit Geschichten und Figuren um. Ein Drehbuch-Dozent hat mal gesagt: "Dramen handeln vom Leben, wie wir es uns erträumen. Und Komödien helfen uns, das Leben zu bewältigen, wie es ist." Genau darum geht es mir. In meinen Augen ist die Komödie ein sehr mitfühlendes Genre, das davon berichtet, wie es ist, Mensch zu sein. Nicht davon, wie es sein sollte oder wie es sein könnte, sondern von den vielen kleinen Momenten, die das Leben ausmachen. Momente, in denen jeder von uns um seine Würde ringt und um sein Glück. Das ist es, was mich immer wieder beschäftigt und bewegt.

    (NFP, 2012)

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