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Die Brüder Humboldt und ihr Forum

Impulse für den Dialog mit den Kulturen der Welt

Alexander und Wilhelm von Humboldt waren herausragende Persönlichkeiten, Forscher und Denker der Aufklärung. Doch warum sind die Brüder die Namensgeber des Humboldtforums im Berliner Schloss? Der Film aus der Reihe "Jahrhundertprojekt Museumsinsel" fragt nach der Aktualität der beiden und wird zur Entdeckungsreise.
Autorin Carola Wedel begleitet die Forscher Bénédicte Savoy und David Blankenstein zu Orten, an denen sich die großen Lebensthemen der Brüder erkennen lassen.

Im Video: Bénédicte Savoy über die Humboldt-Brüder aus heutiger Sicht.

  • ZDF, Sonntag, 29. April 2018, 0.20 Uhr
  • ZDF info, Pfingstmontag, 21. Mai 2018, 8.30 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Samstag, 28. April 2018, 6.00 Uhr

Texte

Informationen zum Film

3sat: Samstag, 28. April 2018, 22.00 Uhr
ZDF: Sonntag, 29. April 2018, 0.20 Uhr
ZDFinfo: Pfingstmontag, 21. Mai 2018, 8.30 Uhr

Jahrhundertprojekt Museumsinsel
Die Brüder Humboldt und ihr Forum
Impulse für den Dialog mit den Kulturen der Welt 

Ein Film von Carola Wedel

Alexander und Wilhelm von Humboldt waren herausragende Persönlichkeiten, Forscher und Denker der Aufklärung. Doch warum sind die Brüder die Namensgeber des Humboldtforums im Berliner Schloss? 
Die Dokumentation fragt nach der Aktualität der beiden und wird zur Entdeckungsreise. Sie begleitet die Forscher Bénédicte Savoy und David Blankenstein zu für die Brüder entscheidenden Orten. Orte, an denen sich schon früh die großen Themen ihres Lebens erkennen lassen.  Ausgehend vom Familienwohnsitz Schloss Tegel führt der Film nach Paris, ins Baskenland, nach Freiberg und lässt viele bisher noch nie gezeigte Objekte und Bezüge entdecken.

So verschieden die beiden Brüder in Charakter und Karriere auch waren –der eine Philosoph, grenzüberschreitender Sprachforscher und preußischer Minister, der andere Naturwissenschaftler, Universalgenie und Feingeist – so haben sie doch auch zahlreiche oft überraschende Gemeinsamkeiten. Beide wurden durch die Französische Revolution geprägt und durch die zahlreichen Reisen. Wissensdurst war für sie eine Voraussetzung, die Welt zu begreifen, um dadurch Wege zu sich selbst zu finden. Beide waren extrem freiheitsliebend, Kosmopoliten, und beide sahen die Welt als Ganzes: Alexanders Credo: "Alles ist Wechselwirkung". Wilhelm, der 17 Sprachen sprach und 70 erforschte, sagte: "Erst die Summe aller Sprachen bildet die Idee der Menschheit ab". Eine Überzeugung, mit der er zur Zeit der Restauration als Politiker dramatisch scheiterte.

Die antirassistischen, ökologischen und antinationalistischen Positionen von Wilhelm und Alexander von Humboldt sind heute aktueller denn je. Für Deutschlands größtes Kulturprojekt, das Berliner Humboldtforum, soll das Denken der Brüder Humboldt wegweisend sein, betonen die Gründungsintendanten Neil MacGregor und Hermann Parzinger.

Mit Spannung wird außerdem eine große Ausstellung über die beiden Brüder erwartet, die die Französin Bénédicte Savoy, Professorin für Kunstgeschichte an der TU Berlin und dem renommierten College de France in Paris und der Kunsthistoriker und Museologe David Blankenstein nach ihrer erfolgreichen Schau über die Brüder in Paris vor vier Jahren nun für 2019 im Deutschen Historischen Museum in Berlin vorbereiten.

Auch Koryphäen der Alexander und Wilhelm von Humboldt-Forschung entdecken immer wieder Neues – unter ihnen Jürgen Trabant und Ottmar Ette – oder sind fasziniert, wie die auf Alexander von Humboldts Spuren reisende Kunsthistorikerin und Bestsellerautorin Andrea Wulf.

"Wer die Welt verstehen will, geht ins Humboldtforum". Mit diesem Slogan werben die Macher dieses neuen Ortes für die Kulturen der Welt. Die Dokumentation von Carola Wedel macht klar: Wer das Humboldtforum zum Leben erwecken will, muss das Denken von Wilhelm und Alexander von Humboldt verstehen.

"Es öffnet neue Blickwinkel, die beiden Brüder zusammen zu denken."
Fragen an Filmautorin Carola Wedel

Das Humboldtforum ist eines der meist diskutierten Kulturprojekte in Deutschland. Warum haben Sie sich bei der diesjährigen Dokumentation aus der Reihe "Jahrhundertprojekt Museumsinsel" entschieden, einen Film über die Namensgeber des Forums zu machen, statt einen über die kontroverse Debatte?

In der Tat drängt sich diese Frage auf, zumal eine Hauptprotagonistin des Films im letzten Sommer die Provenienz-Debatte losgetreten hat. Bénédicte Savoy trat damals unter Protest aus dem Wissenschaftlichen Beirat des Humboldt Forums aus. Auf den wichtigen postkolonialen Diskurs sind wir dann direkt 2017 mit der Kurzdokumentation "Den Humboldts auf der Spur" eingegangen.*
An dem Thema "Warum sind Wilhelm und Alexander von Humboldt Namensgeber des Humboldt Forums?" sind wir jedoch schon viel länger dran. Es ist ein eigenständiges, davor noch nie bearbeitetes Sujet. Mit dem Film haben wir es jetzt zum ersten Mal erzählt.

Wie kam es zur Wahl Ihrer Protagonisten? Sowohl der renommierten französischen Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy als auch ihrem Kollegen David Blankenstein sieht man bei ihren Recherchen zu den Brüdern Humboldt sehr gerne zu.

Wir wollten dieses Mal – trotz der historischen Ebenen – auf Reenactments und eine große Anzahl von Repros verzichten und lieber mehr aus der Gegenwart heraus erzählen. Die Gründungsintendanten fielen als Storyteller aus, weil sie sich bis dahin noch nicht explizit zu den Namensgebern und der Umsetzung ihres Denkens und Handelns im Humboldtforum geäußert hatten. Deshalb war ich sehr froh, als ich erfuhr, dass Bénédicte Savoy und David Blankenstein für das Deutsche Historische Museum 2019 eine Ausstellung über die beiden Brüder planen. Die beiden Kunsthistoriker waren einverstanden, bei ihrer Suche nach Objekten von uns begleitet zu werden. Und sie waren sogar bereit, uns an Orte zu folgen, die mit den beiden Brüdern zu tun haben, aber noch weitgehend unerzählte Geschichten bergen: Freiberg in Sachsen zum Beispiel, wo Alexander die Grundlagen für seine Südamerika Reise schuf, und das Baskenland, wo Wilhelm sein Faible für fremde Kulturen und Sprachen entdeckte.

Was dürfte für die meisten Zuschauer ganz neu sein im Zusammenhang mit Wilhelm und Alexander von Humboldt? Gibt es etwas, was man so noch nicht gesehen hat?

Eine große Überraschung für uns alle war die Entdeckung von Zeichnungen der Reise von Wilhelm von Humboldt und seiner Frau Caroline im Baskenland 1799. Der Maler Duperreux war damals mit ihnen unterwegs. Erst vor Kurzem sind diese faszinierenden Arbeiten im Archiv des Baskischen Museums von Bayonne gefunden worden. Aber auch der Fund des Schreibtisches von Alexander ist ein Highlight: Über 200 Jahre stand er vergessen im Depot des Pariser Observatoriums. Das Großartige an ihm ist, dass die Art, wie er gebaut ist, wie er sich beweglich einsetzen lässt, viel über das Denken und den Charakter von Alexander von Humboldt erzählt.

Was hat Sie persönlich im Laufe der Recherche und Dreharbeiten am meisten überrascht bzw. begeistert?

Am meisten hat mich begeistert, zu begreifen, wie ähnlich sich die beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Brüder bei genauerem Hinsehen waren. Alexander der wilde, dynamisch extrovertierte, wahrscheinlich homosexuelle Single, der Naturforscher und Weltreisende auf der einen Seite und Wilhelm, der eher introvertierte, ruhige Familienmensch, der Politiker, Philosoph und Sprachforscher auf der anderen Seite. Aber beide waren neugierig und offen, respektvoll und wertschätzend allem Fremden gegenüber. Hoch- und niedrigstehende Kulturen gab es für sie nicht. Sie waren zugleich antirassistisch und antinationalistisch. Es ist phantastisch und öffnet neue Blickwinkel, sie zusammen zu denken.

"Die Brüder Humboldt und ihr Forum" ist Ihr 20. Film in der Reihe "Jahrhundertprojekt Museumsinsel". Gibt es rückblickend einen Film, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Carola Wedel: Spannend war seit 2001 immer wieder, die Neuentstehung von Häusern und Museen zu erleben. Wir waren bei der Alten Nationalgalerie dabei, beim Bodemuseum und dem Neuen Museum ebenso wie zuletzt bei der James-Simon-Galerie und auch seit 2008 beim Humboldtforum. Zu sehen, wie Pläne Wirklichkeit wurden – oder auch nicht. Es gab auch immer wieder ganz besondere Augenblicke, wie zum Beispiel in St. Petersburg, wo wir mit der Kamera dabei waren als verschollen geglaubte Objekte des Museums für Vor-und Frühgeschichte – russische Beutekunst – im Archiv ausgepackt wurden und der Museumsdirektor aus Berlin Tränen in den Augen hatte. Oder als wir in der Sierra Nevada de Santa Marta, dem höchsten Küstengebirge der Welt, bei den Kogi, einem indigenen Volk, das die Conquista knapp überlebt hat, als fast Einzige drehen durften und erlebten, wie sie geheime Rituale praktizierten und nächtliche Tänze aufführten.
Besonders am Herzen liegt mir eben dieser Film "Die Indianer kommen", der 2016 auch auf der Berlinale gezeigt wurde, ebenso wie die Dokumentation über den völlig in Vergessenheit geratenen Berliner Juden und Mäzen James Simon – "Der Mann der Nofretete verschenkte". Mit dieser allein in ZDFinfo mehr als 30mal ausgestrahlten Dokumentation, die vor allem auch bei jungen Zuschauern viel Interesse findet, ist dieser verdienstvolle Mann wieder bekannt geworden.*

*Im Text erwähnte Filme – alle aus der Reihe "Das Jahrhundertprojekt Museumsinsel" – sind zu sehen unter: www.museumsinsel.zdf.de. Dort finden sich auch zahlreiche andere Filme aus der Reihe "Das Jahrhundertprojekt Museumsinsel".

Das Interview führte: Bettina Petry

Über die Langzeitdokumentation "Jahrhundertprojekt Museumsinsel"

Die Langzeitdokumentation "Jahrhundertprojekt Museumsinsel" von Carola Wedel ist Teil der erfolgreichen Medienpartnerschaft zwischen ZDF und Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die 2001 begann. Im Rahmen der Vereinbarung begleiten das ZDF und 3sat publizistisch die Arbeiten zur Erhaltung und Sanierung der weltberühmten Berliner Museumsinsel und das benachbarte Humboldt Forum im wiederaufgebauten Stadtschloss.
Schon seit 2001 berichtet Filmemacherin und Kulturjournalistin Carola Wedel jährlich in Dokumentationen über die Bau- und Sanierungsfortschritte in Berlins historischer Stadtmitte.

Nähere Informationen zu den einzelnen Dokumentationen  und zur Medinepartnerschaft, siehe: https://presseportal.zdf.de/pm/zdf-partnerschaft-fuer-museumsinsel-berlin-und-humboldt-forum/

Biografie von Carola Wedel

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