Copyright: ZDF / Christoph Assmann
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Die Jägerin – Nach eigenem Gesetz

Der Fernsehfilm der Woche

Die engagierte Staatsanwältin Judith Schrader (Nadja Uhl) kämpft in Berlin gegen die organisierte Kriminalität. Dieses Mal nicht nur gegen eine Rockergang, sondern auch gegen Selbstjustiz in den Reihen der Polizei. Dem Stoff liegt – wie schon im Vorgängerfilm "Gegen die Angst" (2019) – eine fundierte Recherche des Autors Robert Hummel zugrunde.

  • ZDF, Montag, 13. September 2021, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Montag, 6. September 2021, 10.00 Uhr bis 5. September 2022

Texte

Organisierte Kriminalität und Selbstjustiz
Statement von Redakteurin Esther Hechenberger

Nach der erfolgreichen Produktion "Gegen die Angst" ist mit Nadja Uhl als Berliner Staatsanwältin erneut ein auffälliger Fernsehfilm zum Thema Organisierte Kriminalität für den Montagabend entstanden. Wie schon beim Vorgänger liegt hier eine fundierte Recherche des Autors Robert Hummel zugrunde. Durch seine Schöffentätigkeit hatte er Einblick in verschiedene Prozesse und ließ dieses Mal sein Wissen um die kriminellen Strukturen der in Deutschland agierenden Rocker-Clans einfließen. "Die Jägerin – Nach eigenem Gesetz" ist also der zweite Fall, der das Ermittlerduo Staatsanwältin Judith Schrader (Nadja Uhl) und Hauptkommissar Jochen Montag (Dirk Borchardt) in das Universum der Berliner "Pitbulls" führt. Doch nicht nur die Verbrechen und Möglichkeiten der Organisierten Kriminalität stehen im Focus dieses Projekts, der Autor verbindet den eigentlichen Fall einer verschleppten und ermordeten jungen Frau raffiniert mit dem Thema möglicher Selbstjustiz in den Reihen der Polizei.

Durch Nadja Uhls intensives und dichtes Spiel als Judith Schrader entfaltet der Film seine Wucht und große Spannung. Dirk Borchardt gibt überzeugend den abgebrühten, lakonischen Ermittler Montag an Schraders Seite. Erneut komplettieren Altamasch Noor, Martin Baden und Judith Engel das Team. Jörg Schüttauf zeigt als desillusionierter Polizist an der Front sein ganzes Können.

Allen Kreativen waren das relevante Thema und ein glaubwürdiger Film sehr wichtig. Dass wir im zweiten Lockdown im November 2020 mitten in Berlin drehten, war eine große Kraftanstrengung für das ganze Team. Ohne einen versierten und sehr konzentrierten Regisseur wie Andreas Herzog wäre das nicht möglich gewesen. "Die Jägerin – Nach eigenem Gesetz" besitzt viele Motive, aufwendige Verfolgungsjagden, enormes Personal. Dass das Publikum diese Mühen nicht bemerkt, sondern sich ganz auf die Spannung des Falles einlassen kann, zeigt hervorragend die produzentische Leistung – hier REAL FILM Berlin, Produzentin Heike Streich – die unsere Formate zur Prime Time möglich macht.

Stab, Besetzung und Inhalt

ZDF: Montag, 13. September 2021, 20.15 Uhr
ZDFmediathek: Ab Montag, 6. September 2021, 10.00 Uhr bis 5. September 2022
Die Jägerin – Nach eigenem Gesetz
Der Fernsehfilm der Woche

Buch_____Robert Hummel
Regie_____Andreas Herzog
Kamera_____Björn Knechtel
Ton_____Jörg Krieger
Szenenbild_____Jörg Baumgarten
Kostüme_____Francesca Merz
Schnitt_____Gerald Slovak
Musik_____Christopher Bremus
Produktionsleitung_____Susan Engnath
Herstellungsleitung_____Ira Wysocki
Produktion_____REAL FILM, Berlin
Produzentin______Heike Streich
Redaktion______Esther Hechenberger
Sendelänge_____89 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller
Judith Schrader_____Nadja Uhl
Jochen Montag_____ Dirk Borchardt
Michael Pollmann_____Jörg Schüttauf
Dragan Boskov_____Branco Tomovic
Marco Kretschmer_____Pit Bukowski
Emre Topal_____Walid Al-Atiyat
Patrick Odonkor_____Malick Bauer
Andrea Marquart_____Judith Engel
Oberstaatsanwalt Welz_____Sebastian Schwarz
Tayfun Bastürk_____Altamasch Noor
Ralf Wernicke_____Martin Baden
Sandra Kurz_____Marie Schöneburg
Anna Liebrecht_____Lara Feith
Simone Liebrecht_____Malina Ebert
Richterin Riedel_____Inga Dietrich
und andere

Inhalt
Bei einem Einsatz im Rocker-Milieu wird eine junge Frau (Lara Feith) als Geisel verschleppt und ermordet. Staatsanwältin Judith Schrader (Nadja Uhl) beantragt vor Gericht eine Freiheitsstrafe für die beiden Angeklagten. Doch Intimfeindin und "Mafia-Anwältin" Andrea Marquardt (Judith Engel) gelingt ein Freispruch für beide. Auch gegen den Clanchef Boskov (Branko Tomovic) gibt es keine hinreichenden Beweise. Am nächsten Tag wird einer der Freigesprochenen erschossen. Michael Pollmann (Jörg Schüttauf), einer der am Einsatzort anwesenden Zivilfahnder, wird in die Ermittlungen eingebunden. Doch schnell gerät er selbst ins Visier von Judith Schrader und Hauptkommissar Jochen Montag (Dirk Borchardt). Übt Pollmann Selbstjustiz, weil er nicht mehr an die Durchsetzungskraft des Rechtsstaates glaubt? Schrader und Montag ermitteln in alle Richtungen. Steht Berlin ein Bandenkrieg bevor? Die Polizei wird bei einer Waffenschiebung in die Irre geführt. Wer ist der Maulwurf in den Reihen der Polizei? Und wer in der Stadt ist jetzt im Besitz der Waffen? Rechte? Islamisten? Konkurrierende Clans? Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt, denn auch der zweite Freigesprochene schwebt in Lebensgefahr. Hat Pollmann ihn in seiner Gewalt? Erneut muss sich Judith Schrader einem moralischen Dilemma stellen. Wie weit darf sie gehen, um einen Kollegen aus dem Staatsdienst zu stoppen und gegen Willkür und Selbstjustiz vorzugehen. Dabei setzt sie sogar ihr eigenes Leben aus Spiel.

David gegen Goliath
Statement von Produzentin Heike Streich

Eine Staatsanwältin im Bereich der organisierten Kriminalität - das heißt David kämpft gegen Goliath. Mir war immer wichtig, diese Realität wahrhaftig und sinnlich zu erzählen. Da gibt es auf Seiten der Staatanwaltschaft viel zu wenig Personal, im Kommissariat fällt die Heizung aus, der Schimmel blättert von der Wand des zuständigen Polizeiabschnitts und die Ausrüstung der Zivilfahnder ist so alt, dass sie ihren Dienst verweigert. Und trotzdem stemmt sich Nadja Uhl als Staatsanwältin Judith Schrader gegen die Krake der organisierten Kriminalität, die mittlerweile in alle Bereiche der Gesellschaft einsickert.

Wir haben in der Drehbucharbeit und in der Produktionsvorbereitung immer wieder intensiv diskutiert, wie wir diese Verhältnisse und den Kampf unserer Hauptfigur dagegen glaubhaft erzählen können. Wie können wir darüber hinaus die Verletztheit und ungewöhnliche Direktheit von Judith Schrader in Bilder übersetzen. Und natürlich ist Nadja Uhl als Hauptdarstellerin bei der Suche nach Antworten auf die sehr komplexen Fragen der Geschichte ein Geschenk. Denn sie verfügt über eine Sensibilität und Ausdrucksmöglichkeit, die den mühsamen Kampf der Staatsanwältin nicht nur anrührend, sondern auch extrem spannend erzählt.

Die Ermittlungen innerhalb der organisierten Kriminalität sind Strukturermittlungen. Das heißt - es vergeht viel Zeit, um kleinste Erfolge verbuchen zu können. Auch das wollten wir glaubhaft erzählen.

Berlin ist wieder ein heimlicher Hauptdarsteller und das trotz des erneuten Corona-Lockdowns, der unsere Dreharbeiten maßgeblich betroffen hat. Das geht nur mit einem absolut professionellen Team, das der Lockdown noch enger zusammengeschweißt hat. Dass wir beispielsweise den Überfall auf den Geldtransporter auf der Rathausbrücke zwischen Humboldtforum, Fernsehturm und Rotem Rathaus drehen und besonders im Ostteil der Stadt unsere Geschichte erzählen konnten, freut mich als gebürtige Berlinerin besonders.

Fragen an Drehbuchautor Robert Hummel und Regisseur Andreas Herzog

Herr Hummel, in "Gegen die Angst" kämpfte Staatsanwältin Schrader gegen einen kriminellen libanesischen Clan. Jetzt liegt der Fokus auf einer rockerähnlichen Gruppe, den Pitbulls Berlin. Warum war es Ihnen ein Anliegen, dieses Mal eine andere Tätergruppe zu beleuchten?

Robert Hummel: Die Clans sind aufgrund ihrer Gewalt und ihrer Protzerei sehr sichtbar, aber die Organisierte Kriminalität ist, gerade in Berlin, sehr vielfältig – warum sollten wir uns da beschränken? Ich fand es außerdem interessant, nicht eine ethnisch homogene Gruppierung zu zeigen, sondern eine Bande mit verschiedenen Hintergründen. Der gemeinsame Nenner der Pitbulls-Mitglieder ist das, was die Organisierte Kriminalität generell will: Geld machen mit schweren Straftaten aller Art. Da gibt es viel zu erzählen, und das Thema wird in den nächsten Jahren noch größer werden.

Herr Herzog, wie haben Sie sich auf die Dreharbeiten zu "Nach eigenem Gesetz" vorbereitet, was war die besondere Herausforderung?

Andreas Herzog: Zuerst war es hochinteressant, sich mit der Frage zu beschäftigen, warum Rockergruppen innerhalb der organisierten Kriminalität eine so große Rolle spielen. Im Grunde unterscheiden sich die Strukturen in solchen Gangs nicht wesentlich von denen der Clans, so wie wir das in "Gegen die Angst" gezeichnet haben. Es geht immer darum, Menschen, die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, ein Gefühl von Zugehörigkeit zu geben. Eben so etwas wie eine Familie, auf die man sich zu hundert Prozent verlassen kann. Ein sicheres Auffangbecken für Individuen, die, aus welchen Gründen auch immer, durch das soziale Netz des Staates gefallen sind. Der Preis dafür ist Loyalität bis in den Tod. Neben dem Studium der wieder einmal tiefgreifenden Recherche von Robert Hummel habe ich mich auch ausgiebig mit den Rockerclubs in Deutschland sowie den Ursprüngen in den USA beschäftigt. Die Idee hinter den Hells Angels basiert, nach ihren eigenen Angaben, auf vier grundlegenden Werten: Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freiheit. In Serien wie "Sons of Anarchy" wird zwar durchaus ein realistisches Bild solcher Gruppierungen gezeigt, aber in der Summe sind solche Vorlagen dann doch kein guter Ratgeber. Zu heroisierend, zu viel Hochglanz. Wir zeigen in unserem Film eine "Rocker Gang" ohne Motorräder. Von den ursprünglichen Idealen der amerikanischen Vorbilder ist bei den von Robert Hummel erfundenen "Pitbulls" so gut wie nichts mehr vorhanden. In meinem privaten Umfeld habe ich einen Kontakt, der mir geholfen hat, mit jemandem aus der Szene zu sprechen. Die Allegorie des Kampfhundes, mit seinem bedingungslosen Gehorsam gegenüber seinem Besitzer, ist aus diesem Gespräch entstanden. Es geht ums Geld, ums eigene Überleben und den Rausch der Illusion von Allmacht über das Gesetz, Leben und Tod. Diese Ideologie wird dann nur noch garniert mit einer mehr als zweifelhaften Auslegung des Begriffs von Freiheit. Die meisten Mitglieder der kriminellen Rockerclubs, egal, auf welcher Stufe sie in der internen Hierarchie stehen, sind Soziopathen. Nur schwerste Persönlichkeitsstörungen erlauben eine solche Ausprägung von unreflektierter Gewaltbereitschaft. Trotzdem habe ich mich entschieden, den Antagonisten "Dragan Boskov" nicht als dumpfen Psychokiller mit niedrigem IQ zu zeichnen. Das hätte es unseren Helden im Kampf gegen die organisierte Kriminalität ein wenig zu leicht gemacht.

Herr Hummel, ein großes Thema im Film ist der von den Ermittlern empfundene Frust und die damit aufkommende Frage, ob man einen Kollegen, der Selbstjustiz begeht, decken würde. Hier wird in gewisser Weise der Zusammenhalt innerhalb der Clans gespiegelt. War es Ihnen wichtig, dieses zutiefst menschliche Empfinden nach Gerechtigkeit abzubilden – unabhängig von einer speziellen Gruppenzugehörigkeit?

Robert Hummel: Der Zusammenhalt bei den Kriminellen kommt nicht aus einem Gerechtigkeitsstreben, sondern – neben möglichen Familienbanden – aus dem Ziel, Geld zu machen, der Ablehnung der Gesetze und dem Kampf gegen andere Kriminelle, Polizei und Justiz. Polizisten hingegen wollen die Gesetze durchsetzen. Sie sind dabei, auf andere Art, auch eine verschworene Gemeinschaft. Ob sie einen Kollegen decken würden, hat allerdings auch damit zu tun, dass sie gerade in Berlin beim Versuch, die Gesetze durchzusetzen, nicht mehr die volle Rückendeckung der Politik haben, sondern oft unter Generalverdacht gestellt werden. Ich habe beispielsweise mal einen Zivilfahnder gefragt, was er von dem neu erlassenen "Antidiskriminierungsgesetz" hält, mit dem der Justizsenator im Grunde eine Beweislastumkehr gegen Polizisten betreibt. Der einzige Kommentar des Zivilfahnders: "Sowas kann es auch nur in Berlin geben!"

Herr Herzog, in diesem Film werden die Spielregeln des Rechtsstaats noch stärker betont als in "Gegen die Angst" und häufig in sehr ruhigen Szenen geäußert, so während einer Autofahrt bei Nacht oder beim Bier in der hinteren Ecke einer Kneipe. Warum haben Sie sich für diese nachdenkliche Darstellungsweise entschieden?

Andreas Herzog: Diese Entscheidung habe natürlich nicht ich getroffen. Das steht ja erst mal so im Drehbuch. Aber natürlich ist die Auseinandersetzung mit den inneren Vorgängen der Protagonisten ein, wenn nicht der elementare Bestandteil von "Die Jägerin". Auf der einen Seite zeigen wir in aller Härte und Konsequenz und in expliziten Bildern, wie Kriminalität auf Berlins Straßen aussehen kann. Aber viel wichtiger als dieser Schockeffekt ist es, dem Zuschauer mit einem präzisen Blick auf die betroffenen Figuren eine möglichst breite Identifikationsfläche zu bieten. Nach dem Film soll ja, sehr gerne auch kontrovers und erhitzt, eine Debatte geführt werden. Wie hätte ich mich an Stelle der Staatsanwältin verhalten? Gibt es in unserem Rechtssystem eine Grauzone und wie weit darf sich ein Polizist oder eine Staatsanwältin darin bewegen, wo sind die Grenzen? Würde ich mich, wäre ich Polizist, unter bestimmten Umständen vom Gesetz verabschieden und die Verurteilung sowie die Bestrafung der Täter in die eigenen Hände nehmen, indem ich nur noch meiner eigenen Definition des Begriffes Recht folge? Diese Diskussion kann nur entstehen, wenn sich das Publikum emotional an die handelnden Personen gebunden fühlt. Die nachdenklichen Ebenen im Film erlauben uns, verschiedene Standpunkte miteinander zu vergleichen und verhindern die simple Einteilung der Figuren in Gut und Böse.

Die Fragen stellte Henriette Pulpitz

Fragen an Nadja Uhl (Staatsanwältin Judith Schrader)

Was hat Sie persönlich dazu bewogen, erneut in die Rolle der Staatsanwältin Judith Schrader zu schlüpfen?

Die Dreherfahrung zum ersten Teil war sehr interessant. Auch der menschliche Austausch unter uns Schauspielern. Zum einen spiegeln kontroverse Themen, wie wir sie mit den Büchern von Robert Hummel behandeln, meine Sicht auf die Vielfalt und Spannbreite des Lebens und des menschlichen Handelns wider. Zum anderen wachsen wir meines Erachtens mit so einem Film daran, zur Disposition gestellte menschliche Abgründe zu reflektieren und im Spiegel eines möglichst unabhängigen juristischen Systems einzuordnen. Wenn die scheinbar unveränderlichen Mühlen des Gesetzes zum Nachteil der Opfer ausfallen, zieht dies starke Gefühle wie Wut und Ohnmacht nach sich.

Wie wichtig sind der Instinkt und Eigenwille ihrer Figur, der sich vor allem in Judith Schraders Umgang mit dem Oberstaatsanwalt zeigt, um am Ende Gerechtigkeit zu erhalten? Anders gefragt: Woher bezieht sie ihre Stärke?

Meiner Ansicht nach halten wir alle Erklärungen in der Hand mit dem Schlüssel zur Tür unserer Kindheit. Auch wie wir die Räume dahinter als Erwachsene gestalten. Der Widerstand, in Kombination mit einer gewissen Emotionalität der Figur Judith Schrader, soll, nach meinem beruflichen Verständnis dem Zuschauer die Figur nahebringen. Er kann den Konflikt miterleben oder - einfach entspannt sein Bier trinken. Das der Figur gegebene eigenständige, unkonventionelle Denken - sie nennen es Eigenwille - wirkt, je nach Sichtweise der anderen Figuren, entweder eigensinnig, was an kindliche Muster erinnert oder wie eine gesteigerte Form von Eigenverantwortlichkeit. Wie kann man Kraft für Widerspruch freisetzen, wenn juristisch Unrecht geschieht. Oder ist man von empfundenem Unrecht verleitet? Getragen wird Judith jedoch, vollkommen unabhängig von Kindheit, ihrem narzisstischen Chef oder von anderen Befindlichkeiten von einer festen und unumstößlichen Größe: dem Recht. Das alles ist der Bogen, der mich interessiert.

Hat die Figur Judith Schrader und die Arbeit an diesem Film Ihren Blick auf das Rechtssystem sensibilisiert? Können Sie mit genügend Abstand aus so einem Projekt gehen?

Es hat mir die Bedeutung von Recht und Gesetz als feste Vereinbarung in unserem gesellschaftlichen Miteinander verdeutlicht. Gefühltes Recht und Unrecht bergen Gefahren. Auch bin ich wachsamer bei Gesetzesänderungen geworden. Natürlich war ich schon immer ein Mensch, der sich für all diese Prozesse, in begrenztem Rahmen, interessiert hat. Deshalb liebe ich meinen Beruf. Aber auch, weil ich mich nach Drehschluss gern auf die schönen Seiten des Lebens konzentriere und all die Konflikte "an höhere Stellen" weiterleite.

Wofür würden Sie sich entscheiden: Moral oder Gerechtigkeit? Und warum?

Aus dem zuvor Genannten, würde ich mich für beide nie entscheiden. Ich arbeite als Künstlerin damit. Man kann einen gesellschaftlichen oder privaten Diskurs zu allem anregen. Aber nicht Gott spielen.

Die Fragen stellte Julia Kainz

Fragen an Dirk Borchardt (Hauptkommissar Jochen Montag)

Was hat Sie dazu bewogen, erneut in die Rolle des Ermittlers zu schlüpfen?

Das Buch, das Thema der Organisierten Kriminalität in Berlin und das Gesamtpaket aus Mitspielern, Regie und Produktion – das war für mich ja schon so etwas wie Filmfamilie. Mit der Produktion Realfilm und auch unserem Regisseur verbindet mich schon eine jahrelange und schöne Zusammenarbeit und ich spiele wahnsinnig gerne mit Nadja Uhl zusammen. Die Filmfigur Jochen Montag ist ein großes Geschenk für mich als Schauspieler.

Mit dem Drehbuchautor Robert Hummel, der auch Schöffe am Berliner Landgericht ist, bewegt sich der Film sehr nah an der Realität. Wie hat die Auseinandersetzung mit dem Stoff Ihren Blick auf die Berliner Polizei geprägt?
Ja, so ein ähnlicher Überfall auf einen Geldtransporter hat tatsächlich stattgefunden.
Unsere Geschichte ist für mich erneut ein Versuch, zu beleuchten, was für eine schwierige und harte Arbeit die Abteilung "Organisierte Kriminalität" der Berliner Polizei und die Staatsanwaltschaft macht – so weit das überhaupt in einem 90-Minuten fiktional aufgearbeiteten Film möglich ist. Da ist das Aushalten von Ungerechtigkeiten und Opfergeschichten und das Aufbringen der Kraft, weiterzumachen, trotz manchem Scheitern und trotz persönlicher Bedrohungssituationen von Anwälten, Richtern und Polizisten. Es gilt einen langen Atem zu behalten und auch nach Jahren noch Täter zu überführen.
Ich ziehe meinen Hut vor den Damen und Herren und ihrer Arbeit und sage: Danke, dass sie da sind!

Wir werden medial mit einer Flut an schrecklichen Nachrichten aus Berlin und aller Welt konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?

Ich gönne mir manchmal eine nachrichtenfreie Zeit, News-Detox, im Urlaub sowieso. Ich meide bewusst bestimmte Medien und Mediengruppen und bevorzuge eine gelassene und objektive Berichterstattung ohne reißerische Titelseiten. Mein Kollege Martin Baden, der die Figur "Ralle" Ralf Wernicke spielt, macht schon jahrelang News-Detox. Daran habe ich mir ein Beispiel genommen. Danke Martin! Manchmal weiß man nicht, was los ist, ist aber happy!Und es gibt eine schöne App namens "Good News". Ab und zu nur die lesen. Das hilft ungemein.

Wofür würden Sie sich entscheiden: Moral oder Gerechtigkeit?
Schwierige Frage. In unserer Geschichte stellen gleich mehrere Figuren diese Frage auf die eine oder andere Weise. Auf der Gefühlsebene kann ich beides nachvollziehen.
Gesellschaftlich stellt sich letztlich nur die Frage: Was sagen unsere Gesetze? Die sind nämlich ganz gut! Fragen wir die mal, auch wenn es länger dauert. Ich glaube, sonst hat unsere Gesellschaft verloren. Und das wäre dann auch als Gegenfrage meine Antwort.

Die Fragen stellte Henriette Pulpitz

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