Copyright: ZDF / Mathias Bothor
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Die Neue Zeit

Sechsteilige Serie zum Bauhaus-Jubiläum

1963 trifft Walter Gropius (August Diehl) in den USA auf eine Journalistin, die ihn zu den Frauen am Bauhaus befragt. Sie wirft ihm vor, sein Versprechen der Gleichbehandlung nicht eingehalten zu haben. Gropius erzählt ihr seine Version der Geschichte von der Gründung des Bauhaus 1919 in Weimar bis hin zum erzwungenen Umzug 1925 nach Dessau. Im Zentrum steht die Studentin Dörte Helm (Anna Maria Mühe), die sich von ihrer konservativen Familie befreien und ganz als Künstlerin und Aktivistin leben möchte. - Die fiktionale Serie hält sich eng an die historischen Figuren und Ereignisse.

  • ZDF, Ab Sonntag, 15. September 2019, 22.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Sonntag, 8. September 2019, 10.00 Uhr
  • ARTE, Ab Donnerstag, 5. September 2019, 20.15 Uhr

Texte

Ganz großes Kino
von Redakteurin Elke Müller, ZDF/Fernsehfilm/Serie I

Ganz großes Kino, was Lars Kraume da für das Fernsehen geschaffen hat: unterhaltsam, informativ, lehrreich und spannend. Viele, besonders junge Menschen, werden sich wundern, wieviel sie umgibt, das seinen Ursprung in der Idee des stilprägenden Bauhaus hat, und um was schon damals gerungen wurde, was heute noch immer nicht selbstverständlich ist.
"Die Neue Zeit" ist ein Meisterstück ganz im Sinn der Bauhaus-Idee. Und für mich als Kunsthistorikerin, die sich während des Studiums besonders mit der Kunst des 20. Jahrhunderts beschäftigt hat, war es ein Fest, von Lars Kraume und Thomas Kufus so frühzeitig in die Vorbereitungen zu diesem wunderbaren Projekt eingebunden worden zu sein.

Über die Serie

Das Bauhaus ist 2019 einhundert Jahre alt. Die Schule produzierte einige der erfolgreichsten Exportartikel, die Deutschland je hervorgebracht hat, und schuf in der Zusammenführung von Kunst und Handwerk etwas völlig Neues. Die berühmteste Kunstschule des 20. Jahrhunderts stand für die Vision ihres Gründers Walter Gropius, für überraschende Ideen und ungeahnte Konflikte.

Gropius war ein begnadeter Netzwerker und verstand es, Gleichgesinnte zusammenzubringen, um eine neue Welt zu gestalten – Architektur und Möbel, Kunst und Design für den neuen Menschen. Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Gertrud Grunow, Laszlo Moholy-Nagy, Paul Klee und Wassily Kandinsky, sie alle kamen nach Weimar. Zu ihren Schülern gehörten angehende Designer, Architekten und Künstler wie Marcel Breuer, Gunta Stölzl, Marianne Brandt, Josef und Anni Albers, die ihrerseits später in die Welt zogen und die Philosophie des Bauhaus verbreiteten und verfeinerten.

Das Bauhaus war von Beginn an äußerst umstritten, und niemand bekämpfte es so stark wie das erzkonservative Bürgertum Weimars. Sie versuchten jede Gelegenheit zu nutzen, es zu zerstören. Es gab Gerüchte über eine verbotene Beziehung zwischen Gropius und einer Studentin. Ein Ehrengericht wurde einberufen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Direktor weiter zu diskreditieren.

"Die Neue Zeit" ist eine fiktionale Serie, die sich jedoch eng an die historischen Figuren und Ereignisse hält. In der Rahmenhandlung führt die Journalistin Stine Branderup 1963 ein Interview mit dem in den USA lebenden Gropius. Sie befragt ihn zur Situation der Frauen am Bauhaus und wirft ihm vor, sein Versprechen der Gleichberechtigung nicht eingehalten zu haben. Um sich zu rechtfertigen beginnt Gropius zu erzählen, von der Gründung des Staatlichen Bauhaus 1919 in Weimar bis hin zu dessen erzwungenem Umzug 1925 nach Dessau. Im Zentrum seiner Geschichte steht die Studentin Dörte Helm, die sich den Fesseln ihrer konservativen Familie entledigen und sich ganz dem Leben als Künstlerin und Aktivistin widmen möchte. Inmitten der turbulenten ersten Jahre des Bauhaus und der politischen Unruhen der Weimarer Republik kommen sich Gropius und Helm näher.

Die Serie erzählt nicht nur von den Meistern und Schülern des Bauhaus. Sie erzählt immer auch von der aufregenden neuen Kunst, die dort entstand oder weiterentwickelt wurde: Die Möbel von Breuer, die Webarbeiten von Stölzl, die Farbkreise von Itten, die Bilderwelten Schlemmers und die Aufführungen seines Triadischen Balletts, die Fotogramme von Moholy-Nagy – sie sind die heimlichen Stars der Serie.

Sendetermine, Stab und Besetzung

ZDF:
Sonntag, 15. September 2019, 22.15 Uhr (Folge 1-2)
Montag, 16. September 2019, 22.15 Uhr (Folge 3-4)
Dienstag, 17. September 2019, 22.15 Uhr (Folge 5-6)
ZDFmediathek:
ab Sonntag, 8. September 2019: Folge 1-2, ab 10.00 Uhr
ab Montag, 9. September 2019: Folge 3-4 ab 10.00 Uhr
ab Dienstag, 10. September 2019: Folge 5-6, ab 10.00 Uhr
ARTE:
Donnerstag, 5. September 2019, 20.15 Uhr (Folge 1-3)
Donnerstag. 12. September 2019, 20.15 Uhr (Folge 4-6)

Die Neue Zeit
Sechsteilige Serie zum Bauhaus-Jubiläum

Buch_____Lars Kraume, Judith Angerbauer, Lena Kiessler
Regie_____Lars Kraume
Kamera_____Jens Harant
Szenenbild_____Olaf Schiefner
Kostüm_____Esther Walz
Maske_____Jens Bartram
Musik_____Christoph M. Kaiser, Julian Maas
Ton_____Patrick Veigel
Sound Design_____Stefan Soltau
Mischung_____Tobias Fleig, Marvin Keil
VFX Producer_____Amelie Dillig
VFX Supervisor_____Julian Lojek
Schnitt_____Barbara Gies, Jens Klüber
Casting_____Nessie Nesslauer, Johanna Hellwig
Herstellungsleitung_____Juliane Thevissen
Producerin_____Melanie Berke
Produzent_____Thomas Kufus
Koproduzenten_____Oliver Berben, Peter Nadermann
Produktion_____zero one film in Koproduktion mit ZDF/ARTE, Constantin Television und NADCON Film
Redaktion_____Elke Müller (ZDF), Andreas Schreitmüller ARTE), Olaf Grunert (ZDF/ARTE)
Förderung_____Film- und Medienstiftung NRW, Medienboard Berlin-Brandenburg, Mitteldeutsche Medienförderung, MFG Baden-Württemberg Filmförderung, German Motion Picture Fund
Weltvertrieb_____Beta Film
Länge_____6 x 45 Minuten

Drehzeit_____September bis Dezember 2018
Drehorte_____Weimar, Berlin, Potsdam, Münster, Wuppertal, Köln und andere

Die Rollen und ihre Darsteller
Walter Gropius_____August Diehl
Dörte Helm_____Anna Maria Mühe
Stine Branderup_____Trine Dyrholm
Gunta Stölzl_____Valerie Pachner
Marcel Breuer_____Ludwig Trepte
Johannes Itten_____Sven Schelker
Johannes I. Auerbach_____Alexander Finkenwirth
Baronesse von Freytag-Loringhoven_____Corinna Kirchhoff
Alma Mahler_____Birgit Minichmayr
Max Greil_____Sebastian Blomberg
Lyonel Feininger_____Ernst Stötzner
Rudolf Helm_____Hanns Zischler
Oskar Schlemmer_____Tilo Werner
Paul Klee_____Marek Harloff
Else Lasker-Schüler_____Marie-Lou Sellem
Lazlo Moholy-Nagy_____Alexandru Cirneala
Wassily Kandinsky_____Pjotr Olev
Gewerkschaftsführer_____Ronald Zehrfeld
Ise Frank_____Peri Baumeister
und andere

Eine Produktion der zero one film in Koproduktion mit ZDF/ARTE, Constantin Television und NADCON FILM mit Unterstützung der Film- und Medienstiftung NRW, des Medienboards Berlin- Brandenburg, der Mitteldeutschen Medienförderung, der MFG Baden-Württemberg Filmförderung und des German Motion Picture Fund.

Inhalt

1963: Walter Gropius trifft auf die Journalistin Stine Branderup. Der 80-jährige, international gefeierte Gropius schaut auf ein bewegtes Leben zurück: Neben Mies van der Rohe und Le Corbusier gilt er als einer der Mitbegründer moderner Architektur. Interviews mit ihm sind selten, doch Gropius hat einen Grund, mit Branderup zu sprechen. Ihrem Vorwurf, er habe die Frauen am Bauhaus unterdrückt, widerspricht Gropius vehement und beginnt von den Anfangsjahren der von ihm gegründeten Schule zu erzählen. Neben seinen eigenen Kämpfen gegen die erzkonservativen Kräfte Weimars spielt die Studentin Dörte Helm in seiner Erzählung die Hauptrolle: eine Studentin am Bauhaus, die sich jeglichen Restriktionen widersetzt, sich auch mit ihm immer wieder anlegt und doch mit seiner Unterstützung ihren Weg gehen kann.

1919: Dörte hat in ihrem bisherigen Leben getan, was ihr strenger Vater von ihr erwartet hat. Seit drei Jahren studiert sie bereits an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar, doch nun hat der junge, charismatische Architekt Walter Gropius die Direktion der Akademie übernommen und eine in ihrer Konzeption völlig neuartige Schule mit dem Titel "Staatliches Bauhaus" ausgerufen. Eine Schule, die offen für alle sein soll, unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht, und die Zusammenführung von Kunst und Handwerk propagiert.
Die bisherige Studentenschaft ist gespalten. Ein Teil ist beeindruckt von Gropius' neuen Ideen, andere sehen darin den Niedergang der nationalen Kultur. Dörte ist neugierig, ja, elektrisiert und lässt sich auf das Experiment ein. Johannes Itten, der Dörte von nun an im Vorkurs unterrichtet, erkennt ihr Talent und provoziert sie schonungslos, um sie zu zwingen, sich zu öffnen. Itten ist ein strenger, cholerischer Lehrer, der eine sektenartige Gefolgschaft um sich schart: die Mazdaznan-Bewegung, ein esoterischer, christlich-hinduistischer Kult. Auch Dörte ist fasziniert, und sie unterzieht sich einem schmerzhaften Reinigungsritual. Doch nicht nur Itten möchte Dörte fördern, auch Gropius wird früh auf die ehrgeizige Studentin aufmerksam.
Gropius hat große Pläne, und es gelingt ihm, wichtige Künstler wie Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Paul Klee, Gertrud Grunow und Wassily Kandinsky als Meister zu engagieren. Das Experiment wird zur Lebensform, ein Alltag zwischen Jazz, Tanz und revolutionären Ideen. Inmitten dieser Aufbruchsstimmung kreuzen sich die Wege von Gropius und Helm immer wieder. Während des Kapp-Putsches widersetzt sich Dörte Gropius' ausdrücklicher Weisung, sich jeglicher politischen Agitation zu enthalten. Sie muss mit ihrer Exmatrikulation rechnen und flieht in eine Landkommune, in der Hoffnung, dort für sich eine neue Gesellschaftsform zu finden. Dörte beginnt Kinder zu unterrichten und entdeckt ein Talent in sich, nach dem sie bisher verzweifelt gesucht hat: Sie ist eine gute Lehrerin.
Für Gropius in Weimar geht es derweil ums Ganze. Die konservative Bürgerschaft lehnt das Bauhaus weiterhin strikt ab. Nicht nur Juden und Ausländer sind den ehrenwerten Herren und Damen ein Dorn im Auge – dass Frauen gleichberechtigt mit Männern unterrichtet werden, ist nicht akzeptabel. Gropius geht einen Kompromiss ein: Frauen werden aus allen Werkstätten verbannt – mit Ausnahme der Weberei. Als Dörte ans Bauhaus zurückkehrt, muss ihr Studium nun in der "Frauenklasse" stattfinden. Dörte schreibt einen wütenden Artikel und entwickelt sich immer mehr zur Rebellin. Gropius lenkt insoweit ein, dass er sie in Oskar Schlemmers Wandmalerei-Klasse studieren lässt. Diese leitet Oskar gemeinsam mit seinem Bruder Carl, bei dem Dörtes Freigeist auf klare Ablehnung stößt und der ihr eine Affäre mit Gropius unterstellt – ein gefundenes Fressen für die Gegner des Bauhaus. Ein Ehrengericht wird einberufen, in dem die Affäre untersucht werden soll. Gropius macht Dörte einen Heiratsantrag, doch unter dem Druck der Öffentlichkeit verleugnet Dörte ihre wahren Gefühle, sie will keine Liebe unter Zwang. Gropius ist tief gekränkt.
Der Druck auf Gropius und das Bauhaus wird immer stärker. Eine große Ausstellung soll auf die Erfolge der Schule aufmerksam machen und sie damit vor der Schließung retten. Doch auch der Erfolg der Ausstellung kann das Ende in Weimar nicht verhindern. Gropius muss mit dem Bauhaus nach Dessau umziehen. Dörte bittet ihn, sie mitzunehmen. Doch Gropius, der seinen verletzten Stolz nicht überwunden hat, schlägt ihren Wunsch aus. Dörtes Zeit am Bauhaus ist beendet. Gropius und sie werden sich nie mehr begegnen.

Rahmenhandlung und Folgeninhalte (Kurzfassung)

1963 in New York. Walter Gropius, 80 Jahre alt, international gefeierter Architekt und Mitbegründer moderner Architektur, trifft auf die Journalistin Stine Branderup. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Streitgespräch über die Rolle der Frauen am Bauhaus. Branderup wirft Gropius vor, Frauen an seiner Schule zwar zugelassen, letztlich aber unterdrückt zu haben. Gropius wehrt sich und erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive.

Folge 1: Nach dem Krieg
Noch im Schützengraben lässt Walter Gropius an den Großherzog telegraphieren, dass er in Weimar die modernste Kunstschule der Welt errichten will: das Staatliche Bauhaus. Im Sommer 1919 eröffnet das Bauhaus tatsächlich seine Pforten.
Eine der Studentinnen ist Dörte Helm, sehr zum Missfallen ihres konservativen Vaters, der dem wilden Treiben dieser neuartigen Schule mehr als skeptisch gegenübersteht.

Folge 2: Der Prinz von Theben
Die erste Phase des Studiums leitet der strenge Meister Johannes Itten. Wer seinen Vorkurs nicht besteht, wird zum Hauptstudium nicht zugelassen, und er scheint Dörte, die wohlerzogene Tochter aus gutem Hause, im Besonderen zu testen. Er propagiert auch hier am Bauhaus die Mazdaznan-Bewegung, einen esoterischen, christlich-hinduistischen Kult. Dörte ist fasziniert und unterzieht sich einem schmerzhaften Reinigungsritual. Durch ihre Offenheit scheint sie Itten für sich einzunehmen.

Folge 3: Die Märzgefallenen
Der Kapp-Putsch bricht aus, es kommt auch in Weimar zu Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und national-konservativen Freikorps. Gropius weiß, dass seine Schule unpolitisch bleiben muss, und droht, jeden Studenten, der sich dem widersetzt, zu exmatrikulieren. Dörte, die heimlich Flugblätter druckt, wird erwischt. Der Kapp-Putsch wird tatsächlich nach drei Tagen durch den deutschlandweiten Generalstreik beendet. In Weimar werden die Toten der Kämpfe, die sogenannten Märzgefallenen, zu Grabe getragen. Dörte entrollt beim Trauermarsch ein politisches Banner und muss mit ihrer Exmatrikulation rechnen.

Folge 4: Die Frauenklasse
Dörte flieht in eine Land-Kommune. Sie gibt den dort lebenden Kindern Unterricht und entdeckt ihr Talent als Lehrerin. Gropius besucht Dörte und überzeugt sie, an das Bauhaus zurückzukehren. Allerdings verschweigt er ihr, dass er sich durch Druck der konservativen Bürger Weimars auf einen Kompromiss eingelassen hat und eine "Frauenklasse" eingerichtet wurde. Alle Frauen werden in die Weberei verbannt. Als Dörte zurückkehrt, findet auch sie sich in dieser Klasse wieder, doch sie will sich auf keinen Fall mit dieser Art der Unterdrückung abfinden.

Folge 5: Das Ehrengericht
Dörte Helms andauernder Protest gegen die Benachteiligung der Frauen am Bauhaus macht die konservativen Gegner auf ihr besonderes Verhältnis zu Gropius aufmerksam. Schnell entsteht das Gerücht, der Direktor unterhalte eine unlautere Affäre zu einer Studentin. Volksbildungsminister Max Greil ist gezwungen, ein Ehrengericht einzuberufen, das die Affäre untersucht. Um dem Vorwurf der unehrenhaften Liebesbeziehung zu entgehen, macht Gropius Dörte einen Heiratsantrag. Vor dem Gericht verschweigt sie jedoch ihre wahren Gefühle und verleugnet ihre Beziehung zu Gropius.

Folge 6: Das Ende in Weimar
In Deutschland herrscht Inflation, die Nationalkonservativen bekommen neuen Zulauf. In Thüringen stehen Wahlen an, und Richard Leutheußer, Mitglied der Deutschen Volkspartei, kündigt an, dass im Falle einer Regierungsbeteiligung seiner Partei dem Bauhaus die Mittel gekürzt würden.
Gropius ruft Meister und Studenten zu einer Ausstellung auf, damit die Welt ihre Ideen sehen kann, bevor es zu spät ist. Auch Dörte gestaltet die Ausstellung maßgeblich mit, aber der gekränkte Gropius kann mit der selbstbewussten Frau nicht mehr umgehen. Im Richtungsstreit um das Bauhaus entzweien sie sich immer weiter. Schließlich heiratet Gropius eine andere Frau. Die Ausstellung wird ein großer Erfolg, rettet die Schule aber nicht vor ihrer Schließung in Weimar. Während viele Studenten zum neuen Standort nach Dessau umziehen, muss Dörte ihren eigenen Weg gehen.

Producer's Note
Von Thomas Kufus, zero one film

Das Bauhaus hat mich lange als Bewegung und kulturhistorische Zäsur in Deutschland interessiert. 100 Jahre nach Gründung im Jahr 1919 sind das Bauhaus und seine in dieser Zeit entstandenen Produkte und Entwürfe weltbekannt. Die visionären Kräfte auf der einen und die Widerstände auf der anderen Seite wurden zumeist jedoch übersehen. Unsere Serie blickt wie ein Brennglas auf die Entstehung dieser einzigartigen Schule.

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei "Der Staat gegen Fritz Bauer" konnte ich den Regisseur Lars Kraume inspirieren, eine Serie über diese turbulenten Jahre am Bauhaus zu entwickeln. Gemeinsam mit der Co-Autorin Judith Angerbauer und der Kunsthistorikerin Lena Kiessler entwarf Lars Kraume zunächst eine fiktive Geschichte mit einer weiblichen Hauptfigur, aber schnell wurde klar, dass das Bauhaus so reich an spannenden historischen Figuren ist, dass wir eher hier unseren Ausgangspunkt nehmen wollten und nur noch wenig hinzufügen mussten. Die historischen Vorbilder der berühmt gewordenen Lehrer und Schüler eignen sich hervorragend für die horizontale Erzählung und damit auch für die Geschichte hinter dem Stuhl, dem Design, der radikalen Architektur.

Es war uns wichtig, so authentisch wie möglich zu erzählen. Nach aufwändiger Recherche haben wir Zeichnungen oder Stoffmuster nach alten Fotos rekonstruieren lassen, wir haben 3.500 Komparsen mit historischen Kostümen ausgestattet und wir haben jede unserer Figuren in ihren historischen Kontext eingebettet. Für die zahlreichen Kunstwerke, die in der Serie zu sehen sind, fahndeten wir nach den Rechteinhabern und Erben verstorbener Künstler.

In unserer Geschichte folgen wir der aus großbürgerlichem Hause stammenden schüchternen Dörte Helm, ihrer Wandlung zur politisch radikalen und selbstbewussten Künstlerin und Frau. Aus ihrer Perspektive erleben wir die Schule als einen Ort, an dem für einige Jahre eine Utopie zur Realität wurde, und die politischen Erdbeben, die auf den Ersten Weltkrieg folgen. Mit ihr erleben wir auch, wie hoch der Preis ist, den Frauen für ihre Unabhängigkeit zu zahlen hatten. Die Serie ist nicht nur ein kunsthistorisches Ereignis, vielmehr erzählt sie den Aufstieg einer jungen Generation mit dem unbändigen Wunsch, das Leben neu zu gestalten. Es ist eine Rebellion. Es ist die Geschichte der Emanzipation einer Frau und eine tragische Liebesgeschichte.

Spagat zwischen Fakten und Fiktion
Interview mit Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume

Sie haben eine Affinität zu historischen Themen, nach "Der Staat gegen Fritz Bauer" und "Das schweigende Klassenzimmer" widmen Sie sich in "Die Neue Zeit" dem Weimarer Abschnitt des Bauhaus. Was hat Sie an diesem Zeitraum besonders interessiert?

Bei diesem Projekt kommen eine Menge unterschiedlicher Themen zusammen. Erstmal war das Bauhaus für mich ein Begriff, zu dem mir nur ein paar Stühle und Häuser mit flachen Dächern eingefallen sind. Also eine Wissenslücke. Sobald man anfängt, sich mit dieser Schule zu beschäftigen, wird sie immer interessanter. Es war eine Schule des Erfindens: Die Studenten waren wilde Rebellen, die Lehrer, die Gropius rief, waren bedeutende Avantgardisten und solange die Schule bestand, wurde an ihr auch der Kulturkampf ausgefochten, der in ganz Europa nach dem Zusammenbruch durch den Ersten Weltkrieg stattfand. Das Bauhaus war prägend für die gesamte Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Da die Nationalsozialisten diese Visionäre später aus Deutschland vertrieben, haben sie sich in der ganzen Welt verteilt und die Idee des Bauhaus so weitergetragen.
Aber man macht Filme natürlich vor allem über Menschen in ungewöhnlichen Situationen. Und deshalb waren für mich vor allem die Frauen besonders interessant, denn sie waren quasi in doppelter Hinsicht Rebellen. Während sie mit der ganzen Schule gegen den traditionellen, bürgerlichen Kulturbegriff ankämpften, mussten sie innerhalb des Bauhaus auch gegen die Männer und für ihre Gleichberechtigung kämpfen. Als wir dann die Biografie von Dörte Helm fanden, konzentrierten wir uns auf ihre Geschichte und gehen in der Serie vor allem der Frage nach, wie so eine Emanzipation wohl ablief und wieso diese starke, rebellische Frau dennoch heute quasi unbekannt ist.

Wie haben Sie sich dem Thema genähert? Welche Aspekte waren Ihnen besonders wichtig?

Die erste Idee für das Projekt hatte der Produzent Thomas Kufus. Meine Frau Lena Kiessler, die Kunsthistorikerin ist und das Drehbuch mit mir und Judith Angerbauer schrieb, hat die Recherchen geleitet. Sie setzte auch das Thema der Frauenemanzipation. In der Drehbuchentwicklung basierend auf wahren Ereignissen muss man vor allem immer den Spagat zwischen Fakten und Fiktion machen, denn niemandem ist mit einer wahren, aber langweiligen Geschichte gedient. Gleichzeitig kann man bei einem solchen Thema auch nicht alle Fakten um der Spannung Willen verbiegen, denn die Zuschauer erwarten eine Genauigkeit im Umgang mit den historischen Ereignissen. Während wir schrieben haben wir also immer versucht, möglichst nah an den Quellen zu bleiben. Alle Figuren gab es wirklich, wir machen hier keine Erfindungen. Und auch alle Ereignisse sind belegt, nur in den privaten, nicht dokumentierten Bereichen haben wir fabuliert. Das Ziel möglichst großer Genauigkeit verfolgten wir auch im Produktionsprozess. Die Kostümbildnerin Esther Walz und der Szenenbildner Olaf Schiefner haben mit ihren Teams unglaublich akribisch gearbeitet.

Sie haben nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch gemeinsam mit Judith Angerbauer und Ihrer Frau, der Kunsthistorikerin Lena Kiessler, geschrieben. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Lena hat die entscheidenden Impulse gegeben, muss man sagen. Sie hatte die Idee, das Bauhaus aus der Sicht der Frauen zu betrachten, und sie hat uns immer wieder mit den Fakten konfrontiert, wenn Judith und ich uns als Drehbuchautoren zu weit von der Realität entfernt haben. Wir haben meistens zu dritt um einen Tisch gesessen, die unzähligen Bücher gewälzt, die es über das Bauhaus gibt, und unsere Geschichte immer wieder neu skizziert. Dann haben Judith und ich die Drehbücher geschrieben, und nachdem wir fertig waren, haben wir uns wieder alle drei getroffen und weitergearbeitet. Gedreht wurde dann etwa die fünfte Fassung. Wichtig war aber auch die erste Recherche-Reise nach Weimar, wo uns der Kunsthistoriker Michael Siebenbrodt der Klassikstiftung Weimar auf die Biografie der Dörte Helm aufmerksam machte. Wenn wir eine Rebellin suchen, meinte er, dann wäre das unsere Frau.

Das Bauhaus kultivierte den Spaß und die Lust am Experiment. War diese Haltung auch während der Dreharbeiten zu spüren? Und welche Bedeutung hatten Kostüm, Szenenbild und Musik?

Da das Bauhaus vor allem wild und frei war, dachten wir, es wäre eine gute Idee, auch etwas wilder und freier zu drehen, um etwas Ungezwungenes herzustellen. In Kostümfilmen ist Leichtigkeit schwer zu erreichen, weil ja die 3.500 Komparsen und 80 Schauspieler unglaublich aufwendige Kostüme tragen und lange Maskenzeiten haben. Die Sets sind alle extra eingerichtet und normalerweise kann man nicht 360 Grad drehen, denn irgendwo hört die Dekoration auf. Aber uns war es wichtig, dass sich alles fast "dokumentarisch" anfühlt. Jens Harant, der Kameramann, hat alles mit der Handkamera gedreht, die Sets waren so eingerichtet, dass er überall filmen konnte, und die Schauspieler konnten sich frei bewegen in ihrem Spiel.
Anhand der Musik kann man gut erklären, wie wir versucht haben, das Bauhaus aber nicht nur historisch korrekt nachzuinszenieren, sondern auch für ein modernes Publikum nachvollziehbar zu machen. Die Bauhaus-Band, die es damals wirklich gab, spielte den Jazz der Zeit, gemischt mit ungarischen Volksliedern. Die Komponisten Christoph M. Kaiser und Julian Maas haben Stücke für unsere Band geschrieben, die dieser Musik nahekommen, sich aber dennoch ganz frei und unmerklich musikalischen Errungenschaften des ganzen 20. Jahrhunderts bedienen. Wenn die Bauhäusler feiern, dann tanzen sie zu Musik, die altmodisch und gleichzeitig modern für einen zeitgenössischen Zuschauer wirkt.

Was macht für Sie die Faszination des Bauhaus aus?

Die Faszination des Bauhaus in Weimar ist der ungestüme Drang, die Welt neu zu gestalten und damit ein anderes, modernes Menschenbild und Lebensgefühl zu erschaffen. Der visionäre Geist dieser Leute ist beeindruckend. Zum Beispiel gibt es irgendwann im Film eine Szene, da fährt Gropius mit einem Auto vor der Baustelle des "Haus am Horn" vor. Vor dem Flachdachbungalow wirkt der Wagen, aus dem Gropius aussteigt, lächerlich altmodisch. Dieser Kontrast zeigt, wie die Bauhäusler sich Dinge vorstellen konnten, die heute normal wirken, aber aus ihrer Zeit heraus betrachtet einfach ungeheuerlich waren.

Das Interview führte Evelyn Tapavicza.

Von der Energie des jungen Bauhaus
Fragen an die Hauptdarsteller Anna Maria Mühe und August Diehl

Sie spielen in der Bauhaus-Serie "Die Neue Zeit" die historischen Figuren Dörte Helm und Walter Gropius. Was hat Sie am Drehbuch besonders fasziniert?

August Diehl: Als ich zu lesen anfing, war ich begeistert. Lars hatte sich auf die Anfänge des Bauhaus konzentriert. Auf die Zeit in Weimar. Er zeichnete einen Gropius, der voller Visionen war und eine Schule gründen wollte. Etwas erfinden wollte. Eine neue Ästhetik. Eine neue Zeit. Einen jungen, radikalen Menschen, voller Visionen.
Und dann war da der Konflikt mit einer jungen Rebellin. Einer feministischen Frau, die sich nichts bieten lassen wollte. Die Gropius angriff. Das war rasant geschrieben, witzig, klug und sehr unterhaltsam. Ein bisschen wie eine Screwball Comedy. Da war ich sofort gefangen. Da wollte ich dabei sein.

Anna Maria Mühe: Die Geschichte und der Werdegang der Dörte Helm hat mich beim Lesen sofort berührt. Die einzelnen Charaktere und Situationen waren im Buch schon so detailliert gezeichnet, dass es eine reine Freude war, sich damit intensiv zu beschäftigen.

Wie haben Sie sich den historischen Figuren Dörte Helm und Walter Gropius angenähert? Was hat Sie an Ihrer Figur gereizt?

Anna Maria Mühe: Ich habe angefangen, sämtliche Bücher über das Bauhaus und diese besondere Zeit zu lesen. Ich hatte das Glück, die Tochter von Dörte Helm treffen zu dürfen, und hatte Zeichen- und Tanzunterricht. Ich besuchte Museen und habe versucht, alles aufzusaugen. Das half mir, ein Gerüst für diese Figur zu bauen. Der Rest war dann Spielfreude unter der unfassbar guten Regie von Lars Kraume.
Die Figur der Dörte war ein Geschenk, sie kommt aus einem erzkonservativen Haus, mit all seinen Moralvorstellungen und politischen Haltungen. Dörte muss sich zwangsläufig neu erfinden, um am Bauhaus bestehen zu können. Daraus schöpft sie eine ungeahnte Kraft und die Möglichkeit, ihre Art zu leben neu zu hinterfragen.

August Diehl: Ich hatte mich sehr früh entschieden, Gropius nicht zu kopieren, keinen Lookalike darzustellen. Ich habe mich trotzdem sehr viel mit ihm beschäftigt, mit der historischen Figur. Seine Energie, seine Vision waren wichtig für mich. Und auch die Tatsache, dass er ein Mensch des 19. Jahrhunderts war, nicht so sehr des Zwanzigsten. Jemand, der in das 20. Jahrhundert erst hinein wächst, es mit erfinden will. So wie wir ja heute auch eher Menschen des 20. Jahrhundert sind, die das 21. Jahrhundert entdecken. Diese Zeitenwende hat mich interessiert. Dass das alles vor 100 Jahren spielte.
Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist heute noch eine der spannendsten Zeiten des 20. Jahrhunderts für mich. Alles, was da passierte, Literatur, Erfindungen, Theater, neue Erziehungsmodelle, all das ist unvergleichlich. Man wusste ja noch nicht, dass der Zweite Weltkrieg vor der Tür stand. Man wollte eine neue, bessere Welt. Alles Alte musste umgewandelt oder abgeschafft werden. Die neue Zeit eben. Das war es, was mich an der Rolle, an dem Drehbuch, an dem ganzen Projekt fasziniert hat.

Wie waren die Dreharbeiten und was zeichnet die Arbeitsweise von Regisseur Lars Kraume aus?

Anna Maria Mühe: Wir hatten ein sehr starkes Ensemble, jeder für sich eine Wucht und in der Gruppe dann umso stärker. Wir haben uns zwar an das Drehbuch gehalten, aber Lars hat Szenen immer wieder auch mal laufen lassen und manchmal sind kleine feine Momente entstanden. Ich kenne keinen Regisseur, der sein Team so motiviert und liebt und beschützt, wie Lars das getan hat. Dazu ist er ein sehr kluger und gewissenhafter Regisseur, der sich niemals mit Mittelmaß zufrieden geben würde.

August Diehl: Ich kann nur sagen, dass das eine der schönsten Dreherfahrungen in den letzten Jahren war für mich. Lars und ich und wir alle zusammen entdeckten das Bauhaus gemeinsam. Ja, wir experimentierten viel. Diese freie Energie, die das junge Bauhaus in der Weimarer Zeit ja noch versprühte, die steckte uns alle an. Ich kann mich nicht an einen Tag erinnern, der langweilig war. Es war immer riskant, immer ein Wagnis und immer ein riesiger Spaß.

Im Jubiläumsjahr ist das Bauhaus in aller Munde. Was bedeutet es Ihnen? Hatten Sie bereits vor dem Dreh eine persönliche Beziehung zum Bauhaus?

Anna Maria Mühe: Ich habe vor einigen Jahren mal das Bauhaus in Dessau besucht, und ich kannte einige Namen wie Gropius, Kandinsky und Breuer, aber es war wirklich interessant und spannend, sich mit diesem Thema so intensiv zu beschäftigen.

August Diehl: Das Bauhaus war für mich natürlich immer ein Begriff, richtig beschäftigt mit diesem Thema hatte ich mich jedoch vorher nicht. Das kam erst in der Vorbereitung für diesen Film. Und das hat großen Spaß gemacht. Die Weimarer Zeit ist so ganz anders als das, was aus dem Bauhaus später wurde. Die Dessauer Zeit und alles was danach kam, war ja nicht unbedingt unproblematisch. Aber in Weimar hatte das Bauhaus noch etwas Verspieltes, beinahe Esoterisches, sehr typisch für die zwanziger Jahre in Deutschland. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie das für die konservativen Weimarer war, diese jungen Punks, die die damalige provinzielle Hauptstadt Deutschlands auf den Kopf stellten. Der Mensch im Mittelpunkt. Das war das Ziel. Und auch, wenn das Bauhaus später dieses Ziel dem Funktionalismus und der Massenproduktion unterworfen hat, waren diese Anfänge doch der Maßstab. Und der hatte eine große Kraft. Da gibt es viel, was man auch heute noch mitnehmen kann.

Das Interview führte Evelyn Tapavicza

Zeichen- und Tanzkurs für alle
Statements von den Schauspielern Trine Dyrholm, Valerie Pachner, Sven Schelker und Ludwig Trepte

Über den Reiz der Rolle und die Annäherung an die historische Figur:

Valerie Pachner (spielt Gunta Stölzl):
Was mich an Gunta sofort angesprochen hat, war ihre Unbedarftheit in Sachen Kunst, Freundschaft und Liebe. Sie hat einen sehr selbstverständlichen Zugang zu ihrer Kreativität, nicht verkopft, und sie pfeift auf Konventionen. Ein Freigeist. Das hat mich gereizt. Dennoch bleibt diese Figurenzeichnung nicht einseitig, sondern entwickelt sich im Lauf der Freundschaftsdynamik mit Dörte.
Ich habe viel über Gunta und das Bauhaus gelesen, habe mir Dokus und Fotos angesehen. Besonders Guntas persönliche Aufzeichnungen waren wichtig und natürlich ihre Arbeiten. Dafür habe ich auch einen Webkurs in einer alten Weberei gemacht. Außerdem hatte ich zusammen mit den anderen Darstellern Zeichen- und Tanzkurs. Es war klar, dass wir viele Partyszenen haben würden, da war es wichtig, in die Körperlichkeit der Zeit zu schlüpfen. Und mir war es ein besonderes Anliegen, einen selbstverständlichen Umgang mit den Kunst-Materialien zu bekommen. Außerdem habe ich mir etwas den bayrischen Akzent angeeignet, der dann doch ein bisschen von meinem Heimatdialekt aus Oberösterreich abweicht.

Sven Schelker (spielt Johannes Itten):
Ich habe Material zu der Person Johannes Itten, seinem Werdegang, seiner Lehre und eigenen Überzeugungen gesammelt und so versucht, ein für mich möglichst genaues Bild von ihm zu zeichnen. Das hervorragende Drehbuch hatte dann schnell die größte Wichtigkeit, was die Anlage meiner Rolle anging, da mich die Dynamiken zwischen den Figuren, die ambivalente Beziehung zu Walter Gropius und das schwer Durchschaubare, aber trotzdem Einnehmende an Itten sehr interessiert hat. Hinzu kam, dass er damals fast gleich alt war wie ich heute, was es begünstigt hat, mich in ihm zu suchen und zu finden.

Ludwig Trepte (spielt Marcel Breuer):
Marcel Breuer war eine wahnsinnig spannende Persönlichkeit und gehörte zu den einflussreichsten Gestaltern des 20. Jahrhunderts. Er war Bauhaus-Absolvent und Dozent, Emigrant aus Nazi-Deutschland, Professor in Harvard und eine Lichtgestalt der modernen Architektur. Solche facettenreichen Persönlichkeiten reizen mich als Schauspieler sehr. 

Über die Dreharbeiten:

Trine Dyrholm (spielt Stine Branderup):
I loved to work with Lars Kraume on this interesting project. He is a very talented director with a clear vision. I only had a few shooting days but it was very inspiring and fun to do. And then I also had the chance to play with the very talented and lovely August Diehl.

Über das persönliche Verhältnis zum Bauhaus

Valerie Pachner (spielt Gunta Stölzl):
Ich hatte immer schon eine große Faszination für das Bauhaus, für künstlerische Bewegungen, die neben den Kunstwerken auch neue Lebensentwürfe liefern wollen. Da empfinde ich es als großes Glück, mich so intensiv damit befasst haben zu dürfen und daran teil zu haben, an diese tolle Institution und ihr Wirken zu erinnern.

Sven Schelker (spielt Johannes Itten):
Das Bauhaus ist für mich ein einzigartiger Beweis dafür, dass die Förderung von Kreativität, kritischem Geist und Mut zum Widerspruch in jeglicher Form absolut unterstützt und geschützt gehört, da sie große Veränderungen im Kleinen wie im Großen mit sich bringen und somit die Menschen in ihrem ästhetischen und sozialen Verständnis weit über ein Jahrhundert hinaus prägen kann.

Ludwig Trepte (spielt Marcel Breuer):
Es freut mich, dass die Hochschule noch immer diese Achtung bekommt, die ihr zusteht. Das Bauhaus hat die Art zu denken und somit auch die Art zu bauen verändert. Wichtig ist ja, dass man nicht nur die historischen Objekte zelebriert, sondern auch sieht, was das Bauhaus wirklich war: eine Schule der Avantgarde, eine Hochschule mit Visionen, die ihren Studenten kreativen Freiraum ließ.

Über Kostüme
Bemerkungen von Kostümbildnerin Esther Walz

Wir hatten insgesamt 3.500 Komparsen aus einem eher begrenzten Kostümstock von etwa 500 Kostümen einzukleiden, die immer wieder neu zusammengestellt werden mussten. Also ein eher bescheidener Fundus, bei so vielen Komparsen. Es war ein sehr großer Cast mit 80 Rollen, die dann auch noch unterschiedliche Entwicklungen durchmachten, die über das Kostüm miterzählt werden mussten. So wird die Entwicklung der jungen Dörte ganz klar über ihre Kleidung erzählt: von der schönen Frauenkleidung der Jahrhundertwende mit bodenlangen Röcken und Korsett zum quasi Herrenanzug mit Krawatte.

Da ich den Anspruch habe mit möglichst originalgetreuen Kostümen – sofern zu bekommen – und ansonsten mit geschneiderten Sachen aus historischen Stoffen zu arbeiten, war es nicht einfach, so viele alte Stoffe zu besorgen. Dann gab es die Frage der Umsetzung: Wie stelle ich die Bauhäusler so dar, dass der heutige Zuschauer das nicht wie einen verstaubten Dokumentarfilm sieht, sondern aus heutiger Sicht verstehen kann, inwiefern diese jungen Menschen und auch ihre außergewöhnlichen Lehrer anders waren und wie revolutionär sie in ihrer Zeit waren.
Ich glaube, dass es uns gelungen ist, das relativ authentisch und nicht kostümiert aussehen zu lassen, so dass das Kostüm die Geschichte miterzählt, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Über Frisuren
Bemerkungen von Maskenbildner Jens Bartram

Wir versuchen bei einer Verfilmung mit historischem Hintergrund, die Figuren in ihrer Zeit widerzuspiegeln. Aber wir sind nicht verpflichtet, den Stil der betreffenden Zeit oder Epoche hundertprozentig getreu umzusetzen, sondern wir haben die Freiheit, damit zu spielen. Als Beispiel möchte ich die Rolle der Alma Mahler nennen, die von der Frisur eher bieder daherkommt. Wir haben jedoch eine Frisur aus der Belle Époque gewählt, die besser zu dem Charakter passt, der dargestellt werden sollte. Die Frisur unterstreicht ihren Charakter als Femme fatale und sie unterscheidet sich von den jungen Frauen mit ihren kurzen Haaren.

Was mich und meine Kolleginnen gereizt hat, war, dass Frisuren und Haartrachten eine große Rolle in der damaligen Zeit gespielt haben. Die Emanzipation der Frau, demonstriert durch das Abschneiden der langen Haare, ist für uns heute nicht mehr ganz nachvollziehbar. Das war auch das Thema, das bei der Figur der Dörte Helm (Anna Maria Mühe) eine große Rolle spielte. Denn der einfache Bob-Schnitt, den Dörte Helm tatsächlich trug, war zu simpel und entsprach nicht der Aussage, die die Rolle verkörpern sollte. Für die damalige Zeit eine Revolution, für heute eher nichts Besonderes. Also versuchten wir einen asymmetrischen Schnitt: eine Seite kürzer, die andere etwas länger gelassen und das Ganze leicht gelockt. Unsere Absicht war, der Figur einen dynamischen Ausdruck zu verleihen, und es sollte auch einen Bezug zu heute geben.

Radio-O-Töne von Anna Maria Mühe

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Anmoderation: Wenn ab dem 15. September im ZDF die sechsteilige Serie "Die Neue Zeit" läuft, kommen alle Anna Maria Mühe-Fans wieder auf ihre Kosten. Als "ein junger, alter Profi" hat die "WELT" die Schauspielerin vor kurzem beschrieben. Kein Wunder, die 34-Jährige ist seit bald 20 Jahren im Schauspiel-Geschäft und hat in über 45 Filmen mitgewirkt. Im Sechsteiler beschäftigt sich das ZDF mit dem 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum, das dieses Jahr gefeiert wird – und Anna Maria Mühe verkörpert darin die Studentin Dörte Helm, eine junge Frau, die ihrem erzkonservativen Elternhaus entflieht und an die neugegründete Kunsthochschule in Weimar kommt. Dort gibt sie sich dem Künstlerdasein hin und lernt ganz nebenbei den Bauhausgründer Walter Gropius, gespielt von August Diehl, kennen. Steffen Frey (ZDF/all4radio) hat sich mit der Goldene Kamera- und Bambi-Gewinnerin unterhalten.

1. Regisseur Lars Kraume sagte über Ihre Figur: "Sie ist die rebellischste unter den rebellischen Studenten". Wie würden Sie Dörte Helm beschreiben?

Dörte Helm ist für mich auf jeden Fall, so wie wir die Figur erzählen, eine sehr mutige Frau. Sie kommt aus einer sehr erzkonservativen Familie, wo sozusagen Regeln an der Tagesordnung sind und dann kommt sie an das neue Bauhaus – sie war ja vorher schon an der Kunsthochschule in Weimar –, kommt dann da hin, alles ist neu, weil plötzlich der Herr Gropius die Regie übernimmt. Dabei merkt sie, so wie sie bis jetzt gelebt hat, wird sie hier nicht überleben. Sie muss sich sozusagen neu definieren und sich neu finden, um da bestehen zu können. (0:28)

2. Welche Parallelen gibt es zwischen der Figur Dörte Helm und der Person Anna Maria Mühe?

Wir tanzen beide sehr gerne. Also, wir sind beide schon auch zwei Frauen, würde ich sagen, die kämpfen und für eine Sache einstehen, die nicht lockerlassen, wenn es uns wichtig ist. Ansonsten war ich, glaube ich, nie so verschüchtert, wie wir die Dörte Helm am Anfang zeigen. (0:20)

3. Dörte Helm entwickelt sich in den sechs Folgen von der wohlerzogenen Tochter aus gutem Hause zu einer Frau, die es schafft, sich in der frauenfeindlichen Welt des beginnenden 20. Jahrhunderts zu behaupten. Welche Rolle spielt das Thema Emanzipation in der Serie?

Die spielt natürlich eine sehr große Rolle. Die ganzen Szenen zwischen Gropius und Dörte Helm im Büro sind sozusagen wegweisend, glaube ich, für viele Diskussionen, die wir auch heute noch teilweise führen. Also dass Dörte Helm sich sozusagen weigern musste, nicht in der Webereiklasse zu sein, nur weil da alle Frauen sind, und alle Männer gefühlt die guten, die spannenden Sachen machen dürfen – was ich übrigens selber auch so empfunden habe, weil, ich musste Weben lernen und fand das wirklich grässlich – ist ja heute die Diskussion die Gleiche im Sinne, dass die Frauen die gleiche Arbeit machen wie die Männer und trotzdem schlechter bezahlt werden. (0:32)

4. Die Serie spielt in den Anfangsjahren der Kunstschule in Weimar – von 1919 bis 1925. Was war das aus Ihrer Sicht für eine Zeit?

Ich glaube, das war die aufregendste Zeit, in der man hätte leben können, weil es einfach zwischen den beiden Kriegen war. Es war irgendwie so kurz, dass man dachte, jetzt kann man alles neu machen. Es war wahnsinnig progressiv. Dann kamen leider die Nazis und es wurde alles gedeckelt und in eine völlig andere Richtung gelenkt. Also alles, wofür das Bauhaus sozusagen stand und was es wollte, wurde plötzlich weggenommen. (0:25)

5. Die Gründung der Bauhaus-Kunstschule liegt jetzt 100 Jahre zurück. Die Einflüsse sind heute noch überall zu erkennen. Gefällt Ihnen der Bauhaus-Stil?

Ich mag vor allen Dingen den Stil der Möbel wahnsinnig gerne. Die Breuer-Stühle, die mochte ich sehr gerne. Ich mochte die Teetassen und die Teekannen der Bauhauszeit. Ich finde schon, also in unserer Geschichte erzählen wir eben auch dieses Erzkonservative und dann kommt der Gropius und will dieses Haus am Horn bauen – das ist damals schon unglaublich fortschrittlich für die gewesen. Also, wenn man sich das vorstellt, in was für einer Zeit die gelebt haben, und dann bauen die da so eine niedrige Platte hin, das ist schon wahnsinnig. In diesem Kontext finde ich das ein wahnsinnig schönes Haus, trotzdem würde ich als Anna jetzt heute nicht in so ein Haus ziehen. (0:36)

6. Warum nicht?

Das wäre mir zu niedrig. (0:04)

7. Wie hat die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Hollywood erprobten August Diehl funktioniert?

‚Wirklich schrecklich. Das ist so ein Hollywoodschauspieler sondergleichen.‘ Nein, überhaupt nicht. August und ich hatten das Glück, dass wir vor 16 Jahren schon mal zusammen drehen durften. ‚Was nützt die Liebe in Gedanken‘ hieß es, da haben wir damals Geschwister gespielt. Wir haben uns beide, glaube ich, gleichermaßen aufeinander gefreut, auf dieses Projekt und wurden nicht enttäuscht. Das war eine tolle Arbeit, es war eine Grundbasis an Vertrauen da, an wie man miteinander umgeht, ohne den anderen zu verletzen. Mutig sein zu dürfen, Sachen auszuprobieren, uneitel sein zu dürfen – dieser Teppich war da und dadurch war das eine unglaubliche Arbeitslust, die da entstanden ist. (0:38)

8. In Ihrer Vita fällt auf, dass Sie sehr oft in historischen und zeitgeschichtlichen Projekten mitwirken. Haben Sie sich schon immer für Geschichte interessiert?

Ne, ehrlicherweise liegt es eigentlich einfach nur daran, dass mein Gesicht scheinbar so historisch einsetzbar ist, dass ich deswegen gerne dafür besetzt werde. Außerdem macht es Spaß, sich tatsächlich mit diesen Sachen zu beschäftigen. (0:13)

9. Macht es mehr Spaß Figuren zu verkörpern, die einen historischen Hintergrund haben?

Es ist eine andere Verantwortung. Mir hat genauso Spaß gemacht, die Rolle der Bine bei ‚Dogs of Berlin‘ zu machen, weil das einfach so eine Knallerfrau war, die sehr interessant war, die so weit weg von mir war, wie, glaube ich, noch nie etwas zuvor. Die Rolle der Dörte Helm war unglaublich spannend und eben eine mutige Frau und dadurch, dass ich ihre Tochter treffen durfte, die Frau Heise, war das sozusagen für mich ein Bedürfnis, da auch jemanden glücklich zu machen, und in diesem Falle war das ihre Tochter. (0:27)

10. Hat Frau Heise die sechs Folgen von Die Neue Zeit schon gesehen?

Sie war bei der Premiere in München, hat alle sechs Folgen gesehen und war sehr gerührt. Sie war, glaube ich, wirklich begeistert. (0:07)

Radio-O-Töne von August Diehl

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Anmoderation: In der sechsteiligen Serie "Die Neue Zeit", die ab dem 15. September läuft, beschäftigt sich das ZDF mit dem Jubiläum 100 Jahre Bauhaus, das dieses Jahr gefeiert wird. Die Hauptrolle des Kunstschulgründers Walter Gropius spielt August Diehl, der schon im Hollywoodblockbuster "Inglourious Basterds" an der Seite von Brad Pitt mitgespielt hat. In "Die Neue Zeit" entwickelt er eine innige Beziehung zu einer seiner Studentinnen, Dörte Helm, gespielt von Anna Maria Mühe. Der Sechsteiler zeigt aber auch, wie sich Gropius als Leiter der Bauhaus-Kunstschule mit der Ablehnung der Bürger gegenüber seiner Kunst und seiner Person auseinandersetzen muss. Steffen Frey (ZDF/all4radio) hat sich mit Hauptdarsteller August Diehl unterhalten:

1. Wie ist es, als Schauspieler den Bauhaus-Gründer Walter Gropius – sicher einer der genialsten Baumeister des vergangenen Jahrhunderts – zu spielen?

Mit einem tollen Drehbuch, einem tollen Konflikt und guten Dialogen ist das ein großes Geschenk, ja. (0:05)

2. Was war das für ein Mensch, dieser Walter Gropius?

Also, ich trenne das immer gerne ein bisschen. Weil, ja, man weiß ein bisschen, wer Walter Gropius war und wie er war und so, aber wir haben uns sehr auf die Anfänge von Weimar konzentriert. Und was mich wahnsinnig interessiert hat in dem Drehbuch war einerseits diesen sehr visionären Menschen zu spielen, der eine Schule gründen will, nach dem ersten Weltkrieg quasi einen neuen Menschen entwerfen will und was unglaublich Radikales hatte – und Visionäres eben. Auf der anderen Seite hatte er aber das konservative Bürgertum gegen sich und auch eine rebellische Studentin und dieser Spagat: seine Schule durchzubringen, aber auch gleichzeitig immer wieder zu retten und gegen andere Kräfte zu verteidigen, das fand ich in dem Buch sehr geschickt geschrieben und hat mir unglaublich Spaß gemacht zu spielen. (0:43)

3. Im erzkonservativen Weimar wurde das Bauhaus sehr kritisch gesehen. Es bildete sich sehr viel Gegenwehr. Warum, glauben Sie, wurde das Bauhaus so kritisch gesehen?

Naja, Weimar ist der Ort der Klassik, da kommen die ganz großen Klassiker alle her. Ich weiß gar nicht, wo ich da anfange: Goethe, Schiller natürlich und Liszt und Herder und Nietzsche. Dann kam Walter Gropius und hat eigentlich mehr oder weniger gesagt: ‚Die Klassiker müssen weg‘, und das in Weimar. Ich glaube, das erklärt schon sehr, sehr viel, warum in Weimar da ein großer Protest losging. Gleichzeitig war Weimar aber auch immer, auch damals mit Goethe und Schiller, ein Ort, wo neue Dinge entstanden sind. Das passt einerseits sehr gut, aber ist auf der anderen Seite auch sehr verständlich, dass sich sehr viele Leute dagegen gewehrt hatten. (0:37)

4. Das Haus Sommerfeld, Plattenbauten und kubische Formen: Das Bauhaus gilt als Mitbegründer der modernen Architektur und feiert in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum. Was gefällt Ihnen persönlich am Bauhaus-Stil beziehungsweise gefällt er Ihnen überhaupt?

Ja, ich finde ganz vieles am Bauhaus unglaublich spannend und toll. Aber das Bauhaus ist eben, wie gesagt, auch eine 100-jährige Entwicklung jetzt, und ich finde das Bauhaus auch nicht unbedingt nur unproblematisch, sondern da gibt es auch viele Sachen, über die man sich streiten kann: die ganze Massenproduktion, die Trabantenstädte, die entwickelt wurden, Bauten, die mir auch nicht gefallen und so weiter. Aber es ist eben eine sehr, sehr lange Entwicklung, die vor allem in Weimar ihren Anfang hatte dadurch, dass sie gesagt hat, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und die Maße eines Baus oder die Maße eines Gegenstandes oder wie auch immer – die ganze Ästhetik auf den Menschen abgestimmt wird, wo er sich nicht mehr klein fühlt wie in klassizistischen Bauten zum Beispiel. Das ist eine Sache, die sich durch das Bauhaus gezogen hat. Dieser ganze Geist, der damals in Weimar entstand, der da natürlich damals noch in den Anfängen, vor allem unglaublich jugendstilmäßig war und esoterisch geprägt war, der hat sich später natürlich sehr stark industrialisiert und wurde konstruktivistisch und was anderes. Trotzdem hat dieser erste Impuls, glaube ich, das Bauhaus auch so weit getragen. (1:00)

5. Warum sollten Zuschauer, die mit Architektur und Kunst nicht so viel am Hut haben, trotzdem unbedingt ‚Die Neue Zeit‘ schauen?

Als Lars mich gefragt hatte, ob ich Lust hätte, eine Serie über das Bauhaus zu drehen, da mussten wir am Telefon erstmal lachen, weil ich gesagt habe: ‚Ja, das ist ja erstmal ein spannendes Thema, aber worum geht es? Was sind die Figuren? Was ist der Konflikt? Wo liegt das Dramatische und Komische?‘ Und man kann das ja auch sehr langweilig erzählen. Ich habe dann die Drehbücher gelesen und war begeistert und wollte unbedingt mitmachen, weil das was unglaublich Schnelles und Kluges und auch irgendwie in seinen Dialogen was sehr Modernes hatte. Sehr unterhaltsam. Also ich denke, dass unsere Serie auch sehr, sehr unterhaltsam geworden ist und trotzdem sehr viel über das Bauhaus erzählt. Es macht einfach grundsätzlich Spaß, wenn so etwas gut erzählt ist, bei Anfängen einer großen Bewegung dabei zu sein. Ich glaube, das ist etwas, was diese Serie trägt und mit sich bringt. (0:52)

6. Den roten Faden der Serie bildet die Liebesgeschichte zwischen Ihrer Figur und der Studentin Dörte Helm, gespielt von Anna Maria Mühe. Welche Bedeutung hat diese Beziehung für den Sechsteiler?

Es geht hauptsächlich darum. Es geht eigentlich um, wie gesagt, einen visionären, jungen Direktor einer Schule, der was aufbauen will und es kommt ihm eine junge, feministische, emanzipierte Studentin in die Quere. Daraus entwickelt sich aus einem großen Konflikt und vielen Streits auch eine Liebesbeziehung. Das ist eigentlich so auch das Schönste an der ganzen Serie. (0:23)

7. Wie hat die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Anna Maria Mühe funktioniert?

Ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, nach – ich glaube sogar, es ist jetzt 16 Jahre her – nach ‚Was nützt die Liebe in Gedanken‘, wo wir alle noch wahnsinnig jung waren – ich glaube für Anna war das damals der zweite Film – jetzt Anna wieder zu treffen. Schon beim Lesen des Drehbuchs habe ich mich gefreut, mit ihr diese Szenen spielen zu dürfen, die auch sehr streitsüchtig und schnell sind und ich wusste sofort, dass Anna dafür die Richtige ist. Ich hatte natürlich ganz viel von Anna geguckt, was sie in der Zwischenzeit gemacht hat und ja, ich glaube, wir haben uns beide einfach wahnsinnig aufeinander gefreut. (0:28)

8. Sie haben in Hollywoodblockbustern wie "Inglourious Basterds" und "Allied" mitgespielt, Sie haben den jungen Karl Marx verkörpert, Sie waren am Theater in "Hamlet" zu sehen – gibt es für Sie eine bestimmte Rolle, die Sie vielleicht mal noch spielen wollen?

Ja, diese Frage kann man ja nur immer übers Theater stellen, da gibt es die Rollen, die in den Stücken sind. Beim Film kann man das nicht wissen, weil diese Rollen werden ja erst geschrieben. Ich kann ja jetzt schlecht sagen: ‚Ich würde wahnsinnig gerne mal Travis Bickle [Anm. d. Red.: Robert De Niro in ‚Taxi Driver‘] spielen‘, oder so. Das geht ja nicht. Aber ich würde wahnsinnig gerne auch mal Richard III. spielen, das ginge zu beantworten. Also, deswegen weiß ich nicht. Beim Film ist es immer so schwierig, weil der ja immer erst neu erfunden wird und da geht es dann ganz stark darum, wer das macht und mit wem und wie es geschrieben ist. (0:30)

9.Können Sie sich eigentlich eine Fortsetzung vorstellen, hätten Sie Lust, mehr als die sechs Folgen zu drehen?

Ja, also ich weiß, dann wird es wahrscheinlich wieder Lars nicht machen, sondern jemand anders, aber ich finde das Ganze, wie das jetzt aufgestellt ist, wunderbar. Ich weiß, wenn es was gäbe, wäre es ja jetzt die Dessauer-Zeit und da wäre ich eigentlich gar nicht so wirklich dabei. Ich bin sehr stolz auf diese Serie und wäre auch wahnsinnig gerne dabei, wenn es, sollte es eine neue Staffel geben. (0:23)

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