Eichwald, MdB

Vierteilige Polit-Satire

Hans-Josef Eichwald (Bernhard Schütz) ist ein ganz normaler Arbeitnehmer in der inneren Kündigung – nur, dass sein Arbeitgeber das deutsche Volk ist. Als Abgeordneter im Deutschen Bundestag für den Wahlkreis Bochum II hat er seinen Wählern versprochen, ihr Leben ein bisschen besser zu machen. Doch 20 Jahre wütender Bürgeranrufe, Lobbyisten-Besuche und Fraktionszwang haben ihre Spuren hinterlassen.

  • ZDF, ab Freitag, 29. Mai 2015, 23.00 Uhr

Texte

Eine Miniserie über die große Politik – Die neue Polit-Satire Eichwald, MdB - Vorwort

Politik und Humor sind ein fruchtbares Paar, das wissen wir nicht erst seit dem Erfolg der "heute-show". Das TV-Labor Quantum der Nachwuchsredaktion Das kleine Fernsehspiel hat dieser Paarung nun auch in der seriellen Fiktion die Tür geöffnet und gemeinsam mit ZDFneo die vierteilige Polit-Satire "Eichwald, MdB" realisiert.

Inspiriert von Polit-Comedys wie "Veep" (US) oder "The Thick of It" (GB) hat die Serie "Eichwald, MdB" eine eigenständige Tonalität entwickelt und das Genre in seinen Referenzen auf die deutsche Politiklandschaft angewendet. Der große Respekt vor der internationalen Serienlandschaft wurde in eine kraftvolle Erzählung über einen Abgeordneten im Deutschen Bundestag umgewandelt. Gemeinsam mit seinen drei Mitarbeitern kämpft er um das tägliche Überleben im medialen und (un)kollegialen Politik-Haifischbecken Berlins.

Hajo Eichwald ist Bundestagsabgeordneter in seinen letzten Jahren vor dem Ruhestand – früherer Idealismus ist längst der Routine gewichen. Doch seinem Ruhebedürfnis steht die Tatsache entgegen, dass Realpolitik härter und schärfer denn je geworden ist. Die Konkurrenz ist jünger und wendiger geworden und mit dem Einzug des Internets in jeden Lebensbereich der Öffentlichkeit haben sich der Output von Journalisten und der Hunger der Wähler nach immer neuen Geschichten potenziert. Globalisierung und Verdrängungskampf tun ihr Übriges, um den eigentlich friedliebenden Politik-Veteranen Eichwald ans Blutdruck-Messgerät zu gewöhnen.

In vier Folgen erzählt die Serie von liebenswürdigen und manchmal naiven Arbeitern des Politikbetriebs. Strenge Fraktionsvorsitzende, jüngere Konkurrenten und kritische Journalisten treiben die Bürogemeinschaft vor sich her. 

Das Projekt wurde in die Hände einer jungen Produktionsfirma und eines jungen Regisseurs gelegt: die Kundschafter Filmproduktion aus Berlin und Regisseur Fabian Möhrke ("Millionen") haben gemeinsam mit dem Erfinder und Autor der Serie, Stefan Stuckmann, als "Showrunner" eine moderne Vision der politischen Satire realisiert, die auf schnelles Erzählen, auf rasantes "Walk&Talk" der Figuren setzt. Schauspielergrößen wie Bernhard Schütz oder Maren Kroymann haben mit viel Spielfreude die deutsche Version einer Working-Place-Comedy im Politik-Umfeld bereichert.

 

Lucia Haslauer, Lucas Schmidt (Redaktion ZDF/Das kleine Fernsehspiel/Quantum)
und Florian Weber (Redaktion ZDFneo)

Die Abgründe des menschlichen Miteinanders - Statement von Produzent Dirk Engelhardt

Politik ist zwar selten gut, aber das aus gutem Grund – das ist der Kern von "Eichwald, MdB". Entscheidungsprozesse sind grundsätzlich kompliziert, verworren und angstgesteuert – und wenn jemand doch mal das Richtige tut, dann ganz sicher aus den falschen Gründen.

"Eichwald, MdB" soll deshalb auch nicht den Zustand von Politik zeigen, sondern den Zustand unserer Gesellschaft. Uns geht es nicht darum, zu zeigen, dass Politik wieder idealistischer sein muss, sondern wir stellen die Frage, ob Politik vielleicht gar nicht idealistisch sein kann.

Eines der großen Themen von "Eichwald, MdB" ist die Frage, wie Macht Menschen verändert – auf jeder Ebene. Wir wollen nicht das alte Klischee vom korrupten Politiker neu erzählen, sondern die Abgründe menschlichen Miteinanders. Die Figuren in "Eichwald, MdB" bewegen sich deshalb immer in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen - fremder und eigener - und was sie auch tun, irgendjemand wird immer unzufrieden sein. In "Eichwald, MdB" gibt es deshalb auch keine echten Gewinner: alles, was man in einem Kompromiss gewinnt, muss man im nächsten wieder abgeben. Und wenn jemand doch wie ein Gewinner aussieht, dann nur, weil wir seine Geschichte nicht zu Ende erzählen.

Stab und Besetzung

Stab

RegieFabian Möhrke
Buch und Showrunner Stefan Stuckmann
Kamera Timon Schäppi
SchnittThomas Krause
ProduzentenAndreas Banz, Dirk Engelhardt,
Matthias Miegel, Robert Thalheim
RedaktionLucia Haslauer und Lucas Schmidt (ZDF/ Das kleine Fernsehspiel)                          
und Florian Weber (ZDFneo)
Länge 4 x 30 Minuten

                         

Eine Produktion von Kundschafter Filmproduktion GmbH im Auftrag von ZDFneo und ZDF/Das kleine Fernsehspiel/Quantum

 

Rollen/Darsteller

Hajo Eichwald Bernhard Schütz
Berndt EngemannRainer Reiners
Julia Schleicher Lucie Heinze
Sebastian GrubeLeon Ullrich
Birgit HankeMaren Kroymann
Uwe BornsenRobert Schupp

 

Episodendarsteller

Mark Waschke, Harald Schrott, Jana Klinge, Hans-Jochen Wagner, Andreas Döhler, Traute Hoess und andere.

Allgemeiner Inhalt

"Mann, das ist jedes Mal: da erfindet jemand 'nen Roboter oder scheucht zehn Chinesen zusammen, die's für 'nen Sack Reis machen, dann kaufen alle nicht mehr in Bochum, sondern bei Amazon, und zum Schluss krieg ich den Arschtritt, und nicht der Roboter." Hajo Eichwald

 

Eigentlich ist Hans-Josef Eichwald ein ganz normaler Arbeitnehmer in der inneren Kündigung – nur, dass sein Arbeitgeber das deutsche Volk ist.

Als Abgeordneter im Deutschen Bundestag für den Wahlkreis Bochum II hat er seinen Wählern irgendwann einmal versprochen, ihr Leben jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Doch 20 Jahre wütender Bürgeranrufe, Lobbyisten-Besuche und Fraktionszwang haben ihre Spuren hinterlassen.

Zusammen mit seinem langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter Berndt, dem twitternden Referenten Sebastian und der jungen Büroleiterin Julia ist Eichwald inzwischen vor allem damit beschäftigt, die eigene Mittelmäßigkeit zu verwalten: bloß nicht zu wenig machen, schließlich möchte man wiedergewählt werden, aber auch ja nicht zu viel – für das bisschen Kohle mehr lohnt sich der Job als Staatssekretär nämlich wirklich nicht. Der Kontakt zur strengen Fraktionsvorsitzenden Birgit Hanke, deren Wege man mit zu viel Engagement zwangsläufig kreuzt, ist aus sicherem Abstand von mindestens einem halben Plenarsaal ohnehin deutlich gesünder.

Doch was aussieht wie ein sicherer Plan, wird jäh über den Haufen geworfen durch die Ankunft von Uwe Bornsen. Der rückt für einen verstorbenen Kollegen in den Bundestag nach und kommt nicht nur aus dem gleichen Wahlkreis wie Eichwald, sondern ist auch noch deutlich jünger, besser angezogen – und sogar bei tumblr. Was das genau bedeutet, spielt für Eichwald keine Rolle, aber er weiß sofort: Wenn Bornsen ihm das sichere Direktmandat wegnimmt, wird sein Lebensabend deutlich stressiger. Von jetzt an, das wissen alle im Büro Eichwald, werden die Ärmel wieder  hochgekrempelt. Nicht nur, weil es anstrengend wird, sondern vor allem auch: schmutzig.

Sendetermine und Folgentitel

Donnerstag, 16. April 2015, 22.45 Uhr, ZDFneo
Freitag, 29. Mai 2015, 23.00 Uhr, ZDF
Folge 1: Der Konkurrent

 

Donnerstag, 23. April 2015, 22.45 Uhr, ZDFneo
Montag, 1. Juni 2015, 23.55 Uhr, ZDF
Folge 2: Der Industrielle

 

Donnerstag, 30. April 2015, 22.45 Uhr, ZDFneo
Montag, 1. Juni 2015, 00.25 Uhr, ZDF
Folge 3: Die Ampel

 

Donnerstag, 7. Mai 2015, 22.45 Uhr, ZDFneo
Montag, 1. Juni 2015, 00.55 Uhr, ZDF
Folge 4: Die Dienstreise

Folgen-Beschreibungen

Folge 1: Der Konkurrent

Hajo Eichwald ist stinksauer: Kaum ist er von der Beerdigung eines ungeliebten Kollegen zurück, da setzt ihm die eigene Partei auch schon einen neuen Gegenspieler vor die Nase. Uwe Bornsen rückt über die Landesliste in den Bundestag nach und kommt nicht nur aus dem gleichen Wahlkreis wie Eichwald, sondern ist auch noch deutlich jünger, besser angezogen – und bei Twitter. Eichwald sieht sein sicheres Direktmandat in Gefahr und startet auf der Stelle eine Reihe groß angelegter Intrigen, die er so nur in Bonn oder bei Shakespeare gelernt haben kann. Sein Team konzentriert sich dagegen auf handfeste politische Ideen, die Deutschland wirklich nach vorne bringen – und klebt Warnbilder von fetten Menschen auf Fastfood-Verpackungen.

 

Folge 2: Der Industrielle 

Nichts ist von Dauer, schon gar nicht in der Politik: Mit der erfolgreichen Gründung einer Öko-Agentur verringert Eichwald den deutschen Strombedarf um bis zu 20 Prozent, doch ein einziger Anruf aus dem Wahlkreis verringert seine Freude darüber um 100 Prozent: die PneumoSchmidt - immerhin Deutschlands drittgrößter Produzent von Fahrradschläuchen - steht vor der Pleite. Eichwald weiß sofort: Globalisierung, Euro und Kapitalismus hin oder her, bei der Suche nach dem Schuldigen für die 80 zukünftigen Arbeitslosen greifen die meisten seiner Wähler am liebsten auf bekannte Gesichter zurück – also ihn selbst. Doch plötzlich gibt es Hoffnung: im Aufsichtsrat der Mutterfirma sitzt ein alter Kumpel von ihm. Oder wie nennt man Leute, die einem früher mal die Freundin ausgespannt haben?

 

Folge 3: Die Ampel

In Eichwalds langer Politikkarriere spielten Inhalte meist nur eine Nebenrolle – von Inhaltsstoffen hat er sogar noch weniger Ahnung. Umso erstaunlicher, dass jetzt die Fraktionschefin ihn persönlich damit beauftragt, ein Gesetz für eine Lebensmittelampel auf den Weg zu bringen. Ein Apfel bekommt ein grünes Zeichen, eine Tüte Chips ein rotes – im Prinzip ist alles ganz einfach. Bis plötzlich 30 Kollegen aus anderen Wahlkreisen vor der Tür stehen, die Angst um Arbeitsplätze in örtlichen Keks-, Wurst- und Eisfabriken haben – und mehrere "klitzekleine" Änderungsvorschläge.

 

Folge 4: Die Dienstreise

Sport ist eigentlich eines von Eichwalds Fachgebieten, aber die Ausschussreise nach Brasilien könnte sich doch als Eigentor erweisen: Ein Abgeordneter wurde mit einem Beutel Kokain erwischt, Eichwald selbst soll in einem Puff gesehen worden sein. In guter Politikertradition beruft er sich auf Gedächtnislücken, glaubwürdig ausgelöst von hoher Luftfeuchtigkeit und sechs Caipirinha – mit wenig Erfolg. Während eine Tageszeitung, Leserreporter und feministische Twitter-User die Schlinge um Eichwalds Hals immer enger ziehen, versuchen er und sein Team, sich mit Geld, Waisenmädchen und schlechten Ausreden Zeit zu kaufen, um das scheinbar Unvermeidbare doch noch irgendwie abzuwenden: Muss Eichwald sein Mandat niederlegen?

Rollenprofile

Hajo Eichwald – Bundestagsabgeordneter
(Bernhard Schütz)

Sein Talent für Politik hat Hans-Josef Eichwald bereits als Student entdeckt: Weil er mit den Partys auf dem Campus nicht zufrieden ist, lässt er sich in den AStA wählen und gründet dort den "Ausschuss für Soziales" – ein erster erfolgreicher Euphemismus, dem viele weitere folgen sollen. Heute sitzt er im Deutschen Bundestag – nicht besonders weit vorne, aber immerhin. Als Abgeordneter für den Wahlkreis Bochum II hat er seinen Wählern versprochen, Deutschland jeden Tag ein Stückchen besser zu machen. "Zukunft, aber richtig! Und mit allen." – mit diesem Leitspruch ist er Anfang der 80er in den Landtag von NRW eingezogen. Doch nach 30 harten Jahren in den Mühlen des politischen Alltags definiert Eichwald das Wort "Zukunft" vor allem mit Blick auf sein eigenes Auskommen. Fast völlig befreit von eigenen politischen Grundsätzen ist er inzwischen einfach gerne dort, wo es zwischen Wählern und Lobbyisten am wenigsten weh tut. Er hat Deutschland genug gegeben, denkt er, und eigentlich wäre es an der Zeit, dass Deutschland mal was für ihn tut.

 

Berndt Engemann (58) – Wissenschaftlicher Mitarbeiter
(Rainer Reiners)

Berndt ist in einem klassischen Arbeiterhaushalt im Ruhrgebiet groß geworden und war der erste in seiner Familie, der es erst bis auf das Gymnasium und anschließend sogar zum Hochschulabschluss geschafft hat. Als seine Freundin unerwartet schwanger wird, macht er ihr nicht nur sofort einen Antrag, sondern lässt seine angefangene Doktorarbeit in der Schublade verschwinden, um seinem alten Kumpel Hajo als Referent in den Landtag zu folgen. Doch das platte Geschacher des Politikalltags hat Berndt ernüchtert, die Alltagssorgen einer jungen Familie haben ihn träge gemacht. Über die Jahre ist Berndt zu jemandem geworden, der durchaus pflichtbewusst seinen Aufgaben nachgeht, aber nur genau in dem Umfang, der von ihm erwartet wird. Seine Lebensfreude ist ihm nicht direkt anzusehen, aber doch vorhanden – er schöpft sie aus einem halben Dutzend kleiner, streng geschützter Freiräume, die er sich niemals wegnehmen lassen würde. Er ist großer Fan des VfL Bochum, dessen Spiele er Woche für Woche verfolgt, geht nicht ans Telefon, wenn er mit seiner Frau Tatort schaut, und weiß genau, wann und wo es im Bundestag jeden Tag Kuchen gibt. Und auch seinen Idealismus hat Berndt nicht ganz verloren: ausdauernd kämpft er für Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit – hauptsächlich mit der intensiven Lektüre von test und Öko-Test.

 

Sebastian Grube (29) – Wissenschaftlicher Mitarbeiter
(Leon Ullrich)

Sebastian ist als Einzelkind zweier lesbischer Frauen in München groß geworden – die eine Mutter Chefärztin, die andere Bezirksbürgermeisterin. Kernelement der elterlichen Erziehungsstrategie: in überbordende Liebe gehüllter Erwartungsdruck. Dumm nur, dass Sebastian praktisch alle Entwicklungsschritte zu spät oder in ungünstiger Reihenfolge durchgemacht hat. Seinen letzten Wachstumsschub hatte er erst, als alle anderen schon längst einen Kopf größer waren als er, seinem schnellen Stoffwechsel verdankt er schulische Spitznamen wie "Yogurette, "Halbfett-Basti" und "der Vegane" – weil er so fleischlos aussah. Doch was anderen an Muskelmasse in die Wiege gelegt wurde, hat Sebastian sich mit eisernem Willen und drei Paletten Eiweißpulver antrainiert.

Sebastian ist gerne da, wo die Gewinner sind und in der Lage, sich Mehrheitsmeinungen flexibel zu eigen zu machen. Deshalb ist Sebastian auch nicht derjenige, der später Bundeskanzler wird, sondern eher derjenige, der unter einem charismatischen Kanzler das Kanzleramt leitet. Nichtsdestotrotz hat Sebastian Vorbilder: große, bedeutsame Männer, deren Lebensweisheiten er aufsaugt und stetig versucht, in sein eigenes Leben einzupassen. Auf seinem Schreibtisch finden sich deshalb zwei Fotos: eines von Steve Jobs und eines von sich zusammen mit Lothar Matthäus.

 

Julia Schleicher (27) – Büroleiterin

(Lucie Heinze)

Julia ist einer der Gründe, aus dem Männer gegen Frauenquoten sind: Sie ist hübsch, schlagfertig und oft klüger als die Männer um sie herum. Was ihr aber zur größeren Karriere fehlt, ist das Talent für Machtspiele. Schon der Start ihrer politischen Laufbahn war symptomatisch: Berndt hat die fünf besten Bewerber heraus gesucht, Eichwald dann einfach die hübscheste Frau davon eingestellt. Seitdem ist Julia das gut organisierte Rückgrat des Büros, stets schwankend zwischen Frust über mangelnde Anerkennung und Hoffnung auf erfolgreichere Tage. Julia fühlt sich ein bisschen ratlos im Angesicht lauter männlicher Lebensentwürfe, die sie für gescheitert hält, und ihren eigenen Schwierigkeiten, sich gegen diese durchzusetzen. Ähnlich wie Sebastian weiß auch sie, dass aus ihr keine Ministerin wird, aber ein bisschen Verantwortung im Windschatten von jemand Größerem - gerne einer Frau - würde ihr schon gefallen. In Berlin aufgewachsen fehlt Julia allerdings manchmal auch ein wenig die Demut – vor allem der Provinz gegenüber. Ihr Studium in Düsseldorf hat sie nach vier Tagen abgebrochen, weil ihr in dieser langweiligen Stadt einfach nicht genug los war. Dass Umwege – gerade auch solche wie über Düsseldorf - manchmal schneller zum Ziel führen, muss sie erst noch lernen.

 

Birgit Hanke (55) – Fraktionsvorsitzende
(Maren Kroymann)

Wer auch immer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, Abgeordnete seien nur ihrem Gewissen verpflichtet – Hanke würde ihm gerne nachträglich dafür das Grundgesetz in den Allerwertesten schieben. Jetzt hat sie den Ärger und muss sich mit Menschen wie Hajo herum schlagen, die einfach nicht verstehen, dass ihr von der Natur vorgesehener Platz im Kollektiv ist – hinten links, in der vorletzten Reihe, ohne Stimmrecht.

Hanke hat ein gewinnendes Wesen und eine pragmatische Art – sie wirkt wie die Sorte Frau, die jahrzehntelang gleichzeitig den Haushalt geschmissen, Karriere gemacht und auch noch irgendwie sexy geblieben ist. Hanke ist die personifizierte Allround-Erfahrung im Umgang mit zankenden Kindern, gestressten Männern und abgebrochenen Absätzen – äußerlich. Innerlich dagegen definiert sie ihre Frauenrolle etwas konservativer: ungefähr 10 000 Jahre konservativer. Hanke sieht die Welt als einen großen Verteilungskampf, als ein ewiges Fressen und Gefressen werden.

Normalerweise ist die Natur so nett, Dinge, die potentiell gefährlich sind, auch als solche zu kennzeichnen – zum Beispiel mit langen Säbelzähnen oder giftgrünen Punkten. Hanke dagegen ist so etwas wie die höchste Evolutionsstufe todbringender Lebewesen: äußerlich sehr anziehend, bei längerem Kontakt aber meist lebensbedrohend.

 

Uwe Bornsen (36) – Bundestagsabgeordneter
(Robert Schupp)

Bornsen ist Eichwalds natürlicher Gegenspieler: aus dem selben Wahlkreis, aber deutlich jünger, viel sicherer im Umgang mit neuen Kommunikationsformen und mit einer Begeisterung für Themen gesegnet, die Eichwald nicht nur schon lange nicht mehr hat, sondern wahrscheinlich nie hatte. Bornsen ist einer von den Typen, von denen man sich fragt, wie sie das eigentlich alles auf die Reihe kriegen: Er ist diplomierter Betriebswirtschaftler, ist blendend vernetzt und hat zwei Kinder mit einer Frau, die mindestens eine Liga über ihm spielt.

Bornsen ist die Sorte Mann, die früher auf dem Schulhof verprügelt wurden, aber dann so lange und konsequent ihre verschroben und eigenwillig wirkenden Pläne durchgezogen haben, bis alle anderen irgendwann verstanden haben, dass diese doch zu einem größeren Ziel führen. Sein freundliches Wesen und sein etwas kauziger Humor sorgen dafür, dass er selbst bei politischen Gegnern nicht wirklich unbeliebt ist. Doch auch wenn Bornsen nichts aktiv Boshaftes an sich hat, so ist er trotzdem bis zu einem gewissen Punkt ein Technokrat, der durchaus Opfer in Kauf nehmen würde, wenn sie dem größeren Wohl dienen. Eichwald, der in Bornsen eine Bedrohung seines mühsam ersessenen Status Quo sieht, ist also nicht zu Unrecht besorgt über seinen neuen Kollegen.

Sei so krank wie das System - Kurzinterview mit Bernhard Schütz

Was war der Reiz, diese Rolle anzunehmen?

Verstehen durch Nachspielen. Berichte aus dem Herz der Finsternis.

 

Können Sie Hajo Eichwald, die Figur, die Sie spielen, kurz charakterisieren? 

Das System ist stärker als du, bewege dich darin, wie die Forelle im Bergbach. Schlage zu und tauche unter.

Bist du es der regiert oder ist es schon der Krebs. Sei so krank, wie das System oder kränker.

Überlebensstrategien für Loser, überleben ohne Freu(n)de.

Das Wissen der Macht ist unheilbar teilbar.

Meine Zimmernr. ist 696

Je suis libertin!

Was sagte meine Oma (Duisburg-Hüttenheim) immer: Was soll das schlechte Leben alles nützen.

 

Die Fragen stellte Wiebke Schuirmann.

Frauenfigur mit bösem Potenzial - Statement von Maren Kroymann

Was war der Reiz, diese Rolle anzunehmen? Können Sie Birgit Hanke, die Figur, die Sie spielen, kurz charakterisieren?

Als Kabarettistin habe ich eine große Freude daran, in einem satirischen Format mitzuwirken. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie nah an der Realität Satire sein kann. Eine fast unwesentliche Überzeichnung reicht manchmal aus, um aus einer "normalen" Szene eine satirische Szene zu machen. Das merkt man auch vielen Einstellungen bei "Eichwald, MdB" an, und das fasziniert mich. Außerdem liebe ich es, Frauenfiguren mit bösem Potenzial zu spielen.

An der Parteivorsitzenden Birgit Hanke, die ich verkörpere, gefällt mir besonders die Kombination aus total, also wirklich TOTAL nett und total knallhart. Sie weist Züge auf, die auch einen modernen männlichen Politiker auszeichnen können. Aber gerade an einer Frauenfigur kann man besonders gut aufzeigen, wie das Gnadenlose durch das Sympathische neutralisiert werden kann und umgekehrt. Politiker müssen ja irgendwie auch nett sein, damit sie im Fernsehen gut rüberkommen.

Ich finde es reizvoll, eine Politikerin zu spielen, weil ich dabei die "andere Seite" ausleuchten kann – die Seite derer, über die wir lästern, von denen wir uns distanzieren, die wir - überwiegend - nicht lieben. Alles Schweine, wissen wir doch! Oder zumindest arme Schweine... "Zur Kenntlichkeit entstellt" nannte Tucholsky das. Wenn wir Ansätze davon hinkriegen mit dieser Serie, würde mich das freuen.

Deutschen Sinn für Komik und Satire entwickeln - Kurzinterview mit Rainer Reiners

Was war der Reiz, die Rolle von Berndt Engemann anzunehmen?

In einer Sitcom politische Satire zu produzieren, ist doch ein Traum. An verantwortlicher Stelle zu helfen, den deutschen Sinn für Komik und Satire weiter zu entwickeln ist allerdings ein Himmelfahrtskommando.

Aber es wird Aufmerksamkeit erregen, zumindest in den Medien,

oder? Die Intellektuellen werden wissen wollen, ob wir die deutsche Sitcom einen Schritt voranbringen oder kläglich scheitern.

Und ob wir lustig sind... Ein traumhaftes Himmelfahrtskommando. Außerdem durfte ich meinen Schnurrbart behalten, wie hätte ich

Nein sagen können?

 

Können Sie Berndt Engemann, die Figur, die Sie spielen, kurz charakterisieren?

Berndt Engemann ist ein Pessimist, hat folglich ständig recht und geht seinen Kollegen damit auch gehörig auf die Nerven. 

Er sagt meistens die richtigen Sachen, die aber keiner hören will, weil sie nicht sexy genug sind, nicht genug Aufmerksamkeit versprechen.

Trotzdem ist Berndt unverbrüchlich loyal, denn er weiß um seine Unverzichtbarkeit für Eichwald und auch um den eigenen Mangel an jener irrationalen Kampfeslust, die es braucht, um in der Politik zu überleben.

Er weiß, er könnte Eichwalds Job nicht machen. Also manipuliert er ihn so, dass der seine Fähigkeiten wenigstens für die richtigen Ziele einsetzt. So wie das traditionell ehrgeizige Ehefrauen mit ihren Männern gemacht haben.

 

Die Fragen stellte Wiebke Schuirmann.

Irgendetwas mit Medien - Kurzinterview mit Lucie Heinze

Was war der Reiz, diese Rolle anzunehmen?

Ich kannte Fabian schon aus einer vorherigen Arbeit und wusste somit, dass mir die Arbeit mit ihm großen Spaß machen wird. Und als ich die Bücher von Stefan gelesen habe, war es sozusagen ein Träumchen die Julia spielen zu dürfen.

 

Können Sie Julia Schleicher, die Figur, die Sie spielen, kurz charakterisieren?

Sie ist klug, schlagfertig, schwer zu beeindrucken, humorvoll und ironisch, so wie ich eben.

 

"Irgendwas mit Medien“ - wäre das auch ein Job für Sie gewesen?

Nein, 'irgendwas mit Medien' später mal zu arbeiten, kam mir nie in den Sinn. Eher 'irgendwas mit Tieren' . Aber guck , nun mach ich ja doch irgendwas mit Medien.

 

Inwiefern unterscheidet sich der Beruf des Schauspielers von dem des Politikers?

Die Gemeinsamkeit ist wahrscheinlich das ganze Theater, aber wenn sich ein Schauspieler dabei mal verspielt, hat das keine fatalen Folgen, wie wenn das einem Politiker passiert. 

 

Die Fragen stellte Wiebke Schuirmann.

Eine Spezialwaffe mit Ladehemmung - Kurzinterview mit Leon Ullrich

Was war der Reiz, diese Rolle anzunehmen?

Am Anfang hat mir vor allem Sebastians Ernst gefallen, mit dem er fast allem begegnet. Es gibt bei ihm ein relativ fragiles Selbstbewusstsein, für das man sich als Spieler einsetzen muss. Das ist eigentlich maßgeblich für ihn.

Er funktioniert ein bisschen nach dem Prinzip Facebook. 'Wenn du dein Image nicht permanent fütterst, existierst du quasi nicht.' Allerdings läuft das bei ihm oft unterbewusst, würde ich sagen. Aus dem Grunde 'posted' er fast alles, was in ihm vorgeht - er teilt es unmittelbar seiner Umgebung mit. Dieser Ernst, mit dem er alles betreibt, macht ihn auch verwundbar. Er wird nicht immer so ernst genommen, wie er sich wünschen würde.

Unverstanden zu sein, kann ein schreckliches Gefühl sein. Ich denke, er weiß um sein Problem, aber weil es direkt an seinen Synapsen angebunden ist, ist seine 'Art' schneller als sein Kopf. Das macht es für ihn schwer das zu kontrollieren...

 

Können Sie Sebastian Grube, die Figur, die Sie spielen, kurz charakterisieren?

Sebastian ist im Grunde eine Spezialwaffe mit Ladehemmung. Er lebt in einer Art Dauerstress, weil seine sensiblen Sinne permanent von Input überrannt werden. Wichtiges und Unwichtiges strömt untrennbar durch die Windungen seiner Nerven. Wenn es im Büro allerdings zum Super-GAU kommt und gar kein Ausweg mehr in Sicht scheint, läuft in Bruchteilen einer Sekunde sein Zentralganglion heiß und erleidet einen Breakdown. Zum Glück. Seine Denke schaltet sich ab und legt seinen Instinkt frei. Das sind die kleinen Momente, in denen sein Genius erwacht und seine Intelligenz nicht mehr von chronischem Datenstau gelähmt wird. Das macht ihn zu einem echten Eichwald-Krieger, a true Eichwald-Employee: einer, den man nicht kommen sieht.

 

Die Fragen stellte Wiebke Schuirmann.

Die Leiche im Keller finden - Kurzinterview mit Robert Schupp

Was war der Reiz, die Rolle von Uwe Bornsen anzunehmen?

Mit dem Regisseur Fabian Möhrke, verbindet mich eine längere Geschichte von "Beinahe-Zusammenarbeiten". Bei "Eichwald, MdB" hatten wir (Fabian, Bernhard, Stefan und ich) schon beim Casting so viel Spaß, dass ich keine Bedenken hatte. Unsere Zusammenarbeit in einem bis in die kleinen Gastrollen erlesenen Ensemble, war denn auch erwartungsgemäß erfreulich.

 

Können Sie Uwe Bornsen charakterisieren?

Uwe Bornsen ist ein durch und durch positiver Typ, jedenfalls von außen betrachtet. Wie es hinter der Fassade aussieht, wissen wir nicht so genau, beziehungsweise verraten es noch nicht. Er hat Charme, Elan und Sachkenntnis, ist fleißig und kommunikativ - also das Gegenteil von Eichwald. Auf den ersten Blick sieht man bei ihm keine Schwächen noch Makel.

Und das ist natürlich interessant, denn man will ja was finden...die Schwachstelle, die Charakterschwäche, die Leiche im Keller, das, was es eben bei jedem gibt. Man sieht es nicht, aber es muss doch da sein.

Als Schauspieler spielt man da sozusagen die Fassade, ohne das Haus dahinter zu zeigen. Der Reiz liegt darin, dass man immer wieder kleine Fährten und Hinweise darauf auslegt, dass hinter der sauberen Fassade vielleicht doch ein verrottetes Haus steht.

 

Die Fragen stellte Wiebke Schuirmann.

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