Copyright ZDF / Uwe Frauendorf
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Erzgebirgskrimi - Tödlicher Akkord

Die Landschaftsarchitektin Katja Hartmann (Odine Johne) wird erschlagen im Wald gefunden. Hauptkommissar Robert Winkler (Kai Scheve) und seine Kollegin Karina Szabo (Lara Mandoki) ermitteln im Kreis des Bergmannsorchesters Schneeberg, in der Katja als Hornistin spielte. Unterstützt werden Sie dabei von der Försterin Saskia Bergelt (Teresa Weißbach). Als es bei der Generalprobe zum alljährlichen Bergstreittag ein weiteres Opfer gibt, spitzen sich die Ereignisse im nur scheinbar idyllischen erzgebirgischen Hügelland zu.

  • ZDF, Samstag, 7. März 2020, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Freitag, 6. März 2020

    Texte

    Stab

    Regie: Ulrich Zrenner
    Buch: Leo P. Ard, Rainer Jahreis
    Kamera: Wolf Siegelmann
    Szenenbild: Stefanie Granitza
    Kostüm: Birgitt Kilian
    Schnitt: Marco Baumhof
    Musik: Ludwig Eckmann
    Ton: Claudia Mattai del Moro
    Ton-Mischung: Martin Grube
    Music Supervision: Kai Schoormann
    Aufnahmeleitung: Michael Brodhuhn 
    Produktionsleitung: Frank Zahl
    Herstellungsleitung: Eva-Maria Pilling
    Producer: Gabriele Jung
    Produzenten: Rainer Jahreis, Clemens Schaeffer
    Produktion: NFP /RJF
    Redaktion: Pit Rampelt
    Länge: ca. 89 Min.

    Besetzung

    Robert Winkler - Kai Scheve
    Karina Szabo - Lara Mandoki
    Saskia Bergelt - Teresa Weißbach
    Georg Bergelt - Andreas Schmidt-Schaller
    Charlotte von Sellin - Adina Vetter
    Maik - Adrian Topol
    Peter Wiese - Tim Bergmann
    Constance Wiese - Katharina Lorenz
    Heidi Köhler - Esther Zimmering
    Manfred Schüppel - Alexander Hörbe
    Thomas Majewski - Florian Panzner
    Heiner Schüppel - Matthias Freihof
    Klaus Hartmann - Philipp Oehme
    Katja Hartmann - Odine Johne
    und viele andere

    Inhalt

    Die Landschaftsarchitektin Katja Hartmann (Odine Johne) wird erschlagen im Wald gefunden. Hauptkommissar Robert Winkler (Kai Scheve) und seine Kollegin Karina Szabo (Lara Mandoki) ermitteln im Kreis des Bergmannsorchesters Schneeberg. Hier spielte Katja als Hornistin, ebenso wie Försterin Saskia Bergelt (Teresa Weißbach), die die Ermittlungen kenntnisreich unterstützt.
    Bei der Befragung der Orchestermitglieder rücken einige Musikanten in den Fokus der Ermittlung. Sowohl Heidi Köhler (Esther Zimmering), die wie Katja das Tenorhorn spielt, als auch Thomas Majewski (Florian Panzner), Tubaspieler und jähzorniger Ex-Freund von Katja, hatten sich mit dem Mordopfer gestritten.
    Großbauer Manfred Schüppel (Alexander Hörbe) spielt die große Pauke und fühlte sich von der Öko- und Tierschutz-Aktivistin Katja in seiner Existenz bedroht. Constance und Peter Wiese (Katharina Lorenz, Tim Bergmann) haben aus einem handwerklichen Musikinstrumenten-Betrieb ein international erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Nichtsdestotrotz legen sie Wert auf Traditionspflege und spielen Posaune und Trompete der Bergmannskapelle. Lange verheimlichen sie den Ermittlern, dass sie Katja nicht nur mit der Gestaltung des eigenen Parks um ihre Villa beauftragt hatten, sondern mit ihr auch oft über die Grenze ins tschechische Karlsbad gefahren sind. Als es bei der Generalprobe zum alljährlichen Bergstreittag ein weiteres Mordopfer gibt, spitzen sich die Ereignisse im nur scheinbar idyllischen erzgebirgischen Hügelland zu.

    Prominent und authentisch: "Crime and Nature" im Erzgebirge

    Natürlich gibt es ortsunabhängige Ausprägungen im menschlichen Zusammenleben, die für eine Krimihandlung relevant sind. Dennoch ist es ein Ziel der neuen Samstagabend-Reihe Geschichten zu erzählen, die das Erzgebirge nicht nur als attraktive Kulisse verwenden, sondern die spezifisch im Erzgebirge angesiedelt sind. Der erste Film "Der Tote im Stollen“ hatte die vielversprechenden Lithium-Funde zum Thema, im zweiten Film "Tödlicher Akkord“ spielen nun der beeindruckende Bergstreittag, der seit 1665 (!) jährlich am 22. Juli in Schneeberg stattfindet, und die Nähe zu Tschechien eine wichtige Rolle.

    Für die angestrebte Authentizität stehen vor allem auch zwei Protagonisten des zweiten Films: Teresa Weißbach (Försterin Saskia Bergelt) und Kai Scheve (Kommissar Robert Winkler) sind beide im Erzgebirge geboren. Teresa Weißbach trägt darüber hinaus sogar offiziell den Titel einer Botschafterin des Erzgebirges. Mit Kai Scheve konnte ein seit vielen Jahren im Fernsehen positiv auffälliger Schauspieler gewonnen werden, der zwar schon in vielen Krimis mit-, aber noch nie einen Kommissar gespielt hat. Im ganz anders gearteten, mystisch verrätselten und verschachtelt konstruierten "Spreewaldkrimi" hatte er als Leiter des Biosphärenreservats mehrere bemerkenswerte Auftritte, zuletzt als Fährmann im Zwischenreich zwischen Leben und Tod. Hier im Erzgebirge spielt er nun ganz bei sich und ganz realistisch einen Kommissar, der in seine Heimat zurückkehrt.

    Zu dem Ermittlerteam mit insgesamt sechs durchgehenden Rollen zählen auch die junge Lara Mandoki (Kommissarin Karina Szabo), die ihre ungarischen Wurzeln in ihre Rolle einbringen kann , die Burgschauspielerin Adina Vetter (Charlotte von Sellin, die adlige Gerichtsmedizinerin), Adrian Topol (Maik, der etwas verliebte Spurensicherer) und der nicht nur beim ZDF-Publikum und nicht nur im Osten seit vielen Jahren beliebte Andreas Schmidt-Schaller (Georg Bergelt, der pensionierte Förster).

    Zu diesem Stammpersonal gesellen sich gleich mehrere prominente Schauspieler, die sich in das bekannte Who-done-it-Strickmuster vornehmlich als Verdächtige einfügen. Der "Erzgebirgskrimi" verfolgt das klassische "Crime and Nature"-Erfolgsrezept, zu dem diesmal der Kameramann Wolf Siegelmann eindrucksvolle Landschaftsbilder beiträgt. Für Kontinuität sorgen auf Autorenseite Leo P. Ard und Rainer Jahreis (dieser auch als Mitproduzent), der Komponist Ludwig Eckmann und der Regisseur Ulrich Zrenner.

    Der zweite "Erzgebirgskrimi" - Tödlicher Akkord" wird am 27. Februar 2020 als Premiere in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin vorgeführt. Die Dreharbeiten für den dritten und vierten Film aus dieser neuen Samstagskrimi-Reihe sind für diesen Sommer geplant.

    Pit Rampelt, Redakteur Fernsehfilm/Serie I - Fernsehspiel I

    "Ich mag diese Art von Arbeit"
    Fragen an Kai Scheve (Robert Winkler)

    Hauptkommissar Robert Winkler stammt wie Sie selbst aus dem Erzgebirge. Wie hat die Region Sie geprägt und was mögen Sie am Erzgebirge? Waren Ihnen einige Drehorte bekannt?

    Ich wurde im Krankenhaus in Erlabrunn geboren, einem heute noch beeindruckenden Gebäude. Als ich ein Jahr alt war, zogen meine Eltern mit mir nach Leipzig. Meine Bindung an das Erzgebirge ist daher eher frühkindlich. Es gibt aus dieser Zeit zahlreiche Fotos mit Schlitten, Schnee und dem Nachbarshund. Die Forsthaus-Szenen haben wir in Erlabrunn gedreht, es war quasi eine Zweitbegegnung mit diesem Ort. Sehr freundliche und interessierte Menschen, dunkle Fichtenwälder, Moorseen und Stille. Unsere Basis war in Bad Schlema. Hier wurde seit der Frühzeit alles aus der Erde geholt, was diese hergab: Silber, Eisenerz, Uranerz. Ich bin eingefahren in die alten Stollen, habe stolze Bergleute kennengelernt und das unvorstellbare Leben unter Tage. Ein Roman würde nicht genügen, das zu erzählen. Aber dafür sind wir ja da.

    Mehrere Szenen wurden vor Ort beim Bergstreittag in Schneeberg gedreht. War Ihnen diese Tradition vorher schon geläufig und worum genau geht es beim Bergstreittag? Welche Herausforderungen haben sich beim Dreh ergeben?

    Nichts von der Geschichte war mir bekannt. 1498 wollte man den Bergleuten einen Silbergroschen pro Woche weniger Lohn zahlen. Die Knappschaft und die Bergleute streikten und setzten sich damals durch. Ein gigantischer Zug von Bergleuten zog durch den Ort Schneeberg zur Kirche St. Wolfgang und feierte diesen Erfolg - und er wird bis heute gefeiert. Die Dreharbeiten an diesem Tag waren eine Herausforderung. Ein Teil unseres Ensembles lief mit dem Bergmannsorchester, und meine Kollegin Lara Mandoki und ich hatten in Echtzeit zu ermitteln. Es war ein heißer Tag. Viele Menschen, wann kommen die Kollegen an, wo ist die Kamera, Chaos - ich mag diese Art von Arbeit.

    Kommissar Robert Winkler kehrt nach Jahren in seine alte Heimat zurück. Wäre es für Sie auch vorstellbar, Ihren Lebensmittelpunkt wieder ins Erzgebirge zu verlegen oder sind Sie der Region entwachsen?

    Ich lebe mit meiner Familie in Berlin. Für meine Arbeit als Schauspieler spielt der Wohnort selbst eine untergeordnete Rolle. Für meine Frau ist die Anbindung an die Stadt beruflich jedoch sehr wichtig, und auch unsere Kinder sind hier verwurzelt. Da wir alle jedoch sehr naturverbunden sind, werden wir die Dreharbeiten im Sommer in jedem Fall für zahlreiche Erkundungstouren nutzen.

    "Unverwechselbar und liebenswert"
    Fragen an Teresa Weißbach (Saskia Bergelt)

    Sie sind, wie die Försterin Saskia Bergelt, im Erzgebirge aufgewachsen. Als Heimatverbundene und Botschafterin des Erzgebirges: Wie würden Sie einem Ortsfremden die Region beschreiben, was macht das Erzgebirge aus?

    Zwar ist das Erzgebirge keine besonders hohe Gebirgsformation - unser höchster Berg, der Fichtelberg, bringt es auf 1.200 Meter -  aber dieser Flecken Erde ist an Liebreiz kaum zu übertreffen. So weit das Auge reicht: Natur, Berge, Wälder, Flüsse, Seen. Und die Region ist wenig besiedelt. Die größte Stadt hier hat gerade mal 40.000 Einwohner. Land, Leute und sogar die Architektur sind seit Jahrhunderten geprägt vom Bergbau und seiner Kultur. Alle Geschichten, Sagen und Traditionen, sogar der Weihnachtsschmuck mit seinen "Raachermanneln" und "Schwibbögen" haben irgendwie mit dem Bergbau zu tun. Das wurde inzwischen ja auch schon an höherer Stelle bemerkt und ein Teilgebiet zum Weltkulturerbe erklärt. Wer Bergleute kennt oder schon einmal in einen Stollen eingefahren ist, weiß: Das hinterlässt Spuren. Der Menschenschlag, der aus dem Berg kommt, ist speziell. So ist der Erzgebirger in seiner Herzlichkeit und mit seinem Humor genauso wie mit seiner Hilfsbereitschaft und Solidarität unverwechselbar und in meinen Augen sehr liebenswert.

    Im zweiten "Erzgebirgskrimi" ermitteln die beiden Kommissare im Umfeld des Bergmannsorchesters. Saskia Bergelt ist selbst als Musikerin dort aktiv. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

    Ich muss gestehen: Im wahren Leben spiele ich keinerlei Instrument. Nun sollte ich im Bergmannkorps das Waldhorn spielen. Als Schauspieler weiß man, wie albern es aussehen kann, wenn man nur so tut, als würde man ein Instrument spielen können. Um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, war es daher für mich ganz selbstverständlich, für die Vorbereitung des Films zum Hornunterricht zu gehen. Nun ist Waldhorn spielen nicht so verbreitet wie Gitarre. Aber in Berlin ist ja fast alles möglich, also war es nicht so schwer, eine entsprechende Lehrerin zu finden. Schwieriger war es, der Lehrerin klar zu machen, dass es in der kurzen Vorbereitungszeit nicht darauf ankommt, das Stück fehlerfrei spielen zu können. Es so aussehen zu lassen, als könne ich es routiniert fehlerfrei spielen, war entscheidend. Ich musste lernen, wie man das Instrument hält, aufnimmt, ablegt, die Blastechnik. Erst am Ende ist es mir sogar gelungen, dem Horn ein paar saubere Töne zu entlocken. Das war dann Bonus. Aber es hat riesigen Spaß gemacht. Das ist ja das Tolle an unserem Beruf, wir müssen uns immer wieder mit Dingen, Vorgängen, Techniken beschäftigen, mit denen wir im normalen Alltag nie in Berührung kommen.

    Welche Bedeutung haben Bräuche und Traditionen, wie zum Beispiel der Bergstreittag, für die Region?

    Im Erzgebirge spielen Traditionen, Bräuche und die Religion eine große Rolle. Sie sind sinnstiftend für die Region. So wie die Räucherkerzen oder Schwibbögen oder der Bergstreittag mit seiner großen Bergmannsparade. Er steht ja symbolisch für den Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten. Man ließ sich von den Stollenbesitzern nicht alles gefallen und setzte seine Forderungen durch. Bis heute gedenken nicht nur Bergleute dieser Zeit. Schon als Kind wächst man mit dem Wissen um viele dieser Traditionen und Bräuche auf. Am ersten Advent zum Beispiel findet das traditionelle Pyramidenanschieben statt und am 2. Februar zu Maria Lichtmess werden die Pyramiden wieder angehalten. Am Heiligabend wird in vielen Familien seit jeher das "Neinerlaa" gekocht. Auch meine Eltern haben mir schon früh den Sinn für Tradition und Brauchtum mitgegeben. Und das versuche ich an meine Kinder weiterzugeben, auch wenn wir jetzt in Berlin zuhause sind.

    "Für die Geschichten interessieren"
    Fragen an Lara Mandoki (Karina Szabo)

    Kommissarin Karina Szabo ist selbstbewusst, kompetent und wortgewandt – wieviel Lara Mandoki steckt in Karina Szabo?

    In jeder Rolle, die ich spiele, steckt natürlich auch immer ein bisschen Lara, aber tatsächlich habe ich das Gefühl, dass in dieser Rolle wohl am meisten von mir steckt. Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass die Rolle der Kommissarin mir viel Raum lässt, mich selbst einzubringen. Die Autoren haben das sehr unterstützt. Ich habe ja selber ungarische Wurzeln, versuche zumindest kompetent zu wirken, und man sagt mir nach, ich sei frech und manchmal etwas zu direkt.

    Zwischen Karina Szabo und Spurenermittler Maik scheint es eine unausgesprochene Anziehung zu geben. Wie würden Sie das Verhältnis der beiden beschreiben?

    Das Verhältnis ist sehr vielschichtig. Neben der Arbeit, die natürlich sehr verbindend ist, gibt es auch eine Spannung und besondere Anziehung zwischen den beiden. Kommissarin Szabo ist aber auch jemand, die sich sehr ungern in die Karten schauen lässt. Das ist für Maik nicht immer einfach und gestaltet die Dinge manchmal schwierig.

    Sie waren über vier Monate im Erzgebirge. Wie ging es Ihnen dort?

    Mittlerweile kenne ich die Eigenschaften der Menschen und der Region ganz gut und fühle mich nicht mehr, als ob ich in die Fremde komme. Mit ihrer Herzlichkeit machen es einem die Menschen in der Region auch recht leicht, sich dort wohl zu fühlen.
    Ich finde es aber auch aus einem ganz anderen Grund wichtig, dass es diese Reihe gibt. Durch unsere Gesellschaft zieht sich eine Spaltung, und ich habe zunehmend das Gefühl, dass diejenigen, die am lautesten schreien, auch das meiste Gehör finden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist es meiner Meinung nach sehr wichtig Brücken zu bauen und ich denke, dass sich unser Format sehr gut dafür eignet.
    Wir zeigen Seiten des Erzgebirges, die sehr viele in Deutschland vielleicht gar nicht kennen und erwarten. Außerdem versuchen wir den Menschen in der Region zu zeigen, dass wir uns für sie und ihre Geschichten interessieren. Zumindest ist das mein Anspruch.

    "Immer etwas Besonderes"
    Katharina Lorenz (Constance Wiese), Tim Bergmann (Peter Wiese) und  Esther Zimmering (Heidi Köhler)über den Dreh im Erzgebirge

    Katharina Lorenz: Ich war das erste Mal im Erzgebirge. Leider musste ich aus beruflichen Gründen in meinen Drehpausen ins Ausland reisen, weshalb mir viel zu wenig Zeit blieb, diese wunderbare Gegend und ihre Bewohner näher kennenzulernen. Aber ich möchte diesen Teil Deutschlands, der in mancherlei Hinsicht mit Vorurteilen zu kämpfen hat, in Zukunft privat bereisen und freue mich sehr darauf.

    Tim Bergmann:
    Tatsächlich war ich zum ersten Mal dort. Es ist immer etwas Besonderes, an Orten drehen zu dürfen, die man noch gar nicht kennt. So entsteht ein wesentlich intensiverer Einblick, als wenn man sich als Tourist dort aufhalten würde. Hinzu kommt, dass ich nach den kontinuierlichen Dreharbeiten als "Kommissar von Bodenstein" im Taunuskrimi jetzt für diesen Fall sehr gerne "die Seite gewechselt" habe. Das ist immer spannend.
    Neben der Tatsache, dass wir in einem echten Musikinstrumente-Betrieb haben drehen dürfen, was mir die hohe Kunst dieses Handwerks erstmalig so nahe gebracht hat, war es ein sehr besonderes Erlebnis, beim Dreh Teil der ortsansässigen Blaskapelle zu sein.

    Esther Zimmering:
    Für mich war es wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Meine Dresdner Großmutter ist mit uns früher viel ins Erzgebirge wandern gefahren, deshalb erinnerte ich mich während der Dreharbeiten an meine Kindertage, auch wenn vieles heute saniert ist. Mir fiel aber auch auf, wie leer es tagsüber und abends dort war. Kaum Menschen auf den Straßen, ein bisschen gespenstisch. Die Landschaft drumherum ist total schön.
    Ein Highlight war für mich, in der Instrumentenfabrik zu drehen. Zu sehen, wie mühsam dort gearbeitet wird, wie so eine Tuba geputzt wird, stundenlang, tagelang, bis sie leuchtet und glänzt. Das war ein schönes Erlebnis.
    Das Fantastische an den Dreharbeiten war, mit der echten Erzgebirgskapelle den Bergstreittag zu begehen, mit dem Orchester zu spielen und zur Kirche zu wandern. Diese zwei Kilometer lange Wanderung mit den Instrumenten und in der traditionellen Kleidung findet seit dem 15. Jahrhundert statt. Meine Figur spielt Tenorhorn, Horn und auch mal die Tuba. Ich habe mir Unterricht geben lassen. Zusammen mit dem tollen Schauspieler-Team und dem Orchester aus dem Erzgebirge hat es wirklich großen Spaß gemacht.
    Ich habe im Orchester beobachten können, wie eng die Mitglieder zusammen halten. Sie haben einfach Spaß an dem Miteinander. Ich habe mich extra viel mit der Gruppe unterhalten, um den Dialekt zu hören. Und egal, wie kalt es dort ist - es wird draußen gespielt. Wenn auch die Finger an den Instrumenten festfrieren, wenn sie auf dem Weihnachtsmarkt spielen - es wird weitergespielt!  

    Die Fragen stellte Manuela Mehnert.

    Radio-Interview mit Kai Scheve inkl. Audio-Datei

    Link Audio-Datei Interview Kai Scheve

    Herr Scheve, Sie sind im Erzgebirge geboren. Wie war es für Sie, dort den Hauptkommissar Robert Winkler zu spielen?

    Ich bin da geboren, mit einem Jahr weggezogen, meine Eltern sind nach Leipzig gezogen. Es gab keine Verbindung zu dem Ort, wo ich geboren wurde, zu Erlabrunn. Von Fotos weiß ich, dass das in einem ziemlich imposanten Krankenhaus war. Es gibt Fotos, frühkindliche Erinnerung, ein Jahr, das wird quasi über Fotos im Gehirn kombiniert, zu einer Art frühkindlichem Bild und ersten Eindrücken. Aber man kann sich ja nicht wirklich daran erinnern. Insofern würde ich sagen, mein erster Gedanke war Schicksal, das ist interessant. Und als ich dann, 53 Jahre später, im letzten Juni, wieder vor diesem Krankenhaus stand – wir waren auch nicht mehr im Erzgebirge, denn wir hatten da keine Verwandtschaft –, dann war das schon ein beeindruckender Moment.

    Haben Sie ein wenig die fehlenden Kindheitserinnerungen zurückholen können während der Dreharbeiten?

    Das macht was mit mir, hat was mit mir gemacht und wird es auch weiterhin tun. Wir haben dann oberhalb dieses Krankenhauses gedreht, in diesen Fichtenwäldern. Und natürlich streift es die Gedanken, es arbeitet. Deine Eltern sind das Stück gelaufen, von Erlabrunn rüber nach Schwarzenberg, später mit dem Fahrrad, dann später mit der Bahn. Das sind doch unglaubliche Entfernungen. Also sowas kreuzt schon deine Gedanken, während du dann da arbeitest und du fühlst dich auch automatisch in diese Zeit zurückversetzt. Du kommst hierher und jetzt spielst du hier einen Hauptkommissar, das ist schon was.

    Der Ort, in dem Sie Hauptkommissar sind, in dem Sie Ihre Ermittlungen führen, heißt Schneeberg. Nicht nur im Film, sondern auch im richtigen Leben. Schneeberg ist eine Stadt im Erzgebirge-Kreis. Wie war das für die Filmcrew?

    Relativ einfach, muss man sagen, denn der Strukturwandel hat sich auch dort gezeigt und zeigt sich dort sehr stark. Mittelgroße Kleinstadt, auf einem Berg gelegen, historische Altstadt – Barock –, sehr reich, hat diese unglaublich schöne Sankt Wolfgangs-Kirche mit einem reichverzierten Altargemälde von Kranach. Die hatten Geld. Der Ort an sich ist wunderschön restauriert, es gibt aber wenig Menschen. Ein imposanter Marktplatz und es gehen zwei Omis um 10 Uhr morgens über diesen Platz. Wir mussten kaum absperren, wir sind herzlich empfangen worden. Es haben auch die Orchester ehrenamtlich mitgeholfen bei den Dreharbeiten. Alle Orchesterszenen wurden ehrenamtlich mitgedreht und sie waren alle sehr stolz darauf, dass dort gedreht wird. Sowas müsste man mal ein Berliner Orchester fragen.

    Es war ein echtes Bergmannsorchester. Und dieses Bergmannsorchester hat auch beim Original-Bergstreittag, einem Festtag, einem Feiertag live mitgespielt. Wie war es, an so einem Tag Szenen für einen Spielfilm zu drehen?

    Man muss ja sagen, schon seit 1498 marschieren dort Tausende Bergarbeiter durch die Stadt, hoch zu dieser Kirche, die ich eben beschrieb. Das war imposant. Da ziehen dann 50, 60, 70 von diesen Orchestern aus allen umliegenden Ortschaften durch den Ort in diese Kirche ein. Und wir wussten ungefähr, unsere Kollegen sind eingetaktet in das Orchester aus Schneeberg und werden in einer halben Stunde ankommen. Dann wussten wir, jetzt setzt sich dieser Zug in Bewegung. Und Lara Madoki, meine Kollegin, und ich haben dann dort in Echtzeit ermittelt. Es war ein sehr heißer Tag, der 21. Juni, laut, viele Menschen und viele Zuschauer. Und die Kollegen mussten in diesen schwarzen Bergmannswollkostümen die Trommel schlagen und die Posaune spielen. Und die kamen dann auch. Wir hatten das am Tag zuvor in einer Seitengasse geprobt, um dann auch wirklich den Zugriff auf den einen Hauptverdächtigen dort gut spielen zu können. Ich mag aber das Chaos, wer Theater gespielt hat oder wer improvisiertes Fernsehen mag, oder auch was nicht ganz so festgelegt ist, der weiß, da entstehen auch meistens gute Momente und das ist ja auch authentisch.

    Jetzt habe ich Sie gesehen in der aktuellen Folge "Tödlicher Akkord". Habe Sie erlebt bei einer Verfolgungsjagd, die einem als Zuschauer wirklich den Atem nimmt. Haben Sie einen Stuntman gehabt?

    Ja, zwei sogar. Die haben uns geholfen. Für den Kollegen Tim Bergmann, den Verfolgten, und mich. Sehr erfahrene Kollegen, die waren richtig gut. Die haben uns wirklich geholfen. Denn so hohe Sprünge von einem Garagendach, das war so 3,20 oder 3,50 Meter hoch, machst du nicht mal eben als Schauspieler. Du willst ja auch noch am nächsten Tag drehen. Ich liebe Stuntleute, ich liebe diesen Beruf. Ich finde das großartig. Da hat ja Quentin Tarantino einen Film daraus gemacht. Es war schon beeindruckend, dass ich da nur noch abrollen musste, während der Kollege eben den Sprung gemacht hat. Das ist eine rasante Verfolgungsjagd geworden – zu Fuß durch Schneeberg.

    Einige Ihrer Schauspielkollegen – aber auch die Mitglieder der Bergmannskapelle – sächseln ein wenig. Sie nicht. Können Sie kein Sächsisch?

    Doch, ich spreche fließend sächsisch. Aber wir haben uns dann doch – die Figur hat ja 20 Jahre in Bremen gelebt – für ein klassisches Hochdeutsch entschieden. Es gibt die Idee, ihn etwas heimischer sprechen zu lassen, wenn er emotionaler wird. Das kommt dann in den nächsten Folgen, das wollen wir ausbauen. Den Gedanken gibt es aber, dass er vielleicht, in unerwarteten Momenten, sächsisch kann.

    Der Krimi zeigt wunderbare Landschaften, man bekommt Lust aufs Erzgebirge. Aber er hat schon auch politische Aussagen. Es gibt da den pensionierten Forstamtsleiter, der über Sie als Kommissar schimpft. Weil Sie nach Bremen gegangen sind. Viele Leute haben der ehemaligen DDR den Rücken gekehrt. Ist das heute noch ein Thema?

    Unbedingt. Ich komme ja selbst auch aus der DDR. Mit 24 habe ich die DDR verlassen, noch als einer der letzten über Ungarn Geflüchteten. Und das ist bis heute – nicht vordergründig, aber unbewusst – immer ein Thema bei den Älteren: Du bist ja gegangen, du bist rausgegangen. Ich habe auch privat gewohnt in Bad Schlema, also nicht im Hotel. Ich versuche immer, privat unterzukommen. Und auch da war es so, dass alle drei Kinder meines Vermieters gegangen sind. Und das ist natürlich eine Frage des Strukturwandels und fehlender Arbeitsplätze. Eine Tochter ist wieder zurückgekommen, das hat den Papa dann sehr gefreut, aber die beiden Jungs arbeiten woanders.

    Mit Serien kennen Sie sich aus, Sie waren auch schon beim Spreewaldkrimi dabei. Was reizt Sie an diesem Format?

    Ja, die Region, diese vielschichtigen Geschichten, dieser Bergbau mit seinem frühen Mittelalter, was die da rausgeholt haben. Du kannst da unglaublich episch werden in der Breite, die DDR-Geschichte, die Nazi-Geschichte kommt im nächsten Buch. Drei Generationen kannst du immer noch erzählen und das nächste Buch ist auch wirklich klasse. Wirklich, wie aus einem Guss. Auch mehrere Generationen. Ich freue mich auch auf eine 90-jährige Generation, die den Krieg noch erlebt hat und die Befreiung durch die Amerikaner. Man muss ja wissen, dass das Erzgebirge von den Amerikanern befreit wurde und auf Jalta dann den Russen gegeben wurde, im Tausch für West-Berlin. Das war ein Tausch, die wollten an das Uran. Da ist noch viel Luft nach oben – würde ich sagen.

    Das Interview führte Hermann Orgeldinger

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