Copyright: ZDF / Tudor Panduru
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Familienbande – sechs junge Kinofilme

Aus der Redaktion Das kleine Fernsehspiel

In der Reihe "Familienbande" aus der Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" erzählen sechs junge Kinofilme von den Herausforderungen familiärer Beziehungen in der heutigen Zeit.

  • ZDF, Montag 18. Februar 2019, 0.10Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Montag, 11. Februar 2019, 10.00 Uhr

Texte

Die Sendetermine und -titel

Montag, 11. Februar 2019, 0.15 Uhr
Freiheit

Montag, 18. Februar 2019, 0.10 Uhr
Meine glückliche Familie

Montag, 25. Februar 2019, 0.20 Uhr
Onkel Wanja

Montag, 4. März 2019, 0.10 Uhr
König von Deutschland

Montag, 11. März 2019, 0.15 Uhr
Die Familie

Montag, 18. März 2019, 0.15 Uhr
Die Tochter

Freiheit

Montag, 11. Februar 2019, 0.15 Uhr

Freiheit
Drama, Deutschland / Slowakei 2017

Stab

Buch Jan Speckenbach, Andreas Deinert
Regie Jan Speckenbach
KameraAndreas Deinert
SchnittJan Speckenbach
SzenenbildJuliane Friedrich
SounddesignMarian Mentrup
ProduzentenSol Bondy, Jamila Wenske
Produktion One Two Films, in Koproduktion mit, ZDF/Das kleine Fernsehspiel, BFilm, Zak Film Productions, gefördert durch FilmFörderungsanstalt (FFA), Medienboard Berlin Brandenburg (MBB) sowie Kuratorium junger deutscher Film
Redaktion Lucas Schmidt, Lucia Haslauer
Länge99 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

NoraJohanna Wokalek
PhilipHans-Jochen Wagner
MonikaInga Birkenfeld
Etela Andrea Szabová
TamásOndrej Koval’
und andere

Inhalt

Eines Abends geht Nora fort und lässt ihren Mann und ihre zwei Kinder in Ungewissheit zurück. Eine Kraft treibt sie an, der sie sich nicht entziehen kann. Sie will frei sein. Nora streift in Wien durch ein Museum, lässt sich auf einen Flirt ein, trampt weiter nach Bratislava. Hinter kleinen Lügen kaschiert sie ihre Herkunft. Sie ändert ihr Aussehen, findet Arbeit als Zimmermädchen und schließt Freundschaft mit der jungen Slowakin Etela, einer Stripperin, und deren Mann Tamás, einem Koch. Indessen versucht Philip in Berlin, Familie, Beruf und seine Affäre mit Noras Freundin Monika zusammen zu halten. Er verteidigt als Jurist – gegen die eigene Überzeugung – einen ausländerfeindlichen Jugendlichen, hadert mit der Rolle des Alleinerziehenden und kann sich nicht auf Monika einlassen, da sein Alltag durch Noras Verschwinden an Sinn eingebüßt hat.

Philips Fessel ist die Freiheit, die Nora sucht.

Biografie Jan Speckenbach (Buch und Regie)

Jan Speckenbach ist 1970 geboren und wuchs in Münster auf. Nach dem Abitur 1990 studierte er Kunstgeschichte, Philosophie und Medienkunst in München, Karlsruhe und Paris. Seit 1999 arbeitet Jan Speckenbach als freier Videokünstler, besonders am Theater. Seine Kurzfilme laufen auf renommierten Festivals, z.B. in Cannes, und schafften es bis zur Qualifizierung für den Kurzfilm-Oscar. 2010 drehte Jan Speckenbach den abendfüllenden Abschlussfilm "Die Vermissten", der auf der Berlinale lief und für den Europäischen Filmpreis nominiert wurde.

Sein zweiter Spielfilm "Freiheit" feierte 2017 Weltpremiere im Wettbewerb von Locarno und lief danach unter anderen bei den Hofer Filmtagen im Wettbewerb und 2018 beim Fernsehfilmfestival in Baden-Baden im Wettbewerb um den MFG-Star.

Auszeichnung

"Die Familie" wurde 2017 von der Deutschen Film- und Medienbewertung Wiesbaden (FBW) mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet.

Meine glückliche Familie

Montag, 18. Februar 2019, 0.10 Uhr 

Meine glückliche Familie
Spielfilm, Deutschland/Georgien 2017

Stab

BuchNana Ekvtimishvili
RegieNana Ekvtimishvili und Simon Groß
Kamera Tudor Vladimir Panduru
SchnittStefan Stabenow
TonAndreas Hildebrandt, Paata Godziashvili
Sound DesignMedea Bakradze
MischungAndreas Hildebrandt
Szenenbild Konstantine Japharidze
Kostümbild Mediko Bagradze
MaskeMadona Tchanturia
Herstellungsleitung Philipp Stendebach
Produzenten Jonas Katzenstein, Maximilian Leo
Koproduzenten Simon Groß, Guillaume de Seille
Produktionaugenschein Filmproduktion, in Koproduktion mit Polare Film LLC, Arizona Productions und ZDF – Das kleine Fernsehspiel, gefördert von Film- und Medienstiftung NRW, BKM, DFFF, Georgian National Film Center, Film in Georgia, Eurimages, CNC
RedaktionChristian Cloos
Länge119 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller 

MananaIa Shugliashvili
Soso (Mananas Ehemann) Merab Ninidze
Lamara (Mananas Mutter)Berta Khapava
Nino (Mananas Tochter)Tsisia Qumsashvili
Vakho (Mananas Schwiegersohn)Giorgi Khurtsilava
Lasha (Mananas Sohn)Giorgi Tabidze
Otar (Mananas Vater)Goven Cheishvili
Rezo (Mananas Bruder) Dimitri Oragvelidze

 

Inhalt

Manana lebt mit ihrem Mann, ihren erwachsenen Kindern, nebst Schwiegersohn, und ihren Eltern in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Am Abend ihres 52. Geburtstags verkündet die Literaturlehrerin ihrer völlig überraschten Familie, dass sie ausziehen wird. Nach 25 Jahren Ehe. Als Manana tatsächlich ihre Koffer packt, sind alle fassungslos: Wohin will sie denn gehen? Was oder wer ist der Grund dafür? Manana sei längst aus dem "Scheidungsalter" heraus und habe einen einwandfreien Ehemann, der weder trinke, Drogen nehme oder sie schlage – meint ihre Mutter. Doch Manana bleibt konsequent und tut das, was im patriarchalischen Georgien undenkbar ist. Sie zieht in eine kleine Wohnung, um alleine, frei und selbstbestimmt zu leben.

Die Geschichte einer Frau Anfang 50, die im Konflikt zwischen ihrer Familie und ihrer persönlichen Freiheit steht, entspricht dem Leben einer ganzen Generation von Frauen in Georgien, die nie die Möglichkeit hatten, wirklich eigene Entscheidungen zu treffen. Sie sind eng in ein Regelwerk eingebunden, das den Ansprüchen der Männer und der Familie Vortritt lässt. Der Film erzählt nah an seinen Figuren und zwischen Drama und Tragikomik. Am Beispiel von Mananas sanfter Emanzipation entwickelt sich die Beschreibung einer Gesellschaft im Übergang zwischen alten Rollenbildern und neuen Lebensentwürfen. Der archetypische Konflikt ist übertragbar auf viele andere Nationalitäten und Kulturen, auch vieler Menschen, die nach Europa fliehen.

Nana Ekvtimishvili und Simon Groß über ihren Film

In einer patriarchalischen Gesellschaft wie Georgien sind viele Menschen der Meinung, dass eine Frau schlechter dran ist ohne Mann. Sie hätte weniger Geld, weniger Schutz und genieße weniger Respekt. Tatsächlich stimmt das in der Regel, aber nicht, weil die Frau weniger Wert hat, sondern weil die Leute um sie herum so denken. Und dieses Denken ist es, das die Gesellschaft formt und die Normen bestimmt.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in der Kirchen als Lagerhallen missbraucht wurden und der Glaube an Gott praktisch verboten war, kam die Religion wieder ans Licht, und die Menschen wandten sich nach siebzig Jahren Stillstand an die Kirche. Die heutige christlich-orthodoxe Kirche unterstützt, dass Frauen weniger Rechte, Respekt und Anerkennung in Familie und Gesellschaft haben. Die Predigten, an die sich viele Menschen fast blind halten, fördern den Mann als Kopf der Familie und verlangen von der Frau, sich ihm unterzuordnen. Oft wird auch die Situation der Frauen mit der Tradition und der Kultur gerechtfertigt. Solche Argumente tauchen in der öffentlichen Diskussion über Frauen in Georgien häufig auf.

Der Film behandelt auch das Verhältnis der Frauen verschiedener Generationen zueinander: Manana redet mit ihrer Tochter und animiert sie zu Dingen, die sie selbst nie tun konnte. Ganz anders ist wiederum das Verhältnis zwischen Manana und ihrer Mutter Lamara, die auch nicht tun konnte, was sie wollte, aber Manana niemals dazu ermutigt hat, es anders zu machen. Diese drei Frauen des Films repräsentieren die drei Frauengenerationen von heute in Georgien.

Der Film beschäftigt sich außerdem mit dem Gruppenphänomen der Familie. In Georgien fühlen sich die Menschen in der Regel glücklich, wenn sie in Gesellschaft ihrer Familie sind. Es ist wie ein Urinstinkt, mit den nahe stehenden Menschen zusammenzusein, einander zu beschützen und zu unterstützen. Dieses Zusammensein hat nicht nur eine ökonomische Seite, sondern auch eine soziale und kulturelle. Während die europäische Kultur zu einer Individualisierung des Menschen strebt, ist die georgische Kultur stärker von Gruppendynamik und dem Zusammenleben der Menschen geprägt. Allerdings macht dieses Zusammenleben auch einiges sehr kompliziert, weil man keine Privatsphäre hat und weil die Meinung einer Person auch schnell zur Meinung eines anderen Familienmitgliedes werden kann. Die verschiedenen Familienmitglieder haben einen starken Einfluss aufeinander.

In einer solchen Dynamik erfordert es großen Krafteinsatz, diesen Kreislauf zu durchbrechen und das Leben so zu leben, wie man es eigentlich will. Deswegen hat Manana ihr Leben in den letzten 25 Jahren auch nicht geändert. Aber ab einem bestimmten Moment beginnt sie nun, eine ganz andere Richtung in ihrem Leben einzuschlagen, und beschließt, alleine zu leben. Dadurch entsteht ein ungewohnt neuartiger Abstand zu ihrer Familie und ihrem Ehemann und eine neue Perspektive, auch im Betrachten von sich selbst.

Biografien

Nana Ekvtimishvili (Buch und Regie), geboren 1978 in Tbilisi/Tiflis, Georgien, studierte "Drama und Drehbuch" an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg. Zunächst arbeitete sie als Prosa- und Drehbuchautorin, 2011 führte sie erstmals Regie bei dem Kurzfilm "Waiting for Mum". 2012 gründete Nana Ekvtimishvili ihre eigene Produktionsfirma Polare Film zusammen mit Simon Groß in Georgien. Bei Nanas Spielfilmdebüt "Die langen hellen Tage" führten sie gemeinsam Regie und übernahmen die Produktion in Georgien. Der Film entstand bereits in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel. "Meine glückliche Familie" ist der zweite Spielfilm von Nana Ekvtimishvili.

Simon Groß (Regie), 1976 in Berlin geboren, studierte Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Nachdem er bei mehreren Kurzfilmen Regie geführt hatte, drehte er 2006 seinen Debütfilm "Fata Morgana", für den er den "Förderpreis Deutscher Film" für die "Beste Regie" auf dem Filmfest München erhielt. Er gründete seine eigene Produktionsfirme Polare Film zusammen mit Nana Ekvtimishvili in Georgien. Simon Groß und Nana Ekvtimishvili führten schon bei "Die langen hellen Tage" gemeinsam Regie und übernahmen dessen Produktion in Georgien. "Meine glückliche Familie" ist der dritte Spielfilm von Simon Groß.

Preise und Auszeichnungen

- goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films Wiesbaden 2017: FIPRESCI-Preis der Internationalen Filmkritik für den Besten Spielfilm
- goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films Wiesbaden 2017: Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die "Beste Regie"
- Hauptpreis "Transilvania Trophy" für den "Besten Film" beim Transilvania International Film Festival 2017 in Cluj (Rumänien) - Best Performance Award beim Transilvania International Film Festival 2017 in Cluj (Rumänien) an Ia Shugliashvili
- Preis für die "Beste Regie" beim Internationalen Film Festival 2017 in Sofia (Bulgarien)
- "Grand Jury Preis – Special Mention" beim Internationalen Film Festival 2017 in Seattle (USA)
- Internationales Film Festival 2017 Odessa (Ukraine)
– "Golden Duke" für "Die beste Regie" und "Die beste Schauspielerin/Den besten Schauspieler"
- Festival des Europäischen Kinos 2017 in Lecce "FIPRESCI Preis" für den "Besten Film" und "Beste Kamera" - Internationales Film Festival Hong Kong – "Golden Firebird Preis" in der Kategorie "Junges Kino"
- Eurasia International Film Festival in Astana (Kasachstan): Preis für "Die beste Schauspielerin/Den besten Schauspieler"

Onkel Wanja

Montag, 25. Februar 2019, 0.20 Uhr

Onkel Wanja
Spielfilm, Deutschland 2017

Stab

BuchAnna Martinetz
RegieAnna Martinetz
KameraJakob Wiessner, Frank Meyer, Denis Lüthi, Makito Kumazawa, Laura Schmidt
SchnittAnna Martinetz Musik Michael Kranz
TonMartial Kuchelmeister, Janek Kemter
Szenenbild Anna Sophie Howoldt
KostümAnna Sophie Howoldt
ProduzentenToni Nottebohm, Anna Martinetz
ProduktionNoMa Filmproduktion UG in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel, gefördert vom FFF FilmFernsehFonds Bayern
RedaktionBurkhard Althoff
Längeca. 129 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

WanjaMartin Butzke
Alexander Wolfgang Hübsch
Sonja Korinna Krauss
ElenaJulia Dietze
Astrow Manuel Rubey
TeleginMichael Kranz
Wanjas Mutter Katalin Zsigmondy
KinderfrauDoris Buchrucker
Artistin Marion Krawitz
ArtistMartin Wenzel
Bankvorstand Karl Knaup
ArbeiterDaniel Oeler

Inhalt

Eine Revolution bricht aus, als Finanzkrisen, Wirtschaftsintrigen und Naturkatastrophen die Welt erschüttern. Bankvorstand Alexander flieht aus der tobenden Stadt auf das Landgut von Onkel Wanja. Dort lebt auch Alexanders Tochter Sonja. Doch die Ankunft der Städter bleibt nicht ohne Konsequenzen. Auf dem Landgut entspinnt sich ein Kampf um Liebe und Anerkennung. Sonja, die seit Jahren heimlich in den Arzt Astrow verliebt ist, droht ihn an die schöne Elena zu verlieren. Wanja verliebt sich ebenfalls heillos in Elena. Zudem bricht ein Machtkampf zwischen Wanja und Alexander um die Gunst des Familienoberhaupts, Sonjas Großmutter, aus. Keiner arbeitet mehr, sondern alle kreisen um die Gäste aus der Stadt. Schließlich vertraut sich Sonja in einem schwachen Moment Elena an und wird von dieser überredet, Astrow auf die Probe zu stellen. Doch Elena spielt ein doppeltes Spiel. Statt Sonja zu helfen, verführt sie Astrow. Sonja ist zutiefst enttäuscht. Als der Streit zwischen Wanja und Alexander eskaliert, weil Alexander das Gut verkaufen will, versucht Wanja Alexander umzubringen. In diesem Moment erwacht Sonja aus ihrer Trauer. Sie befreit sich von den Erwartungen der anderen und durchschaut das Desaster, auf das Wanja und das Gut zurasen. Wird sie es schaffen, ihr Leben, ihre Liebe und das Gut vor dem Zugriff der Städter zu retten?

"Onkel Wanja" von Anna Martinetz ist eine moderne filmische Adaptation des gleichnamigen Theaterstücks von Anton Tschechow. Der Film hatte seine Premiere 2017 auf dem Kolkata International Filmfestival in Indien und lief auf der Diagonale 2018, Festival des österreichischen Films 2018.

Biografie von Anna Martinetz

Anna Martinetz wurde in Wien geboren, studierte Archäologie und Anthropologie an der Cambridge University und Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen HFF München. Ihr Abschlussfilm "Fräulein Else", basierend auf Arthur Schnitzlers gleichnamiger Novelle, war ihr erster Spielfilm und wurde vielfach ausgezeichnet. "Onkel Wanja" ist ihr zweiter fiktionaler Langfilm.

Anna Martinetz über ihren Film

In "Onkel Wanja" werden die zwei Seiten der Weiblichkeit auf interessante Weise auf zwei Figuren aufgeteilt: Sonja und Elena. Sonja ist die Zurückhaltende, Unscheinbare, Fleißige, Unkörperliche und Elena die Flamboyante, Elegante, Offene, Sinnliche. Erst in der Begegnung mit beiden Seiten schafft es der Mann, sich auf die Frau körperlich und seelisch einzulassen. Tragisch ist die gesellschaftliche Entwertung beider weiblicher Aspekte in der durch Männer dominierten Welt, die von Naturkatastrophen, Finanzkrisen und wirtschaftlichen Problemen geplagt wird.

Auch die Männerfiguren Wanja und Astrow verkörpern im Film zwei Aspekte der Männlichkeit: ein empfindsamer, verletzlicher Mann und ein maskuliner, aktiver Mann, die durch Freundschaft miteinander verbunden sind. Der empfindsame Mann schafft es nicht, aus seiner unterstützenden Rolle herauszukommen, und wird von der Gesellschaft überfahren. Der aktive Mann stellt sich und droht in gesellschaftlichen Machtkämpfen unterzugehen.

Kultur und Liebe sind unterdrückte Qualitäten, die in gesellschaftlichen Systemen nicht gelebt werden können, außer sie werden durch Geld oder Konventionen legitimiert.

Weitsichtig erkennt Wanja die Absurdität der Welt und der Realität, die sich seit Jahrtausenden in den von Besitz und Macht geprägten Verhältnissen manifestiert. Wanja ist ein Träumer und erkennt die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen und kämpft um Menschlichkeit jenseits konventionalisierter Regeln und gesellschaftlicher Machtsysteme.

Die Sprache und Originaldialoge Tschechows wurden beibehalten und mit zeitgenössischen Zeitungstexten ergänzt, die zu einem interessanten Stimmungsbild der Finanzkrise 2008 sowie gesellschaftlichen Denkens führen. Auch Notfallpläne, wie im Film gezeigt, gibt es immer wieder für größere Organisationen. Zu Tschechows Zeiten führten die wirtschaftlichen Schuldenverhältnisse, die die Menschen in leibeigenschaftsähnliche Situationen brachten, schließlich zur Revolution – einige Jahre nachdem Anton Tschechow "Onkel Wanja" geschrieben hatte.

Der Film ist sperrig und unbequem und doch liebevoll. Es gibt keine Bösen, es gibt keine Guten. Die Menschen auf Onkel Wanjas Gut sind wie Polarforscher, die sich gegen den Klimawandel und Probleme auflehnen und die einzige menschliche Forschungsstation vor Ort wachküssen, damit die Welt noch in tausend Jahren lebenswert bleibt.

König von Deutschland

Montag, 4. März 2019, 0.10 Uhr

König von Deutschland
Komödie, Deutschland 2013

Stab

Buch und Regie David Dietl
KameraFelix Novo de Oliveira
Szenenbild Oliver Meidinger
Kostümbild Maria Schicker
Maske Jana Schulze
Ton Marc Meusinger
SchnittRobert Rzesacz
Produzenten Alexander Bickenbach, Manuel Bickenbach, Khaled Kaissar
Produktion Frisbeefilms in Koproduktion mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel, Kaissar Film sowie der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und in Zusammenarbeit mit ARTE. Der Film wurde gefördert mit Mitteln der Mitteldeutschen Medienförderung, der FFA Filmförderungsanstalt, des Medienboard Berlin-Brandenburg, des Nordmedia Fonds und desDeutschen Filmförderfonds DFFF.
Redaktion Milena Seyberth, Lucas Schmidt (ZDF) Anne Even, Andreas Schreitmüller (ARTE)
Länge 89 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Thomas Müller Olli Dittrich
Sabine MüllerVeronica Ferres
Stefan Schmidt Wanja Mues
UteKatrin Bauerfeind
Alexander MüllerJonas Nay
Mira Jella Haase
Kurt KnisterStephan Grossmann
Kai Licht Mirco Reseg
Wolf Grimm Wolfram Koch
WallensteinHanns Zischler

 

Inhalt

Von einem spannenden, geschweige denn von einem aufregenden Leben kann bei Thomas Müller nicht die Rede sein. Seine Lieblingsspeise ist Schnitzel mit Pilzsoße, er schaut gerne Fußball, um 23.04 Uhr legt er sich schlafen, um 6.18 Uhr klingelt der Wecker, und bis zum Höhepunkt braucht er sieben Minuten. Auch sonst ist bei ihm alles vorhersehbar: Täglich schaut er vier Stunden Fernsehen, 37 Minuten liest er, und 15 Minuten redet er mit seiner Ehefrau.

Eines Tages wird Thomas Müller plötzlich gekündigt. Job verloren, Immobilienkredit am Hals, kriselnde Ehe – eine absolut neue Situation im Leben dieses Mannes. Von seiner Verzweiflung fast überwältigt, trifft Thomas auf den charismatischen Stefan Schmidt, der für all seine Sorgen Verständnis hat. Er bietet Thomas kurzerhand einen neuen Job bei "Industries Unlimited" an. Und plötzlich ist Thomas' Meinung zu allem und jedem gefragt. Als Thomas misstrauisch wird und herausfindet, warum ausgerechnet er auf einmal so wichtig geworden ist, versucht er sich mit Hilfe seines Sohnes Alexander, dessen Freundin Mira sowie seiner heimlichen Liebe Ute endlich aus der Durchschnittlichkeit zu befreien und über sich hinauszuwachsen.

Von der Idee zum Dreh
Zitat von Autor und Regisseur David Dietl

Zuerst hatte ich einen ganz anderen Filmstoff vor Augen. Eine Komödie, in der es um eine Midlife-Crisis gehen sollte, die kleine persönliche Geschichte eines Mannes, der sich und sein Leben hinterfragen muss. Er umkreist die Frage, ob er glücklich ist, ob er alles richtig gemacht hat. Es hat sich alles routinemäßig eingeschliffen, und so ist er ohne großes Zutun über die Jahre zum durchschnittlichsten Mann des Landes geworden… und damit zum Glücksfall für die Markt- und Meinungsforschung. Der Einfluss der Demoskopie auf Wirtschaft, Werbung und Politik hat mich immer schon fasziniert. Und auf einmal hatte ich die Geschichte, die ich eigentlich erzählen will.

Preise und Auszeichnungen

- First Steps Award, Nominierung, 2013
- Studio Hamburg Nachwuchspreis, Nominierung, 2013
- Filmfest München, Förderpreis Deutsches Kino, Nominierung, 2013
- New Faces Award, Regie, 2014

Biografie von David Dietl (Buch und Regie)

David Dietl wuchs in Los Angeles, Paris und München auf, wo er 1997 sein Abitur machte. Anschließend sammelte er in verschiedenen Funktionen Erfahrungen im Filmgeschäft, unter anderem als Kamera-, Cutter- und Regieassistent. 2001 ging er nach Berlin, um dort ein Regiestudium an der DFFB (Deutsche Film und Fernsehakademie Berlin) zu beginnen. Neben einigen Kurzfilmen und einer Dokumentation zu Bernd Eichingers Parsifal-Inszenierung an der Berliner Staatsoper realisierte David Dietl mit der ZDF-Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" 2006 in der Reihe "Agenda 2020 - Wie werden wir leben", den Doku-Spielfilm "Auf Nummer sicher?". Anschließend verbrachte David Dietl längere Zeit in China. Dort wirkte er als Regieassistent bei dem Kinofilm "John Rabe" (Regie: Florian Gallenberger) mit, zu dem er auch die Dokumentation "Ein vergessener Held" drehte. Für "König von Deutschland" erhielt David Dietl 2014 den "New Faces Award" in der Kategorie "Regie". Seitdem realisiert er Kino-, TV- und Dokumentarfilme, zuletzt den Kinospielfilm "Rate Your Date".

Die Familie

Montag, 11. März 2019, 0.15 Uhr

Die Familie
Psychothriller, Deutschland, 2017

Stab

RegieConstanze Knoche
Buch Constanze Knoche, Leis Bagdach
Kamera Andreas Bergmann
SchnittKai Minierski
Musik Felix Andriessens
TonMichal Krajczok
ProduzentenLeis Bagdach, Constanze Knoche, Holm Taddiken
ProduktionNeufilm GmbH in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel
RedaktionDiana Kraus, Lucas Schmidt
Länge ca. 91 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller 

Einar Godehard Giese
IsabellStephanie Amarell
JuleKarin Hanczewski
Meret Claudia Geisler-Bading
Tereza Emma Drogunova
SaskiaAlma Leiberg
Toby Leon Ullrich
Marie Siir Eloglu
SusanneBerit Künnecke
GerdMatthias Müller-Wurbs
HardyMike Adiek
Inspektor Mirosław Baka
Katja Rozalia Mierzicka
und andere

Inhalt

Die notorische Schulschwänzerin Isabell, 16, wird in den Sommerferien von ihrer alleinerziehenden Mutter zu einem Selbstfindungsseminar im polnischen Eulengebirge verdonnert. Die psycho-esoterische Gruppe befindet sich in der Abgeschiedenheit der Natur und wird geleitet von Therapeut Einar und seiner Frau Meret. Die beiden gelten als Experten auf dem Gebiet der systemischen Familienaufstellungen. Hatte sich Isabell zunächst fest vorgenommen, höchstens als passive Zuschauerin an den eigenwilligen Gruppensitzungen teilzunehmen, kann sie sich dem Wir-Gefühl, das dabei entsteht, bald nicht mehr entziehen. Es ist vor allem der charismatische Einar, der es Isabell angetan hat. Dass auch umgekehrt Isabell auf den deutlich älteren Mann Eindruck macht, schmeichelt ihr.

Was als spannendes Abenteuer beginnt, kippt, als eine der Kursteilnehmerinnen den Verstand verliert und über Nacht spurlos verschwindet. Ist die junge Frau tatsächlich abgereist, wie Einar am nächsten Tag behauptet – oder wurde sie Opfer eines Gewaltverbrechens? Je mehr sich die Anzeichen dafür häufen, dass der Therapeut lügt, desto stärker gerät Isabell in dessen Bann. Der Aufenthalt im wildromantischen polnischen Eulengebirge wird bald zu einem Albtraum, aus dem Isabell nicht mehr erwachen kann. Höhepunkt ist ihre eigene Familienaufstellung, während der Einar regelrecht in ihren Kopf eindringt und Emotionen wachrüttelt, von deren Existenz sie bislang selbst nichts wusste – und auch nie wissen wollte.

Constanze Knoche (Buch und Regie) über ihren Film

"Die Familie" ist ein radikal subjektiv erzählter Psychothriller, der um die Orientierungslosigkeit eines 16-jährigen Mädchens kreist, das ohne Vater aufgewachsen ist. Isabells Begegnung mit dem machtbewussten Psychotherapeuten Einar ist der Katalysator dafür, dass sie immer tiefer in eine Spirale aus dunklen Ahnungen gerät. Schon bald glaubt Isabell das dunkle Geheimnis des Therapeuten, der in seinen Familienaufstellungen flirrend die Rollen wechselt, aufgedeckt zu haben. Sowohl Hauptfigur als auch Zuschauer werden dabei in ein packendes Wahrnehmungsspiel um Realität und Vorstellung verwickelt.

Bei ihrer Ankunft im polnischen Eulengebirge wird Isabell von gleißenden Sonnenstrahlen geblendet. Sie kneift die Augen zusammen, betrachtet die friedliche wirkende Landschaft. Doch spätestens als das "Familien"-Mitglied Saskia verschwindet und später tot aufgefunden wird, verlagert sich die Handlung mehr und mehr ins Halbdunkel, in den Bereich der unscharfen Wahrnehmung und der Schatten. Am Rande von Isabels Sehfeldes scheint sich immer wieder Einar aufzuhalten und sie zu beobachten. Doch sobald sie sich umdreht, ist er verschwunden. Besonders in Isabels Träumen, in denen sich sexuelle Fantasien mit der Angst vor einem körperlichen Übergriff vermischen, erscheint Einar bedrohlich und anziehend zugleich. Die Kamera – beweglich und buchstäblich auf Isas Fersen – macht diese Paranoia sichtbar. Sie fängt Blickwechsel ein und zeigt, wie Isabell Einars Begehren registriert. So wie sich die beiden Hauptfiguren gedanklich umkreisen, werden sie auch von der Kamera erforscht und umkreist.

Biografie von Constanze Knoche (Buch und Regie)

Constanze Knoche studierte Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Es folgte das Studium der Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam sowie an der Filmakademie Wien und der Escola Superior de Teatro e Cinema Lissabon. Seit 2007 lebt sie als freie Regisseurin und Autorin für Film, Fernsehen und Theater in Berlin. Ihr Abschlussfilm "Teresas Zimmer" gewann 2007 den First-Steps-Award. Ihr Debütfilm "Die Besucher" (FBW-Prädikat "Wertvoll") wurde 2012 auf dem Filmfest München uraufgeführt und lief auf zahlreichen internationalen Festivals. Ihr Dokumentarfilm "Sad Songs of Happiness" (2014) entstand in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion Das Kleine Fernsehspiel" und wurde ebenfalls international ausgewertet. Als Autorin schrieb sie gemeinsam mit Leis Bagdach zudem Drehbücher, unter anderem für "Ein Fall für zwei" und "Letzte Spur Berlin".

Biografie von Leis Bagdach (Buch und Produktion)

Leis Bagdach studierte nach dem Abitur Germanistik und Theaterwissenschaften an der Universität Leipzig. Seit 2000 lebt er in Berlin. Dort schrieb er für Theater, Fernsehen und Film ("Ein Fall für zwei", "Letzte Spur Berlin", "Fernes Land", "Die Besucher" und "Die Familie"). Seit 2014 ist er Teilhaber der Filmproduktionsfirma NEUFILM GmbH mit Sitz in Leipzig und Berlin.

Die Tochter

Montag, 18. März 2019, 0.15 Uhr

Die Tochter
Spielfilm Deutschland 2017

Stab

BuchMascha Schilinski
RegieMascha Schilinski
Kamera Fabian Gamper
Montage Svenja Baumgärtner
SzenenbildMadeleine Schleich
MusikANNAGEMINA
SounddesignClaudio Demel, Bernhard Köpke, Alexandra Praet
Producer Anna Schmidt, Ruben Steingrüber
Associate Producer Frank Christian Marx
ProduktionFilmakademie Baden-Württemberg in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, unterstützt von ZDF/ Das kleine Fernsehspiel und Ente Kross Film UG, gefördert durch die Norbert Janssen Stiftungen Landesbank Baden-Württemberg
Redaktion Burkhard Althoff
Längeca. 103 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

LucaHelena Zengel
Hannah Artemis Chalkidou
Jimmy Karsten Antonio Mielke

Inhalt 

Als Jimmy und Hannah endlich einen Käufer für ihr marodes Ferienhaus auf der griechischen Vulkan-Insel gefunden haben, kehrt das ehemalige Paar mit der gemeinsamen siebenjährigen Tochter Luca zum ersten Mal an jenen Ort zurück, an dem es sich vor genau zwei Jahren getrennt hat. Kaum angekommen, treten trotz aller Bemühungen alte Spannungen und Konflikte an die Oberfläche. Vor allen Dingen Hannah ist eifersüchtig auf das sehr innige Vater-Tochter-Verhältnis, an dessen Exklusivität sie nicht heran zu reichen vermag. Doch auch bei Jimmy löst der bevorstehende Verkauf des Hauses etwas aus: Es ist das unumstößliche Ende von einem einstigen Traum – der gemeinsamen Zukunft als Familie. Dem Berliner Alltag entrissen, geschieht etwas, womit keiner mehr gerechnet hätte. Hannah und Jimmy verlieben sich wieder ineinander. Vorsichtig wagen sie einen Neunanfang als Liebespaar.

Doch ausgerechnet ihre Tochter Luca setzt alles daran, genau dies zu verhindern. Luca reagiert eifersüchtig auf die für sie so ungewohnte Situation und fühlt sich vom Thron gestoßen. Die eigene Mutter wird für Luca zur Rivalin, die ihr den Papa wegnehmen will. Und so entspinnt sich vor der Kulisse eines Inselidylls ein bösartiger Machtkampf um die Familienkrone. Erschreckend berechnend verfolgt Luca ihr Ziel, um die Wiedervereinigung ihrer Eltern zu sabotieren. Geschockt müssen Hannah und Jimmy erkennen, wie tief sich über die Jahre ein perfider Rollentausch in ihr Familiensystem eingeschlichen hat: Luca ist die Königin an Vaters Seite und nicht mehr bereit, die Position des heimlichen Familienoberhaupts herzugeben. Mit kindlicher Cleverness spielt Luca die beiden gegeneinander aus und entlarvt ihre Eltern als bedürftige Kinder, die von der Gunst ihrer eigenen Tochter abhängig sind.

Mascha Schilinski über ihren Film

"Die Tochter“" hat zwei Wurzeln. Letztes Jahr im Spätsommer saß ich in Berlin draußen auf der Terrasse eines Kreuzberger Restaurants und beobachtete folgende Szene: Ein ungefähr dreijähriger Junge rollte gelangweilt mit seinem Bobby Car um eine Eisenstange des Vorplatzes vom Café. Quengelnd versuchte er, die Aufmerksamkeit seiner Eltern zu erobern, die in ein lebhaftes Gespräch mit Freunden vertieft waren. Wütend über die Nichtbeachtung der Eltern, fing der Junge an, sein Bobby Car gegen die Eisenstange zu rammen, immer doller. Seine Eltern, lachend am erzählen, schauten nicht zu ihm. Zitternd vor Wut schmiss sich der Junge auf den Boden und kickte das Bobby Car zur Seite. Es fiel um. Laut begann er loszuheulen. Jetzt reagierten die Eltern. Die Mutter stand auf, ging zu ihrem Jungen hin, hockte sich neben ihn und wollte wissen, was ihm passiert sei. Der Junge zeigte heulend auf die Eisenstange und rieb sich den Kopf. Die Mutter pustete mitfühlend gegen seine Stirn, und der ganze Tisch schaute zu ihnen hinüber – alle raunten dem Jungen tröstende Laute zu. Die Mutter nahm ihr Kind auf den Arm und trug es zum Tisch. Der Junge schaute mich über die Schulter der Mutter hinweg an, und ich meinte, ihn ganz leise lächeln zu sehen. Jetzt hatte er die Aufmerksamkeit, die er wollte, obwohl in Wirklichkeit gar nichts passiert war. 

Eine Art Schlüsselmoment für den Film war noch eine Situation: Kameramann Fabian Gamper und ich waren zur Vorbereitung unseres vorigen Filmes nach Ligurien gereist. Als wir in der Sonne vor der Eisdiele in Albenga saßen, trat ein Mann Anfang fünfzig mit einer attraktiven Frau Anfang zwanzig im Arm aus der Gelateria. Sie schleckten an ihrem Eis, und der Mann lachte verzückt, als die Frau versuchte, an seinem Eis zu lecken. Der enorme Altersunterschied fiel auf, aber die beiden wirkten wie ein glücklich verliebtes deutsches Urlauberpaar, das zusammen seine Ferien genießt. Da trat eine Frau im Alter des Mannes aus der Gelateria. Sie blieb im Schatten der Markise stehen und schaute zu dem turtelnden Paar in der Sonne. Ihr Blick war so ruhig und von so tiefer Traurigkeit, dass er mich im Innersten berührte. Die junge Frau drehte sich zur Gelateria um und rief der älteren Frau zu: "Mama, wo lang müssen wir?" Aufgereiht in einer Dreierreihe, liefen sie die Gasse entlang, und wir konnten ihnen nachsehen: links die Mutter mit einem halben Meter Abstand zu ihrem Mann, dann der Mann, der Arm in Arm mit seiner Tochter ging. Mutter, Vater, Kind. Aber es sah aus wie Ehefrau, Ehemann und Geliebte.

Wann beginnt Rollentausch innerhalb einer Familie? Wieso haben Eltern plötzlich Angst vor ihren Kindern? Mit dem Film "Die Tochter" möchte ich eine andere Wirklichkeit zeigen, als die allgemeingültige Annahme, alle Kinder würden wollen, dass ihre Eltern zusammen sind. Die Beziehung zum eigenen Kind stellt für Hannah und Jimmy die einzig konstante Bindung dar – die, die alle Paarbeziehungen überdauert. Sie sind sozusagen gleichermaßen abhängig von ihrem Kind, wie Luca von ihren Eltern. Luca bekommt durch ihre besondere Rolle in der Familienkonstellation eine Wichtigkeit für die Eltern, die ihr viel Macht verleiht. Und wie der Junge auf dem Bobby Car, nutzt Luca ihre Macht, um ihren Willen durchzusetzen. Das siebenjährige Mädchen ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Um ihre Identität – die Königin an Vaters Seite – zu wahren und das Bindeglied der Familie, der Mittelpunkt, um den sich alles dreht, zu bleiben, wird sie zur Meisterin der Manipulation. 

Biografie von Mascha Schilinski (Buch und Regie)

Mascha Schilinski wurde 1984 in Berlin geboren. Nach diversen Praktika quer durch die Filmlandschaft, reiste sie durch Europa, schrieb Kurzgeschichten und trat als Zauberin und Feuerschluckerin bei einem kleinen Wanderzirkus in Italien auf. 2008 absolvierte Mascha Schilinski die Autoren-Masterclass an der Filmschule Hamburg. Im Anschluss arbeitete sie als freie Autorin in Berlin. Seit Oktober 2012 studiert sie an der Filmakademie Baden-Württemberg Regie. Ihr Kurzfilm "Die Katze" wurde beim Festival du Cinéma de Brive mit dem European Award ausgezeichnet.

Preise und Auszeichnungen

- 67. Berlinale – Perspektive Deutsches Kino, 2017
Nominierung Best First Feature Award

- 27. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2017
Grand Jury Prize – Flying Ox – Best Music and Sounddesign

- 12. Cyprus International Film Festival "Golden Aphrodite”, Paphos 2017
Best Actor in a feature film (Karsten Antonio Mielke)

- 6. Evolution Mallorca Int’l Film Festival 2017
Best Actor feature film: Karsten Antonio Mielke

- London Lift-Off Film Festival (Official Selection, London, United), 2017
Best feature

- 13th Vancouver International Women in Film Festival (Official Selection, Vancouver, Canada) 2018
Winner – 'IATSE 891'-Award – Best feature

- "Directors Guild of Canada – AWARD" for Best direction in a feature: Mascha Schilinski

- Bron-Award' for Best screenplay: Mascha Schilinski

- CCE-Award for Best editing in a feature: Svenja Baumgärtner

- CFM-Award for Best musical score: Annagemina

- Jury-Special-Mention for Artemis Chalkidou

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über http://presseportal.zdf.de/presse/familienbande

Die Filme in der ZDFmediathek

Die Filme "Freiheit", "Meine glückliche Familie", "Onkel Wanja", "König von Deutschland" und "Die Familie" sind ab 11. Februar 2019, 10.00 Uhr, für fünf Wochen in der ZDFmediathek abrufbar.

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