Geschichte treffen

mit Wolf-Christian Ulrich

Ein Ereignis, fünf Interviews, 45 Minuten: Das neue ZDFinfo-Format "Geschichte treffen" mit Wolf-Christian Ulrich bringt Talk, Reportage und Dokumentation zusammen. Der Presenter nähert sich den zeitgeschichtlichen Themen, indem er sie in seinen Gesprächen mit den Protagonisten aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. In der ersten Staffel geht es ab 12. Dezember 2015 weiter mit Filmen zu "Deutschland '45 – Verlorene Heimat", "Berlin '90 – Sound der Wende" und "Prenzlauer Berg – Ost-Berlin auf wild".

  • ZDF info, Samstag, 12. Dezember 2015, 19.30 Uhr

Texte

Sendetermine

"Geschichte treffen" mit Wolf Christian Ulrich

Samstag, 12. Dezember 2015, 19.30 Uhr
Deutschland '45 – Verlorene Heimat
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Heike Zwetz

Mittwoch, 23. Dezember 2015, 7.00 Uhr:
Prenzlauer Berg Ost-Berlin auf wild
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Thomas Vogel

Mittwoch, 23. Dezember 2015, 7.45 Uhr
Berlin '90 – Der Sound der Wende
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Svaantje Schröder

Noch in Arbeit:
Herbst '89 – Putsch gegen Helmut Kohl
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Stefan Ebling

 

Bereits gesendet in der Reihe:

Freitag, 4. September 2015, 18.45 Uhr, ZDFinfo
Franz-Josef Strauß und die DDR
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Thomas Vogel

Freitag, 11. September 2015, 19.30 Uhr, ZDFinfo
Kosovo '99 – Bundeswehr im Kampfeinsatz
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Stefan Ebling

Mittwoch, 30. September 2015, 18.45 Uhr, ZDFinfo
Leipzig '89 – Die verbotenen Demo-Bilder
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Tim Gorbauch

Mittwoch, 30. September 2015, 23.15 Uhr, ZDFinfo
Ringen um die Deutsche Einheit – Der 2+4-Vertrag
Geschichte treffen – mit Wolf-Christian Ulrich
Film von Stefan Ebling

Produktion: Bewegte Zeiten
Redaktion: Sylvia Förster

Ein Ereignis, fünf Interviews, 45 Minuten "Geschichte treffen"

Zuschauer aller Altersgruppen verfolgen gerne Lebensgeschichten und Berichte von historischen Ereignissen, die von Menschen erzählt werden, die selbst Entscheidungen gefällt haben oder persönlich in dramatischer Weise von den Ereignissen berührt sind.

Im Informationsstrudel unserer Zeit werden auch bedeutende Ereignisse immer schneller Geschichte. Wer weiß noch genau, wie es zum ersten Auslands-Einsatz der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg kam? Wie gelangten eigentlich die Bilder von den Leipziger Montagsdemonstrationen ins Westfernsehen? Wer filmte sie und wie wurden sie aus der DDR geschmuggelt? Und wem war schon immer bewusst, dass der Prenzlauer Berg in Berlin schon zu DDR-Zeiten der Treffpunkt der Boheme war, aber auch von Stasi-Spitzeln nicht verschont blieb?

In "Geschichte treffen" nähert sich Wolf-Christian Ulrich Themen der jüngsten Zeitgeschichte, indem er unterschiedliche Perspektiven einholt und verschiedene Protagonisten interviewt: Menschen mit besonderen Lebensgeschichten, bekannte Persönlichkeiten, anerkannte und stark erzählende Politiker und Wissenschaftler.

"Talk, Reportage und Dokumentation in einem Format zusammenbekommen"
Interview mit Wolf-Christian Ulrich, Presenter von "Geschichte treffen"

Was fasziniert Sie daran, "Geschichte zu treffen"? Geht es vor allem um die Frage, welche Bedeutung die jeweiligen Ereignisse heute noch haben und inwiefern sie die Gegenwart verständlicher machen?

Wir treffen diejenigen, die Geschichte gemacht haben und diejenigen, deren Leben sich dadurch auf den Kopf stellte – und zwar möglichst am Ort des Geschehens. Denken Sie an unseren Piloten "Ich will nur raus – Der letzte Sommer am Eisernen Vorhang": Was für ein besonderer Moment, mit Miklos Neméth zu sprechen, 1989 ungarischer Ministerpräsident, der gegenüber Gorbatschow mit unfassbarer Coolness durchsetzte, dass der Eiserne Vorhang buchstäblich einfach abgebaut wurde. Ebenso interessant das Gespräch mit Ski-Ass Jeanette Kretzschmann, die als junge Frau die Gelegenheit nutzte und flüchtete. Dabei half ihr ein Grenzoffizier, der Tage zuvor noch die Grenze verteidigt hatte. Sie alle erinnern uns daran: Die Einheit Deutschlands ist alles andere als selbstverständlich. Sie ist ein großer glücklicher historischer Zufall, ein Geschenk. Gerade heute, wenn viele wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen: Damals glaubten die Menschen an eine gemeinsame und friedliche Zukunft von Vancouver bis Wladiwostok. Das sollten wir uns alle noch einmal vor Augen halten.

In ZDFinfo war bereits zu sehen, wie Sie die Geschichte vom DDR-Milliardendeal des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß "aufsuchen". Was macht diese Geschichte aus Ihrer Sicht zu einer besonderen?

Strauß war einer der wenigen wirklich streitbaren und streitlustigen Politik-Persönlichkeiten, der vielen Menschen heute immer noch extrem präsent ist. Stellen Sie sich noch einmal die Situation vor: 1983 war für viele das gefährlichste Jahr im Kalten Krieg, es gab große Angst vor einem Atomkrieg und angespannte Diskussionen um die Stationierung der Pershing-II-Raketen. Und in dieser Zeit fädelte der Erzfeind des Kommunismus, der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß, einen Milliardenkredit für die DDR ein. Er reiste dann privat im Mercedes durch die DDR, traf Erich Honecker auf dessen Jagd-Sitz zum netten Foto und verhalf dann einer verzweifelten Frau zur Ausreise. Eine irre Geschichte, die wirklich einiges über den Charakter Strauß erzählt. Und diesem wollen wir anhand dieser Episode näherkommen – zwei Tage bevor der 100. Geburtstag des 1988 verstorbenen Politikers gewürdigt wird.

Zum Mauerfall-Jubiläumstag hatten Sie in der schon erwähnten Pilotsendung von "Geschichte treffen" an der ungarischen Grenze vom letzten Sommer am Eisernen Vorhang berichtet, zum Jubiläum "25 Jahre Deutsche Einheit" widmeten Sie sich den verbotenen Demo-Bildern von Leipzig 1989 und dem Ringen um den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Waren da unterschiedliche Herangehensweisen notwendig, hier ehemalige Demo-Teilnehmer treffen, dort die Politiker, die damals verhandelt haben?

Natürlich ist jeder Gesprächspartner auf seine Art anders. Aber diejenigen, die politisch Verantwortung hatten und diejenigen, die auf die Straße gegangen sind, eint ja im Rückblick eines: eine tiefe emotionale Bindung zum Geschehen; teils auch Verklärung, teils Verdrängung. Es braucht also gute Vorbereitung, einen wachen, kritischen und offenen Blick und die ehrliche Bereitschaft, sich jedes Mal wieder auf die Lebensgeschichte eines Protagonisten einzulassen. Diese Bereitschaft spüren meine Gesprächspartner. Und das macht die Dreharbeiten auch zu einer sehr erfüllenden Arbeit.

Was sind denn Kriterien, welche Themen sich darüber hinaus für Ihr Format "Geschichte treffen" eignen?

Ich habe mit "log in" vier Jahre lang eine interaktive Talkshow moderiert. Mich interessiert jetzt, wie man Talk, Reportage und Dokumentation  in einem Format zusammenbekommt. Ich will Geschichte auf folgende Weise erzählen: Der Moderator trifft Zeitzeugen zum Gespräch und zwar möglichst am Ort des Geschehens. Wir konzentrieren uns dabei auf wenige Protagonisten. So wenig Inszenierung wie nur möglich. In der Haltung: unaufgeregt, interessiert, emphatisch. In dieser Form geht es um Themen, die uns unsere Zeit heute besser verstehen lassen. Wir haben zum Beispiel sehr emotionale Gespräche geführt mit Menschen, die 1945 aus Ostpreußen und Schlesien flüchten mussten und vertrieben wurden. Die haben grauenhafte Geschichten erlebt und 40 Jahre lang darüber geschwiegen. Und jetzt – am Ende ihres Lebens – finden sie doch noch den Mut, mit ihren Kindern darüber zu sprechen. Ein Thema, das Millionen Familien in Deutschland heute noch im Inneren berührt. Meine Generation kann darüber freier und offener sprechen als andere vorher. Eine tolle Chance für unser Format

Und welche Themen und Ereignisse locken Sie zu weiteren Begegnungen mit der Zeitgeschichte?

Wir untersuchen innerhalb der ersten Staffel noch die Oppositionellen-Szene im Prenzlauer Berg zu DDR-Zeiten. Wir spüren zudem Deutschlands Tekkno-Puls im Jahr 1990 in einem Film über den Sound der Wende. Und wir beleuchten, wie es eigentlich dazu kommen konnte, dass Deutschland 1999 zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder in den Krieg zog – mit einem spannenden Interview mit Joschka Fischer. Für die Zukunft mache ich mir keine Sorgen: die Themen gehen uns nicht aus – die Liste ist lang.

Mit Wolf-Christian Ulrich sprach Thomas Hagedorn.

Deutschland '45 und Berlin '91

Deutschland '45 – Verlorene Heimat

Januar 1945: Überstürzt packt die Familie des 14-Jährigen Fritz Bonin in Hirschberg, Ostpreußen, einen Treckwagen. Unter herannahendem Geschützdonner der Roten Armee beginnt die Flucht aus der Heimat. Wie Millionen Deutsche bezahlen die Bonins im Inferno von Flucht und Vertreibung für den verheerenden Vernichtungskrieg, den Nazideutschland begonnen hatte.

Wolf-Christian Ulrich begleitet den heute 85-Jährigen Fritz Bonin und seine Tochter auf eine Erinnerungsreise in das polnische Dorf Idzbark, dem ehemaligen Hirschberg, und zeichnet die Flucht der Familie nach.

Berlin '90 Der Sound der Wende 

9. November 1989. Für den 22-jährigen Ostberliner Wolfram Neugebauer – genannt Wolle – fällt an diesem Tag nicht nur die Mauer zwischen Ost und West. Es fällt die Barriere zu seiner Musik, zu neuen elektronischen Sounds. Er drängt sich an den Massen Ausreisewilliger am Grenzübergang vorbei – "Vordrängeln hab ich in den Diskos von Ost-Berlin gelernt" – und statt durchs Brandenburger Tor oder das KaDeWe zu spazieren, zieht es Wolle nur an einen Ort – ins UFO, den Underground-Kult-Club der Stunde. Dass sich dort die noch kleine elitäre Szene elektronischer Musik trifft, hat sich sogar im Osten herumgesprochen. Was Wolle bisher nur aus dem Westradio kannte, erlebt er an diesem 10.November 1989 im heruntergekommenen UFO-Keller: rasende Beats, gnadenlos harte Bässe analoger Synthesizer – Tanz, Ekstase, Freiheit. Die alte Ordnung ist gestürzt, die neue noch nicht vollständig etabliert. Berlin ist nicht mehr Hauptstadt der DDR, noch nicht die des vereinten Deutschlands. Das anarchische Grundgefühl in der Stadt verbreitet auch bei den West-Berlinern Aufbruchsstimmung. Die Szene, rund um UFO-Besitzer Dimitri Hegemann und Kult-DJ Dr. Motte, feiert die deutsche Einheit auf ihre Weise: leerstehende Fabrikgebäude der DDR werden zu Techno-Tempeln, im ehemaligen Hobbykeller der NVA – im Tacheles – treiben nun neue Rhythmen die Menschen im Takt, der Tresorraum einer verlassenen Wertheim-Filiale wird zum "Tresor"-Club, in der Schaltzentrale des Ostberliner E-Werks schlägt der Beat der Wende. Wolf-Christian Ulrich trifft Geschichte – die musikalische Geschichte im wieder vereinten Berlin.

Hat der elektronische Sound Ost- und West-Berliner geeint? Wie haben die Elektro-Freaks die anarchischen Monate in der Stadt empfunden und genutzt? Wie hart waren die Drogen? Wie ernst waren die politischen Forderungen zu nehmen?

Biografische Angaben zu Wolf-Christian Ulrich

Wolf-Christian Ulrich, Jahrgang 1975, moderiert seit 2013 das "ZDF-Morgenmagazin", seit 2014 als fester Moderator in der Frühschiene von 5.00 bis 7.00 Uhr an der Seite von Anja Heyde. Bereits seit 2006 für das "ZDF-Morgenmagazin" unter anderem auch als On-Reporter tätig, moderierte Wolf-Christian Ulrich von 2011 bis 2014 für ZDFinfo die crossmediale Talkshow "log in". Im Digitalsender war er zudem als Presenter von Doku-Reihen wie "Im Osten viel Neues" oder "Ulrich protestiert" aktiv. Die neue zeitgeschichtliche Reihe "Geschichte treffen" führt dies fort. Wolf-Christian Ulrich studierte Musikwissenschaften und Amerikanistik mit Schwerpunkt Kanadistik und volontierte an der RTL-Journalistenschule.

Infos zu ZDFinfo

Am 5. September 2011 vollzog ZDFinfo seinen Neustart mit der crossmedialen Ausrichtung auf die Themenfelder Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service. Seitdem steigerte das neuprofilierte Angebot seinen Marktanteil kontinuierlich – auf mittlerweile ein Prozent. Der junge und erfolgreiche Digitalsender legt seinen Schwerpunkt auf zeitgeschichtliche Dokumentationen und bietet seinem Publikum die nachgefragten Hardfacts auf allen verfügba­ren Wegen an – über das Fernsehprogramm ebenso wie über on­line und Social Media. ZDFinfo, vor bald vier Jahren als "Fernse­hen zum Mitreden" neu durchgestartet, schlägt mit dieser konse­quenten crossmedialen Ausrichtung den Weg zum "betreuten Fernsehen" ein.

Im Monat September 2015 hat ZDFinfo 1,0 Prozent Marktanteil im Gesamtpublikum erzielt und 1,2 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Im Digitalmarkt ist ZDFinfo bei den jüngeren Zuschauern der erfolgreichste öffentlich-rechtliche Digitalkanal. Täglich schalteten 2,69 Mil­lionen Zuschauer das Programm mit Fokus auf Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service ein.

Künftig will ZDFinfo parallel zu seinen Sendungen verstärkt auf die Social-Media-Kommunikation setzen. Die Zuschauer sollen sich vor, während oder im Anschluss an Fernsehprogramme des Digi­talkanals in sozialen Netzwerken oder entsprechenden Plattfor­men über die Programminhalte informieren und austauschen kön­nen.

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