Handwerker und andere Katastrophen

Handwerker-Komödie

Das Ehepaar Silke (Tanja Wedhorn) und Stefan (Oliver Mommsen), sie Grundschullehrerin, er Arzt, sind immer noch ineinander verliebt. Gemeinsam mit Sohn Jakob (Leopold Schill) wollen sie sich jetzt den Traum vom Eigenheim erfüllen, denn ein zweites Kind ist unterwegs. Sie kaufen ein älteres Häuschen auf dem Land, und ganz schnell wird aus dem Traum beinahe ein Alptraum.

  • ZDF, Donnerstag, 28. Juli 2016, 20.15 Uhr

Texte

Traum oder Alptraum vom eigenen Haus
Vorwort von Redakteurin Anja Helmling-Grob

Wer ein Haus baut oder umbaut, weiß ein Lied davon zu singen: Hiobsbotschaften von der Baustelle, Kostenexplosion, unerwartete Probleme lassen den Traum vom Eigenheim schnell zum Alptraum werden. Kein Wunder, sorgt der Stressfaktor Hausbau dochfür massiv steigende Trennungs- und Scheidungsraten von Paaren unmittelbar während oder nach einem solchen Unterfangen.

Dieser psychischen Belastung setzt Autor Stefan Kuhlmann ein Ehepaar aus, das eigentlich immer noch verliebt ist wie am ersten Tag. Klinikarzt Stefan ist eine Frohnatur und bringt seine Ehefrau Silke gerne zum Lachen. Die vernünftige Grundschullehrerin ist kinderlieb, patent, praktisch veranlagt und hat das Herz am rechten Fleck. Die beiden ergänzen sich ideal, haben fast die gleichen Träume und ziehen am selben Strang, wenn es um ihre Lebensgestaltung geht. Erst der gemeinsame Hausbau zeigt, dass gewisse positive Charaktereigenschaften auch ins Gegenteil umschlagen können: Silke wird kontrollsüchtig, Stefan flüchtet vor Verantwortung.

Regisseur Matthias Steurer erzählt die Geschichte einer Haussanierung als Ehe- und Liebesgeschichte, in der der Zustand des Hauses den jeweiligen Gefühlszustand der Ehe reflektiert. Das hört sich konzeptionell an, ist aber sehr unterhaltsam in Szene gesetzt und gründet auf – fast – wahren Begebenheiten. Denn alle fiktiven Unglücke dieser Umbaugeschichte haben sich so oder so ähnlich zugetragen.

Stab und Besetzung

Donnerstag, 28.07.2016, 20.15 Uhr
Handwerker und andere Katastrophen

Buch                                  Stefan Kuhlmann
Regie                                 Matthias Steurer
Kamera                             Christoph Poppke
Schnitt                               Dagmar Pohle
Musik                                 Eike Hosefeld, Moritz Denis, Tim Stanzel
Produzentinnen                 Tanja Ziegler, Kirsten Ellerbrake
Produktion                         Ziegler Film, Berlin
Redaktion                          Anja Helmling-Grob

Die Rollen und ihre Darsteller

Silke                                  Tanja Wedhorn
Stefan                                Oliver Mommsen
Jakob                                 Leopold Schill
Renate                               Gundi Ellert
Herr Panter                        Jürgen Tarrach
Sieglinde                            Ursela Monn
Dietmar                              Dietrich Hollinderbäumer
Dr. Umland                         Peter Sattmann
Trockenbauer Hein            Thilo Prothmann
Geselle Tomas                   Evgenij Verenin
Lehrling Büni                      Hüseyin Ekici
und andere

Inhalt

Immer noch verliebt: Das sind Silke und Stefan, sie Grundschullehrerin, er Arzt. Gemeinsam mit Sohn Jakob wollen sie sich jetzt den Traum vom eigenen Haus erfüllen, denn das zweite Kind ist unterwegs und die Freude auf den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt riesig. Sie kaufen das Haus von Stefans Vorgesetztem, Chefarzt Dr. Umland. Doch der Traum vom neuen Eigenheim entwickelt sich schnell zum Alptraum.

Die von Silke engagierten Handwerker sagen kurzfristig ab und könnten erst in acht Wochen mit dem nötigen Umbau starten. Eigentlich sollte bis dahin das Haus längst renoviert sein und der Umzug stattgefunden haben! Zu dumm, dass Stefan den Mietvertrag der Wohnung bereits gekündigt hat, um Geld zu sparen. Chefarzt Dr. Umland weiß Rat: Gerade hat er einen Bauleiter operiert! Hartmut Panter scheint unkompliziert und verspricht Stefan einen zügigen und kostengünstigen Umbau. Mit seinem Team, Trockenbauer Hein, Geselle Tomas und Lehrling Büni, soll das Haus in wenigen Wochen bezugsfertig sein. Die Realität sieht dann aber doch anders aus. Ein Unglück jagt das nächste. Das Haus entpuppt sich als völlig marode, die drei flotten Bauarbeiter haben linke Hände und sprechen nicht die gleiche Sprache. Stefans und Silkes Nerven liegen bald blank.

In der Not suchen beide Hilfe bei ihren Eltern. Bei Papa Dietmar kann Silke wenigstens fachlichen Rat einholen, denn er war selbst im Baugeschäft. Nach einem Herzinfarkt hat er sich mit Ehefrau Sieglinde vor einigen Jahren nach Teneriffa zurückgezogen und genießt dort seine Pension, wenn auch nicht ganz freiwillig. Sieglinde möchte aber nicht, dass Dietmar sich aufregt, sie fürchtet um seine Gesundheit. Stefans Mutter Renate unterstützt das Bauprojekt finanziell, allerdings nicht ganz uneigennützig: Das Haus böte Platz für ihr eigenes Atelier. Silke nimmt das mit Skepsis zur Kenntnis. Doch das ist nicht ihr einziges Problem: Nur weil Stefan sündhaft teure Designertürklinken ersteigert, muss sie auf ihre Traumküche verzichten.

Auf der Baustelle geht derweil alles schief. Die Abwasserleitungen sind völlig verstopft, Türzargen passen nicht, die Elektroleitungen müssen raus. Stress pur für das junge Paar. Silkes Bauch wächst und wächst und kein Umzugstermin ist in Sicht. Stefan flüchtet sich kurzerhand mit seiner alten Spielkonsole in den Ruheraum der Klinik und fährt dort lieber Autorennen gegen die Kollegen, als sich weiter mit dem Bau zu beschäftigen. Seine Abwesenheit erklärt er zu Hause als dringende Überstunden. Silke fühlt sich allein gelassen und ist stocksauer. Zusammen mit Bauleiter Panter bringt sie das Bauprojekt dennoch voran.

Als das Paar die gekündigte Wohnung verlassen muss, zieht Silke mit Jakob nicht in das "neue" Haus mit ein, sondern in einen Bauwagen. Stefan hat ein schlechtes Gewissen und fürchtet Silke zu verlieren. Als Renate dann mit einem Beinbruch ins Krankenhaus kommt, erfährt Silke zu allem Unglück von Stefans Spiel-Sessions. Nur der kleine Jakob ist glücklich, hat er doch auf der Baustelle den größten Spaß mit den Bauarbeitern. Doch wie will Stefan Silkes Herz wiedergewinnen und seine Ehe retten? Und was wird aus dem Traum vom eigenen Haus?

Regisseur Matthias Steurer über das Filmpaar Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen

Jeder Drehtag mit diesem Paar ist ein Geschenk! Tanja und Oliver sind ein wunderbar eingespieltes Team. Wer die beiden im Theater gesehen hat, kennt die Qualität der gemeinsamen Performance. Ihre Spiellaune gepaart mit einem besonderen Taktgefühl im Dialog, machen dich als Regisseur zum ersten glücklichen Zuschauer am Set für das, was mit den beiden einfach Spaß macht anzustreben: intelligente Unterhaltung im scheinbar so leichten und doch verdammt schweren Fach der Romantic Comedy.

"Alles geben und dabei entspannt bleiben."
Gespräch mit Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen

"Handwerker und andere Katastrophen" – kommt Euch das bekannt vor?

Tanja Wedhorn: Nein, gar nicht. Ich wohne seit 20 Jahren zur Miete.

Oliver Mommsen: Doch. Immer dieses "Oh, ganz schlecht – nee, da sehe ich keine Chance", wenn du zum Beispiel ein Auto in die Werkstatt bringst. Die Kollegen ziehen dich erst mal runter und machen dir eine Riesenangst, um dir dann irgendetwas zu sagen, dass du entgegen nimmst wie eine Hostie. Dieses Abhängigkeitsverhältnis. Ich würde mich aber auch nicht trauen, ein Haus einzuschätzen…

Tanja Wedhorn: Das stimmt. Obwohl, als ich dann da stand und unser Spielhaus gesehen habe, da habe ich schon gedacht: Ach, guck‘ mal, draußen im Grünen und ein Garten...

Oliver Mommsen: ..um festzustellen: oh, Flugschneise, Mückenschutzgebiet … Nee!

 

Ihr wohnt beide in Kreuzberg, eure Figuren Silke und Stefan zieht es raus aus der Stadt …

Tanja Wedhorn: Manchmal denke ich schon, was Eigenes, Irgendetwas am See oder am Meer, schön einrichten und meins… Aber eigentlich ist es total cool, sich Häuser zu mieten. irgendwo auf der Welt, in Frankreich, in Italien, an der Ostsee. Und ich glaube, wirklich aufs Land ziehen werde ich nie.

Oliver Mommsen: Als unsere Tochter unterwegs war, haben meine Frau und ich uns im Berliner Speckgürtel einiges angeschaut. Aber nach der vierten Wohnungsbesichtigung war uns klar, wir wollen hier nicht weg. Dieses Bunte, Quirlige, Verrückte, nachts Lichter und Geräusche, das ist vielmehr meins als die Einsamkeit da draußen, obwohl ich die sehr genießen kann. Aber meine Batterien tanke ich irgendwie in Kreuzberg auf. Auch das Wichtige für meinen Job, die Eindrücke und Erlebnisse, die Skurrilitäten und Absurditäten, schnappe ich im Kiez auf. Wenn ich nicht in so einer attraktiven Stadt leben würde, dann würde ich vielleicht aufs Land ziehen. Aber Berlin hat einen Sog für mich.

 

Wie sieht es mit eurem handwerklichen Geschick aus? Im Film setzt ihr auf die Jungs vom Fach, die aber nicht wirklich vom Fach sind.

Oliver Mommsen: Auf jeden Fall habe ich eines gelernt. Wenn du ein Loch in die Wand bohren willst, sei auf alles vorbereitet. Das heißt, ich habe immer den Handwerkskasten da. Es sieht ganz einfach aus, aber es nimmt immer Dimensionen an. Wenn man sich Zeit nimmt, funktioniert es. Wenn du es irgendwie so nebenbei machst, "ich hau’ mal eben einen Nagel rein", dann triffst du ein Rohr oder eine elektrische Leitung.

Tanja Wedhorn: Nägel kann ich gut und Bohrmaschine geht auch. Auch wenn es häufig schrecklich ist. Das Loch ist zu groß und der Dübel hält nicht. Aber letztendlich geht es. Und streichen krieg ich hin, striemenfrei. Bloß Elektrik kann ich gar nicht. Da habe ich nackte Angst.

 

"Handwerker und andere Katastrophen" ist nicht eure erste Zusammenarbeit. Ihr habt schon mehrmals gemeinsam auf der Bühne gestanden, wart zuletzt mit "Eine Sommernacht" auf Tournee, und habt auch wiederholt vor der Kamera zusammen gearbeitet. Was schätzt ihr aneinander, warum funktioniert euer gemeinsames Spiel so gut?

Oliver Mommsen: Ich mache einfach, was Tanja sagt …

Tanja Wedhorn: … und das schätze ich sehr an ihm!

Oliver Mommsen: Also, wir können jetzt viel erzählen, aber am Ende ist es so: Ich mach‘ manchmal Vorschläge und dann guck‘ ich in Tanjas Richtung und dann merk‘ ich, "ist nicht angekommen".

Tanja Wedhorn: Und dann merkt er auch gleich, wie gut mein Vorschlag ist.

Oliver Mommsen: Und dann machen wir es so, wie Tanja meint.

Tanja Wedhorn: Aber beide mit einem guten Gefühl, oder Schatz!?

Oliver Mommsen: Natürlich mit einem guten Gefühl! Aber ganz im Ernst: Wir hatten einfach Glück. Irgendjemand hat da was ganz richtig gemacht, als wir für das Theaterstück "Gut gegen Nordwind" erstmals gemeinsam besetzt wurden.

Tanja Wedhorn: Das hat auch ganz viel mit Humor zu tun.

Oliver Mommsen: Also, Tanja hat Humor, das hilft. Und mit einer sehr ähnlichen Auffassung von Arbeit. Also: Alles geben!

Tanja Wedhorn: … und dabei entspannt bleiben.

 

Im Film gibt es die Szene, als die Toilette anfängt zu brodeln und eine braune Brühe das Badezimmer flutet. Stefan nimmt ein unfreiwilliges Bad …

Tanja Wedhorn: Die Szene war spitze. Das hat total Spaß gemacht.

Oliver Mommsen: Wenn du so eine Szene im Drehbuch siehst, dann weißt du, das wird ein Zuckerstück und freust dich drauf. Aber da sind wir bei Komik. Und Komik herzustellen, ist nicht immer komisch. Bei der Szene sind Tanja und ich aneinandergeraten. Klitzekleine Sache eigentlich. Ich war der Meinung, sie hätte an einer anderen Stelle weggucken müssen.

Tanja Wedhorn: Jeder hat seine Figur im Kopf und was die braucht, um den nächsten Schritt zu tun. In 90 Prozent der Fälle läuft das bei uns wie geschmiert, aber bei dieser Szene war es eine Timing-Sache. Olli wollte ab einer ganz bestimmten Stelle einen Impuls, aber ich musste in meiner Rolle reagieren, weil draußen unser Kind schrie. Andererseits zum Beispiel dieser Streit unter der Autobahn, der war überhaupt nicht knifflig. Ich glaube auch, weil wir beide uns so gut kennen …

Oliver Mommsen: …ja, sich streiten, versöhnen, verlieben und küssen. Das haben wir jetzt schon ziemlich oft vor den Blicken der Leute, vor Publikum, getan.

 

Das Gespräch führte Ulrike Seiler

"Es war eine diebische Freude, ihn als eine liebenswerte Zecke zu spielen"
Interview mit Jürgen Tarrach (Bauleiter Panter)

Sie spielen in "Handwerker und andere Katastrophen" den Bauleiter Herrn Panter, der gern mal Fünfe gerade sein lässt, mit Halbwahrheiten die Wogen zu glätten versucht und für alles eine Antwort parat hat ….

Es war eine diebische Freude, ihn als eine liebenswerte Zecke zu spielen, die man einfach nicht los wird. Denn jeder, der einmal Handwerker benötigt hat weiß, dass dies eine große Vertrauensangelegenheit ist und Naivität schnell ausgenutzt werden kann.

Auf der Baustelle von Silke und Stefan geht alles schief. Wie sind denn Ihre persönlichen Erfahrungen mit Handwerkern?

 Sehr unterschiedlich! Es gibt die selteneren Fälle. Das sind die, deren Hilfe man nur einmal in Anspruch nimmt, weil sie schlecht gearbeitet haben und nicht nachbessern wollen. Da wir ein Ferienhaus in Italien haben, haben wir natürlich zahlreiche Erfahrungen mit italienischen Handwerkern. Wobei wir, entgegen dem Vorurteil, sehr positive Erfahrungen gemacht haben. Pünktlich, sauber und professionell. Und dann gab es wieder Fälle, wo der Handwerker sich für 10 Uhr angemeldet hatte und wir an einem unserer Ferientage bis 14 Uhr gewartet haben und es, nach etlichen Versuchen ihn telefonisch zu erreichen, aufgaben und zum Strand gefahren sind.

 Haben Sie handwerkliches Geschick oder liegen Ihre Stärken eher in anderen Bereichen?

Nein, von Geschick kann man da nicht sprechen. Notgedrungen muss man am eigenen Haus immer mal wieder Hand anlegen. Aber ich habe sehr hilfsbereite und freundliche Nachbarn. Meine Stärken liegen eindeutig im künstlerisch-musischen Bereich: Theater spielen, französische Chansons singen, in Filmen spielen, sich Geschichten ausdenken und diese zu formulieren als Autor. Ich denke das reicht – da kann das Handwerkliche ruhig etwas zu kurz gekommen sein.

 Herr Panter hat gerade einen Herzanfall hinter sich, gönnt sich aber noch in der Klinik Fastfood und kühles Bier. Wie gehen Sie mit Ihrer Gesundheit um?

Gott sei Dank hatte ich noch keinen Herzinfarkt. Ich glaube, da würde ich nicht wie die Rolle Herr Panter zu Bier und Fastfood greifen. Aber es ist ja immer alles eine Frage der Dosis. Wir kochen zuhause mit Leidenschaft stets frisch mit besten Zutaten. Und das hält uns fit. Und zwischen den Mahlzeiten gibt es keine kleinen Extras. Zudem wohnen wir sehr grün, sind, sobald es das Klima zulässt, draußen an der frischen Luft und können im nahegelegenen See schwimmen gehen.

Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen sind in ihrer schauspielerischen Arbeit eingespielte Kollegen und haben schon wiederholt gemeinsam auf der Bühne und vor der Kamera gestanden …

Die Beiden sind ein wunderbares Dreamteam, kann man sagen. Es macht große Freude mit ihnen zu arbeiten, weil die beiden auch untereinander so vertraut sind und so viel Humor haben. Zudem kenne ich beide schön länger. Tanja von einem gemeinsamen Dreh und mit Oliver habe ich sehr erfolgreich "The King's Speech" am Schlossparktheater in Berlin vorfast stets ausverkauftem Haus gespielt. Er als stotternder König und ich war sein Sprachlehrer.

 

Das Interview führte Ulrike Seiler

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