Im Zauber der Wildnis

Ein kalifornischer Traum: Der Yosemite-Nationalpark

Der Yosemite-Nationalpark in Kalifornien ist einer der bekanntesten Nationalparks der Welt: spektakuläre Ausblicke, gewaltige Wasserfälle, uralte Mammutbäume. Doch die Wildnis inmitten des bevölkerungsreichsten Staates der USA ist bedroht: Jedes Jahr kommen Millionen Besucher und die durstige Landwirtschaft saugt knappe Wasservorräte aus Seen und Reservoirs. Die Filmemacher Catharina Kleber und Christian Bock haben den rund 3000 Quadratkilometer großen Park bereist und zeigen, wie fragil das Gleichgewicht der Natur in Zeiten von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Ressourcen-Ausbeutung ist.

  • ZDF, Dienstag, 19. Dezember 2017, 22.15 Uhr

Texte

Stab, Inhalt

Dienstag, 19. Dezember 2017, 22.15 Uhr

Im Zauber der Wildnis
Ein kalifornischer Traum: Der Yosemite Nationalpark

Dokumentation

Buch und Regie: Catharina Kleber, Christian Bock
Kamera: Jasper Engel
Executive Producer: Robert Wortmann
Produzent: Spiegel TV
Ton: Enzio von Eisenhart-Rothe
Schnitt: Berndt Burghardt
Grafik: Jan Schulz
Produktion (ZDF): Freda Wiethoff
Redaktion: Dr. Susanne Becker, Michael Petsch
Länge: ca. 43'30

Für den neuen Film der ZDF-Dokumentationsreihe "Im Zauber der Wildnis" haben die Filmemacher Catharina Kleber und Christian Bock den Yosemite-Nationalpark bereist. Dabei spüren sie den Verbindungen zwischen Park und Außenwelt nach, denn gerade an diesem Ort wird deutlich, wie fragil das Gleichgewicht der Natur in Zeiten von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Ressourcen-Ausbeutung ist. Der Yosemite-Nationalpark ist zwar auf den ersten Blick eine Oase unberührter Natur, aber zugleich unmittelbar umgeben von der modernen Zivilisation. Nur wenige hundert Kilometer entfernt sind Städte wie Sacramento, San Francisco oder Los Angeles, deren Smog bis in den Park zieht.

Der Film macht deutlich, wie die durstige Landwirtschaft die knappen Wasservorräte aus den Seen und Reservoirs der Sierra Nevada abzieht, um Mandeln, Wein und Früchte anbauen zu können. Die fragile Balance von Wildnis und Zivilisation wird von den Hütern des Yosemite-Nationalparks und vielen Forschern in der Umgebung sorgfältig bewacht. Doch wenn schon der eigentlich geschützte Park trotzdem leidet, wie ergeht es dann dem Rest des Landes? Wie viel Mensch verträgt die Natur?

Die Filmemacher begleiten Forscher bis in die Wipfel der Mammutbäume und zu einem der letzten verbleibenden Gletscher der Region. Sie besuchen Landwirte, die mit wenig Wasser 80 Prozent des Weltbedarfs an Mandeln decken. Sie begleiten die Feuerwehr zu Bränden und Sportkletterer, die die berühmten Granitwände in diesem Naturparadies erklimmen.

Auf welche außergewöhnliche Weise der Yosemite-Nationalpark geschützt wird, zeigt der Film ebenfalls. Die örtliche Feuerwehr setzt für ihre Arbeit sogar Häftlinge ein. Statt ihre oft mehrjährigen Strafen ausschließlich hinter Gittern abzusitzen, helfen die Strafgefangenen im Park. Es war möglich, sie dabei mit der Kamera zu begleiten und zu zeigen, welchen Einfluss diese Arbeit auf sie hat. Wie die Aufnahmen darüber hinaus verdeutlichen, besteht die Arbeit der Feuerwehr hier nicht nur darin, die – gerade in diesem Jahr – heftigen Brände zu löschen. Es werden auch gezielt Brände gelegt, um die natürliche Entwicklung der Flora zu gewährleisten. Denn Naturschutz bedeutet auch, der Natur innerhalb gewisser Grenzen freien Lauf zu lassen – um Raum für neues Leben im Yosemite-Nationalpark zu schaffen.

So manche Regelung in Sachen Naturschutz kommt dem Betrachter jedoch recht widersinnig vor. So ist das Jagen innerhalb des Yosemite-Nationalparks streng verboten – nicht jedoch außerhalb seiner Grenzen. Einen Zaun gibt es nicht. So müssen die berühmten Schwarzbären des Parks, die das Parkgelände verlassen, damit rechnen, geschossen zu werden. Denn für eine geringe Summe ist es Jägern gestattet, sie zu erlegen. Doch viele wollen sich auch diese Ausgabe sparen. Das Kamerateam ist dabei, wenn staatliche Beauftragte Jäger kontrollieren, ob sie auch wirklich eine gültige Lizenz besitzen. Bei den Dreharbeiten erleben sie mit, wie einer der Ranger zufällig einen Futterplatz entdeckt, den ein Wilderer angelegt hat: Früchte und Schokolade, um Bären anzulocken.

Die Kamera verfolgt zudem die Arbeit von Hydrologen und Mammutbaumforschern, die sich um die Tausende von Jahre alten Bäume sorgen. Sie ist mit ihnen in gewaltigen Baumwipfeln, um bei den bis zu 90 Meter hohen Riesen nach durch den Klimawandel verursachten Schäden zu suchen.

Trotz zahlreicher Wirtschaftsinteressen hat der Yosemite-Nationalpark auch viele Bewunderer und Befürworter; Menschen, die für dieses Paradies kämpfen. Der Naturschützer Pete Devine, einer der Protagonisten des Films, schildert seine Hoffnung für den Yosemite-Nationalpark: "Wir sollten ihn genauso erhalten, wie er ist, damit Menschen aus unserem Land und aus der ganzen Welt kommen können, um ihn zu sehen. Das war schon bei der Gründung des Parks ein Teil des Ursprungsgedankens: dass wir diese Region konservieren wollen, damit sie für die Menschen im Jahr 2117 genauso schön ist wie für uns heute."

Zitate von Naturschützern aus dem Film

Biologe Bartshe Miller über Naturschutz, Klimawandel und Tourismus:

Östlich des Yosemite-Nationalparks liegt der Mono-Lake, benannt nach einem indigenen Stamm, der an dessen Ufern lebte. Schon seit 1941 versorgt der See das 300 Kilometer entfernt liegende Los Angeles über ein eigens angelegtes System mit Wasser.

"Der Mono-Lake wurde über viele Jahre viel zu stark beansprucht. Sein Spiegel sank um bis zu fünfzehn Meter, so dass er auf bestem Wege war, nichts mehr als eine Salzlake zu sein, eine lebensfeindliche chemische Pfütze. Hier organisierte sich zum ersten Mal der Widerstand der ländlichen Kalifornier gegen die Städte. Die Sache ging bis zum Bundesgericht, und dort bekamen wir recht. Seitdem darf nicht nach Belieben Wasser aus den Zuflüssen zum See entnommen werden. Es muss eine Balance geben zwischen den Bedürfnissen der Anwohner, der Städte und der Farmer. Vor allem aber müssen die natürlichen Ressourcen des Yosemite-Nationalparks geschont werden."

"Es ist unglaublich, dass wir heutzutage wieder verstärkt um die Belange unseres Umweltschutzes kämpfen müssen. Wir spüren überall, dass Umweltthemen immer mehr zu Glaubensfragen werden: Glaubt an den Klimawandel oder glaubt nicht daran. Das ist sehr frustrierend."

"Dass es zu dem verheerenden Steinschlag am 'El Capitan' gekommen ist, wundert mich nicht. Die Natur lebt, auch ein Felsen ist wechselnden Einflüssen ausgesetzt. Dass so viele an ihm herumklettern und ihre Nägel und Seile an ihm verankern - vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass sich Felsen lösen. Solche Ereignisse, dazu die Millionen Besucher, all dies gibt mir zu denken. Viele haben ein schwieriges Verhältnis zur Natur. Es geht immer mehr darum, diese einfach nur zu konsumieren."

Park-Ranger Pete Devine über seine Arbeit:

"Die Mission des 'National Park Service' besteht seit seiner Entstehung 1916 darin, die Ressourcen zu erhalten und der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sie zu besuchen. Es geht also um beides: Die Orte zu schützen und sie gleichzeitig zugänglich zu machen. Man ist versucht, den Yosemite-Nationalpark als Insel wahrzunehmen. Man blickt auf die Karte und sieht diese präzise gezogene Grenze, die ein inselförmiges Stück Landschaft markiert. Aber wir sind natürlich mit dem Rest der Welt verbunden. Eine unserer größten Herausforderungen ist eben diese Einbindung. Wir bekommen Luft aus ganz Kalifornien und das bedeutet, dass auch die städtische Luftverschmutzung bei uns ankommt. Und natürlich sind wir Opfer des Klimawandels. Wir wissen seit Jahrzehnten, dass dieser stattfindet - und das in einem rasanten Tempo. Wir sind keine entkoppelte Insel, sondern mit der umliegenden Landschaft fest verbunden."

Über den Yosemite-Nationalpark

Der Yosemite-Nationalpark ist der älteste und für viele Besucher der spektakulärste Naturpark der USA – mit grandiosen Felsen, verzauberten Wäldern und einer außergewöhnlichen Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Doch das Paradies ist bedroht und steht im Widerstreit der Interessensgruppen: zwischen Naturschützern, die den Park erhalten wollen, und anderen, die vor allem an der wirtschaftlichen Nutzung interessiert sind.

Weit mehr als vier Millionen Menschen besuchen den Yosemite-Nationalpark jedes Jahr. Die meisten sehen allerdings nur das berühmte Tal mit dem Kletterfelsen "El Capitan" und dem beeindruckenden, halbkugelförmigen Felsen "Half Dome". Sie genießen sanfte Wanderwege und beeindruckende Ausblicke, gruseln sich angesichts der wagemutigen Kletterer in den fast senkrecht stehenden Felsen. Diese sind eine Naturschönheit, wenngleich mit tückischen Gefahren. Viele Tonnen Gestein rutschten im Sommer 2017 urplötzlich aus dem "El Capitan"-Felsen ab und hüllten das ganze Tal während der Dreharbeiten in eine dichte Staubwolke – und das gleich zwei Mal innerhalb von 36 Stunden. Durch diese Felsstürze kam an der bei Kletterern beliebten "Wasserfall-Route" ein Bergsteiger ums Leben, zwei weitere Personen wurden verletzt.

Zu oft wird vergessen, dass Mensch und Natur in ständigen Wechselbeziehungen miteinander leben. Und zu selbstverständlich erscheint oft die Natur, unangreifbar, unverrückbar und ewig. Dass dieser Eindruck täuscht, zeigt Naturschützer Bartshe Miller am Beispiel des rauen Dana-Gletschers, der schon Ende des 19. Jahrhunderts fotografiert und vermessen wurde. "Wir sind die Letzten, die ihn sehen. Bald wird es keine Gletscher mehr geben", sagt Miller und demonstriert eindrucksvoll, wie erschreckend wenig von dem – nur scheinbar – ewigen Eis heute noch übrig ist.

Wendy Baxter, eine Biologin der nahe gelegenen Universität Merced, untersucht die gewaltigen, bis zu 90 Meter hohen Sequioa-Bäume auf Anzeichen des Klimawandels. Sie hat herausgefunden, dass die Mammutbäume noch erstaunlich gut mit den bisherigen Klimaschwankungen umgehen. "Man wird nicht 3000 Jahre alt, ohne ein gewisses Maß an Robustheit mitzubringen." Doch die kürzlich aufgetretenen Dürreperioden hinterließen klare Spuren.

So ist Wassermangel eines der größten Probleme dieser Region. Zugleich ziehen verheerende Feuer immer wieder durch die trockenen Wälder – ein ständiges Ringen mit der Natur. Um der Arbeit Herr zu werden, setzt die kalifornische Feuerwehr inzwischen sogar Kolonnen von Strafgefangenen ein, die in der Gluthitze Schutzschneisen durch den Wald schlagen.

Seinen Schutz durch die US-amerikanische Regierung verdankt der Yosemite-Nationalpark übrigens einem Schotten, John Muir. Dieser Naturforscher und Umweltschützer lebte viele Jahre im Gebiet des 1864 geschaffenen Parks. Im Jahr 1903 lud er den damaligen Präsidenten Theodore Roosevelt zu einer Wandertour ein, soll mit ihm sogar gecampt haben. Beeindruckt von der Schönheit dieser Naturregion ließ Roosevelt die Verwaltung des Parks den Bundesbehörden unterstellen und machte das über 3000 Quadratkilometer große Gelände damit zum Nationalerbe.

Gesetzesbrecher mit Kettensägen
Von Autorin Catharina Kleber

Als wir unseren Film planten, dachten wir ja eher an Naturforscher, an Wissenschaftler und die Freiheit der Natur. Dass wir dann aber mit Häftlingen des Bundesstaates Kalifornien drehen durften, war für mich eine spannende Wendung. Seit 1915 setzt Kalifornien Häftlingstrupps ein, um in Krisensituationen auszuhelfen.

Es ist sieben Uhr morgens, als wir auf dem Vorplatz des Camps ankommen. Kein Zaun, kein Stacheldraht und keine Gitterstäbe sind zu sehen. Eigentlich wirkt es eher wie ein Sommercamp für Jugendliche. Mitten auf dem offenen Platz trainieren die Häftlinge in der Morgensonne. Es sind große, starke Männer, die für dieses Programm ausgewählt wurden. Einer von ihnen steigt in ein Feuerwehrauto ein und parkt es um – hat denn keiner Angst, dass er damit wegfährt?

Im Büro müssen wir uns nur kurz anmelden. Wir dürfen gerne zu drehen beginnen. Wie wir uns verhalten sollten, würden wir noch erfahren. Was man uns nicht sagt, ist, weshalb diese Männer in Haft sind. Der Ton ist aber, wie so oft in Amerika, sehr höflich. "Good morning, Ma’am", werde ich begrüßt, dann ziehen die Männer weiter und wenden sich ihren Vorbereitungen zu. Sie stellen sich in Reihen auf. Bei der Arbeit sind keine Gefängniswärter dabei. Die einzigen Waffen im Wald sind die Werkzeuge der Männer: Sie sind mit Kettensäge und Axt ausgestattet.

Langsam fühlen wir uns sicher und entspannen uns. Wahrscheinlich sind das ja alles Kleinkriminelle, sie werden doch keine wirklich gefährlichen Männer so frei im Wald laufen lassen? Als wir jedoch mit der Kamera in den Bus steigen wollen, schauen uns die Wärter schockiert an. Nein, das wäre viel zu gefährlich. Da wären wir ja allein im Passagierbereich mit den Insassen: "No way!" Und, wenn sie uns um etwas bitten, dürfen wir es ihnen nicht geben. Nichts, keine Zigarette, keinen Stift. Sonst machen wir uns strafbar. Und sie empfehlen, keine persönlichen Informationen preiszugeben. Nur den Vornamen nennen, keine Details. Unser Interviewpartner Richard ist aber viel zu höflich und zu vorsichtig, um uns auszufragen. Seit 17 Jahren sitzt er schon, über sein Verbrechen möchte er nicht reden, aber er hat noch einige Jahre vor sich. Wir bedanken uns für das Gespräch, alle Männer winken und verabschieden sich höflich. Dann nehmen sie das Werkzeug wieder auf: 15 Gesetzesbrecher, teils mit Gang-Tattoos übersät, die mitten im Yosemite-Nationalpark mit Kettensägen hantieren - und sich freuen, denn immerhin müssen sie an diesem Tag nicht in einer Zelle sitzen.

Wild und unberechenbar
Von Autor Christian Bock

Kaum etwas ist so spektakulär wie die erste Begegnung mit dem "El Capitan": Direkt hinter dem vielbefahrenen Eingang zum Yosemite-Nationalpark teilt sich die Straße in zwei Routen. Nimmt man die linke, die in einen unscheinbaren Wald zu führen scheint, taucht unvermittelt eine steile und mächtige Felswand auf. 1000 Meter ragt sie fast senkrecht hinauf. Ihr Fuß liegt unmittelbar an der Straße, so dass selbst eine Vorbeifahrt ein beeindruckendes Erlebnis ist.

Als wir von den Dreharbeiten zurückfuhren, wunderte ich mich über Dunst und Nebel im Tal. Dass sich vor wenigen Minuten eine gewaltige Felsplatte gelöst hatte und in einer hellgrauen Staubwolke zu Tal gegangen war, das hätte wohl niemand vermutet. Wir begegneten schockierten Touristen, eifrigen Selfie-Filmern und leicht nervösen Park-Rangern, die viel Zeit damit verbrachten, aufgeregte Besucher zu beruhigen. Als wir die vom Felssturz in Mondlandschaften verwandelten Gebiete direkt unterhalb des "El Capitan" aufnahmen, tauchte unvermittelt ein Schwarzbär in unserem Rücken auf, quasi inmitten des Touristenstroms, schon dick gefressen für den Winterschlaf. Kaum hatte er uns bemerkt, verschwand er in einer spektakulären Staubwolke Richtung Parkausgang. Eine besondere Aufnahme, da es heute schwierig ist, diese Tiere überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Früher ließen sich Bären mit Futter anlocken, das zeigt unser Film mit historischen Aufnahmen, doch das ist inzwischen streng verboten. Selbst der mit jährlich mehr als vier Millionen Besuchern stark strapazierte Nationalpark ist also zum großen Teil noch das, was er war, als John Muir seinem Zauber verfiel: wild und unberechenbar.

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