Lena Lorenz

Neue Heimatfarbe

Eine neue Heimatfarbe im ZDF: "Lena Lorenz" ist eine eigensinnige Hebamme, die in den bayerischen Bergen leidenschaftlich und auf humorvolle Art für ihre Überzeugung eintritt. Neben Patricia Aulitzky in der Hauptrolle sind Eva Mattes, Fred Stillkrauth, Raban Bieling, Liane Forestieri und Bülent Sharif zu sehen.

  • ZDF, Donnerstag, 9. und 16. April 2015, 20.15 Uhr

Texte

Hebamme mit Höhenangst

"Was machst denn du da?" Die wenig herzliche Begrüßung ihrer Mutter Eva hat sich Lena Lorenz anders vorgestellt, nachdem sie die ganze Strecke von Berlin bis Himmelsruh in Bayern durchgefahren ist. Nun ist sie hundemüde und sehnt sich nach Ruhe und Erholung. Aber so läuft das nicht auf einem Bauernhof, zumal es im Stall gerade hoch hergeht, denn eine Kuh steht kurz vorm Kalben und der Tierarzt ist nicht erreichbar. Also heißt es für Lena: Ärmel hochkrempeln und mit anpacken.

Aber das ist sie ja gewöhnt, auf dem Hof war das nie anders und in Berlin auch nicht. Denn Geburten gehören zum Alltag von Lena Lorenz. Sie ist als Hebamme in einer Klinik angestellt, Babys bringt sie praktisch im Stundentakt zur Welt. "Willkommen im Leben", sagt Lena zu dem Neugeborenen, das sie anschließend der Mutter in den Arm legt, um zur nächsten Geburt zu eilen. Klinikalltag in einer Großstadt. Für Privatleben bleibt da kaum noch Zeit. Um ihren Verlobten Alex zu sehen, muss sie sich mit ihm verabreden. Denn auch er hat als ehrgeiziger Junganwalt Überstunden zu absolvieren. Und in der wenigen Freizeit will er sich amüsieren, in Clubs und mit Freunden. Dafür ist man ja in der Großstadt, und in der hipsten noch dazu.

Aber für Lena hat die Stadt ihren Reiz verloren. Zumindest ist sie schon lange kein Sehnsuchtsort mehr. Doch wo könnte dieser liegen?  Und was macht sie aus, die Sehnsucht nach einer Heimat?

Heimat – ist das nicht vielmehr ein Gefühl? Sich einfach nur Wohlfühlen, genügt das schon? Am richtigen Platz sein, angenommen, mit sich identisch sein – Heimat meint mehr, als nur einen geografischen Ort. Dabei kann ein Heimatgefühl manchmal durch ganz einfache Dinge ausgelöst werden: ein Stück Weihnachtsstollen erinnert an früher oder die alte Ledertasche an den Vater. Nur reichen solche Momente aus, wenn man sich ansonsten fremd fühlt?

Berlin oder Himmelsruh – für Lena Lorenz ist das keine einfache Entscheidung. In Berlin fühlt sie sich wohl, aber etwas fehlt. Und um herauszufinden, was das ist, muss sie zurückkehren und anknüpfen an das, was sie einst verlassen hat: den Hof, die Familie, die Freunde, die Berge.

Patricia Aulitzky spielt diese suchende und zugleich fordernde Lena Lorenz mit viel Witz, mit Power und emotional äußerst differenziert. Lena Lorenz kann zupacken, sie weicht Konflikten nicht aus und ist zugleich selbst überrascht, wenn sie von ihren eigenen Gefühlen überwältigt wird. Vor allem die Beziehung zu ihrer Mutter Eva ist nicht einfach. Die beiden streiten sich häufig, aber eigentlich suchen sie in der Auseinandersetzung nur einen Weg zueinander. Eva Mattes verkörpert eine Eva Lorenz, die bodenständig, lebenserfahren und zugleich voller Sehnsüchte ist – manchmal nach einem anderen Leben. Denn als Familienbetrieb ist der Bauernhof kaum noch überlebensfähig. Hinzu kommt, dass Lenas Großvater Leopold, gespielt von Fred Stillkrauth, immer häufiger Gedächtnisausfälle hat. Nichts kann ihn dazu bewegen, einen Arzt aufzusuchen, nicht einmal Bastian (Raban Bieling). Dass Lena auf dem Hof ist, findet der junge Landwirt übrigens klasse. Weniger erfreut über das Widersehen mit Lena ist Julia (Liane Forestieri). Die ehemals beste Freundin scheint kein Interesse an einer Wiederaufnahme ihrer Freundschaft zu haben.

Sie sind schon sehr eigen, die Menschen in Himmelsruh. Sie sind stolz auf ihren Ort, und sie lieben ihre Berge, ihr Land, ihren Lebensstil. Lena wird manchmal verrückt, wenn sie schon wieder keinen Handyempfang hat und wenn es wieder einmal steil und unwegsam wird. Denn die Berge stellen eine ganz besondere Herausforderung für eine Hebamme mit Höhenangst dar.

Sophie Venga Fitz
Hauptredaktion Fernsehfilm / Serie

Lena Lorenz – Stab und Besetzung

Buch     

Mathias Klaschka, Astrid Ströher
nach einer Idee von Mathias Klaschka

Regie       Michael Kreindl
Kamera       Stefan Spreer
Szenenbild        Anna Heymann
Kostümbild          Friederike Tabea May
Schnitt      Haike Brauer (Film 1),  Philipp Schmitt (Film 2)
Musik       Titus Vollmer
Ton         Ralf Hermann
Music Supervision        Ingeborg Feilhauer
Produktionsleitung           Richard Wennemann
Herstellungsleitung      Hartmut Köhler
Producer         Simon Buchner
Produzentin         Barbara Thielen
Redaktion          Sophie Venga Fitz
Länge        2 x ca. 90 Min.

 

Eine Produktion der Zieglerfilm München GmbH, im Auftrag von ZDF und ORF

 

Die durchgehenden Rollen und ihre Darsteller

Lena Lorenz       Patricia Aulitzky
Eva Lorenz      Eva Mattes
Leopold Lorenz       Fred Stillkrauth
Bastian          Raban Bieling
Julia Obermeier         Liane Forestieri
Alexander Meissner            Marc Ben Puch
Ersun Hunal        Bülent Sharif
Franz       Pablo Sprungala
Schorschi        Sebastian Edtbauer
Dr. Keller         Thomas Limpinsel
Egon Huber         Michael Roll
Susanne           Birte Glang

Lena Lorenz – Willkommen im Leben ( Donnerstag, 9. April 2015, 20.15 Uhr)    

Die weiteren Rollen und ihre Darsteller

Maria Brandner      Leslie-Vanessa Lill
Kilian Brandner      Michael Fitz
und andere

 

Ihr Beruf ist nicht alltäglich und doch ist er einer der ältesten der Menschheitsgeschichte: Lena Lorenz ist Hebamme. Sie arbeitet in einem Berliner Großkrankenhaus; die Geburten laufen hier wie am Fließband ab. So auch diesmal: Gerade hält Lena ein gesundes Baby in den Händen, schon wird sie zu einer Hochschwangeren gerufen, die Opfer eines Verkehrsunfalls wurde. Das Ungeborene kann leider nicht mehr gerettet werden. Erschöpft macht sich Lena auf den Heimweg. Zu Hause wartet ihr Verlobter Alex. Der ehrgeizige Rechtsanwalt freut sich auf einen Abend mit Freunden und drängt Lena mitzukommen. Es braucht nicht viel, dann kracht es zwischen den beiden. Und weil Lena sowieso gerade genug von allem hat, packt sie ihren Koffer, setzt sich ins Auto und fährt los. Am nächsten Morgen wird sie von einem herrlichen Sonnenaufgang und einem faszinierenden Bergpanorama begrüßt. Denn wo sonst sollte sie ein paar Tage ausspannen, wenn nicht in ihrer alten Heimat, auf dem Bauernhof ihrer Mutter?

Doch Eva Lorenz ist keineswegs vom Besuch ihrer Tochter begeistert. Seit dem Tod ihres Mannes muss sie den Hof alleine bewirtschaften. Dessen Existenz ist in Gefahr, weil er nicht mehr rentabel ist. Und Leo, Lenas Großvater, grantelt ordentlich mit seiner Schwiegertochter rum, die es ihm nie wirklich recht machen kann. Lena kommt demnach nicht ins Ferienparadies, sondern muss gleich ordentlich mit anpacken.

Im Dorf trifft sie auf die hochschwangere Maria Brandner. Bei dem minderjährigen Mädchen haben die Wehen eingesetzt. Lena zögert nicht lange und hilft ihr, ein gesundes Mädchen zur Welt zu bringen – im "Almwirt", der Dorfkneipe. Ersun, Lehrer an der nahe gelegenen Schule, ist von Lenas Tatkraft beeindruckt. Und auch Lena fühlt sich spontan von ihm angezogen. Doch fürs Kennenlernen bleibt keine Zeit. Denn, wie sich herausstellt, weiß Maria nicht, wie es jetzt weitergehen soll. Aus Verzweiflung verschwindet sie plötzlich aus dem Krankenhaus und lässt ihr Baby zurück. Lena wendet sich an ihre frühere Freundin Julia, die ihr bei der Suche helfen könnte. Allerdings will Julia nichts mehr mit Lena zu tun haben.

Lena Lorenz – Zurück ins Leben (Donnerstag, 16. April 2015, 20.15 Uhr)

Die weiteren Rollen und ihre Darsteller 

Karoline Adler      Lilian Naumann
Robert Adler           Sebastian Schwab
Stefan Lechner       Markus Baumeister
Sophie Lechner         Julia Heinze
Barbara Klausner           Barbara Bauer
Arnold Klausner         Sebastian Feicht
Polizist        Peter Weiß
Hanne        Nathalie Schott
und andere

 

Lena hat eine Auszeit von ihrem Krankenhaus-Job genommen, um in ihrer alten Heimat in den Bergen auszuspannen und auf dem Bauernhof ihrer Mutter Eva mit anzuanpacken. Obwohl die ganze Familie hart arbeitet, sieht Eva Lorenz keine Möglichkeit, den Hof zu halten. Lena gerät darüber in Streit mit ihr, zumal Eva den Hof ausgerechnet an den einflussreichen Egon Huber verkaufen will.

Gleichzeitig muss sich die Hebamme entscheiden, ob sie zurück in die Klinik nach Berlin geht, und damit zurück zu Alex, ihrem Verlobten. Doch Lena ist vor Ort gefragt: Dr. Keller, Gynäkologe des örtlichen Kreiskrankenhauses, hält große Stücke auf sie. Gerade jetzt, braucht er sie für eine Hausgeburt auf einer Alm. Trotz ihrer Höhenangst setzt sich Lena in den Helikopter und zieht die Entbindung erfolgreich durch. Den Rückweg tritt sie allerdings lieber zu Fuß an.

Als sie endlich die Straße erreicht, muss sie einem Auto ausweichen. Kurz darauf kommt der Wagen von der Straße ab und stürzt einen Abhang hinab. Der Fahrer ist schwer verletzt. Lena leistet Erste Hilfe, doch der Mann stirbt später in der Notaufnahme.

Seine Frau Monika kommt zu spät. Sie hat eine kleine Tochter und ist zudem mit dem zweiten Kind schwanger. Von Lena will sie wissen, ob ihr Mann noch etwas gesagt hatte, bevor er das Bewusstsein verlor. Lena findet ihr Verhalten merkwürdig und das Kind, das sie wenig später mit Lenas Hilfe entbindet, will sie auch nicht behalten.

Unterdessen trifft Lena erneut auf Ersun. Der Lehrer mag ihre direkte Art und ihren Humor. Lena findet ihn auch sehr sympathisch, aber sie ist mit Alex verlobt. Und der taucht plötzlich auf dem Hof auf.

Die Rollenprofile

Lena Lorenz
(Patricia Aulitzky)

Sie kann ordentlich zupacken, ist schlagfertig und vor allem trinkfest: Lena Lorenz kann ihre bayerische Herkunft einfach nicht verleugnen. Verlobt ist sie mit Alex, einem ehrgeizigen Anwalt. Lena hat sich also etwas aufgebaut, und sie hat vor allem ihren Traumberuf ergriffen – dachte sie bis jetzt. Doch nun überkommen sie immer öfter Zweifel und privat bleibt kaum noch Zeit für die Beziehung. Kurz entschlossen fährt sie zurück in ihre alte Heimat nach Himmelsruh. Urlaub ist das natürlich nicht, denn auf dem Bauernhof ihrer Mutter muss sie gleich mit anpacken. Überhaupt fragt sich Lena, ob das mit Himmelsruh eine gute Idee war, denn es warten ganz schön viele Probleme auf einmal. Dennoch fühlt sie sich in den Bergen anders als in Berlin. Wenn Lena auf der Alm ihre Füße ins Gras streckt, wenn sie mal schnell zwischendurch in den See springt oder nachts, wenn sie nicht schlafen kann, im Stall die Wärme der Tiere aufsucht, dann spürt sie eine Sehnsucht nach ihrer alten Heimat, die vielleicht ihre neue werden könnte.

Eva Lorenz
(Eva Mattes)

Eva Lorenz hat es seit dem Tod ihres Mannes vor mehr als zehn Jahren geschafft, den Bauernhof über die Runden zu bringen. Nun aber kommen ihr immer öfter Zweifel, ob es noch lohnt, sich für den mickrigen Erwerb täglich von früh bis spät in den Abend aufzureiben. Sie spürt eine Sehnsucht – da ist sie ihrer Tochter durchaus ähnlich. Eva würde liebend gerne reisen, etwas von der Welt sehen. Doch die ständige Verpflichtung für die Tiere und für ihren Schwiegervater Leopold, zwingt sie zum Bleiben. Deswegen will sie den Hof verkaufen. Pech nur, dass ihre Tochter Lena just in diesem Moment auftaucht und von den Plänen ihrer Mutter gar nicht begeistert ist. Eva will sich nicht in ihre Art, wie sie die Dinge regelt, reinreden lassen. Ein Sturkopf ist sie, aber hartherzig ist sie keineswegs. Im Grunde freut sie sich ungemein, dass Lena wieder in Himmelsruh ist. Nur zeigen kann sie das eben nicht so gut.

Leopold Lorenz
(Fred Stillkrauth)

Lenas Großvater Leopold scheint der einzige zu sein, der sich über Lenas Ankunft auf dem Hof so richtig freut. Zumal der Bauernhof sein Leben und sein Lebenswerk ist. Das lässt er leider seine Schwiegertochter Eva nur allzu deutlich spüren. Doch auch wenn Leopold ordentlich grantelt, auf seine Lena lässt er nichts kommen. Seine Enkelin ist auch die einzige, die ihn tatsächlich zu einem Arztbesuch überreden kann. Denn immer öfter verlegt Leopold Gegenstände, vergisst Begriffe oder verliert die Orientierung. Seine beginnende Demenz ist für ihn ein schwerer Schlag. Aber nichts und niemand wird ihn von seinem Hof runter bringen.

Bastian
(Raban Bieling)

Bastian ist neu auf dem Lorenzhof. Er hat seine Ausbildung in einem landwirtschaftlichen Betrieb absolviert und will nun unbedingt Bauer werden. Etwas ungewöhnlich für einen jungen Mann, aber Glück für Eva und Leo, die die Arbeit auf dem Hof nicht alleine bewältigen könnten. Bastian ist eine Frohnatur, verblüffend offen und grundehrlich. Lena mag er sofort. Mit ihr ist das nochmal ein ganz anderer Hof. Bastian wünscht, dass Lena in Himmelsruh bleibt. Und er wünscht sich sehr, dass sein Freund Franz endlich zu ihm steht.

Ersun Hunal
(Bülent Sharif)

Ersun Hunal lebt seit einiger Zeit in Himmelsruh. Als Lehrer für Bio, Mathe und Sport hat er sich in kurzer Zeit gut eingelebt. Er arbeitet gerne mit Jugendlichen und er mag die Alpenlandschaft. Selbst die etwas eigenwilligen Menschen sind ganz sein Fall, zumal Ersun den nötigen Humor mitbringt, nicht jede grantige Äußerung persönlich zu nehmen. Die Leute hier sind direkt und das gefällt ihm. Vielleicht findet er auch Lena gerade deswegen interessant, weil sie selten etwas tut, nur um anderen zu gefallen. Ersun merkt: bei ihr muss er sich ins Zeug legen, wenn er ihre Aufmerksamkeit gewinnen will.

Alexander Meissner
(Marc Ben Puch)

Als Rechtsanwalt ist Alex beruflich sehr eingespannt. Er hat das Zeug für eine große Karriere, und die strebt er auch an. Dass aber dafür immer weniger Zeit für seine Beziehung bleibt, merkt Alex erst spät. Denn wenn er nicht arbeitet, amüsiert er sich gerne in Clubs und Bars, mit Freunden und Arbeitskollegen. Er liebt Berlin: alles ist hier und hier sind alle. Oder zumindest fast alle, denn irgendwann ist Lena weg, weil es ihr zu laut und zu hektisch wurde. Erst jetzt spürt er, dass er seinen eigenen Lebensplan überdenken muss.

Eine moderne Heimatserie

Statement von Produzentin Barbara Thielen

"Lena Lorenz" ist eine moderne Heimatserie, die sich mit den grundlegenden Fragen des Lebens beschäftigt: Wo gehöre ich hin? Welche Ziele habe ich im Leben? Habe ich diese erreicht oder muss ich umdenken und neu anfangen?

Die Suche nach der eigenen Heimat und die elementare Frage "Wo gehöre ich hin?" machen den großen Reiz dieser Reihe aus.

Wir erzählen dies nicht als pures Drama, sondern mit Leichtigkeit – eine besondere, aber auch eine besonders schöne Herausforderung.

"Lena Lorenz" erzählt vom Glück und von den Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, neues Leben in die Welt zu setzen. Vor allem aber erzählt die Reihe von Menschen – und dies über die Episoden hinweg – mit sich entwickelnden Konflikten, Freundschaften und Liebesgeschichten.

Neben einer episodischen Haupthandlung Figuren weiter zu erzählen, Konflikte aufzubauen und diese in all ihren Facetten erleben zu können, bringt ein besonderes Involvement, eine besondere Nähe zu dem Format mit sich.

Dass "Lena Lorenz" dazu noch in einer wunderschönen Berglandschaft spielt, kommt unserem Wunsch entgegen, eine Reihe zu schaffen, die durchaus eine realistische Basis hat, aber so erzählt ist, dass man sich auch gerne in die Welt der Lena Lorenz entführen lässt.

Dies ist nicht nur durch die Regie von Michael Kreindl gelungen, die es erlaubt, die Figuren emotional zu erleben, sondern dies gelingt auch durch das großartige Spiel von Patricia Aulitzky als Lena Lorenz, Eva Mattes als ihre Mutter Eva, Fred Stillkrauth als Opa Leo, Raban Bieling und Pablo Sprungala als das Paar Bastian und Franz, die Freundin Julia Liane Forestieri und der Haus und Hoffreund Schorschi, Sebastian Edbauer.

"Genau wie Lena stelle ich mir manchmal die Frage, wo ich hingehöre"

Interview mit Patricia Aulitzky

In Berlin ist Lena als Hebamme an viel Stress gewöhnt, und auch in den Alpen packt sie auf dem elterlichen Hof ordentlich mit an. Wie viel von Lena steckt in Ihnen?

Ich arbeite wahnsinnig gerne. Was mich mit der Rolle der Lena zudem verbindet, sind die Spontaneität und die Lust, Neues auszuprobieren. Im Gegensatz zu Lena brauche ich aber mehr Entspannung, denn ich habe gelernt, dass man aus der Entspannung heraus oftmals viel mehr schafft. Persönlich treibe ich daher viel Sport und meditiere, vorzugsweise in der Natur. Ich glaube auch, dass ich mehr gereist bin als meine Figur. Ich habe in Wien, Los Angeles und London studiert, lebe in Berlin und meine Familie ist in der ganzen Welt verstreut. Da stelle ich mir genau wie Lena manchmal die Frage, wo ich eigentlich hingehöre, in welcher Welt ich lebe und leben will. Was uns außerdem verbindet, ist sicherlich unsere Leidenschaft zum Beruf. Wir beide üben diesen nicht in erster Linie des Geldes wegen aus, sondern weil er für uns Berufung ist.

Ihre Figur ist sehr vielschichtig. Sie trifft eine spontane, aber bewusste Entscheidung und ändert damit von heute auf morgen ihr ganzes Leben: Was hat für Sie den Reiz an Ihrer Rolle und dem Format ausgemacht?

Ich mochte den Charakter von Lena auf Anhieb, ihren Humor, ihre Natürlichkeit und Begeisterungsfähigkeit, aber auch ihre Empathie und Direktheit gegenüber anderen. Sie ist ein äußerst charismatischer Mensch, der die Dinge anpackt, aber auch ein Bauchmensch und ein Fluchttier. Sie ist anfangs in Berlin in ihrer Beziehung zu Alexander und mit ihrer Stelle im Krankenhaus nicht besonders glücklich. Bei der Vorbereitung auf die Rolle stellte sich da also auch die Frage, wie weit man sich eigentlich von seinen Idealen abbringen lässt, von seinen Vorstellungen und Wünschen, wie eine Beziehung und ein Job sein sollen. Ab wann geht man zu viele Kompromisse ein? Welche Konsequenzen hat das? Neben all den zwischenmenschlichen Beziehungen und Strukturen stellt "Lena Lorenz" Kernfragen wie "Wo gehöre ich hin?", "Was bedeutet für mich Heimat?". Diese inneren Konflikte machen Lena als Figur so vielschichtig und spannend und die Themen so universell. Das ist auch das Wunderbare an diesem neuen Format. Der Zuschauer begleitet die Protagonistin in einer kritischen Lebensphase und kann ihr folgen oder ihr Handeln hinterfragen. Ich bin sehr gespannt.

In Zentrum steht auch die große Frage "Wo kann ich glücklich sein"? Glauben Sie, die Reihe trifft mit der Darstellung der ländlichen Welt als echte Lebensalternative zur Großstadt einen Nerv unserer Zeit?

Das kommt natürlich ganz darauf an, wo jeder sein persönliches Glück sucht, sieht und fühlt. Das Landleben kann auf jeden Fall ein Ausgleich zum Lärm und Hektik der Großstadt sein – und genau das suchen ja auch viele. Aber auch hier gilt wie immer die Devise: Take whatever is good for you! Ich glaube auch, dass viele Menschen ein völlig verklärtes Bild vom Dorfleben haben. Meine Schwester lebt beispielsweise auf einem richtigen Bauernhof mit allem Drum und Dran. Da habe ich früher oft auf den Feldern geholfen. Es ist wirklich knallharte Arbeit, einen Bauernhof zu führen und zu erhalten. Die Kühe kennen kein Wochenende, man kann nicht einfach Urlaub nehmen und auch das Dorfleben ist nicht immer nur idyllisch, wie sich das viele vorstellen. Es ist etwas völlig anderes als ein Wochenende in den Bergen zu verbringen. Die Figur Lena ist ja so aufgewachsen, sie kennt das, aber für richtige Stadtmenschen kann das Landleben auch ein Schock sein.

Wie war die Zusammenarbeit mit Eva Mattes und Fred Stillkrauth?

Ich bin froh, dass ich mit so erfahrenen und starken Schauspielern zusammenarbeiten durfte. Es ist wie im Sport: Mit guten Tennisspielern spielt man besser Tennis. Lena kehrt ja nicht nur in ihr Dorf zurück, sondern auch in familiäre Strukturen, die eventuell neu definiert werden müssen. Das allein erzeugt schon Reibung. Und dann auch noch die Frage: Wird so eine Rückkehr als lang ersehnte Heimkehr oder als "Die hat‘s woanders eben doch nicht geschafft" gesehen. Wie geht man damit um? Muss man sich neu beweisen? Wem gegenüber? Es hat großen Spaß gemacht, mich mit Eva Mattes und Fred Stillkrauth in dieses Beziehungsgeflecht einzuarbeiten, in dem weder ernste Zwischentöne noch komische Momente zu kurz kommen. Aber wir waren auch insgesamt ein wirklich tolles Team und hatten – trotz der vielen stressigen Drehtage – alle viel Spaß zusammen.

Bülent Sharif fühlt sich als Ersun schnell zu Lena hingezogen, Marc Ben Puch spielt Lenas Freund Alexander in Berlin und Raban Bieling ist Bastian, der Hofangestellte. Was waren Ihre schönsten gemeinsamen Szenen?

Da gab es einige, auch sehr kalte, als ich zum Beispiel bei zehn Grad in einen Bergsee springen musste und Sommer dabei gespielt habe. Als "lustige" Anekdote bleibt mir eine Liebesszene im Gedächtnis. Selbst nach all den Jahren ist es für mich immer noch merkwürdig, wenn man den Drehpartner noch nicht so gut kennt, aber plötzlich für eine gemeinsame Szene zusammen im Bett liegt – mit 30 Leuten um einen herum. Aber das ist natürlich Teil unseres Berufs und ich glaube, wir haben das gut hinbekommen. Wenn es beim Zuschauer knistert, haben wir unser Ziel erreicht.

Um die Rolle der Hebamme authentisch zu verkörpern, mussten Sie wichtige Routinehandgriffe lernen. Gab es daneben noch besondere Aufgaben oder Herausforderungen, die Sie für den Dreh meistern mussten?

Ich war sehr dankbar, dass wir beim Dreh echte Hebammen vor Ort hatten, die mir die Handgriffe zeigen konnten, ganz besonders bei den Geburtsszenen. Allein das Wissen, dass Profis mit an Bord sind, die mir jederzeit wichtige Tipps geben konnten, hat mich sehr beruhigt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, noch mehr Zeit auf der Hebammenstation oder mit einer freien Hebamme zu verbringen, da dieser Beruf mir, wie gesagt, nicht sehr nahe liegt. Der Job als Hebamme wäre aber für mich persönlich nichts: Überall das Blut, die Gerätschaften, die Schmerzen der Frauen, die nervösen Väter – allein das Spielen mit den Dummys hat mich ehrlich gesagt schon viel Überwindung gekostet. Umso größer ist meine Achtung vor den Hebammen, die täglich diesen kräfte- und nervenzehrenden Job machen. Ich bin im Übrigen auch nicht die beste Autofahrerin, deshalb hatte ich ziemlich viel Respekt vorm Traktorfahren. So ein Trecker ist ja ziemlich groß und hin und wieder gab‘s auch ein paar Hupfer. Traktorfahren ist ein Riesenspaß! Vielleicht setzt mich ja meine Schwester diesen Sommer gleich als Traktorfahrerin auf ihrem Hof ein (lacht).

Das Berchtesgadener Land bildet die so friedliche wie beeindruckende Kulisse von "Lena Lorenz". Wie ist für Sie als Salzburgerin das Verhältnis zur Bergwelt?

Ich wurde zwar in Salzburg geboren, habe aber viele Jahre in einem Tiroler Dorf auf 1.000 Metern Höhe gelebt. Die Natur und die Berge sind die Auflade-Stationen für meine Batterien. Während der Dreharbeiten war ich in der Gegend um Ramsau öfter auf Hüttentouren unterwegs, und wenn ich kann, gehe ich im Winter sehr gern Skitouren. Persönlich brauche ich aber auch die Großstadt als Gegensatz, diesen Schmelztiegel mit verschiedensten Menschen und Kulturen, Ausstellungen und Konzerten, Theater. All das gibt mir Input. Ich brauche das wie eine Pflanze Wasser braucht. Gott sei Dank bin ich in der glücklichen Situation, dass ich nicht wählen muss. So sehr ich die Natur liebe, aber ein Leben als Bäuerin ganz in einem Dorf könnte ich mir nicht vorstellen.

Das Interview führten Simone Bachofner und Franziska Weck

"Ich habe tatsächlich noch nie eine Kuh von Angesicht zu Angesicht gesehen"

Weitere Statements der Schauspieler

Eva Mattes:

Am meisten hat mich gereizt, mal wieder bayerischen Dialekt zu sprechen und eine eher spröde, kantige Bäuerin zu spielen. Auch dass ich mich selbst gerade nicht wiederfinde in einer Rolle, das mochte ich.

Der Kuhstall war eine Herausforderung, obwohl ich den Kühen zum Glück nicht wirklich nahekommen musste.

Die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen war besonders herzlich. Mit Fred Stillkrauth zum Beispiel habe ich im Alter von 16 Jahren in München Theater gespielt, und ihn erst jetzt bei diesem Dreh wieder getroffen. Ein Fest!

Raban Bieling:

An der Rolle hat mich persönlich gereizt, dass sie mir anfangs fremd erschien. Ich weiß zwar (ein wenig), wie es ist, auf dem Land zu sein, jedoch habe ich mich nie wirklich mit dem damit verbundenen Leben beschäftigt. Deshalb schätze ich, dass der Stallbursche, wie er im Skript stand, ein wenig von meiner eigenen Welt auf dem Land abbekommen hat. Ich würde mich allerdings nicht selber darin wiederfinden, sondern eher hat die Rolle im Drehbuch gezeigt, was Bastian selbst tut, und das habe ich gepaart mit Charakterzügen von mir.

Ich denke, meine persönlich größte Herausforderung war das Bayrisch. Es ist schwierig, selbst wenn man aus Bayern kommt, ein sauberes und nicht zu sehr imitiertes Bayrisch zu sprechen. Das Schöne ist jedoch, wenn man beim Dreh dann unter Menschen ist, die zum Großteil bayerisch sprechen (teilweise auch das Team, aber vor allem die Schauspieler), dann kann es mehr oder weniger in die bairische "Mündlichkeit" am Set mit einfließen.

Ich hatte das große Privileg, mit Schauspielern zu spielen und einem Team drehen zu dürfen, die weit mehr Erfahrung und einen bestimmten professionellen Umgang mit dem Schauspiel und dem Dreh besitzen. Das nimmt jemandem wie mir die Aufregung vor dem Dreh. Aus demselben Grund fühlte sich die Arbeit am Set sehr gut und vor allem nahe an, weil man das Gefühl hatte, dass alle zusammenspielten, um ein tolles Ergebnis zu bekommen.

Bülent Sharif:

Als Erstes inspirierte mich der Drehort: die Berge, die Natur und die wundervolle Aussicht. Ersun ist ein charmanter, gebildeter, aber auch geheimnisvoller Mann, der sich verliebt, aber es erst nicht zeigen kann. Ich finde mich in seiner freundlichen, charmanten und teilweise zurückhaltenden, frechen Art wieder.

Da ich ein typisches Stadtkind bin, war es schon eine Herausforderung für mich, mit den Kühen umzugehen. Ich habe schon Löwen, Alligatoren, Echsen und Elefanten in freier Natur gesehen, aber tatsächlich noch nie eine Kuh von Angesicht zu Angesicht. Ich war sehr überrascht, wie samtig die Nasen und wie rau die Zungen der Kühe sind.

Die Zusammenarbeit war sehr gut! Wir waren ein dynamisches, harmonisches Team mit allen Altersgruppen. Wir hatten so viel Spaß, sodass es eigentlich keine Arbeit im herkömmlichen Sinne war. Die Konstellationen der Schauspieler und Charaktere war frisch und ausgeglichen. Durch den Dreh habe ich wieder neue liebe Freunde gefunden.

Liane Forestieri:

Mich hat es besonders gereizt, dass meine Figur im Drehbuch ständig gegen Lena war und sie auch ständig abblitzen ließ. Es war sehr spannend herauszufinden, was Julia mit Lena passiert ist, was sie so handeln lässt? Die Herausforderung war, die Figur nicht nur zickig werden zu lassen, sondern die Momente zu finden, in denen noch die Geschichte zwischen den beiden spürbar ist. So etwas lässt sich ja nicht im Drehbuch nachlesen.

Mit Patricia hat es mir sehr viel Spaß gemacht und es fiel mir ehrlich gesagt oft schwer, ihr in "Lena Lorenz" eine Abfuhr zu geben. Ich freue mich, wenn es mit uns "weitergeht". Auch meine Begegnungen mit den anderen Schauspielern waren super! Es sind alles wirklich tolle Typen, wie ich finde, und unser Drehort war ein kleines Dorf – dort ließ es sich mehr als gut aushalten.

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