Papst Franziskus kämpft für eine Kirche der Armen und eine Reform der Kurie. Foto: ZDF/Claudio Peri
Papst Franziskus kämpft für eine Kirche der Armen und eine Reform der Kurie. Foto: ZDF/Claudio Peri

Mensch Franziskus!

Der unberechenbare Papst

Seit dem 13. März 2013 steht er an der Spitze der römisch-katholischen Kirche: Was hat Papst Franziskus, der erste Lateinamerikaner in diesem Amt, in den ersten fünf Jahren seines Pontifikats bewegt? Die "ZDFzeit"-Dokumentation "Mensch Franziskus!" blickt am Jubiläumstag, am Dienstag, 13. März 2018, 20.15 Uhr, auf die bisherige Bilanz des "unberechenbaren Papstes". Familie, Vertraute und Gegner lassen in dem Film von Michael Strompen den Menschen Jorge Mario Bergoglio hinter dem Amt des Papstes aufscheinen.

  • ZDF, Dienstag, 13. März 2018, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Dienstag, 13. März 2018

Texte

Sendetermin und Stab

Dienstag, 13. März 2018, 20.15 Uhr, ZDF

ZDFzeit: Mensch Franziskus!
Der unberechenbare Papst

Film von Michael Strompen

Kamera: Michele Parente, Stefan Radke
Schnitt: Wolfgang Daut
Produktion: ZDF
Fachberatung: Jürgen Erbacher, ZDF-Redaktion Kirche und Leben/katholisch
Redaktion: Martina Schindelka
Leitung der Sendung: Ursula Schmidt
Länge: ca. 45 Minuten

Mensch Franziskus! Der unberechenbare Papst

Er ist bekennender Fußballfan und gelernter Chemietechniker. Er liebte einst den Tango – und wohl eine junge Frau. Vor fünf Jahren wurde er zum Papst gewählt. Seither hat Franziskus vieles anders gemacht als seine Vorgänger: keine roten Schuhe, kein Appartement im Papstpalast, dafür Gesten der Demut und Bescheidenheit. Ein Pontifex, der viele begeistert – und manche im Vatikan entsetzt.

Schon bei seinem ersten Auftritt versetzte der neu gewählte Papst Franziskus die Welt in Erstaunen. Statt in prunkvollen Gewändern trat er in einer schlichten weißen Soutane auf den Balkon des Petersdoms: für Traditionalisten eine Missachtung der päpstlichen Würde. Für viele Reformer innerhalb der Kirche ein Zeichen der Hoffnung. Auch bei vielen Gläubigen genoss der Papst bald Kultstatus.

Franziskus wurde Papst in einer Zeit des Umbruchs: Skandale um Missbrauch und Korruption erschütterten den Vatikan. Der katholischen Kirche liefen die Mitglieder in Scharen davon. Alle Hoffnungen ruhten deshalb auf dem Neuen aus Lateinamerika. Er soll in Rom den "Saustall aufräumen", so eine Anhängerin gegenüber "ZDFzeit".

Fulminanter Start

Papst Franziskus legte einen fulminanten Start hin. Er kritisierte die eigene Kurie scharf. Er ging hart gegen Geldwäsche und Korruptionsfälle in der Vatikanbank vor. Er tauschte Führungspersonal im Vatikan aus. Damit hat er sich nicht nur Freunde geschaffen. "Er hat viele kompetente Leute entlassen und Chaos verursacht", erzählt ein Insider. Plötzlich kamen die ersten Kritiker aus der Deckung: Besitzt der Erzbischof vom anderen Ende der Welt überhaupt die Fähigkeit, die Kurie und die Weltkirche zu reformieren?

Kampf gegen sexuellen Missbrauch

Wie schwierig es ist, etwas zu verändern, merkte Franziskus nicht zuletzt im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. "ZDFzeit" trifft den Schweizer Daniel Pittet, der als Kind von einem Priester über Jahre hinweg vergewaltigt wurde – ein Fall unter vielen weltweit. Der Papst fand tröstende Worte. Aber die Aufarbeitung insgesamt stockt, weil die Kurie nicht mitzieht.

Die Mehrheit der Bischöfe verweigerte dem Papst die Gefolgschaft, als er Homosexuelle anerkennen wollte. Offene Opposition gab es beim Vorstoß des Papstes, wiederverheirateten Geschiedenen den Empfang der Kommunion zu erlauben. Wie viel Modernisierung lässt die traditionsreiche konservative Weltkirche überhaupt zu?

Bei den Ärmsten der Armen

Franziskus lässt sich nicht beirren. Immer wieder besucht er Flüchtlinge. Er trifft Verbrecher in Gefängnissen und reist zu den Ärmsten der Armen. Er wird nicht müde, die Profitgier der Wirtschaft zu geißeln. Bergoglio: "Das Geld muss uns dienen, es darf nicht regieren."

Der Lebenslauf

Der Papst – ein Radikaler? Als Spätberufener legte Jorge Mario Bergoglio eine steile Karriere bei den Jesuiten hin. Mit Mitte 30 stand er an der Spitze des mächtigsten katholischen Männerordens in ganz Argentinien. Bergoglio galt damals als autoritär und arrogant. Bis heute ist seine Rolle in der Militärdiktatur der 70er Jahre nicht restlos geklärt.

Mit Anfang 50 hielt Bergoglio inne. Er zog sich nach Boppard am Rhein zurück, um seinen Weg zu überdenken. Zurück in Argentinien, schien es mit der Karriere vorbei zu sein. Doch es kam anders: 2013 wurde er völlig unerwartet als erster Lateinamerikaner an die Spitze der katholischen Kirche gewählt – da war Bergoglio schon 76 Jahre alt.

Die Wirkung

Als Papst begeistert der Argentinier die Gläubigen. Zu seinen Messen kommen die Menschen zu Tausenden. Doch nach fünf Jahren Pontifikat beginnt der Zauber des Anfangs zu verblassen. Seine Gegner sind zahlreich – und sie sind mächtig. "In den letzten 100 Jahren hat es nie einen solchen Widerstand gegen den Papst gegeben", so Vatikan-Experte Marco Politi gegenüber "ZDFzeit".

"ZDFzeit" zieht Bilanz: Was hat Papst Franziskus bisher erreicht? Wie viel Zeit bleibt dem 81-Jährigen noch? Kann er seinen Feinden trotzen? Familie, Vertraute und Gegner lassen den Menschen Jorge Mario Bergoglio hinter dem Amt des Papstes aufscheinen.

Statements aus der "ZDFzeit"-Dokumentation

"Er hat ja nie reich gelebt oder im Luxus gelebt oder mit großen theatralischen Symbolen gelebt – und so wollte er auch als Papst weiterleben. Das finde ich eine freie und sehr souveräne Entscheidung."

Kardinal Reinhard Marx

 

"Er selbst beschreibt seine Kindheit als glücklich, in einer gut strukturierten Familie. Was ihn prägte, war die Tatsache, dass seine Familie sehr nüchtern war."

Francesca Ambroghetti, Journalistin, Bergoglio-Biografin

 

"Kardinal Müller ist in die Audienz mit dem Papst gekommen. Er dachte, er müsste über ganz normale Angelegenheiten sprechen. Und plötzlich hat ihm am Ende der Audienz der Papst gesagt: 'So, Sie können gehen. Und die nächsten fünf Jahre sind sie nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation.' Ich glaube, das zeigt auch eine gewisse Härte.

Marco Politi, Vatikan-Experte

 

"Die Grundverfassung der Kirche ist uns ja vorgegeben von Christus und den Aposteln, und der Papst kann viel weniger als manche sich das vielleicht vorstellen."

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

 

"Mir persönlich wäre ein weniger politischer Papst auch lieber, weil ich immer die große Befürchtung habe, dass man, wenn man sich in Tagespolitik begibt, dass man schnell betriebsblind wird und zu schnell für die eine oder andere Seite Partei ergreift und das womöglich später bereut."

Gloria von Thurn und Taxis

 

"Eine Revolution kommt nicht nur durch einen. Sie kommt durch einen, der eine Idee hat und bei der andere dann mitmachen. Es kommt tatsächlich darauf an, ob das Programm Franziskus funktioniert. Ob dieser Papst tatsächlich eine Wirkungsgeschichte hat, liegt nicht an ihm, sondern es liegt an denen, die jetzt entscheiden müssen, ob sie diesen Weg mitgehen wollen oder nicht."

Johanna Rahner, Theologie-Professorin an der Universität Tübingen

Infos zur "ZDFzeit"

Auf dem Sendeplatz "ZDFzeit" sind am Dienstag um 20.15 Uhr große Primetime-Dokumentationen zu sehen. Neben investigativen, politischen und historischen Filmen werden dort auch verbrauchernahe Themen präsentiert. Hinzu kommen informative Einblicke in die Geheimnisse von Staatsmännern wie in "Mensch Putin!", "Mensch Schröder!", "Mensch Erdogan!" oder zuletzt "Mensch Trump!" (Erstsendung: 7.11.2017) und "Mensch Macron!" (Erstsendung: 28.11.2017).

"ZDFzeit" bietet seit Januar 2012 jährlich rund 35 Produktionen auf dem Sendeplatz am Dienstagabend.    

Die "ZDFzeit"-Redaktion leitet seit dem 1. Oktober 2015 Ursula Schmidt. 

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/zdfzeit  

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