Terra X: Alexander der Große

Zweiteilige Dokumentation

Er gilt als der Vorzeige-Weltherrscher der Geschichte: Kein Superlativ scheint dem Makedonenkönig gerecht zu werden, um seine charismatische Persönlichkeit, seine Kunst in der Kriegsführung oder seine Vision von einem friedlichen, multikulturellen Imperium zu beschreiben. Als Kriegsherr ist Alexander schon zu Lebzeiten eine Legende, zum Mythos aber erhebt ihn erst die Nachwelt die historische Figur dahinter ist über die Zeit fast völlig verschwunden. Die zweiteilige "Terra X"-Reihe arbeitet Schlüsselereignisse heraus, die verdeutlichen, wie der Königssohn aus dem entlegenen Norden Griechenlands zum ersten europäischen Weltherrscher wurde.

  • ZDF, Sonntag, 26. Oktober und 2. November 2014, 19.30 Uhr

    Texte

    Alexander der Große - wie er wurde, was er war

    Vorwort von "Terra X"-Redaktionsleiter Georg Graffe

    Nennt man Alexander zu Recht "den Großen"? Es waren die Römer, die ihm diesen Ehrentitel verliehen, dem bewunderten Feldherrn und Eroberer, in dem die spätere Weltmacht ihre eigenen Ambitionen schon vorweggenommen sah. Aus heutiger Sicht stößt Alexanders Kriegsruhm eher auf Kopfschütteln und Unverständnis. Seine Kritiker haben vor Augen, dass der ehrgeizige Feldherr einen blutigen und nicht enden wollenden Feldzug geführt hat, um seine Vision von der "Herrschaft über die Welt" in die Tat umzusetzen. Es gibt allerdings auch eine andere Lesart: das Tun und Lassen des Makedonenkönigs in den geschichtlichen Zusammenhang der Antike einzuordnen. Nur so kann man verstehen, welchen Gesetzen und Umständen sein Handeln unterworfen war. Das Alexander-Bild, das daraus entsteht, ist weitaus versöhnlicher. Und es präsentiert eine Reihe von Gründen, warum Alexander den Beinamen "der Große" vielleicht zu Recht trägt.

    Über Alexanders frühe Jahre ist nicht viel bekannt. Trotzdem haben wir die erste Folge des Zweiteilers ausschließlich seiner Kindheit und Jugend gewidmet. Im Abgleich mit dem damaligen Zeitgeist liefern selbst die wenigen Fakten ausreichende Informationen über den heranwachsenden Thronfolger. Zwei Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle: Da ist zum einen der Ehrgeiz des aufstrebenden Königreichs Makedonien. Die feinen Griechen schauen auf das Nachbarland im Norden herab, die Makedonen gelten als Hinterwäldler, ihr König als unkultivierter, neureicher Emporkömmling. Umso mehr sehnen sich die Eliten des Landes nach Anerkennung durch eine alte Kulturmetropole wie etwa Athen. Alexanders Vater scheut keine Kosten und Mühen, für seinen Sohn die besten griechischen Lehrer seiner Zeit zu engagieren. Alexander ist Philipps Kapital, um aus Makedonien einen "modernen" griechischen Staat zu formen, der alles andere in den Schatten stellt.

    Der zweite Faktor fällt unter das Stichwort "Stammbaumfiktion": Der Junge wächst in dem Bewusstsein auf, von göttlicher Abstammung zu sein. Das gehört zwar zum damaligen Selbstverständnis einer Königsdynastie, Alexander scheint aber besonders fest daran zu glauben. Als direkter Nachfahre von Zeus besitze er besondere Fähigkeiten, die ihn aus der Masse herausheben. Und nicht zuletzt sind da seine Gefährten, alles junge Männer aus dem Hochadel mit derselben Ausbildung. Von Anfang an bilden sie seine Entourage und unterstützen ihn mit wenigen Ausnahmen bis zum Ende vorbehaltlos. Alexander ist also in jeder Hinsicht bestens gerüstet und voller Ehrgeiz, die Hoffnungen des Königshofes zu erfüllen.

    Dass Alexander einmal als Welteroberer in die Geschichte eingehen würde, damit hat aber zunächst keiner gerechnet. Und genau da liegt der Punkt, an dem sich Alexanders Größe messen lässt. Denn der Makedone übertrifft alle Erwartungen der damaligen Zeit. Alexander gehört zu dem Typ "Erfolgsmensch", der sein Ziel mit jedem ihm zur Verfügung stehenden Mittel zu erreichen sucht. Immer der Beste zu sein, auch besser als sein Vorbild, der mythische Held Achill, ist die Triebfeder seines Tuns. Und der junge Kronprinz hat Erfolg. Mit 16 Jahren wird er Mitregent, gewinnt seine erste Schlacht und gründet die erste von mindestens zehn Städten, die seinen Namen tragen. Und nach dem Tod des Vaters gelingt es ihm mit Diplomatie und Härte, den Korinthischen Bund zu erneuern.

    Als er die griechischen Kolonien in der heutigen Türkei von der persischen Herrschaft befreit, zeigt er erneut, zu was er fähig ist: Er kehrt nicht, wie mit den Bündnispartnern verabredet, in die Heimat zurück, sondern zieht einfach weiter. Ohne Auftrag und mit schlecht gefüllter Kriegskasse dringt er ins Kernland der übermächtigen Perser vor, um das riesige Reich für Griechenland zu sichern. Auf dem Weg dorthin beweist er sich nicht nur als siegreicher Feldherr, sondern auch als geschickter Regent. Er erkennt schnell, dass das Perserreich bei weitem nicht so stabil ist, wie immer angenommen. Er kann als Befreier auftreten, er betreibt aktive Siedlungs- und Hochzeitspolitik, verteilt großzügig Gelder, schützt bestehende Verwaltungen, erklärt die Demokratie und gibt sich als Kosmopolit.

    Sein Vorwärtsdrang führt auch dazu, dass sich die griechische Kultur in den gesamten Orient und nach Indien verbreitet. Griechisch zu sprechen ist plötzlich chic. Zudem legt Alexander über 23 000 Kilometer in zehn Jahren zurück – eine Leistung, die im Altertum ohne Beispiel ist. Ebenso wie die Logistik für seine rund 37 000 Mann starke Armee, zu der auch Frauen, Kinder, Ingenieure, Biografen und Wissenschaftler gehören. All das bewundern seine Zeitgenossen ebenso wie die Nachwelt. In der Antike gibt es einfach niemanden, der die damalige Welt so verändert hat wie Alexander der Große. Deshalb ist der Makedone eine Ausnahmeerscheinung – zumindest aus historischer Perspektive. Das gilt auch für seine Vision von einem multikulturellen Weltreich, in dem die unterschiedlichen Völker friedlich miteinander leben. Sein früher Tod hat den Plan vereitelt, das Reich zerfällt. Heute ist das ehemalige Alexanderimperium zwischen Levante und Hindukusch eine von Krieg und Bürgerkrieg zerrissene Region, die täglich die Schlagzeilen der Weltpresse beherrscht. Und so ist unser Thema auf tragische Weise nach über 2000 Jahren hochaktuell.

    Einführung, Stab, Besetzung

    Alexander der Große gilt als der Vorzeige-Weltherrscher der Geschichte. Kein Superlativ scheint dem jungen Makedonenkönig gerecht zu werden, wenn es darum geht, seine charismatische Persönlichkeit, seine Kunst in der Kriegsführung oder seine Vision von einem friedlichen, multikulturellen Imperium zu beschreiben. In nur elf Jahren erobert er ein Gebiet, das sich von Griechenland über den Orient hinaus bis nach Indien erstreckt. 19 Staaten, drei Kontinente und unzählige Volksgruppen unterwirft er in einem einzigen gigantischen Feldzug.

    Als todesmutiger Kriegsherr ist Alexander schon zu Lebzeiten eine Legende, dafür hat er höchstpersönlich gesorgt. Zum Mythos aber erhebt ihn erst die Nachwelt. Kurz nach Alexanders Tod setzt eine Verklärung ein, hinter der die historische Figur über die Jahrhunderte fast vollständig verschwunden ist. In der zweiteiligen "Terra X"-Reihe stehen Schlüsselereignisse im Leben Alexanders im Vordergrund, die deutlich machen, wie der 20-jährige Königssohn aus dem entlegenen Norden Griechenlands zum ersten europäischen Weltherrscher wurde.

    Stab

    Buch: Martin Carazo Mendez
    Szenenregie: Christian Twente                                                        
    Dokuregie: Martin Carazo Mendez
    Kamera: Martin Christ, Jörg Adams, Torbjörn Karvang, Marc Riemer, Panagiotis Costoglou                                        
    Ton: Atanas Peichev                                               
    Sounddesign: DIE BASISberlin
    Schnitt: Ramin Sabeti
    CGI: Faber Courtial
    Musik: Paul Rabiger
    Sprecher: Torsten Michaelis
    Szenenbild: Antonello Rubino
    Ausstattung: Paolo Faenzi
    Kostümbild: Boriana Stefanova
    Maske: Valentin Valov
    Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Alexander Demandt
    Produktionsleitung Gruppe 5: Nadine Klemens                 
    Produktionsleitung ZDF: Claudia Comprix
    Produzent: Uwe Kersken
    Redaktion ARTE: Peter Allenbacher
    Redaktion ZDF: Claudia Moroni
    Leitung der Sendung: Georg Graffe

    Eine Produktion von Gruppe 5 Filmproduktion, Köln, im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE und Koproduktion mit ORF.

    Besetzung

    Alexander: David Schuetter
    Alexander (jung): Vladi Georgiev
    Hephaistion: Sascha Tschorn
    Olympias: Teodora Duhovnikova
    Philipp: Andrey Slabakov
    Aristoteles: Stoyan Alexiev

    Folge 1: Alexander der Große Auf dem Weg zur Macht

    Samstag, 25. Oktober 2014, 20.15 Uhr, ARTE (90-minütige Fassung)
    Sonntag, 26. Oktober 2014, 19.30 Uhr, ZDF

    Die erste Folge beschäftigt sich mit den frühen Jahren des Welteroberers. Auf der Basis moderner Geschichtsforschung beleuchtet der Film "Auf dem Weg zur Macht" die Verhältnisse am makedonischen Hof und in Griechenland, stellt die wichtigsten Ereignisse und Menschen im Leben von Alexander vor und erzählt, welchen Einfluss sie auf seine weitere Entwicklung genommen haben.

    Als Alexander im Juli 356 vor Christus geboren wird, gilt Makedonien nicht gerade als zukunftsweisendes Königreich. Während die Griechen im Mutterland schon längst die Demokratie ausgerufen haben, spielt Alexanders Vater Philipp noch immer den Alleinherrscher. Die Makedonen gelten als Außenseiter, werden angefeindet und als Barbaren beschimpft. Doch Philipp hat entscheidende Vorteile: Er ist der reichste Grieche seiner Zeit und besitzt das stärkste Heer im Land. Seit Jahren kämpft er an allen Fronten, um seine Macht auszubauen. Philipp plant in die Zukunft. Dafür braucht er einen geeigneten Thronfolger. Die Rolle soll Alexander übernehmen. Zwar wächst der Junge wohlbehütet und sorgenfrei auf, doch die Erwartungen an ihn sind hoch. Vor allem vom Vater, der ihn mit strenger Hand zum Krieger erziehen will. Alexander kann ihm nichts recht machen. Auf der anderen Seite steht seine Mutter Olympias – eine "Helikopter-Mutter", die all ihr Tun auf den Sohn ausrichtet. Nicht ganz selbstlos, wie es aussieht. Denn nur solange Alexander als Kronprinz gehandelt wird, ist auch ihre eigene Stellung am Hof gesichert. Sie ist es, die Alexander in dem Glauben erzieht, er stamme nicht von den Halbgöttern Herakles oder Perseus ab, wie Philipp behauptet, sondern von Göttervater Zeus persönlich.

    Stammbaumfiktion ist in der Antike nichts Besonderes. Auch Alexander verinnerlicht seine gottgleiche Abstammung, sein Vorbild aber ist und bleibt bis zum Lebensende der mythische Achill aus der Ilias. Der Philosoph und Universalgelehrte Aristoteles – bei seiner Berufung nach Makedonien eher umstritten als berühmt – bringt ihm die dramatische Geschichte über den Kriegshelden im Kampf um Troja nahe. Aristoteles ist Lehrer und enger Vertrauter des wissbegierigen Jungen. Er erklärt ihm, was die Demokratie der Athener bedeutet, fördert Alexanders naturwissenschaftliches Interesse ebenso wie seine Gabe, strategisch zu denken und Mut von Leichtsinn zu unterscheiden. Die vielleicht wichtigste Person in Alexanders Leben aber ist Hephaistion, sein treuer Weggefährte aus Kindertagen. Die beiden gehen durch dick und dünn, kämpfen Seite an Seite, träumen vom Heldentod auf dem Schlachtfeld. Ihre Freundschaft hält lebenslang. Und dann gibt es noch Bukephalos, das berühmteste Pferd der Antike und Alexanders heiß geliebtes Streitross. Die Zähmung des wilden Hengstes ist vermutlich nicht mehr als eine Legende. Sie enthält aber eine wichtige Botschaft an die Nachwelt: Schon mit 13 Jahren ist der junge Makedone bereit zu herrschen. Der erste Schritt ist getan, um aus dem Schatten des Vaters herauszutreten.

    Fünf Jahre später beweist Alexander, inzwischen zum Mitregenten erhoben, seine Entschlossenheit als Feldherr im Kampf gegen Athen und Theben. Er führt den entscheidenden Angriff an und beendet ihn mit dem Sieg. Den Makedonen beschert er damit die Vormachtstellung über das Mutterland und festigt seine Schlüsselposition in der königlichen Reiterei. Von da an scheint seiner Karriere nichts mehr im Weg zu stehen. Auch der nächste Gegner steht schon fest. Der persische Erzfeind soll endgültig in die Schranken gewiesen werden. Doch zuvor kommt es zum Bruch zwischen Alexander und seinem Vater, der Königssohn flieht ins Exil. Als Philipp von einem Attentäter ermordet wird, ist der Thron für Alexander frei. Sofort lässt der neue Herrscher potentielle Mitkonkurrenten aus dem Weg räumen. Auch innenpolitisch greift er hart durch, um die Kontrolle über Griechenland zu sichern. Als sich die Thebaner gegen Alexander stellen, brennt er ihre Stadt nieder. Den Griechen bleibt keine andere Wahl, als den Makedonenkönig als militärische Führungsmacht anzuerkennen. In ihrem Auftrag plant der inzwischen 20-Jährige den Rachefeldzug gegen die Perser. Die Mission steht unter keinem guten Stern: Rund 37 000 Soldaten und Zivilisten müssen organisiert, ausgerüstet und über die ganze Zeit versorgt werden, die Kriegskasse ist jedoch so gut wie leer. Das Risiko, auf fremdem Terrain von dem übermächtigen Gegner geschlagen zu werden, ist hoch. Vom Gelingen des Feldzugs aber hängt die Zukunft Griechenlands ab. Alexander zögert nicht und setzt alles auf eine Karte.

    Folge 2: Alexander der Große Bis ans Ende der Welt

    Sonntag, 2. November 2014, 19.30 Uhr

    Im Zentrum der zweiten Folge steht Alexanders gigantischer Eroberungszug. Er führt ihn durch Kleinasien, Ägypten, Persien und Pakistan bis nach Indien – ans Ende der damals bekannten Welt. Scheinbar mühelos hat der Makedone innerhalb von elf Jahren das größte Imperium der Antike geschaffen. Nach seinem frühen Tod im Jahr 323 vor Christus zerfällt das Alexanderreich binnen kürzester Zeit. Die imperiale Idee aber prägt die weitere Geschichte Europas, angefangen von Caesar bis Napoleon und darüber hinaus.

    Der Rachefeldzug gegen die Perser beginnt mit einem symbolischen Akt. Noch bevor Alexander seinen Fuß auf kleinasiatischen Boden setzt, schleudert er vom Boot aus einen Speer ans Ufer. Jeder, der ihn dabei beobachtet, soll sehen, dass er nicht vorhat, den Gegner zu schonen. Alexander ist ein Meister der Selbstinszenierung und Propaganda, wie zahlreiche Geschichten über ihn belegen. Sein Kriegsvorhaben macht er zur "heiligen Mission", als er am Grab des mythischen Helden Achill einen Kranz niederlegt und seine Rüstung im Tempel der Kriegsgöttin Athene weihen lässt. Die Zerschlagung des Gordischen Knotens mit dem Schwert verweist auf Alexanders Entschlossenheit, König des riesigen Perserreichs zu werden. Seine Besuche in ägyptischen Tempeln berichten von einem wichtigen Karriereschritt, der ihn schon früh vom Stammeskönig zum gottgleichen Pharao erhebt. Die Gründung von mindestens 20 "Alexander-Städten" an unterschiedlichsten Orten zeugt vom Ehrgeiz des Makedonen, seinen Namen und die griechische Kultur in die ganze Welt hinauszutragen. Und nicht zuletzt erzählt die Massenhochzeit in Susa von Alexanders Vision, aus unterschiedlichen Völkern einen einheitlichen, multikulturellen Staat zu erschaffen. Damit ist er seiner Zeit weit voraus.

    Alexanders Charisma ist legendär. Er besitzt die Gabe zu begeistern und Menschen zu Höchstleistungen anzuspornen. Auch als Politstratege beweist er Fingerspitzengefühl. Auf seinem Eroberungszug durch die persisch besetzten Gebiete präsentiert er sich stets als Befreier, indem er demokratische Verhältnisse einführt und vor allem die Tributzahlungen an die Perser für beendet erklärt. Im Lauf der Jahre wächst die Zahl seiner loyalen Anhänger stetig, auch wenn es immer mal wieder zu kleineren Aufständen kommt. Alexanders Kriegsgefährten, darunter auch sein engster Freundeskreis, schätzen seinen Kameradschaftsgeist, die Fürsorge, seinen Weitblick. Die meiste Zeit sind sie ihm treu ergeben. Erst als Alexanders unberechenbare Seite zum Vorschein kommt, fürchten sie ihn. Völlig überraschend brennt der frisch gekürte Perserkönig den Palast von Dareios in Persepolis nieder, fordert von seinen eigenen Leuten plötzlich Unterwerfungsgesten nach persischer Sitte und ermordet drei seiner Gefährten wegen vermeintlichen Hochverrats und Majestätsbeleidigung. Die vielen Kämpfe, die schnellen Siege und die neue Rolle als Großkönig haben Alexander verändert. Er handelt wie ein Despot. Hinzu kommt, dass er vom Ehrgeiz und der unstillbaren Sehnsucht besessen ist, ruhmreicher als der Ruhmreichste und besser als der Beste zu sein.

    In die Geschichte aber geht Alexander in erster Linie als Feldherr und Kriegsheld ein. Die meiste Zeit sitzt er kämpfend auf dem Rücken seines Pferdes Bukephalos oder zieht mit seinem riesigen Tross von rund 40 000 Mann von einer Schlacht zur nächsten. 22 Mal wird der Feldherr verwundet, zum Teil schwer. Zum ersten Kontakt mit dem persischen Gegner kommt es am Fluss Granikos, die Schlacht kostet ihn fast das Leben. Das feindliche Heer ist den Makedonen zahlenmäßig haushoch überlegen, doch Alexanders Soldaten sind nicht nur besser ausgerüstet, sondern auch die besseren Krieger. Sein Markenzeichen wird der von ihm persönlich angeführte Angriff mit der Reiterei, sie ist seine erfolgreichste Waffe. Dagegen ist Dareios machtlos, der sich seinem Kontrahenten in Issos und Gaugamela stellt. Beide Male flieht der Perserkönig, schickt Alexander aber Friedensangebote. Dareios bietet ihm sogar Teile des Perserreiches und hohe Lösegeldsummen an, doch Alexander lehnt die Offerten selbstbewusst ab. Er will Dareios Platz einnehmen. Nach der Befreiung der vom Feind besetzten Gebiete, stürmt er ins Kernland der Perser, erobert Babylon, Susa, Persepolis und Ektabana. Der Rachefeldzug ist eigentlich abgeschlossen, doch Alexander will bis nach Indien vordringen. Denn dort, so weiß er von Aristoteles, liegt das Ende der Welt. Die Strapazen bis dahin sind unbeschreiblich, die erschöpfte Truppe meutert immer wieder, aber Alexander will nicht umkehren. Er plant sogar noch, Arabien zu erobern. Als nach einer erfolgreichen Schlacht gegen den indischen König sein geliebtes Pferd Bukephalos stirbt und seine Soldaten lieber vor Ort sterben wollen als ihm weiter zu folgen, trifft Alexander endlich die Entscheidung umzukehren. Er stirbt in Babylon unter bislang nicht geklärten Umständen im Alter von nur 33 Jahren. Das Reich, das er erobert hat, unter seiner Regentschaft friedlich zu vereinen, dazu ist ihm keine Zeit mehr geblieben.

    Wie inszeniert man einen Mythos?

    Von Regisseur Christian Twente

    Als ich vor gut anderthalb Jahren die erste Seite des Drehbuchs über Alexander aufschlug, tat ich das mit Vorfreude, Neugier und auch ein wenig Stolz darüber, dass ich als Regisseur diese Biografie in Szene setzen sollte. Die ersten Zeilen des Buches machten mir jedoch schlagartig klar, dass ich auch vor einer der größten Herausforderung meines Berufslebens stand. Das Drehbuch begann mit den Worten: "Seine Geschichte beginnt vor mehr als 2000 Jahren. Er ist einer der größten Eroberer aller Zeiten, um ihn und seine Taten ranken sich unzählige Geschichten, Mythen und Legenden: Alexander der Große. Was ist Wahrheit, was ist Dichtung?"

    Was ist Wahrheit, was Dichtung? Eine Dokumentation ist kein Spielfilm. Es konnte und sollte also nicht darum gehen, den unzähligen Legenden eine weitere hinzuzufügen. Doch wie inszeniert man eine Figur auf "historisch korrekte" Weise? Wie nähert man sich einem Charakter, über den es unzählige Beschreibungen gibt? Jede einzelne ist auch gefärbt durch die Sichtweise des Autors und der Zeit, aus der sie stammt. Das Drehbuch lieferte mir einen Schlüssel zur Lösung dieses Problems. Mit der Entscheidung des Autors, des Produzenten und der Redaktion, das ganze Leben Alexanders chronologisch zu erzählen, konnte ich die Charakterzeichnung des Filmhelden nachvollziehbar gestalten.

    Alexander war ein Kind seiner Zeit, wie es so schön heißt. Aber er hatte als Kind Konflikte auch auszufechten, die sich mit heutigen vergleichen lassen, ja, deren Grundzüge sich sicher auch in Jahrtausenden kaum verändert haben: Er musste sich gegen seinen übermächtigen, herrischen Vater durchsetzen. Er musste sich von seiner Mutter emanzipieren, die ihn mit ihrer Liebe und ihrem Ehrgeiz zu ersticken drohte. Auf der anderen Seite erhielt er durch Aristoteles eine Bildung, die ihm Augen und Verstand für die ganze bekannte und unbekannte Welt öffneten. Diese Bildung weckte Neugier und womöglich das, was Alexanders Zeitgenossen "pothos" nannten – die Sehnsucht, die ihn bis ans Ende der bekannten Welt trieb, und darüber hinaus. Alexander erfuhr durch Hephaistion und seine Gefährten die Unterstützung von Freunden, die ihn sein Leben lang prägten. Diese Grunderfahrungen, die den Charakter von Alexander und sein Handeln auch heute noch nachvollziehbar machen, spielen in allen Szenen eine Rolle.

    Nachvollziehbar auch: Alexanders Begeisterung für Homers Ilias. Zu seiner Zeit war das Wissen um die Taten des sagenhaften Achill so präsent wie heute den meisten die Abenteuer des Zauberlehrlings Harry Potter. Achill ist Alexanders großes Vorbild, Zeit seines Lebens eifert er ihm nach, will ihn gar übertreffen. "Bei Achill kann man sagen: Das ist ein Mensch! – Die Vielseitigkeit der menschlichen Natur entwickelt ihren ganzen Reichtum an diesem einen Individuum", schrieb Hegel. Das sollte doch auch für jemanden gelten, der genauso sein wollte. Als Jugendlicher hatte ich die Heldensagen begeistert gelesen. Jetzt las ich sie nochmal, zusammen mit den Darstellern. Diesmal zum Verständnis von Alexander und seiner Zeit.

    Neben diesen Inneneinsichten waren es schließlich die visuellen Eindrücke, mit denen ich die Figur Alexanders erlebbar und verständlich machen wollte. Ein Schlüsselmoment des Filmes ist sein Einzug nach Babylon. Der König aus dem kleinen, ländlich geprägten Makedonien erlebt den Reichtum und die Pracht der schillerndsten Metropole der antiken Welt. Unter diesen Eindrücken reifte in ihm der Entschluss, beide Welten unter seiner Herrschaft zu vereinen. Die hellenistische und die persische, beide ebenbürtig. Mit diesem Gedanken war er seiner Zeit voraus, wie sich zeigen sollte.

    Neben einer aufwändigen 3-D-Animation für die Außeneinstellungen haben wir das Innere des Palasts in einem Studio komplett nachgebaut. Zusammen mit den Darstellern David Schuetter (Alexander) und Sasche Tschorn (Hephaistion) betreten die Zuschauer das Set – und staunen hoffentlich genauso wie die beiden, die das Set am Drehtag zum ersten Mal zu sehen bekamen.

    Naturgemäß bietet dieser Zweiteiler nur eine Annährung an "Alexander den Großen". Alle Beteiligten einte jedoch das Bestreben, ein umfassendes Bild eines Mannes und seiner Zeit zu zeichnen, das scharf genug ist, um es zu erkennen und zu erleben.

    Mit Alexander im Iran

    Von Autor und Doku-Regisseur Martin Carazo Mendez

    Wer sich heute auf die Spuren Alexanders des Großen begibt, hat ein Problem: Viele Länder, die der berühmte Makedone vor mehr als 2000Jahren erobert hat, sind heute politische Pulverfässer. Als unsere Produktion im Sommer 2013 anlief, hatte sich dafür die politische Situation in einem Land überraschend entspannt: im Iran. Eine einmalige Chance, die wir nutzen wollten. Denn im Iran lag das Zentrum des Perserreiches – für Alexander Gegner und Vorbild zugleich.

    Über Jahrhunderte wurde Alexander verehrt – im Westen wie im Osten. In der islamischen Welt ist er unter dem Namen "Iskander" bekannt geworden. Vor allem persische Dichter haben seine Geschichte nacherzählt und ausgeschmückt, darunter Firdausi (11. Jh.) in seinem "Buch der Könige", oder Nezami (12. Jh.), der in seinem "Alexander-Buch" die Weisheit des Eroberers preist. Inzwischen ist das Verhältnis der Iraner zu Alexander schwieriger: Sie identifizieren sich mit dem alten Perserreich, das für die große Vergangenheit ihres Landes steht. So hat beispielsweise der Schah von Persien die Ruinen der antiken Hauptstadt Persepolis in den 1970er Jahren als Kulisse für eine Machtschau genutzt und sich als moderner Großkönig inszeniert. Aber auch in der Islamischen Republik blicken die Menschen mit Stolz auf ihre antiken Vorfahren. Dagegen sehen sie in Alexander heute vor allem den Eroberer – und einen frühen Vertreter des "westlichen Imperialismus".

    Für unseren Film hatten wir ein großes Ziel: Wir wollten in Persepolis drehen, der alten Hauptstadt der persischen Großkönige. Dabei ist schnell klar geworden, dass die Iraner möchten, dass man Alexanders Geschichte aus ihrer Sicht versteht. Sie sehen in ihm eben nicht den "großen Eroberer", sondern den Zerstörer des Perserreiches. Ganz falsch ist das nicht, denn ausgerechnet Persepolis wurde von Alexander und seiner Armee in Brand gesteckt und geplündert. Die iranischen Behörden hatten außerdem Angst vor einer einseitigen Darstellung und Dämonisierung ihrer Vorfahren. In besonders schlechter Erinnerung ist ihnen die US-amerikanische Comic-Verfilmung "300" geblieben – dort erscheint der persische Großkönig Xerxes als gepierctes, goldglänzendes Monster.

    Bevor wir in Persepolis drehen konnten, mussten wir uns also mit den über Jahrzehnten gewachsenen und kultivierten Vorurteilen auseinandersetzen – auch mit unseren eigenen. Die Iraner beziehungsweise die Perser hatten schon zu Alexanders Zeiten einen schweren Stand: Zwar würde sie heute niemand als unzivilisierte Barbaren bezeichnen, wie es Alexanders berühmter Lehrer Aristoteles tat. Dafür wird der Iran in der aktuellen Berichterstattung oft auf religiöse Fanatiker reduziert.

    Es dauerte fast ein halbes Jahr, bis wir im Februar 2014 endlich in den Iran aufbrechen konnten. Nach den Hürden im Vorfeld waren wir gespannt, wie sich Land und Leute präsentieren würden – und welches Bild die Menschen von Alexander haben. Dabei erging es uns nicht anders als dem Eroberer aus Makedonien zu seiner Zeit: Der Iran und seine Bewohner haben uns sofort in den Bann gezogen, wir waren fasziniert von der Schönheit des Landes und der Offenheit seiner Bewohner. Ob Alexander aber wie wir überall mit einem herzlichen "Welcome to Iran" begrüßt wurde, darf indes bezweifelt werden.

    Neben Touristengruppen aus Deutschland, England und China haben wir in Persepolis vor allem iranische Familien und Schulklassen getroffen. Und die haben nicht vergessen, dass es Alexander war, der Persepolis in Schutt und Asche legte. In fast jedem Gespräch hat man uns darauf aufmerksam gemacht – und darum gebeten, diesen Teil der Geschichte nicht auszusparen.

    In den Bergen um Persepolis scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Morgens führen Hirten ihre Ziegenherden über die steilen Hänge rund um die Palastanlage. Eindrücke, an die wir uns bei unserem späteren Dreh in Griechenland erinnerten. Auch in Makedonien, der Heimat Alexanders des Großen, trifft man auf urwüchsige Landschaften, in denen jahrtausendealte Traditionen gepflegt werden. Und die griechische Gastfreundschaft steht der persischen in kaum etwas nach. Wir konnten uns leicht vorstellen, dass sich Alexander im fernen Persien wie zuhause gefühlt hat.

    An einem unserer letzten Tage im Iran trafen wir dann einen Griechen, der sogar aus Makedonien stammte. Wie Alexander der Große besuchte er das Grab des Perserkönigs Kyros dem Großen. Aber anders als sein berühmter Landsmann wollte er den Iran friedlich erobern – als Tourist, begleitet von einem iranischen Fremdenführer. Ein versöhnliches Ende unserer Drehreise, die sich im Vorfeld so schwierig gestaltete. Und ein Beispiel für Völkerverständigung im kleinen Kreis – Alexander der Große hätte es wahrscheinlich gerne gesehen.

    Expertenstimmen aus den Filmen

    Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg:

    "Es gibt nur wenige einzelne Menschen, die die Geschichte so stark mit ihren Ideen, Plänen, Leistungen und Taten beeinflusst haben wie Alexander der Große. Er hat dazu beigetragen, dass sich eine neue Welt entwickeln konnte – ohne, dass er das vorausgesehen oder gar geplant hat. Aber er hat die Voraussetzungen dafür geschaffen."

    "Was er historisch bewirkt hat, ist enorm und war auch für seine Zeitgenossen vollkommen unerwartet: Keiner hat damit gerechnet, dass jemand tatsächlich versuchen würde, die ganze Welt zu erobern und noch weniger, dass ihm das auch fast noch gelingen würde. Aber was bleibt außer der Zerstörungen? Große Teile des Nahen Ostens kamen mit der griechischen Kultur in Berührung, es folgte jedoch nicht einfach eine Hellenisierung, sondern – und das ist das Hochinteressante – es kam zu kulturellen Austauschprozessen zwischen Griechen und den verschiedenen indigenen Kulturen, die beide – die griechische Kultur wie auch die indigenen Kulturen – veränderten."

    "Alexander hat immer wieder als Referenz für Machthaber gedient. Die Ersten waren seine Nachfolger, die sich an ihm orientiert haben, später die Römer. Auch in der Folgezeit galt Alexander immer wieder als besonderes Exempel des Eroberers und Machthabers und wird entsprechend von eigentlich allen großen Potentaten positiv gezeichnet – mit seiner Willenskraft, seiner Energie, seiner Effektivität und seinen Erfolgen. Die Figur Alexander lebt nicht nur in unserer westlichen Tradition weiter, sondern auch in Zentralasien oder in der islamischen Kultur."

    "Der Krieg ernährt sich aus dem Land und die Zahl der Opfer des Alexanderzuges können wir gewiss auch dadurch noch vermehren, dass wir die hinzurechnen, von denen niemand spricht: Nämlich die, die verhungert sind in den Ländern, die Alexander und seinen Pferden Essen und Trinken beschert haben."

    Prof. Dr. Alexander Demandt, ehemals Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin:

    "Dass ein Feldherr gleichzeitig Entdecker ist, das kannte man vorher nicht. Napoleon hat das nachgemacht und auch andere Entdecker der Neuzeit. Alexander von Humboldt hat erklärt, dass die Entdeckungen Alexanders im Osten etwa den Entdeckungen des Kolumbus im Westen entsprechen. Und wenn wir wissen, was in der Naturgeschichte des älteren Plinius auf Alexander zurückzuführen ist, ist das ganz enorm. Alle möglichen Pflanzen, Mineralien, Flüsse und Berge sind durch diesen Alexanderzug im Westen und damit in der Welt und in der griechischen Literatur bekannt geworden."

    "Alexander hat die heimischen Traditionen, wo immer er auch hinkam, bewahrt. Er hat die heimischen Dynasten im Amt gelassen. Er hatte keine Probleme in Afghanistan – im Unterschied zu späteren Invasoren – indem er ganz einfach die örtlichen Traditionen bewahrt, die örtlichen Götter verehrt und die örtlichen Fürsten akzeptiert hat, sobald sie ihm loyal gegenübergetreten sind. Das war sein Konzept. Und er hatte ein nahezu revolutionäres Menschenbild. Er sagte: "Es kommt nicht drauf an, ob man Grieche oder 'Barbar' ist, sondern darauf, was für ein Mensch man ist."

    "Es gab damals nur ein einziges Weltreich, das war das persische. Das hat Alexander imponiert. Und er sagte sich: Ich mache das besser als die Perser. Er wollte das Perserreich verbessern. Und das hat er in gewisser Weise auch geschafft. Das, was Alexander nicht geschafft hat, haben dann die Römer gemacht. Das heißt, die Römer stehen zumindest mit einem Bein auf den Schultern Alexanders."

    "Das Vermächtnis von Alexander liegt auf zwei Ebenen: Es gibt das politische und es gibt das mythische, legendäre, literarische. Das politische ist seine Weltreichsidee, die Vorstellung, dass die Völker selbstverwaltet aber friedlich miteinander leben unter einer monarchischen Spitze. Das legendäre Vermächtnis ist, dass er eine Integrationsfigur war wie kein anderer der Geschichte. Alexander ist von der Nachwelt akzeptiert worden, von Island bis nach Sumatra, bis nach China, Malaysia – die Könige von Malaysia betrachten sich heute noch als Nachfahren Alexanders. Alexander kommt im Talmud vor, bei den Juden, Alexander spielt eine große Rolle im Islam, er soll Mekka erobert haben, soll in Mekka schon den Götzendienst bekämpft haben, Alexander ist ein erster Mohammed in der islamischen Tradition – und das sind Dinge, die sie so nirgendwo finden."

    "Alexander ist zu allen Zeiten als Vorbild betrachtet worden. Das gilt für die römischen Kaiser, für die Päpste in Rom und für eine Reihe von Sultanen. Als Mehmet der Eroberer Konstantinopel erobern wollte und er zweifelte, ob er das wirklich schaffen würde, hat er sich am Abend vor dem eigentlichen Sturm die Taten Alexanders vorlesen lassen."

    "Alexander hat die europäische Geschichte durch die Eröffnung des Hellenismus geprägt: Das Griechentum wurde weltläufig, alle Staaten rund um das Mittelmeer fingen an, griechisch zu sprechen, auf Griechisch zu schreiben, griechische Tempel zu bauen und griechische Wissenschaft zu betreiben. Das, was heute das Englische ist, war damals im Mittelmeerraum das Griechische."

    Prof. Dr. Tanja Scheer, Georg-August-Universität Göttingen:

    "Die Abkunft von göttlichen oder heroischen Vorfahren ist in der griechischen Kultur etwas weit verbreitetes. Griechische Stämme, griechische Städte, griechische Familien und Einzelpersonen führen sich jeweils auf göttliche oder heroische Vorfahren zurück. Im Fall Alexanders ist das von besonderer Bedeutung, weil die makedonischen Könige ja in der Perspektive der restlichen Griechen des Mutterlandes von eher zweifelhafter Gräzität gewesen sind, die man auch gern auch mal so als Halbbarbaren charakterisiert hat. Für Alexander sind diese Ahnenreihen demnach in doppelter Hinsicht wichtig, weil er von der väterlichen Seite von Herakles, dem wichtigsten Heros überhaupt, abstammte und gleichzeitig über die mütterliche Linie in Epirus dann auch noch Achilleus und seinen Sohn Neoptolemos, also die wichtigsten Trojakämpfer, zu seinen Vorfahren zählt und sich also in seiner Person zwei ganz wichtige genealogische Linien des griechischen Mythos kreuzten."

    "Bereits unter Philipp war die Losung: 'Rache für den Perserzug des 5. Jahrhunderts.' Und unter dieser Losung tritt auch Alexander an. Die Frage ist dann nur: Wie weit muss diese Rache gehen und wann wäre sie eigentlich erfüllt? Denn spätestens, wenn das Perserreich erobert ist, allerspätestens dann kann man sagen: 'Jetzt ist Griechenland gerächt.' Aber der spannende Punkt ist der, dass Alexander dann nicht aufhört und umdreht."

    "Alexander sind sehr viele positive Eigenschaften unterstellt worden. Die Idee, er habe die Verbrüderung des Menschengeschlechts angestrebt, zählt dazu genauso wie die Idee, er habe eben aus reinem Forscherdrang und Entdeckerwillen die Wissenschaften voranbringen wollen. Beide Punkte sind, denke ich, mit großer Vorsicht zu genießen. Er war kein Menschheitsbeglücker, sondern ein höchst ehrgeiziger Charismatiker mit empfindlichem Ehrgefühl, der angetrieben war von dem Wunsch, die heroischen Vorfahren zu übertreffen und so mythische Qualitäten selbst zu erhalten."

    "Schon in der Antike gibt es Stimmen, die sich sehr kritisch gegenüber Alexander äußern. Der Philosoph Seneca nennt ihn etwa nur 'einen großen Räuber, der verblendet von Hybris seinem eigenen Ehrgeiz nachgegangen ist. Ob wir Historiker heute Alexander noch als den Großen bezeichnen sollten, ist auch eine schwierige Frage. Denn worin besteht historische Größe? Im 19. Jahrhundert hätte man vermutlich gesagt: 'Selbstverständlich, wer ein großer Eroberer ist, der besitzt historische Größe.' Heutzutage würde man vielleicht doch eher andere Kriterien anlegen."

    "Alexander als Vorbild hat über die Jahrhunderte die Menschen bewegt. Vor allem die Menschen, die selbst politische Macht erreicht hatten. Wir hören von römischen Feldherren, die sich in Alexander-Imitation gefallen, dass etwa Pompeius in seinen Porträtbüsten die Frisur Alexanders nachahmt und auch die Löwenlocke, die 'Anastole', auf der Stirn trägt."

    Biografien

    Uwe Kersken, Produzent

    Professor Uwe Kersken, Dipl. Psychologe und Psychotherapeut, ist seit 1985 Fernsehproduzent, Autor und Regisseur von Dokumentarfilmen und Dokudramen mit Schwerpunkt Geschichte, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft sowie Natur für den deutschen und internationalen Fernsehmarkt. Seit 2006 ist er Mitglied der International Academy of Television Arts & Sciences. Er ist als Dozent tätig und hat die Masterclass NonFiction der Internationalen Filmschule Köln initiiert. Für die Gruppe 5 Filmproduktion, deren geschäftsführender Partner er bis Frühling 2014 war, hat er neben vielzähligen einstündigen Programmen folgende Mehrteiler konzipiert und produziert: "Die Juden – Geschichte eines Volkes", "Die Germanen", "2057 – Unser Leben in der Zukunft", "Armageddon", und "Welcome to China" (inklusive "Die Verbotene Stadt", "Chinas Große Mauer", "Das Geheimnis des ersten Kaisers"), "Kampf um Germanien" (Varusschlacht), "Kap der Stürme – Land der Hoffnung" (Geschichte Südafrikas) sowie "Der geheime Kontinent – Amerika vor Kolumbus". Die größten Erfolge erzielten ein ZDF-Programmschwerpunkt zu China, die 20-teilige Reihe "Die Deutschen", "Superbauten", und "Universum der Ozeane", alles ZDF, sowie das Dokudrama "Adenauer" für die ARD. Ende 2013/Anfang 2014 wurden die Reihen "Frauen, die Geschichte machten", "Große Völker" (beides ZDF) sowie "Geliebte Feinde", zehn Teile zur Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen für ARTE und ZDFinfo fertiggestellt. Seit April 2014 arbeitet Uwe Kersken als freier Produzent mit ZDF-Enterprises innerhalb G5fiction. Er entwickelt, finanziert und produziert mit geeigneten Partnern weltweit Drama-Programme (Mini-Serien, Serien, Fernsehspiele und Kinofilme) mit deutschem und internationalem Marktpotential.

    Christian Twente, Autor, Producer und Regisseur

    Christian Twente, geboren am 25. März 1968 in Dortmund, studierte Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 1992 hat er als Autor, Producer und Regisseur zahlreiche TV-Dokumentationen realisiert. Im Jahr 2000 begann seine Zusammenarbeit mit der Gruppe 5 Filmproduktion GmbH. Seitdem liegt sein Schwerpunkt in der Realisation großer, mehrteiliger Reihen aus dem Bereich Geschichte und Wissenschaft, wobei er sich zunehmend auf die Umsetzung aufwendiger Spielszenen spezialisiert hat. Zu seinen wichtigsten Filmen gehören "Alchemie" (ZDF, ARTE: 2000), "Des Kaisers Diamant" (ZDF, ARTE: 2001), "Diamantenfieber" (ZDF, ARTE: 2002), mehrere Dokumentationen aus der Reihe Mission X (ZDF: 2001 ff.) sowie die Serien "Sturm über Europa – Die Völkerwanderung" (ZDF, ARTE: 2001), "Wege aus der Finsternis – Europa im Mittelalter" (ZDF, ARTE: 2003), "Die geheime Geschichte der Mongolen" (ZDF, ARTE: 2004), "Der Tag X – Tage, die die Welt veränderten" (ZDF, ARTE: 2005) und "2057 – Die Welt" (ZDF, Arte: 2007). Christian Twente ist der Autor und Regisseur der mehrteiligen Reihe "Welcome to China" mit den beiden einstündigen Programmen "Sturm über China – Das Geheimnis des Ersten Kaisers" (ZDF, NGCI: 2006) und "Das Grabmal des Kaisers – Spurensuche am Zhao Ling" (ZDF, ARTE: 2006) sowie den beiden Zweiteilern "Der Superwall – Chinas Große Mauer" (ZDF, NGCI: 2007) und "Chinas Verbotene Stadt" (ZDF, ARTE: 2007). Für das zweiteilige Doku-Drama über "Die Varusschlacht" (ZDF, ARTE, ZDF Enterprises 2009) war er verantwortlich als Autor und Regisseur, ebenso für die Doku-Reihe Superbauten (ZDF: 2010), die von Sebastian Koch präsentiert wurde.An der ersten (Fernsehpreis-Nominierung) und zweiten Staffel der 10-teiligen Serie "Die Deutschen" (ZDF: 2008/2010) war er als szenischer Regisseur beteiligt. Es folgte die Reihe "Der Heilige Krieg" (ZDF), eine einstündige szenische Dokumentation "Alles oder Nichts – Friedrich der Grosse" (ZDF) zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs im Januar 2012 und ein Jahr später die sechsteilige Reihe "Frauen, die Geschichte machten" (ARTE/ZDF). Zurzeit arbeitet Christian Twente an einem dreiteilige Reihe für das ZDF mit dem Arbeitstitel "Rom am Rhein".

    Martin Carazo Mendez, Autor, Producer und Regisseur

    Martin Carazo Mendez wurde im Juni 1978 in Bonn geboren. Er ist verheiratet, hat keine Kinder und lebt und arbeitet abwechselnd in Köln und Straßburg. Er hat Geografie, Geschichte und Medienwissenschaften studiert, an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und am Royal Holloway College der University of London. Nach seinem Abschluss als Magister Artium folgte ein Französischstudium an der Université de Nantes in der Bretagne. Seine TV-Karriere begann mit kleinen Studentenjobs beim WDR-Fernsehen. Seit 2004 arbeitet er als freier Autor, Regisseur und Producer – überwiegend für die Gruppe 5 Filmproduktion in Köln. Dort hat er sich auf hochwertige Geschichtsproduktionen spezialisiert und an mehreren erfolgreichen Dokumentationen für den "Terra X"-Sendeplatz mitgearbeitet, unter anderen an beiden Staffeln der Reihe "Die Deutschen". Sein letztes großes Projekt war die zehnteilige Reihe "Geliebte Feinde – Die Deutschen und die Franzosen", die vergangenes Jahr anlässlich des 50. Geburtstages des Elysée-Vertrags auf dem deutsch-französischen Kulturkanal ARTE und ZDFinfo ausgestrahlt wurde.

    Filmographie (Auswahl):
    Die Deutschen (2008) (nominiert für den Deutschen Fernsehpreis)
    Die Jahrtausendkathedrale – Der Mainzer Dom (2009)
    Die Deutschen II (2010)
    Der Heilige Krieg (2011)
    Geliebte Feinde – Die Deutschen und Franzosen (2013)

    Fotos

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information
    Telefon: (06131) 70-16100 oder unter
    pressefoto.zdf.de/presse/terrax

    Impressum

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation / Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock
    pressedesk@zdf.de

    (c) 2014 by ZDF

    Weitere Informationen

    Impressum

    Kontakt

    Name: Magda Huthmann
    E-Mail: huthmann.m@zdf.de
    Telefon: (06131) 70-12149