Copyright: ZDF/ [F] Johanna Brinckman/ [H] ColourboxDenisov/ [M] Dirk_Staudt
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Terra X: Faszination Universum

Zwei neue Folgen

In der ersten neuen Folge von "Terra X: Faszination Universum" stellt Harald Lesch die Thesen der Astrologie auf den Prüfstand. In der zweiten Folge zeigt der Astrophysiker auf, wie sehr der Kosmos und die schier unendliche Kraft der Sonne unser Schicksal auf der Erde bestimmen: Die Bedingungen im Universum ermöglichen Leben auf der Erde – sie können aber auch zur Bedrohung werden.

  • ZDF, Sonntag, 29. September und 13. Oktober 2019, jeweils 19.30 Uhr

Texte

Terra X: Faszination Universum - Im Bann der Astrologie

Sonntag, 29. September 2019, 19.30 Uhr

Autor und Regisseur   Andreas Sawall
RedaktionHanna Kotarba
RedaktionsleitungChristiane Götz-Sobel
Länge 45 Minuten

      

Inhalt

Astrophysiker Harald Lesch stellt die Thesen der Astrologen auf den wissenschaftlichen Prüfstand und macht sich auf die Suche nach den Ursprüngen der Astrologie.

Alle naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen dagegen – und dennoch: Der Glaube an die Astrologie ist seit Jahrtausenden ungebrochen und wurde bereits vor über 3000 Jahren von den Babyloniern formuliert. Ihr Leitsatz "Wie im Himmel, so auch auf der Erde" gilt in der Astrologie noch heute. Persönliche Horoskope wurden zum ersten Mal im alten Rom erstellt. Auch in China fragen die Menschen seit jeher die Sterne um Rat. Im Gegensatz zu westlichen Horoskopen steht für Chinesen allerdings nicht jeder Monat, sondern jedes Jahr in einem anderen Zeichen. Das Besondere: Die Astrologie in China gehört bis heute ganz offen zum Alltag. 

In Europa wurde die Astrologie mit Aufkommen des Christentums zur Streitfrage. Sie stand im Widerspruch zum Glauben an nur einen allumfassenden Gott. Eigentlich wollte die Kirche nichts mit der Sternendeutung zu tun haben, aber selbst unter den großen Theologen herrschte keine Einigkeit, wie mit der vermeintlichen Macht der Sterne umzugehen sei. Im 16. Jahrhundert stand die Kirche vor den Herausforderungen durch die Reformation. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Bewegung, Martin Luther, lehnte die "Sternenkücker", wie er die Astrologen verächtlich nannte, ab. Aber ausgerechnet Luthers engster Mitstreiter, Philipp Melanchthon, war ein bekennender Astrologie-Anhänger. Der renommierte Theologe lehrte sogar das Fach Astrologie an der Universität Wittenberg. Und Astrologie blieb auch nach der Reformation populär, selbst unter anerkannten Wissenschaftlern. Der Astronom und Mathematiker  Johannes Kepler etwa erstellte im 17.Jahrhundert Auftragshoroskope. Der große Feldherr Wallenstein ließ sich regelmäßig von ihm die Zukunft aus den Sternen lesen. Gleichzeitig wollte Kepler die Astrologie auf ein wissenschaftliches Fundament stellen – vergeblich. Doch in den persönlichen Auftragshoroskopen erkannte Kepler eine Komponente, die bis heute wirksam ist: Psychologie.

Von einer Astrologin lässt sich Harald Lesch sein persönliches Horoskop erklären und erfährt dabei viel über sich selbst und die Macht der Astrologie.

Terra X: Faszination Universum - Unser kosmisches Schicksal

Sonntag, 13. Oktober 2019, 19.30 Uhr

Autor und Regisseur   Andreas Sawall
RedaktionHanna Kotarba
RedaktionsleitungChristiane Götz-Sobel
Länge45 Minuten

Inhalt

Es sind einzigartige Bedingungen im Universum, insbesondere die schier unendliche Kraft der Sonne, die Leben erst möglich machen. Doch diese Kräfte können auch zur Bedrohung werden. Harald Lesch beleuchtet die himmlischen Mächte, die unser Schicksal auf der Erde mehr bestimmen, als uns lieb ist.

Immer wieder gerät die Sonne in Wallung. Dann drohen gewaltige Stürme geladener Teilchen, die unserer modernen Welt erheblichen Schaden zufügen. Noch weiß niemand genau, was die Sonne aufbrausen lässt. Bestimmte Planetenkonstellationen könnten eine Ursache sein.

Polarlichter sind ein beeindruckendes Schauspiel an den Polen der Erde. Wenn sie, wie im Jahre 1859, allerdings in New York oder Havanna zu sehen sind, dann ist etwas Außergewöhnliches geschehen: Kurzschlüsse durchzuckten Telegrafendrähte und lösten zahlreiche Brände in den USA und Europa aus. In einer gigantischen Eruption hatte die Sonne geladene Teilchen mit einer Geschwindigkeit von 1000 Kilometern pro Sekunde Richtung Erde geschleudert. Dieser Sonnensturm war so heftig, dass die Teilchen das irdische Magnetfeld durchdrangen. Heute hätte ein Sonnensturm dieser Stärke katastrophale Folgen für die stromabhängige und zunehmend vernetzte Welt.

Vor 150 Jahren ist der Schweizer Astronom Johann Wolf einer der ersten, der einen Rhythmus der Sonnenaktivität erkennt. Im Refraktor der Sternwarte Zürich verbrachte er endlos viele Stunden wegen eines rätselhaften Phänomens: Die dunklen Stellen auf der Sonnenoberfläche, die sogenannten "Sonnenflecken" scheinen sich in einem Zyklus von elf Jahren zu vermehren und wieder zu verschwinden. Immer wenn es viele Sonnenflecken gibt, ist die Sonne besonders aktiv. Wolf glaubte, dass Jupiter die treibende Kraft hinter der schwankenden Sonnenaktivität und den Sonnenflecken sein müsse. Seine These: So wie der Mond die Gezeiten auf der Erde verursacht, erzeugt Jupiter Gezeitenkräfte, die an der Oberfläche der Sonne zerren. Damals wurde Wolf für seine Ideen belächelt, denn sie klangen wenig wissenschaftlich und zu sehr nach Astrologie. Mittlerweile haben Forscher durch die Analyse von Eisbohrkernen aus Grönland neben dem 11-Jahres-Rhythmus weitere Zyklen entdeckt, in denen die Sonnenaktivität noch wesentlich deutlicher schwankt. Das Überraschende: Die neu entdeckten Zyklen passen genau zu bestimmten Konstellationen der Planeten – alle gemeinsam wirken auf die Sonne. Diese wird dadurch angeregt, Strahlungsblitze mit der Kraft von einer Milliarde Wasserstoffbomben freizusetzen. Verhindern lässt sich das nicht. Doch kann es eine verlässliche Vorhersage geben?

"Wir sind Sternenstaub"
Kurzinterview mit Prof. Harald Lesch

Warum zieht die Astrologie die Menschheit bis heute in Ihren Bann?

Die Astrologie ist nach wie vor die beliebteste Zukunftsschau, die es gibt. Früher gab es auch die Möglichkeit, aus Gänselebern oder aus einem Fisch zu lesen, sogar aus dem Vogelflug hat man abgelesen. Aber die Sterne waren seit jeher das größere Thema. Wobei die Astrologie als sogenannte Mundanastrologie begann – es ging zunächst nicht um das Einzelschicksal, sondern darum, dem Herrscher Dinge zu sagen wie: Wann kommt die Ernte? Müssen wir in den Krieg ziehen? Steigen die Flüsse? Heutzutage ist eine der erfolgreichsten Rubriken jeder Tageszeitung das Horoskop. Insofern wollten wir dieses Thema einmal wohlwollend beleuchten und uns überlegen, warum wir stets etwas über unsere Zukunft erfahren wollen.

Worin liegt für Sie als Astrophysiker das Spannungsfeld zur Astrologie?

Die Astrologie ist natürlich keine Astronomie. Die Wissenschaft ist immer eine Messende. Dabei wird vom Subjekt abgesehen und es wird versucht, darzustellen, was im Himmel passiert – vollkommen unabhängig vom Menschen. Die Astrologie wiederum ist eine Befragung des Himmels – wer bin ich? Da geht es um die innere Welt des Einzelnen. Die Astronomie können wir in ihren Darstellungen – Zahlen, Diagrammen, Farbendiagrammen – nicht ohne weiteres verstehen. Letztlich weiß ich aber als professioneller Astrophysiker – und genauso von meinen Studentinnen und Studenten oder Hobby-Astronominnen und Astronomen –, dass wir letztendlich immer wissen wollen: Was hat das alles mit mir zu tun?

Früher war die Astronomie das Instrument der Astrologen – wenn sie etwas vorhersagen wollten, mussten sie ja wissen, wo die Planeten am Himmel stehen. Dafür waren astronomische Messungen wichtig. Heute kann ich als Astronom wiederum sinngebende Geschichten darüber erzählen, aus welchen Elementen wir zum Beispiel kommen, wie ist das Sonnensystem entstanden, etc. Man kann diesen kosmischen Wahnsinn mit seinen riesigen Distanzen näher an uns heran bringen. Der Satz "Wir sind Sternenstaub" und zwar zu 92 Prozent, der klingt sehr romantisch. Aber das sind wir tatsächlich: Wir bestehen aus Elementen, die Sterne über Milliarden Jahre in der Milchstraße erzeugt haben. Wenn man Astronomie kommunizieren will, sind eben diese Geschichten ganz wichtig, um zu vermitteln, was das alles mit uns zu tun hat.

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