Copyright: ZDF / Maor Waisburd
Copyright: ZDF / Maor Waisburd

Und tot bist Du! – Ein Schwarzwaldkrimi

Zweiteiliger Fernsehfilm

Jessica Schwarz und Max von Thun als Ermittler klären einen Kriminalfall, der in die Zeit der französischen Besatzung zurückführt. Regisseur Marcus O. Rosenmüller inszenierte den zweiteiligen Fernsehfilm nach dem Drehbuch von Anna Tebbe. In weiteren Rollen spielen Nadja Bobyleva, Rüdiger Vogler, Roeland Wiesnekker, Robin Sondermann und viele andere.

  • ZDF, Montag, 8. April 2019, und Mittwoch, 10. April 2019, jeweils 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Freitag, 5. April 2019, 10.00 Uhr

    Texte

    Geschichten aus dem schwarzen Wald

    In der deutschen Erzählkultur ist der Wald bekanntermaßen fest verwurzelt. Sagen, Legenden, Märchen, Schauer- und Gespenstergeschichten leben in hohem Maße vom Topos des dunklen, tiefen Waldes – denn dort haust das Geheimnis und allerlei seltsames Personal.

    Müsste man im waldreichen Deutschland eine Landschaft benennen, die archetypisch für den abgründigen Wald der Geheimnisse steht, käme man am Schwarzwald nicht vorbei. Denn hier ist der Name Programm: Die namensgebende Dunkelheit der meist ziemlich dichten Tannenwälder ist schließlich besonders dazu angetan, Geschichten zu beherbergen, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart, das Naturschöne mit dem Geheimnisvollen und Abgründigen und die Realität mit sagenhaften Erzählungen verbinden.

    Diese innere und äußere Landschaft war der Ausgangspunkt der Autorin Anna Tebbe, einen spannenden Zweiteiler zu erdenken, in der sich – ausgehend von der geheimnisvollen Toten im See – mehrere ebenfalls innere und äußere Geschichten miteinander verknüpfen. Ganz am Anfang steht ein Kinderspiel, das nicht nur jede Unschuld verloren hat, sondern aus dem tödlicher Ernst wird. Der Krimi ist hier nur der Ausgangspunkt für eine innere Reise in tiefste Abgründe, aus der die Protagonistin Maris Bächle und eine ganze Kleinstadt verändert hervorgehen. Ähnlich wie Sigmund Freud des Öfteren die Metapher des "dunklen Kontinents" verwendete, um seine Expeditionen in die unbewussten Tiefen der Psyche zu beschreiben, so steht der schwarze Wald hier auch als ein Bild für die Tiefe menschlicher Abgründe.

    Ziel war es aber, vor allem diese Suche nach den Geheimnissen der Vergangenheit in eine hoffentlich spannende filmische Reise zu verwandeln, in der sich individuelle und kollektive Lebensgeheimnisse nach und nach entblättern wie in einem Roman. Man darf nur nicht vergessen, dass es an vielen Stellen des Schwarzwaldes im dichten Immergrün der Tannen ganzjährig dunkel und geheimnisvoll bleibt.

    Daniel Blum
    Hauptredaktion Fernsehfilm / Serie I

    Stab, Besetzung, Inhalt

    Buch          Anna Tebbe
    Regie    Marcus O. Rosenmüller
    Kamera     Stefan Spreer
    Schnitt      Claudia Klook
    Ton       Andreas Walther
    Szenenbild      Klaus-Peter Platten, Gertrud Esslinger
    Kostümbild      Susanne Roggendorf
    Maske       Sylvia Reusch, Rosa Singhofen
    Musik     Dominik Giesriegl
    Produktionsleitung    Axel Unbescheid
    Herstellungsleitung       Matthias Krause
    Produktion    all-in-production, München
    Ausführende Produzentin      Caroline Daube
    Produzentin      Annette Reeker
    Redaktion      Daniel Blum
    Länge     2 x ca. 88 Minuten

       

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Maris Bächle      Jessica Schwarz
    Konrad Diener     Max von Thun
    Bernadette Ramsperger      Nadja Bobyleva
    Hans Katrein     Rüdiger Vogler
    Andreas Zollner       David Zimmerschied
    Achim Brugger      Roeland Wiesnekker
    Max Natterer     Robin Sondermann
    Hermann Natterer        Lambert Hamel
    Claudia Diener     Rike Schmid
    Stefan Zabel     Robert Schupp
    Hans Katrein (1945)     Jona Eisenblätter
    Camille Roloir    Aurélie Thépaut
    Hermann Natterer (1945)      Patrick Mölleken
    Lioba Natterer   Noemi Reinholz
    Isabelle Hemlé (1945)   Jessica Schwarz
    Thomas Sieber      Stefan Rudolf
    Gerd Sieber (1945)     Fabian Halbig
    Robert Cabell (1945)     Julian Schmieder
    Theres Sieber     Sophie Bogdan
    Vanessa Cabell     Jaëla Probst
    Lavinia Wiesel     Anabel Möbius
    Marianne Sieber     Monika Goll
    Mechthild Sieber (1945)     Nicole Gerdon
    Constanze von Waldenfels (1945)    Stefanie Klimkait
    Tilda von Waldenfels     Tara Fischer
    Michael Maetze       Ole Fischer
    Christoph Bächle    Peter Prager
    Fabienne Ledoux       Kim Bormann
    Ilse Grosch (1945)      Katja Uffelmann
    Capitaine Raymond (1945)      François Smesny
    und andere

    Inhalt

    Eine junge Frau, die Enkelin des Bürgermeisters Hermann Natterer von Klosterbach im Schwarzwald, wird tot in einem See entdeckt. Alten Legenden zufolge gibt es in dem See Geister, die einen in die Tiefe ziehen. Obwohl alles auf Suizid hindeutet, zweifeln Maris Bächle und ihr neuer Kollege Konrad Diener von der Kripo Freudenstadt an dieser Theorie.

    Wenig später stürzt eine weitere junge Frau mit ihrem Rad einen Abhang hinunter in die Tiefe. Die Ermittler stellen einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen fest: Die beiden Frauen kannten sich, und beide trafen sich heimlich mit einem Unbekannten.

    Die Spur führt zu Hans Katrein, einem emeritierten Professor für Theologie, der nach Jahren im Ausland in seinen Heimatort im Schwarzwald zurückgekehrt ist. Mit ihm und seinen Zeichnungen aus Kindertagen über die Zeit der Besatzung wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Vergangenheit wieder lebendig:

    Klosterbach steht unter französischer Besatzung. Der achtjährige Köhler-Hans, ein Außenseiter im Ort, zeichnet mit einem Stück Holzkohle Eindrücke der Feierlichkeiten der französischen und marokkanischen Soldaten. Die Besatzer verlangen vom jungen neuen Ortsvorsteher Hermann Natterer, dass er Frauen heranschafft. Natterer und zwei seiner Freunde verhandeln mit den Franzosen.

    Nährboden für Mythen und Legenden

    Statement der Produzentin Annette Reeker

    Ein Auszählreim wird zum Todesurteil. Ein unschuldiger Junge zum Handlager der Mörder. Eine Schuld, die noch zwei Generationen später die Täter und ihre Enkel fest im Griff hält.

    Mit dieser Grundidee startete die Recherche für diesen Zweiteiler im Nordschwarzwald: Viele Dokumente über die Zeit nach Kriegsende gab es nicht. Noch war die Presse verboten, waren Kameras konfisziert. Beschwerdebriefe an die französische Verwaltung waren ergiebiger. Die Besetzung im Frühjahr 1945, die anfänglich nur selten als Befreiung verstanden wurde, war für den Südwesten Deutschlands mehr als eine Schmach. Die Soldaten, die in die kleinen Fachwerkdörfer einmarschierten, schienen den in den Köpfen noch virulenten Führungsanspruch der unheilvollen NS-Rassenlehre zu verhöhnen. Ein Großteil waren nämlich Söldner aus den französischen Kolonien in Nord- und Westafrika. Der Chronist der Geschichte, ein kleiner, in seinem Dorf geächteter Köhlerjunge, der die Geschehnisse in seinen Zeichnungen festhält, sagt im Film: "Der einzige Farbige, den ich bis dahin kannte, war Melchior von den Heiligen Drei Königen. Ich war fasziniert." Andere waren aber verängstigt – oder nutzten diese Angst aus. Wie in unserem Film, kam es in den Frühlingstagen nach Kriegsende immer wieder zu Sabotageakten gegen die Besatzer.

    Diese tief verwurzelte Angst vor dem Dunklen, dem Diabolischen, wie sie sich zum Beispiel in der Ausgrenzung der "Köhler" manifestierte, ist zugleich der Nährboden für viele Legenden und Mythen, die bis heute im Schwarzwald lebendige Erzählkultur sind.

    "Wir waren von Anfang an ein gutes Team"

    Interview mit Jessica Schwarz und Max von Thun

    Was ist für Sie das Spannende am Zweiteiler "Und tot bist Du! – Ein Schwarzwaldkrimi"? Können Sie uns den Fall beschreiben?

    Jessica Schwarz: Für mich vor allem die Figur, die ich verkörpere. Marlis wird als kleines Kind in einer Höhle gefunden, und keiner weiß, wo sie herkommt. Es war spannend für mich, diesen "Kaspar Hauser"-Charakter zu entwickeln. Interessant ist auch die Verbindung des historischen Hintergrunds mit dem aktuellen Fall. Im Film kommen junge Frauen zu Tode, und es sieht nach Suizid aus, aber es gibt keine Anhaltspunkte dafür. Das Ermittlerduo versucht, den Fall zu lösen, und für Marlis kommt es auch zur Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Es ist mein erster richtiger Kriminalfall in der Rolle einer Kommissarin. Ich habe zum ersten Mal in einer Pathologie gedreht, daran musste ich mich gewöhnen.

    Max von Thun: Vor allem die Zusammenarbeit mit Jessica Schwarz und Marcus O. Rosenmüller. Da es sich um einen sehr komplexen Zweiteiler handelt, lässt sich der Fall nur schwer in wenigen Worten erklären. So viel sei gesagt: Es gibt Verbindungen, die weit in die Vergangenheit reichen.

    Sie ermitteln in einer Doppelspitze, der Kollege Diener ist neu bei der Kripo Freudenstadt. Wie würden Sie die Rollenverteilung innerhalb der Doppelspitze beschreiben?

    Jessica Schwarz: Beiden ist zunächst nicht bewusst, dass sie in einer Doppelspitze ermitteln sollen, und sie müssen erst lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Konrad hat einen sehr klaren Verstand: Er kann gut kombinieren und auf viel Wissen zurückgreifen. Auch auf das Wissen seiner Frau, die pharmazeutisch-technische Assistentin ist. Marlis hingegen ist stark von ihrer Intuition geprägt. Sie ist ständig auf der Suche nach sich und hat gelernt, die Natur zu lesen. Sie hat die Gegend durchforstet und stellt schnell fest, wenn etwas nicht stimmt. Ich habe zum ersten Mal mit Max von Thun gedreht, wir waren beim Casting zusammen und waren von Anfang an ein gutes Team.

    Max von Thun: Konrad Diener geht den Fall und alles, was damit zu tun hat, sicherlich sehr viel rationaler und nüchterner an als Maris Bächlein, die sich den Dingen oft auch auf mystische und emotionale Weise nähert.

    Glauben Sie an die Macht und den Einfluss von alten Familiengeschichten?

    Max von Thun: Ich glaube grundsätzlich an die Macht und den Einfluss von Geschichte und dass diese in einigen Fällen auch die Gegenwart beeinflussen kann. Leider ist dieser oft viel zu gering. Scheinbar ist es einigen Menschen nicht möglich, auch aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

    Jessica Schwarz: Ich komme aus einer sehr alten Kleinstadt mit dem ältesten Rathaus Deutschlands. Hier gibt es natürlich auch viele Geschichten, es gibt einen Liebesturm, um den sich Mythen ranken. Mein Großvater hat mir viel vom Krieg erzählt. In meiner Fantasie habe ich als Kind die "Bomber fliegen gehört" und mich nachts versteckt. Ich habe mir auch die Zähne mit Seife geputzt, weil es im Krieg keine Zahncreme gab. Meine Eltern haben Großwildkatzen großgezogen, deshalb gibt es in unserer ganzen Familie nur Katzen. Auch der Zusammenhalt einer Familie hält über Generationen an, vor allem in kleineren Dörfern.

    Frau Schwarz, Sie sind in Michelstadt im Odenwald aufgewachsen, Herr Thun, Sie sind in München geboren und aufgewachsen. Was hat Ihnen an den Drehorten im Schwarzwald besonders gut gefallen?

    Jessica Schwarz: Es gibt eine Anhöhe auf dem Weg von Freudenstadt Richtung Straßburg, da kann man die schönsten Sonnenuntergänge beobachten. Wir hatten auch ein sehr lustiges "Shining"-Hotel, in dem wir während des Drehs gewohnt haben. Ein historisches altes Hotel, mit großen Gängen und Kronleuchtern – ein mystischer Ort. Der Höhlendreh war auch sehr beeindruckend: In einer Drehpause meinte der Klettercoach, wenn wir durch ein enges Loch klettern, gebe es einen großen Raum mit funkelnden Steinen dahinter. Auf dem Weg zurück haben wir dann entdeckt, dass die ganzen Wände voller großer Kreuzspinnen waren. Das waren bestimmt sechzig Stück, wirklich gruselig.

    Max von Thun: Eine der Besonderheiten dieses Berufes besteht darin, an Orte zu gelangen, die man vorher nicht kannte. Den Schwarzwald kannte ich bis dato nicht, war aber von der landschaftlichen Schönheit und Natur sehr angetan.

    "Der See ist das Auge des Teufels" besagt eine Legende in "Und tot bist Du!" Haben Sie sich mit dem Thema schon einmal privat beschäftigt?

    Max von Thun: Ich bin kein abergläubischer Mensch, aber ich finde die Übermittlung von Legenden und Sagen grundsätzlich spannend und unterhaltsam.

    Jessica Schwarz: Ich denke, viele Legenden wurden natürlich geschaffen, um Leute bei Laune zu halten, viele wurden ja auch von der Kirche geprägt, und es wurde oft Angst gesät. Das Erlebnis einer Gegend wird viel stärker und intensiver, wenn man um ihre Mythen und Legenden weiß.

    Glauben Sie an magische Orte, und sind Sie selbst schon an einem gewesen?

    Jessica Schwarz: Ein Kornkreis kann ein sehr magischer Ort sein. Sie sind viel größer, als man es sich vorstellen kann, teilweise drei Fußballfelder groß. Man läuft zur Mitte rein und ist oft eine Stunde unterwegs, alle Grashalme sind gleich abgeknickt, in eine Richtung rein, in die andere Richtung raus. Welche Geräte muss man benutzen, um in einer Nacht so etwas zu kreieren? Das geht gar nicht! In Stonehenge gibt es ein Haus, da darf man sich nicht auf den Stuhl setzen, da er besetzt von einer toten Frau ist. Am Lago de Atitlán in Guatemala haben wir mitbekommen, wie hunderte von Frauen sich von Priester haben weihen lassen und sich in Trance geschrien haben.

    Max von Thun: Ich glaube schon, dass es Orte gibt, denen ein gewisser Zauber, oder auch Schrecken, anhaftet. Je mehr man sich diesem öffnet, umso mehr kann man ihn auch wahrnehmen.

    Impressum

    Fotos über ZDF Presse und Information
    Telefon: (06131) 70-16100 oder über
    https://presseportal.zdf.de/presse/undtotbistdu

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information

    Verantwortlich: Alexander Stock
    E-Mail: pressedesk@zdf.de
    © 2019 ZDF

    Ansprechpartner

    Name: Lisa Miller
    E-Mail: presse.muenchen@zdf.de
    Telefon: (089) 9955-1962