Unter Verdacht - Grauzone

Der Samstagskrimi

Die internen Ermittler Dr. Eva Maria Prohacek und ihr Team stoßen im 23. Fall der Samstagskrimireihe auf illegale Geschäfte mit der Altenpflege. Neben Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff spielen in Episodenrollen Marc Oliver Schulze und Jürgen Tarrach. Regie führte Andreas Herzog nach dem Drehbuch von Isabel Kleefeld und Oliver Pautsch.

  • ZDF, Samstag, 9. Mai 2015, 20.15 Uhr

    Texte

    "Das Thema hat uns natürlich interessiert!"

    "Wie kann man eigentlich in Würde altern – haben Sie sich das schon mal überlegt? Vielleicht 'ne Alters-WG?", fragt André Langner seine Kollegin Eva Maria Prohacek, die darauf antwortet, sie habe ja niemanden, mit dem sie zusammenleben könne. Und Langner gesteht ihr, dass er glaube, er könne einfach mit niemandem zusammenleben. Der kurze, intensive Moment zwischen Langner und Prohacek bringt einen ins Grübeln: "Habe ich vorgesorgt"? "Was passiert, wenn das Geld im Alter für die Pflege nicht ausreicht"? Unangenehme Fragen. Wichtige Fragen. Fragen, denen wir uns in unserer alternden Gesellschaft stellen müssen.

    Und es geht hierbei auch um ein rasant wachsendes, lukratives Geschäftsfeld, für das sich immer mehr kriminelle Organisationen interessieren. Es heißt, dass in der Altenpflege genauso viel Geld zu verdienen sei wie im Drogenhandel, wobei die Aufklärungsquote und die Gefahr der Entdeckung wesentlich geringer seien. Das Thema hat uns natürlich interessiert! Mit einem bewährten Team sind wir gerne die Herausforderung eingegangen, daraus eine Geschichte für "Unter Verdacht" zu entwickeln. Nach umfangreicher Recherche schrieben Isabel Kleefeld und Oliver Pautsch das Drehbuch und Andreas Herzog inszenierte es mit viel Feingefühl. Und Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff lassen durch ihr grandioses Zusammenspiel selbst die kleinsten Szenen zu einem Fest werden – auch wenn es gerade mal nur um einen "Zwetschgendatschi" geht.

    Prohacek, Langner und Reiter laufen in diesem Fall wieder einmal zur Höchstform auf – auch wenn die Beweggründe dafür sehr unterschiedlich sind. Ob es nun Reiters monetäre Gründe, Langners Pflichtbewusstsein oder Prohaceks Intuition sind, sie haben ein Ziel: die Verflechtungen von Politik, Sozialamt und kriminellen Organisationen im Pflegedienstsektor zu entwirren. Die Geschichte geht ans Herz und appelliert ans Hirn. Sie berührt uns und sorgt vielleicht dafür, dass wir nicht nur über die gesellschaftspolitische Dimension des Themas nachdenken, sondern auch unsere persönliche Situation überdenken und begreifen, worauf wir achten müssen: Freunde, mit denen wir auch im Alter zusammenleben können!

    Elke Müller
    Redaktion Reihen und Serien II

    Stab, Besetzung und Inhalt

    Buch       Isabel Kleefeld, Oliver Pautsch
    Regie    Andreas Herzog
    Kamera      Wolfgang Aichholzer
    Musik      Sebastian Pille
    Schnitt      Gerald Slovak
    Maske      Barbara Spenner, Germaine Mouth
    Szenenbild       Christian Kettler

    Produktions- und Herstellungsleitung 

           

    Manu S. Scheidt

    Produzent    Mario Krebs
    Redaktion        Elke Müller, Dominik Kempf
    Längeca. 89 Min.

    Eine ZDF-Auftragsproduktion der EIKON Media GmbH, Berlin

     

    Die durchgehenden Rollen und ihre Darsteller

    Dr. Eva Maria Prohacek     Senta Berger
    André Langner     Rudolf Krause
    Dr. Claus Reiter      Gerd Anthoff
    Peter Söllner       Marc Oliver Schulze
    Hubert Cuntze       Jürgen Tarrach
    Oleg Kindrachuk       Ryszard Ronczewski
    Lena Söllner      Sarah-Lavinia Schmidbauer
    Irina Sokolova       Juta Vanaga
    Lydia Kindrachuk        Maria Mägdefrau
    Jevgeni Skulsky        Anton Levit
    und andere

                  

    Ein Mitarbeiter des Münchner Sozialreferats wird am helllichten Tag von einem Auto erfasst und stirbt. Zur gleichen Zeit befragen die internen Ermittler Dr. Eva Maria Prohacek und André Langner den Bruder des Opfers wegen eines Amtsdelikts: Streifenpolizist Peter Söllner ist bei einer Alkoholkontrolle zu vehement gegen den bayerischen Landtagsabgeordneten Hubert Cuntze vorgegangen.

    Dr. Eva Maria Prohacek nimmt an, dass Söllner ihr etwas über seinen toten Bruder verheimlicht, und will einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen ausschließen. Sie und Langer finden jedoch heraus, dass ausgerechnet dieser Cuntze ein Spezi von Dienststellenleiter Dr. Reiter ist und zudem der Chef einer Immobilienholding, der auch das Hochhaus in Neu-Perlach gehört, vor dem der Unfall passierte. Dort wohnen viele Senioren mit Migrationshintergrund, vornehmlich Russlanddeutsche, die alle von einem mobilen Pflegedienst betreut werden.

    Prohacek und Langner stoßen auf ein Netzwerk aus organisierter Kriminalität und korrupter Politik, das illegale Geschäfte mit der Altenpflege betreibt. Söllners Bruder war bereits dem Leistungsbetrug der Pflegedienstfirma auf der Spur. Und jetzt sieht es fast so aus, als ob dem gesundheitlich angeschlagenen Dr. Reiter die Kumpanei mit Cuntze gefährlich werden könnte.

    "Alte Menschen haben keine Lobby"

    Zwei Fragen an Senta Berger

    "Grauzone" zeigt mal wieder deutlich, wo es in unserer Gesellschaft Missstände gibt. An was krankt das deutsche Pflegesystem Ihrer Meinung nach?

    Ich denke, es ist ganz einfach: Wir haben in Deutschland – vielleicht aber auch in ganz Europa – zu wenig ausgebildetes und kompetentes Pflegepersonal. Deutsche Arbeitnehmer wollen diese anstrengende Arbeit schon lange nicht mehr machen. Es ist ja auch so, dass diese aufreibende Arbeit, körperlich wie seelisch schwer zu bewältigen und viel zu schlecht bezahlt ist. Und immer mehr soll und wird auf dem Pflegesektor eingespart. Dabei sollte gerade diese Arbeit, die ein Dienst an dem Nächsten, an unserer Zivilgesellschaft ist, viel besser bezahlt werden. Da wird an falscher Stelle gespart. Alte Menschen haben keine Lobby. Wir haben Kitas für die Kinder, aber die alten Menschen werden in unserer Gesellschaft vernachlässigt. Sie zählen nicht – nicht mehr. Der Staat investiert nicht genügend. Das ist eine Frage der politischen Präferenz. Viele Pflegefälle können einfach nicht zuhause und von der Familie betreut werden. Und um privat Pflegepersonal zu bezahlen, fehlt nur allzu oft das nötige Geld. Es geht immer nur um's Geld. Das ist schlimm. Aber so einfach ist das Problem.

    Dr. Eva Prohacek wird im Film von ihrem Kollegen André Langner gefragt, wie man in Würde alt werden kann und sie hat darauf keine konkrete Antwort. Haben Sie eine?

    Die Antwort auf diese Frage muss wohl jeder selbst finden und geben. Für jeden bedeutet "Würde" etwas anderes. Für die meisten bedeutet es sicher ein selbstbestimmtes Leben. Für die meisten bedeutet es sicherlich auch, auf Respekt und Rücksicht der Gesellschaft zählen zu können. Natürlich frage ich mich, wie wird das sein mit uns, mit meinem Mann und mir? Wir spielen verschiedene Möglichkeiten durch. Aber das Leben hält sich nicht an Abmachungen. Das wenigstens haben wir mit den Jahren gelernt.

    Die Fragen stellte Franziska Kurra

    "Ohne ethisch-moralischen Konsens zerbrechen Gesellschaften"

    Zwei Fragen an Jürgen Tarrach

    In "Grauzone" geht es um einen privaten Pflegedienst, der aus der Pflegebedürftigkeit älterer Menschen Profit schlägt. Was sagen Verbrechen dieser Art über uns als Gesellschaft aus?

    Was "Unter Verdacht" als Krimireihe so besonders und außergewöhnlich macht, ist das große Thema Korruption und der stete unbeirrbare Kampf dagegen. Um diesen Kampf zu bestehen, bedarf es einer Moral, einem Ethos, der in der Figur Prohacek seinen Ausdruck findet. Das sind scheinbar altmodische Begriffe, aber ohne einen ethisch-moralischen Konsens zerbrechen Gesellschaften, Beispiel Griechenland! Korruption erscheint uns manchmal als Kavaliersdelikt, aber es ist ein schweres Vergehen am sozialen Frieden und lässt Unschuldige leiden – wie eben in "Grauzone" eindrücklich geschildert. Besonders perfide erscheint uns dies, wenn Gelder veruntreut oder Geschäfte gemacht werden mit alten, hilfsbedürftigen Menschen, die um ihre Pflege betrogen werden.

    Sie spielen einen Politiker, der sein Saubermann-Image pflegt, gleichzeitig als Geschäftsmann aber Sozialgelder vom Staat hinterzieht. Was bewegt einen Menschen dazu, so zu handeln?

    Meine Figur ist ein Mann, der eben keine Moral besitzt, der skrupellos agiert, der selbstverständlich für sich Sonderrechte in Anspruch nimmt, weil sein Ego als Landtagsabgeordneter über das Amt hinausgewachsen ist. Er empfindet bei seinem Handeln keine Schuld. Er glaubt ein seriöser Geschäftsmann zu sein, denn sein Umgang in hohen gesellschaftlichen Kreisen scheint ihm dies zu bestätigen. Wer einmal ein instabiles afrikanisches Land bereist hat, weiß, wohin Korruption führen kann. Davor bewahren uns Menschen wie Prohacek und Langner.

    Die Fragen stellte Franziska Kurra

    "Da hilft auch keine Suspendierung"

    Zwei Fragen an Marc Oliver Schulze

    Nach dem ominösen Tod seines Bruders geht Peter Söllner selbst auf Verbrecherjagd. Ist das reine Selbstjustiz oder zeigt er Zivilcourage?

    Weder noch, denke ich. Er ist zwar suspendiert zu dem Zeitpunkt, aber für sein Verständnis nach wie vor Polizist, vor allem jetzt, da seine Familie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Bei dieser Art von Beruf ist es schwer, die Gedanken, die einen um- und antreiben, einfach fahren zu lassen, man hat etwas rauszufinden, da hilft auch keine Suspendierung.

    Für Peter Söllner kommt es nicht in Frage, seine pflegebedürftige Frau in ein Heim zu geben. Er pflegt sie zu Hause. Wie würden Sie persönlich mit der Situation umgehen?

    Das ist keine leichte Frage. Das Leben der beiden hat sich durch den Unfall natürlich radikal geändert. Ich denke der erste Reflex ist, um einen solchen Schlag zu verarbeiten, oder vielmehr zu verdrängen, so weiterzumachen wie bisher, um sich zu beweisen, dass man stärker ist als das Schicksal. Irgendwann muss man eine Entscheidung fällen, die beider Leben gerecht wird, auch dem "gesunden", so hart das klingt, und da ist eine professionelle Betreuung sicherlich einen Gedanken wert.

    Die Fragen stellte Franziska Kurra

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