Copyright: ZDF / Barbara Bauriedl
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Winterherz – Tod in einer kalten Nacht

Der Fernsehfilm der Woche

Regisseur Johannes Fabrick inszenierte das Drama nach dem Drehbuch von Susanne Schneider: Sylvie Vollert sitzt im Wagen, als ihr Mann Maxim in einer Winternacht den 17-jährigen Finn Gattner anfährt und den scheinbar Unverletzten an einer Bushaltestelle zurücklässt. Doch der Junge hat innere Verletzungen und stirbt. Mike Gattner macht sich Vorwürfe, dass er seinen jüngeren Bruder nach einem gemeinsamen Disco-Besuch alleine gelassen hat. Er will herausfinden, was genau passiert ist. An Finns Grab trifft er Sylvie, und zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung.

  • ZDF, Montag, 2. Dezember 2019, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Montag, 25. November 2019, 10.00 Uhr

    Texte

    Stab, Besetzung, Inhalt

    Buch     Susanne Schneider
    Regie     Johannes Fabrick
    Kamera        Helmut Pirnat
    Schnitt     Mona Bräuer
    Ton       Daniel Seiler
    Szenenbild       Gabi Pohl
    Kostümbild        Andrea Spanier
    Musik       Manu Kurz
    Produktionsleitung     Uli Hauff
    Herstellungsleitung     Sabine Wenath-Merki
    Produktion     hager moss film GmbH
    Produzentin     Kirsten Hager
    Redaktion       Pit Rampelt
    Länge    ca. 88 Minuten

     

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Mike Gattner   Anton Spieker
    Sylvie Vollert      Laura de Boer
    Maxim Vollert    Franz Pätzold
    Renata Gattner      Ulrike Kriener
    Peter Gattner   Bernhard Schütz
    Finn Gattner    Jeremias Meyer
    Valerie     Amanda da Gloria
    Kalli     David Zimmerschied
    Bernhard Vollert      Michael Lerchenberg
    Ruth Vollert    Mona Seefried
    und andere

     

    Nach einem Disco-Besuch wird der 17-jährige Finn von dem angehenden Richter Maxim Vollert angefahren. Er lässt den scheinbar Unverletzten zurück. Der Junge aber hat innere Verletzungen und stirbt.

    Finns Bruder Mike macht sich schwere Vorwürfe, dass er den betrunkenen Finn alleine nach Hause hat gehen lassen. An Finns Grab trifft er Sylvie Vollert, die in der Unglücksnacht neben ihrem Mann im Wagen saß. Zwischen den beiden entsteht eine leidenschaftliche Beziehung.

    Sehr bald ahnt Mike, dass Sylvie am Tod seines Bruders beteiligt war. Mike erzählt seinen Eltern von dem sich erhärtenden Verdacht gegen die Vollerts. Als seine Mutter auch noch von der Liaison zwischen Mike und Sylvie erfährt, bricht für sie eine Welt zusammen.

    Sylvie beichtet Mike die Wahrheit und will aus Liebe zu ihm ihren Mann verlassen. Sie ist aber nicht bereit, gegen Maxim vor Gericht auszusagen, um seine Karriere nicht zu gefährden und sich selbst vor strafrechtlichen Konsequenzen zu schützen. Mike, mit dem Unglück seiner Eltern konfrontiert und von seinem eigenen Gewissen getrieben, will für Gerechtigkeit sorgen.

    "Der Unfall ist wie eine Lupe, unter der
    alle Facetten der Schuld sichtbar werden"

    Zwei Fragen an Regisseur Johannes Fabrick

    Herr Fabrick, in Ihren Filmen setzen Sie sich immer wieder mit dem Thema "Schuld" auseinander. Worauf kam es Ihnen bei diesem Film an?

    Schuld ist eines der großen Menschenthemen. Es ist für mich kein Zufall, dass die Sprache das Wort "Schuld" sowohl im finanziellen als auch im seelischen Kontext verwendet. Letztlich geht es um einen Handel. Wenn, wie in "Winterherz – Tod in einer kalten Nacht", der Richter auf Probe unbedingt seine ungestörte Karriere haben will, ist er bereit, sich schuldig zu machen, und zwar wegen Fahrerflucht und Körperverletzung mit Todesfolge. Aber vielleicht sind auch schon die Eltern mit schuld, weil sie beim gemeinsamen Abendessen unbedingt mit Alkohol die Stimmung heben wollten. Und vielleicht verschuldet sich auch Mike, die Hauptfigur, in dem Moment, wo er sein sexuelles Abenteuer genießen will und den Anruf des kleinen Bruders, für den er die Verantwortung übernommen hat, nicht annimmt. All diese Dinge – Karrieresucht, Alkoholkonsum, Begierde – wären für gewöhnlich eher unbeachtete Lappalien, würden sie nicht vom tragischen Unglück gespiegelt.

    Der Unfall ist wie eine Lupe, unter der plötzlich alle Facetten der Schuld sichtbar werden. Und darin können wir auch die Allgemeingültigkeit des Stoffes erkennen: Wir leben mit unglaublich vielen Unterlassungssünden, Unkorrektheiten, dem ein oder anderen Bequemlichkeitsschwindel. Solange wir damit durchkommen, kräht kein Hahn danach. Erst im Moment der Katastrophe wird der Schrei nach dem Schuldigen laut. Das hat etwas schrecklich Unmoralisches. Wenn dann niemand zu den Konsequenzen stehen will, nimmt die Tragödie ihren Lauf.

    Warum stürzen sich der Bruder des Toten und die vermeintliche Täterin in eine leidenschaftliche Beziehung?

    Die Menschen mit dem unter Anführungszeichen "reinsten Herzen" haben das schlechteste Gewissen und empfinden die größten Schuldgefühle. Sie sind nicht abgebrüht. Deshalb leiden sie am meisten unter dem Fehler. Sie spüren das im anderen, sie spüren auch die Sehnsucht nach Erlösung, und eine leidenschaftlich sexuelle Beziehung war zu allen Zeiten eine Möglichkeit für die Menschen, ihre Skrupel wenigstens kurzzeitig zum Schweigen zu bringen. Verzweiflung, Leidenschaft und Erotik sind guter Treibstoff für die Begierde.

    Verzweifelte Suche nach Gerechtigkeit

    Statement von Autorin Susanne Schneider

    Ein Unglück, durch das das Gefüge einer Familie zertrümmert wird, wie bei einem Erdbeben. Wie umgehen mit dem plötzlichen Tod eines geliebten Menschen? Wie umgehen mit der Erkenntnis, dass auf Schuld nicht unbedingt Sühne folgt, dass Täter, die ein Leben ausgelöscht haben, das ihrige unbehelligt weiterführen können und die Opfer hilflos zurückbleiben? "Winterherz – Tod in einer kalten Nacht" erzählt von der verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit und der Hoffnung, durch die Liebe von der Einsamkeit der Schuld erlöst werden zu können.

    "Mike ist eine krasse Figur"

    Statement von Schauspieler Anton Spieker

    Mike ist eine krasse Figur, weil er sich zwischen Trauer und Schuld bewegt und neben dem eigenen Schmerz die ganze Zeit am Taktieren ist, was er wem erzählt und mit welchen Methoden er an welche Informationen kommen kann. Dann kommen auch noch fast absurde Gefühle für die Frau dazu, die er für mitverantwortlich für den Tod seines Bruders hält; da ist Kontrollverlust vorprogrammiert. Eine überforderte Figur wie Mike zu spielen, ist immer cool, weil alles passieren kann.

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