WISO 2016

Interview mit Moderator und Redaktionsleiter Martin Leutke

Was eine gute "WISO"-Sendung im Jahr 2016 ausmacht und wie sich die Marke "WISO" auch im vierten Jahrzehnt jung erhält, erläutert "WISO"-Moderator und -Redaktionsleiter Martin Leutke im Interview. Im kommenden Sommer ist er bereits seit fünf Jahren als Kopf des ZDF-Wirtschafts- und Verbrauchermagazins im Einsatz. Der 41-Jährige bilanziert, wie "WISO" immer intensiver die digitalen Plattformen im Netz nutzt, und blickt auf die kommenden Herausforderungen, um mit dem Traditionsformat im Fernsehen und im Netz gleichermaßen erfolgreich zu sein.

  • ZDF, montags, 19.25 Uhr

Texte

"Im Fernsehen und Netz gleichermaßen erfolgreich sein"
Interview mit "WISO"-Moderator und -Redaktionsleiter Martin Leutke

Wie sieht für Sie die ideale "WISO"-Sendung im Jahr 2016 aus – was muss da an Themen drin sein?

Eine gute Sendung 2016 zeichnet das aus, was auch eine gute Sendung 1986 ausgezeichnet hat – Themen aufzugreifen, die die Menschen bewegen. Wenn wir Themen anbieten, denen die Menschen in den nächsten 24 Stunden ihres Lebens begegnen, sei es beim Gang in der Fußgängerzone oder beim Gespräch abends mit Familie und Freunden, dann haben wir die richtigen Themen getroffen – das gilt damals wie heute wie immer.

Sie waren neun Jahre alt, als "WISO" im Januar 1984 startete – mittlerweile ist die Sendung 32 Jahre alt. Wie viel Erneuerung braucht ein solches Format in seinem vierten Jahrzehnt und mit Blick auf die digitalen Herausforderungen?

Wir arbeiten permanent daran, "WISO" als Marke jung zu erhalten. Vor 30 Jahren galt es Fernsehen zu machen – und nur Fernsehen zu machen. Damals war der Markt klein, und die Menschen haben sich bei wenigen Programmen aufgehalten. Heute sind die Herausforderungen viel größer: Wir müssen nicht nur im Fernsehen aktiv sein, sondern auch auf den digitalen Plattformen. Internet, Facebook, Twitter und Co. sind insofern eine Herausforderung, weil dort die Menschen zu finden sind, die Fernsehen nicht mehr so intensiv schauen. Unsere Sendezeit am Montag um 19.25 Uhr kommt hinzu – eine Zeit, in der viele noch die Familie versorgen oder überhaupt erst von der Arbeit zurückkommen: Sie sollen die Sendung aber trotzdem schauen können – und dafür bieten wir verstärkt unsere Sendungsinhalte in der ZDFmediathek und in den sozialen Netzwerken an.

"WISO" ist nicht nur bei Facebook und Twitter aktiv, sondern nutzt beispielsweise auch die Second-Screen-Möglichkeiten der ZDF-App: Welchen Mehrwert hat das?

Während der Sendung kann der Second-Screen-Nutzer über sein Smartphone, Tablet oder PC zusätzliche Informationen zu den einzelnen Themen der Sendung finden – da eine informative Grafik, hier ein ergänzendes Zitat, dort ein zusätzliches Foto von den Dreharbeiten. Es ist also ein Zusatzwert zu dem, was im Fernsehen läuft. Was unsere Second-Screen-Nutzer am besten annehmen, ist die Umfrage, die wir jede Woche machen. Da können die Nutzer Fragen beantworten und die Ergebnisse fließen wieder zurück in die Sendung.

Die Spannbreite der "WISO"-Themen reicht von der Online-Preis-Anaylse im Internethandel über den Oma-Test im Nagelstudio und das Smartphone, das das Auto revolutioniert, bis zur Pflege im Alter. Wie schafft es "WISO", das Publikum in den verschiedenen Altersgruppen für Themen zu interessieren, die nicht zwingend die eigene Lebenswelt prägen?

Es ergibt keinen Sinn, die Fünfjährigen genauso wie die 95-Jährigen mit exakt denselben Themen zu begeistern – das wird uns nicht gelingen. Wir greifen in der Sendung die Themen auf, die in der Mitte der Gesellschaft relevant sind. Ein klassisches Beispiel: Wenn es darum geht, ältere Menschen in einem Pflegeheim unterzubringen, lässt sich das aus Sicht der Generation erzählen, die sich gerade um die Unterbringung der betagten Eltern kümmern muss. Wenn es um Kinder-Themen geht, berichten wir das dann sicher eher aus Elternsicht.

Und was entgegnen Sie denen, die sagen: Verbraucherjournalismus ist leicht zu machen – mit Checks, Duellen und anderen Formen der Produktvergleiche. Schwierig wird es erst, wenn man im klassischen Wirtschaftsjournalismus die Zusammenhänge erhellen muss. Bis in welche Tiefen ist zum Beispiel TTIP in "WISO" erklärbar?

Ich halte wenig davon, Wirtschaft so begrenzt zu betrachten, dass man sagt: Nur  TTIP oder nur die Diskussion um den Leitzins – das ist Wirtschaftsjournalismus. Wirtschaft fängt bereits beim Einkaufen und dem Griff zur Marken- oder zur No-Name-Butter an. Wirtschaft hat mit täglichen Entscheidungen zu tun. Unsere Aufgabe bei "WISO" ist es dabei, komplexe Themen so darzustellen, dass man sie versteht – das ist bei TTIP vielleicht ein bisschen schwieriger als bei Butter.

Mit "WISO"-Themen anders, jünger, innovativer umzugehen, versucht "WISO plus" in ZDFinfo, das permanent neue Ideen ausprobieren will. Strahlt davon auch bereits etwas in die "WISO"-Sendung im ZDF zurück?

"WISO plus" ist unsere digitale Tochter und hat einen großen Vorteil: Wir haben da eine Fläche, auf der wir auch experimentieren können. Wir können dort neue Formate, neue Gesichter, neue Erzählformen ausprobieren. Ein paar Dinge, die wir dort getestet haben, sind bereits ins Hauptprogramm zurückgeflossen: "Die Zerleger"-Rubrik zum Beispiel, in der auf innovative Art Produkte getestet werden. Auch die Reihe mit dem Mediziner Dr. Specht, der Allergien und andere Krankheiten erklärt, hat bereits von "WISO plus" aus auf "WISO" eingewirkt.

Ein wichtiges "WISO"-Merkmal durch die Jahrzehnte: Den Zuschauern bei deren Ärger mit Banken, Versicherungen, Telekommunikationskonzernen zur Seite zu stehen und weiterzuhelfen. Wenden sich Zuschauer immer noch ähnlich intensiv wie früher an "WISO", um Ihren Ärger loszuwerden?

Ja, die Zuschauer wenden sich immer noch an "WISO" – früher haben sie uns große Aktenordner in Postpaketen geschickt, heute mailen sie 25 eingescannte pdf-Dateien. Aber im Prinzip ist es gleich geblieben: Menschen vertrauen der Seriösität und Verlässlichkeit der Marke "WISO". Aber zugleich gilt auch: Wir sind keine Finanzberater oder Anwälte – wir können nur schauen, ob das Thema hinter dem Ärger einen Bericht wert ist, und aus unserem Erfahrungsschatz Hinweise geben, wo es kompetente Hilfe gibt.

Im Sommer feiern Sie Fünfjähriges als "WISO"-Moderator und Redaktionsleiter. Was ist bisher genau so gelaufen, wie Sie sich das 2011 vorgestellt haben, und wo sehen Sie das Format in den nächsten fünf Jahren?

Uns ist es in den vergangenen fünf Jahren gut gelungen, die neuen Plattformen im Netz für unsere Sendung zu nutzen. Bei Facebook konnten wir zum Beispiel im vergangenen Jahr die Zahl unserer Follower um 25 Prozent steigern. Für die nächsten fünf Jahre ist es wichtig, die Marke "WISO" weiter auf allen Plattformen voranzubringen – im Fernsehen, montags um 19.25 Uhr, in Facebook, bei Twitter und anderswo. Wir wollen im Fernsehen und Netz gleichermaßen erfolgreich sein.

Mit Martin Leutke sprach Thomas Hagedorn.

Biografien des "WISO"-Moderators, der "WISO"-Moderatorin

Wissenswertes zu "WISO"

Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin "WISO" bietet jeden Montag um 19.25 Uhr 45 Minuten Service und Verbraucherinformationen. Das Magazin stellt die Auswirkungen politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen für die Verbraucher verständlich dar und gibt konkrete und umsetzbare Tipps. Mit dem Test von Produkten und Dienstleistungen deckt es außerdem regelmäßig Missstände auf.

Seit 2011 ist Martin Leutke als Redaktionsleiter und Moderator von "WISO" im Einsatz. Seit 2014 ist zudem Sarah Tacke als "WISO"-Moderatorin aktiv.

"WISO startete am 3. Januar 1984 als Nachfolgesendung von "Bilanz" und wird heute live, aber nicht mehr vor Studiopublikum produziert. Eine "WISO"-Sendung kostet zirka 105.000 Euro.

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