Zarah Wolf (Claudia Eisinger), Copyright: ZDF / Georges Pauly
Zarah Wolf (Claudia Eisinger), Copyright: ZDF / Georges Pauly

Zarah - Wilde Jahre

Journalisten-Serie

1973. Als die bekannte Frauenrechtlerin Zarah Wolf das Angebot bekommt, Mitglied der Redaktion der auflagenstarken Illustrierten "Relevant" zu werden, sieht die engagierte Journalistin die Gelegenheit gekom­men, das Thema der Emanzipation machtvoll voranzutreiben. Doch der Widerstand der Männerkaste – von alltäglichen Macho-Allüren über blanke Ignoranz bis konsequenter Besitz­standswahrung – scheint unüberwindlich . Zarah geht riskante Wege und lässt sich bald auf einen Machtkampf um die Führung der Redaktion ein.

  • ZDF, ab Donnerstag, 7. September 2017, jeweils 21.00 Uhr

Texte

ZDF-Dramaserien in der Primetime*

Wir freuen uns, Ihnen mit "Zarah" und "Das Pubertier" zwei sehr unterschiedliche Drama-Serien in der Primetime am Donnerstag präsentieren zu können.
In "Zarah" kämpft eine junge Journalistin in den 1970er-Jahren höchst unterhaltsam gegen die patriarchalen Strukturen in einem Wochenmagazin und für die Emanzipation der Frau. "Das Pubertier" ist eine lebensnahe und herrlich komödiantische Fami­liengeschichte mit allen Untiefen, verborgenen und offenen Ge­fechtsfeldern rund um eine Tochter mitten in der Pubertät – nach den Vorlagen von Jan Weiler.

Beiden Serien gemeinsam ist unser Wunsch, relevant und populär zu erzählen und die Serie als Format unserer Zeit zu nutzen, um hoffentlich mehrere Generationen vor dem Bildschirm zu ver­sammeln.

Heike Hempel, Hauptredaktionsleiterin HR Fernsehfilm/Serie II

* Am Donnerstag, 7. September 2017 startet direkt vor "Zarah" um 20.15 Uhr "Das Pubertier – Die Serie".

Zurück in die Zukunft

Als Jan Kromschröder mit der Idee einer Journalistenserie in den 1970er-Jahren auf uns zukam, war unser Interesse schnell ge­weckt. Ein schillerndes, ambitioniertes Genre, national kaum be­spielt, zumal im goldenen analogen Zeitalter des Printjournalis­mus. Und das Konzept der preisgekrönten Autoren Eva Zahn und Volker Zahn konnte unsere hohen Erwartungen, die an einen sol­chen Stoff geknüpft sind, erfüllen. Die gelernten Journalisten ver­knüpften darin die aufregenden frühen siebziger Jahre der BRD - als die gesellschaftlichen Verkrustungen der Nachkriegszeit auf breiter Front bröckelten, Utopisches realisiert bzw. in greifbare Nähe rückte und in einem quasi "deutschen Sommer" die kom­menden Irrwege sich erst andeuteten - mit dem Thema der Frau­enbewegung.

Im Mittelpunkt der Serie steht eine mutige, engagierte und eigen­willige Journalistin, die die Emanzipation der Frau voranbringen will, aber nicht in der alternativen Gegenwelt ihrer Mitstreiterin­nen, sondern dort, wo Meinung massenwirksam verbreitet wird, in einem mächtigen Printmagazin. Ein kleiner Gang durch die Insti­tutionen also, gleichbedeutend durch eine patriarchale Welt, in der alle Schalthebel der Macht immer noch fest in Männerhand sind. Ihre Themen sind bedeutsam, für die meisten männlichen Kollegen Gedöns: Kampf gegen den §218, der Abtreibung mit Zuchthaus sanktionierte, gegen einen virulenten, alltäglichen Se­xismus, gegen eheliche Gewalt an Frauen, die meist straffrei blieb, und für Gleichberechtigung auf allen Ebenen. Ein Kampf, der damals begonnen wurde, uns heute zum Teil skurril erschei­nen mag, aber gegen die Populisten unserer Zeit längst noch nicht gewonnen ist.

Dass die Welt aber auch damals nicht schwarz-weiß war, dass Zarah nicht nur edle Motive antreibt, sondern auch schierer Machtwille, was ja auch zur Gleichberechtigung gehört, dass das eine Frauenbild nicht unbedingt Glück für alle bedeutet und dass die Männer nicht nur als testosterongesteuerte Machos gezeigt werden, sondern – auch dies ganz in der historischen Perspektive – als durch die neuen Zeiten verunsicherte Wesen, gehört ebenso zur Wahrheit wie natürlich auch zu den dramaturgischen Anforde­rungen heutigen Erzählens.

Dies alles wird mit Relevanz und leichter Hand, voller Empathie für die Figuren und Sinn für manche Absurditäten der damaligen Zeit erzählt. Geradezu befreiend dabei, eine Welt, in der die Frauen noch Achselhaare haben, Style nicht alles und political correctness eben auch for good unbekannt war.

Zum Glück gehört, dass wir mit dem preisgekrönten Richard Huber einen Regisseur für den Stoff gewinnen konnten, der die Zeit nicht nur in all seinen Widersprüchlichkeiten aus eigener An­schauung kennt, sondern die Serie auch als ein großes Ganzes über alle Folgen hinweg gestalten wollte: mit großer Souveränität und Konsequenz ganz heutig im Gestern erzählend, mit vielen Andeutungen und liebevollen Details, die erst erkennbar werden, wenn die Serie am Stück geschaut wird (was im Übrigen die ZDF-Mediathek ermöglicht, wenn alle Folgen abrufbar sind). Und dies mit einem Cast, der nicht auf die großen Namen setzt, sondern auf ein Kollektiv starker, authentischer Schau­spielerinnen und Schauspieler, mit manchen Entdeckungen und Neu-Entdeckungen, allen voran Torben Liebrecht und Claudia Eisinger, welche die Zarah mit großer Glaubwürdigkeit sehr mar­kant verkörpert.

Eine außergewöhnliche Serie, die bestens unterhalten, aber auch den Blick auf Erreichtes und noch nicht Erreichtes schärfen möge.

Johannes Frick-Königsmann und Nina Manhercz, HR Fernsehfilm / Serie II

Stab und durchgehende Besetzung

Buch   Eva Zahn und Volker A. Zahn
RegieRichard Huber
KameraRobert Berghoff
SchnittKnut Hake
MusikRené Dohmen, Joachim Dürbeck
SzenenbildZazie Knepper
KostümbildPetra Kilian
MaskenbildJanet Selçuk
TonTorsten Többen
CastingIris Baumüller
Musik-SupervisionKai Schoormann
ProduktionsleitungKerstin Kroemer
ProduktionBantry Bay Productions GmbH, Köln
Produzenten Jan Kromschröder, Eva Holtmann
ProducerLasse Scharpen
Redaktion Johannes Frick-Königsmann, Nina Manhercz
Länge

6 x 45 Minuten

Durchgehende Rollen/Darsteller
Zarah Wolf     Claudia Eisinger
Hans-Peter KerckowTorben Liebrecht
Jenny OlsenSvenja Jung
Frederik OlsenUwe Preuss
Georg HartwigOle Puppe
Wolfgang SchaffelgerberJörn Hentschel
Karin Simonis  Milena Dreißig
Brigitte Jansen Theresa Underberg
Rudolf MensingMartin Horn
Tom BalkowLeon Ullrich
Elke Beermann Sarina Radomski
Ulrike Körber  Magdalena Helmig

Allgemeiner Inhalt

Ebenso relevant wie unterhaltend erzählt die neue ZDF-Primetime-Serie "Zarah" ein Stück deutsche Eman­zipationsgeschichte im Genre einer Journalistenserie. Die Revolte der 68er hat die Verhältnisse zum Tanzen gebracht, Willy Brandt will "mehr Demokratie" wagen und in Mode, Popkultur und Sex bricht man zu neuen Ufern auf. Die BRD ist bunt und funky, aber an den Schaltzentren der Macht, in Politik, Wirtschaft und Medien sitzen nach wie vor fast ausschließlich Männer.

1973. Als die bekannte Frauenrechtlerin Zarah Wolf das Angebot des renommierten Verlegers Frederik Olsen bekommt, Mitglied der Redaktion seiner auflagenstarken Illustrierten "Relevant" zu werden, sieht die engagierte Journalistin die Gelegenheit gekom­men, das Thema der Emanzipation machtvoll voranzutreiben, und kehrt von London nach Hamburg zurück. Schnell muss Zarah er­kennen, dass der Widerstand der Männerkaste – von alltäglichen Macho-Allüren über blanke Ignoranz bis konsequenter Besitz­standswahrung – unüberwindlich scheint.

Um sich gegen Olsen, Chefredakteur Kerckow , Politikchef Schaffelgerber, Kulturredakteur Hartwig oder Chefgrafiker Balkow durchzusetzen, geht Zarah riskante Wege und lässt sich bald auf einen Machtkampf um die Führung der Redaktion ein. Dass Ver­legertochter Jenny, die ihr Olsen als Volontärin zuordnet, sich in sie verliebt, macht die Sache nur noch komplizierter, und Zarah muss die Frage beantworten, was sie für ihre Karriere und ihre politischen Ziele bereit ist, zu opfern.

Rollenprofile

Zarah Wolf, stellvertretende Chefredakteurin (Claudia Eisinger)

Schon vor ihrem Einstieg bei "Relevant" war Zarah eine namhafte Autorin und engagierte Frauenrechtlerin. Weltgewandt, humorvoll, charmant, bisexuell. Sie kleidet sich geschmackvoll, weiblich und up to date, ist aber zugleich sehr energisch in der Durchsetzung ihrer Ziele. Sie steht fast immer unter Dampf, spannt Menschen geschickt für ihre Belange ein und hat kein Problem damit, auch mal unfair zu spielen. Der Zweck heiligt fast jedes Mittel. Zarah ist Tochter einer alleinerziehenden – seit dem Krieg verwitweten – Mutter. So denkt sie zumindest. Dass ihr Vater vielleicht gar nicht tot ist und sie sich außerdem Hals über Kopf in Jenny Olsen, die Tochter des Verlegers, verliebt, macht ihr ohnehin schon intensi­ves Leben noch eine ganze Spur intensiver.

Hans-Peter Kerckow, Chefredakteur (Torben Liebrecht)

Kerckow, für den Ideologie und politischer Eifer nicht mit Journa­lismus zu vereinbaren sind, liegt regelmäßig im Clinch mit Zarah Wolf. Hans-Peter Kerckow ist ein leidenschaftlicher Blattmacher. Er tritt dabei oft schneidend auf, ist aber nie unfair oder link. Er ist durch und durch integer, allerdings auch ein Mensch mit sehr hohen Ansprüchen. Hinter seiner professionellen Fassade ver­birgt sich jedoch ein verletzlicher und empfindsamer Charakter. Kerckow trägt einen tiefen Schmerz in sich, den er versucht, im Alkohol zu ertränken. Sein Sohn starb an Leukämie, und die Be­ziehung zu seiner Ehefrau liegt seitdem in Trümmern. Sie wünscht sich ein zweites Kind, Kerckow kann sich das nicht vor­stellen.

Jenny Olsen, Volontärin (Svenja Jung)

Verlegers-Tochter, Freundin und Geliebte von Zarah, volontiert bei "Relevant". Ihr Studium in Paris hat sie abgebrochen. Aller­dings sieht sie ihre Zukunft auch nicht im Journalismus. Jenny liebt ihren Vater, Pop und den aufkommenden Punk. Sie macht auch in Hamburg bald jeden Club unsicher, und ihre Sinnlichkeit kennt keine Geschlechtergrenzen. Jenny sieht aus wie ein Model und ist in Sachen Mode immer ganz vorne.

Frederik Olsen, Verleger (Uwe Preuss)

Verleger-Legende aus Hamburg, Herausgeber von "Relevant" und einem Dutzend weiterer Zeitschriften, mehrfacher Millionär, Wit­wer, in die höchsten politischen und wirtschaftlichen Kreise der BRD vernetzter Genussmensch. Er liebt seine Tochter Jenny über alles und mit beinahe naiver Hingabe, er ahnt nicht im Gerings­ten, was sich zwischen Jenny und Zarah entwickelt. Aber auch er selbst spürt die Schmetterlinge im Bauch: Olsen und Chefsekretä­rin Brigitte Jansen stoßen auf gegenseitige Zuneigung.

Georg Hartwig, Kultur-Chef (Ole Puppe)

Die intellektuelle Edelfeder des Magazins, hoher Testosteron-Spiegel, verheiratet, bestens vernetzt in die Künstler-Szene, aber auch mit Zuhältern, Nutten und Kriminellen befreundet. Er rühmt sich gerne seiner Rotlicht-Kontakte und schlägt regelmäßig über die Stränge. Hartwig kann im persönlichen Umgang ordinär wer­den, aber seine Artikel sind von großer Fertigkeit. Er versteht wirklich etwas von Kunst und Literatur, und er zählt die ganz Gro­ßen des Kulturbetriebs zu seinen Kumpels. Hartwig bleibt grund­sätzlich keiner Versuchung fern, und so droht seine eigentlich sehr leidenschaftlich gelebte Ehe auseinanderzubrechen.

Wolfgang Schaffelgerber, Politik-Chef (Jörn Hentschel)

Von seiner Arbeit besessener Politik-Chef, durchaus engagierter politischer Querdenker, privat absolut konservativ, mit großen Bestrebungen, auf der Karriereleiter nach oben zu kommen. Wenn es nach ihm ginge, bestünde die "Relevant" ausschließlich aus dem Politikteil.

Karin Simonis, Redakteurin "Frauen, Mode, Lebensart" (Milena Dreissig)

Macht unauffällig, strebsam und eher uninspiriert ihren Job, ob­wohl sie von ihren Fähigkeiten her anders könnte. Geht Konflikten lieber aus dem Weg oder lacht sie weg. Sie war jahrelang die heimliche Geliebte des Verlegers. Eine Beziehung, die sie frus­triert zurück ließ. Zu ihrem scheinbaren Glück hat sie einen neuen Verehrer.

Brigitte Jansen, Chef-Sekretärin (Theresa Underberg)

Typ Elbschnitte. Hohe Anziehungskraft auf Männer, aber sie lässt Verehrer cool und unaufgeregt abblitzen. Sie ist professionell und fleißig, beschwert sich nicht über die zahllosen Überstunden und ist vor allem gegenüber Hans-Peter Kerckow absolut loyal. Gleichzeitig will sie Chancen, die sich ihr im Leben bieten, kon­sequent nutzen.

Rudolf Mensing, Chef vom Dienst (Martin Horn)

Mensing fungiert gewissenhaft als Bindeglied zwischen inhaltli­chen und technischen Abteilungen. Er ist im Herzen immer noch Kommunist und ein väterlicher Typ alter Schule, schätzt Zarah und ihren politischen Eifer. Er leidet unter dem Kontaktabbruch zu seiner einzigen Tochter, die in einer Kommune abgetaucht ist, und hält ständig eine geladene Waffe in seinem Schreibtisch be­reit.

Tom Balkow, Leiter der Grafik (Leon Ullrich)

Choleriker, der sich und seine Arbeit ständig missachtet sieht. Er ist spielsüchtig und ständig knapp bei Kasse. Hinter der rauen Schale verbirgt sich eine empfindsame Künstler-Seele.

Die einzelnen Folgen

Donnerstag, 7. September 2017, 21.00 Uhr: "Titel & Titten"

1973: Die bekannte Feministin Zarah Wolf kehrt in ihre Heimat Hamburg zurück und übernimmt den Posten der stellvertretenden Chefredakteurin der männerdominierten Zeitschrift "Relevant". Zarahs Rückkehr verläuft alles andere als berauschend. Ihre alten Freundinnen und Mitstreiterinnen im Frauenforum hadern mit ihrer Anstellung, denn die "Relevant" verkauft ihre Inhalte über frauenfeindliche Aufmachungen. Trotzdem macht Zarah sich voller Taten­drang an ihren Job.

Zarahs Versuch, das sexisti­sche Titelblatt der aktuellen Ausgabe auszutauschen, trifft auf harte Gegenwehr. Chefredakteur Hans-Peter Kerckow bremst sie aus. Er ist verärgert über die Entscheidung des Verlegers Olsen, eine feministische Aktivistin für seine Zeit-schrift zu engagieren. Zarah steht in der Redaktion erst einmal alleine da. Lediglich Verlegertochter Jenny, die fast zeitgleich ihr Volontariat bei "Relevant" beginnt, unterstützt ihre Bestrebungen.

Episodenrollen / Darsteller  
Tom Stroker Arthur Lorenzo Colombini
Manfred Paschke André Szymanski
Druckereileiter Harald Burmeister
Irmgard Ellen Schlootz
Sybille  Katharina Behrens
Hilde Wolf Imogen Kogge
und andere

 

Donnerstag, 21. September 2017, 21.00 Uhr: "Deutschlands grausamste Emanze"

Maximale Aufregung: Das neue Titelbild sorgt für heftige Diskus­sionen, und in der Redaktion fliegen nach Zarahs Alleingang die Fetzen. Zarah wird fristlos gekündigt. Aber das Blatt wendet sich. Die umstrittene Ausgabe verkauft sich fantastisch. Zarahs Come­back ist fulminant. Sie mischt eine Fernseh-Talkshow auf, Verle­ger Olsen nimmt sie mit Kusshand wieder in die Redaktion auf. Zarah plant allerdings schon die nächste Aktion.

Das Thema Abtreibung steht auf Zarahs Agenda ganz weit oben. Gemeinsam mit ihrer Freundin Ulrike Körber organisiert sie eine Busfahrt für Frauen, die in Holland abtreiben wollen. Zarah will in der "Relevant" über die Aktion berichten und belügt Chefredak­teur Kerckow: Sie sei nur aus journalistischen Gründen an dieser Tour interessiert, mit der Organisation der Reise habe sie nichts zu tun. Jenny begleitet Zarah und Ulrike auf der Fahrt. Zwischen Zarah und Jenny entwickelt sich mehr als Freundschaft. Und auch Verleger Olsen flirtet am Arbeitsplatz: Er hat ein Auge auf die Chefsekretärin Brigitte Jansen geworfen.

Episodenrollen / Darsteller  
Talkmaster  Guido Broscheit
Schauspieler  Jan-Georg Schütte
Karla BeckmannGro Swantje Kohlhof
Martin Moritz Leu
Renate Schüler Christina Greiße
Julia ReicheltRuth Marie Kröger
Tante Mathilde Nadja Engel
Hilde Wolf Imogen Kogge
und andere

                     

Donnerstag, 28. September 2017, 21.00 Uhr: "Ich hab auf sein Grab gepinkelt"

Der Chefredakteur ist außer sich: Zarah hat ihn belogen. Sie wird für die "Relevant" keine große Geschichte mehr schreiben. Aber Zarah lässt sich nicht abservieren, sie schlägt umgehend zurück. Mit viel Charme überredet Zarah auf einer Premierenfeier die Schauspiel-Ikone Bella Hausmann zu einem großen Interview. Es ist ein spektakulärer Coup, denn Hausmann hat seit Jahren kein Wort mehr mit der Presse gesprochen. Kerckow muss ihr den Titel wieder überlassen. Olsen ist von Zarahs Coup begeistert. Kerckow hingegen fühlt sich von Olsen ausgebootet.

Dann schlägt das Schicksal unerwartet und gnadenlos zu: Zarah erfährt, dass ihre Mutter wegen einer schweren Krebserkrankung, die sie ihrer Tochter bis dahin verheimlicht hatte, im Sterben liegt. Und die launische Bella Hausmann lässt Zarah abblitzen. Sie sagt das geplante Interview ab. Jenny und Ulrike stehen Zarah in diesen dunklen Stunden bei. Die aufkeimende Liebe zwischen Zarah und Jenny erstarkt, während alles andere um sie herum zu zerbrechen droht.

Episodenrollen / Darsteller  
Bella Hausmann   Katharina Heyer
Alexander Broustin  Holger Dexne
Hilde Wolf Imogen Kogge
und andere

 

Donnerstag, 12. Oktober 2017, 21.00 Uhr: "Ein Festival der Liebe"

Zarahs Interview mit Bella Hausmann schlägt ein wie eine Bombe. Aber der Tod ihrer Mutter macht ihr zu schaffen. Um auf Spur zu bleiben, stürzt sie sich in eine Reportage zu häuslicher Gewalt. Der Aufhänger ihrer Reportage ist der Prozess gegen eine Frau, die wegen Mordes vor Gericht steht. Sie erstach ihren schlafenden Mann, der sie jahrelang misshandelt hatte. Zarah führt ein Interview mit ihr und legt sich mit dem Staatsanwalt an. Sie beschreibt in ihrer Reportage nicht nur, wie einseitig und un­gerecht die Justiz Partei für die Männer ergreift, sie greift vor al­lem Staatsanwalt Dr. Beusen massiv an und kann ihm persönli­ches Fehlverhalten nachweisen. Beusen fährt im Gegenzug frau­enfeindliche Geschütze auf.

Bis spät in die Nacht sichtet Zarah Erinnerungen an ihre Mutter und sucht nach Hinweisen auf die Identität ihres Vaters, den sie nie kennengelernt hat. Ihre Gedanken wandern aber auch zu Jenny. Die beiden Frauen fühlen sich immer stärker zueinander hingezogen und haben gleichzeitig Angst vor ihren Gefühlen. Bis über beiden Ohren verliebt ist auch Verleger Olsen. Er führt Brigitte Jansen zum Essen aus. Anders ergeht es Kerckow. Seine Ehe liegt am Boden. Er verbringt die Nächte im Büro.

Episodenrollen / Darsteller  
Gerda Hoffmann  Judith Engel
Dr. Beusen  Stephan Schad
Hedda HartwigJulia Thurnau
Heidi HöllerSonka Vogt
und andere

 

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 21.00 Uhr: "Ballern und bumsen"

Zarah bekommt Besuch. Ihre alte Freundin Jutta Belitz, die ge­suchte RAF-Terroristin, ist verletzt und braucht dringend Unter­schlupf. Zarah missbilligt jede Form von Gewalt, doch es gibt seit Kindertagen eine alte und innige Verbundenheit zwischen Jutta und ihr. Zarah nimmt sie bei sich auf. In der Redaktion bekommt Karin Simonis mit, dass Zarah Jod und Schmerztabletten besorgt. Sie schöpft Verdacht.

Zarah erkennt ihre ehemals beste Freundin nicht mehr wieder. Jutta ist brutal, eiskalt und rücksichtslos. Zarah will, dass Jutta und ihr Freund und Genosse Stefan Berger ihr Hausboot verlassen. Aber die beiden haben Zarah in der Hand und erpressen sie. Die Tatsache, dass Zarah mit allerlei Ausreden versucht, Jenny vom Hausboot fernzuhalten, verkompliziert die junge Liebe ungemein. Jenny misstraut Zarahs Gefühlen. Als dann auch noch Staatsanwalt Dr. Beusen auftaucht und Zarahs Schreibtisch durchsuchen lässt, scheint Zarah endgültig aufzufliegen. Ausgerechnet Kerckow steht ihr in diesem Moment bei.

Episodenrollen / Darsteller

  
Jutta Belitz  Isabel Thierauch
Stefan Berger  Florian Steffens
Dr. Beusen  Stephan Schad
und andere

 

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 21.00 Uhr: "Papi ist der Beste!"

Zarahs Reportage über Prostitution kann nicht veröffentlicht wer­den. Der Redaktion fehlt damit die Titelgeschichte. Unter Hoch­druck arbeiten alle gemeinsam an einer Lösung. Während die Redaktion in wenigen Stunden ein neues Heft auf die Beine stellt, verschwindet Chefredakteur Kerckow spurlos. Niemand weiß, wo er ist. Zarah übt Druck auf Verleger Olsen aus: Sie will Chefredakteurin werden.

Olsen hat keinerlei Interesse daran, Zarah zur Chefredakteurin zu machen. Er hat einen anderen Kollegen im Auge. Und auch für seine Tochter Jenny hat er einen passenden Kandidaten ge­funden. Der junge Reporter Rüdiger Lenz scheint eine gute Partie zu sein. Bei einer Feier tanzen Rüdiger und Jenny unter Zarahs eifersüchtigen Blicken. Und von Kerckow weiterhin keine Spur. Dafür taucht jemand anderes auf: Zarahs Vater erwartet sie mitten in der Nacht vor ihrem Hausboot.

Episodenrollen / Darsteller  
Pförtner Albrecht Ganskopf
Gerd Schulz  Werner Wölbern
Rüdiger LenzMaximilian Meyer-Bretschneider
und andere

Bloß kein Museum! - Von den Autoren Eva Zahn und Volker A. Zahn

Sie waren bunt, sexy, wild und beseelt von dem Glauben an eine andere, gerechtere Welt. Aber im fiktionalen deutschen Fernse­hen fanden sie bislang kaum statt: die Siebziger! Den braunen Muff endgültig ausmisten, mehr Demokratie wagen, Frauen an die Macht, 'runter mit dem Männlichkeitswahn! Wir dachten damals wirklich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alles besser wird. Der Soundtrack unserer Hoffnungen war funky. Die Filme, die un­sere Sehnsüchte bebilderten, waren rotzig und frech, und in Wohnungen und Klamottenläden explodierten die Farben. Die großen Reformen im Abtreibungs-, Familien- und Scheidungs­recht, Frauen durften endlich ohne Einwilligung ihrer Ehemänner arbeiten, die Fristenregelung, eine neue Bildungspolitik, die für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen sollte, Volljährigkeit mit 18, die Einführung zentraler Notrufnummern… – der Fortschritt fand auf allen gesellschaftlichen Ebenen statt, und notorische Nostalgiker schwärmen: "Früher war alles besser!"

Aber dass früher nicht alles besser, sondern vieles anders war, und dass wir ein halbes Jahrhundert später noch immer für das kämpfen, was uns in den Siebzigern zum Greifen nahe schien, macht dieses Jahrzehnt für uns als Erzähler so reizvoll. Der Ab­wehrkampf der Alpha-Männer gegen Frauen in Führungspositio­nen, Sexismus in den Medien, häusliche Gewalt, ungleiche Be­zahlung, der ganz alltägliche Chauvinismus – das sind Themen, die in den 70ern auf die Agenda kamen und 2017 nichts von ihrer Brisanz verloren haben. Wir wollen mit "Zarah" eben keine muse­alen Sehnsüchte bedienen, die Serie ist keine History-Show. Wir erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit, die noch immer Aktualität besitzen, mit Figuren, die heutig sind.

Exotisch mutet indes der Journalismus dieser Jahre an: Die "vierte Macht" im Staate, selbstbewusst bis zur Selbstüberschät­zung, irgendwo zwischen Heldentum und Größenwahn taumelnd, überzeugte Wahrheitssucher und leidenschaftliche Rechercheure, noch nicht bedrängt von Kostendrückern im eigenen Haus oder rufgeschädigt von den Blog-Warten und Fake News-Pöbelanten aus der digitalen Welt. Journalist gehörte in den Siebzigern in die Kategorie "Traumberuf". Ein Traumberuf, der den meisten Frauen indes verschlossen blieb. Erst eine neue, mutige Generation von Redakteurinnen und Autorinnen wagte sich in das Minenfeld des Presse-Machismo, Frauen wie Ingrid Kolb, Peggy Parnass, Alice Schwarzer oder Wibke Bruns. Frauen, die – ähnlich wie unsere weiblichen Figuren in "Zarah" – ihre ganz speziellen Strategien entwickeln mussten, um sich unter all den "dicken Eiern" Respekt zu verschaffen.

Zeitlos wie der Geschlechterkampf sind auch die großen persönli­chen Themen, die in "Zarah" verhandelt werden: Liebe, Familie, Tod, Schuld und Verrat. Es ist für uns Autoren ein großes Privi­leg, Figuren auf einer Strecke von sechs (und hoffentlich noch viel mehr) Folgen entwickeln zu dürfen, zu zeigen, wie sie ihr Le­ben auf die Reihe kriegen oder in den Sand setzen, wie sich ihre kleinen und großen Geheimnisse langsam entblättern, wie sie gegen innere und äußere Dämonen kämpfen, wie sie lieben, streiten, scheitern, intrigieren, saufen und vögeln!

Keine unserer Figuren hat ein reales Vorbild, aber wir haben uns natürlich schamlos in der Wirklichkeit bedient. Nicht dokumenta­risch, sondern wahrhaftig erzählen, ist unser Anspruch, und dass unsere Serie die Zuschauer unterhält, berührt, mitfiebern, mitla­chen und mitleiden lässt und sie entführt in eine Welt, die so nah ist, obwohl sie Galaxien entfernt zu sein scheint.

Eva und Volker Zahn – im Interview mit Hermann Orgeldinger (ZDF)
Audio-Interview

> Audio-Interview

1. Am 07. September startet das ZDF mit einer 6-teiligen Serie, die sich um Journalismus, um Emanzipation in den 70er Jahren dreht. Geschrieben haben die sechs Bücher ein Ehepaar, Eva Zahn und Volker Zahn. Frau Zahn, warum beschäftigen Sie sich gerade mit den 70er Jahren?

Eva: Die 70er sind ein sehr spannendes Jahrzehnt, ein buntes Jahrzehnt, ein Jahrzehnt mit toller Musik und sehr spannender Politik. Vieles, was für uns heute selbstverständlich ist, wurde in den 70er der Grundstein dazu gelegt. Und natürlich: Es ist ein Jahrzehnt des Feminismus, des Kampfes um die Gleichberechtigung. Deshalb: die 70er. (0’20)

2. Das Ganze spielt in einer Zeitschriftenredaktion, eine große Zeitschrift mit einem Fantasienamen – nicht die Bunte, nicht der Spiegel oder der Stern. Man darf verraten: Sie kommen beide aus dem Zeitschriftengeschäft, Sie wissen, wie es in einer Zeitschriftenredaktion zugeht.

Volker: Wir wissen zumindest, wie es in den späten 80er Jahren und in den 90er Jahren in Zeitschriften zuging. Ich hab 12 Jahre für ein großes internationales Magazin gearbeitet und hab eigentlich noch den Journalismus kennengelernt, wie ihn, glaube ich, viele heute nicht mehr kennen. Ich durfte mir auch mal vier bis sechs Wochen Zeit lassen, um eine Reportage vorzubereiten und zu recherchieren und dann nochmal drei Wochen, um zu schreiben. Es war wirklich eine großartige Zeit und die 70er Jahre waren, glaube ich, nochmal spezieller und nochmal großartiger für Journalisten. (0’30)

3. Sie zeichnen die Redaktionen auch so, wie sie damals waren: Die Kippe gehörte dazu und der Alkohol gehörte dazu.

Eva: Ja, das war ein sehr hedonistisches Zeitalter und Lungenkrebs und Fettleber spielten noch keine Rolle. (0’06)

4. Erzählen Sie uns etwas zu Ihrer Figur Zarah. Die ist die Hauptperson und sie ist nun gar keine Frau, wie sie eigentlich in den 70er Jahren die normale Frau war.

Volker: Zarah ist eine politische Aktivistin und eine Journalistin, eine Frau, die versucht sowohl mit Demonstrationen, Aktionen, als auch mit den Büchern die Welt zu verändern. Das war ja vor allen Dingen die Welt der Frauen. Sie geht jetzt zu einem großen Magazin, das in unserer Serie „Relevant“ heißt. Sie tritt den berühmten Marsch durch die Institutionen an und hat dann eigentlich sich direkt zu konfrontieren mit dem, was sei eigentlich bekämpft, nämlich Machostrukturen, Männer, die sich abschotten und ihre Macht nicht in Frage stellen wollen. (0’30)

5. Von wem stammt die Figur mehr, von Ihnen, Frau Zahn, oder von Ihrem Mann?

Eva: Das kann man bei uns nie sagen. Wir entwickeln wirklich gemeinsam und wir diskutieren lange über unsere Figuren und wir sprechen lange. Und irgendwann ist es unser Kind. (0’10)

6. Wichtig und witzig sind auch viele Dialoge. Es ist nicht so, dass es permanent nur Streit gibt zwischen den Männern und den Frauen, Sie haben auch sehr witzige Dialoge drin. Wie entstehen solche Dialoge?

Volker: Gute Frage. Wir leben ja 24 Stunden zusammen. Wir sind, glaube ich, auch selber recht humorvolle Menschen, lachen auch gerne, und ansonsten ist es aber tatsächlich auch harte Arbeit am Computer: schreiben, überprüfen, nochmal schreiben, nochmal überprüfen, gucken, funktioniert es. Wir diskutieren sehr, sehr lange auch über die Dialoge, und am Ende steht hoffentlich ein gutes Ergebnis. (0‘25)

7. Da kommt es auch mal zu einem sexistischen Spruch. Geht der Ihnen leicht von der Zunge oder in den Computer rein?

Eva: Ganz leicht. Wir versetzen uns in unsere Figuren, wir leben praktisch die Figuren, und die Sprüche damals waren unsagbar sexistisch. Insofern, glaube ich, sind unsere Sprüche noch harmlos, aber ich habe da keinerlei Hemmungen. (0’18)

8. Wie schwierig ist es eigentlich, als Ehepaar am gleichen Produkt zu arbeiten?

Volker: Für mich als Autor ist es ein Geschenk, das sich einen kreativen Partner habe, weil ich diesen Job, glaube ich, alleine nicht machen wollte. Es ist ein sehr einsamer Job. Und wenn du mit jemandem verheiratet bist, dem du zu hundert Prozent vertraust und auf dessen Einschätzung du auch zu hundert Prozent vertrauen kannst, dann ist das für die Arbeit ein absolutes Geschenk. (0’22)

9. Der Sendeplatz Donnerstagabend, 21 Uhr, ZDF, sechs Abende lang, also anderthalb Monate, das ist auch ein Reiz, oder?

Volker: Das ist ein großer Reiz und ich hoffe, dass sich unsere Begeisterung auf den Zuschauer überträgt. Insofern ist das schon ein toller Sendeplatz in der Primetime. Und ja, toi toi toi, dass der Zuschauer es so mag wie wir. (0’13)

10. Wenn Sie Freunde treffen Anfang September und die haben gar nichts gehört bisher von „Zarah“, wie werden Sie denen beibringen, dass sie unbedingt am 07. September um 21 Uhr einschalten müssen?

Eva: Die beste Serie ever. (0‘03)

Die Heldenreise der Zarah Wolf - Interview mit den Produzenten Jan Kromschröder und Eva Holtmann

Zarah Wolf ist eine engagierte Journalistin, die in den frühen 1970er-Jahren als neue Redakteurin einer großen deutschen Illustrierten gegen verstaubte Rollenbilder und alltägliche Macho-Allüren kämpft. Die Idee zur Serie entstand gemein­sam mit den beiden Autoren Eva Zahn und Volker A. Zahn. Wie kam es dazu?

J. K.: Eva Zahn, Volker A. Zahn und ich waren alle drei in unse­rem Berufsleben auch mehrere Jahre als Journalisten tätig. Beim Blick ins deutsche TV-Programm haben wir festgestellt, dass das Sujet Journalisten-Serie derzeit überhaupt nicht bespielt wird. Neben dem Working-Place haben wir dann nach einer Figur ge­sucht, die in diesem in den Siebzigern und Achtzigern noch sehr archaischen Umfeld auf eine Heldenreise geht – und kamen so auf unsere weibliche Heldin Zarah Wolf.

"Zarah" ist eine fiktive Geschichte. Gibt es reale Vorbilder und wenn ja, welche?

J. K.: Natürlich gibt es starke Frauenfiguren aus den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern, deren Lebenslauf in dieser Männer­welt uns sehr beeindruckt hat. Um völlig frei zu sein, war uns aber in der Entwicklung wichtig, eine fiktive Heldin zu zeichnen, die wir dann ganz ohne biographische Vorgaben auf eine "Reise" schi­cken können.

Wie sind Ihre persönlichen Erinnerungen an die 70er-Jahre?

J. K.: Das war für mich die Zeit zwischen Pubertät und Volljährig­keit. Da mein Vater als Journalist in Frankfurt und Hamburg gear­beitet hat, war ich von Kindesbeinen an immer mit Menschen aus diesem Umfeld in Berührung. Geprägt haben mich sicherlich auch das Aufkommen der Grünen und die Gründung von Greenpeace. Mitgeschleppt wurde ich auf Demos gegen Flughäfen, Obst aus Chile oder Cruise Missiles. Und meine Mutter hat sich gemeinsam mit Ihren Freundinnen jahrelang auch für Frauenrechte einge­setzt.

Ist die Geschichte von Zarah Wolf noch aktuell? Gibt es Parallelen zum Jahr 2017?

E. H: Ich bin ja in den Siebzigern geboren, und natürlich ist es für mich spannend und erschreckend zugleich, dass es immer Themen gibt, die heute noch eine große Relevanz haben. Sei es die Debatten zu Sexismus, Frauen in Führungspositionen und neue politische Strömungen, die das Recht der Frau zur Abtrei­bung erneut anzweifeln.

Der Plot ist in Hamburg angesiedelt. Hat das einen besonde­ren Grund?

E. H.: Ja, ganz klar, Hamburg ist und war das Zentrum für den politischen Journalismus. Hier erscheinen immer noch "Stern" und "Spiegel". Hier sitzen immer noch Verlage wie Gruner & Jahr und Bauer.

Was macht für Sie den Reiz aus, eine Journalisten-Serie zu verfilmen?

J. K.: "Zarah" ist ein Working-Place-Drama. Davon gibt es im deutschen Fernsehen gerade viel zu wenige. Dass die Serie auch noch in den 70er-Jahren angesiedelt ist, ist ein zusätzlicher Reiz, der einen gewissen Sex-Appeal mit sich bringt, weil es in dieser Zeit des Umbruchs auf vielen Gebieten kleine und große Revolutionen gab. Mal mehr, mal weniger friedlich.

E. H.: Die "Relevant"-Redaktion ist wie eine Art Familie, nur eben am Arbeitsplatz. Und auf diese Surrogat-Familie prasseln bei einer wöchentlichen Erscheinung auch immer in sehr intensiven und kurzen Abständen neue Themen von außen ein. Aber jede Figur hat eben auch noch eine persönliche Geschichte, die ihren Weg in das Umfeld der Redaktion findet. Für das serielle Erzählen ist diese Themenvielfalt ein Geschenk.

Das Interview führte Friederike Zempel

"Finden, nicht formen" - Interview mit Regisseur Richard Huber und Kameramann Robert Berghoff

Wie haben Sie die 70er-Jahre erlebt?

R. Huber: Massiv pubertierend, mit der frühen und festen Absicht, mir die Haare über die Ohren wachsen zu lassen, ständig mit dem Mofa an "den Mädchen" vorbeifahrend und mit dem kla­ren Ziel, Gitarrist zu werden. Das mit den Haaren hat geklappt, das mit der Gitarre nicht. Aus Protest bin ich dann zwei Mal sitzengeblieben.

R. Berghoff: Entspannt, herausfordernd, prägend, lustvoll und kämpferisch. Ich kam 1972 nach Hamburg: Studium der Visuellen Kommunikation an der "HfbK Hamburg", Beginn der Filmarbeit als Student beim NDR, gewohnt unter anderem in St. Pauli, getanzt und gekifft im "Madhouse", rote Fahnen durch die Straßen getra­gen und beim legendären Griechen "Olympisches Feuer" Feta Kebab gegessen. Im Vergleich zu heute: überlegt, zwanglos und entschleunigt.

Was war Ihnen bei der Inszenierung von "Zarah" besonders wichtig?

R. Huber: Geschichten zu erzählen, denen man die Herstellung nicht ansieht, die nicht mit historischen Attributen hin- und her­wedeln. Vor uns passieren große und kleine Geschichten - Dramen und Absurditäten - und wir sind nur leise dabei und ste­hen hoffentlich nicht im Weg.

R. Berghoff: Die Filme sollen nichts ausstellen. Wir wollen nicht AUF eine Zeit schauen, wie in einer Vitrine, sondern den Blick IN der Atmosphäre lassen. Also eher heraus schauen, sich mitneh-men lassen. Nicht mit den Augen eines heutigen Schlaumeiers das Anekdotische suchen, sondern sich fragend, staunend in der Zeit umblicken.

Sie haben nicht in einem Studio gedreht, die Hauptredaktion von "Relevant" wurde in einem leerstehenden Bürogebäude aufgebaut. Ist das ein Unterschied?

R. Huber: Ja, der Ort hat seine eigene Realität. Er sperrt sich ge­wissen Ansichten, die ein Studio mit seinen Sprungwänden bieten würde, und er vermittelt so ein Gefühl von unbedingter Wahrhaf­tigkeit.

R. Berghoff: Das Gefühl zu haben, es ist nicht nach filmisch-prak­tischen Gesichtspunkten gebaut, ist mir immer wichtig. Die Arbeit an Originalmotiven erleichtert den "normalen" Blick auf die Dinge.

Welche Rolle spielen Kostümbild und Ausstattung bei "Zarah"?

R. Huber: In dem historischen Kontext der frühen 70er-Jahre eine ganz wesentliche und zentrale Rolle. Wir haben aber sehr gern darauf verzichtet, eine Materialschlacht – "Seht mal, was wir alles Tolles haben!" - vor die Kamera zu stellen. Auch hier bleiben die Figuren prominenter als Kostüme, Tapeten oder Prilblumen.

R. Berghoff: Sie schaffen den Raum und die Stimmung, in dem die Kamera sich bewegen kann. Sie schaffen den Reichtum an detailreicher, historischer Echtheit, und sie halten die notwendige Distanz, um das Vordergründige, Ausgestellte zu vermeiden.

Auf welche Bildsprache haben Sie sich verständigt, und was zeichnet Ihre Zusammenarbeit aus?

R. Huber: Unser Ansatz ist seit vielen Jahren, dass unsere eigene Arbeit im Endergebnis unsichtbar wird und sich nicht zwischen Figuren und Zuschauer drängt.

R. Berghoff: Die Geschichten sind interessant genug, die Figuren komplex genug, um unser Interesse zu wecken. Man muss also eigentlich nur versuchen, "dabei" zu sein, sie beim Entwickeln zu unterstützen. Das bedeutet für die erzählerische Konzeption zu­erst einmal Zurückhaltung. Es geht uns um die Wahrhaftigkeit der Figuren und die Beiläufigkeit des Erzählens. Darum versuchen wir, uns in formaler, technischer und Look-bestimmter Hinsicht zurück zu nehmen. Den Figuren zu folgen, bedeutet, ihnen nicht voraus zu eilen in bildgestalterischer Interpretation. Finden, nicht formen. Der Glanz kommt immer von innen.

Das Interview führte Friederike Zempel

Claudia Eisinger zur ZDF-Serie „Zarah“

> Audio-Datei

Claudia Eisinger zur ZDF-Serie „Zarah“

Eine Serie über eine Frauenrechtlerin, eine Visionärin, eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist. Einfach eine Frau, die für die Rechte und die Freiheit der Frauen kämpft. Ein für mich total spannendes, berührendes, mir sehr nahes Thema. (0’18)

Claudia Eisinger zu den wilden 70er-Jahren

Das Interessante oder das Spannende an dieser Zeit ist, dass es so eine Zeit des Aufbruchs ist. Auf der einen Seite hat man es mit unglaublich verhärteten, unglaublich alten Strukturen zu tun, und auf der anderen Seite ist eine unglaubliche Aufbruchsstimmung, diese Strukturen aufzubrechen. Das macht diese Zeit eben so reizvoll und so explosiv irgendwie auch. (0’22)

Claudia Eisinger zur Vorbereitung auf die Rolle der Zarah Wolf

Naja, ich habe natürlich erst mal über die Zeit gelesen, ich habe mich mit verschiedensten ähnlichen Frauen dieser Zeit befasst. Das ist eine Frau, die ein unglaubliches Wahrheits- und Gerechtigkeitsempfinden hat, die sich auflehnt gegen alle Strukturen. Das ist ein unglaublicher Kraftakt, die Zarah bekommt ja auch von allen Seiten Gegenwind. Sie wir durchgebeutelt, behält aber ihre Kraft, ihre innere Kraft. Das liebe ich an ihr. Insofern habe ich mich mit dieser inneren Triebfeder auch befasst, da mitzufühlen, wie es ist, wenn man letztlich auch irgendwie immer alleine kämpft, weil einen doch eigentlich niemand wirklich versteht, weil man einfach seiner Zeit voraus ist. (0’45)

Claudia Eisinger zu ihrem „Dienstwagen“ – einem MG-Sportwagen mit Rechtslenkung

Ja, ich musste mich eingrooven, ich habe auch eine Fahrstunde bekommen. Das hat total Spaß gemacht! Das ist ein total schönes Auto, man bekommt sofort so ein Lebensgefühl, es hat so einen Hauch von Freiheit. Tolles Auto. (0’13)

Svenja Jung zur ZDF-Serie "Zarah" – Audio-Datei

> Audio-Datei

Svenja Jung erzählt von dem Moment, als sie die Zusage für die Rolle der Verleger-Tochter Jenny Olsen zugesagt bekommen hat

Erstmal habe ich auf jeden Fall geschrien und mich sehr gefreut, weil es schon lange her war, das Casting, und das Buch hat mich echt umgehauen, weil die Charaktere so vielschichtig waren, und diese starke Frauenfigur zu erzählen in den 70er Jahren, ganz spannend und etwas, das es noch nicht gibt. (0’16)

Die 24jährige Svenja Jung über die 70er Jahre

Die 70er sind für mich wirklich Jahre von so einer Aufbruchsstimmung, sehr verrückt, jeder probiert sich aus, es ist ein Ausprobieren. Das ist eine super tolle Serie, die auch heute noch sehr aktuell ist. Wir hatten tolle Kostüme an, da kann man sich auf jeden Fall inspirieren lassen, und es macht einfach Spaß, den Charakteren zuzuschauen und zu schauen, was da zwischen den Charakteren passiert. (0’22)

Svenja Jung über ihre Rolle der Verleger-Tochter Jenny Olsen

Ich finde, Jenny macht einem sehr viel Lust zu leben. Jenny hab ich mir immer vorgestellt wie einen Schmetterling, der von Blüte zu Blüte fliegt und da, wo es ihr gefällt, bleibt sie ein bisschen und nimmt den Nektar aus der Blüte, und dann fliegt sie wieder weiter. Ein Mensch, der nicht wirklich weiß, wo er hinmöchte und auf der Suche nach einer Identität ist. (0’20)

Wieviel Svenja Jung steckt in der Verleger-Tochter Jenny Olsen?

Jenny ist ein wahnsinniger Mittelpunktmensch, sie kommt aus ganz anderen Verhältnissen als ich. Aber was die Lebensfreude angeht, da sind wir irgendwie auf einer Linie und die Spontanität… Ich glaube, ich weiß schon ein bisschen mehr, was ich möchte als Jenny, die ja wirklich total lost irgendwie. (0’16)

Torben Liebrecht zur Herausforderung der Rolle des Chefredakteurs Hans-Peter Kerckow

 

> Audio-Datei

Torben Liebrecht zur Herausforderung der Rolle des Chefredakteurs Hans-Peter Kerckow

Die Bücher selber waren für mich eine wunderbare Überraschung, die eine schöne schauspielerische Herausforderung versprochen hat. Da war für mich relativ schnell klar, dass ich da gerne dabei sein würde. (0’12)

Torben Liebrecht über die 70er-Jahre

Für mich ist der Reiz weniger der Schauwert selber, den zum Beispiel die 70er Jahre bieten aus der heutigen Perspektive, als tatsächlich die Konflikte, die diese Figur Kerckow, der Chefredakteur dieser großen deutschen fiktiven Illustrierten „Relevant“, die ich da spiele, durch sich durch bewegt. Ich finde es auf einer zweiten Ebene natürlich interessant zu gucken und auch zu überprüfen, wenn man sieht, was für Themen damals in der Gesellschaft unterwegs waren, welche Themen gerüttelt haben: Was ist davon eigentlich heutzutage umgesetzt? Man fragt sich ganz oft, wie es überhaupt sein kann, dass eine Frau damals noch unter einen Arbeitsvertrag die Unterschrift ihres Mannes benötigt hat, damit das überhaupt rechtskräftig war. Dinge wie Paragraph 175 oder 218, das sind ja alles Dinge, wo man sich heutzutage auch fragt, wie war so was möglich. Andererseits leben wir natürlich in einer Gesellschaft, in der jetzt gerade erst vor wenigen Wochen die Ehe für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften möglich wurde. Das ist natürlich interessant, um jetzt nochmal so Teststreifen danebenzuhalten: Was hat sich eigentlich davon umgesetzt von all diesen Dingen, die wir heutzutage als eigentlich selbstverständlich erachten? (1’05)

Torben Liebrecht trägt als Chefredakteur Hans-Peter Kerckow Schnurrbart und Koteletten. War das Maske oder echt? 

Das war echt. Und das war aber auch für mich mal eine Möglichkeit und auch ein Wunsch, auch mal ein bisschen anders auszusehen, als man es sonst konnte. Mit der Brille natürlich, das macht nochmal was anderes mit dem Typ, aber am Anfang, muss ich sagen, ich bin mit einem Vollbart gekommen auf die erste Kostüm- und Maskenprobe, und als es dann langsam anfing, uns Richtung Schnauzer hinzuarbeiten, kristallisierte sich schon das Eine raus. Als dann die Koteletten so groß an der Seite waren, hatte ich kurzzeitig das Gefühl, ich sehe aus wie so ein Fluchtwagenfahrer im Paris der frühen 70er Jahre. Das war ein bisschen ungewohnt. Es hat ungefähr eine Woche gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte, wie mein Gesicht aussah. Ich hab nach dem Dreh alles abgemacht, und wie Sie sehen – hören kann man es ja leider nicht, obwohl, ich könnt mich jetzt am Mikrofon reiben: Der Bart ist wieder dran, der hat mir dann irgendwie danach so gefehlt, dass ich dachte, ich möchte diesen Oberlippenbart unbedingt wiederhaben. (0’52)

Warum Torben Liebrecht jedem seiner Freunde empfiehlt, unbedingt alle Folgen von Zarah anzuschauen?

Weil es einfach eine verdammt gute Serie ist, die tolle, lebendige und ambivalente Figuren hat und wahnsinnig überraschend ist. Deswegen sollte man das auf jeden Fall geguckt haben. (0’15)

Weitere Informationen

Online Begleitung:

Am 24. August startet das ZDF seine Online-Begleitung zur neuen Primetime-Serie „Zarah“. Unter der URL zarah.zdf.de finden die Zuschauer dann jede Woche neue Informationen und exklusive Clips, darunter Interviews mit den Darstellern und Autoren, Material zu den Dreharbeiten, eine Reise in die 1970er und vieles mehr. Besonderes Highlight: Die erste Folge wird bereits zwei Wochen vor der TV-Premiere online zu sehen sein: ab 24. August 2017, 10.00 Uhr in der ZDF-Mediathek! Ab 7. September 2017 sind die neuen Folgen dann wöchentlich ab 10.00 Uhr in der Mediathek abrufbar – immer mindestens eine Woche vor ihrer TV-Ausstrahlung.

 

Außerdem steht ein "Zarah"-Trailer im TrailerPortal (https://trailer.zdf.de) zur Verfügung. 

http://zdf.de

http://twitter.com/ZDF

Impressum

Fotos über ZDF Presse und Information Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/zarah

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information

Verantwortlich: Alexander Stock

E-Mail: pressedesk@zdf.de

© 2017 ZDF

 

 

Ansprechpartner

Name: Susanne Priebe
E-Mail: presse.hamburg@zdf.de
Telefon: (040) 66985 180