Copyright: ZDF / Oliver Halmburger
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Zarensturz - Das Ende der Romanows

ZDFzeit-Dokumentation

Hundert Jahre nach den beiden Revolutionen in Russland richtet die Dokumentation den Blick auf das Geschehen von 1917: Im Februar setzten bürgerliche Kräfte, gemäßigte Sozialdemokraten, revoltierende Arbeiter, aber auch Adelige und Militärs der 300-jährigen Herrschaft der Romanows ein Ende. Den blutigen Schlussstrich unter ihre Ära aber zogen die Roten Revolutionäre im Oktober. Von Angesicht zu Angesicht erschossen sie den Zar und seine Familie. Es war ein Wendepunkt der Weltgeschichte.

  • ZDF, Dienstag, 14. Februar 2017, 20.15 Uhr

Texte

Zarenmord als Zeitenwende
von
Stefan Brauburger, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte

Das Massaker
Es war ein Gemetzel, das sich am 16. Juli 1918 in Jekaterinburg ereignete. Auch deshalb hatten Lenins Vollstrecker den Befehl, das Geschehene zu verheimlichen und alle Spuren zu beseitigen. Ein an der Erschießung beteiligter Tschekist, Grigori Nikulin, gab in einem lange geheim gehaltenen Tondokument aus den 60er Jahren freimütig zu: „Nicht alle waren sofort tot, der Kleine (gemeint war Thronfolger Alexei) rührte sich noch, also mussten wir noch einmal draufhalten und feuern“. Während der Sowjetzeit gab es nie ein offizielles Eingeständnis, dass damals auch die Kinder der Romanows sterben mussten und wie sie zu Tode kamen. Solche Brutalität, das wussten auch die Revolutionäre von 1918, konnte auf die Bolschewiki zurückfallen. Selbst der deutsche Kaiser als Kriegsgegner von Nikolaus II. mühte sich festzustellen, nichts mit den Vorgängen zu tun zu haben. Präventiv, denn die westlichen Alliierten wussten, wie tatkräftig das Deutsche Reich Lenins Revolution unterstützt hatte, um sich den Siegfrieden im Osten zu erkaufen. Der britische König mochte womöglich in sich gehen, weil er immerhin dem verbündeten und verwandten russischen Kaiser kein Asyl gewährt hatte, aus Sorge, bei der britischen Arbeiterschaft den Rückhalt zu verlieren. Nun war der Vetter tot. Kein anderer Monarch erlitt in diesem Schlüsseljahr 1918 ein so tragisches Schicksal. Die britische Krone ging sogar gestärkt aus dem „Weltenbrand“ hervor, den deutschen Kaiser Wilhelm II. ließ man in den Tagen der deutschen Revolution, unbehelligt ins Exil nach Holland ausreisen. Und der Habsburger Kaiser Karl zog sich nach Kriegsende „in allen Ehren“, wenn auch zuletzt in Zivil, in ein Refugium in der Schweiz zurück.

Sturz ins Bodenlose
Warum also diese radikale Abrechnung mit den Romanows? Es war ein regelrechtes Ausmerzen. Nach der Liquidierung wurden einige der Leichen mit Säure entstellt, um sie unkenntlich zu machen, bevor man sie dann in einem Waldstück verscharrte.
Das Ende kam in Etappen. Die Romanows haben nicht nur Rote Revolutionäre gegen sich aufgebracht, sie hatten den Bogen wie kein anderes europäisches Herrscherhaus überspannt. Nirgendwo war die Kluft zwischen Herrschern und Beherrschten größer. Zarin Alexandra schrieb einmal an ihre Großmutter, Queen Victoria: „Russland ist nicht England. Hier müssen wir nicht die Liebe der Menschen erwerben. Das russische Volk verehrt seine Zaren als göttliche Wesen, von denen alle Wohltaten und alles Glück stammen“: Zar Nikolaus sah sich vor allem Gott gegenüber in der Pflicht und weniger seinem Volke; dann der unermessliche Reichtum der Romanows, ihr Hofstaat, der größte der Welt, die riesigen Paläste mit ihren unglaublichen Schätzen; schließlich die Person des russischen Kaisers. Einerseits verstand sich Nikolaus II. als von Gott Berufener. Andererseits soll er noch am Totenbett seines jung verstorbenen Vaters offenbart haben: „Ich bin nicht darauf vorbereitet Zar zu sein, ich wollte nie einer werden“. Tatsächlich fehlte es ihm an Eignung und Erfahrung, „Der falsche Mann, am falschen Ort, zur falschen Zeit“, sagt Prinz Michael von Kent im ZDF-Interview, ein Nachfahre von Queen Victoria. Das Amt war zu groß für diesen Romanow. Hier zeigte sich die Schwäche eines Systems, bei dem die Erbfolge und nicht die Befähigung über Herrschaft und Macht entschied. Zu keiner Zeit begriff der Zar wirklich, was in seinem Riesenreich vor sich ging: der soziale und wirtschaftliche Wandel, die daraus resultierenden Nöte der Unterschichten, die Folgen des Hungers in den Kriegsjahren, die Versorgungskrise der Armee, das militärische Debakel.

Die radikale Revolution
Als dann im Februar 1917 die Revolte in Petrograd losbrach, verstand Nikolaus nicht, dass pure Not die Menschenmassen auf die Straße getrieben hatte, auch die eigenen Soldaten. Weil Widerstand nicht in sein Weltbild passte, reagierte der Zar lapidar: „Ordnung wieder herstellen, notfalls liquidieren!" Doch da war ihm die Macht schon entglitten, selbst hohe Generäle seiner Armee legten ihm nahe, zurückzutreten. Und er glaubte noch, das Volk werde seinen Rückzug nicht einmal verstehen können. Die Zarin sprach gar vom „Untergang Russlands“ – es war der ihrige.
Die gemäßigte provisorische Regierung unter dem Liberalen Lwow, später dann unter dem Sozialisten Kerenski, wahrte noch einen gewissen Respekt vor dem entmachteten Herrscher. Doch die Gemäßigten lernten bald, wie schwer es war, sich vom Erbe der Zarenzeit zu lösen. Sie führten den Krieg weiter, ließen die Besitzverhältnisse weitgehend unangetastet und wurden der Krise nicht Herr. Dabei war Großartiges geschehen: Russland war zum ersten Mal Republik, mit Presse- und Meinungsfreiheit, die Todesstrafe wurde abgeschafft. Doch half das?
Die Lage spielte denen in die Hände, die mit populären Botschaften den radikalen Schnitt forderten: den Krieg beenden, Land und Besitz verteilen, die Versorgung sichern – solche Parolen verfingen sich bei den Soldaten, Arbeitern, Bauern und ihren Familien. So nahm die Rote Revolution im Herbst 1917 ihren Lauf und gewann rasch die Züge einer skrupellosen Diktatur.
Das wiederum rief Gegen-Revolutionäre auf den Plan: die Bürgerlichen, gemäßigte Sozialdemokraten, Konservative, Zarentreue. Die Westalliierten schickten Truppen, weil das bolschewistische Russland aus der Koalition ausscherte. Die sogenannten „Weißen“ kämpften gegen die „Roten“. Würden innere und äußere Gegner des Umsturzes den Monarchen am Ende befreien und womöglich wieder einsetzen? Das erinnerte an die Radikalisierung während der Französischen Revolution, da rollten Köpfe, um das zu verhindern. Und auch Lenins Vollstreckern in Jekaterinburg diente das Motiv als Vorwand: „Ihre gekrönten Verwandten haben versucht, Sie zu retten. Daher sind wir gezwungen, Sie zu erschießen“, verkündete Jakow Jurowski, Befehlshaber des Exekutionskommandos, im Angesicht der todgeweihten Zarenfamilie. Und dann vollzogen die Bolschewiken den radikalen Schnitt: "Wir haben etwas Großes vollbracht und die Dynastie ausgelöscht", brüstete sich Jurowski später.

Ob Lenin den Befehl dazu erteilt hatte, blieb lange umstritten. Trotzkis Tagebucheintragungen sprechen dafür. Und wäre ein solcher folgenreicher Schritt ohne Zustimmung des Revolutionsführers überhaupt vorstellbar? Lenin, so die Überlieferung, habe, als er von der Erschießung erfuhr, wenig Regung gezeigt und eine Sitzung fortgesetzt, bei der es um einen Gesetzesentwurf ging: „Wir gehen Artikel für Artikel durch!“, soll er unberührt gesagt haben. Verhält sich so ein Überraschter? Sicher nicht, der Zarenmord passt in die mitleidslose Radikalität, mit der Lenin jener historischen Umwälzung den Stempel aufprägte. Das Schicksal der Romanows mutet an wie die Folge eines Pendelschlags, bei dem sich gegensätzliche Kräfte mit äußerster Gewalt entladen. Provozierte die Rückständigkeit der zaristischen Autokratie geradezu diese fundamentale und rigorose Revolution? Es bleibt wohl eher eine Frage der Geschichtsphilosophie als eine der Geschichtsschreibung, ob auf das eine Extrem ein anderes folgen musste.

Stab und Besetzung

Dienstag, 14. Februar 2017, 20.15 Uhr
Zarensturz – Das Ende der Romanows
ZDFzeit-Dokumentation

Stab:
Buch und Regie___Oliver Halmburger und Stefan Brauburger
Kamera___Tobias Corts, Matthias Meinl, Richard Koburg
Schnitt___Georg Michael Fischer
Ausstattung___Harry Fakner
Produktionsleitung___Nicola Aigner (Loopfilm), Carola Ulrich (ZDF)
Produzent___Oliver Halmburger
Dokumentation___Kai Schäfer, Bärbel Schmidt-Sakic, Stefan Vahlensieck
Redaktion___Stefan Mausbach
Leitung___Stefan Brauburger
Länge___45 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller:
Zar Nikolaus II.___Anton Algrang
Zarin Alexandra___Isabel Mergl
Großfürst Michail___Peter Wagner
Kaiser Wilhelm II. ___Olaf Rauschenbach
General Ludendorff___Christian Hoening
Reichskanzler von Bethmann Hollweg___Hans Steinberg

Inhalt

Der Aufstand im Februar 1917 stürzte Zar Nikolaus II., die Rote Revolution im Oktober ermordete ihn.
Es war eine historische Zäsur nicht nur mit Blick auf die Zukunft Russlands, sondern auch Europas. Kein europäisches Herrscherhaus hatte seine Lebenswelt so prunkvoll und seine Regierung so autokratisch gestaltet wie die Romanows. Doch der Erste Weltkrieg legte die Brüchigkeit und Entrückung der Zaren-Herrschaft drastisch offen. Die Versorgung der Zivilbevölkerung brach zusammen, Hungersnöte und militärische Niederlagen ließen immer mehr Unzufriedene gegen das Regime aufbegehren, das sich weiter unbeirrbar von Gottes Gnaden wähnte und für unantastbar hielt.

Im Februar 1917 brach in Petrograd eine Revolte aus, die nicht mehr zu stoppen war, begleitet von einem Generalstreik. Entscheidend: Teile des Militärs schlugen sich auf die Seite der Arbeiter. Vor einem Blutbad schreckte der russische Kaiser diesmal, anders als bei früheren Unruhen, zurück. Nach wenigen Tagen dankte er ab, fast sang- und klanglos. Russland wurde Republik, erhielt die liberalste Verfassung seiner Geschichte. Doch die gemäßigten bürgerlichen und sozialdemokratischen Kräfte der provisorischen Regierung wurden der Lage nicht Herr. Und sie führten den beim Volk längst verhassten Krieg weiter.

 Es war ausgerechnet das deutsche Kaiserreich, das dem Berufsrevolutionär Lenin im April 1917 die Heimkehr aus dem Schweizer Exil ermöglichte, jene legendäre Zugfahrt über deutschen Boden nach Russland. Der vormals verbannte Führer der Bolschewiken sicherte zu, den Krieg sofort zu beenden und zwar unter den Bedingungen der Deutschen, dafür unterstützen sie ihn. Am 24./25. Oktober nach julianischem, am 6./7.November nach gregorianischem Kalender rissen die Bolschewiki die Macht an sich, ein blutiger Bürgerkrieg zwischen „Weiß“ und „Rot“, zwischen Zarentreuen, Liberalen und gemäßigten Linken auf der einen und den Gefolgsleuten Lenins auf der anderen Seite, entbrannte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Radikalisierung des Umsturzes auch das Leben derer bedrohte, die für die Bolschewiki und ihre Anhänger zu verhassten Symbolfiguren der Unterdrückung geworden waren: die Romanows. Der gestürzte Zar Nikolaus II. und seine Familie starben im Kugelhagel, die Tschekisten sollten alle Spuren beseitigen. Die Leichen wurden in einem Waldstück bei Jekaterinburg verscharrt – manche bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Erst 1991 wurden ihre Überreste wiederentdeckt und später – im Beisein von Präsident Boris Jelzin – feierlich bestattet. Auch dies sollte ein Schlussstrich sein, unter die schuldbehaftete wie blutbefleckte kommunistische Vergangenheit mitsamt ihrem Geschichtsbild. Nach sowjetischer Lesart war das Ende der Romanows freilich kein Verbrechen, sondern ein finaler Akt der Revolution. Wie Mittäter Grigori Nikulin es noch fünf Jahrzehnte nach dem Mord schilderte: „Wir wussten, so oder so müssen wir es zu Ende bringen“.

Den Blick auf das Geschehen von 1917 in Russland richtet die Dokumentation mit Hilfe szenischer Rekonstruktionen, Aufnahmen von Originalschauplätzen, zum Teil unbekannten Dokumenten und Historiker-Stimmen zum aktuellen Forschungsstand. Die Autoren Oliver Halmburger und Stefan Brauburger präsentieren zudem ein Tondokument, das Aufschluss gibt, wie sich die Täter auf die Hinrichtung vorbereiteten und wie sie darüber dachten. Es ist das Bekenntnis des Tschekisten Grigori Nikulin: „Wie dem auch sei. Wir machten kurzen Prozess“.

Zitate von Zar Nikolaus II., Zarin Alexandra Fjodorowna und Grigori Nikulin, Tschekist und Mitglied des Exekutionskommandos

Zar Nikolaus II.

"Was soll nur aus mir werden und aus Russland? Ich bin nicht darauf vorbereitet, Zar zu sein und wollte nie einer werden. Ich weiß nichts über das Geschäft des Regierens. Ich weiß nicht einmal, wie ich mit meinen Ministern reden soll.“
Zar Nikolaus II. am Totenbett seines Vaters

„Ich befehle Ihnen, Morgen die Unordnung in der Hauptstadt zu beenden, die in den schwierigen Zeiten des Krieges mit Deutschland und Österreich nicht akzeptabel sind.“
Zar Nikolaus II. über die Februarunruhen 1917

"Wenn es nötig sein sollte, dass ich zum Wohle Russlands abdanke, dann bin ich bereit, es zu tun. Ich fürchte aber, das Volk wird es nicht verstehen."
Zar Nikolaus II. kurz vor seiner Abdankung

„Ich verabschiedete mich von meinen Offizieren und den Kosaken(…) Dies hat fast mein Herz gebrochen. Das Wetter ist frostig und windig. Es ist elend, schmerzlich und deprimierend.“
Zar Nikolaus II. nach seiner Abdankung

Zarin Alexandra Fjodorowna

"Die Atmosphäre ist wie mit Elektrizität geladen und ich spüre ein nahendes Gewitter; Gott aber ist gnädig und wird uns vor allem Bösen bewahren."
Zarin Alexandra Fjodorowna in einem ihrer letzten Briefe

„Das ist eine Bewegung der Krawallmacher. Junge Buben und Mädchen rennen herum und schreien, sie hätten kein Brot, nur um aufzufallen. Dann halten Arbeiter andere von der Arbeit ab. Wenn es kalt genug wäre, würden sie wahrscheinlich zuhause bleiben. Aber das alles wird vorbeigehen und sich beruhigen.“
Zarin Alexandra Fjodorowna über die Februarunruhen 1917

„Sie schreiben so viel Schmutz über ihn (Nikolaus): ein schwacher Geist und so weiter. Es wird schlimmer und schlimmer, ich werfe die Zeitungen weg. Es tut weh, es tut jedesmal weh. Alles Gute ist vergessen, es ist so schwer die Flüche gegen den zu lesen, den du am meisten liebst. Die Ungerechtigkeit der Leute und kein einziges freundliches Wort.“
Zarin Alexandra Fjodorowna nach der Abdankung des Zaren

„Russland ist nicht England. Hier müssen wir nicht die Liebe der Menschen erwerben. Das russische Volk verehrt seine Zaren als göttliche Wesen, von denen alle Wohltaten und alles Glück stammen.“
Zarin Alexandra Fjodorowna zu ihrer Großmutter Queen Victoria

Grigori Nikulin, Tschekist und Mitglied des Exekutionskommandos

Grigori Nikulin, Tschekist und Mitglied des Exekutionskommandos berichtet in einem weithin unbekannten Tonbandinterview aus dem Jahr 1964 über die Umstände der Ermordung der Zarenfamilie.

„Wir hatten die Anweisung es unauffällig zu tun. Niemand durfte davon wissen.“

„Es lastete schwer auf uns. Wir wussten, so oder so müssen wir es zu Ende bringen.“

„Wir hatten verschiedene Überlegungen was wir tun könnten. Eine Überlegung war, dass jeder von uns eine Person erledigt. Schlafend im Bett erschießen. Oder sie für eine Überprüfung in einem Raum zu versammeln und eine Bombe hineinzuschmeißen. Und dann kamen wir auf die letzte Version, wie ich denke, die Beste.“

„Sie konnten es kaum fassen. Sie sahen sich verwundert an.“

„Wir schossen, und schossen, immer wieder. Einige waren nicht sofort tot – also mussten wir noch einmal draufhalten und feuern.“

Zitate von Experten

Über Zar Nikolaus II.

„Nikolaus war auf seine Rolle als Zar vollkommen unvorbereitet, er erwartete nicht, Zar zu werden. Sein Vater verstarb relativ jung. Nikolaus wurde in diese Situation hineingestoßen und brach Berichten nach in Tränen aus: ‚Ich bin nicht bereit, Zar zu sein, ich weiß nicht einmal, wie man mit Ministern redet.‘“
Prof. Orlando Figes, Autor: „Die Tragödie eines Volkes“

„Zar Nikolaus II. hatte die alleinige Entscheidungskompetenz. Das ist spätestens seit dem 19. Jahrhundert in keiner anderen europäischen Monarchie mehr der Fall. Der Einzige, dem er sich zu verantworten hat, ist Gott mit dem er sich im Einklang sieht.“
Prof. Dr. Matthias Stadelmann, Autor: „Die Romanows“

„Zar Nikolaus II. war nicht besonders charakterstark. Hinzu kam diese Haltung: ‚Ich bin von Gott auserwählt, mein Volk zu führen.‘ Er war der Lage nicht gewachsen und blieb dennoch stur. Der falsche Mann am falschen Ort zur falschen Zeit.“
Prinz Michael von Kent, Großneffe des Zarenbruders Michail Alexandrowitsch Romanow

„Nikolaus war möglicherweise ein guter Mensch. Ohne Zweifel war er ein guter Familienvater. Aber er war keinesfalls ein guter Zar. Ihm fehlte es an Führungsfertigkeit, Strategien und politische Entschlüsse von Bestand zu entwickeln und durchzusetzen.“
Prof. Orlando Figes, University of London

Über die Februar-Revolution 1917

„Zar Nikolaus II. versteht die Dimension dessen nicht, was sich im Februar 1917 in Petrograd abspielt. Vielleicht kann man ihm das gar nicht zum Vorwurf machen, denn die Dimension ist tatsächlich eine andere als bei bisherigen Demonstrationen und Artikulationen von Unzufriedenheit. Es sind Menschen, die um ihrer puren Existenz willen auf die Straße gehen, die nichts mehr zu essen bekommen, für sich, für ihre Kinder, für die Familien und die kaum eine andere Wahl haben in ihrer Verzweiflung.“
Prof. Dr. Matthias Stadelmann, Osteuropahistoriker

Nach der Abdankung

„Man hat tatsächlich den Eindruck, dass Nikolaus II. nach seiner Abdankung eine Last von den Schultern fällt – die Last, die er eigentlich nie tragen wollte, die Last dieses Imperiums. Und wenn man seine Bedenken vor der Thronbesteigung und seine Zögerlichkeiten über all die Jahre hinweg betrachtet, dann ist diese Reaktion nach der Abdankung, sich befreit zu fühlen, gar nicht so verwunderlich.“
Prof. Dr. Matthias Stadelmann, Uni Erlangen-Nürnberg

„Zarin Alexandra ist fassungslos. Sie hätte nicht abgedankt. Sie war unter denjenigen, die ihn stets zu härterem, entschlossenerem Durchgreifen geraten haben, die auch immer versucht hat, irgendwelche Zugeständnisse politischer Art zu verhindern. Es war definitiv nicht die Entscheidung seiner Frau, genauer gesagt, es war eine Entscheidung auch gegen den Willen seiner Frau, abzudanken.“
Prof. Dr. Matthias Stadelmann, Autor des Buchs „Die Romanows“

Februar und Oktober 1917

Zwischen Februar und Oktober 1917 wurden die Prinzipen der bürgerlichen Regierung umgesetzt: es herrschte Pressefreiheit und das Recht öffentlichen freien Meinungsäußerung, zudem gab es keine Todesstrafe. Die Partei der Bolschewiki war nicht so weich, sie vertrat das Prinzip der „harten Hand“ und schreckte auch terroristischen Methoden nicht zurück.“
Elena Lysenko, Historikerin

Unzufriedenheit vor der Oktoberrevolution

„Die Bauern wollten mehr Land, sie wollten das Land der Gutsbesitzer. Die Arbeiter wollten bessere Bedingungen, sie wollten genügend Lohn, genügend zu essen, sie wollten nicht von den Fabrikbesitzern schikaniert werden, in schlechten Arbeitsbedingungen. Die Soldaten wollten nach Hause, sie wollten aus dem Krieg raus, sie wollten Frieden. Die Bolschewiki haben allen gesagt: Seid für uns, und ihr bekommt das.“
Prof. Dr. Matthias Stadelmann, Uni Erlangen-Nürnberg

Zur Rolle von Deutschland

„Die Deutschen waren selbstverständlich zufrieden mit der Situation in Russland, war es doch Teil ihrer Strategie, jene Gruppen in Russland zu unterstützen, die den Krieg unter allen Bedingungen beenden wollten.“
Prof. Orlando Figes, Historiker

„Die Ziele der deutschen Führung fielen in vielem mit den Zielen der radikalen Sozialisten in Russland zusammen. Vor allem die Zerschlagung des staatlichen gesamtrussischen Imperiums.“
Elena Lysenko, Museum der politischen Geschichte Russlands, Sankt Petersburg

Der Zar und das Volk

„Der Zar wusste nicht, welche Einstellung das Volk ihm gegenüber hatte. Ihm waren nur die guten, positiven Beispiele bekannt. Bis zum Ende seiner Tage war er überzeugt, dass das, was passiert, einfach ein großer Fehler war und das Volk ihn größtenteils unterstützt.“
Elena Lysenko, Historikerin

Nach der Hinrichtung

„Kurz nach der Hinrichtung der Zarenfamilie erscheint eine kurze Pressenotiz. Darin wird lediglich die Hinrichtung des Zaren und der Zarin bekannt gegeben. Die Ermordung der unschuldigen Kinder bleibt unerwähnt. Wohl vor allem, weil dies negativ auf die Bolschewiken zurückfallen könnte. Diese Tat ist keine, die man so leicht zugibt.“
Prof. Orlando Figes, University of London

„Als die Nachricht der Hinrichtung Lenin während einer Sitzung erreicht – Thema ist das Gesundheitssystem, hält Lenin kurz inne und fährt ungerührt weiter fort: ‚Wir gehen jetzt Artikel für Artikel des Gesetzentwurfes durch.‘ Die Nachricht war nur eine Randbemerkung.“
Prof. Orlando Figes, Historiker

Russisches Selbstverständnis

„Den Weg – von den Romanows zu Lenin, zu Stalin bis hin zur heutigen Regierung – verstehen die Russen als Kontinuum, als Teil ihrer Geschichte, als Teil ihres Fortschritts. Sie waren durch die Hölle gegangen, aber sie haben es überstanden. Mit Stolz, mit Stärke und mit Widerstandskraft. Und dafür gibt es im Russischen ein Wort, das bedeutet ‚die Fähigkeit, weiterzumachen, die Fähigkeit, klarzukommen, sich nicht unterkriegen lassen‘. Ich finde das äußerst liebenswert.“
Prinz Michael von Kent, Enkel des britischen Königs Georg V.

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