ZDF.reportage: Der Superflieger

Zweiteilige Reportage von Ulli Rothaus

Zwischen Elbe und Obstfeldern, im beschaulichen Hamburg-Finkenwerder, arbeiten 15.000 Menschen an einem fliegenden Riesen. Hier wird der Airbus A 380 ausgebaut. In seiner zweiteiligen „ZDF.reportage: Der Superflieger“ wirft Autor Ulli Rothaus einen Blick in eine sonst verschlossene Welt. Der Zuschauer erlebt, wie aus einer grünen Röhre mit Kabelsalat und Leitungslabyrinth das größte Passagierflugzeug der Welt wird.

  • ZDF, 22. Februar und 1. März 2015, sonntags, 18.00 Uhr

Texte

Sendetermine

Sonntag, 22. Februar 2015, 18.00 Uhr
Der Superflieger
A 380 – ein Riese hebt ab 

Sonntag, 1. März 2015, 18.00 Uhr
Der Superflieger
A 380 – Turbulenzen am Boden

Stab und Inhalt

Autor      Ulli Rothaus
KameraMichele Parente
RedaktionHarald Lüders
Länge2 x ca. 48 Minuten

Zwischen Elbe und Obstfeldern, im beschaulichen Hamburg-Finkenwerder, arbeiten 15.000 Menschen an einem fliegenden Riesen. Hier wird der Airbus A 380 gebaut, das größte Passagierflugzeug der Welt. Besser gesagt: Er wird ausgebaut. Zusammengeschraubt wird er vorher in Toulouse. Von dort kommt der Airbus A 380 nach Finkenwerder, als leere grüne Röhre, die fliegen kann – aber viel mehr auch nicht. Hier wird die Kabine eingebaut, hier wird der Flieger lackiert, rauf und runter getestet und schließlich an die Airlines ausgeliefert. Auch wenn die A 380 sich weniger gut verkaufte als erhofft, sind doch weltweit bereits 152 Maschinen im Einsatz. Allein 57 davon besitzt die Fluggesellschaft Emirates. Sage und schreibe 140 der Großraumflieger hat die arabische Airline insgesamt bestellt. Es gibt also einiges zu tun in Finkenwerder. 

Die zweiteilige „ZDF.reportage: Der Superflieger“ wirft einen Blick in eine sonst verschlossene Welt. Der Zuschauer erlebt, wie aus einer grünen Röhre mit Kabelsalat und Leitungslabyrinth das größte Passagierflugzeug der Welt wird. Autor Ulli Rothaus begleitet die Menschen, die es möglich machen, dass der Riesenflieger in die Luft geht – die Fliegermacher:

Thorsten Drewes ist Flugzeug-Tester. Er kann etwas, was sonst keiner kann: Anhand der Geräusche, die der Riesenvogel macht, hört er, wenn etwas nicht stimmt – sei es eine Tür, eine Klappe oder ein Triebwerk. Ein Mann mit einem extrem sensiblen Gehör. Drewes ist ein Mann mit Bodenhaftung – auch mit der A 380 bleibt er unten, schließlich ist er kein Pilot. Aber wenn die Test-Piloten mit dem Flieger in die Luft gehen, ist er natürlich dabei. Wer sonst könnte hören, ob über den Wolken in der First Class die Dusche tropft?

Kai Heimes und seine Truppe sind zuständig für die Farbe. Der 73 Meter lange Airbus wird an einem Stück lackiert – per Hand. 20 Lackierer machen sich gleichzeitig von allen Seiten über den Flieger her, ein Ballett der Spritzpistolen. Und wehe der Lack ist zu dick! Gewicht kostet Geld in der Fliegerei, also dürfen die insgesamt fünf Schichten Lack zusammen nicht mal einen Millimeter dick sein.

Frank Behrens leitet die "Flight Line", das Empfangs-Komitee für die noch leeren, unlackierten A 380, die aus Toulouse in Finkenwerder einfliegen. Sobald ein „grüner“ Flieger in Hamburg gelandet ist, macht sich sein Team an die Arbeit – danach ist es kein Luftfahrzeug mehr, sondern nur noch eine lange grüne Doppelstock-Röhre, die in möglichst kurzer Zeit vollgebaut werden muss, mit Sitzen, Küchen, Toiletten und allem, was der fliegende Mensch so braucht. Um dann wieder zu ersten Tests in die Luft zu gehen.

Detlef Schaal hat den Job, von dem kleine Jungen träumen. Er ist Testpilot, er bringt jeden Flieger in die Luft, bevor andere mit ihm fliegen dürfen. Detlef Schaal hat die Lizenz für jeden Airbus-Typ, aber die A 380 ist auch für ihn jedes Mal ein Erlebnis. Allerdings nicht mehr lange – im Sommer 2015 geht er für Airbus nach China, und da werden nur „kleine“ Airbus-Typen gebaut. Zusammen mit Frau und Tochter lernt er zurzeit Chinesisch.

Das Team der „ZDF.reportage“ hat sich mehrere Wochen in den hohen Hallen von Airbus ungesehen – und erzählt spannende Geschichten in faszinierenden Bildern.

Nur Fliegen ist schöner?
Von Autor Ulli Rothaus

Eins vorweg: Ich hab‘ Flugangst. Nicht mehr so schlimm wie früher, aber mir reicht‘s. Also beste Voraussetzungen für Dreharbeiten bei Airbus, dem großen Flugzeugbauer in Hamburg-Finkenwerder. Airbus A 380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Für mich eine Chance auf eine kleine berufsbegleitende Konfrontations-Therapie. Man lernt bei der Arbeit was fürs Leben: Ständig mit dem Flieger in der Luft, und dabei ständig mit dem Drehen beschäftigt – da fliegt die Angst weg. Dachte ich. Aber es kam anders... 

Fenster oder Gang? – da kann man ja nur lachen! Der Airbus A 380, der gerade in Finkenwerder gelandet ist, hat auf jedem seiner beiden Decks nur zwei Sitze – und die stehen einsam in der Mitte. Daneben ein Brett mit Sauerstoffmaske, Erste-Hilfe-Set und Taschenlampe – das war‘s auch fast schon, was der Riesenflieger an Innereien zu bieten hat. Hinten steht noch ein Chemie-Klo, in der Ecke liegt ein verschnürtes Schlauchboot, und an der Tür baumelt ein Strick mit Knoten – just in case … Schließlich hat der Supervogel noch keine Notrutschen an Bord. Es war der erste Flug dieser A 380, vom Airbus-Werk in Toulouse hierher nach Finkenwerder. Immerhin, der hat schon mal geklappt. Unterwegs wurden schon alle möglichen Tests geflogen. Und jetzt wird erst mal ein „Post-Flight-Check“ gemacht.

Wenn man den Airbus betritt, betritt man sächsischen Boden – die Fußboden-Platten werden in Dresden produziert. Der leere Riese sieht innen aus wie ein überdimensionierter Heizungskeller, wie ein einziges Leitungs-Labyrinth mit Kabelsalat. Natürlich ist alles mit Sinn und Verstand montiert, aber für Menschen mit Flugangst – wie mich – ist das erst mal kein besonders vertrauenerweckender Anblick. Von außen sieht er grün, scheckig und fleckig aus – schön ist anders. Überhaupt scheiden sich ja die Geister, ob die etwas pummelige A 380 ein ästhetisch gelungenes Flugzeug ist – oder ob der Boeing-Jumbo 747 mit seinem langgezogenen Buckel eleganter daherkommt. Insider munkeln ja, dass die Pläne für eine Stretch-Version der A 380 schon in der Schublade liegen.

Hier in Hamburg wird der leere Doppeldecker nun vollgestopft – mit Sitzen, Küchen, Öfen, Schränken, Toiletten und allem, was der Mensch so braucht über den Wolken. Und – ganz wichtig: Entertainment, in 35 Sprachen, von Paschtunisch bis Igbo – kann ja sein, dass mal ein Fluggast aus dem Südosten Nigerias einen Film in seiner Muttersprache sehen will.

Außen wird die A 380 dann richtig hübsch gemacht, mit vier hauchdünnen Schichten Lack in den Farben des Kunden, also der Fluggesellschaft, die mit dem Vogel um die Welt fliegen will. In diesem Fall heißt der Kunde „Emirates“, die Airline aus Dubai. Sie hat allein 140 der Superflieger bestellt, Listenpreis pro Flugzeug: mehr als 400 Millionen Euro. Aber wer zahlt schon Listenpreise...

Über einen Zeitraum von drei Monaten haben wir immer wieder bei Airbus gedreht, haben stundenlang im Cockpit gehockt, haben alle möglichen Tests gefilmt, sind in jeden Winkel des Fliegers gekrochen. Sind wie Marsmenschen in Schutzanzügen auf den Lackier-Plattformen rumgeturnt. Gefunden haben wir super-spannende Geschichten, mit überwältigenden Bildern und tollen Typen. Nur – geflogen sind wir nie! Bei den Testflügen darf kein Normalsterblicher mit, da mussten wir den Dreh einem Airbus-Kameramann anvertrauen.

Wäre ja auch zu schön gewesen, die Sache mit der Konfrontationstherapie...

Biografische Angaben zu Autor Ulli Rothaus

Ulli Rothaus arbeitet als TV-Journalist, Filmemacher und Reporter für das ZDF. Er ist Autor von mehr als 100 längeren Reportagen, Features und Dokumentationen. Für das ZDF hat er erfolgreiche Doku-Serien entwickelt, darunter zusammen mit Bodo Witzke die zehnteilige Serie „Frankfurt Airport“ und die vierteilige Serie „Das Bahnhofsviertel“. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit sind Reise-Dokumentationen, wie: „Trolle, Fjorde und ein Postschiff“ (mit Bodo Witzke), oder „Sommer im ewigen Eis“ (mit Bernd Reufels). Darüber hinaus arbeitet Ulli Rothaus als Trainer in der Aus- und Fortbildung des ZDF.

Die ZDF.reportage

Die "ZDF.reportage" berichtet immer sonntags, 18.00 Uhr, aus der Alltagswirklichkeit der Zuschauer. Sie greift Themen auf, die aktuell und brisant sind und setzt sie spannend und emotional um. Dabei erzählt die "ZDF.reportage" immer aus der Perspektive der Betroffenen, von Menschen, ihren Lebenswegen und Schicksalen, ihren Konflikten, ihren Hoffnungen und Träumen. Die meisten Reportagen spielen in Deutschland, bei Auslandsthemen ist stets ein deutscher Bezug vorhanden.

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